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Es schimmert weiter! Richard und Josi feiern den Weihnachtstag...

Genres: Weihnachten, M/M (yaoi)
1. Warnung: Keine
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine

Kapitel: 5     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

Wörter: 11016     Klicks: 20185
Veröffentlicht: 23/01/19 Aktualisiert: 24/09/19
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Anmerkungen zur Geschichte
Advendskalendergeschichte von 2018
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1. Der Zauber der Weihnacht

Der vierundzwanzigste Dezember begrüßte die Menschen mit traumhaften Bilderbuchwetter. In der Nacht hatte es sanft geschneit und die Welt war in fluffigen Schnee gehüllt. Nichts erinnerte mehr an den Matsch, der die vergangenen Tage die Bürgersteige und Straßen geflutet hatte. Nichts ließ darauf schließen, dass die letzten Wochen mehr ein Einheitsgrau denn einen Himmel besessen hatten. Die Sonne glitzerte aus einem blauen Himmel und brachte die Schneelandschaft zum Funkeln.
Richard lag auf dem Rücken auf seiner Matratze und schaute durch sein Dachfenster hinaus. Auch wenn die Scheibe zugeschneit worden war bewirkten Sonne und Schräglage, dass immer wieder Schneefetzen abrutschten und so Stück für Stück mehr vom strahlend blauen Himmel freilegten. Er beobachtete das Schauspiel und dachte an Samstag zurück. Josi hatte ihn mitgenommen, um einen Tannenbaum für seine Wohnung zu holen. Gemeinsam hatten sie das grüne Piekseding in Josis Wohnzimmer gebracht und er, Richard, hatte ihn sogar schmücken sollen. Es bestätigte ihn darin, dass er heute wirklich willkommen war und den Weihnachtsabend mit Josi verbringen sollte.

Richard kannte den vierundzwanzigsten Dezember nur als einen Tag, der höchst bedeutsam mit ausgewählten Geschäftspartner zelebriert wurde. Vorgetäuschte, halb-intime Einblicke in das Familienleben der Silberthals, um asugewählte Geschäftspartner persönlich zu binden. Man hielt sich an die Konventionen - die wichtigen Eckdaten der christlichen Religion und noch einiges weitere hatte ihre Großmutter allen eingebläut - und versuchte so wenig wie möglich in der Geschäftswelt aufzufallen. Und wenn, dann nur als zuverlässige, aber unerbittliche Partner. Vielleicht war dies der Verfolgung im zweiten Weltkrieg zu verschulden, dass sie ihre eigenen Feiertage immer schon beinahe heimlich gefeiert hatten. Richard hatte es nie hinterfragt. Ihm war es egal gewesen, ob er seine Sachen wegen Chanukka, Geburtstag, Weihnachten oder einfach, weil er lange genug genervt hatte, bekommen hatte.

Doch dieses Jahr war anders. Da war keine Familie, da war kein Empfang, kein Butler, der ihn vom Internat abholte... da war nur diese Leere und das Wissen, dass er keinen je wiedersehen würde. Aber dafür war da dieser verrückte Antiquar, der ihn eingeladen hatte. Der wollte mit ihm sogar in die Kirche! Richard hatte dem fragend-bettelnden Blick nichts abschlagen können und zugestimmt.
Und wie sie gestern auf dem Sofa bei Josi gesessen hatten, im weihnachtlich geschmückten Raum und tatsächlich nur geknutscht und ein bisschen keusch gefummelt hatten... mit sanften Klängen im Hintergrund, die Richard zwar entfernt an Weihnachtslieder erinnerten, aber wunderbar zur Stimmung beitrugen...
Sogar die aufgebackene Tiefkühl-Lasagne hatte nichts daran ändern können, dass Richard zu verstehen begann, warum die Christen den Abend vor den Weihnachtstagen den „Heiligen Abend“ nannten. Der Abend, der heute begann, sobald es dunkel wurde.

Richard schlug die Decke zurück und stand auf. Um zwei Uhr wollte Josi ihn abholen und dann zur kleinen Kirche in der Innenstadt gehen, in der die Handvoll Mönche, die in der Stadt noch waren, ihre Zeremonien machten. Dort sei es immer am schönsten, eben weil es keine Kinderveranstaltung war. Es war noch viel zu viel Zeit bis dahin, aber er wollte sich so schick machen, wie er konnte. Und vorher noch frühstücken. Als um genau zu sein, jetzt!

***

Nervös hibbelte Richard in seinem Zimmer von einem Bein aufs andere. Immer wieder schielte er auf sein Handy, aber die Sekunden schlichen vor sich hin. Noch drei Minuten bis Josi endlich da sein wollte. Richard hoffte, dass er für eine christliche Kirche angemessen gekleidet war. Er hatte seinen mageren Kleiderschrank auf den Kopf gestellt und sich schlussendlich für seine alte Schuluniform entschieden. Zu der besaß er sogar noch einen Kurzmantel. Alles andere war entweder zu leger oder nicht wintertauglich. Er bezweifelte, dass irgendjemand die Stickerei auf Weste und Mantel als Schulwappen würde identifizieren können.

Zwei Minuten.
Oder hatten sie ausgemacht, dass er, Richard, Josi unten entgegenkommen würde?
Richard fummelte wiederholt an seinem Handy herum und überflog die letzten Nachrichten.

Eine Minute.
Und warum zur Hölle war er so nervös? Das war weiß Gott nicht sein erstes Date, auch nicht mit Josi. Sein kärgliches Kämmerchen hatte Josi schon längst gesehen und dankenswerterweise nicht weiter kommentiert. Gefummelt hatten sie auch schon. Und sein Kindermädchen hatte ihn ganz früher auch mal mit in den Weihnachtsgottesdienst genommen.

Das Handy in seiner Hand dudelte und vor Schreck ließ Richard es beinahe fallen. „Komme!“, rief er ohne abzunehmen, verließ sein Zimmer, jagte die Treppen hinunter und verließ das Haus.
Auf dem Bürgersteig sah er sich um.

„Hier drüben bin ich.“ Josi kam mit winkenden Armen vom Bäckerei-Eingang um die Ecke auf den Hintereingang zu.
Die erhobenen Arme waren Einladung genug, um Josi in eine Umarmung mit ausgiebigem Begrüßungskuss zu ziehen.


Es hatte Josi einige (gerne verteilte) Küsse und unerwartet viel Überredung gekostet, Richard davon zu überzeugen, dass sie mit dem Bus in die Innenstadt hineinfahren würden. Doch auf den Kompromiss, dass sie den Rückweg laufen würden, ging Richard schließlich ein. Nun saßen sie in der Stefans-Kapelle auf einer harten Holzbank, eng aneinander gedrückt, weil sich viel zu viele Menschen in die Kirche quetschten. Josi mochte alles an Weihnachten. Von seinen Freunden belächelt und ausgelacht, ging er schon seit er ein Kind war liebend gern in den Weihnachtsgottesdienst und bereits seit damals verabscheute er die kindgerechte Version. Mehr durch Zufall hatte er vor vielen Jahren Mönche in ihren Kutten auf dem Markt einkaufen und dann zu jener Kapelle laufen gesehen. Und seitdem konnte ihn nichts davon abhalten, einmal im Jahr so zu tun, als wäre er nicht das Kind von atheistischen, materialistischen Eltern.

Die hölzerne Bank war zu hart und kalt außerdem saßen sie, nach Richard empfinden, zu eng gedrängt. Er hätte seine Jacke ausziehen sollen, um sie als Kissen zu verwenden, so wie viele der anderen um ihn herum es getan hatten. Der intensive Geruch von Weihrauch nahm Richard beinahe den Atem. Er war durchzogen mit der angenehmen, würzigen Frische von Tannengrün, was ihn etwas erträglicher machte. Josis Hand lag warm und unschuldig auf seinem Oberschenkel. Richard hatte seine Hand darübergelegt und ihre Finger leicht miteinander verflochten. In der anderen Hand hielt er eine Kerze mit Krause, die er am Eingang in die Hand gedrückt bekommen hatte.

Halb in Trance beobachtet er das Geschehen. Die Mönche standen vorne in mehreren Reihen rechts vom Altar. Dort stand ein Mönch, der sich einzig durch einen weißen anstelle eines dunkeln Stricks um die Hüfte von den anderen unterschied. Auf dem Altar standen zwei große weiße Kerzen und spendeten Licht. Ansonsten war die Kapelle absolut dunkel. Richards Lateinkenntnisse waren zu schlecht, als dass er folgen konnte. Doch in groben Zügen bekam er mit, dass es um die Geburt des Proopheten Jesus von Nazareth und das Polit-Geranke zwischen den Römer und den Hohepriestern ging. Er kannte die Geschichte. Es war interessant, sie mal aus einer anderen Perspektive erzählt zu bekommen. Zum ersten Mal verfluchte er sich dafür, dass er im Lateinunterricht immer so eine faule Socke gewesen war.
Richard beugte sich zu Josi und fragte ihn. Doch der schaute ihn mit entgeisterten Augen an. „Du verstehst Latein?“
Daraufhin begnügte Richard sich damit, den Bruchstücken zuzuhören. Immer wieder wurde der rezitierte Monolog von einer Gesängen des Mönchschors unterbrochen. Und manchmal machten auch alle Menschen in der Kapelle mit. Die paar echten Lieder kannte er sogar, aber zum Mitsingen konnte er sich nicht überwinden. Erleichtert stellte er fest, dass Josi neben ihm auch nur mitsummte. Ein bisschen wartete Richard schon darauf, dass das unverhältnismäßig überzogene Reagieren der damaligen Entscheidungsträger heraufbeschworen wurde, bei dem die bösen Juden das arme Jesulein... doch nein. Positiv überrascht lauschte Richard andächtig und schon wieder verfluchte er sich schon wieder dafür, beim Vokabeln lernen so geschludert zu haben.
Er brauchte eine Weile, um das Gefühl, dass ihn schleichend ergriff, benennen zu können: Verzauberung.

Gebannt von der Komplexität des Geschehens sowie der eigentümlichen und herzerwärmenden Stimmung in dem eiskalten Gemäuer merkte Richard nicht sofort, dass es um ihn herum immer heller wurde. Erst als die ältere Frau neben ihm ihn anstupste, realisierte er es. Sie hielt ihre leuchtende Kerze vorsichtig in seine Richtung. Verständnislos sah Richard in ihr erwartungsvolles Gesicht. „Wir geben das Licht weiter,“ flüsterte die Frau ihm zu.
„Oh.“ Richard nickte, als Zeichen, dass er verstanden hatte. Umständlich werkelte er an seiner Kerze herum, doch schließlich brannte sie hell und ruhig. Richard beobachtet das Flackern seines Flämmchens. Im Hintergrund stimmten die Mönche einen monotonen, aber seltsam passenden Singsang an.
Josi gewährte Richard ein paar Augenblicke, dann entzündete seine Kerze an Richards.


Das dezente Rascheln von Stoff und Scharren von Füßen signalisierte Richard, dass die Messe nun beendet war. Und das, obwohl der Mönchschor immer noch sang. Ungläubig blickte Richard nach vorne. Der halbe Trupp stand da noch und sang, doch jetzt waren es gregorianische Gesänge. Was für ein angenehmer Rausschmeißer! Ohne Eile schoben sich die Menschen durch die weit geöffnete Mitteltür. Langsam fädelten sich Josi und Richard in die Schlange ein. „Du verstehst, warum ich unbedingt hier hinwollte?“ Josi stand auf Tuchfühlung neben Richard und flüsterte ihm ins Ohr. „Hmm,“ brummte Richard. Er konnte sich an ihrer Umgebung einfach nicht satt sehen.
Sie waren am Tor angekommen. Im Kirchraum stand eine Metallschale, in der einige Kerzen lagen. Josi, direkt neben ihm, löschte nur die Flamme am Metallrand. Er knetete das flüssige und weiche Wachs um den Docht und schütze somit den schwarz-verbrannten Faden im Inneren der Kerze. Bis sie durch die Tür traten, war das Wachs erstarrt genug, dass Josi die Kerze in seine Jackentasche stecken konnte. Richard tat es ihm gleich.
Rechts und links standen je zwei Mönche außen neben den großen Flügeltüren. Sie gaben jedem zwei Sachen in die Hand und segneten ihn. Und schon stand auch Richard vor einem Mönch mit grauen Augen und freundlichem Gesicht. Abwehrend hob Richard die Hände. Bei aller Liebe, das Christenkreuz brauchte er nun wirklich nicht abbekommen. „Veitel Itzig*“, brummte Richard nur und versuchte mit Hilfe des Schiebens der Menschen sich unauffällig auf die Seite befördern zu lassen.
„Rede nicht so von dir, Junge.“ Der andere, eindeutig ältere Mönch legte ihm eine Hand an die Wange. „Wenn du das sagt, dann entgegne ich, dass mein Herr Jesus Christus auch einer war. Es freut mich, auch einmal einen Cousin im Glauben in unseren bescheidenen Hallen beherbergen zu dürfen.“ Der ältere Mönch nahm Richards Gesicht zwischen seine Hände und hauchte einen Kuss auf seine Stirn.
Richard spürte, wie sich das warme Gefühl in seiner Brust in der Kehle verfestigte und sein Blick zu verschwimmen drohte. Er würde doch jetzt nicht Anfangen zu Flennen! Doch nicht wegen so ein bisschen Weihnachten!

Ein trocken-runzeliger Daumen strich über seine Wange und verwischte die einsame Tränenspur. Der ältere Mönch zog ihn sanft, aber bestimmt in seine Arme. Nah genug, dass niemand merkte, wie eine zweite Träne in der ausladenden Kutte versickerte.
„Ich verrate nichts. Jetzt geh, wohin auch immer dein Weg dich führt. Und behalte diesem Moment für immer in deinem Herzen.“ Der Mönch tätschelt Richard leicht die Wange, dann schob er ihn zurück in den Menschenstrom. Der erste Mönch gab ihm noch einen großen Lebkuchen in Form einer Sternschnuppe sowie ein Trinkpäckchen mit Traubensaft.
Richard flüchtete beinahe auf den Bürgersteig und lehnte sich ans schwere Eisengitter, dass die Kapelle samt Grasstreifen umsäumte. Gemächlichen Schrittes kam wenig später auch Josi und stellte sich neben ihn. Umständlich verstaute er Sternschnuppe und Trinkpäckchen in der Jackentasche. Dann wandte er sich zu Richard. Er öffnete den Mund, sah in Richards Gesicht und hielt dann inne. Die Lippen wieder schließend, streckte Josi langsam eine Hand in Richards Richtung aus. Ebenso langsam griff Richard danach. Der sanfte Zug eines ausgestreckten Armes verschob Richards Schwerpunkt millimeterweise, aber unerbittlich, weg von dem Zaum und zurück auf seine Füße. Josi war dabei allerdings sensibel genug, um kein Wort zu sagen.
Aktualisiert: 23/01/19
Veröffentlicht: 23/01/19
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Schlußanmerkungen zum Kapitel
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* Veitel Itzig: Der Ausdruck ist veralteter Scherzname, der vor allem als abwertendes Kollektivum für Juden gebraucht wurde/wird. Hier in dem Kontext ist es so, als wenn ein Afroamerikaner sich selbst als Nigger bezeichnet.
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Yavia
29/08/21 12:27
An alle, die eine Nachricht an die Admins über die Mailadresse schicken: Bitte gebt euren Usernamen in der Nachricht mit an, damit wir wissen, wer um Hilfe fragt. Vielen Dank!

Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

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