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Veröffentlicht: 17/07/11 Aktualisiert: 17/07/11
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1. Kranksein ist nicht toll

Leise ging er über den Laminatboden. Er schlich um die Ecke und spähte in die Küche hinein. Er hatte es geahnt, nein eigentlich wusste er es, schon seit längerem.
Da saß er, die Schultern hängend und die Haare ins Gesicht fallend. Er starrte betrübt in seine Tasse, in der, wie er schon immer wusste, Pfefferminztee abkühlte. Er selber mochte dieses Gebräu nicht, der Geruch widerte ihn an. Doch was sollte er machen, wenn Rico diesen ekelhaften Tee trinken wollte, und das tat er oft, so konnte er ihn schlecht daran hindern. Seinem Rico schien es nicht gut zu gehen, er schniefte und hustete die ganze Zeit, und wenn er durch die Wohnung lief, schwankte er. Er hatte sich eine fette Erkältung eingefangen. Eigentlich sollte er im Bett liegen und sich auskurieren, aber Rico hielt es nicht mehr aus, er konnte einfach nicht mehr schlafen. Er war auch zu stolz, jemanden zu bitten, ihm zu helfen, ihm Gesellschaft zu leisten, weswegen er jetzt allein hier saß und Trübsal blies.
Doch ewig konnte es nicht so weitergehen, er musste etwas unternehmen.
Er ging in die Küche, setze sich auf die Anrichte und sah Rico stumm an. Im ersten Moment bemerkte der Junge ihn nicht, doch dann sah er auf und blickte ihm in die Augen.
„Ich weiß, das, was ich hier mache, ist dumm, aber ich kann nicht anders, er ist so ein Trottel, warum lässt er sich auch von dieser dummen Ziege betatschen? Wirklich, ich hab da keinen Bock drauf. Nun sieh mich nicht so an, ich weiß, sie war betrunken, aber er hätte sie doch abhalten können, wenn er wollte, aber genau diesen Eindruck hatte ich nicht und eine Erklärung hat er auch nicht parat gehabt.“
Stöhnend vergrub Rico sein Gesicht in seinen Händen, das war langsam alles zu viel für ihn. Der Stress auf der Arbeit, dann der Streit mit den Eltern und nun die Sache mit Charly auf der Party. Kein Wunder, dass er krank war, doch musste es ausgerechnet im Sommer sein, sodass er nicht mal schwimmen gehen konnte? Das war doch unfair, einfach nur unfair. Er hatte doch niemandem was getan und nun das.
Seufzend nahm er einen Schluck von seinem Tee und erhob sich, er sollte sich wieder hinlegen, ihm war immer noch schwindelig. Vielleicht sollte er Charly doch anrufen, denn tief in seinem Inneren wusste er, dass er überreagierte. Charly hatte nur Augen für ihn, das hatte er in der Vergangenheit mehr als einmal bewiesen. Doch er war auch verletzt, was durch seine sowieso schon gereizte Stimmung nur noch verschlimmert wurde. Aber nun war es eh zu spät, er hatte Charly geschlagen und war dann wütend davon gestapft. Seit diesem Abend waren nun zwei Wochen vergangen und sein Freund hatte sich immer noch nicht gemeldet, noch war er hier aufgetaucht, obwohl er einen eigenen Schlüssel für die Wohnung hier hatte.
Rico erhob sich, stellte die Tasse in die Spüle und ging langsam wieder in sein Bett.
Dass er dabei von seinem Mitbewohner verfolgt wurde, merkte er nicht einmal mehr, er war zu sehr in seinen Gedanken gefangen. Sein Mitbewohner konnte sich das nicht mehr lange mit ansehen, doch was sollte er tun, Rico musste den ersten Schritt von sich aus machen, alles andere brachte gar nichts.
Als sich der Junge ins Bett gelegt hatte und wieder schlief, setzte er sich vorsichtig daneben und beobachtete ihn.
Schließlich legte er sich daneben und schlief neben Rico ein.
Sein Schlaf wurde jedoch von Geräuschen gestört, die von dem Jungen ausgingen. Rico warf sich in seinem Bett hin und her und murmelte unverständliche Worte. Als er dem Gebrabbel eine Weile zugehört hatte, sprang er vom Bett und rannte in den Flur. Er musste es irgendwie hinbekommen, dass jemand seinem Rico half.
Als er jedoch kurz vor der Wohnungstür angekommen war, ging eben diese auf und Charly trat ein. Der hochgewachsene Mann schaute überrascht auf ihn hinunter und wollte etwas sagen, als aus Ricos Zimmer ein dumpfes Poltern zu vernehmen war. Er stellte die große Kiste, die er mitgebracht hatte, schnell ab und lief eiligst in das Zimmer. Rico war aus dem Bett gefallen und versuchte nun im Halbschlaf, sich aufzurichten, doch irgendwie schien es nicht zu klappen. Charly ging vor seinem Freund in die Hocke und nahm ihn vorsichtig in den Arm, ehe er ihm wieder ins Bett half und ihn zudeckte. Rico schaute ihn nur aus verschleierten Augen an und schien die Situation nicht wirklich zu realisieren. Er wollte was sagen, doch schlief wieder ein, jetzt ruhiger, als es vorher der Fall war.
Sein Mitbewohner beobachtete die Szene vom Türrahmen aus.
Charly beobachtete seinen Freund eine Weile, strich ihm sanft die verschwitzten Haare aus der Stirn, ehe er einen kühlen Lappen, Fiebermedikamente aus dem Bad und ein Glas Wasser holte. Sanft weckte er seinen Kleinen und flößte ihm das Medikament ein, ehe er ihm vorsichtig mit dem kühlen Lappen über das Gesicht fuhr. Rico ließ sich diese Behandlung gefallen, er döste weiter vor sich hin, ehe er wieder in den Schlaf driftete. Charly seufzte leise. „Was machst du nur für Dummheiten, meine kleine Raupe, wie kommst du nur auf den Gedanken, dass ich Augen für jemand anderen hätte?“, natürlich erhielt er keine Antwort, Rico war längst im Land der Träume.
Leise ging Charly aus dem Zimmer, öffnete die Kiste und bat den Mitbewohner, sich um den Neuankömmling zu kümmern, ehe er sich wieder in das Zimmer begab, sich bis auf die Shorts auszog und sich zu Rico ins Bett legte. Dort zog er den Jungen in seine Arme und döste ein. Rico schlief in dieser Nacht ruhiger als in den vorigen, und als er am nächsten Morgen in den Armen seines Freundes erwachte, fühlte er sich besser.
Sein Mitbewohner indessen hatte sich neugierig den Inhalt der Kiste angeschaut. Er blickte in zwei große, grüne Augen, die einem Jungen Kater gehörten, den Charly mitgebracht hatte.
Er war noch ein Kätzchen, wahrscheinlich gerade erst von der Mutter getrennt. Er hangelte sich umständlich aus der Kiste, flitzte durch den Flur ins Wohnzimmer und versteckte sich unter dem Sofa und maunzte herzzerreißend. Tom sah dem flüchtenden Fellball hinterher, ehe er selber ins Wohnzimmer ging, sich vor das Sofa hockte und das weiße Bündel beobachtete.
Irgendwann schlief er einfach ein. Als er wieder wach wurde, bemerkte er, wie sich der kleine Kater an seinen Bauch gekuschelt hatte, er suchte wohl Wärme und Geborgenheit.
Der große, braune Kater begann behaglich zu schnurren und leckte dem Neuankömmling über den Kopf, er mochte den Kleinen jetzt schon und versprach sich und Charly, sich gut um ihn zu kümmern.
Aktualisiert: 17/07/11
Veröffentlicht: 17/07/11
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Schlußanmerkungen zum Kapitel
Tataaa, mein zweites Werk, sowas entsteht, wenn man Mittagschlaf macht und von Ponys träumt, die sich für Hunde halten Lächelnd
Vllt schreibe ich noch eine Fortsetzung zu Tom und seinem kleinen Liebling... *schon wieder merkwürdige Fantasien entwickelt*
Kommis natürlich wieder erwünscht.
carrabas am 20/07/11 21:40
Die Geschichte ist wirklich süß! Lächelnd

Ich habe wirklich erst in der letzten Zeile gemerkt, wer Ricos Mitbewohner ist. Vorher hatte ich mir schon zurecht gelegt, was ich wegen Toms Unfähigkeit, einfachste Dinge wie Fiebermedikamente zu organisieren, sagen wollte. Die Überraschung gelingt dir sehr gut.

Dass mir die Perspektive gefällt, dürfte klar sein, ne? Außerdem gefällt mir, dass man wirklich erst zum Schluss auf die "Auflösung" kommt.

In Anbetracht der Kürze ist es auch nicht schlimm, dass sich da vielleicht ein größerer Streit zwischen Rco und Charly verbirgt, der nur angereissen wird.

Das ist eine rein subjektive Meinung.
Carrabas



Antwort der Autors mina-mietz (20/07/11 21:44):
He he, danke, schön dass dir die Geschichte so gefällt. Allerdings finde ich selber den Schluss nicht so gelungen, ich hätte es gern anders gemacht, aber wie immer, weiß ich nicht, wie Lächelnd
Kranksein ist nicht toll
HeisseZitrone am 23/03/13 20:26
Dass der "Mitbewohner" am Ende ein Kater ist, finde ich auch eine sehr süße Idee! Lächelnd
Die Überraschung ist gut gelungen Smiley
Kranksein ist nicht toll
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Yavia
29/08/21 12:27
An alle, die eine Nachricht an die Admins über die Mailadresse schicken: Bitte gebt euren Usernamen in der Nachricht mit an, damit wir wissen, wer um Hilfe fragt. Vielen Dank!

Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

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