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4. Dezember 2005

"Weihnachtszirkus"(Teil 4) von Youkita

Am nächsten Morgen stand Mathieu schon früh auf. Er ließ das Frühstück ausfallen und steckte nur ein paar Kekse ein, die er während er Suche nach Apollo knabbern konnte. Dann packte er noch eine Flache Wasser ein und machte sich erneut auf die Suche.
Apollo schlief bis Mittag. Er war total erschöpft, denn das harte und doch ganz andere Training war er nicht mehr gewöhnt. Erschrocken wachte er auf, den eigentlich wollte er schon längst weg sein, da er nicht wusste, wann die anderen kommen. Er wollte auf keinen Fall riskieren entdeckt und rausgeworfen zu werden. Darum sprang er eilig aus dem Bett und unter die Dusche, zog sich an und schnappte seine Tasche um kurz darauf das Opernhaus zu verlassen. Nachdenklich streifte er durch Paris, nicht wirklich wissend, was er bis zum Training am Abend machen sollte. Nach kurzem überlegen entschloss er sich einfach etwas shoppen zu gehen, denn seine Kleidung war nicht mehr wirklich gut.
Armand wachte auch erst gegen 13:00 Uhr auf. Er sah sich im Zimmer um, aber keiner war da, noch nicht mal sein bester Freund. Traurig starrte er an die Decke. Da er sich nicht wirklich bewegen durfte, langweilte er sich zu Tode und begann wieder einmal über seinen geheimnisvollen Schwarm nachzudenken.

#Was Apollo jetzt wohl macht? Ob er auch tagsüber arbeitet und wenn ja, wo? Gesagt hat er ja nichts. Wenn ich es mir recht überlege hat er sich eh ziemlich merkwürdig verhalten. Warum ist er zum Beispiel immer ausgewichen wenn ich ihn berühren wollte? Hatte er solche Angst vor mir? Sicher habe ich ihn verletzt, aber das war doch keine Absicht. Der Mann ist mir ein Rätsel. Ich habe so viele Fragen, möchte alles über ihn wissen. Hoffentlich findet Mathieu ihn. Trotz seiner abweisenden Haltung ist er der erste Mann seit Jahren, bei dem ich mir vorstellen könnte eine Beziehung mit ihm zu führen.#

Er wurde aus seinen trüben Gedanken gerissen, als eine hübsche blonde Krankenschwester das Essen brachte.

"Hallo schöner Mann! Ausgeschlafen? Haben sie Hunger? Heute gibt es eine leichte Gemüsepfanne mit Reis und zum Nachtisch Vanilleeis! Können sie schon allein essen, oder soll ich sie füttern?"

Mit einem zwinkern strahlte sie Armand an. Der junge Tänzer starrte ihr entgeistert ins Gesicht.. Kühler als nötig sah er ihr in die Augen.

"Nein, ich habe keinen Hunger und füttern brauchen sie mich erst recht nicht. Außerdem, sind sie sicher, dass das nicht das falsche Essen ist? Ich bin gestern erst operiert worden. Da dürfte so ein üppiges Essen nicht unbedingt passend sein. Nehmen sie es wieder mit und sagen sie dem Arzt Bescheid. Ich will mit ihm sprechen!"

Schwester Claudine zuckte bei der kalten Stimme erschrocken zusammen. Sie hatte ihn nur aufmuntern wollen und war jetzt leicht verunsichert. Ohne ein Wort zu sagen ließ sie das Tablett auf dem kleinen Tischchen stehen und verließ den Raum um den Chefarzt zu suchen. Dieser war gerade im Ärztezimmer und machte Mittagspause. Als er die völlig aufgelöste junge Frau sah, stand er auf und ging auf sie zu.

"Claudine, was haben sie denn? Ist etwas passiert? Etwa mit einem Patienten?"

Besorgt blickte er ihr in die Augen und zog erstaunt die Luft ein, als die zierlich Krankenschwester sich an seine breite Brust warf und bitterlich anfing zu weinen.

"Es ist dieser Neuzugang, Vicomte de Chatelet. Ich wollte ihm sein Mittagessen bringen und ihn mit ein paar Sprüchen etwas auflockern, aber er hat mich nur mit einem Eisblick angefaucht, das Essen mit der Begründung es sei eine Fehlentscheidung abgelehnt und nach ihnen verlangt. Ich war wirklich ganz freundlich zu ihm, das müssen sie mir glauben!"

Verzweifelt drückte sie sich noch enger an den Arzt an. Dieser strich ihr beruhigend über den Rücken.

"Sie trifft keine Schuld. Ich glaube ihnen, dass sie es nur gut meinten, aber ich kenne den Mann. Er ist immer so. Arrogant und unfreundlich bis zum geht nicht mehr. Ehrlich gesagt, ich finde sein Verhalten auch zum kotzen, aber er ist nun mal Privatpatient und das heißt für uns wohl oder übel Augen zu und durch! Sie kennen die Maxime des Direktors: der Patient ist König!"

Behutsam schob er die blonde Frau von sich und verließ das Zimmer. Er hoffte, dass er den Schwarzhaarigen so schnell wie möglich nach Hause schicken konnte.
An dessen Zimmer angekommen klopfte er laut und deutlich an die Tür und betrat nach einem unfreundlichen: "Herein!" von Armand den Raum. Dieser hatte sich beim Klopfen mit schmerzverzerrtem Blick aufgesetzt und sah den Arzt mit erwartungsvollem, aber kaltem Blick an.

"Herr Doktor, wann kann ich hier raus? Gepflegt werden kann ich auch von meinem Personal zu Hause. Hier fällt mir doch nur die Decke auf den Kopf.!"

Dr. Bernadotte erwiderte den unfreundlichen Blick seines Patienten. Es war ihm völlig egal, ob dieser sich beim Direktor des Krankenhauses beschweren würde.

"Wenn es nach mir geht sofort, aber leider müssen wir erst noch ein paar Untersuchungen machen. Zum heiligen Abend sollten sie aber auf jeden Fall draußen sein. Übrigens, es hilft, wenn sie ihr Essen zu sich nehmen. Es ist schon richtig so. Schließlich sollen sie wieder zu Kräften kommen!"

Mit diesen Worten ließ er den jungen Tänzer zurück.

"Pauvre charlatan!" Fluchend ließ Armand sich zurück ins Kissen sinken. Seine Laune blieb den ganzen Tag bescheiden.
Mathieu suchte unterdessen weiter nach dem rothaarigen Artisten, aber auch in dem anderen, wesentlich größeren und schöneren Zirkus wurde er nicht fündig. Langsam aber sicher verließ ihn die Zuversicht. Paris war eine große Stadt. Woher sollte er wissen, dass der Andere überhaupt noch da war? Vielleicht war er längst in seine Heimat zurück gekehrt? Dann könnte er suchen bis zum St. Nimmerleinstag. Frustriert beschloss er die Suche für heute aufzugeben und lieber seinen Freund im Krankenhaus zu besuchen, sehr wohl ahnend, dass dieser nicht wirklich begeistert wäre, wenn er keinerlei positive Nachricht brachte.

Der Gesuchte hatte inzwischen die großen Kaufhäuser von Paris durchforstet und machte sich auf den Weg in sein derzeitiges zu Hause. Auf dem Weg dorthin kam er am Zirkusplatz vorbei, wo Marius ihn durch Zufall sah und aufhielt.

"Apollo, bitte ich muss mit dir reden. Es tut mir leid wie ich dich behandelt habe, aber du musst verstehen, dass dein Verhalten mich verärgert hat. Du kommst und gehst wann du willst und trainierst kaum mit uns. Dabei sollte dir bewusst sein, wie wichtig das ist!"
Eindringlich sah er den schlanken Iren an, aber der zuckte nur mit den Schultern.

"Wenn du glaubst, dass ich zurück komme, dann hast du dich geschnitten. Ich habe einen neuen Job, bei dem ich viel mehr verdiene als in deiner drittklassigen Truppe. Apropos verdienen. Ich bekomme noch das Geld für die bisherige Saison von dir. Das steht mir vertraglich zu und das gibst du mir jetzt bitte!"

Fordernd hielt er die Hand auf. Marius starrte auf die hingehaltene Hand. Er wusste, dass der Andere die Wahrheit sagte, aber er hoffte ihn noch umstimmen zu können.

"Bitte, überleg dir das doch noch mal! Du weißt, dass du der Star der Show warst und ohne dich sind wir doch alle verloren. Unsere Diskrepanzen können wir doch irgendwie beseitigen. Du hast das Fliegen doch immer geliebt. Komm zurück, wenn nicht um meinetwillen, dann wegen deiner Arbeit!"

Jetzt schon fast flehend schaute er ihm in die grünen Augen, aber der junge Ire blieb hart.

"Es tut mir leid für die Anderen ,aber das hättest du dir früher überlegen sollen. Gib mir mein Geld und lass mich gehen. Du hast recht, ich liebe das Fliegen, aber darum würde ich niemals hierher zurück kehren. Wie du vielleicht weißt gastiert auch "The Stars Circus" hier. Er könnte mir erheblich bessere Arbeitsbedingungen und ein höheres Gehalt bieten. Wenn ich nach meinem Kurzzeitjob zurück zum Zirkus gehe, dann zu ihm! Und jetzt beeil dich bitte, ich muss gleich zur Arbeit!"

Der Blonde sah ein, dass er verloren hatte, zog seine Geldbörse aus der Tasche und hielt Apollo ein Bündel Geldscheine vor die Nase.

"Hier hast du dein Geld. Leb wohl!"

Er wollte sich abwenden, drehte sich aber noch mal um.

"Ach und sag diesem Diener von deinem Unfallgegner, danke, dass er dich hergeschickt hat!"

Damit drehte er sich endgültig um und schickte sich an zu gehen, aber Apollo hielt ihn zurück.

"Was für ein Diener? Wovon redest du? Es war reiner Zufall, dass ich hier vorbei kam!"

Marius zog überrascht eine Augenbraue hoch.

"Ach so, und ich dachte, er hätte dich hergeschickt. Darum hatte ich ihn gestern gebeten als er hier war und sich nach dir erkundigte. Er meinte, es gäbe noch irgendein Missverständnis zu klären! Aber jetzt entschuldige mich, ich muss mich fertig machen!"

Mit diesen Worten ließ er den vollkommen überraschten Iren stehen und ging in Richtung Zelt davon. Als dieser sich von dem Schock erholt hatte, machte er sich tief in Gedanken versunken auf den Weg nach Hause. Die Zeit drängte. Es war bereits halb vier. Zähneknirschend nahm er sich ein Taxi.
Mathieu hatte in der Zwischenzeit das Krankenhaus erreicht und saß bei seinem Freund, der immer noch miserable Laune hatte am Bett.

"Es tut mir leid, aber ich habe wirklich alles abgeklappert, wo man ihn vermuten könnte. Keiner hat ihn gesehen. Auch in dem anderen Zirkus war er nicht. Womöglich ist er schon längst außer Landes. Welchen Grund sollte er auch haben länger hier zu bleiben? Wenn er deiner Nähe wirklich entfliehen will, dann wird er auf dem schnellsten Weg zurück in seine Heimat gegangen sein. Ihn dort zu finden dürfte aber so gut wie unmöglich sein, zumal wir nicht wissen, aus welchem Teil Irlands er stammt. Ich fürchte, du musst dich damit abfinden, dass er weg ist und du ihn nie wieder siehst!"

Zärtlich strich er dem Schwarzhaarigen über die Hand, aber dieser schlug sie einfach weg und drehte den Kopf weg.

"Danke für deine Hilfe. Wahrscheinlich hast du Recht. Aber sag, kannst du mir noch einen Gefallen tun? Ich will hier raus! Ich hasse dieses Krankenhaus. Mir fällt sie Decke auf den Kopf und machen kann ich auch nichts. Bitte bring mich nach Hause! Ich übernehme die volle Verantwortung!"

Bittend sah er Mathieu in die Augen. Dieser schüttelte nur den Kopf.

"Du weißt, dass ich sonst alles für die tue, aber darum darfst du mich nicht bitten. Ich habe Angst, dass du mir wieder zusammenklappst. Du bist schließlich frisch operiert. Warte doch noch ein paar Tage ab. Der Arzt sagte doch, du kommst auf jeden Fall vor Weihnachten raus. Das ist doch nicht mehr lange. Bitte, tu es für mich. Du bist schließlich mir bester Freund und ich will nicht, dass dir etwas passiert!"

Armand nickte und zog den Kleineren fest an sich.

"Vermutlich hast du recht. Bitte verzeih mir! Ich war ein Idiot. Natürlich bleibe ich bis der Arzt mich gehen lässt. Das bin ich dir schuldig. Aber eine Bitte habe ich trotzdem. Bleib diese Nach bei mir. Ich will nicht wieder aufwachen und kein Mensch ist da."

Mathieu lächelte und nickte an seinen Brust gekuschelt.

"Natürlich bleibe ich. Rutsch mal ein Stück, dann kann ich mich zu dir legen!"

Der Dunkelhaarige grinste.

"Wenn das die Schwester sieht fällt sie in Ohnmacht, aber das ist mir egal. Ich brauche jetzt jemanden der mich hält und tröstet. Soll sie doch denken was sie will!"

Damit rutschte er ein Stück zur Seite und zog seinen Freund ganz ins Bett und fest an sich heran. Dieser schmiegte den Kopf in dessen Halsbeuge und schloss die Augen. Der heutige Tag war sehr anstrengend gewesen und er schlief fast augenblicklich ein. Armand hauchte ihm einen leichten Kuss auf die Stirn und schlief ebenfalls eng an ihn gekuschelt ein. Als die Schwester mit dem Abendessen reinkam fand sie zu ihrem Entsetzen zwei fest aneinander geschmiegte Männer vor. Sie rief den Chefarzt, weil man das doch nicht zulassen konnte, aber dieser winkte nur ab und meinte, man solle sie besser schlafen lassen, bevor der Vicomte erneut bissige Kommentare machte.
Apollo absolvierte in der Zwischenzeit die Proben, das Abendessen und seine zweite Vorstellung, heute allerdings fast wie in Trance. Nach der Vorstellung ging er sofort ins Bett und schloss die Garderobe von innen ab. So merkte keiner, dass er wie bereits in der letzten Nach im Opernhaus schlief.


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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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