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Als Flori mit Mitsommer anfängt, befürchtet Malte das schlimmste - Horrorshopping bei IKEA. Doch eigentlich hat sein Freund nur eine Gartenparty geplant. Kann Malte seinem schlimmsten Alptraum entgehen?

Genres: Reale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Keine
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine

Kapitel: 1     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

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Veröffentlicht: 23/06/18 Aktualisiert: 23/06/18
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Anmerkungen zur Geschichte
Hallo ihr Lieben,

hier ist der erste Sommer-OS aus dem Jahreszyklus. Wie ihr vielleicht schon an der Zusammenfassung gesehen habt, sollte man das alles nicht allzu ernst nehmen xD.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

lg, Snoopy
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1. IKEA und andere Schwedenimporte

Bei Floris Gesichtsausdruck ahne ich gleich schreckliches. Ich liebe meinen Freund ja wirklich, aber manchmal kann er mich auch in den Wahnsinn treiben. Um ehrlich zu sein, hat er das im letzten Monat auch schon zu genüge getan.

Alles hat vor einem Monat begonnen, als er freudestrahlend auf mich zukam. „Duhu, Malte?“ Bei seinem übertriebenen Augenklimpern war ich direkt vorgewarnt und nickte nur zögerlich. „Weißt du was?“ Da er nicht weitersprach, schüttelte ich den Kopf. Woher sollte ich denn bitte auch wissen, was jetzt schon wieder in seinem Kopf vorging?

Mein bester Freund Sascha sagt mir immer, der Vorteil daran, dass ich schwul bin, wäre, dass ich mich nicht in die Gedankenwelt von Frauen hineinversetzen müsste, das sei nämlich für Männer grundsätzlich nicht möglich. Ohne meinen Flori jetzt als Mädchen bezeichnen zu wollen – seine Gedankenwelt ist mir mindestens genauso fremd wie die der meisten Frauen. Meine Schwester verstehe ich ehrlich gesagt sogar besser als ihn. Aber das könnte auch daran liegen, dass ich sie seit meiner Geburt kenne.

Naja, zurück zum Thema „Was vor einem Monat geschah“.
„Am dreiundzwanzigsten Juni ist Mittsommer!“, verkündete Flori mir glücklich.
„Du willst zu IKEA?“, fragte ich ihn völlig entsetzt.
Daraufhin hat er nur verständnislos den Kopf geschüttelt. „Nein, wie kommst du denn da drauf?“
Verlegen musste ich zugegeben, dass mir direkt das Lied „Mittsommernacht bei IKEA“ von den Wise Guys bei dem Stichwort ins Ohr kam. „Die singen da von einer Schnäppchenjagd auf Leben und Tod!“ Vermutlich stand totale Panik in meinen Augen.
Flori war so freundlich, sich das Lachen so gut es ging zu verkneifen. „Malte, das ist ein Lied. Schon mal was von dichterischer Freiheit und Übertreibung gehört?“ Normalerweise ist er der alberne Kindskopf mit lauter fantastischen, nicht annähernd realisierbaren Ideen von uns beiden und ich der vernünftige Erwachsene. Umso peinlicher war es mir, dass sich hier unsere Rollen vertauscht haben.

„Okay, dann erzähl doch einfach mal, was hast du Mittsommer vor?“, versuchte ich ganz unauffällig, von meinem Faux-pas abzulenken. Natürlich ist mein Freund nicht darauf reingefallen, hat meine Frage netterweise aber trotzdem beantwortet. „Ich finde, das ist die perfekte Gelegenheit für eine Sommerparty, jetzt, wo wir endlich eine Wohnung mit Gartenmitbenutzung haben. Wir können draußen sitzen, grillen, tanzen und einfach das Leben genießen!“, schwärmte er mir vor. „Ja, das klingt echt gut.“ Völlig erleichtert, dass mir doch kein IKEA-Besuch drohte, hätte ich zu dem Zeitpunkt vermutlich zu allem Ja und Amen gesagt.
In den letzten Wochen habe ich das an der ein oder anderen Stelle bereut, da Flori sich nicht nur voller Enthusiasmus in die Vorbereitungen gestürzt hat, sondern mich auch komplett mit integrieren wollte.

Heute ist es schließlich so weit, ab achtzehn Uhr sollen unsere Gäste kommen. Damit die Hausmitbewohner und Nachbarn sich nicht beschweren können, hat Flori sie gleich mit eingeladen. Es sind größtenteils Wohngemeinschaften und Paare in etwa unserem Alter, mit denen wir uns auch recht gut verstehen. Insgesamt werden es gut achtzig Leute, doch da jeder etwas mitbringen wird, hält sich der Kostenfaktor in Grenzen. Da Flori die Mitbringsel generalstabsmäßig koordiniert und überwacht hat, werden wir auch nicht ausschließlich Nachtisch oder zwanzig verschiedene Kartoffelsalate haben, sondern von allem genug.

„Duhu, Malte“, fängt er jetzt auch wieder an.
„Ja, wie kann ich dir helfen?“
Nervös beißt Flori sich auf seine Lippe. Oh nein, das ist ein ganz schlechtes Zeichen! Normalerweise ist er nämlich so begeistert von seinen eigenen Ideen, dass er gar nicht auf die Idee kommt, ich könnte anderer Meinung sein. Er fällt jedes Mal völlig aus den Wolken, wenn ich dann doch dagegen bin.
„Also... die Sache ist die, das … ich meine...“ Flori druckst rum, ohne auch nur einen verständlichen Teilsatz herauszukriegen.
„Jetzt sag schon, so machst du mich erst recht verrückt“, fordere ich ihn energisch auf. Mit diesem Gestammel macht er mich wirklich ganz kribbelig und nervös.
Er atmet tief ein und rückt dann mit der Sprache raus, wenn auch immer noch etwas zögerlich. „Heute Abend ist ja die Mitsommernachtsparty.“ Ich nicke ungeduldig, da mir das bereits seit einem Monat bekannt ist und Flori mir ja keine Gelegenheit gegeben hat, es wieder zu vergessen.
„Das Problem ist, dass ich ganz vergessen habe, Tee- und Windlichter für die Beleuchtung zu besorgen, wenn es dunkel wird“, fährt er verlegen fort. „Naja, und eigentlich wäre eine Tischdecke noch gut, wenn wir schon mal unterwegs sind, ich hab vorher keine gekriegt.“

Skeptisch runzele ich meine Stirn. Weshalb macht er so einen Aufstand, nur weil wir nochmal einkaufen müssen? Da ist irgendetwas faul. „Ja und?“, hake ich entsprechend misstrauisch nach.
„Ich dachte halt, wenn wir eh unterwegs sind... Mittsommer ist eben so ein typisch schwedisches Fest, da würden schwedische Spezialitäten doch total gut passen, meinst du nicht?“
Daher weht der Wind! „Du willst mir gerade nicht ernsthaft sagen, dass du heute noch zu IKEA willst, oder?“
Flori spart sich eine verbale Antwort, sein verlegen-trotziges Grinsen ist auch eindeutig genug: ja, genau das ist sein Plan.
„Vergiss es, ohne mich! Du kannst gerne da hinfahren, aber mit den ganzen Sonderaktionen und Rabatten wird da die Hölle los sein, vor allem heute am Samstag.“ Um meine Worte zu bekräftigen, schüttele ich energisch meinen Kopf und trete zwei Schritte zurück.
„Aber alleine bekomme ich das alles gar nicht transportiert. Außerdem musst du mir helfen, sonst kann ich mich wieder nicht entscheiden und dann schaffe ich es nicht, pünktlich zurück zu sein!“, fleht Flori. „Bitte.“
Nein, Malte, nicht nachgeben, du darfst auf keinen Fall nachgeben, feuere ich mich innerlich zum Durchhalten an und schließe meine Augen, um seinen Bettelblick nicht mehr sehen zu müssen.

Dummerweise nutzt Flori das direkt schamlos aus. Er schmiegt sich eng an mich und wispert mir ein „bitte bitte“ ins Ohr. „Du wirst es auch nicht bereuen, nächstes Wochenende machen wir dann nur das, was dir gefällt“, lockt er mich. Dabei streifen seine Lippen wie zufällig verheißungsvoll über mein Ohrläppchen. Ehe ich mich versehe, hat mein Kopf schon zustimmend genickt. Dieser elende, heimtückische Mistkerl hat mich reingelegt und mein verräterische Körper hat sich einfach mit ihm verbündet, ohne mich zu fragen!
Leider weiß ich aus Erfahrung, dass jetzt alles zu spät ist. Flori wird mich nicht mehr aus der Sache rauskommen lassen, weil er bei jeder Verweigerung mit höchst drakonischen Strafen ankommen wird. Meistens droht er dann damit, dass er auf dem Sofa schlafen wird, auf das ich einfach nicht mit drauf passe. Einmal habe ich es darauf ankommen lassen, weil ich dachte, es wäre eine leere Drohung. Seitdem weiß ich, dass Flori es absolut ernst meint.
„Also gut, dann bringen wir es hinter uns“, ergebe ich mich meinem Schicksal.


Kurz vor dem Parkplatz beginnt schon der Stau, weil jeder verzweifelt versucht, auf dem übervollen Parkplatz noch eine freie Lücke zu finden. Entnervt bringe ich die letzten Meter mittels Stop-and-go hinter mich und finde wie durch ein Wunder sogar einen Parkplatz, der nicht am falschen Ende ist, sodass wir nur die Hälfte überqueren müssen. Der unverbesserliche Optimist neben mir sieht das natürlich direkt als gutes Zeichen an. Am liebsten würde ich direkt flüchten, als ich einen Blick auf die Menschenmassen im Inneren erhasche, doch Flori kennt mich zu gut und hat sich ganz fest bei mir eingehakt. Es gibt kein Entkommen! Ergeben füge ich mich und hoffe für ihn, dass ich nächstes Wochenende wirklich die versprochene Belohnung finde.

Wenigstens hat Flori sich eine Liste gemacht und einen genauen Plan, was er haben will. So lassen wir die Ausstellung schnellstmöglich hinter uns, wobei das einem Hindernislauf gleicht. Ständig läuft einem irgendwer vor die Füße. Am schlimmsten sind die Kinder, die noch so klein sind, dass man erst sieht, wenn man schon gegen sie gekommen ist. Warum haben die Eltern die auch nicht abgegeben? Vermutlich war das Småland wegen Überfüllung geschlossen.
In der Schlafzimmer- und Bettenabteilung überlege ich kurz, ob ich vielleicht unter so ein Bett passen und mich dort verstecken könnte, doch erstens hat Flori mich ja immer noch fest im Griff und zweitens will ich hier keine Sekunde länger bleiben als notwendig.
Endlich erreichen wir den Marktplatz und ich bekomme einen Einkaufswagen in die Hände gedrückt.

Das ist deutlich besser. Den kann ich als Schutz gegen die Menschenmassen verwenden und mich darauf abstützen, um gemütlich die Verrückten zu beobachten. Okay, Schnäppchenjagd auf Leben und Tod ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber es fehlt nicht viel. Zwei erwachsene Frauen streiten sich um das letzte Exemplar eines Etwas, das ich gar nicht genau erkennen kann, sie beide offensichtlich jedoch unbedingt brauchen. Währenddessen zwängt Flori sich durch die Menschenmassen, organisiert, was er braucht, füllt den Wagen damit und zieht mich weiter. Ansonsten würde ich vermutlich Ewigkeiten dastehen und diese absurden Situationen beobachten. Es ist ähnlich wie bei einem Verkehrsunfall oder peinlichen Szenen: man will eigentlich gar nicht hinschauen, aber weggucken geht irgendwie auch nicht. Und das alles nur, weil es jetzt einen Euro oder so weniger kostet als normalerweise! Verständnislos schüttele ich meinen Kopf, passe auf, keinen Einkaufswagen gegen meine Hacken zu kriegen und lasse mich Stück für Stück durch das Chaos leiten.
Endlich spricht Flori die erlösenden Worte: „Wir können ab zur Kasse, ich hab jetzt alles.“

Bis zu den Kassen zu kommen, ist natürlich ein weiterer Kampf und dort erwarten uns lange Schlangen. Immerhin brauche ich da nicht mehr auf mögliche Attacken durch andere Kunden aufzupassen. Nachdem Flori seine Einkäufe bezahlt hat, will ich zielstrebig zum Auto gehen. Doch zu früh gefreut!
„Warte, Malte, wir müssen noch in den Schwedenshop, die Spezialitäten fehlen!“ Ein Blick dahin zeigt mir, dass sich dort zwar deutlich weniger Menschen befinden als im restlichen IKEA, durch die geringere Fläche allerdings noch weniger Platz ist. Das stehe ich jetzt wirklich nicht auf noch durch, selbst wenn ich davor auf den Wagen aufpasse und nur auf Flori warten muss. Nachher wird er dort noch totgetrampelt! Ich brauche eine andere Lösung und zwar schnell. Wo könnte man noch schwedische Spezialitäten herbekommen? Was sind überhaupt alles schwedische Spezialitäten? In dem Moment habe ich die Erleuchtung: „Und wenn ich dir verspreche, dass ich frische Zimtschnecken für heute Abend backe? Das reicht doch, oder?“ Flehend sehe ich ihn an und hoffe inständig, dass er ja sagt. Die Chancen stehen zum Glück recht gut, Flori ist nämlich süchtig nach meinen Zimtschnecken. Auch heute funktioniert es. „Ja, das stimmt... die anderen bringen ja auch alle was mit und ich hab schon genug Geld ausgeben“, lenkt er ein.

Zufrieden machen wir uns auf den Weg zum Auto und schaffen es tatsächlich, ohne überfahren zu werden. Während ich noch nicht einmal aus der Lücke gefahren bin, warten schon zwei Autos darauf, darin einzuparken. Zum Glück schaffe ich es mit meinem Auto heil da raus. Was sie jetzt miteinander machen und wer gewinnt, ist mir ja völlig egal.
Als wir endlich vom Parkplatz weg sind und der Verkehr wieder normal ist, gehe ich gedanklich schnell durch, ob ich alle Zutaten Zuhause habe oder wir schnell noch an einem Supermarkt halten müssen. Nein, sollte alles da sein. Voller Vorfreude schaue ich auf die Uhr, als wir schließlich wieder Zuhause sind. Viertel nach drei, das passt perfekt. Dann habe ich genug Zeit, den Teig gehen zu lassen und kann die Zimtschnecken ofenwarm servieren, zumindest für die Gäste, die um achtzehn Uhr schon kommen. Pünktlichkeit wird eben belohnt!
Während Flori den Wagen ausräumt und anschließend im Garten aufbaut und dekoriert, setze ich den Hefeteig an. Mit Hefe backe ich am allerliebsten, dann ist der Teig so schön weich und fluffig, ohne zu kleben. Ich hab schon viel zu lange nichts mehr gebacken.

Während der Teig im Ofen steht, um zu gehen, schaue ich unten im Garten vorbei, um zu sehen, ob Flori meine Hilfe braucht. Doch er hat schon jemand anderen gefunden. Niko und Amelie, die nebenan wohnen und nachher auch dabei sein werden, helfen ihm fleißig. Gut, dann gehe ich eben wieder hoch und räume die Küche schon mal ein bisschen auf. Im Nu klingelt der Wecker und ich knete den Teig, der schon schön gegangen ist, ein zweites Mal durch. Dann bringe ich Flori und seinen fleißigen Helfern schon mal was zu trinken nach unten, denn heute ist ein schön warmer, sonniger Tag, an dem man leicht ins Schwitzen kommt.
„Erfrischungen gefällig?“
„Oh ja, du kommst gerade richtig!“, ruft Amelie begeistert. Auch die zwei Jungs lassen alles stehen und liegen, um zu mir zu rennen. Grinsend schenke ich ihnen die selbstgemachte Zitronenlimonade ein.
„Malte, du bist ein Schatz“, seufzt Niko nach dem ersten Satz schwärmerisch.
„Mein Schatz“, stellt Flori sofort klar.
„Ich weiß. Und ich werde ihn dir auch bestimmt nicht wegnehmen, er ist nicht mein Typ. Aber um seine Kochkünste beneide ich dich schon“, gibt Niko grinsend zurück und verwuschelt Flori die Haare. Er hasst das wie die Pest und normalerweise rette ich ihn in solchen Situationen vor Niko, der das liebend gerne macht, doch heute habe ich keine Lust. Ein bisschen Rache für IKEA muss einfach sein, auch wenn mich das Backen mit dem heutigen Tag weitestgehend versöhnt hat.

Nach dem zweiten Gehen rolle ich den Teig aus. Spontan beschließe ich, ich schmaler und dafür länger als sonst auszurollen, damit ich viele kleine Kanelbullar erhalte. Mit einem Pinsel verteile ich die vorbereitete geschmolzene Butter, streue großzügig Zimt und Zucker darauf und rolle den Teig dann ein. Mit einem Messer schneide ich die Rolle dann in kleine Scheiben, die mit Ei bestrichen und mit Hagelzucker bestreut werden. Insgesamt habe ich drei Bleche voll, die ich nochmal zum Gehen in den Backofen stelle. Es riecht jetzt schon total gut und das Wasser läuft mir im Mund zusammen. Schade, dass sie noch etwa eine Stunde brauchen, bis sie fertig sind.
Missmutig schnappe ich mir einen Apfel, um den gröbsten Hunger zu stillen. Bestimmt gibt es nachher noch viele andere leckere Dinge am Buffet.
Als das erste Blech im Backofen ist, bringe ich schon mal die ersten Getränke in einer großen Kühltasche runter. Leider haben wir keinen Teich oder ähnliches, wo wir die Getränke kühl stellen könnten. Zum Glück haben wir überall im Freundes- und Familienkreis nach großen Kühltaschen gefragt, so sollte es auch funktionieren. Ich stelle fest, dass die Deko echt schön geworden ist.
Nachdem auch eine zweite Kühltasche unten ist, ziehe ich mich um und hole dann schnell das erste Blech aus dem Ofen. Am liebsten würde ich eine Zimtschnecke in den Kühlschrank geben, damit sie schneller abkühlt und ich sie endlich essen kann.

Mit gestellten Wecker auf meinem Handy, damit ich das zweite Blech nicht im Ofen verbrennen lasse, den Kanelbullar vom ersten Blech auf einem Teller in der Hand und einer zum Testen im Mund gehe ich runter. Sie sind wirklich köstlich geworden. Obwohl es noch nicht ganz achtzehn Uhr sind, haben sich schon einige Gäste eingefunden. Vor allem die Nachbarschaft ist fast vollzählig. Hmm, das Buffet sieht schon wirklich lecker aus und wie auf Kommando fängt mein Magen an zu knurren. Ein Blick auf Flori bestätigt mir jedoch meine Befürchtung, dass ich mich noch etwas gedulden muss. Also beschränke ich mich darauf, die Anwesenden schon mal zu begrüßen, nachdem ich meine Fracht dazugestellt habe.
Ehe ich ganz durch bin, sind schon die nächsten da. Sehnsüchtig lenkt mein Magen meine Aufmerksamkeit auf all die wundervollen Gerüche und den Anblick der neu hinzukommenden Speisen. Eine ganz andere Art von Folter als IKEA, aber ähnlich gemein.

Plötzlich ist Flori neben mir und zieht mich mit sich. Er steigt auf eine umgedrehte Kiste und signalisiert mir, dass ich auf die Kiste daneben steigen soll. Dann klatscht er in die Hände, um die Aufmerksamkeit unserer Gäste zu erhalten.
„Hallo ihr Lieben! Ich freue mich, dass ihr alle so zahlreich zu unserem Mitsommerfest gekommen seid. Einige von euch kennen unseren Garten ja schon...“ „Ja und das deutlich länger als ihr“, ruft Tom rein, der schon seit vier Jahren hier im Haus wohnt. Alle lachen, doch Flori fährt einfach gelassen fort. „Die anderen von euch können das ganze gleichzeitig als Garteneinweihungsfeier betrachten. Auch wenn es den Garten natürlich schon sehr lange gibt“, ergänzt er mit einem Seitenblick zu Tom. Der grinst nur.
„Aber ich will auch gar nicht allzu lange reden, für Gespräche haben wir ja noch den ganzen Abend und die Nacht vor uns. Da die meisten von euch da sind und auf dem Buffet eh kein Platz mehr ist, erkläre ich es hiermit für eröffnet. Viel Spaß und guten Appetit!“ Alle applaudieren und die ersten stellen sich direkt ans Buffet. Nachdem ich mich vergewissert habe, dass ich meine Repräsentationspflichten zumindest für jetzt ausreichend erfüllt habe, stelle ich mich ebenfalls dazu. Sonst ist gleich alles weg, was ich essen will!

Gerade als ich meinen Teller voll habe und den ersten Bissen in den Mund stecken will, klingelt mein Handy. Shit, daran habe ich gar nicht mehr gedacht und zucke total zusammen. Glücklicherweise bleibt der größte Teil des Essens auf dem Teller. Sehnsüchtig schaue ich darauf.
„Lauf schon hoch, ich pass darauf auf“, macht Flori sich bemerkbar, der schon wieder neben mir steht. Seufzend überlasse ich ihm den Teller und sprinte zu den Zimtschnecken hoch. Sein Aufpassen kenne ich nämlich, da ist hinterher der halbe Teller leer. Immerhin lässt er mir die Hälfte übrig. Meine Schwester hat mir früher in solchen Fällen grundsätzlich alles weggegessen.
Wenn man übrigens an den Teufel denkt... Kaum bin ich mit den Kanelbullar vom zweiten Blech oben, steht Sybille neben mir. „Oh, du hast Zimtschnecken gemacht!“ Noch ehe ich ihn begrüßen oder sonst etwas sagen kann, hat sie sich gleich zwei in den Mund gesteckt.
„Auwah, die schind ja heisch!“, flucht sie kurz darauf. Tja, selbst schuld! Ich hätte sie ja gewarnt, aber darauf hätte Sybille unter Garantie eh nicht gehört. Manchmal ist es wirklich unheimlich, dass die beiden einen siebten Sinn dafür haben, wann man mir am besten Essen wegessen kann. Ich stelle den Teller ab, umarme meine Schwester und gebe ihr dabei einen Klaps auf den Hinterkopf, soll ja bekanntlich das Denken anregen. „Schön das du da bist. Frag doch das nächste Mal einfach.“
Beleidigt streckt sie mir die Zunge raus und geht auf die Suche nach den kühlen Getränken. Augenverdrehend suche ich meinen Freund beziehungsweise in erster Linie mein Essen.

Gerade, als ich überlege, ob ein neuer Teller nicht schneller und effektiver wäre, entdecke ich Flori. Also pirsche ich mich von hinten an ihn ran und schnappe mir das letzte Fischbällchen. Klar, dass er die fast alle gegessen hat! „Hey, das sind mei...“ Während seines Protests hat Flori sich zu mir umgedreht und festgestellt, dass er sich leider nicht beschweren kann, weil ich das Fischbällchen vor seiner Nase weggemopst hab. „Ach, du bist das. Hier hast du deinen Teller zurück“, verkündet er ohne schlechtes Gewissen. Ich kann genau erkennen, was er mag und was nicht, denn es fehlt insgesamt die Hälfte, aber manche Sachen sind auch komplett unangetastet. Von anderen ist dafür gerade noch so ein klitzekleiner Rest da, wie um mich zu erinnern, wovon ich noch essen wollte und mir jetzt Nachschub holen muss. „Dankeschön für's Aufpassen“, sage ich spöttisch. Anstatt sich zu entschuldigen oder zu verteidigen, küsst er mich einfach. Sofort werde ich weich und küsse ihn zurück. Der Idiot weiß eben wirklich genau, wie er mich rumkriegt – und um ganz ehrlich zu sein, ist das einer der Gründe, warum ich ihn liebe. Ein anderer sehr wichtiger Grund ist die Tatsache, dass er genau weiß, wo meine Grenzen liegen und darauf achtet, die nicht zu überschreiten.
Deshalb frage ich ihn auch, was er haben möchte, als ich die Reste aufgegessen habe und mir etwas vom Grill hole. Zum Glück muss sich da keiner von uns beiden drum kümmern, weil einige grillverrückte Kerle aus unserer Nachbarschaft sich den direkt unter den Nagel gerissen haben, als wir die Einladungen verteilt haben.

Als es langsam dunkel wird, bin ich pappsatt. Nach dem Grill folgte ein zweites Mal Buffet, nochmal Grill und dann etwas später der Nachtisch. Es war wirklich alles so lecker, dass ich viel zu viel gegessen habe. Doch das gehört zu solchen Feiern einfach dazu. Zwischen dem Essen bin ich rumgelaufen oder habe mich mit Essen zu den verschiedenen Leuten gesetzt, mal mit Flori, mal alleine. Jetzt sitzen wir gemeinsam um das im Schwenkgrill improvisierte Lagerfeuer von Jo, einem anderen Nachbarn. Flori schmiegt sich eng an mich. Mein Arm zieht ihn trotzdem noch ein kleines bisschen dichter an mich ran. Ein paar Gäste, vor allem die mit kleinen Kindern, sind schon gegangen oder gerade im Gehen, aber noch sind viele Leute da. Ein paar haben Gitarren mitgebracht und singen gerade „Country Roads“. Es ist total gemütlich und unglaublich schön mit den Kerzen, die mittlerweile brennen.
„Und, bist du noch sauer wegen IKEA?“, hakt Flori leise nach, so leise, dass ich ihn fast nicht verstanden hätte.
„Nein, bin ich nicht. Du hast es wirklich toll hinbekommen“, beruhige ich ihn. Den Nachsatz „Aber wenn ich nächstes Wochenende nicht meine versprochene Belohnung kriege, dann werde ich wieder sauer deswegen“, kann ich mir allerdings nicht verkneifen. Will ich auch gar nicht, schließlich kennt Flori mich gut genug und weiß, wie er das zu nehmen hat.


ENDE
Aktualisiert: 23/06/18
Veröffentlicht: 23/06/18
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Witch23 am 23/06/18 14:24
Eine Nette Geschichte, die mir nur am Anfang etwas wuselig war. Grinsend



Antwort der Autors Snoopy279 (25/06/18 17:09):
Hey witch,

vielen Dank für dein Feedback. Schön, dass dir die Geschichte trotz wuseligem Anfang gefallen hat.

lg, Snoop
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Witch23
20/11/22 01:51
jo ist nur etwas wenierg los hier als früher ^^°

split
04/11/22 19:22
Also wenn die Seite offline gewesen wäre, hättest du die Frage nicht schreiben können, glaub ich. Jetzt funktioniert jedenfalls alles, soweit ich sehen kann *lebenszeichen geb*

beerman
03/11/22 22:08
Seite off`?

Witch23
20/08/22 10:06
Hallo zusammen

gerdhh171
23/07/22 21:10
hallo jungs

Witch23
29/06/22 06:27
Hallo auch

split
23/06/22 14:41
Hallo, welcome back

minori
22/06/22 18:02
Wenn man nach 13 Jahren mal wieder vorbei schaut :) Heyho

Witch23
10/06/22 09:30
Tja, solange bxb existiert sollte das auch ^^

carrabas
09/06/22 21:23
Dieser alte Login funktioniert noch :O

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