Lesen nach
Veröffentlicht: 06/05/09 Aktualisiert: 21/03/12
[PDF speichern]
[Drucker]
Optionen: [Melden]
[PDF speichern]
[Drucker]
- Schriftgröße +
Optionen: [Melden]

1. Eiserne Bande

Es war einmal ein König, der hatte nur eine einzige Tochter, die er mehr liebte als alles andere in der Welt. Daher gab er ihr alles, was sie sich auch wünschte.
So wuchs sie auf, verwöhnt und umhegt, kannte weder Mangel noch unerfüllbare Sehnsucht.
Ihr liebstes Spielzeug war eine goldene Kugel, welche der König ihr geschenkt hatte. So spielte sie mit dem in der Sonne, warf ihn in die Luft und freute sich an dem Glitzern.
Während ihres Spiels geriet sie auch in den schattigen Teil des Gartens, in dem ein See angelegt worden war, damit sie sich an den Seerosen erfreuen konnte. Und ausgerechnet in diesen See fiel der goldene Ball.
Die Prinzessin kniete sich neben den Teich, konnte aber die Kugel im Wasser nicht sehen. Nur mit Widerwillen fasste sie in das kühle Wasser, aber ertasten konnte sie ihr Spielzeug auch nicht. Da begann sie bitterlich zu weinen.
"Warum weint Ihr denn, Königstochter?", vernahm sie eine Stimme, die sie nicht kannte. Als ihre Tränen getrocknet hatte und sich umsah, konnte sie keinen Menschen sehen.
"Hier unten im Wasser bin ich, Prinzessin", sagte die unbekannte Stimme. Sie blickte in den Teich und erblickte im flachen Wasser einen grünen Frosch. Mit einem Schrei sprang sie zurück.
"Habt keine Angst, ich kann Euch helfen", erklärte er. "Ich kann Euch Euer Spielzeug zurückbringen."
Die Prinzessin näherte sich wieder dem Teich. "Das könntest du?"
"Aber ich verlange eine Gegenleistung für meine Dienste." Der Frosch harrte ihrer Antwort.
"Was verlangst du?"
"Nur einen kleinen Kuss, Euer Hoheit, mehr nicht."
Der Gedanke daran, einen kalten, nassen Frosch zu küssen, ekelte sie so sehr, dass sie ausrief: "Einen Kuss? Niemals!"
"Dann werdet ihr Euren Ball nicht zurück bekommen, Prinzessin." Der Frosch drehte sich um und verschwand im Wasser.
Da wurde die Königstochter wütend. "Was maßt du dir an, Frosch? Ich bin die Tochter des Königs, du musst tun was ich dir sage. Bring mir meine Kugel zurück!"
Doch das Wasser rührte sich nicht und der Frosch blieb verschwunden. Niedergeschlagen und wütend, kehrte die Prinzessin ins Schloss zurück. Sie verriet keinem, dass sie ihr liebstes Spielzeug verloren hatte.
In der Nacht aber, musste sie immer wieder an ihren schönen goldenen Ball denken, und wie traurig ihr Vater sein würde, wenn sie ihm von ihrem Unglück erzählte.
So nahm sie ihren Mut zusammen und ging am nächsten Tag wieder zu dem Seerosenteich und rief den Frosch: "Lieber Frosch, ich bitte dich, bring mir meine Kugel zurück. Ich will auch deine Bitte erfüllen."
"Wirklich?", fragte der Frosch, der unter einem Seerosenblatt gelauscht hatte. "Schwört Ihr es, beim Leben Eures Vaters?"
Die Prinzessin zögerte, denn sie hatte nicht vorgehabt, die Bedingung zu erfüllen, sondern schnell in den Schutz des Schlosses zu flüchten, sobald sie den Ball wieder in den Händen hielt. "Ich schwöre, beim Leben meines Vaters."
"Einverstanden." Der Frosch verschwand im Wasser und tauchte kurz darauf am Ufer wieder auf, dabei schob er den goldenen Ball aus dem Wasser.
Überglücklich nahm die Prinzessin ihre geliebte Kugel an sich und lief zurück in das Schloss. Sie vergaß den Frosch einfach.
Aber als sie abends am Tisch mit ihrem Vater und dem restlichen Hofstaat zum Abendmahl danieder saß, erklang plötzlich die Stimme des Frosches. "Ihr habt aber eine schöne Art, Eure Versprechen zu halten, Königstochter. Dabei gabt Ihr Euren Schwur doch beim Leben Eures Vaters."
die Gespräche am Tisch verstummten und alle sahen die Prinzessin an. Auch ihr Vater. "Mein Kind, wer ist es, der diese Vorwürfe gegen dich vorbringt?"
"Niemand, Vater." Die Prinzessin bemühte sich, den Frosch mit ihrem Schuh weit weg zu schieben.
"Euer Majestät, ich bin hier unter dem Tisch!", rief der Frosch dem König zu, der daraufhin wenig königlich unter den Tisch schaute.
"Eure Tochter versprach mir einen Kuss für meine Dienste, aber bislang blieb meine Belohnung aus", erklärte der Frosch.
Der König schwieg zuerst erstaunt, dann wandte er über dem Tisch sich an seine Tochter: "Spricht dieser Frosch die Wahrheit?"
Der raue Ton des Vaters war neu für die Königstochter, woraufhin sie es nicht wagte, zu lügen. "Ja, Vater. Ich gab ihm mein Wort."
"Du gabst ihm dein Wort bei meinem Leben, also wirst du es auch halten", befahl ihr Vater donnernd. "Nur weil er ein Tier ist, bedeutet dies nicht, dass es dich von deiner Schuld entbindet."
Am Tisch entstand ein erstauntes Gemurmel.
"So hebt mich dann zu Euch, Prinzessin", sagte der Frosch fröhlich.
Voller Abscheu nahm die Königstochter ihn auf die Hand. Sie spürte die Blicke des Hofstaates auf sich, doch konnte sich nicht überwinden, das Tier zu küssen.
"Ich nehme Euch mit in meine Gemächer, dort sind wir ungestört", sagte sie dem Frosch, der damit einverstanden war. Kaum war sie in ihrem Schlafgemach, setzte sie ihn schnell auf ihren Nachttisch und wusch ihre Hand. Danach setzte sie sich in einen bequemen Sessel und schlug ein Buch auf, um zu lesen.
"Wollt Ihr Euch wieder Eurer Pflicht entziehen, Königstochter?", fragte der Frosch. "Was wird Eurer Vater dazu sagen, dass Ihr Euer Wort nicht haltet, nicht einmal einem einfachen Frosch gegenüber?"
Mit großem Ekel näherte sie sich dem Frosch. Sie setzte sich auf ihre Bettkante und beugte sich zu dem Frosch, küsste die Luft über ihm, doch er sprang einfach gegen ihre Lippen.
Als sie sich entsetzt zurückzog, gab es einen lauten Knall, einen hellen Blitz, und wo eben noch der Frosch gewesen war, stand nun ein schöner, junger Mann in prunkvoller Kleidung.
Verwundert und erfreut blickte die Prinzessin ihn an, denn er gefiel ihr ausnehmend gut.
Der junge Mann verbeugte sich kurz vor ihr und erklärte: "Ich bin Prinz Wilhelm. Ich war verflucht, in der Gestalt eines Frosches leben zu müssen, bis eine Maid mich küsst. Ich danke Euch für meine Befreiung. Nun, da ich befreit bin, werde ich Euch nicht länger zur Last fallen."
Der laute Knall hatte den Hofstaat in Bewegung gebracht, der schon begierig auf Neuigkeiten aus dem Gemächern der Prinzessin gewesen war. So öffneten sie die Türen, allen voran der König.
Auch vor ihm verbeugte sich der junge Königssohn.
Die Prinzessin aber war aufgesprungen und zu ihrem Vater gelaufen. "Vater, das hier ist Prinz Wilhelm, den ich heiraten werde."
Da der Prinz dem König auch gefiel, und er seiner Tochter jeden Wunsch zu erfüllen suchte, stimmte er zu. "So soll es denn sein."
Alle Widerworte, die der Prinz anbringen wollte, gingen im Jubel des Hofstaates unter. Das frischverlobte Paar wurde in den Speisesaal gedrängt, wo Wein serviert wurde.
Doch inmitten der Feierlichkeiten brachten die Wachen einen Fremden, den der Prinz sofort erkannte. "Heinrich!", rief er freudig aus.
Heinrich fiel vor ihm auf die Knie und beugte sein Haupt, ergriff die Hand des Prinzen und drückte diese an seine Lippen, bevor er sprach: "Endlich seid Ihr erlöst, mein Prinz."
"Heinrich, ich habe dich so lange warten lassen. Verzeih mir", bat der Prinz.
Der Prinzessin sagte er: "Auch wenn ich Euch meine menschliche Gestalt verdanke, heiraten kann ich Euch nicht, da mein Herz meinem Diener Heinrich gehört."
Gemeinsam traten Herr und Diener vor den König und verbeugten sich, bevor sie den stillen Saal verließen, ohne einen Blick zurück zu werfen.
Noch bevor sie das Schloss verließen, hörte der Prinz ein metallisches Geräusch, gerade so, als ob ein Rad brach. "Was war das, Heinrich?", fragte er.
"Das war nur das Eisenband, welches ich während Eures Fluches um mein Herz geschmiedet hatte, damit es nicht zerbrach. Da ich nun so glücklich bin, hat es sich gelöst."
Der Prinz ergriff Heinrichs Hand. "Ich bin froh, dich wieder zu haben, denn mehr brauche ich nicht", sagte er. Vor dem Schloss wartete eine Kutsche, die sie aus dem Königreich und nach Hause brachte. Auch wenn der Prinz niemals König wurde, so lebte er doch glücklich zusammen mit seinem Heinrich bis an ihr Ende.
Aktualisiert: 06/05/09
Veröffentlicht: 06/05/09
[PDF speichern]
[Drucker]

Optionen: [Melden]
Pandorah am 06/05/09 22:20
*lacht sich schief über das Ende* Hahaha, jawohl, so gehört das! Die zickige Prinzessin hat den Prinzen nicht verdient. Zumindest nicht den, der mit Heinrich glücklich ist. *^_^*

Überraschend, dass der Prinz in dieser Version kein König wird, aber gut und passend. Und es wäre ja auch nicht nikaesque, wenn nicht zumindest eine kleine Überraschung dabei wäre. ^_~

Antwort des Autors Nika (06/05/09 22:27):
He he he, das stimmt.
Irgendwie konnte ich mir in dem Fall mal nicht vorstellen, dass der Prinz noch ein König wird. Aber er hat ja seinen Heinrich, der sorgt schon für ihn. Es kam irgendwie ein wenig anders, als ich es mir selbst vorgestellt habe, aber so ist das Schreiben~
Eiserne Bande
am 01/01/70 01:00
Eiserne Bande
Morraine am 09/05/09 23:08
Eine sehr schöne Kurzgeschichte, die mich arg an den Froschkönig in der neuesten Fassung erinnert ;-) Die Bibi-Blocksbergschauspielerin war vielleicht nicht perfekt, aber Heinrich hatte durchaus etwas *kicher*

Antwort des Autors Nika (10/05/09 09:46):
Oh, die neue Version habe ich gar nicht gesehen!
Aber ich fand immer schon, dass es ein wenig slashy war - ich meine, warum sonst hätte Heinrich eiserne Bande um sein Herz getragen? ^_-
Freut mich aber sehr, dass es dir gefallen und Spaß gemacht hat.
Eiserne Bande
Roxelane am 10/05/09 21:00
ich lese märchen eigentlich sehr gerne, aber von dieser story bin ich gerade etwas enttäuscht. ich hab schon einige versionen zum "Froschkönig" gelesen aber...

zuerst dachte, was ist denn das? ... da wird ja wirklich nur der froschkönig versucht in kurzfassung nach zu erzählen.. trotzdem las ich weiter...

aber dann ...okay... ein unerwartetes Ende mit dem heinrich... trotzdem bin ich nicht sehr begeistert. sorry, aber irgenwie fehlt mir hier was, und damit meine ich nicht ne lemon oder so was... aber wenn ich deinen autorenname lese, bin ich ehrlich gesagt besseres gewohnt. nicht bös sein ^_~

sorry, schreib momentan nur einhändig

Antwort des Autors Nika (10/05/09 21:07):
Keine Sorge, böse bin ich selten.
Ich habe keine Ahnung, was du mir Kurzversion meinst, denn das Märchen im Original ist sogar noch kürzer, aber sicherlich, es ist kein Meisterwerk.

Schade, dass es dich enttäuscht hat.
Eiserne Bande
Alex am 16/05/09 18:28
Also hier hast mich ja wirklich geschockt. Am anfang dacht ich so, wow eine total zickige Prinzessin, noch schlimmer als im Original. Dann hieß es Prinz und Prinzessin, da schwirrten dann plötzlich ganz viele Fragezeichen um meinen Kopf. Und als dann der erfreute ausruf "Heinrich" kam, da bin ich ja fast vom Stul gekippt so musste ich lachen. *grins*
Ja ein wirklich unerwartetes Ende, wobei eigentlich hätte man es erwarten müssen. Ich find es toll, so wie eigentlich alles was du schreibst. ^^
LG die Alex

Antwort des Autors Nika (16/05/09 18:52):
Oh, freut mich, dass es Dir gefallen hat.
Es war eine spontane Eingebung und ein Geburtstagsgeschenk an mich selbst. ^_^
Ich fühle mich von Deinem Lob extremst gebauchpinselt - vielen vielen Dank.
Eiserne Bande
Mahadevi am 10/06/09 21:23
Eine süße Geschichte, ich finde gut, dass die Prinzessin diesmal Pinzessin bleiben durfte ^^
Eiserne Bande
Regenengel am 24/06/09 21:08
Als Kind fand ich das Ende des Froschkönigs immer seltsam, denn ich habe nie verstanden, was diese eisernen Bande sein sollten. Deine Interpretation hätte das sicherlich um einiges verständlicher gemacht XD. Schöne Idee, und bloß gut, dass die Prinzessin so eine eingebildete Zicke ist, da muss sie einem auch nicht leid tun, dass sie instrumentalisiert wurde.
Ein bisschen schade finde ich es schon, dass der geoutete homosexuelle Prinz nicht einmal im Märchen König werden darf, aber das gibt der Geschichte noch einen kleinen Piekser für den Leser: In einer Welt, in der ein verwunschener schwuler Prinz noch eine Prinzessin braucht, um den bösen Zauber zu brechen, ist es nur logisch, dass er anschließend auch nicht König werden kann. – Ich muss gestehen, das ist mir erst ein paar Tage nach der ersten Lektüre aufgefallen. ^^;

Lieben Gruß!
Regenengel

Antwort des Autors Nika (24/06/09 21:15):
Deine Reviews sind immer so tiefsinnig. Du hast vollkommen recht. Wie ich auch überlegt habe, ich konnte mir nicht vorstellen, dass er König werden konnte, bzw noch werden wollte. Ich wollte ihm ein glückliches Leben mit seinem Heinrich gönnen, der ja im Märchen nur ein Diener ist.
Als schwuler Prinz hatte er so zumindest ein glückliches, wenn auch kein königliches Leben.
Eiserne Bande
Witch23 am 29/06/09 22:36
ok ein wenig irritierend am Anfang weil man annehmen konnte das es Yuri seien könnte, aber das klärt sich ja doch zum ende hin

ich finde die Geschichte aber insgesamt ein wenig kurz
da hätte gut noch ein wenig mehr zu dem Prinzen nebst Diener gepasst
Eiserne Bande
split am 20/06/12 20:11
Geil, im Original muss der Prinz echt Maso sien, dass er die Prinzessin noch heiratet, nachdem sie ihn gegen die Wand geworfen hat.
Das hier viel cooler. Wirklich ne super Idee.
Eiserne Bande
Aussehen wechseln!
Login

Registrieren | Passwort vergessen
BxB-Statistiken
Mitglieder: 4703
Geschichten: 891
• M/M: 815
• F/F: 68
Kapitel: 5054
Autoren: 248
Reviews: 9089
Reviewer: 565
Neuestes Mitglied: Katzenfreundin
Challenges: 61
Challengers: 16
 
Aktuell
Du bist nicht eingelogt
Laberkasten
Witch23
20/08/22 10:06
Hallo zusammen

gerdhh171
23/07/22 21:10
hallo jungs

Witch23
29/06/22 06:27
Hallo auch

split
23/06/22 14:41
Hallo, welcome back

minori
22/06/22 18:02
Wenn man nach 13 Jahren mal wieder vorbei schaut :) Heyho

Witch23
10/06/22 09:30
Tja, solange bxb existiert sollte das auch ^^

carrabas
09/06/22 21:23
Dieser alte Login funktioniert noch :O

Witch23
18/04/22 12:17
Danke dir, sonst wünsche einfach schöne Feiertage, die sollten fast alle ab Freitag haben ^^

split
15/04/22 09:43
Keine Ahnung, ob man das schon am Karfreitag tut, aber ich wünsche Euch allen schon einmal Frohe Ostern und ein paar entspannte Tage.

Witch23
25/01/22 13:28
Freuen uns über jeden der hier ist

Wer ist online?
Gäste: 184
Mitglieder:
Neueste Geschichte
Die Osterhochzeit von Snoopy279 Ohne Altersbeschränkung
Nachdem sie ihre Hochzeit letztes Jahr verschieben mussten, heiraten Max und...
Neustes Kapitel
Neujahrsvorsätze von Snoopy279 Ab 12
Während Moritz sich am Neujahrsmorgen enthusiastisch auf die Umsetzung der Neujahrsvorsätze...
Zufallsgenerator
Die Geschichte vom kleinen grummeligen Zwerg von mina-mietz Ohne Altersbeschränkung
Einst zog ein kleiner grummeliger Zwerg durch die Lande, in der Annahme, er...