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Fiat Lux!

von kestrel [Ab 12] [Reviews - 3] (Abgeschlossen)
Ein Mann, der in der Dunkelheit gefangen war, erfüllt seine letzte Aufgabe und wird zurück ins Licht geführt.

Genres: Weihnachten, M/M (yaoi), Paranormale Welt
1. Warnung: Depri/Emo, Zucker
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine

Kapitel: 1     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

Wörter: 1172     Klicks: 12994
Veröffentlicht: 22/12/09 Aktualisiert: 01/02/10
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Anmerkungen zur Geschichte
Beitrag zum Adventskalender 2009.
Anmerkungen zum Kapitel
Danke an Alex und Violetta fürs Beta-Lesen.


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1. Kapitel 1

Er stand in einer der dunklen Ecken der Kirche. In Gedanken versunken lauschte er dem Gesang der Gemeinde und dem Läuten der Glocken, nahm die erhabene Atmosphäre in sich auf. Er war alt, so unendlich alt. Einst war er dem Ruf des Herrn gefolgt, hatte für ihn gelebt. Er hatte seine Aufgabe erfüllt und war nunmehr nichts weiter als ein uralter Geist in einem ebenso alten Körper.

Er sehnte sich nach dem Licht, war vom Flackern der Kerzen hypnotisiert wie ein Nachtfalter. Ja, der Vergleich passte. Er war als Mensch geboren worden, als Mensch gestorben und doch lebte er. Der Herr hatte gerufen und er war gefolgt, aus seinem Grab erstanden um die Auferweckung des Messias zu bezeugen. Er hatte seine Aufgabe erfüllt.

Einst hatte er seinen Stern sterben sehen. Gedemütigt und gequält hatte er die Hoffnung sterben sehen, den Mann, für den er lebte. Sein Licht war erloschen, weil er nicht glauben konnte. Er hatte ihn aufgegeben, ihm nicht vertraut. Er war ein Teil der Schatten geworden, weder Mensch noch Geist, kein Engel und kein Dämon. Kaum zwanzig war er, als er starb und lebte nun bald zweitausend Jahre. Man sah ihm sein Alter nicht an.

Zu Beginn der Adventszeit hatte es ihn an diesen Ort gezogen. Das Dorf war klein, doch die Menschen waren gut. Dieser Ort schien ihm der Himmel auf Erden, denn er konnte hier keine Falschheit spüren. Ohne groß darüber nachzudenken, hatte er die kleine Kirche betreten, war den Mittelgang entlang gegangen, war mit seinen Fingern über die einfachen Holzbänke gestrichen. Ja, das Holz, lebendig unter seinen Fingern. Er war vor dem Altar auf die Knie gefallen und hatte zum ersten Mal seit Jahrtausenden gebetet. „Herr, wieso hast du mich hierher geführt?“

Er war mit den Schatten verschmolzen und hatte hier in dieser Nische gewartet. Auf eine Antwort oder ein Zeichen, irgendetwas. „Meine Aufgabe ist erfüllt, Herr. Was soll ich hier?“

Am ersten Sonntag der Adventszeit hatte er den Gottesdienst verfolgt, mit den Menschen gebetet und innerlich Gesungen. Es tat ihm gut, mit ihnen zu feiern. Er fühlte sich beinahe lebendig. Der Priester der Gemeinde war sehr jung. Unerfahren, nicht nur an ihm selbst gemessen. Er schloss die Augen und sah mit dem Herzen.

Zum ersten Mal seit dem Tode seines Sterns weinte er, allein in der Dunkelheit. Er sah das Licht dieses Mannes, das so hell strahlte, wie einst der Morgenstern vor seinem Fall gestrahlt haben musste, viel heller als je ein Mensch es vermochte. Er selbst konnte die Wärme spüren, die dieser Mann schenkte. Und er sah das Gift, das Dunkel, das seinen Körper fraß. „Oh Herr, deine Wege sind wahrlich unergründlich. Hast du mich hierher gesandt, damit ich einmal mehr die Hoffnung sterben sehe?“

Seit diesem Tage sammelte er Kraft. Er nahm jedes bisschen Wärme und Glück in sich auf, badete in dem Licht, das den Advent begleitete. All sein Sehnen, all sein Hoffen legte er in diesen Wunsch. „Herr, lass ihn nicht sterben. Ruf ihn noch nicht zu dir.“

Dies war der Heilige Abend. Das Fest des Lichts, des einen Sterns, der erlosch, um so viel heller zu erstrahlen. Doch dieser Mann war seine Vergangenheit. Seine Zukunft wartete dort unten.
Es war verrückt. Zwei Jahrtausende hatte er sich nach dem Licht verzehrt und fürchtete sich nun, die Schatten hinter sich zu lassen. Doch dieser Mann war das Licht, das dieses Dorf erleuchtete. Er war sich sicher, die Gemeinschaft würde mit ihm sterben.

Der letzte Glockenschlag verklang und er verließ seine Nische. Leise trat er zu dem Mann, der erschöpft in der ersten Reihe saß. „Lucian.“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

Der Priester erschrak, sah ihn aus vor Schreck geweiteten Augen an. Das dunkle Haar ließ ihn noch blasser wirken. Er hatte geweint.

„Lucian. Du weißt, dass dies dein letztes Fest war. Du weißt, dass du sterben wirst.“ Er konnte den Tod in den Augen seines Gegenübers sehen.

„Bist du gekommen um mich zu holen? Ich hatte gehofft, dass mir noch ein wenig mehr Zeit bleiben würde.“ Der Priester war erschöpft, doch in seinen Augen lag keine Angst.

Er lachte. „Ich bin nicht gekommen, um dich zu holen, nein. Ich will dich retten. Das Gift aus deinem Körper vertreiben. Doch... vielleicht bin ich nicht stark genug. Ich habe schon einmal gezweifelt.“

Der Priester sah ihn abschätzend an. Nun, eine gewisse Ähnlichkeit zu den Todesengeln war nicht von der Hand zu weisen. Auch er trug bevorzugt Schwarz. Und die blonden Locken hatte er zumindest mit Sariel gemein.

Er trat näher. Atmete tief durch. „Schließ deine Augen, Lucian. Bete, dass ich die Kraft habe.“ Er schloss die Augen und streckte seine Hand aus. Fuhr mit den Fingern die Linien des feinen Gesichts nach. Strich über die Lippen, fuhr den Hals hinab. Legte die Hand auf das Herz des Mannes. Die Dunkelheit pulsierte unter seinen Fingern. „Herr, lass ihn Leben. Nimm das Leben, was du mir schenktest und gib es ihm. Ich bin nichts weiter als ein Schatten, doch er... er ist das Licht. Ich bitte dich, Herr, lass ihn leben.“

Die Dunkelheit pulsierte, reckte sich seinen Fingern entgegen, kroch aus dem Leib des Priesters in seinen Körper. Er konnte ihn seufzen Hören, als das Gift ihn verließ. Er konnte fühlen, wie es sich in ihm ausbreitete, seinen uralten Körper befiel und sich an seiner Kraft labte.

Er sah dem Priester in die Augen. „Du wirst Leben, Bruder.“ Er lächelte, sein Lächeln wurde erwidert. Sachte beugte er sich vor und raubte dem Gottesmann einen winzigen Kuss, eine letzte Geste des Lebens.

„Was bist du?“, fragte Lucian erstaunt. Er lächelte. „Ich bin Eleazar.“ Die Schatten schluckten ihn.


Er erwachte vom Prasseln des Kamins und leiser Musik. Sanfte Hände fuhren durch sein Haar und streichelten seine Wange. Einmal mehr war Eleazar gestorben und einmal mehr hatte man ihm das Leben geschenkt. Das Gift war verschwunden, ebenso wie die Schatten. Eleazar horchte in sich hinein. Er war kaum zwanzig, als er zum ersten mal starb. Nun, nach dem zweiten mal, konnte er das Knarzen der Räder hören, als die Räder der Zeit anfingen, sich erneut für ihn zu drehen. Er würde wieder altern. Eine Träne kullerte über seine Wange.

„Du bist ja wach.“ Lucian beugte sich besorgt über ihn, wischte die Träne weg. „Du hast mich ganz schön erschreckt.“ Lucians Lächeln war so unendlich warm. „Lucian, bitte... darf ich bei dir bleiben?“ Eleazar war seit zwei Jahrtausenden nicht mehr so nervös gewesen. Nicht er hatte den Priester geheilt, der Priester hatte ihn aus den Schatten geführt. Wie ein Nachtfalter war er dem Licht gefolgt. Lucian lachte. „Du hast mich gerettet, natürlich darfst du bleiben. Du bist schließlich mein Engel.“

Er lächelte. „Kein Engel. Ich bin Eleazar.“
Aktualisiert: 22/12/09
Veröffentlicht: 22/12/09
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Schlußanmerkungen zum Kapitel
Da meine Beta meinte, dass die Geschichte ziemlich verwirrend ist, hier eine kleine Erklärung zu Eleazar:

Der Name bedeutet auf hebräisch soviel wie „Gott hat geholfen“ oder auch „geheilt“. Generell dürfte er euch eher unter dem Namen Lazarus ein Begriff sein. In meiner Geschichte ist Lazarus von Bethanien gemeint, der auf Jesu Zuruf wieder von den Toten aufersteht. Dies gilt als Vorzeichen für die Auferweckung Christi.

Der Morgenstern steht selbstverständlich für Luzifer. Lucian heißt übrigens „Lichtbringer“; er ist aber wirklich durch und durch menschlich.
carrabas am 22/12/09 20:22
Deine Geschichte ist verwirrend, aber das tut ihrer Schönheit keinen Abbruch. Im Gegenteil. Das macht für mich den größten Teil aus. Dir gelingt es sehr gut, genau das richtige Maß zwischen Beschreibung und Nicht-Beschreibung zu finden. Auch die Länge der Geschichte passt sehr gut dazu. Sie bildet ein rundes, abgeschlossenes Ganzes, dem Zwischenfragen nichts anhaben können.

Mein einziger Kritikpunkt ist die Verwendung der biblische Figur Lazarus von Bethanien. Die Frage, warum er immer noch da ist, ist für mich völlig nebensächlich.
Unklar bleibt für mich diese ganze Stelle:
„““““““““„’Einst hatte er seinen Stern sterben sehen. Gedemütigt und gequält hatte er die Hoffnung sterben sehen, den Mann, für den er lebte. Sein Licht war erloschen, weil er nicht glauben konnte. Er hatte ihn aufgegeben, ihm nicht vertraut.„’
Wenn du damit auf Jesus anspielst, dann müsste Lazarus die Auferstehung zwangsweise miterlebt haben bzw. von ihr zumindest gehört haben. (Und das wahrscheinlich relativ schnell. Lazarus’ Schwester Maria wird häufiger mit Maria Magdalena gleichgesetzt.) Solltest du irgendjemand anderen meinen, bleibt für mich unklar, wer es sein könnte.
Im Zusammenhang mit diesem ‘ewigen’ Leben klingt es mehr danach, als hättest du die Ahasverus-Geschichte einfließen lassen.

Dazu kommt dieser Satz:
‘„„„„Dies war der Heilige Abend. Das Fest des Lichts, des einen Sterns, der erlosch, um so viel heller zu erstrahlen.““““““““„’ Das klingt sehr schön, passt aber leider besser zum Karfreitag.

Dies stellt eine singuläre, absolut subjektive Meinung dar. Ich habe nicht vor, dir in irgendeiner Weise zu schaden.
Ich habe die Geschichte nicht bewertet.

Carrabas

Antwort des Autors kestrel (22/12/09 20:55):
wargh, du hast natürlich recht! und das ich mit meiner 1 im reli-abi ^^ naja, schlussendlich hab ich mir die ganzen biblischen episoden nach gusto zurechtgebogen ^^

ich hatte eigentlich nur eine grobe idee von weihnacht, kirche, frieden im kopf... und auf der suche nach namen für die charaktere bin ich eben auf eleazar gestoßen. und da nahm das elend seinen lauf ^^

und zu ahasverus: um gottes willen, nein! mir war bis gerade eben garnicht bewusst, dass es da tatsächlich eine ähnlichkeit gibt! mir ging es eher um die ruhelosigkeit - und wer ist ruheloser als ein unsterblicher - die durch liebe, licht und hoffnung ein ende findet.

ich hätte vielleicht davor warnen sollen, dass die geschichte in religiöser hinsicht nicht ganz korrekt ist. will damit ja auch niemandem auf die zehn treten.

du kannst die geschichte ruhig bewerten wenn du möchtest. ich kann gut verstehen, was du bemängelst und nehme dir auch eine miese bewertung ganz sicher nicht krumm. umschreiben werde ich die geschichte allerdings nicht. vielleicht lass ich einfach das kommentar am ende weg und lasse eleazar einfach so im raum stehen. ;-)

danke für deine review. hat mir einen ganz anderen blick auf meine eigene geschichte verschafft.
Kapitel 1
Esther am 23/12/09 23:05
Hallo kestrel,
Deine Weihnachtsgeschichte ist mal nicht eine 0 8 15-Geschichte. Sie ist zunächst nicht ganz so leicht zu durchschauen und ich musste sie, nachdem ich Deine Anmerkungen am Ende gelesen hatte, auch noch ein zweites Mal lesen, was der Geschichte aber nicht geschadet hat. Dass man erst ein bisschen rätseln muss und ein wenig auf dem Schlauch steht, um wen es sich bei dem Protagonisten eigentlich handelt, macht die Geschichte, meiner Ansicht nach, ja gerade erst spannend.

Ich finde auch im Gegensatz zu carrabas den Satz "Das Fest des Lichts, des einen Sterns, der erlosch, um so viel heller zu erstrahlen." nicht unpassend für Weihnachten. Schließlich ist Weihnachten DAS Fest, das eben zu Jesus gehört und naja, er ist ja auch gestorben. Ostern passt dann natürlich im Rahmen des Todes und der Auferstehung auch wieder, was trotzdem aber nicht unbedingt besser zu dem Satz gepasst hätte, denn Weihnachten ist schon ganz klar "sein Fest".

Es funktioniert auch gut als Kurzgeschichte. Die Länge ist genau richtig, auch wenn man sich vielleicht nach dem ersten Lesen noch mehr Details gewünscht hätte, so muss ich nach dem zweiten Lesen sagen, dass man dann spätestens alles verstanden hat und dass es genau die richtige Menge Text war, um diese Geschichte zu erzählen.

Danke für's Schreiben und Dir ein frohes Fest Zwinkernd

(PS: Bitte nicht wundern, dass ich das andere Review gelöscht habe. Hatte noch Fehlerchen ausmerzen müssen ^^°)
Kapitel 1
Witch23 am 12/06/10 19:27
Eine sehr schöne Geschichte, wie ich auch schon im Advendskalender fand. Da ich mich mit Biblischen Figuren und Geschichten eher grob auskenne kann ich dazu eher weniger sagen Zwinkernd .
Das einzige was mir nur wieder auffällt, ist das dies mehr so ein ganz dezenter Anfang von mehr ist. Klar ist man sich im Grunde nur darüber das etwas zwischen den beiden passieren kann in Hinsicht Männerliebe, weil das Genre es verspricht Zwinkernd



Antwort der Autors kestrel (12/06/10 20:49):
hmm... naja, es soll ja auch sowas wie "platonische Liebe" geben... und bei den zweien steht schlichtweg in den Sternen, ob sie das Verlangen, dass vermutlich schon irgendwo strahlt, irgendwann mal ausleben werden... wenn, dann werden sie es jedenfalls still und heimlich tun... ich wollte ja gerade diese etwas sphärische stimmung einfangen und mag die nicht so recht mit noch so romantisch-kitschigem sex zerstören... daher lass ich die zwei einfach ihres weges ziehen und setze ein "happily ever after" dahinter ^^
Kapitel 1
Aussehen wechseln!
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Witch23
20/11/22 01:51
jo ist nur etwas wenierg los hier als früher ^^°

split
04/11/22 19:22
Also wenn die Seite offline gewesen wäre, hättest du die Frage nicht schreiben können, glaub ich. Jetzt funktioniert jedenfalls alles, soweit ich sehen kann *lebenszeichen geb*

beerman
03/11/22 22:08
Seite off`?

Witch23
20/08/22 10:06
Hallo zusammen

gerdhh171
23/07/22 21:10
hallo jungs

Witch23
29/06/22 06:27
Hallo auch

split
23/06/22 14:41
Hallo, welcome back

minori
22/06/22 18:02
Wenn man nach 13 Jahren mal wieder vorbei schaut :) Heyho

Witch23
10/06/22 09:30
Tja, solange bxb existiert sollte das auch ^^

carrabas
09/06/22 21:23
Dieser alte Login funktioniert noch :O

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