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Veröffentlicht: 17/04/22 Aktualisiert: 02/05/22
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Anmerkungen zum Kapitel
Huhu, wieso ist das denn schon so spät? *kommt müde reingestolpert*
Irgendwie war der Tag heute schneller rum, als ich das wollte Traurig deshalb kommt der zweite Teil leider erst jetzt - aber immerhin noch pünktlich! Ganz vielen lieben Dank für die Favoriteneinträge, Empfehlungen und Reviews, ich habe mich sehr darüber gefreut! Antworten kommen im Lauf der Woche.
Ich hoffe, ihr hattet schöne Ostertage.

Viel Spaß mit dem zweiten Teil!
lg, Snoopy
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2. Die Feier

„Dann wollen wir auf die frischgebackenen Ehemänner anstoßen! Wir haben Sekt und Orangensaft. Sagt uns einfach, was ihr wollt“, fordert mein Vater uns alle auf. Er steht mit meiner Mutter am Buffet, eben den vorbereiteten Sektgläsern.
Ich entscheide mich für Sekt, während Gerrit beides gemischt nimmt.
„Ihr seid wie füreinander geschaffen und wir sind sicher, dass ihr auch in Zukunft unzertrennlich bleibt. Auf eine glückliche Ehe und auf Max und Gerrit!“, übernimmt Gunther, Gerrits Vater, den Trinkspruch.
„Auf Max und Gerrit“, wiederholen die Gäste, bevor wir alle den ersten Schluck trinken.
„Vielen lieben Dank! Wir freuen uns sehr, dass ihr alle gekommen seid und heute mit uns feiert. Ein besonderer Dank gilt unseren Familien, die die Feier heute organisiert und alles vorbereitet haben. Viel mehr will ich gar nicht sagen, da ihr jetzt bestimmt alle hungrig seid und vielleicht auch eine gute Grundlage für weitere Getränke braucht. Hiermit erkläre ich das Buffet für eröffnet“, wende ich mich anschließend an alle. Sofort bricht ein Sturm auf das Buffet aus.
Ich warte noch ein wenig. Durch die Aufregung merke ich jetzt erst langsam, dass ich hungrig bin.
Gerade als ich mich in Richtung Buffet aufmachen will, signalisiert Gerrit mir, dass ich zu ihm kommen soll.
„Setz dich, ich habe dir was mitgebracht“, sagt er.
„Danke, dass ist nett von dir.“
Gemeinsam nehmen wir platz. Gerrit und ich sind nicht am Kopfende des Tisches, sondern in der Mitte einer der langen Seiten platziert worden. Das ist total schön, weil wir so mitten unter den Gästen sind und mit möglichst vielen gleichzeitig reden können.
Auf meiner anderen Seite sitzt Sören, neben Gerrit Torben.
Uns gegenüber sitzen Fietje und Alice mit den Kindern. Am einen Ende sitzen unsere Schulfreunde mit Anna und Lasse, an dem anderen unsere Eltern. So hat jeder jemanden in der Nähe sitzen, mit dem er reden kann und den er kennt. Ich bin wirklich beeindruckt, wie sorgfältig und durchdacht meine Mutter das alles vorbereitet und geplant hat!
Auf meinem Teller sind Nudeln mit einer köstlichen Pilz-Sahne-Sauce.
„Hier, dein Salat“, sagt Lasse und stellt mir noch ein Schälchen mit einem bunten Salat hin.
„Danke“, erwidere ich verdutzt. Gerrit dagegen nickt zufrieden. Scheinbar hat er Lasse damit beauftragt, mir den zu bringen, weil er keine Hand dafür mehr frei hatte.
Neben Gerrits Teller, der mit Reis und der Sauce befüllt ist, steht jetzt auch ein Salat. Keine Ahnung, wer ihm den mitgebracht hat.
Jackson und Delilah haben beide Nudeln mit Tomatensauce. Das führt bei Jackson auch in Windeseile zu einem rot-orange-verschmierten Mund, der mich zum Schmunzeln bringt.
„Das Essen ist köstlich geworden“, lobe ich. Marianne, Anna und meine Mutter freuen sich, vor allem, als auch die anderen sich dem Lob anschließen.
Als ich mir Essen nach nehme, entscheide ich mich für Reis mit der Tomatensauce. Auch beides sehr lecker. Zudem gibt es noch Baguette mit verschiedenen Aufstrichen. Es ist ein eher kleines Buffet, aber mit genug Auswahl, dass jeder etwas findet, was ihm oder ihr schmeckt.
Nur den Nachtisch vermisse ich noch. Aber der kommt bestimmt später noch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Mutter ausgerechnet den vergessen hat!
Weil ich mich auch bei den Aufstrichen durchprobieren will, esse ich noch einige Scheiben Baguette. Da ist auch alles sehr lecker. Der Kräuterfrischkäse und die Kräuterbutter scheinen sogar selbst gemacht zu sein.
Am Ende bin ich so satt, dass erst mal sowieso kein Nachtisch mehr reinpasst.

„So, ich hoffe, ihr seid alle satt geworden!“, erhebt Anna ihre Stimme.
Alle nicken und einige reiben sich ihre vollen Bäuche.
„Sehr gut. Es heißt ja ‚nach dem Essen sollst du ruh‘n oder tausend Schritte tun’. Wir haben uns gedacht, dass ausruhen für eine Hochzeit zu langweilig ist. Ein Spaziergang kam uns aber auch nicht so passend vor. Zum Glück haben wir etwas gefunden, was Bewegung verspricht. Vielleicht kommt nicht jeder von euch am Ende auf die tausend Schritte, aber zumindest zusammen werdet ihr die auf jeden Fall schaffen!“, fährt sie fort.
Gespannt sehen wir sie an.
„Als erstes nehmt ihr bitte alle euren Stuhl und tragt ihn hier rüber auf die freie Fläche. Achtet dabei darauf, dass ihr mindestens einen Meter Abstand in alle Richtungen habt.“
„Was machen wir jetzt?“, fragt Gerrit mich leise.
„Ich habe keine Ahnung. Aber so, wie ich Anna kenne, werden wir es nur erfahren, wenn wir ihre Anweisungen befolgen“, antworte ich.
Kurz darauf sitzen wir alle wieder auf unseren Stühlen. Der Tisch ist allerdings verwaist.
„Wir spielen jetzt ein Spiel. Es ist ziemlich einfach. Wann immer ich euch erwähne, lauft ihr eine Runde um euren Stuhl herum. Ein Hinweis vorneweg: Die jeweiligen Begleitpersonen stehen immer mit der Person auf, mit der sie hier sind. Wenn ich das jedes Mal noch dazu sagen würde, wäre der Text viel zu lang geworden. Lasse, das heißt du stehst an meiner Stelle auf. Ich kann nicht mitmachen, wenn ihr mich am Ende noch verstehen wollt. So weit alles klar?“
Alle nicken. Fietje nutzt die Zeit, um es schnell für Alice, Jackson und Delilah zu übersetzen.
„Okay, dann starten wir jetzt den Probelauf! Wir beginnen natürlich mit Ehemax und Bräutigerrit.“
Gerrit und ich brauchen einen Moment, um zu verstehen, dass wir damit gemeint sind. Dann stehen wir auf, laufen um unseren Stuhl und setzen uns wieder. Die anderen lachen.
Als alle sich beruhigt haben, redet Anna weiter: „Ich konnte ja schlecht von Ehemann oder Bräutigam sprechen, dann weiß niemand, wer jetzt gerade gemeint ist. Wir machen weiter mit den Eltern des Hochzeitpaares.“ Sie lässt unseren Eltern genug Zeit, um um die Stühle zu gehen.
„Jetzt kommen die Geschwister des Hochzeitpaares.“ Lasse, Fietje und Alice stehen auf.
„No, not you“ „Ihr nicht“, sagen Alice und Fietje nahezu zeitgleich. Vermutlich wollten Jackson und Delilah auch mit machen.
„Ab jetzt werde ich übrigens nur noch Eltern und Geschwister sagen“, informiert Anna. „Die nächsten sind die Kids.“
Zweistimmiges Jubelgeschrei ertönt. Sehr geschickt, dass sie den eingedeutschten Begriff genommen hat, den die beiden auch ohne jede Übersetzung verstehen.
„Dann haben wir noch die Schulfreunde“, auch hier pausiert sie ausreichend, „und last, but not least, die Arbeitskollegen.“ Zufrieden nickt sie. „Wunderbar, das hat doch gut geklappt. Dann starten wir jetzt!“ Anna liest eine Geschichte über lustige Ereignisse bei einer Hochzeit vor. Allerdings bekomme ich gar nicht allzu viel mit, weil ich so darauf fokussiert bin, den „Ehemax“ nicht zu überhören und meinen Einsatz zu verpassen. Es ist wirklich lustig und wir haben viel Spaß.

Anschließend bin ich jedoch etwas außer Atem, genau wie Gerrit. Wir beide mussten mit Abstand am häufigsten aufstehen. Na gut, die Kids waren vielleicht ähnlich oft dran. Aber da habe ich den Verdacht, dass Anna das eher denen zuliebe gemacht hat und sie im Text weniger vorkamen.
„So, damit das Hochzeitspaar sich jetzt wieder ein bisschen erholen kann, haben wir als nächstes ein ruhigeres Spiel geplant“, übernimmt Micha. „Als erstes setzt ihr zwei, Max und Gerrit, euch bitte Rücken an Rücken. Der Rest bildet am besten einen Kreis um euch herum, damit ihr auch alle gut sehen könnt.“
Er macht eine Pause, damit wir die Stühle gemäß seiner Anweisungen umstellen können. Fietje setzt sich in die zweite Reihe hinter seine Familie. Da er groß genug ist, sieht er so immer noch gut. Gleichzeitig macht es ihm den Job als Übersetzer leichter.
„So, als nächstes müsst ihr beide eure Schuhe ausziehen“, fordert Micha. Irgendwie ahne ich böses. Aber da ich kein Spielverderber sein will, mache ich brav mit.
„Oh, und ich fürchte, dass wir ein Problem haben“, stellt Micha fest. „Gebt mir mal bitte gerade jeweils einen Schuh.“ Achselzuckend reiche ich ihm meinen linken Schuh. Gerrit gibt ihm ebenfalls einen seiner Schuhe.
„Könnt ihr die beiden gut unterscheiden?“, fragt Micha das Publikum.
„Nein“, ertönt es von mehreren Seiten.
„Aber sie haben verschiedene Socken an, das sollte doch auch funktionieren“, schlägt Sören vor, der offenbar weiß, worum es geht.
„Hmm, die kann man nicht ganz so gut hochhalten“, wendet Björn ein. „Das könnte mit der Sicht schwierig werden.“
„Nicht, wenn sie die Socken über ihre Hände ziehen und die dann hochhalten“, widerspricht Jessica ihm.
„Ich dachte, das Spiel sollte erholsamer sein!“, protestiere ich.
„Ist es ja auch, zumindest für eure Beine. Also, ihr habt Sören gehört, Socken aus! Einen zieht ihr über eine eurer Hände und den anderen gebt ihr weiter, sodass jeder am Ende eine Socke von Max und eine Socke von Gerrit an den Händen hat.“
Seufzend füge ich mich in mein Schicksal. Zum Glück neigen weder Gerrit noch ich besonders zu Fußschweiß oder -geruch!
Um Gerrits Socke anzuziehen, brauche ich etwas Hilfe. Das ist gar nicht so leicht, wenn die andere Hand schon besockt ist. Eine Socke ist eben kein Handschuh!
„So, wir werden jetzt testen, wie gut ihr euch wirklich kennt. Hebt immer die Hand mit der Socke, auf den es zutrifft. Fangen wir mit ein paar leichten Fragen zum Einstieg an. Wer von euch hat den ersten Schritt gemacht?“
Automatisch geht meine Hand mit Gerrits schwarzer Socke hoch. Ich brauche Gerrits Hände nicht zu sehen um zu wissen, dass es bei ihm genauso ist.
„Wer hat den Heiratsantrag gemacht?“ Zwei weiß besockte Hände gehen hoch.
„Wer ist der größere Naschkater?“ Auch das verlangt eindeutig meine weißen Socken.
„Gut, das Prinzip des Spiels sollte jetzt jedem klar sein. Fangen wir mit den ernsten Fragen an und schauen mal, wie sehr ihr da noch übereinstimmt! Wer will immer Recht haben?“
Sofort hebe ich Gerrits Socken hoch.
„Das sieht doch noch gut aus. Wer ist ungeduldiger?“
Das ist eine gute Frage. Es kommt wirklich auf den Kontext an. Wir können sehr geduldig sein, wenn uns etwas wirklich interessiert. Sonst verlieren wir beide schnell die Geduld. Nach kurzem Zögern hebe ich beide Hände.
Lachen, Pfeifen und Applaus ertönt.
„Ich bin beeindruckt! Ihr seid euch einig, dass ihr euch da nichts schenkt“, stellt Micha fest. „Wer kann denn besser kochen?“
Eindeutig ich.
„Wer putzt häufiger die Wohnung?“
Das teilen wir recht fair untereinander auf.
„Wer ist der bessere Verlierer?“
Schweren Herzen hebe ich Gerrits Socken hoch. Gelächter ertönt.
„Nun, ich denke, bei der Frage ist es nicht verkehrt, wenn ihr jeweils den Anderen dafür haltet“, sagt Micha. Das überrascht mich und ich kann mir nicht verkneifen, mich zu Gerrit umzudrehen. Er erwidert ähnlich ungläubig meinen Blick.
„Hey, ihr zwei, konzentriert euch auf das Spiel! Turteln könnt ihr später noch“, ermahnt Micha uns unbarmherzig.
„Wer kann besser Auto fahren?“
Gerrit.
„Wer hat mehr Macken?“
Bei der Frage muss ich lachen, während ich meine Socke hochhebe. Gerrit lacht ebenfalls.
„Warum lacht ihr?“, fragt Micha neugierig.
„Weil wir uns bei der Frage nie einig sein werden“, antworte ich.
„Max wird sich selbst genommen haben, genauso wie ich mich“, ergänzt Gerrit.
„Spannend. Dabei hätte ich immer gedacht, dass die Antwort eindeutig Gerrit ist“, findet Anna.
„Sag das deinem Bruder!“, erwidert Gerrit sofort, was alle zum Lachen bringt.
„Wer ist sensibler?“
Das bin ich.
„Wer hat die Hosen in der Beziehung an?“
Hmm, da wir uns meist recht einig sind, finde ich das schwer zu sagen. Vielleicht eher Gerrit?
Da unsere Gäste lachen, drehe ich mich neugierig um. Zu meiner Überraschung hält Gerrit meinen Socken hoch.
„Echt, findest du?“, frage ich ihn erstaunt.
„Na ja, eher als ich“, antwortet er. „Aber die Frage war schwierig. Insgesamt ist es doch ziemlich ausgeglichen, würde ich behaupten.“
„Das sehe ich auch so.“
Wir drehen uns wieder voneinander weg.
„Dann kommen wir zur letzten Frage. Wer von euch schläft heute Nacht als Erstes ein?“
Sofort hebe ich meinen Socken hoch. Das Gelächter verrät mir, dass wir wohl wieder unterschiedlicher Meinung sind.
„Na, wenn ihr gleichzeitig einschlaft, dann passt das ja“, sagt mein Vater.
„Berichtet uns morgen“, fordert Marianne. „Ich denke, es wird Zeit, an den Küchentisch zurückzukehren“, fährt sie dann fort.

Nachdem wir die Stühle umgestellt haben, verschwinden Anna und meine Mutter in die Küche. Sie kommen kurz darauf mit der Hochzeitstorte wieder.
Es ist meine heißgeliebte Schoko-Buttercreme-Torte. Zur Feier des Tages hat meine Mutter sie sogar zweistöckig gemacht. Kaum, dass sie die Torte sicher abgestellt haben, umarme ich sie stürmisch.
„Danke.“
„Nichts zu danken“, antwortet sie und erwidert meine Umarmung ebenso fest.
„So, dann dürft ihr die Torte jetzt anschneiden“, sagt sie laut, als wir uns voneinander gelöst haben.
Ich nehme das Messer vom Tisch und gebe es an Gerrit weiter. Anschließend lege ich meine Hand oben drauf. Gemeinsam schneiden wir das erste Tortenstück raus.
„Es ist eindeutig Max, der das Sagen hat!“, ruft Jessica laut.
Lachend schüttele ich meinen Kopf. „Beim Anschneiden hat Gerrit geführt, er hat das bessere Augenmaß. Ich habe meine Hand einfach nur oben drauf gelegt und bin ihm gefolgt“, widerspreche ich ihr.
„Trotzdem hast du Recht, Jessi. Max hat nämlich einfach beschlossen, dass ich anschneiden soll“, stimmt Gerrit ihr zu meiner Überraschung zu.
„Aber du hast das bessere Augenmaß“, wiederhole ich stur.
„Das stimmt. Ich glaube allerdings nicht, dass es beim Anschneiden so wichtig war.“
„Du hättest etwas sagen sollen, wenn du es lieber anders herum gewollt hättest!“
Gerrit schüttelt seinen Kopf. „Es war mir egal.“
„Jetzt hört auf zu diskutieren und füttert euch gefälligst damit! Sonst füttere ich euch“, droht meine Schwester rabiat, aber effektiv.
Sofort nehmen Gerrit und ich eine der bereitliegenden Kuchengabeln in die Hand. Wir sind uns einig, dass wir auf keinen Fall von Anna gefüttert werden wollen. Allein die Vorstellung ist beängstigend!
Gerrit lädt seine Kuchengabe ziemlich voll, während ich nur ein kleineres Stück nehme. Das bringt uns beide zum Grinsen. Normalerweise wäre es genau umgekehrt! Es erfordert einiges an Konzentration, aber wir schaffen es, uns ohne Unfälle gleichzeitig zu füttern. Am Ende habe ich vermutlich zwei Drittel von unserem Stück gegessen und Gerrit nur ein Drittel. Damit sind wir jedoch beide sehr zufrieden. Er mag die Torte meiner Mutter auch, aber es gibt vermutlich niemanden, der so verrückt danach ist wie ich es bin.
Nachdem wir fertig sind, applaudieren alle. Gerrit übernimmt es höchstpersönlich, den Rest der Torte zu schneiden. Ich dagegen bin so dreist, mir das zweite Tortenstück auch unter den Nagel zu reißen und dieses Mal ganz allein zu essen. Als alle ein Stück haben, ist meins schon wieder aufgefuttert und ich nehme mir noch eins.
Anna schüttelt wie jedes Mal ungläubig ihren Kopf. Dabei sollte man meinen, dass sie sich nach all den Jahren dran gewöhnt hat, dass ich von der Buttercreme nicht genug kriege!
Meine Mutter erzählt dagegen, dass ich schon als Vierjähriger mindestens zwei, meist sogar drei Stücke gegessen habe, wenn sie die Torte gemacht hat. Da ich heute deutlich größer als damals bin, ist es doch logisch, dass ich jetzt auch mehr esse!
Allerdings schaffe ich heute nicht ganz so viele wie sonst – ich bin noch zu voll vom Mittagessen.

Anschließend folgt der gemütliche Teil der Feier. Nicht, dass es bislang ungemütlich war. Aber es macht doch einen Unterschied, ob es einen Plan gibt oder es nur ein Beisammensein ist.
Besonders freue ich mich, mal in Ruhe mit Sören reden zu können. Wir haben uns in den letzten Jahren viel zu selten gesehen, da er nach der Ausbildung weggezogen ist. Seine Freundin Hannah ist in ein lebhaftes Gespräch mit Alice und Anna vertieft, während Fietje mit den Kindern herumtobt. Gerrit diskutiert gerade mit Torben und ich bin mir sicher, dass es doch um die Arbeit geht. Aber es soll mir recht sein. Lasse scheint bei Micha, Jessica und Björn Anschluss gefunden zu haben und unsere Eltern sind auch in ein Gespräch vertieft.
„Ich hoffe, dass wir uns nächstes Jahr wiedersehen“, sagt Sören und schmunzelt.
„Heißt das etwa, dass ihr heiratet?“, frage ich neugierig.
„Wenn es nach mir geht, ja. Hannah weiß aber noch nichts davon. Ich will ihr nächsten Monat an ihrem Geburtstag einen Antrag machen.“
„Oh, wie schön! Hast du schon genaue Pläne?“
Sören nickt. „Die verrate ich aber nicht. Wie hast du den Antrag eigentlich gemacht?“
„Wir waren Ostern bei Gerrits Eltern. Ich habe Eier mit Sternbildern bemalt und ihn hinter ein paar Büsche gelockt, weil ich vor Zuschauern viel zu nervös geworden wäre. Und dann ganz klassisch – ich habe mich vor ihm hingekniet, ihm gesagt wie sehr ich ihn liebe und ihm die Frage aller Fragen gestellt. Oh, nur eine Sache war anders. Statt einem Schmuckkästchen hatte ich den Ring in einem aufgeklappten Ei.“
„Passt ja auch besser zu Ostern.“
„Eben“, bestätige ich.

Gegen sieben Uhr verabschieden sich unsere Gäste so langsam. Wir haben extra schon mittags eingeladen und auch auf die Karten geschrieben, dass wir abends noch Pläne zu zweit haben. Viele Hochzeiten gehen ja bis in die Nacht, aber das wollten wir nicht. Um diese Jahreszeit ist es für eine lange Feier draußen auch noch zu kalt. Zur Not hätten wir zwar drinnen feiern können, aber da ist es doch ziemlich beengt. Zudem wollen mindestens unsere Eltern in die Ostermesse gehen. Es ist schon erstaunlich genug, dass meine Mutter einer Hochzeit am Ostersamstag zugestimmt hat. Anna und Lasse gehen glaube ich auch mit. Bei Björn und Jessica bin ich mir nicht ganz sicher. Der Rest geht definitiv nicht in die Kirche.
Zum Glück haben alle eine Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe gefunden. Micha, Björn und Jessica übernachten wie wir bei ihren Eltern. Hannahs Eltern wohnen lustigerweise in der Nähe, sodass Sören und sie dort Ostern verbringen werden. Torben wird in Gerrits Zimmer schlafen, weil der heute Nacht bei mir bleibt. Lasse wird ebenfalls bei uns schlafen, wenn auch im Wohnzimmer. Anna und er sind ja schließlich noch nicht verheiratet.
Gemeinsam mit meinen Eltern, Anna und Lasse räumen wir noch das Gröbste auf. Zu sechst geht das ziemlich schnell, sodass wir einiges schaffen.

„Wir machen uns dann auf den Weg“, informiert Gerrit die anderen.
Überrascht sehe ich auf meine Uhr und stelle fest, dass es schon acht Uhr sind.
„Aber erst sollten wir uns noch umziehen. So gut dir der Anzug steht, für den Wald ist der eher unpraktisch“, stelle ich fest.
„Natürlich. Ich dachte nur, dass es sinnvoller ist, wenn wir uns jetzt direkt verabschieden und gleich nicht nochmal rauskommen“, antwortet Gerrit.
„Oh. Ja, das ergibt Sinn.“
„Einen schönen Abend noch“, wünscht meine Mutter uns.
„Danke, euch eine gute Messe“, erwidere ich.
„Viel Spaß. Und denkt nachher dran, ihr seid nicht allein im Haus diese Nacht“, flüstert Anna mir ins Ohr, als sie mich umarmt. Zur Strafe dafür zwicke ich sie in die Seite.
„Lass das!“ Sie haut auf meinen Oberarm.
„Kinder, hört auf“, ermahnt meine Mutter uns. Verlegen sehen wir sie an und nicken.
Nachdem wir uns auch von Lasse und meinem Vater verabschiedet haben, gehen wir in mein Zimmer und ziehen uns um. Dort ist auch die große Tasche mit allem, was wir brauchen.
„Warte“, fordere ich Gerrit auf, als wir unten an der Haustür angekommen sind.
Verdutzt sieht er mich an, nickt aber. Schnell flitze ich in die Küche und hole die Dose aus dem Kühlschrank.
Als Gerrit sieht, was ich mitgebracht habe, lacht er.
„Das hätte ich wissen müssen. Ein Wunder, dass überhaupt noch Torte dafür übrig geblieben ist“, spottet er liebevoll, während wir uns auf den Weg machen.
„Natürlich. Im Zweifelsfall hätte ich schon dafür gesorgt“, kontere ich.
„Das glaube ich dir sofort. Ein Glück, dass es nicht notwendig war. Gewalt auf einer Hochzeit erscheint mir ein wenig unpassend.“
Dafür strecke ich ihm die Zunge raus.

Den Weg zu unserer Lichtung verbringen wir schweigend. Diese zufriedene Stille fühlt sich intimer an als ein Gespräch es sein könnte. Es ist gerade noch hell, sodass wir nicht einmal eine Taschenlampe brauchen. Für den Rückweg haben wir allerdings eine in der Tasche.
Da wir dieses Mal direkt zu zweit sind, sind die Vorbereitungen schnell erledigt. Gerrit verteilt die Kerzen und zündet sie schon an. Es wird jetzt schnell dunkel werden und wir wollen ja nicht in einer Viertelstunde nochmal aufstehen müssen, um sie anzumachen.
Ich baue währenddessen unser Lager auf. Wobei Lager übertrieben ist – es ist nur eine dicke Isomatte, eine warme Decke und natürlich der Tee und die Torte. Ich setze mich auf die Isomatte, kuschele mich schon mal ein wenig in die Decke und halte sie für Gerrit einladend offen.
Er setzt sich zu mir und legt die Decke um seine Schultern.
„Und, haben wir noch genug Zeit?“, frage ich.
„Ja, aber nicht viel. Es sind keine fünf Minuten mehr, bis zum Vollmond“, antwortet er.
„Ein Glück, dass du auf die Uhr geschaut hast. Ich hatte die Zeit völlig aus den Augen verloren.“
Ich lege meinen Kopf in den Nacken, um schon mal zu schauen, wo der Mond jetzt ist.
Gerrit dreht meinen Oberkörper nach rechts, woraufhin der Mond in mein Blickfeld gerät. Er sitzt jetzt hinter mir. Dankbar lasse ich mich zurücksinken und lege meinen Hinterkopf auf seine Schulter. So ist es viel bequemer, als wenn ich meinen Kopf in den Nacken legen und selbst dort halten muss.
„Jetzt fehlt mir die Matratze schon ein bisschen“, gebe ich zu. „Da könnten wir uns jetzt beide drauf legen.“
„Das stimmt. Aber die hierher zu tragen wäre ziemlich anstrengend gewesen.“
„Ja, ich weiß.“
„Dafür ist die Umgebung hier schöner. Und vor vier Jahren waren wir auch hier“, versucht Gerrit, mich die positiven Seiten sehen zu lassen.
„Hey, willst du etwa behaupten, dass unsere Wohnung nicht schön ist?“, protestiere ich gespielt.
Bevor er antworten kann, vibriert sein Handy. Automatisch gehen unsere Blicke wieder zum Mond.
Nicht, dass er jetzt im Vergleich zu vor fünf oder zehn Minuten erkennbar anders aussähe. Trotzdem hat es etwas magisches, zu wissen, dass genau jetzt Vollmond ist. Und so kitschig das auch klingt – in diesem Moment fühle ich mich vollkommen eins mit Gerrit. Letzte Nacht stand ich tatsächlich am Fenster, weil ich vor Aufregung und ohne ihn nicht einschlafen konnte. In dem Moment, wo ich auf den Mond geguckt habe, bin ich automatisch ruhiger geworden. Der Mond gehört eben zu unserer Beziehung von Anfang an dazu. Mit ihm hat schließlich alles angefangen…

ENDE
Aktualisiert: 19/04/22
Veröffentlicht: 19/04/22
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Witch23 am 19/04/22 03:17
Ich mag die beiden, auch wenn ich ab und an ein wenig den Faden zu den alten Geschichten verliere, aber ja es ist auch ohne zu verstehen.

Und schön das die Hochzeiten so harmonisch war.



Antwort der Autors Snoopy279 (01/05/22 21:20):
Freut mich, dass du die beiden magst. Verständlich - einmal im Jahr ist ja jetzt nicht so regelmäßig Smiley
schön, dass dir auch die Hochzeit gefallen hat.
Danke fürs Freischalten und das Review!
Die Feier
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Witch23
20/11/22 01:51
jo ist nur etwas wenierg los hier als früher ^^°

split
04/11/22 19:22
Also wenn die Seite offline gewesen wäre, hättest du die Frage nicht schreiben können, glaub ich. Jetzt funktioniert jedenfalls alles, soweit ich sehen kann *lebenszeichen geb*

beerman
03/11/22 22:08
Seite off`?

Witch23
20/08/22 10:06
Hallo zusammen

gerdhh171
23/07/22 21:10
hallo jungs

Witch23
29/06/22 06:27
Hallo auch

split
23/06/22 14:41
Hallo, welcome back

minori
22/06/22 18:02
Wenn man nach 13 Jahren mal wieder vorbei schaut :) Heyho

Witch23
10/06/22 09:30
Tja, solange bxb existiert sollte das auch ^^

carrabas
09/06/22 21:23
Dieser alte Login funktioniert noch :O

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