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Veröffentlicht: 15/04/18 Aktualisiert: 18/05/18
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1. Teil 1

Personen, die im 1. Teil auftreten/ genannt werden:

der Detektiv – Robert McNeill
die Sekretärin – Mary Simmons
der Klient – Reginald Barclay
der Butler – James Haywood
der Vater – Charles Barclay
der Pub-Besitzer – John McKenzie

---

Die Geschichte spielt am 23. und 24. September des Jahres 1951.

---


Ich wachte mit brummenden Schädel auf, vor mir auf dem Schreibtisch die halbleere Flasche Scotch, die dafür verantwortlich war. Ich kämpfte mich ächzend hoch und befand, dass der Schreibtisch und der Stuhl nicht sonderlich geeignet waren, um einen Rausch auszuschlafen. Zumindest die kurze Couch gegenüber wäre doch die bessere Alternative gewesen, obwohl sie mit ihrem verblassten Orange wie altes Laub aussah.

Doch so philosophisch wollte ich zu so zeitiger Stunde nicht sein und beschloss, den Kater mit dem zu bekämpfen, was ihn verursacht hatte. Ein großzügiger Schluck Scotch vertrieb zudem das unangenehme Gefühl im Mund.

Ich streckte mich, lauschte dem Knacken im Nacken und dem Kreuz und stöhnte auf. Da war er wieder, der stechende Schmerz in der Hüfte. Die Wunde war schon längst verheilt, die Narbe und die Erinnerungen nicht.

Ich kratzte mir durch die sprießenden Bartstoppeln und trat ans Fenster. Durch die staubige Jalousie sah ich die übliche Rastlosigkeit der New Yorker Großstadt. Die herbstliche Sonne stand schon fast im Zenit.

Ich wollte mir gerade eine Zigarette anzünden, als Mary Simmons in mein Büro gestürzt kam. Sie nahm weder Rücksicht auf meine Kopfschmerzen noch auf mein derangiertes Aussehen.

„Herrgott, Robert. Sie sind ja ein Wrack“, beschrieb sie meinen Zustand ganz treffend und knallhart, während sie die Jalousie hochratschte. Ein Vampir wäre in dem grellen Licht sofort verbrutzelt.
„Mary. Ich habe Kopfschmerzen“, hielt ich mir die Augen zu und erschrak vor meiner eigenen kratzigen Stimme.
„Das ist mir egal“, erwiderte sie in einem Tonfall, der ihre Gereiztheit und Mitleidlosigkeit nicht verbarg. Sie verräumte meine Whiskyflasche und das Glas im Schreibtisch, dann zerrte sie an mir. Sie strich mir glättend durch die Haare, zog das Hemd, die Weste und die Hosenträger zurecht und zippte ungeniert meinen Hosenstall zu. Warum auch immer der offen war… Zum Glück verzichtete ich auf eine Krawatte. Mary hätte mich erwürgt.

Ihre Hektik irritierte mich. Normalerweise arbeitete sie im Vorzimmer vor sich hin, klapperte beständig auf der Schreibmaschine und störte mich nur, wenn es etwas Dringliches gab.
„Was ist denn los?“, wehrte ich ihre Hände ab, als sie mir auch noch mit einem Taschentuch im Gesicht wischen wollte.
„Sie haben einen Klienten!“, blaffte sie. „Seien sie ja nett zu ihm. Nicht jeder ist so ein Rüpel wie Sie. Außerdem hat er Geld! Sie schulden mir zwei Wochen Lohn“, erinnerte Sie mich schonungslos.
„Is ja gut. Schicken Sie ihn rein. Ich hör mir seine Geschichte mal an. – Ach, und machen Sie mir doch einen Kaffee, Mary. Stark.“ Sie nickte und ich wusste, sie wird den Kaffee so stark machen, dass ich die nächsten Nächte durcharbeiten könnte. Ich konnte ja nicht ahnen…

*


Ich hörte im Vorraum Mary leise sprechen, dann sah ich meinen Klienten durch die Tür hereinkommen. Nein. Er schlich eigentlich. Er schaute sich nervös überall um, nahm sicherlich den verwahrlosten Zustand meines Büros wahr und getraute sich dann endlich auch einen kurzen Blick direkt auf mich zu werfen. Er wirkte überrascht, doch ehe man mehr erkennen konnte, schlug er die Augen nieder und richtete seinen Blick starr auf den Schreibtisch, der groß und wuchtig zwischen uns stand.

Nun, überrascht war ich genauso. So wie er mich und mein Büro betrachtete, so taxierte ich ihn. Zeit genug gab er mir ja.

Vor mir stand ein junger Mann, eigentlich eher ein Kind. Er wirkte erschrocken, gar fast ängstlich. Er war sehr schmal. Die Haut sehr hell. Die Augen waren dagegen fast übergroß und dunkel in dem blassen spitzen Gesicht. Die Kleidung war ordentlich und bei genauerem Hinsehen erkannte ich, dass sie nicht von der Stange waren. Eleganter Schnitt, maßgeschneidert, teurer Stoff. Für einen feinen Herrn aus der Oberschicht benahm sich der Junge jedoch viel zu verschüchtert. Überhaupt irritierte mich der junge Mann. Meine Härchen an den Armen stellten sich auf. Über meinen Rücken rieselte ein Prickeln. Mein Frühwarnsystem schlug an.

„Kommen Sie. Setzen Sie sich“, sprach ich, um das unangenehme Gefühl zu überspielen. „Mein Name ist Robert McNeill. Was kann ich für Sie tun?“, stellte ich mich vor und reichte ihm die Hand. Er nahm sie entgegen und begrüßte mich mit einem überraschend festen und angenehmen Gegendruck. Dann ließ er sich vorsichtig auf einen der zwei Stühle nieder, die vor dem Schreibtisch standen.

„Guten Tag. Ich bin Regis Hicks. – Nein, Reginald Barclay“, stellte er sich vor.
„Ja. Nun. Hicks oder Barclay? Sollte man seinen Namen nicht kennen?“, fragte ich flapsig, um die Stimmung etwas zu lockern. Tatsächlich lächelte er ein wenig. Das sah doch schon viel besser aus, als dieses verängstigte Gesichtchen.

„Sie haben ja Recht. Ich erzähle es Ihnen kurz, zumal es wohl mit zu meinem Anliegen gehört“, sagte er.
Mary kam herein. Sie stellte uns eine Kanne Kaffee auf den Tisch, zwei Tassen. Dazu Milch und Zucker, alles feines Rosenporzellan. Sie brachte noch einen Teller Kekse und schob diesen auffällig auffordernd unserem Gast hin. Sie lächelte dem Jungen zu und drückte ihm aufmunternd den Arm, dann ließ sie uns wieder allein.

Warum war sie nicht auch einmal so herzlich mütterlich zu mir?, wunderte ich mich und griff frech bei einen der Kekse zu. Mein Frühstück.
„Erzählen Sie bitte. Je mehr ich weiß, desto besser kann ich Ihren Auftrag erledigen“, erklärte ich kauend meinem Gast und krümelte auf meine Hose. Dann schenkte ich uns beiden Kaffee ein. Milch und Zucker schob ich gleich zu ihm hinüber. Ich trank mein Koffein pur. Das half am besten gegen die noch stetig pochenden Schmerzen im Kopf.

Der Junge bedankte sich, gab sehr viel Milch in seinen Kaffee und nahm auch einen Keks, knabberte daran.
„Danke. Das ist das Erste, was ich heute esse“, erklärte er leise und lächelte kurz. Tatsächlich schien er etwas lockerer zu werden. Er nahm noch einen großen Schluck Kaffee, dann begann er mit seiner Geschichte. Und die war wirklich interessant!

*


„Ich bin in Brownsville als Regis Hicks geboren und aufgewachsen. Sicherlich kennen Sie die Gegend.“
Ich nickte. Klar kannte ich dieses verdammte Viertel in Brooklyn. Meine Narbe ziepte.
„Meine Mutter war arm, hatte kaum Geld. Ich hatte eigentlich immer Hunger und in den Wintern fror ich ständig. Als ich sechs Jahre war, verstarb sie. Außer einer hübschen Halskette gab es nichts, was sie mir hinterlassen konnte. Ein Nachbar, ein Jude, hatte Mitleid mit mir und nahm mich kurzerhand zu seinen anderen Kindern auf. Ich lebte bei ihnen und half ihm schon bald in seinem Laden. Er war mit meiner fleißigen Art zufrieden und brachte mir im Laufe der Jahre immer mehr vom Geschäftswesen bis hin zur Buchhaltung bei.

Dies führte dazu, dass ich bereits mit Sechzehn eine kleine Anstellung in einer Bank erhielt. Es war nicht viel, was ich verdiente, aber es reichte und ich lernte noch mehr. Bald schon konnte ich mir dadurch eine Anstellung in der Bank of New York ergattern. Ich verdiente gut und konnte mir ein winziges Zimmer in Brooklyn Heights leisten.“

Ich nickte anerkennend. So einen Aufstieg von ganz unten schaffte nicht jeder. Der Junge erschien mir mit einmal gar nicht mehr so unbedarft. Außerdem war er wohl bereits älter, als vermutet. Mit einer kleinen Geste forderte ich ihn auf, weiter zu sprechen.

„Ich war mit meinem Leben ganz zufrieden, als ich vor kurzem von einem Mann aufgesucht wurde. Er stellte sich als James Haywood, Butler der Familie Barclay vor. Sagen Sie, Mister McNeill, kennen sie die Familie Barclay?“

Ich überlegte und nickte bedächtig.
„Ja. Charles Barclay. Ich hatte doch neulich erst etwas über ihn in der Zeitung gelesen…“, erinnerte ich mich. Die Barclays waren seit Generationen eine der reichsten Familien in New York, wenn sie auch stets im Hintergrund blieben. Es gab kaum öffentliche Auftritte; über das aktuelle Familienoberhaupt war nicht viel bekannt.
„War da nicht etwas mit einem Erben?“, fiel es mir jetzt wieder ein.
„Ja. Ganz recht, Mister McNeill“, antwortete der Junge und senkte den Kopf auf eine seltsam beschämte Art. „Ich bin dieser Erbe.“
„Oh“, rutschte es mir heraus. Das war ja mal eine überraschende Wendung. „Und was haben Sie nun auf dem Herzen? Wollen Sie beweisen, dass sie zur Familie gehören?“ Mir ging schon allerhand durch den Kopf.

„Nein, nein!“, wehrte Regis – Reginald – mit beiden Händen ab. „Dahingehend ist alles in Ordnung. Die Kette, die meiner Mutter gehörte, war das entscheidende Beweisstück. Mein Vater erzählte mir die romantisch-traurige Geschichte seiner Liebelei zu meiner Mutter und wie er über die Jahre hinweg sie gesucht hatte. Die Kette war einst ein Geschenk für sie. Doch dies ist für jetzt nicht wichtig. Er hat mich also gefunden und als seinen Sohn angenommen. Es wurde auch alles rechtens in die Bücher eingetragen. Wir hatten nicht viel Zeit uns näher kennenzulernen, denn vor weniger als drei Tagen erlag er einer schweren Krankheit. Und nun bin ich Allein-Erbe seines gesamten überwältigenden Vermögens, denn andere Kinder oder eine Ehefrau hatte er nicht.“

Er stoppte und trank einen Schluck Kaffee, knabberte am Keks. Ich starrte ihn an, versuchte in ihm die mächtige Person zu sehen, die er nun automatisch mit dem Erbe war, und konnte es nicht. Er war ein junger scheuer Mann, der nicht so recht wusste, wo er hingehörte. Verständlich. Von Armut zu größtem Reichtum.
„Nun, was kann ich also tun?“, fragte ich, da ich mir keinen Reim auf seine Geschichte machen konnte. Er stellte die Tasse ab und legte auch den Keks beiseite. Nervös knetete er seine Hände.
„Nur heraus damit. Ich kann nichts tun, wenn ich nicht weiß was“, munterte ich ihn auf.
„Ich möchte Sie bitten, meinen Mörder zu finden“, platzte es dann aus ihm hervor und seine großen dunklen Augen blickten mich flehend an.
„Was?“
„Es gibt jemand, der mich umbringen wird. Bitte finden Sie ihn. Ich habe doch keinem etwas getan!“, rief er fast und Tränen standen in seinen Augen.
„Ganz ruhig. Wer will Sie umbringen?“
„Ich weiß es nicht. Ich habe ihn nur gehört“, schluchzte er und zog ein Taschentuch hervor. Oh je. Ich hatte schon manch aufgelöste Dame hier sitzen, aber noch nie einen Mann. Was sollte ich tun?
„Sie haben ihn also gehört. Hat er über Sie gesprochen?“
„Ja“, nickte Reginald Barclay und schniefte leise.
„Haben Sie denn noch mehr von ihm erkennen können? Hat er sich mit jemanden unterhalten?“
„Es waren mehrere. Er jedoch ihr Anführer. Sie haben mich erstochen, in ein Loch geworfen und dann zugeschaufelt…“

Was erzählte der Junge da bloß?
„Sie wissen, dass Sie gerade sehr lebendig vor mir sitzen? Hatten Sie einen schlechten Traum?“ Na das hatte mir gerade noch gefehlt. Ein Neureicher mit wirren Gedanken. Er lächelte mich jedoch an und nickte.
„Ja. Ich weiß, dass ich noch lebe. Ich weiß aber auch genau, dass ich getötet werden soll.“
„Dann wäre das doch die Aufgabe des NYPD, nicht?“ Der Fall wurde mir zu heikel. Da wollte ich nicht mit reingezogen werden. Das Prickeln nahm wieder zu.

„Die Polizei wird mir nicht glauben, dass ich meinen Tod bereits vorhergesehen habe“, stellte er fest und sprach das aus, was ich schon vermutete hatte. Hellseherei!
„Und ich weiß, dass auch Sie mir nicht glauben, Mr. McNeill“, sagte er mit plötzlich fester Stimme. Unverwandt sah er mich an und das Prickeln wurde immer unangenehmer. „Aber SIE bezahle ich! Das ist die eine Hälfte, die andere erhalten Sie bei erfolgreichem Abschluss.“

Er zog ein dickes Bündel Geldscheine aus seiner Anzugsjacke und schob es mir herüber. Ein Stapel Hunderter. Marys Gehalt war damit für das ganze nächste Jahr gesichert!
„Sie müssen mir nicht glauben, dass ich Vorahnungen habe, Mr. McNeill. Sie müssen mir nur glauben, dass ich mir sicher bin. Ich sage Ihnen alles, was ich weiß, und Sie müssen die Mörder finden, bevor sie mich umbringen. DAS ist Ihr Auftrag.“

Ich blickte auf das Geld, dann ihm in das junge Gesicht. Er sah ernst aus, nicht wie jemand, der einen bösen Scherz machte oder wirr im Kopf war. Mir war nach einem kräftigen Schluck Whisky. Ich zog die Schublade auf und griff neben meinen besten Freund, um einen kleinen Notizblock hervorzuholen. Dann kramte ich nach dem Bleistift.

„Sie irren sich, Mr. Barclay. Ich glaube Ihnen“, sagte ich dabei.
„Was? Sie glauben an Vorahnungen?“
„Nein, aber ich glaube daran, dass Sie fest davon überzeugt sind. Und ich habe hier schon so manches erlebt, was andere als Zauberei, Aberglaube oder Höllenkunst verschreien würden. Da sind Vorahnungen noch die harmloseren Geschichten. Schlussendlich habe ich alle Fälle bisher gelöst und das auf meine sehr reale Art und Weise. Von daher bin ich zuversichtlich, auch Ihren Fall aufzuklären.“ Das kribbelnde Prickeln auf meiner Haut ignorierte ich bei meinen selbstbewussten Worten. Wie hätte ich diesen Jungen abweisen können, in dem sicheren Wissen, dass ihn jemand umbringen wollte?

„Das, Mr. McNeill, soll mir reichen“, nickte er und lächelte mich an. Das Prickeln wurde gleich noch eine Spur heftiger und setzte sich unbekannterweise warm in meinem Bauch fest.

*


Als der junge Reginald Barclay das Büro verlassen hatte, holte ich endlich meinen Scotch hervor. Ich schraubte die Flasche auf und während ich mir einschenken wollte, erschien das zögerlich lächelnde Gesicht des Jungen vor mir.
„Verdammt.“
Ich stellte die Flasche wieder weg. Ich sollte erst mal was Vernünftiges essen gehen. Ich musste mir klare Gedanken schaffen.

Ich griff mir Trenchcoat und Fedora vom Haken neben der Tür und trat ins Vorzimmer.
„Mary, ich bin unterwegs. Machen Sie ruhig pünktlich Feierabend. Ich werde wohl bis morgen wegbleiben.“
„Können Sie dem Jungen helfen, Robert?“, fragte sie mit ehrlicher Führsorge im Blick.
„Ich versuche es“, blieb ich vage.
„Das ist schon viel Wert. Dann wünsche ich Ihnen viel Erfolg.“ Sie war zu optimistisch, aber ich machte ihr keinen Vorwurf. Wenigstens eine Person, die stets das Positive sah. Ein Grund, warum sie mich noch nicht aufgegeben hatte. Ich würde auch nie wieder so eine tolle Sekretärin finden.
„Ach, und hier ist Ihr ausstehender Lohn“, sagte ich und schob ihr gleich das Doppelte hin. Sie hatte es verdient.

Als ich auf die Straße trat, empfing mich Nieselregen. Ich grummelte. Wo war die Sonne? Ich zog den Hut tiefer ins Gesicht und lief los. Wenige Blocks weiter erreichte ich schon McKenzie’s.

In dem Pub war nicht viel los. Das Radio spielte Nat King Cole. Die Bar war verweist. Ich setzte mich trotzdem an den Tresen und legte den Hut auf den Hocker neben mich.
„McNeill! Schon wach?“
John kam aus der Küche, die Hände an einem Geschirrtuch abtrocknend. Klar stichelte er. Er kannte mich einfach zu gut.
„Hmmm…“
„Frühstück?“
Ich nickte.
„Drink?“
Ich nickte wieder. Er griff nach dem Whisky.
„Nein, John. Warte.“
„Wie ‚nein‘?“ Offensichtlich war er verwirrt. Ich auch.
„Hmmm… Ohne Alkohol.“
„Ohne? Ähm… Bier?“
„Ohne Alkohol.“
„Kaffee?“
Mir grummelte der Magen; Marys Kaffee war zu stark gewesen.
„Tee?“, fragte ich zurück.
John schüttelte entsetzt den Kopf. Anscheinend brach gerade für ihn eine Welt zusammen.
„Da muss ich erst Wasser heiß machen“, murmelte er und verschwand in der Küche.

Ich zog den Notizblock aus meiner Jacke, um Regis‘ Angaben noch einmal durchzulesen. Er hatte nicht viel sagen können. Es sei Nacht gewesen. Es waren mindestens drei oder vier Personen. Einer war der Anführer; er hatte Anweisungen gegeben. Er war auffällig groß mit einer ungewöhnlich tiefen Stimme. Das war etwas, mit dem man schon arbeiten konnte. Doch wo sollte man so eine Person suchen?

Leider war das schon alles. Ich hatte Regis gefragt, ob er selbst schon Nachforschungen angestellt hatte und jemand anderes von seiner Vorahnung wusste. Nur James Haywood, der Butler, wusste Bescheid und dieser hatte sofort mich als Privatdetektiv vorgeschlagen. So war Regis also bei mir gelandet.

Ich bat Regis vorerst selbst nichts zu unternehmen. Ich wollte mich erst in der Stadt umhören, zum späten Nachmittag dann zu ihm auf den Barclay-Landsitz kommen, um die Nacht über auf ihn aufzupassen. Leider wusste Regis nicht, wann genau der Mord geschah, nur dass es nachts passieren sollte.

Ein Glas wurde vor mir abgestellt.
„Hier, McNeill. Hoffentlich schmeckt er. Ich koche nicht so oft Tee“, lachte John.
„Geht schon“, meinte ich. „Sag mal, John. Kennst du die Barclay-Familie?“
„Klar. Wer kennt die nicht? Neuer Fall? Geht’s um den Mord des Alten?“
„Was? Mord?“
„Ja. Man munkelt, dass der angebliche Sohn den Alten vergiftet hat, um das Erbe zu bekommen.“
Ich dachte an das unschuldige verängstigte Gesicht und schüttelte den Kopf.
„Nein. Regis würde sowas nicht tun.“
„Ach, du hast ihn kennengelernt?“
„Ja.“
„Dann pass nur gut auf, dass du nicht auch plötzlich tot aufwachst.“ John verschwand wieder in seiner Küche.

Das war ein interessanter Tipp. Ich glaubte nicht, dass Regis seinen Vater umgebracht hat. Dafür klang er viel zu froh, seinen richtigen Vater so unverhofft kennengelernt zu haben. Aber ich würde diesem Hinweis folgen.

John kam wieder und brachte mein Full Irish Breakfast mit. Es gab Spiegelei, gegrillten Schinkenspeck, gebackene weiße Bohnen in Tomatensoße, Schweinswürstchen, Räucherhering, gegrillte Tomate und Black Pudding. Dazu gebratene Kartoffelecken und Toast mit Marmelade. Das sollte den restlichen Kater vollkommen vertreiben und vor allem den Tag über vorhalten. Freudig tunkte ich eine Ecke des Toasts in das perfekte noch flüssige Gelbe des Eis. Es schmeckte lecker und ich tropfte mir auf das Hemd.

*


Satt und mit einem wohligen Gefühl der Zuversicht verabschiedete ich mich von John. Es wurde Zeit, genauere Fragen zu stellen. Die Jahre, die ich nun schon als Privatdetektiv arbeitete, hatten mir so manch guten Kontakt eingebracht…

Aktualisiert: 18/05/18
Veröffentlicht: 15/04/18
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Chiyuki am 15/04/18 20:27
Huhu, das klingt schon mal sehr interessant. Ich mag McNeill ^^ Ein cooler Typ, zum Glück hat er Mary Simmons, sonst wäre er ja ziemlich aufgeschmissen.



Antwort der Autors Graf Roderick (15/04/18 20:39):
Hallöle. Ja, hinter jedem verkaterten Privatdetektiv steht eine tolle Sekretärin... Lächelnd
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jepp

Carr
07/12/18 18:37
Same procedure as last year Ms Sophie?
Same procedure as every year James!
XD


celticDESIRE
07/12/18 15:29
die kästchen sind verschoben, aber man kann einfach die Adresse von tag 1-5 kopieren und day6 eingeben

nala
07/12/18 13:35
kann die Geschichten von gestern und heute nicht öffnen. Wieso??

Nika
30/11/18 07:51
http://boyxboy.de/efiction/bxbadvent.php?year=2018

split
29/11/18 20:47
ist vielleicht was putt... die seite wimmelt ja nur so vor bugs

HeisseZitrone
29/11/18 20:03
Sagt mal, warum steht auf der Startseite eigentlich in letzter Zeit immer, dass "Keiner" in diesem Monat die meisten Reviews geschrieben hat? Also ich habe definitiv schon ein paar Reviews erhalten...

split
28/11/18 19:40
ich kann beide adressen nicht einsehen und empfehle lediglich dich nach den aktuellen news zu richten, im zweifelsfall hält doppelt besser

Graf Roderick
28/11/18 13:28
Ich habe die schon im Oktober geschickt und die Adresse Admin... verwendet, wie es unter den FAQs steht..., da gab es noch keine News... ich kann sie aber gerne nochmal senden...

split
27/11/18 22:28
Hast du die news gelesen zu dem thema?

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