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Begegnungen

von kuri [Ab 12] [Reviews - 9] (Abgeschlossen)
Veröffentlicht: 24/10/09 Aktualisiert: 01/02/10
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1. Kapitel 1

Begegnungen


Diese Nacht war etwas besonderes.
Keine schöne Nacht, zugegeben.
Und doch irgendwie..

Milchiger Nebel trieb träge durch die ruhigen
Straßen, verbarg die kahlen Hauswände hinter einem
gnädigen Schleier. Stille hing an jeder Straßenecke,
verdichtete sich in den Schatten. Es war die Zeit
zwischen heute und morgen, zu der auch in großen
Städten einmal Ruhe einkehrte.
Nur vereinzelt suchten letzte Nachtschwärmer noch
ihren Weg nach Hause. Die meisten beeilten sich..
So auch Julian. Er wäre noch schneller gelaufen, wenn
seine Schritte in den tiefen Häuserschluchten nicht so
weit hallen würden. Immer wieder sah er über die
Schulter. Alles an dieser Nacht erinnerte ihn an die
alten Horrorfilme, die er als Kind heimlich durch den
Türspalt aus mit angesehen hatte. Nebel, Stille.. Ein
einsamer Fußgänger. Es fehlte nur noch das Heulen
eines Wolfes und die Kulisse für seinen
Nervenzusammenbruch wäre perfekt.
Unbewußt hielt er sich immer in der Mitte der Straße,
mit sicherem Abstand zu den parkenden Autos. Denn
zwischen ihnen, und natürlich auch in ihnen, waren die
Schatten noch tiefer als irgendwo sonst.

Der Nebel wurde noch ein bisschen dichter, als er sich
dem Fluß zwischen den beiden Stadthälften näherte.
Sogar das Rauschen des Wassers schien heute irgendwie
gedämpft, so als wollte auch der Fluß keine unnötige
Aufmerksamkeit auf sich ziehen..
Ob er wohl paranoid war?
Nun, vielleicht ein bisschen..
Doch vor allen Dingen hatte Julian eine lebhafte
Fantasie.
„Wie schön!" Sagten seine Eltern. „Wie praktisch!"
Seine Lehrer. Das einzigste was ihm selbst dazu
einfiel war jedoch ein „warum ich??", aus ganzem
Herzen.
Aber nun hatte er es fast geschafft.

Über die lange Stahlbrücke, noch ein kleines Stück am
jenseitigem Ufer entlang, dann war er endlich, endlich
zu Hause.

Es war nur eine Brücke..

Nichts besonderes, nur ein schmaler Weg, der in
einiger Höhe über ein eher seichtes Gewässer führte.
Mit einem Anfang und einem Ende.

Und dazwischen..

Bloß nicht daran denken. Also zog Julian seinen Kopf
ein Stück weit tiefer zwischen seine schmalen
Schultern und beschleunigte seinen Schritt.
Er wollte nicht gucken, sich nicht mehr irritieren
lassen von den Bildern, die einzig seine Gedanken für
ihn malten. Er war zu alt, um sich noch von
Horrormärchen beeindrucken zu lassen! Mit all seiner
Willenskraft konzentrierte er sich auf das was war,
und nicht mehr auf das, was zu sein schien.
Und es schien zu funktionieren. Teilweise zumindest.
Wenn er sich zwang genauer hinzusehen wurden aus
Schatten wieder Pfeiler, Markierungen, Pfosten. Es
stimmte ihn fast fröhlich zu beobachten, wie die
alltägliche Welt wieder begann sich mit der zu decken
die er sah.
Nur ein einziger Schatten, etwa auf der Hälfte seines
Weges auf die andere Seite, weigerte sich etwas
anderes zu werden als eine menschliche Siluette,
umrahmt von weißen Schlieren.

Auch das noch..
Wieder spürte er das grelle Aufflackern jener Panik,
den Druck in seiner Brust, sein klopfendes Herz.
Seine Schritte wurden langsamer, zögerlicher.
Warum stand jemand mitten in solch einer Nacht auf
einer Brücke?
Einen kälteren und ungemütlicheren Ort mochte es heute
in der ganzen Stadt nicht geben.
Also warum, wenn nicht.
.
Inzwischen war Julian bis auf ein paar Schritte an den
Fremden herangekommen.
Doch auch jetzt konnte er kaum mehr sehen als einen
wagen Umriß dieser Person.
Etwas in ihm drängte ihn schnell weiter zu laufen,
alles zu ignorieren und einfach nur zu rennen.
Was kümmerte es ihn was der andere dachte?
Ob er ihn für feige hielt..
Wenn er nur schnell genug lief.. Jetzt loslief.
JETZT..
Aber er tat es nicht
.
Es fiel ihm weiß Gott nicht leicht, doch Julian
widerstand seinem Fluchtinstinkt. Ganz bewußt blieb er
nur zwei Schritte von der Brüstung entfernt stehen.
Er wollte langsam bis fünfzehn zählen. Gut, bis zehn.
Damit hätte er dann seine Tapferkeit bewiesen und
konnte loslaufen, natürlich ohne zu rennen.
Er kam bis acht
.
„Was willst du hier?"
Die Stimme klang näher als sie sollte. Oder trübte die
schlechte Sicht auch sein Vermögen Entfernungen zu
schätzen.
Doch egal, der Tonfall war freundlich, die Stimme
dunkel und angenehm. Eindeutig männlich, doch schwer
zu sagen ob sie zu einem jungen oder zu einem alten
Mann gehörte.
Julian vergaß zu zählen, bemühte sich etwas vor ihm zu
erkennen.
Dann erinnerte er sich wieder an die Frage.
„Gar nichts.. Ich bin nur auf dem Heimweg."
„Ganz schön spät, nicht wahr?" Ein leises Zischen war
zu hören, dann sah Julian den rötlichen Glimmer eine
Zigarette aufblitzen.
„Ich.. Ja. Ja, ich schätze schon."
Das Schweigen das nun entstand zerrte an seinen
Nerven. Entweder reden, oder gehen. Eins von beiden.
Doch nun, da der Fremde ihn angesprochen hatte,
kostete es Julian mehr Überwindung sich wegzudrehen
als einfach nur still zu verharren.
„Wir.. Wir waren aus heut Abend. In einer Bar, das
„Selish", direkt in der Stadtmitte. Vielleicht kennen
sie es?"

Nichts, nur Schweigen
.
„Dort haben wir ein paar nette Leute kennen gelernt..
Ja, ziemlich viele nette Leute gibt es da.."
„Bist du nervös?"
Julian erschrak so sehr über den unerwarteten Klang
der Stimme, daß er nicht bewußt auf die Frage achtete.
Er antwortete schnell und ohne nachzudenken:
„Nervös? Ein unbedarfter Jungendlicher trifft in einer
Nacht wie heute einen unheimlichen Fremden auf einer
Brücke. Was glauben sie denn?"
Die Worte waren ausgesprochen. Der Nachhall klang laut
in seinen Gedanken, doch erst Sekunden später wurde
ihm klar, was er da eigentlich gesagt hatte. Verlegen
setzte er zu einer Entschuldigung an, wurde jedoch von
dem tiefen und warmen Lachen des Fremden unterbrochen.
„Unheimlich, ja? Nun vielleicht hast du recht.."
Auch Julian lächelte. Nicht weil er amüsiert war,
sondern aus Erleichterung.
Nach weiteren Augenblicken des Schweigens wagte er es
ebenfalls eine Frage zu stellen:
„Warum sind sie hier?"
„Warum?" Wieder zischte eine Zigarette in der feucht -
schweren Luft. „Weil es eine schöne Nacht ist. Du bist
anderer Meinung? Sieh dich doch um:
Alles ist still. Niemand ist hier, außer uns beiden.
Niemand beobachtet dich, achtet darauf wohin du gehst,
was du tust. Du kannst völlig frei sein und tun was du
willst. Weil niemand dich sehen kann. In Nächten wie
heute bist du unsichtbar.."

Unsichtbar. Irgendwo tief drinnen wußte Julian was er
meinte. Und bestimmt hatte er sich selbst auch schon
einige Male gewünscht frei und ohne Zwänge sein zu
können...
„Wenn Sie es so sagen.."
„Du verstehst mich? Das ist gut, das ist gut.."
Wieder herrschte Stille, wieder sprach keiner der
beiden ein Wort. Doch die Anspannung in Julian war
verschwunden, er mußte nichts sagen, brauchte keine
Rechtfertigung um hier zu stehen und dem leise
fließenden Wasser zu lauschen.
Vielleicht hätten sie bis zum Sonnenaufgang dort
gestanden, doch die Uhr der nahen Kirche schlug drei
und löste Julian aus seiner seltsam verträumten
Stimmung.
„Ich muß gehen. Danke für das Gespräch, hat mir echt
gut getan. Vielleicht trifft man sich mal wieder.."
Aus Höflichkeit winkte er noch in die ungefähre
Richtung seines Gesprächspartners, dann ging er
weiter.
Langsam diesmal, und entspannt.
Denn nicht alles was einem im dunklem begegnete war
bedrohlich.

„Ja, vielleicht sieht man sich.." Der Fremde sprach
leise, nur zu sich selbst. Seine Zigarette war schon
lange aus, trotzdem trat er noch einmal auf den
Filter, drehte den Fuß darauf hin und her.
Schließlich drehte er sich wieder um, um weiter auf
den durch den Nebel verschleierten Fluß zu blicken.
Wie beiläufig bewegte er seinen Arm entlang der
Brüstung, ließ die Klinge des langen Küchenmessers in
seiner blutverschmierten Hand immer wieder mit einem
leisen Klicken auf den kalten Stahl der Brücke
treffen.
„Wie schön das du mich verstehst.."


Ende
Aktualisiert: 24/10/09
Veröffentlicht: 24/10/09
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dilis am 25/10/09 21:04
Da läuft es einem kalt den Rücken runter!


Antwort des Autors kuri (26/10/09 21:34):
*smile* Danke. Vom Wetter inspiriert...
Kapitel 1
rihaij am 19/02/10 19:14
Kurz, knapp und schön.



Antwort der Autors kuri (03/04/10 15:47):
Danke. Freut mich, wenn es gefällt.
Kapitel 1
Witch23 am 25/03/10 18:25
Krasse Geschichte. Erst Spannung aufbauen, dann für Entspannung sorgen und einem am Ende einen reinwürgen. Mich würde hier interessieren ob die Geschichte weiter geht und wie.



Antwort der Autors kuri (26/03/10 00:23):
Hallo...

hm.. Nein, diese Geschichte hat keine Fortsetzung. Es ist nur ein one- shot. UNd auch da eher nur eine Art momentaufnahme. Ich wollte nur diese eine Szene beschreiben, und zwar genau so, wie Du es so treffend zusammengefasst hast.
*smile*
Mehr steckt hier leider nicht dahinter.
Danke für´s Lesen!

kuri
Kapitel 1
Humpelstil am 01/05/10 09:59
*schluck*
da läuft es ja einem eiskalt den Rücken runter...



Antwort der Autors kuri (07/05/10 18:38):
*smile* schön!
Nein, mal ehrlich... Das ganze war eher eine Schreibübung zum Thema: Vermitteln von Stimmung.
Und wenn es ein bischen geklappt hat, freue ich mich sehr darüber.

Danke für dein Review!

lg
Kapitel 1
soosa am 04/05/10 11:13
Oh man...das war ja krass !!! Da hat der kleine ja echt Glück gehabt .
Weiter so mit Deinen Storys und LG



Antwort der Autors kuri (07/05/10 18:41):
Jaa... Manchmal kommt man haarscharf davon..
Mir persönlich ist es immer lieber, nichts davon mit zu bekommen wenn ich an einem Abgrund entlang wandere, aber da kann man geteilter Meinung sein.

Danke für dein Review!

lg
Kapitel 1
kikiochan am 09/05/10 13:09
Gruselig, gerade denkt man an nichts Böses mehr, und dann der Schluss!
Gefällt mir wie du die Spannung aufgebaut hast.




Antwort der Autors kuri (12/05/10 23:22):
Freut mich, dass es dir gefallen hat.

Danke für´s Lesen und das nette Review.

*wink*
Kapitel 1
Angel am 05/07/10 15:15
Oh mann, du hast diese Szene wirklich gut beschrieben aber ich stimme Witch23 vollkommen zu mit ihrer Aussage "Erst Spannung aufbauen, dann für Entspannung sorgen und einem am Ende einen reinwürgen." besser könnte man die Story nicht zusammenfassen. Das Ende kommt wirklich überraschend. und Fehler hab ich auch nicht gefunden, die die Spannung stören Zwinkernd

lg Angel



Antwort der Autors kuri (08/07/10 17:35):
*smile*
Na, das hört man doch gerne....
Kleine Überraschungen halten doch die Freude am Lesen wach.. Oder so ähnlich.

Danke fürs Lesen und für dein nettes Review.

lg
Kapitel 1
kestrel am 27/08/10 00:37
wuah, grusel... erinnert mich ein bisschen an diese mystery-sendungen xD auf jedenfall gut geschrieben ^^



Antwort der Autors kuri (06/09/10 22:33):
Jep, das kommt von zu vielen "outer limits" Folgen gucken im Nachtprogramm.. My, was habe ich diese Serie früher geliebt.
Nein, ernsthaft. gruselig und schauerig sollte es ja sein. Und wenn ich das hin bekommen habe, freu ich mich. Grinsend

Danke fürs lesen und dein nettes Review!!!

lg
kuri
Kapitel 1
split am 01/10/21 15:14
Wow, du hast die Atmosphäre echt super getroffen. Ich konnte mir das wirklich gut vorstellen und war richtig gespannt, wohin dich das führt. Und der Abschlus sist einfach nur krass.
Der Dialog ist ein wenig merkwürdig, sicherlich auch gewollt, aber gleichermaßen noch nicht ganz stimmig.
Was leider komplett fehlt: bxb-Inhalt, der sich sicherlich sinnvoll hätte einweben lassen.
LG split
Kapitel 1
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Witch23
20/11/22 01:51
jo ist nur etwas wenierg los hier als früher ^^°

split
04/11/22 19:22
Also wenn die Seite offline gewesen wäre, hättest du die Frage nicht schreiben können, glaub ich. Jetzt funktioniert jedenfalls alles, soweit ich sehen kann *lebenszeichen geb*

beerman
03/11/22 22:08
Seite off`?

Witch23
20/08/22 10:06
Hallo zusammen

gerdhh171
23/07/22 21:10
hallo jungs

Witch23
29/06/22 06:27
Hallo auch

split
23/06/22 14:41
Hallo, welcome back

minori
22/06/22 18:02
Wenn man nach 13 Jahren mal wieder vorbei schaut :) Heyho

Witch23
10/06/22 09:30
Tja, solange bxb existiert sollte das auch ^^

carrabas
09/06/22 21:23
Dieser alte Login funktioniert noch :O

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