Lesen nach
"Ich wünsche mir so sehr ein Kind. Und wenn's eine Schlange wäre." Und so gebar die Königin eine Schlange. Als die Schlange groß war, wollte sie eines der Kinder des Wesirs heiraten.

Genres: Fantasy, M/M (yaoi)
1. Warnung: Keine
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine
Challenges: Märchen Challenge

Kapitel: 1     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

Wörter: 3247     Klicks: 13303
Veröffentlicht: 05/01/11 Aktualisiert: 06/01/11
[PDF speichern]
[Drucker]
Optionen: [Melden]
Anmerkungen zur Geschichte
Ein Märchen.
Ich habe etwas weggelassen, etwas hinzugefügt und einen Punkt fundamental geändert. Wer den findet, bekommt einen Keks.
Und nein, kein Sex mit Tieren.
Anmerkungen zum Kapitel
Das zweite der Märchen, die ich über Weihnachten geschrieben habe. Von den dreien mein Favorit.
[PDF speichern]
[Drucker]
- Schriftgröße +
Optionen: [Melden]

1. Die Schlange

Es war einmal in einem fernen Land ein König, der hatte keine Kinder. Er hatte aber einen Wesir, der zwei schöne Töchter und einen klugen Sohn hatte. Die Frauen der beiden hatten einander sehr gern und saßen oft beieinander.
Eines Tages saß die Königin wieder bei der Frau des Wesirs und klagte ihr ihr Leid:
„Du hast zwei schöne Töchter und einen klugen Sohn. Ach wie gern hätte ich doch auch ein Kind! Wenn ich nun ein Kind hätte, dann könnten wir sie untereinander verheiraten.“
„Ach ja, das wäre schön, wenn du nur ein Kind hättest. Aber leider hast du kein Kind.“
„Ach, hätte' ich doch auch ein Kind. Und wenn's eine Schlange wäre.“
 
Doch man soll vorsichtig sein mit dem, was man wünscht. Denn kaum waren Jahr und Tag um, da gebar die Königin ein Kind und es war eine Schlange. Diese wuchs in nicht mal einem Jahr zu einer stattlichen Schlange heran. Ihr Körper war so Dick wie der Arm des stärksten Mannes im ganzen Königreich. Sie war so lang, dass sie in keinen Korb mehr passte und zwei starke Männer die Sänfte mit ihr tragen mussten. Ihre Schuppen waren weiß und glänzten, wenn sie sich sonnte. Und die Augen waren so tief schwarz wie der Himmel bei Nacht.
 
Eines Morgens sagte die Schlange zu ihrer Mutter, der Königin:
„Erinnerst du dich noch, was du mit der Frau des Wesirs verabredet hast, als ihr zusammen saßt? Ihr wolltet, dass eure Kinder heiraten. Ich möchte ihre ältere Tochter zur Frau. Gehe also für mich hin und halte für mich um ihre Hand an.“
So ging die Königin zur Frau des Wesirs und sagte:
„Ich wünsche, meinen Sohn mit deiner älteren Tochter zu verheiraten.“
Da erwiderte die Frau des Wesirs:
„Was? Ich soll meine Tochter mit einer Schlange verheiraten? Das wird nimmer geschehen. Geh hinfort und sprich nicht mehr davon.“
So ging denn die Königin zu ihrem Sohn, der Schlange, zurück und sprach:
„Sie will dich nicht.“
 
Am nächsten Morgens sagte die Schlange zu ihrer Mutter, der Königin:
„Erinnerst du dich noch, was du mit der Frau des Wesirs verabredet hast, als ihr zusammen saßt? Ihr wolltet, dass eure Kinder heiraten. Ich möchte ihre jüngere Tochter zur Frau. Gehe also für mich hin und halte für mich um ihre Hand an.“
So ging die Königin zur Frau des Wesirs und sagte:
„Ich wünsche, meinen Sohn mit deiner jüngeren Tochter zu verheiraten.“
Da erwiderte die Frau des Wesirs:
„Was? Ich soll meine Tochter mit einer Schlange verheiraten? Das wird nimmer geschehen. Geh hinfort und sprich nicht mehr davon.“
So ging denn die Königin zu ihrem Sohn, der Schlange, zurück und sprach:
„Sie will dich nicht.“
 
Am dritten Morgens sagte die Schlange zu ihrer Mutter, der Königin:
„Erinnerst du dich noch, was du mit der Frau des Wesirs verabredet hast, als ihr zusammen saßt? Ihr wolltet, dass eure Kinder heiraten. Ich möchte ihren Sohn zum Mann. Und sage ihr auch, wenn sie das nicht täte, so werde ich in der Nacht in ihr Haus kommen und sie alle umbringen.“
So ging die Königin zur Frau des Wesirs und sagte:
„Ich wünsche, meinen Sohn mit deinem Sohn zu verheiraten.“
Da erwiderte die Frau des Wesirs:
„Was? Ich soll meinen Sohn mit einer Schlange verheiraten? Das wird nimmer geschehen. Geh hinfort und sprich nicht mehr davon.“
„Mein Sohn lässt dir auch ausrichten, dass, wenn du ihm nicht deinen Sohn zum Manne gibst, er in der Nacht in euer Haus kommen wird und euch alle tötet.“
 
Da erschrak die Frau des Wesirs sehr und wusste nicht, was sie tun sollte. Gab sie ihren Sohn der Schlange nicht zum Mann, so würde sie alle sterben müssen. Tat sie jedoch, so fürchtete sie, ihren einzigen Sohn in denselben Tod zu schicken. Sie rief also ihren Sohn herbei und fragte ihn:
„Willst du die Schlange heiraten?“ Der Sohn aber antwortete:
„Ich will es mir überlegen.“
 
Da dachte auch der Sohn über die Geschichte hin und her und fand keinen Ausweg. Er deshalb anderntags zu einer klugen alten Frau und erzählte ihr, was vorgefallen war.
„Habe keine Angst“, sprach die Alte, „die Schlange ist nur deshalb eine Schlange, weil die Königin sich ein Schlangenkind gewünscht hat. In Wahrheit ist die Schlange ein junger Mann und ein Mensch wie jeder andere. Wenn ihr in der Nacht zu Bett geht, musst du vierzig Hemden anziehen, denn die Schlange hat vierzig Häute. Wenn sie dann zu dir sagt: 'Ziehe dich aus', so musst du sagen: 'Ziehe du dich auch aus'. Da wird die Schlange die oberste Haut ausziehen und du musst das oberste Hemd ausziehen. Und so müsst ihr weitermachen bis er alle vierzig Häute ausgezogen hat. Dann wird er als ein Mensch wie jeder andere vor dir stehen.“
Als der Sohn des Wesirs von der Alten wiederkam, sagte er zu seiner Mutter:
„Ich werde die Schlange heiraten.“
 
Und einen Monat später feierten der Sohn des Wesirs und die Schlange Hochzeit.
Als sie abends zu Bett gingen, sagte die Schlange zu ihrem Mann:
„Entkleide dich.“ Und dieser antwortete:
„entkleide dich auch.“ Und so zogen sie nacheinander die vierzig Hemden und die vierzig Häute aus und als die Schlange sich ganz ausgezogen hatte, stand sie als schöner junger Mann da. Und die beiden nahmen sich in die Arme, herzten und küssten sich und gewannen einander lieb.
 
Am anderen Morgen schlüpfte der Mann wieder in die Schlangenhäute und sprach:
„Du darfst niemandem erzählen, was du gesehen hast. Wenn ein Jahr und ein Tag herum ist, so werde ich es selbst bekannt machen. Doch wenn es vorher jemand erfährt, so muss ich fort gehen in ein tiefes Loch in der Erde und wir können uns nicht wieder sehen.“
So versprach der Sohn des Wesirs denn, dass er niemandem erzählen werde, was er gesehen hatte.
Und er lebte mit der Schlange glücklich und liebkoste und herzte sie auch am Tage. Doch sooft ihn seine Mutter und seine Schwestern auch befragten, so erzählte er doch nie, dass die Schlange ein Mensch war.
 
Da saßen die Schwestern beisammen und überlegten, wie sie das Geheimnis, warum ihr Bruder mit der Schlange glücklich war, wohl herausbekommen könnten. So viel sie auch überlegten, so fanden sie doch keinen Weg. Eines Tages sagte die ältere Schwester:
„Unser Bruder mag uns nicht sagen, wie er mit einer Schlange leben kann. Die Schlange wiederum spricht nicht mit uns. Deshalb lass und nachts heimlich in ihr Zimmer gehen und nachsehen.“
„Ja, das ist eine gute Idee“, sagte die jüngere Schwester.
So gingen sie am nächsten Abend – es war der Tag zwei Tage bevor das Jahr und der Tag um waren – heimlich mit einer Lampe in das Zimmer, in dem ihr Bruder und die Schlange schliefen. Aber wie staunten sie da, als sie die vierzig Hemden und die vierzig Schlangenhäute fanden und statt einer Schlange den schönen jungen Mann in den Armen ihres Bruders. Die Schönheit ihres Schwagers zog sie so an, dass sie mit ihren Kerzen immer näher zu ihm traten, um ihn zu betrachten. Dabei fiel der jüngeren ein Tropfen Kerzenwachs auf die Schulter. Davon erwachte der Mann und mit ihm der Bruder.
 
Oh wie erschrak der Bruder, als er seine Schwestern in ihrem Zimmer entdeckte. Doch der Mann ging zu den Schlangenhäuten, zog sie an und sprach:
„Das Jahr und der Tag sind noch nicht vorüber. Deshalb muss ich nun in ein tiefes Loch in der Erde gehen und wir sehen uns nicht mehr wieder.“ Und die Schlange verließ das Schloss und niemand sah, wohin sie ging.
Doch der Sohn des Wesirs weinte um seine verlorene Schlange. Da ließ die Königin Herolde und Boten, Gendarmen und Polizisten ins Land schicken und die Schlange suchen. Doch niemand fand sie.
 
Und so ging der Sohn des Wesirs wieder zu der klugen Alten und fragte sie um Rat. Da sprach die Alte:
„Ich weiß wohl, was dir geschehen ist und dass du es nicht zu verantworten hast. Doch höre, ich will dir sagen, wie du deinen Mann wieder finden kannst. Gehe immer zur aufgehenden Sonne hin bis du an einen großen Berg kommst, wie du einen größeren noch nicht gesehen hast. Dort steige hinauf. Oben wirst du eine Quelle finden, deren Wasser ist faulig und Würmer und Ungeziefer schwimmen darin. Wenn du am Rande der Quelle stehst, so musst du dreimal sagen: 'Erde, öffne dich und verschlinge mich, wie du auch meinen Mann verschlungen hast.' Dann wird sich die Erde öffnen und du wirst hinabsteigen in die Unterwelt. Dort aber ist eine große Stadt, an deren Marktplatz drei Häuser stehen. Im ersten wohnt die Tochter des Mondes. Im zweiten wohnt die Tochter der Sonne. Und im dritten wohnt die Tochter des Windes. Frage sie, wo dein Mann ist.“
 
Und so nahm der Sohn des Wesirs denn Abschied von seiner Mutter und der Königin und wanderte immer zur aufgehenden Sonne hin. Viele Tage war er unterwegs, bis er den Berg und dort die Quelle fand, die die Alte ihm gewiesen. Dort sprach er dreimal:
„Erde, öffne dich und verschlinge mich, wie du auch meinen Mann verschlungen hast.“ Und die Erde öffnete sich und gab einen Weg zur Stadt im Berg frei. Die Stadt war groß und prächtig, doch niemand war darin. Als der Sohn des Wesirs zum Marktplatz kam, da sah er drei große Häuser stehen. Das erste war aus Silber, das zweite aus Gold und das dritte aus Glas. Darin wohnten die Töchter der Sonne, des Mondes und des Windes.
 
So ging denn der Sohn des Wesirs in das silberne Haus und fand dort die Tochter des Mondes, die mit ihrem Haar den Boden fegte. Schnell ging er hinaus, suchte auf dem Marktplatz und in der ganzen Stadt bis er einen Besen gefunden hatte. Den aber brachte er der Tochter des Mondes.
„Hab Dank“, sprach jene. „Sag mir, ob ich etwas für dich tun kann.“ Da erzählte der Sohn des Wesirs, wie es ihm ergangen war.
„Ich weiß wohl, wer dein Mann ist. Doch ich kann nur sehen, wie er euer Heim verlassen hat und wie er später auf seinem Weg durch Wälder und Felder kam. Jetzt weilt er nicht mehr auf der Erde und als er sie verlassen hat, hat der Mond auch nicht geschienen.“
 
So ging denn der Sohn des Wesirs in das goldene Haus und fand dort die Tochter der Sonne, die mit ihren Händen den Ofen auswischte. Schnell ging er hinaus, suchte auf dem Marktplatz und in der ganzen Stadt bis er ein Tuch gefunden hatte. Das aber brachte er der Tochter der Sonne.
„Hab Dank“, sprach jene. „Sag mir, ob ich etwas für dich tun kann.“ Da erzählte der Sohn des Wesirs, wie es ihm ergangen war.
„Ich weiß wohl, wer dein Mann ist. Doch ich kann nur sehen, wie er auf seinem Weg durch Wälder und Felder kam und schließlich auf denselben Berg wie du. Dort öffnete sich die Erde und verschlang ihn. Jetzt weilt er zwar hier unten, ist aber für mich unsichtbar.“
 
So ging denn der Sohn des Wesirs in das gläserne Haus und fand dort die Tochter des Windes, die mit ihren Händen das Feuerholz wärmte. Schnell ging er hinaus, suchte auf dem Marktplatz und in der ganzen Stadt bis er Zunder und Büchse gefunden hatte. Die aber brachte er der Tochter des Windes.
„Hab Dank“, sprach jene. „Sag mir, ob ich etwas für dich tun kann.“ Da erzählte der Sohn des Wesirs, wie es ihm ergangen war.
„Ich weiß wohl, wer dein Mann ist. Ich kann auch sehen, wie er euer Heim verlassen hat und dann durch Wälder und Felder wanderte. Sein Weg führte ihn auf diesen Berg, wo die Erde ihn verschlang. Er lebt jetzt am Ende der Straße in einem kleinen Haus mit einer Frau, die er seine Frau heißt. Doch bevor du zu ihnen gehst, geh' in den Garten hinter meinem Haus und sammle je eine Haselnuss, eine Mandel und eine Marone.“
 
Der Sohn des Wesirs ging hinaus in den Garten und fand dort einen Haselnussstrauch, einen Mandelbaum und eine Marone. Unter jedem dieser Bäume lag aber eine Frucht und die steckte er ein.
So ging der Sohn des Wesirs zu der fremden Frau, die mit seinem Mann verheiratet war, und bat sie um ein Quartier. Die Frau gab ihm ein kleines Häuschen, in dessen Nähe ein Kupferschmied wohnte.
 
Am nächsten Morgen schlug der Sohn des Wesirs die Haselnuss auf und heraus kamen eine Henne mit ihren Küken, die liefen lustig umher. Der Sohn des Wesirs setzte sich mit ihnen ins Gras und ließ sie um sich laufen. Dies aber sah die Frau, kam angelaufen und fand Gefallen an der Henne und den Küken.
„Sag' was willst du für die Henne und ihre Küken haben?“, fragte die Frau nach einer Weile.
„Ich möchte weder Gold noch Edelsteine. Du kannst sie haben, wenn du mir eine Nacht lang deinen Mann gibst.“ Dies wollte die Frau nicht, doch je mehr sie der Henne und den Küken zusah, desto mehr wollte sie diese haben.
'Was kann er schon groß mit meinem Mann anfangen. Und vorher gebe ich ihm einen Schlaftrunk ein.' So versprach sie denn, dass der Sohn des Wesirs ihren Mann eine Nacht lang haben könne.
 
Als der Mann sich abends ins Bett legte, gab die Frau ihm einen Schlaftrunk. Nachdem er eingeschlafen war, trug sie ihn zum Häuschen des Sohns des Wesirs und erhielt von ihm die Henne und die Küken.
Der Sohn des Wesirs setzte sich neben den schlafenden Mann und erzählte ihm die ganze Nacht die Geschichte der Königin, die unbedingt ein Kind wollte und eine Schlange gebar und wie die Schlange den einzigen Sohn des Wesirs zum Mann bekam und die Töchter des Wesirs das Glück der beiden zerstörten und der Sohn des Wesirs sich aufgemacht hatte, die Schlange zu suchen. Doch es half nichts; der Schlaftrunk war zu stark. Und am Morgen ließ die Frau den Mann wieder abholen.
 
Am nächsten Morgen schlug der Sohn des Wesirs die Mandel auf und heraus kam ein Papagei, der sprach jedes Wort nach. Der Sohn des Wesirs setzte sich mit ihm ins Gras und unterhielt sich mit ihm. Dies aber sah die Frau, kam angelaufen und fand Gefallen an dem Papagei.
„Sag' was willst du für den Papagei haben?“, fragte die Frau nach einer Weile.
„Ich möchte weder Gold noch Edelsteine. Du kannst ihn haben, wenn du mir eine Nacht lang deinen Mann gibst.“ Dies wollte die Frau auch diesmal nicht, doch je mehr sie dem Papagei zuhörte, desto mehr wollte sie ihn haben.
'Was kann er schon groß mit meinem Mann anfangen. Und vorher gebe ich ihm einen Schlaftrunk ein.' So versprach sie denn, dass der Sohn des Wesirs ihren Mann eine Nacht lang haben könne.
 
Als der Mann sich abends ins Bett legte, gab die Frau ihm einen Schlaftrunk. Nachdem er eingeschlafen war, trug sie ihn zum Häuschen des Sohns des Wesirs und erhielt von ihm den Papagei.
Der Sohn des Wesirs setzte sich neben den schlafenden Mann und erzählte ihm die ganze Nacht die Geschichte der Königin, die unbedingt ein Kind wollte und eine Schlange gebar und wie die Schlange den einzigen Sohn des Wesirs zum Mann bekam und die Töchter des Wesirs das Glück der beiden zerstörten und der Sohn des Wesirs sich aufgemacht hatte, die Schlange zu suchen. Doch es half nichts; der Schlaftrunk war zu stark. Und am Morgen ließ die Frau den Mann wieder abholen.
 
Der Kupferschmied aber, der schon in zwei Nächten die Geschichte der Schlange und des Sohns des Wesirs gehört hatte, ging zu dem Mann und sprach:
„Der Fremde, den deine Frau in dem Häuschen wohnen lässt, lässt mich nicht schlafen. Immer eine Nacht ist er still, die andere Nacht erzählt er immer wieder dieselbe Geschichte.“
„Was für eine Geschichte erzählt er?“
„Er erzählt von einer Königin, die sich ein Kind wünschte und wenn's eine Schlange wäre'. Sie gebar dann nach einem Jahr und einem Tag auch eine Schlange und verheiratete diese mit dem Sohn des Wesirs. Die Schlange hatte aber vierzig Häute und darunter war sie ein Mann. Und der Sohn des Wesirs und die Schlange lebten glücklich zusammen, bis die Töchter des Wesirs sich in ihr Zimmer schlichen und das Geheimnis der Schlange entdeckten. Da ging die Schlange fort und der Sohn des Wesirs machte sich auf, sie zu suchen.“
Der Mann sagte:
„Ich kenne diese Geschichte nicht und ich kenne auch den Fremden in dem Häuschen nicht.“ Doch er begann zu ahnen, wer der Fremde sei.
 
Am nächsten Morgen schlug der Sohn des Wesirs die Marone auf und heraus kam eine Nachtigal auf einer Stange, die sang gar zu schön. Der Sohn des Wesirs setzte sich mit ihr ins Gras und ließ sie singen. Dies aber sah die Frau, kam angelaufen und fand Gefallen an der Nachtigal.
„Sag' was willst du für die Nachtigal haben?“, fragte die Frau nach einer Weile.
„Ich möchte weder Gold noch Edelsteine. Du kannst sie haben, wenn du mir eine Nacht lang deinen Mann gibst.“ Dies wollte die Frau auch diesmal nicht, doch je mehr sie der Nachtigal zuhörte, desto mehr wollte sie sie haben.
'Was kann er schon groß mit meinem Mann anfangen. Und vorher gebe ich ihm einen Schlaftrunk ein.' So versprach sie denn, dass der Sohn des Wesirs ihren Mann eine Nacht lang haben könne.
 
Als der Mann sich abends ins Bett legte, gab die Frau ihm wieder einen Schlaftrunk. Aber diesmal trank er ihn nicht, sondern schüttete ihn heimlich fort. Nachdem er sich schlafend gestellt hatte, trug sie ihn zum Häuschen des Sohns des Wesirs und erhielt von ihm die Nachtigal.
Der Sohn des Wesirs setzte sich neben den Mann und erzählte ihm die Geschichte der Königin, die unbedingt ein Kind wollte und eine Schlange gebar und wie die Schlange den einzigen Sohn des Wesirs zum Mann bekam und die Töchter des Wesirs das Glück der beiden zerstörten und der Sohn des Wesirs sich aufgemacht hatte, die Schlange zu suchen. Da schlug der Mann die Augen auf, nahm ihn in die Arme und herzte und küsste ihn.
 
Dann sprach er jedoch:
„Komm mit mir, denn wir wollen fort von hier.“ Und so gingen sie in den Stall, nahmen zwei gute Pferde und ritten bis dahin, wo die Erde sich öffnet. Dort sprach der Mann dreimal:
„Öffne dich, Erde, denn wir wollen hinaus.“ Und die Erde öffnete sich und ließ sie hinaus.
Sie aber ritten weiter bis in das Land ihrer Väter und lebten dort glücklich und zufrieden bis an ihr
Ende.
 
Ende
Aktualisiert: 05/01/11
Veröffentlicht: 05/01/11
[PDF speichern]
[Drucker]

Optionen: [Melden]
Schlußanmerkungen zum Kapitel
Ich kenne Geschichten aus der Ecke Südsee, in denen Mädchen recht häufig Schlangen heiraten. (Dort ist die Schlange aber auch insgesamt positiver besetzt.) Einige bekommen sogar kleine Schlangen. Allerdings steckt in allen diesen Schlangen auch ein Mann.
Witch23 am 07/01/11 23:12
Eine echt süße Geschichte.



Antwort der Autors carrabas (11/01/11 17:22):
Danke für dein Review. Schön, dass dir die Geschichte gefällt. Lächelnd
Die Schlange
kojikoji am 02/08/11 21:44
eine sehr schöne geschichte
das märchen kannte ich noch nicht mal ansatzweise von irgendwoher^^° (dabei märchen so sehr liebt)
jetzt hab ich auf jeden Fall ein neues lieblings Märchen
lg kojikoji



Antwort der Autors carrabas (06/08/11 18:15):
Hallo.

Danke für dein Review. Es freut mich, dass die GEschichte dir gefällt. Lächelnd
Ich müsste jetzt auch nachschlagen, woher genau das Märchen stammt, das ich als Vorlage benutzt habe. Wie gesagt, in einem Buch habe ich von ähnlichen Märchen aus Richtung Südsee gelesen. Das eine spezielle ist aber europäisch.

Carrabas
Die Schlange
Schmetterling am 22/06/14 00:25
Hey carra,

ein gelungenes Märchen hast du da geschrieben. Mir gefällt besonders, dass du es geschafft hast, den Text im Märchen-Stil zu schreiben (die jeweils dreifache Wiederholung der Handlung und wörtlichen Rede, gewisse Formulierungen, die auf mich altertümlich wirken). Jedenfalls wirkt es sehr authentisch vom Stil und Inhalt her (wobei der Inhalt vermutlich zu einem gewissen Grad vorgegeben war).

Ich kannte das Märchen nicht, aber in unserer Gegend gibt es Sagen über verwunschene Jungfrauen, die dazu verdammt sind, im Körper einer Schlange zu leben, bis sie jemand erlöst, was aber sehr selten passiert, da der Mann vorher panikartig die Flucht ergreift. Ich finde es daher interessant, dass das Märchen teilweise damit übereinstimmmt. Deine Märchenversion hat mir jedenfalls sehr gefallen. Überhaupt mag ich Märchen und Sagen sehr.

Zu den stilistischen Fehlern, die mir aufgefallen sind:
Im Satz "Er deshalb anderntags zu einer klugen alten Frau und erzählte ihr, was vorgefallen war." fehlt das Verb. "Nachtigall" schreibt man mit zwei "l" und manchmal habe ich den Eindruck, dass du ein Komma vergessen hast. Allerdings bin ich mir nicht so ganz sicher, ob an jenen Stellen Kommas überhaupt obligatorisch sind (v.a. vor Nebensätzen, die du mit "bis" eingeleitet hast) xD.
Im letzten Satz hast du einen Absatzfehler: "Sie aber ritten weiter bis in das Land ihrer Väter und lebten dort glücklich und zufrieden bis an ihr
Ende."

Zusammenfassend kann ich nur noch einmal wiederholen, wie sehr mir das Märchen gefallen hat. Danke sehr für das Schreiben Smiley

LG Schmetterling
Die Schlange
Aussehen wechseln!
Login

Registrieren | Passwort vergessen
BxB-Statistiken
Mitglieder: 4703
Geschichten: 891
• M/M: 815
• F/F: 68
Kapitel: 5054
Autoren: 248
Reviews: 9089
Reviewer: 565
Neuestes Mitglied: Katzenfreundin
Challenges: 61
Challengers: 16
 
Aktuell
Du bist nicht eingelogt
Laberkasten
Witch23
20/08/22 10:06
Hallo zusammen

gerdhh171
23/07/22 21:10
hallo jungs

Witch23
29/06/22 06:27
Hallo auch

split
23/06/22 14:41
Hallo, welcome back

minori
22/06/22 18:02
Wenn man nach 13 Jahren mal wieder vorbei schaut :) Heyho

Witch23
10/06/22 09:30
Tja, solange bxb existiert sollte das auch ^^

carrabas
09/06/22 21:23
Dieser alte Login funktioniert noch :O

Witch23
18/04/22 12:17
Danke dir, sonst wünsche einfach schöne Feiertage, die sollten fast alle ab Freitag haben ^^

split
15/04/22 09:43
Keine Ahnung, ob man das schon am Karfreitag tut, aber ich wünsche Euch allen schon einmal Frohe Ostern und ein paar entspannte Tage.

Witch23
25/01/22 13:28
Freuen uns über jeden der hier ist

Wer ist online?
Gäste: 118
Mitglieder:
Neueste Geschichte
Die Osterhochzeit von Snoopy279 Ohne Altersbeschränkung
Nachdem sie ihre Hochzeit letztes Jahr verschieben mussten, heiraten Max und...
Neustes Kapitel
Neujahrsvorsätze von Snoopy279 Ab 12
Während Moritz sich am Neujahrsmorgen enthusiastisch auf die Umsetzung der Neujahrsvorsätze...
Zufallsgenerator
Mit gebrochenen Flügeln... von oODestinyOo Ab 16
Jesse King's Leben ist nahezu perfekt. Der 24-Jährige hat alles, was er sich...