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Kai ist verzweifelt und kurz bevor er alles hinwerfen wollte, läuft ihm Jamal über den Weg...

Genres: M/M (yaoi), Weihnachten
1. Warnung: Zucker
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine

Kapitel: 5     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

Wörter: 21216     Klicks: 38994
Veröffentlicht: 10/12/09 Aktualisiert: 01/02/10
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Anmerkungen zur Geschichte
Co-Autor: JadeKaiser
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1. Kapitel 1

Kai:

Das weiße Licht des Mondes spiegelte sich im Wasser des Flusses. Ich stand
auf einer etwas altersschwach aussehenden Brücke.

Verdammt, was hatte ich falsch gemacht? Wieso hatte sich auf einmal alles
geändert? Vor zwei Monaten war doch alles perfekt.

Der kalte Wind konnte hier ungehindert wehen. Er riss an meiner Kleidung und
nichts konnte die Kälte aufhalten. Ich fror zwar, nahm es aber nicht wahr.
Viel zu sehr war ich in Gedanken versunken.

Eigentlich wollte ich nach der Arbeit gleich nach Hause gehen. Und dann,
dann bin ich an dieser Brücke vorbei gekommen.

,Hm... jetzt einfach springen? Es wäre alles so einfach. Dann wäre alles
vorbei. Ich hätte endlich alles hinter mir', dachte ich in diesem Moment.

Trotzdem blieb ich einfach am Gelände der Brücke stehen und schaute auf den
Fluss hinunter. Jetzt stand ich schon seit circa einer Stunde hier und
fragte mich, was falsch gelaufen war.

Traurig schaute ich zum Himmel auf. Er war klar. Die Sterne leuchteten am
schwarzen Firmament. Als kleiner Junge war ich von den Sternen begeistert
gewesen. Immer, wenn ich traurig war, hatte ich zu ihnen hinauf gesehen.
Wenn dann ein paar Sterne am Himmel leuchteten, hatte ich mich immer
gefreut.

Aber jetzt? Jetzt wurde ich dadurch noch trauriger. Jeder Stern war
Lichtjahre von den anderen entfernt. Jeder einzelne war allein. Genau wie
ich.

Wieso war ich bloß so allein? Und das Alles musste auch noch kurz vor
Weihnachten geschehen. Das stimmte mich noch trauriger.

Warum nicht einfach springen? Es war doch so einfach. Aber ich konnte nicht.
Ich hatte Angst. Wie es wohl sein würde zu ertrinken? Oder würde ich eher
erfrieren?

Aber irgendwas anderes hielt mich noch zurück. So konnte es doch nicht
enden. Es musste doch noch irgendwas geben. Irgendwie hielt mich die
Hoffnung zurück. Die Hoffnung darauf, dass doch alles wieder gut werden
würde.

Obwohl mir mein Verstand sagte, dass es nie mehr so werden würde wie zuvor,
sagte mir mein Gefühl was anderes.

******************
Jamal:

Kalter Wind wehte mir um die Ohren, als ich die menschenleere Strasse
entlang wanderte. Kahle Bäume, deren Blätter längst den Weg zum Boden
gefunden hatten, standen vereinzelt am Straßenrand. Ich fröstelte vor Kälte
und kuschelte mich tiefer in meine Jacke. Doch der dünne Stoff konnte mich
kaum vor den eisigen Temperaturen schützen. Zitternd schlang ich meine Arme
um die Brust, doch nach Hause wollte... konnte ich nicht.

Ich blickte in den sternenklaren Himmel empor. Er schien so unendlich groß
zu sein. Doch unter diesem großen Himmel gab es keinen Platz mehr für
mich...

Warum musste dies alles auch ausgerechnet heute geschehen? In zwei Tagen
hätte ich Weihnachtsferien gehabt, hätte dann gemeinsam mit meinen Eltern
Weihnachten feiern können. Doch nun war daran nicht mehr zu denken...

Eine eisige Böe wehte die vom Herbst heruntergerissenen Blätter hoch, jagte
spielerisch das Laub durch die Lüfte. Selbst die Sterne schienen mich nur
kalt anzulächeln. Ihre Lichter waren heute ungewöhnlich schwach. Alles hatte
sich gegen mich gewandt...

Ziellos schlenderte ich die Strasse entlang, wusste nicht wohin. Ich ging
einfach los, machte einen Schritt nach dem anderen. Das Gehen lenkte mich
von meinen Problemen ab. Einfach nur gehen, nicht nachdenken... Die Welt um
mich schien zu verblassen.

Ich weiß nicht, wie lange ich so durch die Gegend geirrt bin, als sich der
Blick auf eine Brücke auftat. Vom düsteren Laternenlicht beleuchtet schien
sie für mich ein lohnendes Ziel zu sein. Langsam näherte ich mich der
Brücke. Vielleicht konnte ich ja dort all meinen Problemen ein Ende
setzen...

Ich erstarrte, als ich dort eine Gestalt erblickte. Ein Junge schaute zum
Fluss hinunter, als ob er mit dem Gedanken spielen würde, zu springen. Nun,
wo ich diesen Jungen entdeckte, der anscheinend dasselbe wie ich vorhatte,
empfand ich mein Vorhaben, mein Leben hier zu beenden, einfach lächerlich.
Doch zum Lachen war mir nicht zumute.

Ich schritt eilig zu dem anderen hin, um ihn, falls notwendig, vor
Dummheiten zu bewahren. Doch auf halbem Wege blieb ich stehen. Was sollte
ich denn machen? Hingehen und sagen: ,Spring nicht'? Was, wenn er gar nicht
vor hatte zu springen? Was, wenn er nur die Aussicht genießen wollte? Würde
ich mich dann nicht zum Affen machen?

Aber wenn er doch springen wollte? Sollte ich ihn nicht aufhalten? Ich
fasste meinen ganzen Mut zusammen und ging auf den Jungen zu. "Hast du mal
Feuer für mich?", sprach ich ihn an und suchte in meine Tasche nach
Zigaretten.

******************
Kai:

Ich dachte daran, dass jeder einzelne Stern eine Sonne sein sollte, aber das
Licht der Sterne sah so viel anders aus, als das unserer Sonne.

Hm... hatte da nicht jemand was gefragt? Etwas verwirrt drehte ich mich zur
Seite.

Da stand ein Junge vor mir und schien was zu suchen. Er war kaum größer als
ich und hatte kinnlange Haare, die silberblond im Mondlicht schimmerten.

Über seine Kleidung wunderte ich mich dann schon sehr. Es war Winter und was
trug er? Grad mal eine Stoffhose und eine Windjacke, sowie einen Schal. Er
zitterte, also musste ihm kalt sein... Aber warum war er dann in so dünner
Kleidung unterwegs?

Ich besann mich darauf, dass er mich was gefragt hatte, konnte mich aber
beim besten Willen nicht erinnern.

"Was?", fragte ich ihn und ärgerte mich darüber, dass ich die Frage so
wortkarg gestellt hatte.
Plötzlich schauten mich zwei Augen an. Dank dem Licht der Straßenlaternen
konnte ich erkennen, dass sie hellblau waren. "Ich hab dich gefragt, ob du
mal Feuer für mich hättest.", sagte er. Dabei nahm ich wahr, dass sich seine
Stimme sehr sanft anhörte.

Mich auf seine Frage besinnend, fing ich an, ein Feuerzeug zu suchen. Im
Stillen verfluchte ich mich dafür, dass ich nicht einfach eine Daunenjacke
angezogen hatte. Nein, ich musste meine Jeansjacke und die Daunenweste
anziehen. Also fing ich an, in den Innentaschen meiner Jeansjacke zu suchen.
Anschließend kamen die Außentaschen dran. Nirgends ein Feuerzeug! Also dann
in der Daunenweste. Auch dort suchte ich zuerst die Innen-, dann die
Außentaschen durch. Auch keins.

Wo war bloß das Feuerzeug hingekommen? Ich hab doch immer eins dabei. Hm...
Ahhhh in meiner Hosentasche.

Nachdem ich dann endlich das Feuerzeug in der Hand hatte, hielt ich es ihm
hin. "Da bitte.", sagte ich. Natürlich regte ich mich wieder auf. In letzter
Zeit schien ich immer wortkarger zu werden. Also beschloss ich noch was
hinzu zu fügen. Nur was?

"Bekomme ich dafür von dir 'ne Zigarette?", fragte ich ihn nach kurzem
Überlegen.

War doch eine ideale Gelegenheit, um mit dem Rauchen wieder anzufangen. Dass
daran meine Gesundheit Schaden nehmen konnte, interessierte mich nun auch
nicht mehr.

******************
Jamal:

Nachdenklich betrachtete ich mein Gegenüber. Seine schwarz wirkenden Augen,
in dem sich das Licht des Mondes widerspiegelte, schauten mich fragend an.
Für einen Moment hatte es mir die Sprache verschlagen, doch dann brachte ich
ein zögerliches Nicken zustande. "Natürlich bekommst du eine Zigarette...
wenn ich doch nur diese blöden Dinger finden würde..."

Ich wühlte in meinen Taschen herum, doch ich fand keine Zigaretten. Ich
rauchte nur in extremen Stress-Situationen und deshalb war ich, so wie
jetzt, meist ohne Zigaretten unterwegs. Bei der Eile, den Jungen vor
Dummheiten zu bewahren, war mir nichts Besseres eingefallen, als nach Feuer
zu fragen. Und nun war ich dadurch in eine peinliche Situation geraten.

"Ich habe anscheinend meine Zigaretten zu Hause vergessen...", sagte ich zu
ihm. Beschämt senkte ich meinen Kopf. Um die Röte meines Gesichtes zu
verbergen, ging ich an den Rand der Brücke und blickte hinab in den Fluss.

Das Wasser schien in der Dunkelheit schwarz zu sein. Nur dort, wo das helle
Licht des Mondes drauf fiel, glitzerte das Wasser silbern auf. Ein paar
Sekunden verfiel ich in eine Starre und genoss die Aussicht, dann wandte ich
mich dem Jungen zu.

Er hatte sich unbemerkt zu mir an den Rand der Brücke geschlichen. Auch er
starrte den schwarzen Fluss an, so dass er nicht realisierte, dass ich ihn
beobachtete. Seine kurzen, dunkelbraunen Haare wurden vom Wind bewegt und
vereinzelte Strähnen fielen ihm in die Stirn. Seine Wangen waren von der
Kälte leicht gerötet, so dass mir auffiel, dass er trotz der warmen
Bekleidung fror.

"Kalt heute, nicht wahr?", versuchte ich ein Gespräch zu beginnen. "Warum
treibst du dich um diese Uhrzeit noch hier herum? Ist es nicht ein bisschen
zu kalt, um die Aussicht zu genießen?", fragte ich ihn in der Hoffnung, ihn
von seinem eventuell bestehenden Vorhaben abzubringen.

******************
Kai:

Kalt? Das hatte ich ja gar nicht bemerkt. Jetzt wo er mich darauf ansprach,
merkte ich erst, dass ich fror.

Was sollte ich ihm jetzt antworten? ,Hab 'ne schlechte Zeit hinter mir und
hab überlegt, ob ich jetzt springen soll oder nicht?'

Nein! Das konnte ich auf jeden Fall nicht sagen. ...wieso machte ich mir
eigentlich solche Gedanken darüber?

"Ähm, ich war in Gedanken versunken und hab nicht bemerkt, wie die Zeit
vergangen ist...!"
Ich schielte leicht zur Seite. Der Junge schien zum Fluss zu schauen. Wie
alt er wohl war? Vielleicht so zwischen 17 und 18?

Und seine Augen... sie hatten so traurig ausgesehen. Seine Lippen wurden
langsam blau.
Aber was interessierte mich das überhaupt? Es wäre eh nicht gut, wenn wir
uns besser kennen lernen würden. Das würde doch sowieso nur wieder schief
gehen.

Wie viel Uhr war es eigentlich? Etwas geschockt stellte ich fest, dass es
schon 22.30 Uhr war.
,Verdammt', fluchte ich innerlich. Langsam merkte ich, wie kalt mir wirklich
war. Aber nach Hause? Nein! Nach Hause wollte ich nicht. Dort erwartete mich
doch nur Einsamkeit.
Wenn ich den Kleinen loswerden würde, könnte ich mir ein Café suchen, das um
die Uhrzeit noch aufhatte und etwas Warmes trinken.

"Ist etwas zu kalt, um so dünn angezogen zu sein, findest du nicht?
Vielleicht solltest du nach Hause gehen."

Eigentlich hatte ich vor, meine Stimme so klingen zu lassen, dass er es
vorziehen würde zu gehen. Ich konnte aber nicht verhindern, dass sie besorgt
klang.


******************
Jamal:

Nach Hause? Nach Hause kann ich nicht... Schmerzhaft verzog ich das Gesicht.
Er hatte ja auch gar keine Ahnung. Genau von dort bin ich doch geflüchtet...
warum also sollte ich mich jetzt dorthin zurück begeben? In meiner Eile, von
zu Hause wegzukommen, hatte ich mir nicht einmal die Zeit genommen, mir
etwas Warmes überzuziehen. Nur einen Schal und meine dünne Windjacke hatte
ich mir vor Verlassen unseres Hauses krallen können. Und jetzt sollte ich
dahin zurück? Nein, das ging einfach nicht!

Mir war kalt, schrecklich kalt. Aber lieber erfror ich, als meinen Eltern
gegenüberzutreten. Sie würden es doch eh nicht verstehen... sie würden nur
auf den Rat meiner Lehrerin hören. Sie würden... Nein! Ich wollte nicht
darüber nachdenken! Nur verdrängen... einfach diesen Tag verdrängen.

Traurig schüttelte ich meinen Kopf: "Nein, nach Hause kann ich nicht... Ich
habe kein Zuhause mehr!" Resignierend blickte ich zum Fluss hinunter. Wie
kalt das Wasser wohl sein mag? "Was glaubst du, wenn da jetzt jemand
runterspringen würde, würde er ertrinken oder erfrieren?"

Sanft lächelte ich ihn an, als ich seinen verdutzten Ausdruck auf meine
Frage bemerkte. Was er jetzt wohl dachte? Vielleicht fragte er sich, ob ich
ihn oder mich gemeint hatte, mit dieser Frage. Vielleicht hatte er sich aber
auch gar nichts dabei gedacht. Ich wusste es nicht...

"Keine Angst! Ich habe nicht vor, da runter zu springen.", beruhigte ich
ihn, als er mich nach einer Weile verwundert angesehen hatte. "'Ne Zeitlang
hatte ich mit dem Gedanken gespielt, aber jetzt ist mir die Lust dazu
verflogen..." Ein kleines Lächeln warf ich ihm bei diesem Satz zu.
Schließlich war er es, der mich vor meiner Selbstmordabsicht gerettet hatte.
Zwar war ihm dies nicht bewusst, aber dennoch hatte er mich gerettet. Und
nun wollte ich ihn retten... nur war ich mir nicht im Klaren darüber, ob er
meine Hilfe brauchte.

Eine eisige Böe zog auf, ließ mein Schal heftig aufflattern. Die Kälte
durchbohrte meinen Körper bis auf die Knochen. Zitternd schlang ich die Arme
um mich selbst. Lange würde ich diesen Temperaturen nicht mehr trotzen
können. Vielleicht würde ich mein Leben ja doch auf diese Brücke lassen...

Mir war immer noch kalt, als sich der Wind wieder legte. Aber es war mir
jetzt egal. "An was hast du gedacht, dass du hier die Zeit vergessen hast?"
Ich versuchte nicht allzu neugierig zu klingen, aber es war mir wohl nicht
gelungen...

******************
Kai:

Langsam verstand ich den Kleinen immer weniger. Wieso hatte er kein zu Hause
mehr? War er vielleicht abgehauen?
Und dann fragte er mich auch noch genau das, was ich mich vor kurzem selbst
gefragt hatte... War er etwa mit der Absicht, von der Brücke zu springen,
hier her gekommen?

Irgendwas schien in seinem Leben völlig schief oder zumindest völlig aus der
Bahn geraten zu sein. So wie bei mir. Ich bekam immer mehr Mitleid mit ihm
und schalt mich einen Idiot, überhaupt über Selbstmord nachgedacht zu haben.

Während ich überlegte, was ich ihm nun auf seine Frage antworten könnte, die

meiner Meinung nach nur zum Ablenken gedacht war, bemerkte ich, dass er
zitterte. Ich machte mir plötzlich ernsthafte Gedanken um seine Gesundheit.
Am Ende erfriert der Junge mir hier noch.

"Über Dinge, die für immer vergangen sind!", antwortete ich ihm. Dabei kam
ich mit mir überein, dass ich dieses Gezittere nicht mehr mit ansehen kann.
Gut, es war auch verdammt kalt. Aber wer lief bei so einem Wetter schon mit
so dünnen Sachen rum?

Nach kurzem Überlegen fiel mir ein Café ein, das frühestens um ein Uhr
schloss. Dort war es auch sehr gemütlich und vor allem warm.

"Fünf Minuten von hier entfernt ist ein Café. Wir sollten unseren Standpunkt
dorthin verlegen, da es hier viel zu kalt wird. Was meinst du?", fragte ich
ihn schließlich.
Hier stehen lassen konnte ich ihn ja schlecht. Dann würde er auf jeden Fall
erfrieren, sofern er nicht doch ein zu Hause hatte und dorthin zurückging.

******************
Jamal:

Ich überlegte, ob ich mit ihn zum Café gehen sollte. Ich hatte gerade mal 30
Euro in meinem Portmonee und musste sie mir gut einteilen. Aber wenn ich
noch weiter in dieser Kälte stehen blieb, würde mir das Geld wohl auch
nichts mehr nützen.

Er hatte Recht, es war wirklich besser, uns einen wärmeren Ort für unsere
Unterhaltung zu suchen. Ich nickte auf seine Frage. Ein heißer Kaffee wurde
mir jetzt wirklich gut tun...

"Lass uns gehen.", sagte ich zu ihm. Dann wollte ich mich vom Rand der
Brücke entfernen, an der ich mich gerade festhielt, doch die Kälte hatte mir
anscheinend mehr zugesetzt, als ich für möglich gehalten hatte. Plötzlich
fühlten sich meine Beine schwach an, so dass ich nach dem ersten Schritt in
die Knie sank.

"Was ist mit dir? Soll ich ein Krankenwagen hohlen?", hörte ich ihn besorgt
fragen.

"Nein!", schrie ich. "Bitte kein Krankenwagen!" Ich wollte keinen
Krankenwagen. Sie hätten mich doch eh nur nach Hause gefahren. Nein! Es geht
mir gut! Ich brauchte keinen Arzt. Ich musste nur aufstehen...

Mit aller Kraft krallte ich mich an den Brückenrand fest und versuchte, mich
wieder in eine stehende Position zu ziehen. "Das geht schon!", wehrte ich
ab, als er mir helfen wollte, hochzukommen. "Mach dir keine Sorgen. Es geht
mir gleich besser!", beruhigte ich ihn. "Die Kälte hat nur an meinen Kräften
gezerrt. Wenn wir im Café sind, wird es mir schon besser gehen."

Nach eine kurzen Pause, in der ich meine Kräfte sammelte, wagte ich dann
erneut einen unsicheren Schritt. Doch war mein Körper von den eisigen
Temperaturen einfach zu stark geschwächt. Ich sank erneut in die Knie und
fühlte mich von Minute zu Minute immer kraftloser. Allmählich wurde es
dunkel um mich herum. Ich wurde bewusstlos...


******************
Kai:

Total geschockt schaute ich den Jungen an. Kippte der hier doch einfach
um... Ins Café kann ich mit ihm jetzt nicht mehr gehen. Das würde
wahrscheinlich nichts bringen.

,Einen Notarzt bzw. einen Krankenwagen wollte er ja auf keinen Fall haben...
Bestimmt ist er von zu Hause weg gelaufen.'

,Was soll ich denn jetzt mit ihm machen? Hm... ich könnte ihn in meine
Wohnung bringen. Die Frage ist aber, wie ich mit ihm da hinkomme. Im
Schnellschritt wäre ich in fünfzehn Minuten dort... aber wenn ich den Jungen
noch tragen soll?'

Ich dachte nach, was ich jetzt bloß machen könnte.
,Vielleicht kann ich ein Taxi rufen. In der Nähe war doch ein Taxistand...
Hatte ich mir nicht mal die Nummer von diesem gespeichert?' Ich kramte nach
meinem Handy und suchte die Nummer. Mit Erleichterung stellte ich fest, dass
ich sie gespeichert hatte.

Nachdem ich beim Taxistand angerufen und mir ein Taxi bestellt hatte, kam
ich auf die Idee, meine Daunenweste dem Kleinen anzuziehen.
Zwar würde das nicht viel bringen, aber es war mehr als gar nichts.

Nach den längsten fünf Minuten meines Lebens, kam dann endlich das Taxi. Der
Taxifahrer schaute zwar etwas blöd, als ich den bewusstlosen Junge ins Auto
setzte, aber er sagte nichts dazu. Nachdem ich ihm meinen Zielort genannt
hatte, fuhr er sehr zügig dorthin.

Die ganze Zeit über prüfte ich, ob der Junge auch noch atmete.
"Das macht dann fünf Euro."
,Hä?... ach so. Wir sind ja schon da!' Ich hatte gar nicht gemerkt, dass der
Taxifahrer vor dem Haus gehalten hatte. Schnell drückte ich ihm zehn Euro in
die Hand und beeilte mich, mit dem Jungen in den Armen, zur Tür zu kommen.

Dort angekommen, musste ich ihn auf dem Boden absetzten, da ich sonst die
Tür nicht aufschließen konnte.

Während ich ihn wieder aufhob, hoffte ich inständig, dass der Fahrstuhl
funktionierte. Als ich dann auf den Rufknopf drückte, gingen auch gleich die
Türen auf. Ich atmete erleichtert auf, denn die Treppen hätte ich ihn nicht
Hochtragen wollen... das hätte auch viel zu viel Zeit gekostet.

Kaum war der Fahrstuhl im dritten Stock angekommen, eilte ich zu meiner
Wohnungstür und schloss diese auf. Dann holte ich den Jungen und trug ihn
zuerst in mein Schlafzimmer. Dort legte ich ihn aufs Bett.

Schnell lief ich ins Bad und ließ die Badewanne mit warmen Wasser voll
laufen. Auf den Weg zur Wohnung hatte ich mir schon Sorgen gemacht, wie ich
ihn am besten aufwärmen konnte. Was Besseres als ein warmes Bad war mir
nicht eingefallen.

Als die Wanne voll gelaufen war, lief ich wieder ins Schlafzimmer und
entkleidete den Jungen erst einmal. Dabei bemerkte ich erst, wie gut gebaut
er war.

Schleunigst verbot ich mir solche Gedanken und trug ihn ins Bad. Dort legte
ich ihn ins Wasser. Dann suchte ich schnell ein großes Handtuch, mit dem ich
ihn später abtrocknen könnte.

,Weg gehen kann ich jetzt schlecht. Er könnte ja untergehen!'. Von dem
Gedanken beängstigt blieb ich bei ihm sitzen. Während ich da saß, fiel mir
auf, wie schön seine Augenbrauen geschwungen waren. Und dann erst dieser
Mund... Innerlich fluchend drehte ich mich von ihm weg.

Nach einer halben Stunde holte ich ihn wieder aus dem Wasser und trocknete
ihn ab. Danach trug ich ihn wieder in mein Schlafzimmer und suchte ihm noch
schnell einen warmen Schlafanzug. Anschließend packte ich ihn in ein paar
Decken ein.

Bevor ich das Schlafzimmer verließ, nahm ich mir noch eine Decke mit. Ich
wollte auf keinen Fall neben dem Jungen schlafen. Wenn ich schon die Augen
zu machte, sah ich sein Gesicht vor mir. Seine wunderschönen Augen...

Ich schüttelte meinen Kopf und versuchte diese Gedanken los zu werden. Aber
es klappte nicht.

Bevor ich mich ins Wohnzimmer begab, zog ich erstmal Jacke und Schuhe aus.
Dort richtete ich mir die Couch zum Schlafen her. Anschließend ging ich in
die Küche und machte mir einen Tee. Zwar wäre mir ein Kaffee lieber gewesen,
aber ich wollte ja noch schlafen. Und Tee sollte ja auch eine beruhigende
Wirkung haben.

Nachdem ich es mir auf der Couch bequem gemacht hatte, machte ich den
Fernseher an. Irgendwie musste ich doch auf andere Gedanken kommen.

Ich scheute mich ja schon davor, ins Schlafzimmer zu gehen, um mir ein
Schlafanzug zu holen. Ich wollte ihn jetzt nicht sehen. Zwar war die Jeans
nicht unbedingt super bequem, aber für eine Nacht würde es wohl gehen.

Irgendwann glitt ich ins Land der Träume.

***********************************
Aktualisiert: 10/12/09
Veröffentlicht: 10/12/09
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martin1112 am 10/12/09 23:02
super inhalt. etwas abgehackt geschrieben. aber ich könnte es betsimmt auch nicht besser.
lg martin
Kapitel 1
tom62 am 11/12/09 22:09
Eine sehr zu Herzen gehende Geschichte, die auch sicherlich gut in den Adventskalender gepasst hätte. Dein Schreibstil in dieser Geschichte gefällt mir gut. Es ist flüssig und irgendwie spannend geschrieben. Jetzt nicht nervenaufreibend, sondern mehr in die Richtung, das ich wissen wollte wie sich alles entwickelt. Auch gut, das sie nicht gleich Sex hatten, sonder sich die Sache erst entwickelt.
Der einzige kleine Kritikpunkt ist, daß sich Jamal manchmal so anhört, als wenn er schon eine Lebenserfahrung von 30-40 Jahren hätte, so mein Eindruck.
Nichtsdestotrotz eine schöne Geschichte die mir sehr gut gafallen hat.
Wer auf gefülvolle Geschichten steht, sollte diese lesen.
lg tom
Kapitel 1
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Yavia
29/08/21 12:27
An alle, die eine Nachricht an die Admins über die Mailadresse schicken: Bitte gebt euren Usernamen in der Nachricht mit an, damit wir wissen, wer um Hilfe fragt. Vielen Dank!

Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

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