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Veröffentlicht: 17/04/22 Aktualisiert: 02/05/22
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Anmerkungen zum Kapitel
Hallo ihr Süßen,

wir haben wieder Ostern. Natürlich gibt es auch dieses Jahr ein Update von Max und Gerrit. Ich hoffe, ihr habt mit ihrer Hochzeit viel Spaß! Weil es dieses Mal besonders lang geworden ist, gibt es heute nur den ersten Teil, der zweite folgt am Ostermontag.

Ich wünsche euch allen frohe Ostertage. Genießt das schöne Wetter und bleibt gesund!
liebe Grüße, Snoopy
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1. Die Trauung

„So, es wird Zeit. Geh hoch und zieh dich um“, ordnet meine Mutter an, nachdem sie mich bis vor fünf Sekunden mit ihren Anweisungen auf Trab gehalten hat. Lauter Aufgaben wie Tisch und Stühle in den Garten stellen, Tisch decken, Sonnenschirme aufstellen und ähnliches. Es fühlt sich an, als wäre ich wieder ein Kind, das seiner Mutter bei den Vorbereitungen für eine Feier helfen muss. Der Eindruck verfliegt allerdings schlagartig, als mir wieder bewusst wird, wofür ich mich jetzt umziehe. Stattdessen steigt meine Nervosität mit jeder Treppenstufe, die ich nehme, weiter an. Gleich werde ich den Mann meines Lebens endlich heiraten!
An sich gibt es gar keinen Grund, so aufgeregt zu sein. Erstens sind wir gesetzlich schon seit Gründonnerstag verheiratet, also seit vorgestern. Zweitens weiß ich genau, dass Gerrit nicht der impulsive Typ ist. Er wird es sich also nicht über Nacht anders überlegt haben. Wobei, vielleicht liegt genau da das Problem. Obwohl wir verheiratet sind, hat meine Mutter darauf bestanden, dass wir die Nacht getrennt voneinander verbringen. Weil heute doch die „richtige Hochzeit“ ist. Dass meine Mutter das sagt, obwohl wir als schwules Paar nicht kirchlich heiraten dürfen, bedeutet mir unfassbar viel. Das sie darauf bestanden hat, dass wir bei uns im Garten heiraten, nachdem wir uns bei Gerrits Eltern im Garten verlobt haben, noch mehr.

Ursprünglich hatten wir ja letztes Jahr schon heiraten wollen. Damals war nur standesamtlich geplant. Aber nachdem Corona uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, hatten wir Zeit, um nochmal darüber nachzudenken. Vor allem, als wir im Sommer auf einer freien Trauung eingeladen waren. Ich fand es sehr schön und sogar Gerrit fand es nett.
Es hat vor allem einen großen Vorteil – im Gegensatz zur standesamtlichen Hochzeit konnten wir die freie Trauung auf den Ostersamstag legen. An dem Tag ist dieses Jahr nämlich wieder der erste Frühlingsvollmond. Wie damals vor vier Jahren, als Gerrit den ersten Schritt gemacht hat und wir zusammengekommen sind. Von daher bin ich auch gar nicht mehr traurig, dass es letztes Jahr nicht geklappt hat. Im Gegenteil, es fühlt sich so an, als wäre es vorherbestimmt gewesen. Dabei glaube ich eigentlich nicht an Gott oder das Schicksal.

Ein Klopfen an der Tür schreckt mich aus meinen Gedanken. Bevor ich etwas sagen kann, schaut Anna, meine Schwester, schon herein.
„Du bist ja noch gar nicht umgezogen!“, stellt sie tadelnd fest.
„Ja und? Ich brauche ja nicht so lange wie du“, kontere ich reflexhaft.
Anna verdreht die Augen, verkneift sich jedoch eine flapsige Bemerkung. „Guck lieber, dass du dich jetzt umziehst. Du willst Gerrit doch nicht warten lassen.“
„Ist er schon da?“, frage ich sofort.
„Zieh dich um, dann kannst du nachschauen“, lässt sie mich erbarmungslos zappeln.
Hastig ziehe ich mein T-Shirt aus.
Mit einem lauten Krachen fällt die Tür ins Schloss. „Warn mich gefälligst vor, du Idiot“, brüllt Anna durch die geschlossene Tür.
„So redest du nicht mit deinem Bruder“, schimpft Mama direkt. Das entlockt mir trotz aller Aufregung ein kleines Lächeln. Noch vor zwei Jahren hätte ich nicht gedacht, dass sie jemals so bedingungslos hinter mir stehen würde. Natürlich hätte sie Anna für so einen Kommentar jederzeit getadelt. Doch mittlerweile hat sie endlich akzeptiert, dass ich schwul bin und den Rest meines Lebens mit Gerrit verbringen will. Unsere Verlobung vor zwei Jahren war da ein echter Wendepunkt. Deshalb hat Mama sich auch die Ausrichtung unserer Hochzeit unter den Nagel gerissen. Gerrit und ich machen uns beide nicht allzu viel aus Dekoration und ähnlichem. Von daher hat sie uns gar nicht erst groß gefragt, sondern einfach gemacht. Einzig Marianne, Gerrits Mutter, durfte ein Wörtchen mitreden.
Allerdings muss ich zugeben, dass es wunderschön geworden ist. Sie hat ganz viel Liebe zum Detail bewiesen, indem sie beispielsweise eine Tischdecke aufgetrieben hat, auf der Sterne zu sehen sind. Also jetzt nicht diese klassischen Sterne, die man auf Weihnachtstischdecken findet, sondern einen echten Ausschnitt aus dem Universum. Keine Ahnung welchen. Ich muss nachher mal Gerrit fragen.

Erneut reißt Annas Türklopfen mich aus meinen Gedanken. Immerhin habe ich es dieses Mal fertig gebracht, darüber das Umziehen nicht zu vergessen. Nur die Krawatte fehlt noch.
„Was ist? Kriegst du den Knoten nicht hin? Soll ich Papa zu dir schicken?“, fragt sie.
Ich schüttele meinen Kopf. „Nein, ich schaff das schon. Es fühlt sich nur so seltsam an“, erkläre ich und deute auf meinen Anzug. Wobei mir auch mein Ring fehlt. Seit unserer Verlobung habe ich ihn eigentlich nie abgelegt, aber die Zeremonie ist mit Ringtausch.
„Es sieht auch ungewohnt aus. Aber sehr schick. Vor allem, wenn du dir jetzt noch deine Krawatte umbindest“, antwortet Anna.
Mit einem leisen Seufzen gehorche ich. Manchmal ist meine jüngere Schwester wie meine Mutter. Ehe ich meine Krawatte nicht vernünftig trage, wird sie mich nicht aus diesem Zimmer lassen. Trotzdem liebe ich sie und habe sie zu meiner Trauzeugin gemacht. Eine Aufgabe, der sie gerade letztlich gewissenhaft nachkommt, indem sie dafür sorgt, dass ich anständig aussehe und pünktlich bin.
Nachdem ich die Krawatte gebunden habe, schaue ich mich im Bad noch einmal kurz im Spiegel an. Es sitzt alles soweit. Mein Anzug ist in einem hellen Grau gehalten. Dazu trage ich ganz klassisch ein weißes Hemd und eine dunkelrote Krawatte. Gerrits Anzug ist in einem etwas dunkleren Grau. Zu seinem ebenfalls weißen Hemd trägt er eine schwarze Krawatte, die mit Sternen übersät ist. Genauer gesagt sind es verschieden große weiße Punkte, die Sterne darstellen sollen. Im Gegensatz zur Tischdecke ist es kein echtes Bild aus dem Universum, aber er mag sie trotzdem. Und ich auch, schließlich habe ich sie ihm geschenkt. Da wir beide am Donnerstag beim Standesamt schon dasselbe anhatten, weiß ich, was er trägt, obwohl ich ihn noch nicht gesehen habe.

Als ich ihn unten am Fuß der Treppe in genau diesem Outfit erblicke, verschlägt es mir trotzdem für einen Moment den Atem. Er sieht einfach so unfassbar gut darin aus! Ich kann kaum glauben, dass er jetzt ganz offiziell an meine Seite gehört.
Gerrits Augen haben sich bei meinem Anblick genauso geweitet und er schluckt sichtbar.
„Jetzt geh schon runter und begrüße deinen Mann, anstatt ihn von hier oben mit den Augen aufzufressen“, sagt Anna hinter mir halblaut.
Automatisch setzen meine Füße sich in Bewegung. Zum Glück kennt mein Körper diese Treppe in- und auswendig, weil ich meinen Blick nicht von Gerrit lösen kann.
„Hey“, bringe ich wenig intelligent heraus, als ich endlich bei ihm angekommen bin.
„Hi“, erwidert er liebevoll. „Du siehst gut aus.“
„Du auch“, antworte ich. Wobei gut meiner Meinung nach noch untertrieben ist. Fantastisch trifft es eher. „Sind schon alle da?“
„Keine Ahnung. Meine Familie ist mit mir gekommen. Ansonsten hab ich nicht geguckt, sondern auf dich gewartet“, erklärt Gerrit ernst.
Manchmal haut es mich immer noch um, dass er mir so schöne Komplimente ganz unerwartet und sehr nüchtern macht. Als wäre es eine unumstößliche Tatsache, die ich wissen müsste.
„Dann lass uns zusammen gucken gehen“, schlage ich vor.
Gerrit nickt nur. Wir gehen durch das Wohnzimmer in den Garten. Unsere Väter sind in ein Gespräch vertieft, während von unseren Müttern und Anna keine Spur zu sehen ist. Bestimmt sind sie in der Küche beschäftigt. Wir hatten ursprünglich vor, einen Caterer zu beauftragen, aber meine Mutter war strikt dagegen. Zu meiner Überraschung hat Anna sie dabei unterstützt und versprochen, ihr zu helfen. Auch Marianne hat einiges vorbereitet, soweit ich weiß.
„Hey, da seid ihr ja!“ Erleichtert kommt Lasse auf uns zu. Er ist seit knapp einem Jahr mit Anna zusammen. Außer ihr, uns beiden und meinen Eltern kennt er hier niemanden.
„Hi Lasse“, begrüße ich ihn.
„Hey“, schließt Gerrit sich knapp an.
„Ihr seht echt schick aus“, stellt Lasse fest. Am Donnerstag war er nicht dabei, sodass er unsere Anzüge noch nicht kennt. Leicht verlegen sieht er an sich herab. „Ich hoffe, ich bin nicht zu underdressed.“ Er trägt eine schwarze Jeans zu einem hellblauen Hemd und dunkelblauen Sakko.
„Ach Quatsch, mach dir keinen Kopf. Hier sieht das niemand so eng“, beruhige ich ihn.
Gerrit neben mir winkt auf einmal. Als ich in die Richtung schaue, sehe ich Torben, einen Arbeitskollegen von Gerrit. Torben wirkt ähnlich erleichtert wie Lasse vorhin, als er auf uns zukommt.
„Hallo Gerrit. Bist du Mittwoch eigentlich noch weitergekommen?“, fragt Torben. Bevor Gerrit antworten kann, räuspere ich mich. Ich liebe seine Begeisterung für seine Arbeit, aber ich werde nicht zulassen, dass sie mir an unserem Hochzeitstag seine Aufmerksamkeit klaut!
Ertappt sehen beide mich an.
„Oh, hey Max“, begrüßt Torben mich verlegen.
„Nicht so weit, wie ich wollte, aber ein bisschen“, antwortet Gerrit. „Den Rest erzähle ich dir auf der Arbeit.“
„Hi Torben. Darf ich vorstellen: das ist Lasse, der Partner meiner Schwester. Torben ist Gerrits Arbeitskollege“, füge ich dann an Lasse gewandt hinzu.
„Ja, das dachte ich mir jetzt“, erwiderte Lasse und lacht.
In dem Moment stürmen Jackson und Delilah, die Kinder von Gerrits Bruder, auf uns zu.
„Uncle Gerrit, Uncle Mäx!“, schreien sie um die Wette. Seit unserer Verlobung, bei der sie ja dabei waren, bin ich auch zum Onkel befördert worden.
„Hi!“ Ich wirbele erst Delilah und dann Jackson durch die Luft, was sie begeistert kreischen lässt. Allerdings wird Delilah mit ihren sieben Jahren langsam zu groß und zu schwer dafür. Bei Jackson, der erst fünf ist, geht das deutlich besser.
Gerrit unterhält sich lieber weiter mit Torben und Lasse. Ihm sind beide noch zu jung, um wirklich etwas mit ihnen anfangen zu können.
„Hey Mäx“, begrüßt auch Fietje, Gerrits Bruder mich. Zur Feier des Tages verzichtet er sogar darauf, mich zur Begrüßung halb zu erschlagen.
„Hi, schön, dass ihr da seid. Wo ist Alice?“
„In der Küche, helfen“, erklärt Fietje.
Ich muss mich wirklich zusammenreißen, um bei seinem Akzent nicht zu lachen. Es ist echt faszinierend, dass es seine Muttersprache so weit verlernt hat. Anfangs dachte ich ja, dass er nur so tut. Aber selbst, wenn man ihn überrascht, ist sein Deutsch mit einem amerikanischen Akzent versehen.

„Daddy!“ Delilah zupft an Fietjes Jackett, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Vermutlich ist den beiden langweilig. Sie sind heute die einzigen Kinder.
Björn und Jessica, Schulfreunde von uns, haben sich nämlich dafür entschieden, ihre Kids bei den Großeltern zu lassen. Wir waren schon in der Grundschule zusammen in einer Klasse. Die beiden sind allerdings genau wie Gerrit aufs Gymnasium gegangen.
Der Rest unserer Gäste ist tatsächlich kinderlos. Micha, ein weiterer Schulfreund von uns, ist Single und entsprechend ohne Begleitung. Sören, mit dem ich meine Ausbildung gemacht habe, ist mit seiner Partnerin Hannah da. In unserem Freundeskreis gibt es kaum schwule Paare und von denen ist heute keiner dabei. Wir haben unsere Hochzeit bewusst klein gehalten. Einerseits natürlich wegen Corona, aber auch in der ursprünglichen Variante waren nicht mehr Leute eingeplant. Gerrit hätte am liebsten nur mit mir gefeiert. Am Ende haben wir uns auf einen Kompromiss geeinigt. Immerhin sind es weniger als zwanzig Leute.
In der Zwischenzeit sind auch alle angekommen. Auch Alice, Anna und unsere Mütter sind jetzt im Garten.
Nur unser Trauredner fehlt noch. Aber es ist auch noch ein wenig Zeit, die Zeremonie soll erst in zwanzig Minuten beginnen. Wir haben extra elf Uhr dreißig, eine dreiviertel Stunde vorher auf die Einladungskarten geschrieben, damit alle pünktlich da sind.
Das schöne an so einer kleinen Anzahl an Gästen ist, dass man viel besser mit allen reden kann. Natürlich nicht gleichzeitig, das funktioniert auch bei achtzehn Leuten nicht. Aber es ist nicht so ein Stress, von Tisch zu Tisch eilen zu müssen, damit man jedem wenigstens Hallo gesagt hat. Wir passen sogar alle an einen großen Tisch.
Zehn Minuten vor Trauungsbeginn kommt Anna mit Dominik, unserem Trauredner, in den Garten. Anna hat ihn uns empfohlen, da er auch bei der Hochzeit einer Freundin die Rede gehalten hat.
Jetzt werde ich doch wieder nervös. Schließlich wird es gleich ernst.
„Hallo ihr beiden. Und, seid ihr sehr aufgeregt?“, begrüßt Dominik uns.
Ich nicke, während Gerrit den Kopf schüttelt.
Dominik schmunzelt. „Sollen wir warten oder sollen wir schon mal anfangen?“
„Anfangen“, antworten wir synchron. Die Gäste sind alle da und meine Aufregung wird durch die Wartezeit sicher nicht weniger!
Die Stühle sind in drei Reihen hintereinander aufgestellt. Vorne steht ein Campingtisch mit einer hübschen Osterdecke und einem bunten Blumenstrauß drauf.
Dominik stellt sich hinter den Tisch, während Mama und Marianne alle auf ihre Plätze scheuchen.
Gerrit und ich setzen uns auf die beiden Stühle, die direkt vor dem Tisch stehen. Unsere Hände finden sich automatisch, kaum dass wir sitzen.

„Lieber Gerrit, lieber Max und liebe Gäste! Wir haben uns heute hier versammelt, um die Hochzeit von euch beiden zu feiern. Wie die meisten vermutlich wissen, haben die beiden sich im Kindergarten bereits kennengelernt und sind seitdem unzertrennlich. So sehr, dass sie ihre Eltern damit mehr als einmal in den Wahnsinn getrieben haben. Schon damals war es Gerrits Lieblingsbeschäftigung, von Sternen zu erzählen. Passenderweise hat Max seine Vorliebe dafür entdeckt, ihm dabei zuzuhören. Bei den Vorbereitungen hast du, Max, mir erzählt, wie wichtig Gerrit für dich ist, dass er deine Orientierung und dein Halt ist. Aus genau dem Grund hast du Gerrit in deinem Heiratsantrag auch als deinen Fixstern bezeichnet. Aber eine ausgewogene Beziehung ist niemals einseitig. In dem Vorgespräch wurde deutlich, dass dir, Gerrit, Max genauso wichtig ist. Daher denke ich, dass du folgendes Zitat von Tharah Meester aus ihrem Buch ‚Der Schurke des Gentleman‘ unterschreiben würdest: ‚Was bringen uns all die Sterne, wenn wir niemanden haben, der uns nächtens auch mal vom Teleskop wegzerrt, um uns daran zu erinnern, dass neben den Himmelskörpern noch andere Dinge von Wert existieren’.“
Gerrit nickt heftig und ich lächle gerührt. Tatsächlich ist es meist eher sein Schreibtisch oder sein Computer, von dem ich ihm wegziehe. Aber da es bei seiner Arbeit in der Regel irgendwie auch um Sterne geht, passt das Zitat trotzdem perfekt.
„So schnell, unkompliziert und intensiv wie eure Freundschaft im Kindergarten gestartet ist, war euer Beziehungsstart allerdings bei weitem nicht. Aus Angst, die Freundschaft zueinander zu verlieren und dem Irrglauben, der jeweils andere würde die Gefühle nicht erwidern, habt ihr lange Zeit geschwiegen und eure Liebe zueinander verheimlicht. Doch selbst als Gerrit den Mut gefasst hatte, wäre aufgrund von Missverständnissen beinahe alles schief gegangen. Max, du warst so überzeugt davon, dass Gerrit dich nicht liebt, dass du das Picknick auf der Waldlichtung trotz vielen Kerzen und der geteilten Decke nicht als Date anerkennen wolltest. Und du, Gerrit, hast daraufhin Panik bekommen und warst der festen Überzeugung, dass du dich getäuscht hast. Dass Max dich noch nicht liebt. Am Ende habt ihr zum Glück beide begriffen, dass es nicht nur Wunschdenken ist.
Aber wie in jeder Partnerschaft war das nicht das letzte Missverständnis. Ein besonders prägendes passierte tatsächlich fast genau ein Jahr nach diesem ersten Date. Max wollte das Einjähriges zu Vollmond feiern, aber Gerrit hat es mit den Daten sehr genau genommen. Zu allem Überfluss spielte dann auch noch das Osterparadoxon mit rein, weil der astronomische Vollmond und Frühlingsbeginn nicht immer mit dem übereinstimmen, was nach der zyklischen Methode bestimmt wird. Zum Glück habt ihr beide rechtzeitig erkannt, das eure Liebe zueinander viel wichtiger als irgendwelche Daten ist und trotzdem eine harmonische Feier gehabt. Natürlich gab es auch noch andere Konflikte und Missverständnisse, doch am Ende hat immer eure Liebe gesiegt und ihr konntet das Problem klären. Und zumindest in zweierlei Hinsicht schließt sich heute der Kreis. Denn am Ostersamstag 2018, genau wie heute ein Ostersamstag mit dem ersten Frühlingsvollmond, hat vor vier Jahren euer erstes Date stattgefunden. So hat es am Ende doch gut gepasst, dass ihr die eigentlich schon für letztes Jahr geplante Hochzeit verschieben musstet. Ich wünsche euch von ganzen Herzen, dass sich auch alles Weitere auf eurem Weg fügen wird und es euch immer wieder gelingt, eure Liebe bewusst zu spüren und Wege zueinander zu finden. Lasst uns einen Moment innehalten und an all unsere guten Wünsche für Max und Gerrit denken.“

Während Schweigen einkehrt, vermeine ich eine Welle von Zuneigung und Liebe von unseren Gästen zu spüren. Es ist schön zu wissen, dass sie alle hinter uns stehen und ich bin sicher, dass sie tatsächlich gerade an ihre Wünsche für uns denken. Hektisch blinzele ich und drücke Gerrits Hand ein wenig fester. Ich habe mir fest vorgenommen, unsere Trauung ohne Weinen zu schaffen! Bis jetzt hat das auch geklappt, aber es ist knapp.
„So, nachdem ihr jetzt mit so vielen guten Wünschen gesegnet sein, erhebt euch bitte.“
Wir stehen auf und unsere Gäste folgen unserem Beispiel.
„Möchtest du, Max, Gerrit für den Rest deines Lebens lieben, ihm weiterhin zuhören und ihn daran erinnern, dass auch Essen, Schlafen und gemeinsame Zeit einen wichtigen Platz im Leben haben, so antworte mit ‚Ja, ich will‘“, fordert Dominik mich auf.
„Ja, ich will“, antworte ich. Es fällt mir schwer, die Worte verständlich herauszubringen und meine Tränen zurückzuhalten, doch ich schaffe es.
„Und möchtest du, Gerrit, Max für den Rest deines Lebens lieben, ihm von deiner Arbeit und den Sternen erzählen und ihm immer wieder den Himmel zeigen? Dann antworte mit ‚Ja, ich will‘.“
„Ja, ich will“, sagt Gerrit und ich verliere den Kampf gegen meine Tränen.
Liebevoll streicht Gerrit sie mir von den Wangen.
„Dann dürft ihr euch jetzt die Ringe anstecken.“ Es sind unsere Verlobungsringe, die jetzt das heutige Datum und den jeweils anderen Namen eingraviert haben. Wir waren uns einig, dass wir keine neuen Ringe brauchen oder wollen.
Gerrit steckt mir zuerst meinen an und dann folge ich.
„Hiermit erkläre ich euch mit all euren Gästen als Zeugen zu Ehemännern! Ihr dürft einander nun küssen“, verkündet Dominik feierlich.
Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Gerrit legt seine Hände an meine Wangen, während ich meine Arme um ihn schlinge. Liebevoll küssen wir uns. Die Gäste applaudieren und jubeln uns zu. Nach dem Kuss lösen wir uns nicht sofort voneinander. Ich vergrabe mein Gesicht an Gerrits Schulter. Es haben sich noch ein paar weitere Tränen aus meinen verräterischen Augen gelöst. Die muss ja nicht jeder sehen. Gerrit streichelt sanft über meinen Rücken.

Erst als ich mich wieder gesammelt habe, lasse ich ihn los.
Sofort werden wir beide von den ersten Gratulanten umarmt. Meine Mutter schluchzt.
„Das war so schön! Ihr seid so ein tolles Paar. Herzlichen Glückwunsch!“ Sie erdrückt mich beinahe.
„Danke, Mama.“
Als nächstes tauschen wir, sodass Marianne mir gratuliert und meine Mutter Gerrit. Danach folgen unsere Väter, der Rest der Familie und dann die Freunde.
Da es nicht so viele sind, nimmt jeder von unseren Gästen sich etwas mehr Zeit zur Gratulation. Das ist sehr schön, weil es umso intimer und persönlicher ist.
Nachdem alle Gratulanten bei uns beiden waren, kommen die Hochzeitsfotos dran. Dominik war netterweise bereit, ein Gruppenfoto von uns allen zu machen, obwohl das nicht zu seinen Aufgaben als Trauredner gehört. Wie üblich dauert es ein wenig, bis alle sich sortiert haben. Zur Sicherheit macht Dominik mehrere Bilder. Neben den klassischen machen wir auch ein paar Fotos, auf denen wir herumalbern. Dabei haben nicht nur Jackson und Delilah unglaublich viel Spaß!
Dann übernimmt Torben die Kamera, um ein Erinnerungsfoto von uns beiden mit Dominik zu machen. Anschließend bedanken wir uns herzlich bei ihm und er verabschiedet sich.
„Herzlichen Glückwunsch noch mal und alles Gute für euch beide! Es hat mir wirklich Spaß gemacht, eure Trauung übernehmen zu dürfen.“
„Dir auch alles Gute und vielen Dank nochmal!“
Danach machen wir mit wechselnden Fotografen noch ein paar andere Bilder. Mit Gerrits Familie, mit meiner, mit beiden und natürlich auch mit unseren Freunden. Durch die Spaßbilder ist es nicht allzu anstrengend. Trotzdem sind alle froh, als wir damit durch sind.

tbc
Aktualisiert: 17/04/22
Veröffentlicht: 17/04/22
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Witch23
20/11/22 01:51
jo ist nur etwas wenierg los hier als früher ^^°

split
04/11/22 19:22
Also wenn die Seite offline gewesen wäre, hättest du die Frage nicht schreiben können, glaub ich. Jetzt funktioniert jedenfalls alles, soweit ich sehen kann *lebenszeichen geb*

beerman
03/11/22 22:08
Seite off`?

Witch23
20/08/22 10:06
Hallo zusammen

gerdhh171
23/07/22 21:10
hallo jungs

Witch23
29/06/22 06:27
Hallo auch

split
23/06/22 14:41
Hallo, welcome back

minori
22/06/22 18:02
Wenn man nach 13 Jahren mal wieder vorbei schaut :) Heyho

Witch23
10/06/22 09:30
Tja, solange bxb existiert sollte das auch ^^

carrabas
09/06/22 21:23
Dieser alte Login funktioniert noch :O

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