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Ein Märchen.
Die Königin ist tot. Der König sucht die perfekte neue Frau und findet nur eine einzige Person, die die Königin ersetzen kann: der Prinz. Der ist davon weniger begeistert.

Genres: Fantasy, M/M (yaoi)
1. Warnung: Keine
2. Warnung: Inzest
3. Warnung: Keine
Challenges: Märchen Challenge

Kapitel: 1     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

Wörter: 4156     Klicks: 10104
Veröffentlicht: 05/01/11 Aktualisiert: 07/01/11
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Anmerkungen zur Geschichte
Ein Märchen sehr frei nach Perrault
Ich habe ein bisschen was weggelassen, etwas gestrafft, einiges hinzugefügt und einen Punkt fundamental geändert. Wer den findet, bekommt einen Keks.

Das ist das erste der drei Märchen, die ich über Weihnachten geschrieben habe. Auslöser war, dass sie eine Verfilmung von "Eselshaut" gezeigt haben und ich mir ein paar Tage davor das Originalmärchen durchgelesen habe. (Der Film war übrigens mau.)
Anmerkungen zum Kapitel
Logik darf an der Garderobe abgegeben werden.
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1. Eselshaut

Es war einmal, vor langer langer Zeit, da lebte in einem Königreich ein König mit seiner Königin. Das Land war groß, schön und seine Untertanen lebten zufrieden. Der König war gerecht und gütig und die Königin war so schön, wie ihr es euch nur vorstellen könnt. Ihr einziges Kind war ein Prinz, der an Schönheit seine Mutter und an Gelehrigkeit die Berater seines Vaters übertraf. Das ganze Land liebte den schönen Prinzen. Das Land war auch sehr reich, denn zwischen all den prächtigen Pferden im Stall des Königs stand auch ein Esel. Doch anders als andere Esel war dies ein Goldesel und mehrmals am Tag kehrten die Stallburschen Gold- und Silberstücke unter seinen Hufen zusammen.

Doch wie es kommen muss, so hielt auch das schönste Glück nicht ewig und die Königin wurde krank. Der König ließ Ärzte aus dem Norden, dem Süden, dem Osten, dem Westen und viele fernen Ländern rufen und versprach ihnen Gold, Edelsteine, Adelstitel und alles was er besaß. Doch keiner konnte der Königin helfen. Da reiste der König durchs Land, zu Wallfahrtsorten, Feengrotten, Hexentanzplätzen, Zauberern, Waldgeistern, Flussgeistern, Weisen, flehte zum Himmel, versprach alles, was er besaß, versprach gar sein eigenes Leben. Doch nichts half. Niemand schien der Königin helfen zu können.

Und in der Nacht, in der sie starb, sagte sie zu ihm, der in Tränen aufgelöst neben ihr saß: „Mein Lieber, weine nicht, verzweifle nicht. Denk' an unseren Sohn. Er ist zu jung, dieses Reich, wenngleich Wohlstand und Frieden herrscht, allein zu regieren. Er wird es früh genug müssen, doch jetzt ist es zu früh. Darum mein Lieber, versinke nicht in Gram. Schaue nach vorn, denk an dein Reich und suche dir nach meinem Tod jemanden, der meinen Platz einnehmen kann und der dir ein ebenso guter Gefährte sein wird, wie ich es versucht habe, zu sein.“ Und damit verstarb sie.

Der König verfiel in tiefe Trauer und weinte Tag und Nacht. Nichts vermochte ihn aufzuheitern und überall im Schloss, wo er das Wirken der verstorbenen Königin sah, brach er sofort erneut in Tränen aus. Fast befürchteten seine Berater und seine Untertanen, dass er der Königin ins Grab folgen würde, doch so kam es nicht. Denn auch der größte Schmerz tobt sich aus und lässt irgendwann nach. Und da begannen seine Berater, in ihn zu dringen, auf dass er ein zweites Mal heiratete. Zunächst lehnte der König entrüstet ab, doch dann erinnerte er sich an die letzten Worte seiner Königin und bedachte, dass das Reich ein Herrscherpaar brauchte.
So führten ihm seine Berater denn Prinzessinnen, Erzherzoginnen, Grafen- und Fürstentöchter aus allen Ländern vor, doch keine war ihm recht. Die eine war zu groß, die andere zu klein. Die eine war zu dick, die andere zu dünn. Die eine war zu jung, die andere zu alt. Die eine war zu blond, die andere zu dunkel. Die eine trug zu viele Juwelen, die andere zu wenige. Das Reich der einen war zu groß, das der anderen zu klein. Die Nase der einen war zu groß, die der anderen zu klein. Die eine konnte nicht tanzen, die andere tanzte zu viel. Die eine hatte eine fürchterliche Frisur, die andere ein hässliches Kleid. Und alle, die bis dahin passend wirkten, hatten schiefe Zähne, Sommersprossen, eine schiefe Nase, rote Haare, schielten oder waren ganz allgemein ungeeignet.

Als gerade wieder einmal ein paar Bewerberinnen fort geschickt worden waren, trat der König traurig auf den Balkon und sah seinem Sohn, dem Prinzen, beim Spaziergang mit seinem Lehrer zu.
„Ist er nicht ein prächtiger Prinz, Hoheit?“, meinte einer seiner Berater. „Schön ist er, schöner fast noch, als seine Mutter es war. Und so klug ist er, dass ihm auch seine Lehrer kaum noch etwas beibringen können und er sie nur behält, weil er ihre Gesellschaft gewohnt ist. Er wird dereinst das Reich weise und gütig regieren und die Frieden und Freude werden herrschen und die Untertanen, vom Kind bis zum Greis, werden ihn lieben. Wahrlich ich sage euch: Einen besseren findet Ihr nicht und wenn ihr auch auf der ganzen Welt sucht.“
Diese Worte machten einige Eindruck auf den König und er begann, genauer auf den Prinzen zu achten. Der Prinz war zu einem Jüngling herangewachsen, wie es im ganzen Reich und vielleicht auf der ganzen Welt keinen zweiten gab. Jede der Prinzessinnen, die dem König vorgeführt worden waren, stellte er mit Leichtigkeit in den Schatten. Alles, was er sagte, war klug und durchdacht und das Volk liebte ihn. Er war der einzige, der wirklich den Platz der Königin einnehmen konnte. Und so ging er hin und verkündete, dass er beschlossen habe, den Prinzen zu heiraten.

Doch der Prinz freute sich nicht etwa, sondern erschrak und begann fieberhaft nach einem Weg zu suchen, die unglückselige Heirat zu verhindern. Doch wie sollte das gehen? Er wusste viel über Geschichte, Geometrie, Mathematik, Musik, Kunst, Reiten, Fechten, fremde Sprachen und diesem und jenem, doch nicht, wie man seinen eigenen Vater davon abbrachte, das eigene Kind zu heiraten. Zwar war so etwas in allen ihnen bekannten Reichen noch nicht passiert, doch die Zeit schritt voran, die Welt änderte sich und neue Wege wollten gefunden werden. Auch half es nichts, dass er keinen Thronfolger würde gebären können, da es ja schon einen Thronfolger – ihn selbst – gab und er nach dem Tod des Vaters weiterregieren würde und danach noch einmal heiraten könnte.
Als er sich selbst keinen Ausweg mehr wusste, ging er zu seiner Patin, einer alten Fee, und fragte diese um Rat. Die Fee war schon die Patin vieler Prinzen und Prinzessinnen gewesen und hatte gegen manche unliebsame Hochzeit geholfen, doch ein Wunsch, wie der des Königs, war auch ihr noch nicht untergekommen.
„Wenn er wieder zu dir kommt und dich bittet, ihn zu heiraten, so sage ihm, dass du ihn erst heiraten wirst, wenn er dir ein Gewand macht, das die Farbe des Wetters hat, und ein zweites, das die Farbe des Mondes hat, und ein drittes, das die Farbe der Sonne hat“, riet sie dem Prinzen.

Als der König am nächsten Morgen den Prinzen wieder bat, ihn zu heiraten, sagte der Prinz:
„Ich werde dich nicht eher heiraten, als bis du mir ein Gewand machen lässt, das die Farbe des Wetters hat und dazu ein zweites, das die Farbe des Mondes hat, und ein drittes, das die Farbe der Sonne hat.“
Der König war entzückt und ließ sofort alle Schneider des Landes zusammenrufen.
„Wer mir ein Gewand von der Wetterfarbe, eines von der Mondfarbe und eines, das die Farbe der Sonne hat, bringt, den will ich mit Gold überschütten und in den Adel erheben. Wenn mir aber keiner von euch ein solches Gewand bringt, so schlage ich euch allen den Kopf ab!“, verkündete er. Und so machten sich die Schneider fieberhaft daran, die gewünschten Gewänder zu nähen und in nicht einmal einer Woche waren sie fertig.
Stolz und erfreut brachte der König sie dem Prinzen, der bei ihrem Anblick erschrak. Doch er musste sie nehmen, denn sie waren genauso, wie er sie gewollt hatte. Doch die Fee beruhigte ihn und gab ihm eine zweite Aufgabe: „Wenn er wieder zu dir kommt, und dich bittet, ihn zu heiraten, so sage ihm, dass du ihn erst heiraten wirst, wenn er dir ein Schwert bringt, das schmal ist wie ein Faden, leicht wie eine Feder, so scharf, dass es Steine schneidet und härter als alle Schwerter, und ein Schild, das durchscheinend ist wie Glas, glänzt wie die Sonne, leicht wie ein Kissen und das kein Schwert jemals spalten kann, und ein Paar Stiefel, die schwärzer als die Nacht sind, deren Sohlen niemals Löcher bekommen und die dich unerkannt über jedes Schlachtfeld kommen lassen.“

Als der König am nächsten Morgen den Prinzen wieder bat, ihn zu heiraten, sagte der Prinz:
„Ich werde dich nicht eher heiraten, als bis du mir ein Schwert bringst, das schmal ist wie ein Faden, leicht wie eine Feder, so scharf, dass es Steine schneidet und härter als alle Schwerter, und ein Schild, das durchscheinend ist wie Glas, glänzt wie die Sonne, leicht wie ein Kissen und den kein Schwert jemals spalten kann, und ein Paar Stiefel, die schwärzer als die Nacht sind, deren Sohlen niemals Löcher bekommen und die dich unerkannt über jedes Schlachtfeld kommen lassen.“
Der König war entzückt und ließ sofort alle Schmiede und Schuster des Landes zusammenrufen.
„Wer mir ein Schwert, das schmal ist wie ein Faden, leicht wie eine Feder, so scharf, dass es Steine schneidet und härter als alle Schwerter, und ein Schild, das durchscheinend ist wie Glas, glänzt wie die Sonne, leicht wie ein Kissen und das kein Schwert jemals spalten kann, und ein Paar Stiefel, die schwärzer als die Nacht sind, deren Sohlen niemals Löcher bekommen und die dich unerkannt über jedes Schlachtfeld kommen lassen, bringt, den will ich mit Gold überschütten und in den Adel erheben. Wenn mir aber keiner von euch diese Dinge bringt, so schlage ich euch allen den Kopf ab!“, verkündete er. Und so machten sich auch die Schmiede und die Schuster fieberhaft daran, das Schwert und den Schild zu schmieden und die Stiefel zu nähen und in nicht einmal einer Woche waren sie fertig.
Stolz und erfreut brachte der König sie dem Prinzen, der bei ihrem Anblick schier verzweifelte. Doch er musste sie nehmen, denn sie waren genauso, wie er sie gewollt hatte. Doch die Fee beruhigte ihn und gab ihm eine zweite Aufgabe: „Wenn er wieder zu dir kommt, und dich bittet, ihn zu heiraten, so sage ihm, dass du ihn erst heiraten wirst, wenn er dir die Haut des Goldesels bringt.“ Denn sie hoffte, dass der König so viel Verstand haben würde, nicht das Tier zu opfern, das seinem Land Glück und Wohlstand brachte.

Als der König am nächsten Morgen den Prinzen wieder bat, ihn zu heiraten, sagte der Prinz:
„Ich werde dich nicht eher heiraten, als bis du mir die Haut des Goldesels bringst.“
Der König erschrak bei der Forderung, doch dann wurde ihm klar, dass der Esel während der langen Regierungszeit seines Vaters und seiner eigenen, mehr als 20 Jahre dauernden Regierungszeit täglich mehrmals Gold- und Silberstücke geliefert hatte und alle Schatzkammern, wiewohl er drei Schneider, zwei Schmiede und einen Schuster mit Gold überschüttet hatte, bis zur Decke voll waren und das Land auch ohne den Esel nicht in Armut und Elend verfallen würde. Und er gab den Befehl, den Esel zu schlachten und ihm die Haut abzuziehen.
Stolz und erfreut brachte er sie dem Prinzen, der sich darüber die Haare zerraufte. Doch bald kam ihm eine Idee und er rief die Fee noch einmal zu sich und bat sie, ihm die drei Gewänder, das Schwert, den Schild und einige andere Dinge gut zu verpacken und ihm eine Möglichkeit zu geben, die Sachen unbemerkt und ohne viel Arbeit mit sich zu nehmen. Die Fee ging in den Schlossgarten, schnitt einen geraden Weidenzweig und sprach zu dem Prinzen:
„Sooft du mit diesem Zwei dreimal auf die Erde schlägst, werden alle deine Sachen vor dir stehen.“
Der Prinz dankte ihr für ihre Hilfe, zog sich die Zauberstiefel an, warf sich die Eselshaut über und verschwand bei Nacht aus dem Schloss.

Die Flucht des Prinzen versetzte das ganze Schloss und dann das ganze Reich in Aufruhr. Der König erließ mehrere Steckbriefe mit dem Bild des Prinzen, sandte Herolde, Gesandte, Gendarmen und Geheimpolizisten aus, ihn zu finden, doch ohne Erfolg. Die Zauberstiefel hielten, was der Prinz sich gewünscht und der Schuster versprochen hatte: Sie verbargen den Prinzen vor allen Blicken.

Der Prinz durchwanderte inzwischen das Reich seines Vaters, das Nachbarreich und dessen Nachbarreich, kam durch Wälder und Wiesen, durch Täler und über Berge, durch Dörfer und Städte und über kleine Bäche und große Flüsse. Nur am Meer und in der Wüste war er nicht. Doch wohin er auch kam, eine Anstellung fand er nicht. Die Anstellungen waren rar und niemand wollte jemanden beschäftigen, der in eine Eselshaut gehüllt herumlief und mehr selbst wie ein Esel, denn wie ein Mensch aussah.
Endlich, nach vielen vielen und noch mehr Tagen kam er zu einer Meierei nahe der Hauptstadt eines fernen Landes. Die Pächterin dort hatte erst vor kurzem den Dummling, der die Schmutzwäsche wusch, Gänse und Schweine hütete, verloren und war bereit, das schmutzige Wesen einzustellen. Er bekam das hinterste kleine Zimmer im dritten Stock und bald nannten ihn alle, die dort lebten, nur noch Eselshaut. Aber mit der Zeit gewöhnte sich der Haushalt an ihn und ließ ihn in Ruhe, da er auch seine Pflichten gewissenhaft erfüllte und die Gänse und Schweine auffallend gut gediehen.
Nur von Zeit zu Zeit schloss Eselshaut sich in seinem kleinen Zimmerchen ein, zauberte seine Sachen herbei und war wieder der Prinz, der er gewesen.

Eines Tages kam der Prinz jenes Landes auf dem Heimweg von der Jagd an der Meierei vorbei und kehrte dort ein. Der Prinz war jung, schön, von stattlicher Figur, hatte noch ein bisschen den Übermut der Jugend und war beim ganzen Volk beliebt. Diesem jugendlichen Übermut folgend, stellte er, nachdem er etwas gegessen hatte, die ganze Meierei Kopf und schaute, ob sich nicht etwas Interessantes finden ließe. So kam er auch an die Tür des hintersten kleinen Zimmers im dritten Stock und schaute durchs Schlüsselloch. Nur war das aber einer jener Tage, an denen Eselshaut die Haut des Goldesels abgelegt hatte und wieder er selbst war. Der Prinz erschauderte, als er ein so schönes Wesen durch das Schlüsselloch sah. Am liebsten hätte er die Tür eingetreten, doch er fürchtete, das dies den anderen zu sehr verschrecken würde und ließ es bleiben, starret nur weiter gebannt durch das Schlüsselloch.
Schließlich konnte er sich doch loseisen und fragte die Pächterin, wer im hintersten kleinen Zimmer im dritten Stock wohne. Diese antwortete ihm, dass das Eselshaut, ein junger Mann, der eines Tages hier aufgetaucht sei und jetzt die Schmutzwäsche wusch und die Gänse und Schweine hütete, wie es der Dummling getan hatte, als man ihn noch gehabt hatte.

Zurück im Palast huschte noch immer das Bild des schönen jungen Mannes hinter dem Schlüsselloch vor seinen Augen umher, sodass er an nichts anderes mehr denken konnte, keinen Schlaf fand und am nächsten Morgen Fieber hatte. Dieses Fieber war so stark, dass seine Eltern fürchteten, er könne daran sterben. Seine Eltern riefen alle Ärzte des Landes und von fern und nah zusammen und versprachen hohe Belohnungen. Doch nichts half. Keiner der Ärzte konnte ihm helfen. Schließlich, nach langer Konsultation, vielen Beratungen und mehreren vergeblichen Therapien kam einer der Ärzte auf den Gedanken, dass der Prinz an einem tödlichen Kummer leiden würde und teilten dies den Eltern mit. Diese beruhigte das keineswegs, vielmehr fragten sie sich und fragten auch den Prinzen, was ihm solchen Kummer bereiten könnte.

Und nach langem Zögern und viel Rätselratens sagte der Prinz:
„Ich möchte, dass mir Eselshaut, der im hintersten kleinen Zimmer im dritten Stock der Meierei wohnt, einen Kuchen bäckt und man mir den, sobald er fertig ist, bringt.“
Die Königin, die von Eselhaut noch nie ein Wort gehört hatte, fragte, wer das denn sei. Ein Hofbeamter antwortete ihr: „Majestät, Eselshaut ist das wohl hässlichste Geschöpf unter der Sonne. Er trägt die Haut eines alten Esels und ist vielleicht Mensch, vielleicht selbst Esel. Er wohnt in der alten Meierei und wäscht dort Schmutzwäsche und hütet Gänse und Schweine.“
„Schadet nichts“, erwiderte die Königin. „Der Prinz muss wohl etwas gegessen haben, dass dieser Eselshaut gebacken hat. Vielleicht macht ihn der Kuchen gesund.“

Und so schickten sie einen Herold zu Meierei und zu Eselshaut mit dem Auftrag, einen Kuchen für den Prinzen zu backen. Der Herold schickte die Pächterin und die ganze Dienerschaft aus der Meierei fort, damit Eselshaut in Ruhe backen könne und der Prinz nur ja recht bald wieder gesund würde.
Eselshaut legte die Haut des alten Goldesels ab, zog sich seine schönen Gewänder an und begann, den Kuchen zu backen. Als er fertig war, zog er sich die Eselshaut wieder über und übergab den Kuchen dem Herold, der ihn sogleich zum Prinzen brachte. Dieser stürzte sich auf den Kuchen, aß erst schnell, dann immer langsamer und kaute andächtig auf den letzten Bissen herum.
Doch sosehr seine Eltern und die Ärzte auch hofften, dass dies ihn von dem Fieber kurieren möge, ging es ihm am nächsten Morgen noch schlechter als zuvor. Wieder wurden die Ärzte befragt. Wieder berieten sie sich und kamen nach langen Konsultationen und Beratungen und mehreren vergeblichen Therapien auf den Gedanken, dass der Prinz noch immer Kummer haben könnte. Das beruhigte die Eltern auch dieses Mal nicht und sie begannen, den Prinzen ein weiteres Mal auszufragen.

Nach langem Zögern sprach der Prinz:
„Ich möchte, dass mir Eselshaut einen zweiten Kuchen bäckt und man mir den, sobald der fertig ist, bringt.“
„Schadet nichts“, erwiderte die Königin. „Die Ärzte wissen auch keinen besseren Rat.“

Und so schickten sie den Herold wieder zu Meierei und zu Eselshaut mit dem Auftrag, einen zweiten Kuchen für den Prinzen zu backen. Der Herold schickte wieder die Pächterin und die ganze Dienerschaft aus der Meierei fort, damit Eselshaut in Ruhe backen könne und der Prinz nur ja recht bald wieder gesund würde.
Eselshaut legte die Haut des alten Goldesels ab, zog sich seine schönen Gewänder an und begann, den Kuchen zu backen. Als er fertig war, zog er sich die Eselshaut wieder über und übergab den Kuchen dem Herold, der ihn sogleich zum Prinzen brachte. Wiederum stürzte sich dieser auf den Kuchen, aß erst schnell, dann immer langsamer und kaute andächtig auf den letzten Bissen herum.
Doch sosehr seine Eltern und die Ärzte auch hofften, dass es ihn diesmal von dem Fieber kurieren möge, ging es ihm am nächsten Morgen noch viel schlechter als zuvor. Die zum dritten Mal befragten Ärzte vermuteten sofort, dass der Kummer des Prinzen noch immer nicht gestillt sei. Es half nichts, die Eltern mussten den Prinzen ein drittes Mal ausfragen.

„Ich möchte, dass mir Eselshaut einen dritten Kuchen bäckt und man mir den, sobald der fertig ist, bringt“, sagte der Prinz diesmal gleich aus freien Stücken.
„Haben wir eine Wahl?“, fragte die Königin.

Und so schickten sie den Herold ein drittes Mal zu Meierei und zu Eselshaut mit dem Auftrag, einen dritten Kuchen für den Prinzen zu backen. Der Herold schickte wieder die Pächterin und die ganze Dienerschaft aus der Meierei fort, damit Eselshaut in Ruhe backen könne und der Prinz nur ja recht bald wieder gesund würde.
Eselshaut hatte sich dieses Mal bereits vorher umgezogen, denn er hatte geahnt, dass der Herold noch einmal wiederkäme und dass der Prinz ihn an jenem Tag wohl gesehen haben müsse. Der Prinz gefiel ihm und alles, was er über ihn gehört hatte, sprach für ihn. Doch er ahnte auch, dass das das letzte Mal sein könnte, dass der Herold kam. Er hatte sich also einen Plan zurecht gelegt, wie er es schaffen könnte, den Prinzen wieder zu sehen. Doch er ahnte auch, dass dies wohl das letzte Mal sein würde. Eselshaut legte zu allen Zutaten für den Kuchen auch den schönsten Ring, den er besaß und buk ihn in den Kuchen ein. Als er fertig war, zog er sich die Eselshaut wieder über und übergab den Kuchen dem Herold, der ihn sogleich zum Prinzen brachte.

Kaum war der Herold am Bett des Prinzen, stürzte dieser sich wieder auf den Kuchen, biss hinein und verschluckte sich fast an dem Ring. Er zog ihn hervor und betrachtete ihn eingehend. Den Kuchen vergaß er ganz. Er herzte und küsste den Ring und wollte ihn gar nicht mehr hergeben.
„Doch wie soll ich jetzt an den kommen, dem er gehört? Wenn ich sage, dass ich mich in Eselhaut verliebt habe, mache ich mich lächerlich, weil sie ihn für so schmutzig halten. Wenn ich sage, was ich durch das Schlüsselloch gesehen habe, glaubt mir keiner und alle halten mich für verrückt.“ Je mehr er es auch drehte und wendete, desto weniger fand er einen Ausweg. Das Fieber, das nachgelassen hatte und von dem ihn alle kuriert glaubten, stieg wieder auf alte Höhen.
Die Ärzte, die bereits wieder abreisen wollten, wurden erneut zum Krankenbett gerufen und gelangten endlich, vielleicht durch die im Delirium getanen Ausrufe unterstützt, zu dem Schluss, dass der Prinz liebeskrank sei und dies nur zu heilen sei, indem man ihm das Objekt seiner Liebe zuführe.
Die Eltern befragten den Prinzen, baten ihn und versprachen schließlich, dass er die Person, der der Ring gehörte, unter allen Umständen heiraten dürfte, wenn er dann nur wieder gesund würde.

So schickten denn der König und die Königin Herolde in das ganze Land und riefen alle Mädchen des Landes herbei, auf dass sie den Ring probierten. Sie waren groß und klein, dick und dünn, schön und hässlich, blond und braun, arm und reich, hatten große und kleine Nasen, hatten Sommersprossen, schiefe Zähne, rote Haare oder eine schiefe Nase. Er passte keiner.
Daraufhin schickten sie wieder Herolde ins Land und riefen alle jungen Männer des Landes herbei, auf dass auch sie den Ring probierten. Sie waren schön und hässlich, stark und schwach, Müller, Fischer, Schmiede, Tischler und Grafen, Fürsten oder Soldaten, blond oder dunkel, sie hatten Sommersprossen oder Sommerbräune, schiefe Nasen, zu große Ohren, rote Haare und mancher kaum Zähne. Sie probierten ihn alle, oder besser fast alle, denn niemand hatte Eselshaut herbeigerufen. Auch ihnen passte er nicht.

„Hat denn jemand“, fragte der Prinz, der Eselshauts Fehlen lange bemerkt hatte, mit unschuldiger Mine, „auch Eselshaut herbeigerufen, der mir die Kuchen gebacken hat?“ Die Hofbeamten lachten. Wie stellte der Prinz sich das vor, ausgerechnet Eselshaut herbeizurufen?
„Warum nicht?“, rief der König. „Man hole ihn sofort her. Ich habe gesagt, dass alle jungen Männer kommen sollen, so soll auch er kommen.“
Man gehorchte und schickte einen Herold zu Eselshaut.

Der hatte von den Aufrufen an die Mädchen und die jungen Männer und dem Ring gehört und wartete schon ungeduldig, dass man auch bei ihm angelangte. Gekleidet in sein schönstes Gewand, verborgen unter der Haut des Goldesels, folgte sie dem Herold an den Hof.
Als der König, die Königin und der Prinz ihn so sahen, erschraken sie nicht schlecht.
„Bist du Eselshaut, der in der Meierei im hintersten kleinen Zimmer im dritten Stock wohnt und dort Schmutzwäsche wäscht und die Gänse und die Schweine hütet?“, fragte der König.
„Ja, der bin ich.“
„Dann probiere diesen Ring an!“
Eselshaut tat wie ihm geheißen und, zu Verwunderung des ganzen Hofstaates, der Ring passte. Die Hofbeamten erschraken. Die Diener erschraken. Der König erschrak. Die Königin erschrak. Die Tauben auf dem Dach erschraken. Nur der Prinz lächelte und streifte Eselshaut die Haut des Goldesels von den Schultern. Da stand Eselshaut, so schön wie er gewesen, bevor er seine Heimat verlassen hatte, und so schön wie er gewesen, als der Prinz ihn durch das Schlüsselloch gesehen hatte. Und der Prinz umarmte ihn und herzte und küsste ihn und konnte gar nicht mehr aufhören. Wenn nicht die Hofbeamten, die Diener, der König und die Königin und die Tauben auf dem Dach schon erschrocken gewesen wären, so hätten sie sich jetzt erschrocken. Doch so brachen sie in Jubel aus und freuten sich für ihren Prinzen über seinen schönen Bräutigam.

Und so feierten sie Hochzeit, drei Tage und drei Nächte lang. Und der König und die Königin und das ganze Land liebten Eselshaut bald ebenso sehr, wie ihren Prinzen.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Ende.
Aktualisiert: 07/01/11
Veröffentlicht: 05/01/11
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Schlußanmerkungen zum Kapitel
Ja, dieser König ist mäkelig und seine Logik ist wirklich kaum zu übertreffen.
Witch23 am 05/01/11 21:39
Also zweimal hast du beim dritten mal das zweite daraus gemacht, und am ende wo der Prinz folgt steht anstatt von "er folgte" sie

Viel kann ich zu dem verändern nicht sagen, da ich wohl nur die Filmfassung kenne. Aber schön geschrieben.



Antwort der Autors carrabas (06/01/11 19:30):
Danke für dein Review. Lächelnd
Ich habe die Stellen ausgebessert.
Eselshaut
kojikoji am 03/08/11 14:29
schön geschrieben
da es ja ne abänderung von eselhaut ist sage ich nichts zu den änderungen^^
denn im Film durfte eselhaut ja bei den bällen zu schauen und kochte ´3 suppen wo sie je 1nen gegenstand rein tat^^
aber diese version gefällt mir auch sehr gut^^



Antwort der Autors carrabas (06/08/11 18:20):
Hallo.

Danke für dein Review. Lächelnd

Dann muss es noch eine Verfilmung geben. Ich kenne nur den Film mit Catherine Deneuve als Eselshaut und Jean Marais als König. Der Film ist wie gesagt leicht seltsam. Ansonsten habe ich mich an Perrault orientiert, bei dem es nur einen Kuchen und keinen Ball gibt. Aber Perrault hat ja in allen seinen Geschichten Märchen übernommen und mal mehr mal minder abgeändert.

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Eselshaut
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Witch23
20/11/22 01:51
jo ist nur etwas wenierg los hier als früher ^^°

split
04/11/22 19:22
Also wenn die Seite offline gewesen wäre, hättest du die Frage nicht schreiben können, glaub ich. Jetzt funktioniert jedenfalls alles, soweit ich sehen kann *lebenszeichen geb*

beerman
03/11/22 22:08
Seite off`?

Witch23
20/08/22 10:06
Hallo zusammen

gerdhh171
23/07/22 21:10
hallo jungs

Witch23
29/06/22 06:27
Hallo auch

split
23/06/22 14:41
Hallo, welcome back

minori
22/06/22 18:02
Wenn man nach 13 Jahren mal wieder vorbei schaut :) Heyho

Witch23
10/06/22 09:30
Tja, solange bxb existiert sollte das auch ^^

carrabas
09/06/22 21:23
Dieser alte Login funktioniert noch :O

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