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2. Dez

1. Dezember 2005

"Weihnachtszirkus"(Teil 1) von Youkita

Draußen regnete es in Strömen. Armand lief, den Kopf gesenkt und fest zwischen die Schultern gezogen, über die ungewöhnlich menschenleere Champs-Élysées. Seine zahlreichen Einkaufstüten presste er so gut es ging an seinen Körper, was zur Folge hatte, dass er total verkrampft war.

#Temps de cochon! Verdammt, wir haben Winter! In vier Tagen ist Weihnachten! Es sollte schneien! Ich hasse Europa! Manchmal wünschte ich mir wirklich, ich würde irgendwo in der Karibik leben. Da ist es wenigstens warm und trocken!#

Halblaut vor sich hinfluchend lief er weiter. Seine Laune sank merklich und er versuchte seine Umgebung und das Wetter so gut es ging zu ignorieren. Darum sah er auch den jungen rothaarigen Mann nicht, der schwerbepackt aus einem Hausflur trat und rannte ihn unsanft über den Haufen.

"Verflucht, kannst du nicht aufpassen? Hier ist doch keine Rennstrecke!"

Der Fremde sah ihn vorwurfsvoll an und bückte sich um seine Sachen aufzuheben. Armand seinerseits funkelte ihn nur wütend an.

"Du kannst ja wohl deine Augen auch mal aufmachen. Verdammter Penner!"

Damit ließ er den völlig erstaunten jungen Mann einfach stehen. Dieser rief ihm in tiefstem Gälisch einige Verwünschungen hinterher, nahm aber seine Sachen und verschwand.

Armand war unterdessen erneut heftig fluchend weiter gelaufen und erreichte endlich sein Haus. Erleichtert dem Regen nicht mehr direkt ausgesetzt zu sein kramte er, etwas vom Vordach des Hauses geschützt, in seiner Tasche nach dem Hausschlüssel, musste aber nach zehn Minuten entnervt feststellen, dass er ihn wohl verloren hatte.

"Na wunderbar! Auch das noch. Hoffentlich hab ich irgendwo ein Fenster offen gelassen!"

Er ließ seine Plastiktüten stehen und lief ums Haus um festzustellen, ob er irgendwo reinkonnte. Glücklicherweise war er morgens in Eile gewesen und hatte vergessen das Schlafzimmerfenster zu schließen. Vorsichtig steckte er seinen dünnen Arm durch den schmalen Spalt und drückte den Griff nach unten. Das Fenster ging auf und er kletterte erleichtert ins Haus. Als erstes zog er seine pitschnassen Schuhe aus und stellte sie zum Trocknen ins Badezimmer an die Heizung. Dann entledigte er sich seiner anderen Sachen und schmiss sie, nass wie sie waren, in die Wanne. Frierend warf er sich seinen molligen Bademantel über und ging zur Haustür um seine Einkäufe reinzuholen. Voller Enthusiasmus riss er die Türe auf und blickte direkt in 2 smaragdgrüne Augen.
Völlig perplex starrte er sein Gegenüber, einen ca. 165 großen, rothaarigen jungen Mann an. Er konnte sich nicht im Geringsten dran erinnern, woher er ihn kannte.
Der Fremde blickte ihm kühl in die Augen und hielt ihm ein Schlüsselbund vor die Nase.
Armand fiel es wie Schuppen von den Augen.

# Das ist der Penner, den ich umgerannt habe! Shit, was mach ich denn jetzt? Immerhin hat er mir den Schlüssel zurück gebracht und nicht einfach mein Haus ausspioniert um es auszurauben, wenn keiner da ist.#

"Ähm hallo, komm doch erst mal rein!", mit einer einladenden Geste hielt er dem anderen Mann die Türe auf und ergriff die Tüten. Dieser sah ihn skeptisch an, trat aber nach kurzem Überlegen ein. Im Hausflur sah er sich erst mal um.

# Wow, nicht übel! Der Typ scheint nicht grade arm zu sein.#

Armand sah die bewundernden Blicke und lächelte verlegen. Irgendwie hatte der andere ihn vollkommen aus der Bahn geworfen.

"Darf ich dir deinen Mantel abnehmen?"

Er zog dem Rothaarigen das viel zu große und furchtbar verdreckte Kleidungsstück vom Körper ohne eine Antwort abzuwarten. Leicht angewidert brachte er es ins Bad.

"Setz dich doch schon mal! Ich komm gleich! Willst du was trinken? Kakao oder Kaffee?"

Der junge Ire zuckte bei der Berührung zusammen. Er hasste es, wenn Fremde ihn einfach so anfassten.

"Ja danke! Einen Kakao bitte!"

Er ging geradeaus ins Wohnzimmer, sorgfältig darauf bedacht nichts anzufassen. "Nett haben sie es hier! Sehr hochwertige Möbel. Sie sind antik, nicht wahr?" Apollo betrachtete die Schränke und Kommoden mit Kennerblick.
Armand, der in der Küche den Kakao zubereitete wurde skeptisch.
#Warum fragt er mich so über meine Einrichtung aus? War das Zurückbringen des Schlüssels vielleicht nur ein Trick?#

"Wozu willst du das wissen? Ja, die Möbel sind alt, aber so besonders sind sie auch nicht! Vieles ist vom Flohmarkt!"

Die Getränke waren fertig und er trug sie ins Wohnzimmer, wo sein Gast vor dem schönsten Stück, einer wunderschönen barocken Vitrine stand. Bei den misstrauischen Worten zog er verärgert die Braunen zusammen.

#Was denkt sich dieser Schnösel? Dass ich sein Haus ausrauben will? Aber das ist typisch Adeliger! Im Grunde sind sie doch überall gleich!#

Als er die Schritte des jungen Franzosen hörte, drehte er sich um und sah seinem Gastgeber direkt in die schwarzen Augen.

"Ich kenne mich etwas damit aus! Ich habe in meiner Heimat eine Ausbildung zum Restaurator gemacht. Daher weiß ich auch wie wertvoll diese Stücke sind!"

Armand senkte beschämt den Blick. Er spürte, dass er den anderen verletzt hatte. Merkwürdigerweise tat ihm das leid und er setzte zu einer Entschuldigung an.

"Ich... hör zu, also nicht dass du das in den falschen Hals bekommst ich wollte dir nichts unterstellen!"

Apollo unterbrach ihn.
"Oh doch, genau das wollten Sie! Sie haben von meinem Aussehen darauf geschlossen, dass ich ein "Penner" bin, der mit kleinen Tricks rauszufinden versucht, ob hier was zu holen ist. Aber seien Sie beruhigt, es ist wirklich nur rein berufliches Interesse. Auch wenn ich nicht mehr als Restaurateur arbeite, faszinieren mich antike Möbel und Gegenstände und ich schaue sie mir gern an!"

Sein Gastgeber nickte.

"Du hast Recht, es tut mir leid. Ich muss ziemlich arrogant rüber kommen, oder? Aber glaub mir, es war nicht so gemeint! Ich hatte einfach Stress und dann auch noch dieses Wetter. Außerdem hab ich heute Abend noch Vorstellung und eine Erkältung steckt mir in den Knochen, aber ich muss auftreten, weil meine 2. Besetzung in Urlaub ist! Es tut mir wirklich leid! Bitte entschuldige und setzt dich hin!"

Zerknirscht reichte er dem anderen die Hand. Dieser musterte ihn und schlug nach kurzem Überlegen ein.

#Er scheint es wirklich ernst zu meinen. Hm, wie er so verlegen da steht sieht er richtig süß aus! Oh verdammt, was denke ich da überhaupt? Er ist ein französischer Adliger, der sicher mit irgendeiner hübschen, reichen jungen Frau verlobt ist. Außerdem hab ich ihm nur seinen Schlüssel gebracht. Ich trinke jetzt den Kakao und dann verschwinde ich und sehe ihn nie wieder.#

Fast ein bisschen traurig ließ er sich auf das Sofa sinken und nahm die Tasse entgegen, die Armand ihm mit einem freundlichen und absolut ehrlichen Lächeln reichte.

"Danke! Sie sagten Sie haben heute Abend einen Auftritt?"

Armand war durchaus aufgefallen, dass die Stimmung seines Gastes merklich in den Keller sank. Besorgt sah er ihn an.

"Ist alles in Ordnung mit dir? Du siehst auf einmal so blass aus!"

Apollo sah ihn erstaunt an.

#Was soll das jetzt? Ist sein schlechtes Gewissen so groß?#

"Ja, alles OK. Ich hatte heute bloß auch eine Menge Stress. Außerdem hab ich mich irgendwo verletzt, aber es ist nicht schlimm!"

Geschockt zuckte Armand zusammen. Er ahnte, dass die Verletzung des anderen vom Zusammenstoß herrührte. Mit ernstem Blick ließ er sich vor seinem Gast zu Boden sinken.

"Das ist meine Schuld! Ich hätte mich gleich um dich kümmern sollen. Lass mal sehen. Ich hab einen Sanikurs besucht und kann dir vielleicht helfen!"

Behutsam streckte er seine Hände nach dem Anderen aus, aber der wich seiner Berührung aus.

"Ich sagte doch es ist in Ordnung. Ich gehe zum Arzt. Er soll sich darum kümmern! Danke für den Kakao! Ich mache mich auf den Weg, sonst hat die Praxis geschlossen!", damit stand er auf, ging ins Bad, zog seinen Mantel an und schickte sich an das Haus zu verlassen, aber Armand hielt ihn auf.

"Hey, es tut mir Leid wenn ich dir zu nah getreten bin. Ich wollte nur helfen! Bitte, bleib noch etwas!"

Sein Gast schüttelte den Kopf.

"Nein, ich muss wirklich los! Leben Sie wohl!"

Er öffnete die Tür und trat nach draußen. Armand sah ihm verzweifelt hinterher.

#Wie kann ich ihn bloß aufhalten? Moment mal, er hat mich doch gefragt, wo ich heute Abend auftrete. Ich hab doch noch eine Karte über. Vielleicht kommt er ja!#

"Bitte warte! Ich tanze heute im Opernhaus den Prinzen in "Cinderella". Ich würde mich freuen wenn du kommst!"

Damit hielt er dem erstaunten Iren eine leicht zerknautschte Karte hin, die er aus seiner Manteltasche zog. Apollo nahm sie und steckte sie ein, wohlwissend, dass er nicht kommen konnte, aber er wollte den Anderen nicht vor den Kopf stoßen.

"Danke! Ich werde sehen ob ich es schaffe. Ich muss noch arbeiten."

Er drehte sich um und verschwand in der Dunkelheit. Traurig sah Armand ihm hinterher, bis ihm einfiel, dass er den anderen noch nicht mal nach seinem Namen gefragt hatte. Ohne darüber nachzudenken schnappte er sich seinen Schlüssel, warf die Tür hinter sich in Schloss und lief dem Rothaarigen hinterher. Kurz vor dem Ende der Straße holte er ihn ein und hielt ihn einfach am Oberarm fest. Apollo, der über die plötzliche Berührung furchtbar erschrak, drehte sich um und schlug ihm mit voller Wucht seine Faust in den Magen. Armand sog überrascht die Luft ein und sank auf die Knie.

"Stop, warte! Ich bin es doch nur! Ich habe etwas vergessen. Du hast mir deinen Namen nicht gesagt und ich habe mich auch nicht vorgestellt! Ich heiße Armand Chatelet!"

Erstaunt blickte Apollo auf den Mann zu seinen Füßen.

"Sie? Mein Gott, müssen Sie mich so erschrecken? Ich dachte, irgendwer wollte mich überfallen. Haben Sie sich wehgetan?"

Er reichte dem Anderen verlegen die Hand. Dieser zog sich nach oben, krümmte sich aber sofort wieder zusammen.

#Verdammt, das tut weh! Warum musste ich auch so impulsiv sein? Der Junge ist zwar unglaublich süß, aber erstens mag er mich nicht sonderlich und zweitens lebt er wahrscheinlich irgendwo in der Gosse und ich werde ihn nie wieder sehen. Ich sollte nach Hause gehen, ein heißes Bad und genügend Schmerztabletten nehmen und dann auftreten wie es geplant war.#

Apollo merkte sehr wohl, dass sein Gegenüber große Schmerzen hatte und stütze ihn behutsam. An seine eigene Verletzung dachte er in dem Moment nicht.
"Kommen Sie, ich bringe Sie nach Hause. Es tut mir wirklich leid, aber es war ein reiner Reflex! Ach ja, mein Name ist Apollo McKellen."

Armand sah ihm dankbar in die Augen, schob seine Hand aber sanft weg.

"Danke, es geht schon wieder. Ich habe es ja nicht weit und du sagtest doch, du müsstest arbeiten. Ich will nicht, dass du wegen mir auch noch zu spät kommst!"

Der Rothaarige nickte nur.

"Wie Sie meinen! Gute Besserung und entschuldigen Sie nochmals!"

Damit kehrte er ihm den Rücken zu , ließ den Größeren stehen und ging ohne sich noch mal umzudrehen davon. Armand hielt seinen schmerzenden Magen und machte sich langsam auf den Weg zu seinem Haus. Dort angekommen ließ er sich wie geplant ein Bad ein, nahm ein paar Schmerztabletten und versuchte jeden Gedanken an den merkwürdigen und doch so faszinierenden jungen Mann zu verdrängen. Eine halbe Stunde später krabbelte er aus der Wanne, zog sich an und bestellte ein Taxi zum Opernhaus.


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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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