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14. Dezember 2008

"Advent, Advent"(Teil 2) von Puncky


Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Genres: Reale Welt
Warnungen: Zucker
Inhalt: Nick ist am ersten Advent alleine. Ob er auch alleine bleibt, ist nicht nur seine
Entscheidung.
Kommentar: Dies ist mein Beitrag für den Adventskalender 2008 von
BoyxBoy.

Advent, Advent, die zweite Kerze brennt,
Das Haus ist voll Tannenduft.
Advent, Advent, die zweite Kerze brennt.
es liegt was in der Luft.


Es war schon der Samstag vor dem zweiten Advent und ich war nicht allein. Lynette hatte mich einfach nicht mehr gehen lassen, sie meinte immer, dass sie doch jemanden brauche und so. Naja, irgendwie fand ich es ja schon komisch, dass ich Justus nicht einmal sah in der ganzen Woche, die ich bei Lynette war. Da hätte wohl wirklich jeder den Verdacht, dass sein Ehemann eine Affäre hat, oder?
Ich hatte versucht, möglichst nicht zu viele Gedanken laut auszusprechen, doch ich machte Lynette mit meinem Schweigen nur noch verrückter, als sie eh schon war. Wie gerne würde ich ihr helfen, doch ich hatte keine Ahnung, wie.
„Maurice!“, brüllte ich durchs Haus. Spontan fiel mir mal eine Idee ein.
Kurz darauf hörte ich Maurice die Treppe runter poltern. „Was ist, Nick?“, fragte er.
„Ich habe eine Idee!!“, begeisterte ich mich und sah nur Maurice‘ Augenbraue hochwandern. „Was denn? Komm schon, ein bisschen Spaß muss sein! Zieh dich an!“
Ich versprühte soviel Tatendrang, dass der schüchterne Maurice, den ich in der letzten Woche echt in mein Herz geschlossen hatte, nur nicken konnte. Offensichtlich beeindruckt von meinem Enthusiasmus. Die ganze letzte Woche hatte er mich fast jeden Abend getröstet, wenn mir doch wieder nichts einfiel, wie ich die Ehe meiner Schwester retten konnte. Doch jetzt hatte ich DEN Einfall!!
„Lynette! Maurice und ich gehen weg!“, rief ich hoch, bekam allerdings nur ein gedämpftes „Ok“ zur Antwort.
„Gut, lass uns gehen!“, meinte ich an Maurice gewandt.
Im Auto schwiegen wir, wie meistens. Mit Maurice konnte man echt gut einfach nichts sagen, es fühlte sich auch gut an.
Ich schloss mein Handy an die Freisprechanlage an und wählte Justus‘ Nummer, in der Hoffnung, dass er heute mal rangehen würde.
„Hallo?“, vernahmen wir sogleich seine Stimme.
„Justus! Hallo“, flötete ich. Ich hatte einmal die Ehre gehabt, Justus kennen zu lernen und er war mir eigentlich sympathisch, doch mit dieser Aktion hatte er es sich bei mir verkackt… Aber was tat man nicht alles für seine liebste Schwester?
„Oh, hallo Nick. Wie geht’s dir?“, fragte er.
„Ja, mir geht’s gut. Aber willst du nicht vielleicht wissen, wie es deinen Kindern geht?“, fragte ich scheinheilig.
„Ähm, ich weiß doch, wie es ihnen geht, immerhin war ich die letzte Woche zu Hause!“, erwiderte er.
„Was? Du warst zu Hause? Wie kommt es dann, dass ich dich nicht einmal gesehen habe?“
„Naja, ich kam sehr spät und bin sehr früh gegangen, weil wir grade ein ganz wichtiges Projekt in der Endphase haben!“
Oh, das klang wirklich logisch. Ich schaute kurz zu Maurice rüber und er schaute mindestens so verwirrt wie ich. Wieso hatte Lynette nichts gesagt?!
„Kannst du uns vielleicht helfen, einen Weihnachtsbaum zu kaufen?“
„Wieso denn jetzt schon? Es sind doch noch zwei Wochen bis Weihnachten!“, fragte Justus verwirrt.
„Oh Mann!! Justus!! Einen Weihnachtsbaum kauft man nicht einfach kurz vor knapp! Man kauft ihn immer so früh!!“, empörte ich mich. Maurice nickte neben mir zustimmend.
Wir kamen an unserem Ziel an und ich suchte einen Parkplatz, während ich Justus fragte: „Kommst du?“
Nach einer kurzen Pause sagte er: „Ok, ich bin gleich da!“
Wir legten auf und ich grinste Maurice triumphierend an. Schon wieder jemanden für mich gewonnen!
Jetzt stellte ich mir nur noch die Frage, was da los war, denn scheinbar war zwischen Justus und Lynette alles in Ordnung. Warum hatte Lynette mich da behalten?!
Maurice und ich waren schon voll im aussuchen drin, als Justus zu uns stieß.
„Hey!“, begrüßte ich ihn und er umarmte mich kurz. „Was ist los bei dir und Lynette?“
Er lächelte Maurice kurz an und erwiderte dann: „Was soll denn los sein? Ich hab grad viel im Büro zu tun, aber das weiß sie ja!“
Maurice schaute mich komisch an, bevor er dann mit den Schultern zuckte und sich wieder an die Arbeit machte. Wir schlenderten über den Platz und konnten uns für keinen Baum entscheiden. Bis Justus irgendwann sagte: „Den nächsten Baum, den wir auf Anhieb gut finden, nehmen wir!!“
Ich konnte nur den Kopf schütteln und zog die beiden weiter. Ich ging in die nächste Reihe und da sah ich IHN! Den perfekten Baum für mich!
Mit einem fetten Grinsen steuerte ich auf den Baum zu und rief: „Den hier!“
Der Baum war mittelgroß, nicht zu buschig und einfach perfekt!
Hinter mir hörte ich Maurice murmeln: „Wieso den?“
„Er ist einfach perfekt!“, rief ich auf und winkte schon eifrig nach einem Verkäufer. „Mögt ihr ihn etwa nicht?“
„Doch, doch, er ist ganz schön…“, stimmte Justus mir zu. Ich denke, er war einfach nur froh, dass ich mich endlich entschieden hatte.
Maurice lief einmal prüfend um den Baum und nickte dann zustimmend. Also nahmen wir ihn.
Wir konnten Justus noch überreden, mit uns nach Hause zu kommen. Ich würde Lynette die Hölle heiß machen!!

„Ich weiß nicht, was du meinst!“, rechtfertigte sich meine Schwester.
Ich sah sie mit hochgezogener Augenbraue an und meinte: „Warum bin ich hier, wenn deine Ehe wunderbar läuft und es dir auch sonst echt gut geht?!“
Auch Justus und Maurice schauten sie fragend an. Dann sagte Justus: „Zu mir sagte sie, dass du aus deiner Wohnung geflogen bist und nicht weißt, wo du hinsollst!“
„Jetzt weißt du’s! Deswegen bist du hier: Weil ich nicht will, dass Maurice und die Kinder mitbekommen, wie ich den Familienvater hier kalt mache heute Abend!“, erwiderte meine Schwester daraufhin.
Ich grinste. Mmh, vielleicht konnte ich ja mit Maurice alleine sein? /Nein! Aus! Der wird ja eh nichts mit ‘nem Deutschen anfangen wollen!/, ermahnte mich meine innere Stimme.
„Ich habe keine Lust andauernd dein Babysitter zu sein!! Gib deine Kinder doch mal deinen Eltern! Die freuen sich sicher, wenn sie ihre Enkel schön homophob erziehen können!“, gab ich zurück. Eigentlich sollte es sich nicht so heftig anhören, wie es rauskam.
Maurice schaute mich nur verwirrt an, meine Schwester und ihr Mann tauschten nur einen besorgten Blick. Und der alarmierte mich.
„Was habt ihr angestellt?!“, fragte ich.
Meine Schwester lächelte mich zuckersüß an und flötete: „Ich möchte, dass du bis Weihnachten bei uns bleibst, wenn die Eltern kommen!“
Langsam, ganz langsam stieg meine Wut-Skala nach oben. Wutentbrannt verließ ich das Zimmer und stürmte nach oben, in mein vorläufiges Zimmer. Meine Reisetasche hatte ich noch nicht wirklich ausgepackt, also stopfte ich einfach alles rein und war froh, als sie dann auch zuging. Dann schnappte ich mir noch meine Hängetasche und lief runter, um dieses Haus zu verlassen.
„Nick! Bleib da! Du kannst doch nicht immer gehen, wenn dir etwas nicht passt!“, hörte ich Lynette aus der Küche rufen. Sie war so nett, nicht hinter mir her zu laufen.
Ich ignorierte sie und zog mich vollständig an. Kurz darauf saß ich schon in meinem Auto und fuhr heimwärts.

Ich lag in meinem Bett und ließ den Tränen freien Lauf. Seit fast sieben Jahren hatte ich nicht mehr richtig geweint. Das letzte mal, als ich meinem Elternhaus den Rücken zuwandte und mein damaliger Freund mich mit zu sich nach Hause nahm. Er war auch mein bester Freund gewesen, doch ich war schnell aus dem Dorf weggezogen und hatte mir in der Stadt eine Wohnung, eine Schule und einen Job gesucht.
Seitdem hatte ich eigentlich nicht mehr richtig eine Beziehung geführt. Ab und zu gab es da Männer in meinem Bett aber mein Herz konnte, und durfte, keiner mehr berühren. Mit Lynette hatte ich fast ein Jahr keinen Kontakt, obwohl wir in derselben Stadt wohnten. Und irgendwann stand sie dann mit Mann und Kindern vor meiner Tür.
Doch richtig verarbeitet hatte ich das ganze noch nicht. Dafür blieb mir zwischen Job, Studium oder Schule und lernen auch keine Zeit.
Um zehn rum klingelte es. Ich ignorierte es. Um diese Uhrzeit konnte es nur Lynette sein. Doch sie hörte nicht auf zu klingeln und schließlich machte ich ihr, eher widerwillig, auf. Doch vor meiner Tür stand nicht Lynette, sondern Maurice.
„Hey“, murmelte er schüchtern. „Ich wollte sehen, wies dir geht.“
Ich antwortete nichts, denn eigentlich konnte man mir ziemlich gut ansehen, wie es mir ging.
„Mir geht’s gut!“, antwortete ich aber und wollte ihm die Tür vor der Nase zumachen.
Doch Maurice überraschte mich mit seiner Schnelligkeit und ehe ich mich versah, war er auch schon in meiner Wohnung und schloss die Tür hinter sich. Ich hatte nicht damit gerechnet, ihn hier nochmal zu sehen, denn normalerweise wollte niemand etwas mit mir zu tun haben, denn immerhin bin ich schwul!
Maurice ging an mir vorbei in die Küche und setzte Tee auf. Er benahm sich, als ob er hier zu Hause wäre.
„Maurice, was wird das?“, fragte ich misstrauisch.
„Was denn wohl? Ich mache uns einen Tee, das tut immer gut!“, erwiderte er gelassen und drehte sich zu mir um. Ich lehnte mich Sicherheitssuchend an den Türrahmen. Wieso wurden meine Knie unter seinem intensiven Blick nur so weich?
„Wieso bist du wirklich hier?“, fragte ich nach einer Weile Schweigen.
Er druckste etwas rum, bevor er antwortete: „Lynette hat mich geschickt, sie will, dass ich erst mal bei dir bleibe.“
Ich schaute ihn schweigend an, bevor ich mich umdrehte und ins Wohnzimmer ging. Was hatte ich mir auch Hoffnungen gemacht, er könne wegen mir da sein?!
Maurice folgte mir wenig später mit zwei Tassen Tee in den schönen Händen und setzte sich auf mein Sofa, während ich aus dem Fenster schaute. Draußen war es tiefste Nacht und so beobachtete ich eher Maurice, als draußen irgendetwas zu sehen.
Er lächelte mich an und sagte dann: „Mon chéri, komm her!“
Bei seinem Kosenamen rann mir ein Schauer den Rücken runter und ich konnte gar nicht anders, als mich neben ihn aufs Sofa zu setzen und schweigend den Tee entgegen zu nehmen. Wir tranken langsam und ich fühlte mich vollkommen wohl, schweigend neben ihm zu sitzen. Ich genoss sogar die Stille.
Als meine Tasse leer war, stellte ich sie auf den Couchtisch und lehnte mich auf dem Sofa zurück. Genießend schlossen sich meine Augen

Ich musste eingeschlafen sein, denn als ich wieder aufwachte, lag ich neben Maurice in meinem Bett.
Moment. ICH LAG NEBEN MAURICE!!!
Schnell sprang ich auf. Was machte MAURICE in MEINEM BETT??
Grummelnd bewegte sich der Herr meiner Gedanken und murmelte: „Tu est bête!“
Ein bisschen Französisch verstand ich schon und so schaute ich ihn nur irritiert an. Noch immer stand ich neben dem Bett. Und ich bemerkte auch an dem leichten Frösteln, das mich überfiel, dass ich nur meine BOXERSHORTS anhatte!!
Ich war anscheinend wieder so in meine Gedanken vertieft, dass ich gar nicht bemerkte, wie Maurice sich aufsetzte und mir seine Hand hinhielt. „Komm zurück ins Bett!! Mir ist kalt!“, flüsterte er leise und mein Körper gehorchte seinem Befehl. Ehe ich mich versah, schloss er mich auch schon wieder in seine Arme und ich lag stocksteif an ihn geschmiegt da.
„Maurice… Was… was machst du da?“, brachte ich mühsam heraus, als er sein Gesicht in meine Halsbeuge schmiegte.
„Ich bin müde!“, murmelte er zurück.
Eigentlich war ich ja auch müde, also genoss ich einfach mal die Nähe und schloss auch die Augen, nur um kurz darauf wieder im Traumland zu landen.

Sehnsüchtig schaute ich ihn an. Wie gern würde ich jetzt seine Nähe spüren. Doch er schien mir unerreichbar. Mit fast zittrigen Gliedern setzte ich mich auf und streckte ihm meine Hand entgegen.
Er nahm sie und mein Herz machte einen Sprung auf ihn zu.
„Ich will dich spüren!“, flüsterte ich rau.
Er grinste und fiel über mich her. Scheinbar hatte er nur auf diese Worte gewartet.
Seine Zunge eroberte meinen Mund und ich stöhnte auf. Ein leises Lachen unterbrach den Kuss.
„Maurice…“, stöhnte ich.

Schlagartig öffnete ich meine Augen. Diese Lippen auf meinen waren definitiv kein Traum gewesen!!
Und wieder spürte ich Lippen auf meinen. Sanft bewegten sie sich und ich schloss sinnend meine Augen wieder und genoss das Gefühl.
Langsam erwiderte ich den Kuss sogar und vergaß für eine viel zu kurze Weile, mit wem ich hier offensichtlich in meinem Bett rumknutschte.
Als Maurice aufstöhnte, weil ich mein Bein zwischen seine schob, erwachte ich aus meiner Trance und wich erschrocken zurück.
„Non… Nick…“, flüsterte Maurice mit geschlossenen Augen und ich bemerkte, dass er noch schlief. Er stöhnte jetzt tief und ich musste mich mühsam beherrschen, nicht wieder über diese sinnlichen Lippen herzufallen.
Ich räusperte mich hörbar und hoffte, dass Maurice endlich seine schönen, grünen Augen öffnete. Als es nicht passierte, versuchte ich, mich aus seinen Armen zu schälen. Es war schwieriger als gedacht.
Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, bis ich es endlich geschafft hatte. Doch dann regte Maurice sich endlich.
„Maaan, Nick, bleib noch ein bisschen liegen, ja?“, bettelte er leise.
Ich grinste nur leicht, bevor ich antwortete: „Wieso? Ich muss noch duschen.“
„Leg dich einfach nochmal hin, ok?“, bettelte er weiter. Und ich hätte wirklich ein Eisklotz sein müssen, um nicht auf ihn zu hören.
Also legte ich mich wieder seufzend neben ihn.
Er legte den Arm wieder um mich und legte auch die Decke wieder über meinen Körper.
Wir schwiegen eine Weile. Eigentlich schwiegen wir wirklich viel.
„Was passiert hier?“, flüsterte ich schließlich, als die Stille unerträglich wurde.
Maurice legte seinen Kopf an meinen Hals und begann zu erzählen: „Meine Eltern haben mich auch rausgeschmissen, als sie mich mit einem Freund im Bett erwischt haben. Nur sie haben mir erst eine Wohnung gesucht und diese auch bezahlt, bis ich mit der Schule fertig war. Meine Mutter kommt aus Deutschland, deshalb hab ich auch nicht, wie die meisten Franzosen, Probleme mit der Aussprache und so, mein Französisch ist sogar schlechter als mein Deutsch. Aber sie haben mir nicht mehr erlaubt in die Nähe ihres Hauses zu komm und meine Geschwister durfte ich auch nicht mehr besuchen. Ich könnte sie verziehen.“ Er machte eine kleine Pause, während der er sein Gesicht wieder in meiner Halsbeuge versteckte. Es gefiel mir, dass er anscheinend auch gerne schmuste. „Ich hatte zu Hause drei Geschwister. Zwei jüngere Schwestern und eine ältere. Meine ältere Schwester studiert hier in der Stadt, deshalb wollte ich auch unbedingt hierher. Doch leider kann ich sie jetzt auch nicht so oft sehen, wie mir lieb wäre.“
„Was studiert sie?“, fragte ich ihn interessiert.
„Literatur und Germanistik“, antwortete er gleich.
Ein interessanter Studiengang, der sich von meinem nicht wirklich unterschied. „Ich studiere Journalismus und Germanistik“, erwiderte ich daher lächelnd.
„Ich weiß, sie hat mir von dir erzählt…“, flüsterte Maurice und wurde knallrot.
„Was? Woher kennt sie mich denn?!“, fragte ich erstaunt.
„Naja, sie ist so alt wie du und besucht eine Germanistik-Lesung mit dir.“
Aha, dann konnte ich sie ja sogar kennen.
„Wie heißt sie?“, fragte ich daher.
„Alix.“
Oh. Ich saß wirklich in einer Germanistik-Lesung neben einer Alix.
Maurice lachte auf. Meine rechte Augenbraue wanderte ein Stockwerk höher.
„Du bist sooo süß!“, schwärmte Maurice und überfiel mich mit einem spontanen Kuss.
Ich schob ihn von mir weg und überlegte. „Also nochmal für die Dummen. Du bist schwul?“ Er nickte. „Deine Eltern haben dich auch rausgeschmissen?“ Wieder ein Nicken. „Eigentlich darfst du keinen Kontakt zu deinen Geschwistern haben, aber du hast es trotzdem?“ Ein sehr zögerliches Nicken. „Gott, wenn DU schon nicht vergeben bist, wie soll ICH dann jemals jemanden finden, der mit meinen Macken klarkommt?“, schlussfolgerte ich entsetzt.
Maurice lachte wieder auf, doch dann beugte er sich über mich und flüsterte rau: „Wer sagt hier, dass ich nicht vergeben bin?“
Der Kuss, der auf diese Worte folgte war atemberaubend schön. Und beinahe hätte ich wieder den Aus-Knopf meines Hirns gedrückt, doch seine letzten Worte beunruhigten mich.
Also zog ich mich wieder von ihm zurück und fragte: „Bist du vergeben?“
„Naja, ich weiß nicht wie mein Herzensangebeteter dazu steht, aber ich wäre nur zu gerne vergeben.“
Dabei schaute er mich so bittend an. Ich hatte keine Ahnung, was er von mir wollte.
„Ähm… und warum küsst du mich dann?“, fragte ich verwirrt nach.
Ein Grinsen legte sich auf sein Gesicht. „Weil mein Herzensangebeteter offensichtlich zu dämlich ist, um mir eine Antwort geben zu können.“
In dem Moment machte es Klick. Er meinte MICH. Mit großen Augen schaute ich ihn an, dann sprang ich hastig mit den Worten „Ich muss duschen!“ auf und verließ beinahe fluchtartig das Zimmer.
OH MEIN GOTT!!!
Normalerweise würde ich in so einer Situation jemanden anrufen, also nahm ich das Telefon auf dem Weg ins Bad mit.
Wie in Trance wählte ich Nummer von Mira. Meiner eigentlich besten Freundin.
Es klingelte lange und erst, als ich kurz davor war, aufzulegen nahm sie ab.
„Wer auch immer es ist, ich hoffe es ist wichtig!!“, sprach sie ins Telefon.
„Miiiraaa!“, jammerte ich.
„Nick? Was ist los?!“, fragte sie sofort alarmiert. „Soll ich vorbei kommen? Ist was passiert?“
„Nein, soo schlimm ist nun auch wieder nicht!“, gestand ich.
„Nick!“, knurrte sie, als ich nicht weiterredete.
„Naja… Maurice ist bei mir…“, begann ich, wurde jedoch gleich wieder von Mira unterbrochen.
„Ist nicht dein ernst! Der süße Maurice von deiner Schwester?!“
„Jetzt lass mich doch mal ausreden!“, brummte ich beleidigt.
„Ok, mein Süßer, sag, was dir auf dem Herzen liegt!“
„Also, er hat bei mir geschlafen und…“
„WAS?! Und warum rufst du mich erst jetzt an?!“
„MIRA!! Er hat bei mir geschlafen und mich heute Morgen auch des Öfteren geküsst…“
„ECHT?! Er ist schwul und steht auf dich?!“, unterbrach Mira mich schon wieder.
„Man Mira das nervt echt!“, stöhnte ich genervt auf, schob dann aber noch ein „Ja“ hinterher.
„OH MEIN GOTT!! Mein kleiner, süßer Nick kommt endlich unter die Haube! Jetzt will ich diesen Maurice aber auch endlich mal kennenlernen!“, kreischte sie in mein Ohr. Wie konnte man nur so… na so halt sein?!
Ich brummte wieder nur.
„Gut, wir treffen uns dann um vier im Café. Ich lad noch ein paar Leute ein!“, bestimmte sie. „Bis später! Hab dich lieb!“
Und schon hatte ich ein Besetztzeichen in der Leitung.
Grummelnd legte ich das Telefon weg und sprang dann unter die Dusche.

Als ich meine Küche betrat schlug mir der Geruch nach frischem Kaffee entgegen. Maurice werkelte rum. Ich wollte ihm gerade anbieten, zu helfen, als er sich nur in Boxershorts bekleidet bückte, um das Essen aus dem Kühlschrank zu holen. Ich hatte noch nie so einen tollen Arsch gesehen!!
Ich räusperte mich und erschreckte Maurice damit, denn er schoss hoch und stieß sich den Kopf unsanft an dem Kühlschrank an. Schwach lächelte ich, bevor ich auf ihn zuging und einen Kuss auf die schmerzende Stelle hauchte.
„Sorry, wollte dich nicht erschrecken!“, flüsterte ich und umarmte ihn liebevoll.
Er wurde rot und wollte sich wieder dem Frühstück zuwenden. Doch ich ließ ihn nicht los, sondern hauchte in sein Ohr: „Dein Herzensangebeteter hat sich ziemlich den Kopf zerbrochen und kam zu dem Schluss, dich seinen Freunden vorzustellen.“
Nun ließ ich ihn los und machte mich daran, den Tisch fertig zu decken.
Es war Maurice Sache, wie er meine Worte nun verstand.
Anscheinend verstand er sie so, wie ich sie gemeint hatte denn während den Vorbereitungen streifte seine Hand ziemlich häufig zufällig meine.
Das Frühstück lief normal ab, wie es auch die letzte Woche gewesen war. Wir schwiegen und aßen, doch es war ein angenehmes Schweigen.
Danach bot ich Maurice an, auch zu duschen und er nahm mein Angebot dankend an. Er hatte sogar an Wechselklamotten gedacht!
Als er dann auch endlich fertig war, hatte wir noch ungefähr zwei Stunden, bis wir die anderen treffen würden und so nutzten wir die Zeit um einen Film anzuschauen. Maurice kuschelte sich eng an mich und es dauerte nicht lange, da bekamen wir vom Film nur noch wenig mit.
Wenn Maurice mich küsste, war das so, als ob die ganze Welt auf einmal unwichtig wäre. Nichts zählte, außer dieser Moment. Und es stimmte auch, denn wir vergaßen völlig die Zeit. Als wir das nächste Mal auf die Uhr sahen, war es schon zehn Minuten nach vier und wir hetzten los, um die anderen nicht warten zu lassen.

Das erste, das mir auffiel, als wir das Café betraten, war die auffällig große Gruppe, die sich angeregt an einem Tisch unterhielt. Unter ihnen erkannte ich auch Mira. Als Mira aufkreischte und sich erhob, um mir entgegen zu hüpfen, verebbten die Gespräche und Maurice und ich hatten die volle Aufmerksamkeit von rund fünfzehn Leuten. Mira fiel mir um den Hals und im selben Moment hörte ich einen zweiten Schrei, diesmal von einem anderen Mädchen und auch Maurice freute sich scheinbar, denn er ließ meine Hand los und stürmte zum Tisch. Ich löste mich von Mira und schaute ihm verwirrt hinterher.
Dann verstand ich im wahrsten Sinne nur noch Bahnhof, denn Maurice fing mit einem Mädchen, von dem ich nur den Rücken sah, an auf Französisch zu plappern und das auch noch beide gleichzeitig sodass die ganze Gruppe nur sprachlos auf das Geschwisterpaar sah.
Alix drehte sich zu mir um und rief: „Endlich wurden meine Gebete erhört! Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie oft letzte Woche mein Telefon geklingelt hat und er dran war um mir zu erzählen, was du wieder tolles gemacht hast!“
Ich grinste nur und umarmte Maurice von hinten. „Freut mich, das zu hören.“
Die anderen schauten nur verwirrt von mir zu Maurice und zu Alix.
Nun drehte sich Alix zu den anderen um und verkündete: „Das ist mein kleiner Bruder Maurice!“
Die Menge entspannte sich sichtlich und wir suchten uns noch zwei Plätze.
Mit der Gruppe verbrachten wir noch den ganzen Nachmittag, bis ich irgendwann meinte, dass es Zeit sei, nach Hause zu gehen. Maurice und ich waren zu Fuß da und so bot Alix uns an, uns nach Hause zu mir zu fahren. Da sagten wir natürlich nicht nein.


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Witch23
21/07/19 23:06
ne bin im Urlaub irgendwie

jabba
20/07/19 14:55
Hi ihr Sommermäuse, alle urlaubsreif?

Graf Roderick
18/05/19 23:45
Yeah! ESC!!! Tolle Show nebenher.

Esther
18/05/19 21:04
Nicht vergessen: Jetzt gerade läuft der ESC! ;-)

jabba
15/05/19 23:38
da ich bis eben nichts davon gehört habe... nein ^^

Witch23
12/05/19 17:52

Aber ich bin auch nicht gerade der starke Schriftsteller ^^


HeisseZitrone
10/05/19 15:48
Macht von euch auch jemand beim Wettbewerb Kindlestoryteller2019 mit? :)

jabba
24/04/19 20:12
jo, wenn der schreiberling der auffassung ist dass die gelöscht zu sein hat, dann ist die welt machtlos

little-kara
24/04/19 14:45
schade die story the show must go on gibt's nicht mehr :(

split
29/03/19 18:19
Ich bin komatös, was schreiben betrifft, also nö ^^°

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