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6. Dezember 2015

"Würzhelms Weihnachtsmärchen" von Snoopy279

Jonas – Happy End

Irgendwie war es schon seltsam – vor dem Weihnachtsmarkt hatte er Leon noch nie gesehen, obwohl ihre Stadt nicht so riesig war, aber seitdem liefen sie sich ständig über den Weg. Die ersten beiden Male waren wohl eher noch zufällig – wahrscheinlich war es eher erstaunlich, dass sie sich in der Buchhandlung noch nie über den Weg gelaufen waren und im Supermarkt war ja jeder Mal. Natürlich gab es verschiedene Supermärkte, aber der, in dem Jonas Leon getroffen hatte, war mit Abstand der Größte und daher auch der am besten besuchte. Beim Poetry-Slam begann es auffällig zu werden, aber jetzt war es eindeutig, dass Leon ihm irgendwie hierher gefolgt war und eigentlich keine Ahnung gehabt hatte, wohin er ging.

Süffisant grinsend fragte Jonas: „Na, gibst du jetzt endlich zu dass du mich stalkst?“ Leon schüttelte wild den Kopf: „Nein, ich hatte keine Ahnung dass du hier bist.“
Na, der Kerl hatte Mut, die offensichtlichen Tatsachen immer noch zu leugnen! Oder war das einfach nur Dreistigkeit? Jonas beschloss, ihn zur Strafe dafür aufs Glatteis zu führen. „Ach, dann bist du wegen einer Probestunde hier?“
Leon zögerte diesmal wenigstens kurz, nickte dann aber.
„Musstest du extra dafür neue Sportklamotten kaufen?“ Fragend zeigte Jonas auf die Einkaufstaschen. „Nee, das sind Weihnachtsgeschenke, Sportsachen hab ich keine dabei“, gab Leon verlegen zu, da eine Lüge sowieso sofort aufgeflogen wäre.
„Und wie willst du dann mitmachen? Nur zugucken ist doof, dann kannst du ja gar nicht erkennen ob Capoeira was für dich ist“, ging Jonas darauf ein. „Wie bist du eigentlich darauf gekommen? Also dass du bei uns mal reinschnuppern willst?“, fragte er neugierig weiter.
„Äh... ich fand, dass sich das total spannend anhört, sowas wie Cape... Capora...“, Leon bekam dieses seltsame Wort einfach nicht hin und brach ab.

Jonas sah darin den letzten Beweis für seine ohnehin schon sichere Theorie: wegen einer Probestunde war Leon definitiv nicht hier. „Du willst also eine Sportart ausprobieren, deren Namen du nicht kennst, ohne Sportklamotten, aber mit einem Haufen Weihnachtsgeschenken? Weißt du überhaupt, was Capoeira ist?“, fragte er spöttisch nach.
Leon errötete, sammelte dann aber scheinbar seinen Mut zusammen: „Okay, du hast gewonnen, ich hab keine Ahnung was dieses Capo-dingens ist und ich bin nicht wegen einer Probestunde hier, sondern hab zufällig gesehen, dass du hier rein gegangen bist und wollte dich nach deiner Handynummer und einem Date fragen, weil ich das am Montag am Ende irgendwie ganz vergessen habe. Also, darf ich dich endlich auf ein Getränk deiner Wahl einladen?“

Diese – wenn auch erzwungene – Ehrlichkeit imponierte Jonas dann doch. Wenn er ehrlich zu sich war, hatte ihm der Typ abgesehen von seinen verrückten Theorien von sprechenden Lebkuchenmännern schon auf dem Weihnachtsmarkt gefallen. Bei den Treffen danach hatte er eigentlich recht normal gewirkt und seine nicht zu aufdringliche Hartnäckigkeit hatte Jonas beeindruckt. Die Aktion, ihm einfach blindlings hinterherzulaufen, weil sie Montag keine Nummern ausgetauscht hatten, war zwar auffällig, passte aber zu Leon, wie er ihn bisher kennen gelernt hatte. Außerdem fühlte Jonas sich dadurch geschmeichelt. Das mit dem Poetry Slam war vermutlich doch nur Zufall gewesen, denn Stalking traute er ihm nicht zu.

Als die Stimme seines Trainers rief, ob er eine Extraeinladung brauche, realisierte Jonas, dass er vor lauter Überlegungen ganz vergessen hatte, dass er eigentlich hier war um Sport zu machen. Leon stand sichtlich nervös vor ihm und wartete auf seine Antwort. „Komme sofort“, rief er seinem Trainer zu und gab Leon dann seine Handynummer. „Lass uns nachher telefonieren wegen einem Termin, so etwa in zwei Stunden... Capoeira kommt übrigens aus Brasilien und ist eine Tanz-Kampf-Kunst“, rief Jonas ihm noch zu, während er schon in die Halle flitzte.

Dieses Mal war er deutlich unkonzentrierter als sonst. Vermutlich würde sich das mit einigen blauen Flecken rächen, aber das war ihm egal. Pünktlich nach zwei Stunden, als er gerade zuhause angekommen war und einen Schluck getrunken hatte, klingelte Jonas Telefon. Wie erwartet war es Leon, der als erstes lossprudelte, dass er es einfach nicht länger aushalten konnte ohne zu schauen, ob Jonas ihm vielleicht doch nur eine falsche Nummer gegeben hatte. Der musste lachen und versicherte, dass er es ernst gemeint hatte. „Okay, wohin soll ich dich einladen? Sollen wir was trinken gehen oder lieber was anderes machen? Wir könnten Schlittschuh laufen gehen?“
Jonas zögerte, Schlittschuh laufen gehen war irgendwie so ein kitschiges Date, wie aus einem Hollywood-Film. Aber andererseits hatte es den Vorteil, dass er Leon einfacher entkommen konnte, sollte er sich als seltsamer erweisen als gedacht. In einem Café wäre das eindeutig schwieriger.
Da Jonas generell Sport mochte, auch gerne Schlittschuh laufen ging und das nur im Winter funktionierte, entschloss er sich schließlich dafür. „Wann wollen wir uns denn treffen?“, fragte er Leon. „Dieses Wochenende? Das ist entspannter als direkt nach der Schule“, lautete dessen Vorschlag. Jonas stimmte zu, da der erste Weihnachtsferientag in diesem Jahr erst am dreiundzwanzigsten Dezember war und er dann vermutlich genug damit zu tun haben würde, seiner Mutter bei den letzten Vorbereitungen zu helfen. Sie einigten sich auf den späten Nachmittag. „Also bis Samstag um siebzehn Uhr“, verabschiedete er sich.

Freitag verlief wie jeder andere Tag, aber Samstag Vormittag bemerkte Jonas schon, dass er etwas nervös war. Nach dem Mittagessen spielte er noch am Computer, ehe er sich fertig machte und mit seinem Fahrrad zur Eishalle fuhr. Mit einem Grinsen stellte er fest, dass Leon schon da war – die regenbogenfarbene Mütze war auch aus einiger Entfernung schon gut zu erkennen.

„Hey, wartest du schon lange?“, fragte Jonas ihn, nachdem er sein Fahrrad abgestellt hatte.
„Nee, bin grad erst gekommen“, antwortete Leon, korrigierte sich dann aber verlegen. „Naja, ich war ziemlich nervös und deshalb zu früh hier. Ich musste aber nicht lange warten, höchstens zehn Minuten.“
„Dann lass uns reingehen. Brauchst du noch Schlittschuhe?“
„Nee, ich hab meine eigenen mitgebracht.“ Zum Beweis hielt Leon ein Paar Schlittschuhe hoch.
„Perfekt, ich auch, dann müssen wir nicht so lange anstehen.“

An der Kasse mussten sie trotzdem einige Minuten warten, da die Eishalle am Wochenende immer gut besucht war. „Ich hoffe nur, dass nicht mehr zu viele kleine Kinder da sind“, meinte Jonas, während sie in der Schlange standen. Leon nickte nur, da sie in dem Moment bei der Kassiererin ankamen. „Zweimal Schüler bitte“, sagte er zur Kassiererin und als Jonas seinen Geldbeutel rausholte, erinnerte er ihn an seine Einladung. „Ich bezahle beide, ich hab doch gesagt, dass ich dich einlade.“
Jonas wollte erst diskutieren, beschloss aber, sich lieber später mit einem heißen Kakao oder ähnlichem zu revanchieren. Leon wirkte nämlich sehr entschlossen und wenig verhandlungsbereit. Die ganze Schlange aufzuhalten war es Jonas jedoch eindeutig nicht wert.

Drinnen angekommen stellten sie ihre Sachen in einem Spind ab, zogen die Schuhe an und gingen aufs Eis. Das war noch recht voll und zerfahren, allerdings waren tatsächlich nicht mehr so viele Kinder da. Während sie gemütlich anfingen, Runden zu drehen, stellte Jonas erfreut fest, dass sie etwa auf einem Niveau waren – so gut man das eben sehen konnte, wenn man mehr mit ausweichen als mit fahren beschäftigt war. Miteinander reden war auch schwierig, da sie bei Gegenverkehr oft kurzzeitig in die entgegengesetzte Richtung ausweichen mussten. Aber nach einer halben Stunde hatte es sich deutlich geleert. Sie mussten das Eis verlassen, da es geglättet wurde.

„Cool, dann können wir gleich endlich vernünftig laufen“, stellte Jonas fest, als sie das Eis verließen.
„Ja, das macht deutlich mehr Spaß“, stimmte Leon ihm zu. Als nach kurzer Zeit das Eis wieder freigegeben wurde, grinste Leon auf einmal frech: „Fang mich!“ Ehe Jonas darauf reagieren konnte, war er schon auf die Eisfläche gestürmt und fuhr davon. Jonas konnte deutlich sehen, dass seine Einschätzung von vorhin gut zutraf. Es würde sicher nicht einfach werden, Leon zu fangen, aber er liebte Herausforderungen, insbesondere sportliche. Schnell ging er ebenfalls aufs Eis und versuchte, Leon einzuholen. Der machte es ihm nicht leicht, geschickt wechselte er immer wieder die Richtung und nutzte andere Besucher der Eishalle, um Jonas zu entwischen.

Nach etwa einer Viertelstunde beschloss Jonas, seine Strategie zu ändern, da er Leon immer noch nicht gefangen hatte. Er suchte sich einen relativ großen Läufer aus, der in die richtige Richtung fuhr und hielt sich in dessen Schatten. Schnell bemerkte er, dass seine Idee aufging, Leon wurde eindeutig langsamer und sah sich suchend um. Kurz bevor sie auf einer Höhe waren, löste er sich mit einem Sprint aus dem Schatten des anderen Läufers. Leon bemerkte ihn schnell, hatte aber keine Chance mehr zu entkommen. Lachend manövrierte Jonas sie beide an die Bande. „Na, was bekomme ich jetzt für meinen Sieg?“
„Eine Revanche natürlich, jetzt muss ich dich fangen.“ Übermütig streckte Leon ihm die Zunge raus, aber damit gab Jonas sich natürlich nicht zufrieden. Kurz überlegte er, ihn zur Strafe erstmal durchzukitzeln, ließ die Idee aber schnell wieder fallen. Stattdessen platzierte er eine Hand an Leons Hinterkopf, die andere an dessen Hüfte, zog ihn an sich ran und küsste ihn. Leon erwiderte den Kuss und schmiegte sich an Jonas. Immer, wenn einer der beiden sich gerade zurückziehen wollte, intensivierte der andere den Kuss. Sie vergaßen ihre Umgebung komplett, nahmen nur noch einander war.

Nach einiger Zeit unterbrach Jonas jedoch abrupt ihren Kuss. „Also gut, hier hast du deine Revanche.“ Mit diesen Worten und einem übermütigen Grinsen flitzte er davon. Leon war wie erhofft kurzzeitig überrumpelt, machte sich dann jedoch an die Verfolgung. Jonas schaffte es ebenfalls, Leon über eine Viertelstunde hinweg auf Distanz zu halten, verlor ihn dann jedoch aus den Augen. Obwohl er ahnte, dass Leon seine Strategie von vorher nutzte, schaffte er es nicht, dem auszuweichen, da Jonas ihn in der falschen Richtung vermutete und fast genau in Leons Arme fuhr. Daher landete er dieses Mal mit dem Rücken zur Bande und Leon forderte seine Belohnung ein. Auch dieser Kuss war lange, ausführlich und gefühlvoll. Jonas wollte sich gar nicht mehr von Leon lösen und hatte das Gefühl, dass es dem genauso erging. Irgendwann trennten sie sich dann doch wieder, um noch etwas über das Eis zu laufen.

Da beide durch die Verfolgungsjagden ihre überschüssige Energie und Nervosität abgebaut hatten, ließen sie es danach ruhiger angehen. Sie fuhren tatsächlich händchenhaltend über das Eis. Jonas fand es aber im Gegensatz zu den Hollywood-Filmen überhaupt nicht kitschig. Das lag vielleicht auch daran, dass sie nicht nur im Schneckentempo über das Eis krochen, sondern ein eher schnelles Tempo beibehielten. Zwischendurch legten sie immer wieder Knutschpausen ein. Erst als kurz vor zwanzig Uhr die Durchsage ertönte, dass die Eishalle bald schloss, verließen die beiden das Eis, zogen die Schuhe aus und holten ihre Sachen.

Vor der Eishalle wollten sie sich noch nicht sofort trennen. Nach einigen ausgiebigen Küssen wurde es ihnen langsam zu kühl.
„Was hältst du davon, wenn wir uns Montag im Harlekin treffen?“, schlug Jonas vor.
„Ja, gerne, wieder um siebzehn Uhr?“, wollte Leon wissen.
„Das passt“, bestätigte Jonas. Nach einem letzten Kuss verabschiedeten sich die beiden, da sie in verschiedene Richtungen fahren mussten. Bevor Jonas starten konnte, rief Leon ihn zurück. Verwirrt drehte er sich um und stieg von seinem Rad ab.
„Du, Jonas, sag mal, sind wir jetzt eigentlich zusammen?“, brachte Leon nach einigem Herumgedruckse hervor. Er war eindeutig verlegen. Trotz der Dunkelheit konnte Jonas erkennen, dass seine Wangen gerötet waren.
„Ja, davon bin ich ehrlich gesagt ausgegangen“, antwortete er liebevoll. „Es sei denn, du willst nicht.“ Das konnte Jonas sich dann doch nicht verkneifen.
Leon strahlte, als er den ersten Teil der Antwort hörte. Beim Nachsatz schlug er aber spielerisch nach Jonas. „Du Idiot, natürlich will ich!“
Zur Strafe küsste Leon seinen neuen Freund. Nach kurzer Zeit mussten sie leider aufhören, um nicht festzufrieren und als Eiszapfen zu enden. Erneut verabschiedeten die beiden sich, diesmal endgültig.

Den ganzen Rückweg über hatte Jonas ein Lächeln im Gesicht. Ja, Leon war eindeutig verrückt, aber auf eine liebenswerte Art und Weise. Jonas bereute es in keiner Hinsicht, sich auf dieses Date und die Beziehung eingelassen zu haben und freute sich schon auf ihr nächstes Treffen.



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Witch23
21/07/19 23:06
ne bin im Urlaub irgendwie

jabba
20/07/19 14:55
Hi ihr Sommermäuse, alle urlaubsreif?

Graf Roderick
18/05/19 23:45
Yeah! ESC!!! Tolle Show nebenher.

Esther
18/05/19 21:04
Nicht vergessen: Jetzt gerade läuft der ESC! ;-)

jabba
15/05/19 23:38
da ich bis eben nichts davon gehört habe... nein ^^

Witch23
12/05/19 17:52

Aber ich bin auch nicht gerade der starke Schriftsteller ^^


HeisseZitrone
10/05/19 15:48
Macht von euch auch jemand beim Wettbewerb Kindlestoryteller2019 mit? :)

jabba
24/04/19 20:12
jo, wenn der schreiberling der auffassung ist dass die gelöscht zu sein hat, dann ist die welt machtlos

little-kara
24/04/19 14:45
schade die story the show must go on gibt's nicht mehr :(

split
29/03/19 18:19
Ich bin komatös, was schreiben betrifft, also nö ^^°

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