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Conny ist total angepisst: ausgerechnet ein Mariechenkostüm - und das nur wegen einer verlorenen Wette! Ob das Ganze trotzdem was Gutes hat?

Genres: Reale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Keine
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine

Kapitel: 1     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

Wörter: 3276     Klicks: 482
Veröffentlicht: 08/02/18 Aktualisiert: 08/02/18
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Anmerkungen zur Geschichte
Fasteloovend zesamme!

Hier wie versprochen ein Oneshot zu Karneval, der den Auftakt zu meinem Jahreszyklus (viele, unabhängige Oneshots zu besonderen Tagen im Jahr) bildet - gewidmet allen Karnevalsjecken, vor allem Esther! Der nächste wird schon in knapp einer Woche folgen, zum Valentinstag.

Erst mal wünsch ich euch allerdings viel Spaß beim Lesen, tolle Karnevalstage mit Sonnenschein, Kamelle und super Zügen, feiert schön, aber übertreibt es nicht Lächelnd

lg, Snoopy
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1. ...un et hätt noch immer joot jejange

Meine Wimpern sind pechschwarz und in einer großen Kurve nach oben geschwungen, mein Hautbild ist ebenmäßig, mein Teint frisch, die Lippen sind fehlerfrei nachgezogen. Zufrieden betrachte ich mein Spiegelbild. Ja, so sollte es funktionieren, auch wenn ich immer noch keinen Bock auf dieses scheiß Kostüm habe.
Seufzend ziehe ich die Strumpfhosen über meine extra für diesen Anlass frisch rasierten Beine. Anschließend folgt das Spitzebützcher, das Kleid und zuletzt der Hut mit den geflochtenen Zöpfchen dran. Zum Glück sind meine Haare recht kurz und bleiben problemlos darunter. Ein Teil von mir kann es immer noch nicht fassen, dass ich allen ernstes als Funkemariechen verkleidet bin. Es tut mir beinahe körperlich weh, vor allem dieser viel zu kurze Rock! Im Alltag trage ich nur Hosen und in diesem Outfit fühle ich mich total nackt.
Ach, à propos körperlich weh tun, die Stiefel fehlen noch. Wobei die Dinger zwar ein bisschen drücken, aber insgesamt bequemer sind, als ich vermutet hätte. Gut, dass ich recht kleine Füße habe, sonst hätte das schwierig werden können.

Für einen Moment überlege ich, das ganze Zeugs einfach wieder abzuwaschen, mich umzuziehen und einen gemütlichen Abend Zuhause zu machen, doch da klingelt es schon.
Wie heißt es so schön? Wettschulden sind Ehrenschulden. Seufzend öffne ich meinen Freunden die Tür.
„Wow, Conny, du siehst echt heiß aus“, grölt Tim und pfeift sogar. Wichser! Genervt zeige ich ihm nur den Stinkefinger und ziehe die Tür hinter mir zu. Der Idiot ist doch an allem Schuld! Okay, ja, zugegeben, ich hätte es besser wissen müssen, als eine Fußballwette mit ihm abzuschließen. Ich bin eben einfach kein großer Fußballfan und hab daher auch nicht so viel Ahnung. Andererseits konnte ich auch wirklich nicht ahnen, dass sich der Depp ausgerechnet dieses Kostüm aussucht, da hätte ich eher mit Putzfrau oder sowas gerechnet.


Endlich erblicke ich die Kneipe, an der traditionsgemäß ein Nubbel hängt. Ich wusste gar nicht, dass der Weg hierher so weit ist! Beim Gehen tun die verdammten Schuhe doch mehr weh. Solche Absätze bin ich einfach nicht gewohnt. Hoffentlich ist drinnen noch ein Sitzplatz frei! Wobei, das könnte einer der wenigen Vorteile von dem Kostüm sein. Ein, zweimal ein gekonnter Augenaufschlag, ein nettes Lächeln dazu und es findet sich bestimmt irgendein Kerl, der mir Platz macht. Außerdem ist mir eisig kalt, vor allem an den Beinen. Wie können Menschen nur freiwillig so rumlaufen? Es ist mir ein absolutes Rätsel.


Wenig später sitze ich tatsächlich am Tresen, ein frisch gezapftes Kölsch vor mir. Mit einem großen Schluck trinke ich es halb leer. Das tut gut! Ändi, wie der Kerl sich vorgestellt hat, der mir seinen Sitzplatz geopfert hat, ist allerdings nicht mein Typ. Deshalb zeige ich ihm die kalte Schulter und flirte lieber mit meiner Sitznachbarin, einer echt süßen Indianerin.
„Blöde Lesbe“, zischt Ändi wütend und verschwindet. Sein Problem, ich hab ihn weder gezwungen noch ihm irgendetwas versprochen.
„Tun die Füße weh?“, fragt die Indianerin mich halb mitfühlend, halb spöttisch.
„Ja, bin so was nicht gewohnt“, gebe ich offen zu.
„Tja, wer schön sein will, muss leiden“, kontert sie amüsiert.
„Das nehme ich dann einfach mal als Kompliment.“ Mit einem Lächeln zwinkere ich ihr zu.
Sie zuckt vielsagend mit den Schultern.

In der nächsten Zeit widmen wir uns erst mal wieder stillschweigend unseren Getränken. Es ist echt laut hier drinnen, weil die meisten auch noch die Texte mitgrölen – oder zumindest das, was sie für den Text halten. Da sind lange Gespräche einfach viel zu anstrengend.
Nachher will ich auf jeden Fall tanzen, aber jetzt gerade brauche ich eine Pause, um meinen Füßen nach der Strapaze noch etwas Erholung zu gönnen.


Zwei oder drei Kölsch später, von denen ich kein einziges mehr bezahlen musste, mache ich mich auf den Weg zur Tanzfläche – sofern man den kleinen Bereich, auf dem viel zu viele Leute rumzappeln, überhaupt so nennen kann.
Das ist ein echtes Novum für mich, dass ich alle Getränke ausgegeben bekomme. Vielleicht hat das Outfit doch mehr Vorteile, als ich gedacht hätte. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich es nochmal anziehen werde. Dafür ist es viel zu unpraktisch und die Stiefel viel zu unbequem.
Immerhin spüre ich den Alkohol ein bisschen und mir macht es nicht mehr so viel aus, dass ich halbnackt bin.

Relativ am Rand der Tanzfläche sind ein Cowgirl, ein Krümelmonster und eine Krankenschwester, die miteinander tanzen. Weil sie nett wirken und ich insbesondere das Cowgirl auch recht sexy finde, reihe ich mich bei ihnen ein.
Kurze Zeit später bin ich voll integriert bei Jessi, Anke und Tanja. Sie sind alle Studentinnen, die gemeinsam in einer WG wohnen und heute zusammen unterwegs sind.
Wo meine Freunde sind, weiß ich gar nicht so genau, es ist mir aber auch egal. Ich bin immer noch stinkig und den Beweis, dass ich im Mariechen-Kostüm unterwegs bin, haben sie ja jetzt. Vielleicht sind sie auch schon in die nächste Kneipe weitergezogen oder mit einem Karnevalsflirt irgendwohin gegangen.

Ein bisschen schade ist, dass die Mädels voll auf WG-Kurs sind und dementsprechend keine von ihnen an mehr interessiert ist. One-Night-Stands sind auch nicht unbedingt mein Ding, nur wenn es wirklich passt, aber ein bisschen Knutschen und Fummeln wäre nett gewesen. Trotzdem tanze ich weiter mit ihnen, denn die Stimmung ist wirklich gut. Wenn irgendwer Interesse an mir hat, kann die Person mich ja auch ansprechen oder zumindest eindeutige Signale setzen.


Einige Stunden und auch einige Kölsch später haben die Mädels sich von mir verabschiedet. Immerhin bin ich herzlich eingeladen, mal zu einem Filmabend oder so vorbeizuschauen. Vielleicht ergibt sich dann ja doch irgendwann nochmal etwas...

Hin- und hergerissen überlege ich, ob ich auch heimgehen soll. Einerseits bin ich noch recht aufgekratzt, andererseits entdecke ich gerade niemanden mehr, der mich interessiert, und sei es nur zum Tanzen.
Gerade in dem Moment, als ich mich drehe und in Richtung Tür gehen will, pralle ich gegen einen Kerl, der das passende Gegenstück zu meinem Kostüm trägt.
„Hoppla, nicht so stürmisch!“ Amüsiert blitzen seine Augen auf und seine Hände bleiben dabei auf meiner Hüfte liegen, wo er mich instinktiv gepackt hat, damit ich nicht umfalle.
„Andererseits trifft sich das ganz gut, denn ich wollte dich gerade fragen, ob du auch richtig tanzen kannst oder das nur ein Kostüm ist“, fährt er fort.

Mit der Frage trifft er meinen Stolz und die Sache ist entschieden. Ich werde zumindest so lange hierbleiben, bis ich ihm bewiesen habe, dass ich tanzen kann.
„Na klar“, gebe ich selbstbewusst zurück. „Und du?“ Herausfordernd stemme ich meine Hände in die Hüften und blitze ihn mit meinen Augen an.
„Sicher doch. Darf ich bitten?“ Höflich-spöttisch verbeugt er sich vor mir.
Da bin ich mal gespannt.

Okay, er hat eindeutig nicht zu viel versprochen. Er ist ein exzellenter Tänzer und kann verdammt gut führen. Es macht richtig Spaß, mit ihm zu tanzen. Vor allem, weil alle anderen sich von der Tanzfläche zurückgezogen haben, um uns Raum zu geben.
Scheinbar ist er ähnlich ehrgeizig wie ich, denn die Zuschauer spornen ihn noch mehr an und ohne eine Vorwarnung hebt er mich in die Luft.
Obwohl ich angetrunken bin, reagiert mein Körper automatisch und die Spannung ist sofort da. Vermutlich ist es etwas leichtsinnig, was wir hier gerade machen, aber das interessiert mich nicht. Dafür habe ich dann doch etwas zu viel intus.

Ein kleiner Teil von mir, der eindeutig nach meiner Mutter klingt, sagt: „Kind, seid nicht so unhöflich, gebt den anderen jetzt auch wieder die Möglichkeit, zu tanzen.“
Der größere Teil ignoriert das jedoch gekonnt. Viel zu lange habe ich nicht mehr so getanzt. Bei manchen Schritten merke ich das leider. Hoffentlich ist mein Tänzer nicht zu streng mit mir und lässt es trotzdem gelten. Für den Augenblick ist das jedoch alles unwichtig, es zählen nur die Bewegungen. Obwohl ich ihn noch nie vorher gesehen habe, harmonieren wir wie ein eingespieltes Team.


Zu früh gerate ich aus der Puste. Was mich ein bisschen darüber hinweg tröstet ist die Tatsache, dass mein Gegenüber ebenfalls recht erschöpft wirkt.
„Magst du was trinken?“, fragt er mich.
„Gerne, Wasser bitte“, keuche ich, unsicher, ob er mich bei dem Lärm überhaupt verstehen kann. Auf jeden Fall werde ich jetzt kein Bier mehr trinken, das schießt mich nur ab und stillt zudem meinen Durst unzureichend.

Mein unbekannter Kavalier hat mich eindeutig verstanden, denn wenig später bekomme ich das gewünschte gereicht.
Erst nachdem ich es heruntergekippt habe, realisiere ich, dass noch einige andere Kerle und zwei Mädels in den gleichen Uniformen in unserer Nähe stehen. Es überrascht mich wenig, spätestens seit unseren Tänzen war mir klar, dass er in einer Gruppe ist. Die Kostüme kann ich jedoch zumindest im Moment keiner mir bekannten Gruppe zuordnen.

„Ich bin Dirk. Und wie heißt du?“
„Conny“, antworte ich und bin froh, dass meine Stimme wieder deutlicher klingt. Das war mir echt peinlich eben!
„Nun, ich muss sagen, du kannst wirklich gut tanzen, Conny“, stellt er fest. Ich mag seine Stimme, sie ist sehr dunkel und angenehm. Da er nicht so laut spricht, muss ich mich dicht zu ihm rüberbeugen, um ihn zu verstehen.
„Danke, gleichfalls. Was führt dich oder euch heute hierher, noch nicht genug Auftritte gehabt?“ Während der Session haben Tanzgruppen so gut wie keine Freizeit, daher verblüfft es mich wirklich, so viele von ihnen heute hier zu sehen. Und der Rosenmontagszug, bei dem viele mitgehen, steht erst noch bevor!

„Naja, ich hab heute Geburtstag, da wollte ich wenigstens ein bisschen reinfeiern“, grinst Dirk verlegen. Es ist offensichtlich, dass er weiß, dass er das morgen vermutlich schon bereuen wird.
Spontan küsse ich ihn. Aus einem Schmatzer auf den Mund, an den ich eigentlich gedacht hatte, wird ein intensiver Zungenkuss. Seine Hände ziehen mich dicht an ihn heran, liegen fest auf meinem Hintern. Hmm, das fühlt sich gut an, aber ohne die ganzen Schichten dazwischen wäre es sicher noch viel besser!
Leicht widerstrebend löse ich mich trotzdem von ihm. Wenn wir jetzt rummachen, sollte er wenigstens den Rest der Truppe heimschicken, die schon während seiner Tanzeinlage so geduldig gewartet haben!
„Dann alles Gute zum Geburtstag“, wünsche ich ihm und trete einen Schritt zurück, um ihm mehr Freiraum zu geben.

Er versteht mein Signal korrekt und verabschiedet sich von den anderen, die ihm alle nochmal Glück wünschen und ihn ermahnen, nicht mehr zu lange zu machen.
Ehe ich mich versehe, sitze ich auf einem wohl gerade freigewordenen Barhocker. Dirk steht dicht vor mir. Auf meinen überraschten Blick entgegnet er leichthin: „Ich dachte mir, die Pause würde deinen Füßen sicher gut tun.“
Dankbar nicke ich. Während dem Tanzen habe ich komplett abgeschaltet und sie irgendwann einfach nicht mehr gespürt, aber jetzt drückt, pocht und schmerzt es überall. Nie wieder!

„Mich würde allerdings interessieren, was du hier machst? Schließlich gilt für dich das gleiche!“
Unwillkürlich merke ich, wie sich mein Gesicht verdunkelt. Herzlichen Glückwunsch, du bist mit Anlauf im Fettnäpfchen gelandet! Eigentlich sollte ich längst darüber hinweg sein, aber das bin ich wohl frühestens nächstes Jahr um diese Zeit.
„Verletzung direkt im ersten Training nach Sessionsende. Als ich langsam wieder einsteigen durfte, hatten alle anderen die Choreo schon drauf und waren nur noch bei der Feinarbeit dran. Jetzt, zum Sessionsende, bin ich erst wieder soweit, dass ich demnächst wieder an den Trainings teilnehmen darf“, fasse ich das schlimmste an der ganzen Session knapp zusammen.
„Oh shit!“ Mitfühlend verzieht sich Dirks Gesicht und er drückt mich kurz, aber fest.

Verlegen kaut er auf seiner Unterlippe herum, was ehrlich gesagt echt heiß aussieht. Ich kann nicht widerstehen und küsse ihn erneut. Er erwidert den Kuss, wirkt dieses Mal gedanklich jedoch nicht ganz bei der Sache.
Frustriert löse ich mich wieder von ihm. „Schieß los, was ist?“
„Ähm... ich will dir nicht zu nahe treten oder noch mehr Salz in die Wunde streuen, aber...“ Dirk pausiert kurz, fasst sich dann jedoch ein Herz und stellt die Frage, die ihn so sehr beschäftigt. „Wie kommt es, dass du die Hebefiguren so gut kannst?“
Verblüfft starre ich ihn an, sogar mein Mund steht halb offen. Damit habe ich jetzt wirklich nicht gerechnet. Andererseits macht es die Sache einfacher, denn jetzt weiß ich, dass ich mir die peinlichen Aufklärungssätze, die eben schon in meinem Kopf herumgeschwirrt sind, direkt wieder vergessen kann. Aber ich weiß eben, dass betrunkene Kerle manchmal ganz schön ignorant sein können – schließlich bin ich selbst von Zeit zu Zeit einer!

„Jaa, das liegt an unserer Trainerin“, erkläre ich mit einem schiefen Grinsen. „Wir hatten vor zwei Jahren eine Stunde nur für die Jungs, weil wir einen schwierigen Part ohne die Mädels hatten. Ohne die Ablenkung sind wir dann allerdings schneller durchgekommen als gedacht und sie wollte die Zeit nicht ungenutzt lassen. Da eine der Hebefiguren bei vielen noch nicht so richtig saß, sie gucken musste, damit sie auskorrigieren kann und ich eindeutig der kleinste und der leichteste Junge bin...“ Den Rest lasse ich weg, er wird es sich denken können. „Und wie Jungs nun mal sind, wenn sie was neues zum Spielen gefunden haben... Seitdem werde ich ständig in den Pausen von ihnen hochgehoben, am besten ohne Vorwarnung und von hinten. Meine Körperspannung hat sich enorm verbessert und wenn man einen Partner hat, der weiß was er tut, reicht das für fast jede einfache Hebefigur“, grinse ich. Auch wenn ich das den Jungs gegenüber nie zugeben würde, um sie nicht zu noch mehr Blödsinn wie Würfen zu ermutigen, finde ich das insgesamt eher lustig.

„Das kann ich mir lebhaft vorstellen.“ Dirk schmunzelt auch.
„Jetzt will ich dir aber auch eine Frage stellen“, fordere ich.
„Klar, schieß los.“ Gespannt sieht er mich an.
„Woran hast du es gemerkt?“
„Den ersten Verdacht hatte ich sofort, als ich dich gesehen habe. Denn auch wenn ich nix dagegen gehabt hätte, wärst du das allererste Mädchen gewesen, dass ich heiß gefunden hätte. Also irgendwie muss mein Unterbewusstsein direkt was gemerkt haben, frag mich bitte nicht, woran genau“, sagt er und zuckt mit den Schultern. „Zwischendurch war ich mir echt unsicher. Deine Stimme war kein guter Hinweis, weder eindeutig männlich noch eindeutig weiblich. Optisch hast du mich jedoch eher an ein Mädchen erinnert. Sicher war ich mir dann erst beim Tanzen. Dafür, dass du eindeutig in einer Tanzgruppe bist, die auf einem gewissen Niveau tanzt, hast du ein paar Mal zu oft versucht, mir die Führung zu nehmen. Und das obwohl du bis dahin eigentlich gemerkt haben solltest, dass ich dich führen kann und es absolut nicht notwendig ist.“

Darauf wäre ich jetzt nicht gekommen. „Gut zu wissen. Dann werde ich beim nächsten Mal nur noch mit Leuten tanzen, die es nicht können“, sage ich scherzhaft.
„Das fände ich sehr schade. Ich würde nämlich gerne öfter mit dir tanzen“, entgegnet Dirk mir recht ernst.
„Keine Sorge, ich habe ganz bestimmt nicht nochmal vor, als Mädel zu gehen, geschweige denn so“, stelle ich sofort klar. „Als Kerl fühle ich mich viel wohler als mit diesen nackten Beinen und diesen schrecklich unbequemen Stiefeln!“
„Das mit den Schuhen kann ich nachvollziehen, aber das mit den Beinen kann ich nur bedingt unterstützen. Du hast nämlich echt tolle Beine und siehst so ziemlich heiß aus“, raunt er mir ins Ohr und lässt seine Hände verheißungsvoll besagte Beine wandern. Uh, durch die Strumpfhose spüre ich die viel deutlicher als durch jede Jeans!
„Nackt ist noch besser“, verspreche ich ihm. „Und ich würde auch gerne häufiger mit dir tanzen, auch wenn das spätestens nächste Session vermutlich verdammt schwierig wird.“

Dieses Mal verzieht Dirk sein Gesicht. „Ja, wohl war.“ Dann hellt es sich allerdings wieder auf. „Das heißt, nicht unbedingt“, korrigiert er sich hastig. Überrascht sehe ich ihn an. „Hast du schon mal daran gedacht, zur Stattgarde zu wechseln? Janna, meine Partnerin, hört nach dieser Session auf und da ich keine Lust hab, mit wem neuen anzufangen, wollte ich dieses Jahr mal zum Probetraining am neunzehnten Februar gehen, gucken, ob die mich nehmen. Wenn du eh schon Hebefiguren und sowas kannst, würde das bei dir doch auch gut passen.“
Hmm, der Gedanke ist wirklich verlockend. Da könnten wir uns sehr regelmäßig sehen und müssten uns nicht ganz so sehr anstrengen, Zeit für den anderen freizuschaufeln. Andererseits liebe ich die Jungs und Mädels aus meiner Truppe und will nur ungern wechseln. Vor allem habe ich ja schon gesagt, dass ich nächste Session wieder dabei bin. In dem Moment fällt mir ein, dass es da noch was zu klären gab. „Ich muss schauen. Dieses Jahr hat Marie mit Felix getanzt, weil seine Frau ihr Baby gekriegt hat. Es steht noch nicht fest, ob Susanne jetzt nochmal einsteigt oder ihr das neben dem Kind zu viel ist. Wenn sie wiederkommt, hab ich versprochen weiterzumachen. Aber nächstes Jahr wird es wohl wieder ein Probetraining geben.“ Etwas unbehaglich zucke ich mit den Schultern. Ich hätte gerne einfach ja gesagt, aber es ist eben nicht so leicht. Zum Glück nickt Dirk verständnisvoll. „Klar, das verstehe ich. Wenn Janna nicht wegziehen würde, wär ich auch nicht auf die Idee gekommen, zu wechseln.“

Erleichtert nicke ich und muss gähnen. So langsam will ich schlafen gehen. „Das ist dann auch mein Stichwort, endlich ins Bett zu gehen. Kommst du mit?“ So wie er fragt, ist klar, dass heute nichts großes mehr laufen wird. Sehr schön, ernstere Beziehungen beginne ich nur sehr ungern mit einem One-Night-Stand. Obwohl wir uns heute erst kennen gelernt haben, denke ich, dass das hier Potential hat.
„Gerne. Trägst du mich?“, frage ich ihn hoffnungsvoll. Ich mag wirklich keinen Schritt mehr gehen.
„Natürlich. Komm, ich nehm dich Huckepack, das ist am bequemsten für uns beide.“ Kaum fertig mit dem Satz, dreht er sich um und geht leicht in die Knie. Meine Arme schlingen sich um seine Brust, meine Beine um seinen Bauch und mein Kopf schmiegt sich in seine Halsbeuge.
Plötzlich merke ich, wie müde ich bin. Es ist immerhin so bequem hier oben, dass ich aufpassen muss, nicht einzuschlafen.

Zum Glück wohnt Dirk nicht allzu weit weg von der Kneipe. Zwanzig Minuten später bin ich die blöden Frauenklamotten los, notdürftig abgeschminkt und meine Füße haben sogar noch eine kleine Massage erhalten. Müde kuschele ich mich an ihn. Mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen ist: „Na, vielleicht hat diese Session trotz Verletzung und Wette was gutes gehabt... oder besser gesagt, gerade deswegen, denn ohne hätten wir uns heute nicht getroffen.“


ENDE
Aktualisiert: 08/02/18
Veröffentlicht: 08/02/18
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Schlußanmerkungen zum Kapitel
PS: Wenn ihr die Stattgarde nicht kennt, sucht mal auf Vimeo danach! Eine reine Männertanzgruppe, die meines Erachtens völlig zu recht den Ehrentitel "die schärfsten Schenkel von Köln" trägt
Chiyuki am 08/02/18 21:15
Hihi, süß Smiley Der geübte BxB-Leser erkennt natürlich sofort, dass Conny wahrscheinlich eher keine Cornelia ist ^^ (hast du den Namen eigentlich von mir geklaut? *hust*) Süßer kleiner Oneshot, ja wirklich. Die Stattgarde waren die Jungs, die du uns mal gezeigt hast, oder?
*flausch*



Antwort der Autors Snoopy279 (08/02/18 21:21):
Hey Chi,
ja, für den OS fand ich's echt doof, dass ich hier mxm angeben muss, das spoilert komplett (wobei wer mich kennt es vermutlich eh errät). Und das war einfach der erste Name, der mir eingefallen ist, der androgyn war. Kann gut sein, dass da dein Konny mit schuld war Lächelnd
Genau, die Stattgarde hatte ich euch neulich gezeigt.
*reflausch* danke fürs Freischalten und Review Smiley
glg, Snoop
...un et hätt noch immer joot jejange
Esther am 09/02/18 10:00
Hallo Snoopy!
Vielen Dank, dass Du diese wirklich tolle Geschichte mit uns teilst! :-) Und super, dass die Stattgarde Erwähnung findet. (Ich bin auch schon fleißig dabei sie hier in der Gegend bekannter zu machen. Die sind ja auch wirklich großartig!)
Ich weiß gar nicht viel zur Geschichte zu sagen. Nur dass sie ruhig hätte länger sein können, weil ich mir einfach mehr von Conny und Dirk gewünscht hätte. Aber von der Länge her ist die Geschichte ja passend und funktioniert auch gut als Kurzgeschichte. Und ich bin schon gespannt auf die restlichen Geschichten des Jahreszyklus. Valentinstag ist ja so gar nicht meins, aber ich lass mich überraschen! :-)
Helau aus Mainz!
Esther



Antwort der Autors Snoopy279 (09/02/18 22:44):
Hey Esther,
ja, nachdem ich die Jungs auf der Mädchensitzung gesehen hab, musste ich die einfach noch nachträglich einbauen. Habt ihr eigentlich auch reine Mädchensitzungen? Und mehr von den beiden wird es wohl nicht geben... andererseits weiß man ja nie Lächelnd
ich bin auch kein großer Fan von Valentinstag, aber der bot sich halt an (und ist dieser Jahr ja auch zeitgleich Aschermittwoch) *hüllt sich in Schweigen, bevor sie zuviel verrät*
Alaaf us Kölle,
Snoop
...un et hätt noch immer joot jejange
Esther am 09/02/18 10:04
(Jetzt muss ich leider doch noch einen zweiten Review aufmachen, weil sich der erste nicht editieren lässt... so sorry... ^^°)
Ich wollte mich ja noch für die Widmung bedanken! Ich erinnere mich auch noch genau, wie Du erwähnt hast, dass Du was zu Fastnacht/Karneval schreibst und diesen Jahreszyklus planst! :-)
Und zum Namen "Conny" wollte ich noch schreiben, dass bei mir ja auch ein Charakter (ein Antagonist allerdings) so heißt. Also Chi darf nicht meckern! XD



Antwort der Autors Snoopy279 (09/02/18 22:46):
(dann kriegst du diesmal auch zwei Antworten Lächelnd )
Gern geschehen, die musste einfach sein... dafür, dass du diejenige im Chat bist, die auch Karneval/Fastnacht liebt und so ein Fan von der Stattgarde bist.
Und Chi ist vermutlich nur neidisch, dass sie keine Widmung gekriegt hat Zwinkernd
...un et hätt noch immer joot jejange
celticDESIRE am 09/02/18 19:47
Hat mir sehr gut gefallen. Auch, dass es 'einfach' nur eine Kurzgeschichte ist.
Da ich in einer Gegend wohne, wo so absolut nichts mit Karneval und den diversen Tanzgruppen los ist, habe ich mich erst ein wenig darüber gewundert, was die auf der Tanzfläche nun tanzen (oder auch nicht). Auch verstehe ich kein Kölch. Da könnte sogar eine Übersetzung dazu kommen, auch wenn ich ahne, was es heißen soll. Doch Google hat diese Sprache noch nicht im Übersetzer :-)

Mir sind die beiden Jungens sehr symphatisch. Mir gefällt auch, dass die nicht gleich rollig übereinander herfallen Grinsend

Ich freue mich auf die weiteren JahresZyklen-Kapitel...

Bis dahin.
cD



Antwort der Autors Snoopy279 (09/02/18 22:34):
Hey cD,
ja, hab lange mit mir gerungen, ob ichs übersetzen soll, hab mich dann aber dagegen entschieden, weil man es mit google recht schnell finden kann (auch wenn nicht über den übersetzer). aber hier für dich: et kütt wie et kütt: es kommt, wie es kommt (klingt einfach doof Lächelnd ) und et hätt noch immer joot jejange (es wird schon gut gehen).
freut mich, dass dir die Geschichte gefallen hat, obwohl du mit Karneval nix am Hut hast... bei weiteren Fragen stehe ich gerne zur Verfügung *kommt aus einer jecken Familie*

vielen Dank für dein Review Smiley
lg, Snoopy
...un et hätt noch immer joot jejange
Ricci am 10/02/18 13:08
Das war genau das Richtige zu Karneval, und die Stattgarde ist wirklich klasse! Haette gerne ein wenig mehr zu Dirk und Conny gelesen, aber als spontane Begegnung funktioniert die Kurzgeschichte allemal.



Antwort der Autors Snoopy279 (10/02/18 22:22):
Hey Ricci,
hatte mich bei dem Alaaf schon gefragt, ob du dich wohl hierher verirrst Lächelnd schön, dass du den OS gefunden hast und er dir auch gefallen hat Smiley
Genau das sollte es auch sein, eine kurze, spontane Begegnung, Fortsetzung wird es wohl eher nicht geben... Aber wer weiß, vielleicht fällt mir irgendwann noch mal was ein.
liebe Grüße nach Florida und Alaaf,
Snoopy
...un et hätt noch immer joot jejange
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jabba
19/11/18 20:32
gibts ne rückmeldung, wenn die advenstürchen angekommen sind?

Witch23
16/11/18 08:44
frag rih

HeisseZitrone
15/11/18 21:06
Heyho, kennt sich jemand von euch mit Literaturagenten aus oder hat Connections zu Verlagen? Ich will mich langsam mal auf Verlagssuche für meinen Romantasy-Vampir-Schinken "Raven House" begeben...

split
15/11/18 20:21
XD Amen

jabba
10/11/18 22:29
es ist NaNo, da herrscht entweder Schweigen vor der Tastatur oder panisches "ich brauch nen Namen für ne Disco, SOFORT" XD

split
09/11/18 18:41
Hast du nicht XD Ist nur gerade ruhig hier. Wir sind im Chat am rotieren.

Witch23
09/11/18 07:10
habe das Gefühl das ich den Laberkasten kaputt gemacht habe

Witch23
31/10/18 23:05
die Einsendungen oder eben nicht. Aber es war die letzten Jahre immer recht stark auf den letzten Drücker, und Wie gesagt man wird älter.

Witch23
31/10/18 23:04
Go ist eigentlich noch vor November, denke aber das es sich auch von Seiten von Nika und Yavia nach den Einsendungen richtet und sie da nicht mehr die Zeit für haben sich zu kümmern. Entweder reichen

jabba
31/10/18 22:13
weil ich keine habe *deutet auf dateien*
ich warte nur aufs GO, dann werden die eingeschickt


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