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Veröffentlicht: 28/04/09 Aktualisiert: 01/02/10
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1. per noctem ad lucem - Durch die Nacht zum Licht

Der Wind strich durch die kniehohen Grashalme, schlängelte sich an den
uralten Rinden der spärlich gesäten Bäumen entlang nach oben, um durch das
Blätterdach raschelnd weiterzuziehen.
Nur die Geräusche der Natur verdrängte vollkommene Stille. Keine lärmenden
Menschen, keine gestressten Taxifahrer die sich laut hupend über den
zähfließenden Verkehr aufregten, keine keifende alte Weiber mit viel zu
lauten Fernsehgeräten. Einfach nur wilde, unberührte Natur...und ein
heiserer Aufschrei, der in den Weiten der Hügel verklang. Ihm folgte ein
missfallendes ‚Muhen' und Morgan sah einen Schatten an sich vorbeiflitzen.
Im Gefälle bekam man zwangsläufig Schubkraft, und die Schnelligkeit
erreichte teilweise Tempo, das die eigenen Beinen nicht mehr mitkamen.
Er seufzte leise.
„Elia! Es ist nur ein Highland!" Trichterförmig hielt Morgan die Hände vor
den Mund und ließ seine Worte vom Wind davontragen, in Richtung seines
jammernden Freundes.
Kopfschüttelnd ließ er sich auf einem Stein nieder - eine kleine Pause
konnte nicht schaden – und beobachtete, während Elia um sein Leben kämpfte:
Mit dem Rücken an einen Baumstamm gepresst, Aug in Aug mit einer
wiederkäuenden Kuh, mit sehr, sehr, SEHR lang und vor allem
spitzaussehenden Hörnern.
Ein krächzen in Morgans Nähe ließ ihn aufsehen. Zwei schwarze Knopfaugen
musterten ihn, mit schiefgelegtem Kopf.
Es hieß Raben seien Todesboten...und Leichenfledderer. Die ihm zugeworfenen
Brotkrumen untersuchte der Vogel neugierig und piekte sie auf.
Alles Aberglauben...
„Ich bin zu jung zum sterben!"
Ein wimmernder Hilferuf drang an Morgans Ohr. Er schenkte ihm keine
Beachtung. Seine Aufmerksamkeit hatte die Landkarte, die er in Händen
hielt. Es waren nicht mehr ganz sechs Meilen...
„Sag meinen Eltern das ich sie liebe!"
...bis sie den nächsten Ort erreichten. Morgan kniff die Augen zusammen und
zog die Karte näher. Kurzsichtigkeit war äußerst unpraktisch, und seine
Kontaktlinsen gaben langsam auf. Es wurde Zeit das er sie wechselte.
„Ich hoffe du stirbst vor Kram!"
Vorsichtig rieb sich Morgan über das Augenlid. Jetzt begann ihm auch noch
das Auge zu brennen. Es wurde wirklich Zeit.
„Von mir wird nur noch ein blutiger, zertrampelter Haufen übrig bleiben!
Kaum zu identifizieren!"
Morgan blinzelte ein paar Mal. Das verschwommene Bild klärte sich ein wenig
und er holte den Kompass heraus. Wenn sie jetzt den Hügel erklimmten...
„Mein Herz wird gleich aufhören zu schlagen!"
...und sich dann Richtung Nordosten hielten,...
„Meine Knie sind schon ganz wackelig!"
... würden sie vor Einbruch der Dämmerung den Ort erreichen. Ein Zimmer
würde es mit Sicherheit geben, wenn nicht, ein Stall tat es auch. Es sollte
nur trocken sein. Morgan hasste es, wenn Tau seine Kleider klamm werden
ließ. Man wurde nicht richtig warm, und eh man sich versah, hatte man eine
fette Erkältung und einen Kopf, so dick wie ein überreifer Kürbis.
„Und meine Arme taub!"
Er freute sich auf eine ordentliche Mahlzeit. Eier, Brot, Speck und ein
gutes Bier, oder eher einen guten Whiskey. Der vertrieb die Kälte gleich
aus den Knochen. Der Duft des Eichenholzes drang ihm bereits in die Nase.
„Ich sehe schon ein weißes Licht!"
Ein vorfreudiges Seufzen verließ Morgans Kehle. Ja! Ordentliche
Hausmannskost und ein guter Drink ließen die Welt gleich viel besser
aussehen. Er sah sich noch einmal die Karte an, dann faltete er sie
zusammen und verstaute sie im Rucksack.
„Hast du das gehört? Der Schrei einer Todesfee!" *
Morgan nahm einen ordentlichen Schluck aus seiner Wasserflasche und erhob
sich wieder, huckelte den Rucksack wieder auf.

(* Banshee; die irische Todesfee, sie beklagen den Tod mit einem gellenden Schrei, wenn ein Familienmitglied oder ein
naher Bekannter stirbt; es gibt Augenzeugenberichte, die eine Totenklage mitangehört und sogar welche die eine Todesfee
gesehen haben, sie soll feuerrotes Haar haben, das sie während ihrer Klage kämmt und ebenso rote Augen; angeblich soll
eine Bandshee am Morgen vor dem Tod von J.F.Kennedy ebenfalls eine Totenklage gehalten haben)

„Wenn du fertig bist mit spielen, können wir ja weiter." rief Morgan seinem
Weggefährten zu, warf einen kurzen Blick in seine Richtung. Das Highland
verlor allmählich das Interesse an Elia. Es stufte ihn wohl als nicht
fressbar ein und das Gezeter ging selbst der Kuh auf den Geist. So trottete
sie wieder zurück zu ihren Artgenossen.
Morgan wandte sich um und stieg den Hügel hinauf. Hinter ihm erklang
unverständliches Gemurmel und Gemecker, dazu wütendes schnaufen.
„Wenn dich das nächste Mal eine wilde Bestie anfällt, sehe ich auch nur
zu!" brummte es neben ihm.
„Es war eine Kuh, Elia!"
„Na und! Sie hätte mich aufspießen können,...oder treten, oder beißen..."
„Elia!" meinte Morgan mahnend, den Blick nicht von dem herrlichen Horizont
nehmend. „Selbst diese Kühe sind Pflanzenfresser! Ich bezweifle, das sie
plötzlich auf den Geschmack von Fleisch kommen werden. Und selbst wenn,
wärest du uninteressant, von dir würde nicht mal eine Ratte satt."
Ein schmerzhafter Boxhieb gegen die Schulter ließ sich Morgan endlich Elia
zuwenden. Der schlanke Student fletschte bissig die Zähne.
„Du bist ein Arschloch, Morgan!"
„Ich weiß." meinte er dazu nur schulterzuckend. Er wandte halb den Kopf und
zog die Brauen zusammen.
„Wir sollten uns beeilen, das sieht nach Regen aus." Morgan deutete hinter
Elia, als dieser sich umdrehte, sah er die tiefhängende schwarze
Wolkendecke. Er rümpfte die Nase. Das würde ihm gerade noch fehlen, mitten
in der Pampa durchnässt bis auf die Knochen durch den Schlamm zu kriechen.
„Wie weit ist es denn noch?"
„Sechs Meilen, circa..."
Elia ächzte. „Ernsthaft?"
Anstatt Morgan antwortete, ging er los. Elia seufzte tief und trottete ihm
hinterher. Morgan war sehr eigen. Ein komischer Kauz, würden die Leute
sagen. Aber Elia hatte gelernt das hinter seiner eisigen und nicht gerade
feinfühligen Schale, ein guter Mensch steckte, der erst herausgekitzelt
werden musste. Wenn man wusste wie man mit dem gebürtigem Schotten umgehen
musste, war er ein guter Freund auf dem man sich wirklich verlassen konnte.
Morgans Vertrauen musste man sich hart erarbeiten, aber Elia hatte sich
nicht abschütteln lassen. Nun ja, die Initiative war eigentlich von Morgan
ausgegangen, aber Elia hatte seine Chance genutzt. Er bereute es nicht,
auch wenn er Morgan manchmal nur zu gern den Hals umdrehen würde.

Die ersten schweren Regentropfen trafen Morgan ins Gesicht. Sie waren an
einer Weggabelung angekommen. Das krächzen aus der Krone eines alten
windschiefen Baumes, in der Mitte der Gabelung, ließ ihn aufsehen. Wieder
musterten ihn schwarze Knopfaugen. Der Rabe stieg auf, flog den rechten Weg
entlang. Irgendetwas zog Morgan ebenfalls in diese Richtung. Er sah sich
nach Elia um und nickte in Richtung des rechten Weges.
Elia hielt sich bereits seine Jacke über den Kopf und folgte Morgan. Er
kannte sich schließlich hier aus, zumindest war er hier aufgewachsen, also
vertraute er ihm. Morgan würde schon wissen, wo sie lang mussten. Außerdem
wusste Elia nur, das man einen Kompass aufklappen konnte, alles andere
waren für ihn böhmische Dörfer.
Nach einigen hundert Metern erreichten sie ein Haus. Es sah wenig einladend
aus. Allerdings konnte das auch nur an der plötzlichen Dunkelheit liegen,
die die tiefschwarze Wolkendecke verursachte, als sie sich vor den bereits
niedrigstehende Sonne schob. Und lieber saß Elia im trockenen als hier
draußen, das Unwetter high live mitzuerleben.
Morgan klopfte gegen die Haustür, zog die Schultern hoch. Der Regen hatte
sich bereits einen Weg in seine Kleider gebannt und eine fiese Gänsehaut
breitete sich auf seinem Körper aus. Es rührte sich nichts, also klopfte er
abermals. Die Gardine hinter der Glasscheibe wurde beiseite geschoben, dann
die Tür einen Spalt weit geöffnet. Morgan sah ihn den Lauf einer Flinte.
„Wer seid ihr?" fauchte es aus dem Innern des Hause.
Morgan blinzelte.
„Morgan McAllister und mein Begleiter ist Elia Fletcher." versuchte er den
tosenden Wind zu übertönen.
Es dauerte einen Moment, da wurde die Tür geöffnet und ein grauhaarige Alte
winkte sie herein. Die Flinte in der einen Hand und ein strahlendes Lächeln
auf den Lippen. Fiona McGlinnes, oder auch Granny McGlinnes von den
Einheimischen genannt. Sie trug das weiße Haar straff zurück zu einem
Knoten gebunden am Hinterkopf. Eine weiße Schürze war vor das dunkle Kleid
gebunden. Ihre Augen waren wie die eines Rehs, tiefbraun und fast
unschuldig.
Elia lächelte schüchtern und blieb immer dicht bei Morgan. Eine bewaffnete
alte Frau war nichts ungewohntes für ihn. In Amerika wurde einem quasi der
Derringer bereits in die Wiege gelegt. Aber es flößte eben Respekt ein, der
schwarze glänzende Lauf...
„Ach Gott. Ihr beiden seid ja komplett durchgeweicht. So ein scheußliches
Wetter, aber auch." Granny winkte mit den Händen, nachdem sie die
Schrotflinte neben die Tür gestellt hatte. „Zieht eure Sachen aus, wir
hängen sie gleich zum trocknen auf. Aber kommt doch herein, setzte euch an
den Kamin. Hier in diesem alten Haus zieht es immer wie Hechtsuppe."
Brabbelnd ging sie ein paar Räume weiter, und kam wenig später mit zwei,
wohl selbstgestrickten, Pullovern wieder; immer noch brabbelnd.
„Na was denn? Hurtig; ausziehen, sagte ich. Ihr wollt euch doch nicht den
Tod holen. Der Schnitter kommt noch früh genug. Na los." Granny zog an
Elia's nassen Sachen. Der kam dem etwas überrumpelt nach. Ein verstohlener
Blick zu Morgan aus den Augenwinkeln, der sich schon ausgekleidet hatte und
nun seine Hose und den Pulli über die bereits gezogene Wäscheleine hing.
Elia wandte den Blick schnell wieder ab und kämpfte mit den nassen Fasern,
die sich an ihm festsaugten wie kleine Blutegel.
Granny war bereits in der Küche verschwunden. Elia hörte das Klappern von
Geschirr und das pfeifen des Teekessels.

Der Regen trommelte gegen die Fenster, der Wind heulte auf, als er um die
Ecken des Hauses wirbelte. Elia rutschte näher zu Morgan und klammerte sich
an seiner Teetasse fest. Er saß auf dem Boden zu Morgans Beinen, der sich
egoistisch den bequemen Sessel geschnappt hatte.
„Leben sie hier allein, Mrs. McGlinnes?" fragte er, wollte irgendetwas
sagen um diese bedrückende Stille zu durchbrechen. Außerdem gruselte er
sich. Er konnte sich nicht vorstellen, das diese alte Dame ganz allein hier
oben in den Highlands mitten im Nirgendwo lebte.
Granny sah Elia an und schüttelte lächelnd den Kopf.
„Oh, nein. Mein Sohn und seine Frau leben hier bei mir. Aber sie sind zur
Stadt gefahren und ich denke aufgrund des Wetters, sind sie gleich dort
geblieben. Und nennt mich doch Granny. Das tun sie alle hier."
Sie sah Morgan an. „Ich kannte deine Großmutter, Morgan McAllister."
Elia sah hoch und Morgan betrachtete ihn ebenfalls. Er zog eine Braue hoch
und schmunzelte kurz amüsiert zu ihm hinunter.
„Ja?" Er wandte sich Granny wieder zu. „Ich glaube, sie hat mir mal von
ihnen erzählt."
Elia setzte seine Teetasse ab und sah Granny fragend an. „Wo ist denn die
Toilette?" fragte er murmelnd. Irgendwie war es ihm peinlich obwohl es doch
ein natürliches Bedürfnis war.
„Geh durch die Küche, die Tür rechts." Erklärte die alte Frau und Elia
erhob sich.
Als er sich erleichtert hatte und die Toilettentür hinter sich schloss,
stutzte Elia. Die Hintertür stand sperrangelweit offen und der Wind
wirbelte lose Grashalme und Blätter von den einzelnen Bäume in die Küche.
Elia schauderte und schloss die Tür wieder, schob auch gleich den Riegel
vor. Sicher war sicher. Wer wusste schon, wer alles durch diese Landschaft
streunte.
Er sah noch einmal durch das Fenster im Türblatt und ein Blitz erhellte die
Umgebung, zeigte kurz die gegenüberliegende Scheune. Elia rieb sich die
Arme, auf denen sich eine Gänsehaut gebildet hatte und wandte sich um, um
zurückzugehen. Er war keine drei Schritte gegangen als er erneut stehen
blieb. Seine Nackenhaare stellten sich. Ein quietschendes stetes Geräusch
setzte sich vom Sturm und Donner ab. Er warf bedächtig einen Blick über die
Schulter und sah, wie sich der Riegel langsam aber sicher wieder öffnete.
Er schluckte schwer und mit einem Schlag schwang die Küchentür erneut auf.
Elia machte eine erschrockenen Sprung um die eigene Achse. Ein weiterer
Blitz warf Licht auf das kleine Mädchen, das mitten im Sturm stand und Elia
ansah. Das weiße Kleidchen ähnelte einem Nachthemd und der Wind zerrte
daran, gab dem kleinen ausgemergeltem Körper Konturen.
Als der krachende Donner erklang, schrak Elia zusammen und starrte auf den
leeren Fleck vor sich. Ein heiserer Schrei kroch seine Kehle hinauf und
verließ sie fast explosionsartig. Die nackte Angst schoss in seinen Beine
und ließ ihn ins Wohnzimmer zurückrennen, wo Morgan aufgesprungen war und
Elia anstarrte.
„Was ist passiert?" fragte er aufgeregt und untersuchte mit den Augen ob
Elia oberflächliche Wunden aufwies.
Dieser deutete immer wieder stotternd auf die Küche. „G...G...G..." er
befeuchtete sich die trockenen Lippen und zitterte wie Espenlaub.
Morgan sah ihn nur unverständlich an und ließ sich zurück in den Sessel
fallen. „Gallier?"
Elia schnaufte und brummte. „Ein Geist!" meinte er fast anklagend, war
kreidebleich geworden. „Draußen, vor der Küche. Die Tür...einfach von
allein aufgegangen und..." haspelte er aufgeregt. Seine Knie wurden
plötzlich ganz weich und er hatte das Gefühl gleich in Ohnmacht zu fallen.
Granny McGlinnes hatte sich erhoben und berührte den geschockten Elia an
den Schultern. „Beruhige dich mein Junge." Sie führte ihn zu ihrem Stuhl
und drückte ihn hinein, legte eine Decke um seine Schultern.
Elia zitterte noch immer und starrte die alte Dame mit großen Augen an.
Morgan hatte sich derweil wieder erhoben und sah nach, was Elia so
erschreckt hatte. In der Küche fand er mittlerweile ein Pfütze vor, die
sich durch den hereinströmenden Regen gebildet hatte. Er warf einen Blick
hinaus, betrachtete die Schemen der Scheune und runzelte die Stirn, dann
schloss er die Tür.
„Ich hab sie gesehen...sie trug ein Nachthemd oder so was, war vielleicht
zehn, keine Ahnung. Aber ich habe sie gesehen!" fast bittend starrte er
Granny an, wollte von ihr hören, das sie ihm glaubte und er nicht spinnte.
Obwohl er andererseits lieber spinnen wollte, als das wirklich gesehen zu
haben, was er gesehen hatte.
„Der Wind muß wohl die Tür aufgedrückt haben." Meinte Morgan als er
wiederkam und Elia mit undeutbarer Miene musterte. Er setzte sich und
betrachtete Granny, die bisher geschwiegen hatte.
„Sie taucht öfters auf." Sagte sie schließlich und Elia's Augen wurden
nochmals größer als sie vorher schon gewesen waren.
„Die Kleine tut niemanden was, sie steht immer nur da und verschwindet dann
genauso schnell wie sie aufgetaucht ist. Manchmal nachts, hört man sie auch
weinen."
„Soll das heißen...es war wirklich.." stammelte Elia und Granny nickte
zustimmend.
„Ein Geist. Der Geist eines kleinen Mädchen das keiner kennt."
Ein schnaufen ließ Elia sich seinem Freund zuwenden. Morgan saß da,
trommelte mit den Fingerspitzen auf der Lehne herum und hatte die Stirn in
Falten gezogen.
„Glaubst du mir nicht?"
Ihm antwortete nur ein brummen, das Elia erleichtert als etwas positives
aufnahm. Trotzdem beobachtete er Morgan neugierig. Bisher hatte sein Freund
immer einen bodenständigen Eindruck gemacht, sprich er würde nie für
möglich halten, das Morgan an etwas Übernatürliches glaubte. Sei es Gott
oder Geister. Doch jetzt schien sich sein Weltbild regelrecht zu
verschieben. Elia hatte nie wirklich gezweifelt das es nicht noch etwas
anderes gab, als das was man mit Wissenschaft erklären konnte, aber er
hatte auch nie wirklich gehofft einmal vom Gegenteil überzeugt zu werden.
Ihm wäre es ganz recht gewesen, dabei zu bleiben sich nur in Gruselfilmen
von Geister schocken zu lassen, aber wirklich einem zu begegnen, darauf
hätte er getrost verzichten können. Vor allem war jetzt die Frage, konnte
man dem glauben was die Filme einem über Gespenster erzählten? Das sie
einem nichts tun konnten, oder würde sich beweisen, das sie es doch
konnten, wenn Elia in Streifen geschnitten war. Aber konnte ein kleines
Mädchen das tun? Wenn sie ein Dämon war: Ja!
Elia war zum heulen zumute. Er verfluchte den Tag an dem er erfahren hatte,
das Morgan Schotte war und er ihn gebeten hatte, ihm seine Heimat zu
zeigen. Er könnte jetzt zu hause in New York sitzen, sich eine DVD ansehen
und darüber lachen, wie dumm das Ganze doch war.
Morgan riss ihn aus seinen Gedanken, als er aufstand und Granny ansah. „Ich
habe vorhin einen Computer gesehen, hat der Internetanschluss?"
Die alte Dame sah ihn fragend an. „Was?"
„Internet." Morgan winkte nach einem weiteren Blick auf ihr Gesicht ab.
„Darf ich ihn benutzen?"
Nach einem bejahendem Nicken setzte er sich im Nebenraum an den
Schreibtisch und fuhr den Computer hoch. Er hoffte das der Sturm die
Verbindung nicht unterbrach, sollte es eine geben. Elia kam hinter ihm her,
die Decke um die Schultern und sah ihn fragend an.
„Was ist denn los?"
„Was weißt du über Geister, Elia?" Morgan suchte derweil den Schreibtisch
ab und hob die Tastatur an. „Bingo..." murmelte er, als er den Zugangscode
für die DFÜ-Verbindung gefunden hatte. Mit Tesafilm war das Kennwort unter
der Tastatur festgeklebt worden.
„Äh,...also, meistens sind es Seelen verstorbener Menschen, die irgendwas
zu erledigen haben oder so. Und äh...sie sind nicht stofflich, also man
kann sie nicht anfassen. Wieso willst du das überhaupt wissen?" Elia sah
ziemlich verwirrt aus. Erst wurde sein Weltbild erschüttert, und dann tat
Morgan so, als stünde eben jenes vor dem Abgrund.
„Ich glaube einfach, das wir nicht umsonst hier sind."
„Hä?" machte Elia nicht sehr intelligent. Er starrte Morgan an, als wäre
dieser gerade zu einem rosa Kaninchen geworden. Der sonst so bodenständige
wortkarge Schotte outete sich plötzlich als Parapsychologischer Fan. Das
erschütterte ihn noch mehr, als die vorhergehende Geistererscheinung.
Morgan schenke ihm keine Beachtung, er wählte sich ins Internet und hoffte
inständig das sie zustande kam. Die Startseite von ‚Google' lachte ihn an
und Morgan gab die URL einer Website ein.
‚http://www.ghostfinder.com'
Elia betrachtete das zielstrebige Tun von Morgan neugierig. Er fragte sich
was Morgan zu finden gedachte. Das der ihn in seine Gedanken nicht
einweihte, war ihm mehr als klar, deshalb verfolgte er dessen Tun äußerst
aufmerksam.
Morgan öffnete eine weitere Seite und suchte über ‚Google' nach dem Haus in
dem sie sich befanden. Nach einigen Fehlschlägen fand er es und brummte
wieder.
„Was denn?" wagte Elia zu fragen und schielte aus den Augenwinkeln zu
seinem Freund.
„1710..." bekam er eine gemurmelte Antwort, als würde das alles erklären.
In Elia's Gesicht bildete sich allerdings nur ein Fragezeichen und ein
kleines seufzen verließ seine Kehle. Also musste er wohl warten, bis ihm
die Erleuchtung zu Teil wurde.
Morgan schloss das Fenster und wandte sich der vorherigen Website zu.
Zielstrebig grenzte er den gesuchten Bereich um 1750 ein. Ihm wurden
mehrere Ergebnisse angezeigt und wieder brummte Morgan. Das würde dauern
bis er etwas fand, und es war die Frage ob er das fand was er brauchte.
„Elia, bringst du mir noch einen Tee?" bat er ihn, ohne sich vom Monitor
abzuwenden. Elia schnaufte leise, folgte aber seiner Bitte und ging wieder
zu Granny, die neugierig den jungen Mann ansah.
„Keine Ahnung..." seufzte er und bat die alte Dame um einen weiteren Tee.
Als er die Tasse zu Morgan brachte, hatte der bereits einige Schmierzettel
gefunden und sie mit seiner unleserlichen Klaue und nicht näher
definierbaren Abkürzungen vollgeschrieben. Konzentriert las er nach,
klickte hier und dort, und entlockte damit Elia nur ein frustriertes
Seufzen. Resigniert zog er sich zu Granny zurück und ließ Morgan machen,
bevor der nicht das gefunden hatte, was er suchte, würde er Elia und seiner
Umgebung eh keine Aufmerksamkeit schenken, geschweigeden eine Erklärung.
Halb eingenickt; sein Handgelenk war bereits eingeschlafen, auf das er
seine Wange gestützt hatte; nahm er das Weinen eines Kindes gar nicht
wirklich wahr. Es schlich sich langsam in Elias Bewusstsein, mischte sich
in seinen Wachtraum. Mit einem Schlag war er hellwach, saß kerzengerade im
Sessel und lauschte. Das Geräusch kam von draußen und eine fiese Gänsehaut
breitete sich über seinen Körper aus. Er rieb sich fröstelnd die Arme,
überlegte ob er zu Morgan gehen sollte; schließlich musste der es auch
hören. In seiner Überlegung sah er sich das erste Mal bewusst um, und
stellte fest, das Granny nirgends zu sehen war. Ihm wurde mulmig. Leise
rief er nach ihr, bekam jedoch keine Antwort. Kein Wunder, die alte Dame
war mit Sicherheit schwerhörig. Das Weinen blieb stetig und Elia entschied
sich endlich, sich zu Morgan zu retten. Mit schnellen Schritten war er bei
der kleinen Computerecke, doch diese war leer.
Elias Kehle verließ ein heiseres Fiepsen. Der Monitor flackerte und der
Lüfter schien doppelt so laut zu sein wie vorher. Wo waren die alle? War
das kleine Mädchen vielleicht doch ein Menschenfressender Dämon? Elia
standen förmlich die Haare zu Berge.
„Morgan?" hauchte er fragend, traute sich nicht lauter; wollte nicht
unbedingt Aufmerksamkeit erregen, von was auch immer. Die Angst schnürte
ihm regelrecht die Kehle zu. So sehr hatte er sich in seinem leben noch nie
gefürchtet. Allein in der Schottische Pampa, mit einem Geist im Nacken und
einem fremden Haus. Schutzsuchend schlang er die Arme um sich selbst. Sein
Herz raste und er zitterte unkontrolliert. Das wurde nicht besser, als er
sich den Monitor bewusst ansah. Er trat näher und seine Augen flogen rasch
über die Zeilen. Er erstarrte förmlich zu Eis als er das unscharfe Bild
sah, auf dem das kleine Mädchen abgebildet war und darunter die Jahreszahl
‚1930'
Elia spürte die aufkommende Ohnmacht und hielt sich an dem Stuhl fest. Sein
Kopf kreiselte hektisch herum. Hörte er da Stimmen? Morgan und Granny? Mit
fast mechanisch wirkenden Schritten, die jeglichen Vorsicht enthielten, als
laufe er über ein Minenfeld, folgte er jenen und streckte vorsichtig den
Kopf um die Ecke um in die Küche sehen zu können. Die Tür zum Hinterhof
stand wieder offen und er hört Morgans Stimme lauter und deutlicher. Sein
Freund schien sehr lebendig zu sein, was ihn sehr beruhigte.
Morgan nackte Füße versanken fast in dem Schlamm, der sich durch den
heftigen Regenguss gebildet hatte und von den Hügeln gespült worden war.
Der Sturm hatte so plötzlich aufgehört, wie er gekommen war. Keine Wolke
war mehr am Himmel zu sehen, an dem jetzt Millionen von Sternen leuchteten.
Der Mond war voll und schenkte ihm genug Licht seine Umgebung genau zu
erkennen. Ein krächzen drang vom Dachfirst zu ihm herunter, als er den Kopf
hob, sah er den schwarzen Körper eines Raben über sich, der mit flatternden
Flügeln auf der Fensterbank im ersten Stock saß, abhob und zur Scheune
flog. Morgan überlegte nicht lang und folgte dem Vogel. Hinter sich hörte
er Elias klägliche Stimme. Unwirsch winkte er den anderem ihm zu folgen,
drehte sich dazu aber nicht um und überquerte den Innenhof mit großen
Schritten. Elia rümpfte die Nase. Er starb fast vor Angst und Morgan hatte
nichts anderes zu tun, als hier draußen im Dreck herumzulaufen; da wo jeden
Moment das Geistermädchen wieder auftauchen konnte. Nach kurzer Überlegung
folgte er ihm jedoch. Lieber mit Morgan dieser Erscheinung begegnen als
allein. Selbst wenn der andere ihn wieder schimpfen würde, doch Elia hielt
sich dicht hinter seinem Freund, versucht dessen Arm zu schnappen.
„Was suchst du hier?" wagte er zu fragen, nur flüsternd. Das Weinen war
wieder verklungen, aber das machte die Umgebung für Elia nicht weniger
gespenstisch.
Morgan antwortete ihm gar nicht. Stattdessen umging er die marode
aussehende Scheune und blieb dahinter stehen, sondierte seine Umgebung.
„Was suchst du!?" fragte Elia energischer nach.
„Einen Friedhof." antwortete Morgan stoisch, ohne ihm einen Blick zu
schenken, wohl wissend, das Elia gerade sämtliche Farbe aus dem Gesicht
wich und gleichzeitig Panik aufkeimte.
„Ich will hier weg!" flüsterte dieser erstarrt. Das war zuviel für ihn.
Geister und jetzt noch Friedhöfe. Wollte Morgan ihn umbringen?
„Dann geh ins Haus zurück." Brummte Morgan unwillig und setzte seinen Weg
fort. Er hatte den verdorrte Stamm eines Baumes ausmachen können, der
einstmals sicher eine beeindruckende Krone aufgewiesen hatte, doch nun mehr
nur ein Gerippe seines einstigen Ansehen war.
Elia winselte leise. Manchmal würde er Morgan liebend gern erschlagen, aber
lieber folgte er ihm. Eher hätte er einen Sack voller Nägel geschluckt, als
allein dieses Haus zu betreten.
„Wo ist Granny eigentlich?" wisperte er, die Stirn nachdenklich in Falten
ziehend, als er Morgan beobachtete, wie dieser auf dem Boden nach etwas zu
suchen schien und dessen Hände mittlerweile genau solche Dreckklumpen
waren, wie seine Füße. „Himmel, Herr Gott...was suchst du, zum Geier?"
fragte Elia mittlerweile genervt.
„Ich sagte doch,..." begann Morgan, brach aber ab, als er verwitterten
Stein freilegte. Er erhob sich und nickte sich selbst zu, wandte sich an
Elia. „Such nach einem Spaten." Beauftragte er ihn und machte sich auf den
Weg zurück ins Haus.
Elia klappte die Kinnlade herunter. Einen Spaten? Was hatte Morgan vor?
Wollte er den Garten umgraben? Er wollte vor Verzweiflung am liebsten laut
aufjaulen. Einen Spaten! Gut, aber wo sollte er... Oh nein! Er sollte in
der Scheune nach einem Spaten suchen, wo er nicht mal allein das Haus
betrat? Eine Scheune, in dem ihm Gott weiß was begegnen konnte?
Mittlerweile rechnete er hier mit allem. Wahrscheinlich sprang ihn dort
drin ein Werwolf an. Er rannte Morgan hinterher.
„Spinnst du? Ich gehe keinen Schritt mehr ohne dich." jammerte Elia,
während Morgan sich die Füße und Hände, in dem flachen Regenfass abwusch.
Schließlich sah dieser ihn seufzend an.
„Von mir aus, aber hör auf mich anzuwinseln."
Morgan betrat das Haus wieder und tat das nächste was Elia fast an den
Rande des Wahnsinns trieb. Er betrat den Keller!
Er konnte nicht anders. Er jammerte leise vor sich hin und schlug ein Kreuz
nach dem andern vor seiner Brust. Er war nie gläubig gewesen, aber Elia
spielte mit dem Gedanken; sollte er den nächsten Morgen erleben; von da an,
jeden Sonntag zur Kirche zu gehen.
Mit schlotternden Knien folgte er Morgan, die knarzende Treppe hinunter,
damit rechnend, das die morschen Holzplanken unter ihrem Gewicht nachgaben
und sie lebendig begrub. Das schwache Licht der Lampe flackerte ab und an.
Stromschwankungen. Hier oben in der Pampa wohl nichts ungewöhnliches, und
mit Sicherheit waren die Leitungen alles andere als Neu. Elia blieb
stocksteif stehen und krallte sich in Morgans Shirt, der ebenfalls stehen
geblieben war.
Das kleine Mädchen sah von unten herauf zu ihnen hoch. Elia konnte nun mehr
erkennen, dass das Leibchen, das sie trug nur noch ein Fetzen war und ihre
dunklen Haare ganz strähnig. Ihr blasses Gesicht war von Schmutz bedeckt
und ihre Wangen tränenverschmiert waren.
Morgan wollte weiterlaufen, doch Elia hielt ihn fest und starrte mit großen
Augen auf das kleine mitleidserregende Geschöpf.
„Schon gut, Elia. Sie will uns nichts tun." meinte Morgan und sah zu seinem
Begleiter auf. Nur langsam löste sich die verkrampfte Hand von Elia aus dem
Shirt von Morgan, gab ihn frei und sah mit wachsender Panik, wie der sich
dem Geist immer mehr näherte. Der hochgewachsene Mann kniete sich vor das
kleine Mädchen und lächelte. Elia dachte, er müsste Ohnmächtig werden.
Nicht zum ersten Mal an diesem Tag.
„Ich will dir helfen, Kleines...aber dafür musst du mir auch helfen."
meinte Morgan sanft. Elia sah vor seinem Inneren Auge bereits, wie sich das
Kind in einen fleischfressendes Monstrum verwandelte und Morgan mit einem
Haps verschlang. Doch nichts dergleichen geschah. Stattdessen streckte sie
nur den Arm aus und deutete auf die Ecke hinter Morgan und verschwand
daraufhin gleich wieder.
Morgan erhob sich und räumte die dort stehenden Sachen zur Seite. Er hielt
kurz inne und sah zu Elia auf.
„Komm endlich her und hilf mir!" brummte er und schob die Kisten und
Kartons zur Seite.
Elia blinzelte verwirrt und ohne weiter darüber nachzudenken, folgte er der
unwirschen Aufforderung und half Morgan. Was auch immer das zu bedeuten
hatte.
Zu zweit hatten sie die Stelle, auf der das Mädchen gezeigt hatte, alsbald
leer geräumt und nackte Steinwand sowie veralteter Dielenboden sah ihnen
entgegen.
„Ein Wunder dass das Ding noch steht." Murmelte Elia. So wie das Holz
aussah, ernährten sich schon Hunderte von Generationen von Holzwürmern
davon.
Morgan ging gar nicht weiter darauf ein, sondern sah sich nach etwas
Werkzeug um, das er auch schnell fand. Ein einfacher Schraubenzieher
reichte aus um dem morschen Boden zu Leibe zu rücken und das bröckelige
Gestein zu lösen. Elia sah ihm leise seufzend dabei zu. Wenn er das
jemanden erzählte, erklärte der ihn doch reif fürs Irrenhaus. Er selbst
würde Morgan für verrückt erklären, wenn er nicht mit eigenen Augen gesehen
hätte, was er gesehen hatte. Aber vielleicht war das auch alles nur ein
Fiebertraum, hervorgerufen durch die kalten Nächte und den vielen Regen.
Und er war gar nicht hier, sondern lag in einem warmen Bett irgendwo
anders, nur nicht hier!
Morgans Hände waren mittlerweile zerkratzt vom Holz und einige Schiefer
hatte er sich auch zugezogen, doch er wusste wonach er suchte und dachte
auch nicht daran aufzuhören, bevor er es gefunden hatte.
Elia hockte sich neben ihn und starrte auf das entstehende Loch. Er
versuchte heraufzufinden, was Morgan zu finden gedachte. Er runzelte
schließlich nur die Stirn.
Morgan ließ sich auf den Hintern plumpsen und bat Elia ihm ein Stück Stoff
zu bringen. Er wischte sich über die verschwitzte Stirn und verschmierte
damit den Dreck noch in seinem Gesicht.
Elia reichte ihm einem Putzlappen, den er auf der Werkbank, auf der anderen
Seite des Kellers gefunden hatte. „Was ist das?" fragte er mit einem
mulmigem Gefühl in der Bauchgegend.

Die Sonne war bereits am Horizont zu erahnen. Die Dunkelheit wich einer
lichten Gräue und das erste Gezwitscher der Vögel wich den Rufen der
Käuzchen.
Morgan stützte sich keuchend auf den Spaten vor sich und betrachtete das
frisch ausgehobene Grab. Elia kniete neben ihm, die Beine mit den Armen
umschlungen und wippte leicht vor und zurück.
„Jetzt hat sie wohl endlich ihre Ruhe gefunden." Meinte Morgan, mit einem
Blick auf den anderen neben ihm.
„Hm..." machte Elia nur.
„Früher war es üblich, das der Familienfriedhof hier draußen, in der Nähe
des Hauses angelegt war. Die städtischen waren zu weit entfernt."
„Also stimmt es doch, das Geister ortsgebunden sind." Elia sah auf und
Morgan nickte.
Er hatte die restlichen Knochen, die von dem Skelett des kleinen Mädchens
übrig geblieben waren; und es waren wirklich nicht viele gewesen; bei den
verwitterten Grabsteinen ihrer Familie beigesetzt.
Zweihundertsechsundfünfzig Jahre hatte Gealhean McLeary darauf warten
müssen, das sich ihrer jemand erbarmte; jetzt konnte sie endlich zur Ruhe
kommen. Sie war bei einem Feuer um Leben gekommen, als sie sich vor
brandschatzenden Engländern im Keller versteckt hatte, die ihre Familie
getötet hatten. Sie war nie gefunden worden und auf den Grundsteinen, des
abgebrannten Hauses, war ein neues errichtet worden.
Morgan legte den Spaten über die Schulter und wandte sich um. Elia folgte
ihm und wartete kurz, als der andere die Schaufel in der Scheune ablud.
Er hatte Augenringe, war vollkommen erschöpft und blass.
„Und jetzt?" fragte er Morgan.
„Jetzt werden wir uns erst einmal waschen und die letzten Meilen zum Dorf
zurücklegen. Dort suchen wir uns eine Pension und werden etwas essen und
danach sehr sehr lange schlafen." Erklärte Morgan als er das Haus betrat,
geräuschvoll seine Knochen knacken ließ. Auch an ihm, war diese Nacht nicht
spurlos vorbeigegangen.
„Hmpf,...meinst du nicht, das Granny uns was zum frühstück macht?" fragte
er hoffnungsvoll. Die Aussicht auf einen längeren Fußmarsch war nicht
wirklich erquicklich.
Morgan grinste ihn über die Schulter an.
„Ach ja, Granny. Sie starb als meine Großmutter noch ein kleines Mädchen
war. Sie war ihre Patentante." Morgan lachte über Elias entgleißende
Gesichtszüge. „Deshalb lass uns gehen, bevor die Besitzer uns verklagen,
weil wir ihr Haus zerstört haben."
Im verdorrten Wipfel des alten Baumes, der über dem Familiengrab der
McLearys thronte, stieg ein schwarzer Rabe mit einem Krächzen auf und flog
dem Horizont entgegen.
Aktualisiert: 28/04/09
Veröffentlicht: 28/04/09
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waidgnom am 26/05/09 14:18
Der arme kleine Elia. Erst muss er fast mit einen gefährlichen Monster (Kuh) kämpfen und etwas später möchte sein Freund einen Geist helfen.Wieviel kann ein kleines Städterherz nur aushalten?!>grins< Die Geschichte ist schön spannend geschrieben.Am Anfang hatte ich etwas Schwierigkeiten zu verstehen, wer was spricht.Im Laufe der Geschichte hat sich das aber gegeben.Auch die Namen der Jungs sind etwas ungünstig gewählt.Als ich die Inhaltsangabe las ,dachte ich das es eine Yuri-Geschichte ist. Mein Fehler!>lach< Besonders toll fand ich noch das Ende , das die alte Frau auch.......,aber das verrate ich nicht.>zwinkern

Antwort des Autors Lumen (26/05/09 14:55):
*lach* Mädchen? - Das hätte ich nun nicht gedacht. Aber gut.
Ansonsten danke, für dein Feedback.
Und ich gebe zu, die Geschichte ist etwas älter und ich hatte bisher keine Lust sie zu überarbeiten. ^_~
per noctem ad lucem - Durch die Nacht zum Licht
Knops am 10/06/09 20:14
Alle Deine Geschichten kann man regelrecht verschlingen wie Erdbeeren mit Sahne. Hier also - nicht nur zu dieser Story - einige Anmerkungen:

Gut, ok, "Durch die Nacht zum Licht" hat im hinteren Teil etwas Längen (wann erlöst er denn nun endlich das Kind, mach mal hinne, stapf da nicht so lange rum!), weil man das Ende ja schon ahnt. Elia hast Du als den größten Schlotterangsthasen unter dieser Sonne hingestellt, was mich schon wundert, denn in "Frühlingsgefühle" scheint er die Existenz von kleinen fliegenden Göttern völlig cool in Ordnung zu finden. Aber die beiden sind schon ein echtes Traumpaar...! Und Spannung ist garantiert! Insgesamt ist mir die Story 5 Punkte wert.
Überrascht bin ich dann doch immer wieder, weil das Ende eben nicht ganz genauso abläuft wie erwartet.

Immer mal kommst Du mit kleinen unerwarteten Ideen und Einstreuungen in Deinen Stories (Code unter der Tastatur, Pfeil prallt ab, Adventskalenderschokolade usw.) und dass Deine Geschichten oft so unvermittelt aufhören, finde ich gerade gut, denn der Kern der Story ist immer gesagt. Jeder kann sich dann ein Ende weiter ausspinnen, braucht er aber gar nicht! In "Zwielicht" ist ganz klar, was mit Aroth passieren wird, also wieso fragen? Versprochen ist ja versprochen. Wann genau das geschieht und wie, steht nicht zur Debatte, ist auch völlig egal für den Plot.

Auch sind Deine Beziehungskisten oft ungewöhnlich einfach, manchmal erscheinen sie fast belanglos hingeworfen, aber nie unplatziert. Welche Neigungen Deine Helden haben, steht nicht betont im Vordergrund, sondern gehört zu ihrem Leben einfach dazu. Immer ist es das "kleine Glück" und die alltägliche Situation mit völlig alltäglichen Menschen, Momentaufnahmen, die Du gut einfängst. Mit kleinsten Details (2-Kalorien-Dragees...) gewinnst Du einer eigentlich banalen Szene immer was Spezielles ab. Auch finde ich (fast immer...) Dein sprachliches Rhythmusgefühl sehr einfühlsam, die Handlungen wechseln durchdacht ab mit Rede oder Schilderungen, die Sätze sind locker variiert und im allgemeinen weißt Du schon ziemlich genau, wann der Bogen ein Ende finden muss. Und eine knallharte Kehrtwende, um den Leser mal so richtig aufzuscheuchen, darf dann z.B. auch nicht fehlen.

Und gerade bei Deinen Personen bleiben viele Vorstellungsfreiheiten, was eine Identifikation erleichtert, sie werden weniger durch ihr ganz genaues Aussehen als durch ihre innere Persönlichkeit charakterisiert.

Will mehr lesen!

Knops


Antwort des Autors Lumen (10/06/09 21:24):
Mein erster Gedanke eben war: Hilfe! *lach*
Erst einmal Danke für deine Ausführlichkeit. Ein gesammeltes Feedback meiner bisherig verbrochenen Werke. Einige davon sind schon ein paar Jahre alt.

Zu Elia:
per noctem ad lucem ist bereits über zwei Jahre alt und ist sozusagen die erste Begegnung für Elia mit Übernatürlichem. Da du es erwähnst, habe ich versäumt eine Bemerkung einstreuen zu lassen, weshalb ihn die Existenz von Cupidia mehr oder minder kalt läßt. Eben im Bezug auf die Geister.
Es war auch noch nicht die letzte Geschichte der beiden.

Danke noch einmal. Ein solches Feedback zu kriegen ist wichtig und zeigt mir auf, was ich beibehalten und was ich ändern sollte.
Ich hoffe ich werde den Erwartungen gerecht.
LG
per noctem ad lucem - Durch die Nacht zum Licht
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Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

alyssia
14/12/20 07:20
Wir gehen in die zweite Runde meiner Weihnachtsgeschichte 'Kein Weihnachtszauber' einer Geschichte ohne Glitzer und Magie, denn was bleibt, wenn der Weihnachtszauber fehlt? Der Boden der Tatsachen

Witch23
19/11/20 14:34
damit wären er drei die etwas beigetragen haben bisher ^^

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