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5. Dezember 2005

"Weihnachtszirkus"(Teil 5) von Youkita

Am nächsten Tag wachte er wie gerädert auf. Er hatte zwar geschlafen wie ein Stein, aber mit dem Aufwachen kamen auch die Erinnerungen und die Fragen.

# Warum suchte ein Diener von Armand nach ihm? Als ich bei ihm war deutete nichts auf einen Angestellten hin. Er machte den Eindruck als könne er selbst für sich sorgen. Und was für ein Missverständnis sollte das sein? Ich habe doch die Karte zurück gelassen. Moment mal, vielleicht ist sie durch den Windzug der entstand als ich die Tür aufgerissen habe weggeweht und irrtümlicherweise im Müll gelandet. Mein Gott, dann habe ich ein Problem. Ich muss sie ja ersetzten und das ist teuer. Shit, aber vielleicht habe ich ja Glück und sie ist noch irgendwo in der Loge.#

Sofort schwang er seine schlanken Glieder aus dem Bett, warf sich seinen neu erworbenen Morgenmantel über und lief auf direktem Weg in die Loge, wo er verzweifelt nach dem wertvollen Stück suchte.
Auch Mathieu war mittlerweile aufgewacht, ließ seinen Freund aber noch schlafen und zog sich leise an. Er beschloss noch ein letztes Mal auf die Suche nach dem jungen Iren zu gehen. Außerdem wollte er noch kurz in die Oper um ein paar persönliche Gegenstände des Comte holen. Armand wachte durch die fehlende Körperwärme an seiner Seite auf. Verschlafen sah er sich um, konnte seinen Freund aber nirgendwo entdecken. Niedergeschlagen versuchte er aufzustehen, denn seinen Blase meldete sich sehr deutlich. Leicht schwankend ging er , sich an der Wand und dem hässlichen modernen Schrank festhaltend, ins Badezimmer. Dort erleichterte er sich und warf einen Blick in den Spiegel. Erschrocken zuckte er zusammen. Sein Gesicht war eingefallen und er hatte wie immer wenn es ihm schlecht ging dunkle Ränder unter den Augen, die zudem noch tief in ihren Höhlen lagen. Resignierend drehte er den Wasserhahn auf und wusch sich mit eiskaltem Wasser durch das Gesicht. Sein Aussehen war ihm ausnahmsweise vollkommen egal. Für wen sollte er auch schön sein? Mathieu kannte ihn in noch schlimmeren Zustand und der Mann, der ihm mit jedem Tag den er ihn nicht sah mehr fehlte, würde vermutlich nie mehr auftauchen. Als er fertig mit waschen war schnappte er sich seinen alten Morgenmantel, der neuere Elegantere war in seiner Garderobe im Opernhaus, und verließ sein Zimmer in Richtung Telefonhäuschen. Er wollte mit Jacques sprechen. Irgendwie brauchte er Abstand von Paris und den Erinnerungen an Apollo.
Am Häuschen angekommen wählte er die Nummer des Intendanten und ließ sich auf den Boden sinken. Am anderen Ende der Leitung meldete sich die bekannte Stimme.

"Opernhaus Paris, Jacques am Telefon?"

Armand grinste. Er fragte sich jedes Mal warum sich der Ältere auf diese Art und Weise meldete.

"Bonjour mon ami, hier ist Armand. Tut mir leid, dass ich dir solche Probleme bereitet habe, aber es war wirklich eine recht ernste Sache. Hast du denn einen einigermaßen guten Vertreter für mich gefunden?"

Ehrlich gespannt wartete er auf einen Antwort.

"Armand, alter Schlawiner! Schön deine Stimme zu hören. Ja, ich habe einen Fantastischen Ersatz für dich gefunden. Er hat nicht nur unglaubliches Talent, er sieht auch noch atemberaubend gut aus. Eigentlich brauchst du gar nicht wieder zu kommen!"

Der schwarzhaarige Tänzer lächelte, obwohl sein Gesprächspartner das nicht sehen konnte.

"Wunderbar, darum rufe ich an. Weißt du, der Arzt meinte, ich bräuchte dringend eine Auszeit und etwas Tapetenwechsel. Darum wollte ich dich um einen längeren Urlaub bitten. Es ist wirklich wichtig für mich!"

Bei den letzten Worten hatte seine Stimme fast flehend geklungen. Der Mann am anderen Ende der Leitung schluckte kurz, nickte dann aber. Er kannte Armand sehr lange und wenn er eine solche Bitte äußerte, dann musste es wirklich etwas Ernstes sein.

"Natürlich bekommst du deinen Urlaub! Dieser Engländer hat einen unbefristeten Vertrag unterschrieben. Den werde ich hier schon halten können. Ich wünsche dir gute Besserung und hoffe dich irgendwann gut erholt wieder zu sehen!"

Damit legte er einfach auf. Armand sah verwundert auf das Telefon. Er wusste zwar, dass der Intendant ihm fast alles durchgehen ließ, aber mit einer solch spontanen Zusage hatte er nun doch nicht gerechnet. Er konnte ja nicht ahnen, dass der Andere ein Auge auf seine Vertretung geworfen hatte. Fast traurig stand er auf und ging zurück in Richtung Zimmer.

#Super, so einfach bin ich also zu ersetzten. Pah, na dann soll er sich mal einige Zeit mit seinem neuen "Star" begnügen. Mich sieht er die nächsten Monate nicht mehr. Ich werde bei Antony anrufen. Vielleicht braucht er ja noch einen Artisten!"

Auf halbem Weg kehrte er um und ging noch mal zurück zum Telefon. Dort rief er einen guten Freund, Antony Louis an. Dieser hatte gerade einen heftigen Streit mit einem seiner Stars, dem berühmten Flieger Alexander McCarthey.

"Verdammt, ich werde doch am besten wissen was ich mir zutrauen kann und was nicht! Eine Trapeznummer ist nun mal ohne Netz viel spektakulärer. Außerdem hat man es früher nie mit gemacht. Ach und gekauft hast du die Nummer schließlich auch so. Du willst mir doch nicht sagen, dass du freiwillig auf so etwas einmaliges verzichtest! Du wärst ja bescheuert!"

Der junge Zirkusdirektor funkelte den Größeren wütend an.

"Pass auf was du sagst! Ich lasse mich nicht von dir beleidigen. Wenn du meinst, du müsstest leichtsinnigerweise dein Leben riskieren, bitte mach das aber nicht in meinem Zirkus! Ich habe einmal einen Flieger abstürzen sehen, dessen Körper auf dem Manegenboden zerschellte. Der Anblick hat mir gereicht. Es steht dir frei zu gehen. Ich halte dich nicht auf!"
Wütend wies er dem anderen die Tür. Dieser schnaubte nur verächtlich und stürmte aus dem Wagen. Keine 3 Sekunden später klingelte Antonys Handy. Immer noch wütend ging er ran.

"Ja, Zirkus "The Stars" hier?"

Armand zuckte bei der kalten Stimme am anderen Ende der Leitung zusammen. Irgendwie war er wohl heute nirgendwo willkommen.

"Hi, hier ist Armand. Ich hoffe ich störe nicht?"

Antony zog erstaunt die Augenbraue hoch und lächelte. Er hatte sehr lange nichts mehr von dem Franzosen gehört.

"Nein, ich hatte nur etwas Stress mit meinem Starflieger. Schön dass du dich mal meldest! Du hast nicht zufällig Lust wieder bei mir zu arbeiten? Ich hätte da einen Job als Flieger, allerdings nur mit Netz!"
Besonders den letzten Teil des Satzes betonte er, was Armand einen kalten Schauer über den Rücke jagte. Er war dabei gewesen als der Flieger, Anthonys Lebensgefährte, damals abstürzte.

"Natürlich nur mit Netz und ja, ich würde gerne für dich arbeiten. Darum rufe ich ja an. Ich brauche aus verschiedenen Gründen dringend etwas Abwechslung und der Zirkus ist da genau das Richtige. Ihr tourt doch durch, oder habt hier in Paris euer Winterquartier?"

Erwartungsvoll sah er den Hörer an. Antony am anderen Ende der Leitung konnte sein Glück kaum fassen.

"Wunderbar! Wann kannst du anfangen? Nein, wir haben kein Winterquartier. Wir touren durch. Nur über die Feiertage haben wir Pause. Am 27. Dezember reisen wir ab. Es geht nach Deutschland."

Armand strahlte. Deutschland war weit genug von Irland und Paris entfernt. Außerdem würde er durch das Fliegen so abgelenkt sein, dass er den jungen Iren bald vergessen haben würde.

"Fantastisch! Dann stehe ich am 26. pünktlich zum abbauen mit meinem Wagen bei dir vorm Zelt. Eher geht es nicht weil ich mich noch etwas schonen muss. Ich rufe von Krankenhaus an. Hatte eine kleine OP aber nichts dramatisches. Nach Weihnachten bin ich wieder fit!"

Der schlanke Zirkusdirektor zog bei den Worten des Fliegers die Luft ein, reagierte aber nicht weiter darauf, da er den anderen gut genug kannte um zu wissen, dass er seinen Zustand sehr gut selbst einschätzten konnte. Darum lächelte er nur und verabschiedete sich gut gelaunt von ihm.

"In Ordnung, ich freue mich und wünsche dir schöne Feiertage! Bis nächste Woche!"

Damit legte er auf. Armand war beim erwähnen der Weihnachtstage zusammen gezuckt. Er hatte keine Ahnung wie er sie überstehen sollte. Am besten mit einem Haufen Schlaftabletten. Niedergeschlagen ging er nun entgültig in sein Zimmer zurück, wo ihn der Chefarzt bereits erwartete.

"Sind sie wahnsinnig? Wer hat ihnen erlaubt aufzustehen? Wissen sie was, gehen sie doch gleich nach Hause ohne mich zu fragen, aber lassen sie sich bitte in ein anderes Krankenhaus einliefern, wenn sie erneut zusammenklappen!"

Wütend starrte er seinen Patienten an. Dieser zuckte nur mit den Schultern und ging an den Schrank um seinen Sachen zu packen. Der Arzt sah ihm entgeistert hinterher. Er hätte nicht damit gerechnet, dass der junge Adlige seine Worte sofort in die Tat umsetzen würde.

"Das ist jetzt nicht ihr Ernst oder? Ihre Werte sind zwar OK, aber trotzdem birgt eine so frühzeitige Entlassung gewisse Risiken. Ach was rede ich da eigentlich? Mir kann es doch nur recht sein. Patienten wie sie sind nämlich auf gut deutsch gesagt zum kotzen. Hier haben sie die Papiere. Unterschreiben sie, dass sie auf eigene Verantwortung gehen!"

Mit diesen Worten hielt er dem erstaunten Tänzer ein Blatt unter die Nase was dieser ohne zu zögern unterschrieb. Der Arzt verabschiedete sich und verließ das Zimmer. Zurück blieb ein verwirrter Armand.

#Ich scheine mich ja sehr unbeliebt gemacht zu haben. Scheiß was drauf. Schließlich ist es mein gutes Recht mich zu beschweren wenn mir was nicht passt und diese aufdringliche Kuh ging mir wirklich auf die Nerven. Füttern, pah, ich bin doch kein Baby mehr und meine Arme hat man mir auch nicht amputiert. Außerdem war es offensichtlich, dass sie mich anbaggern wollte.#

Grummelnd schnappte er sich seine Tasche und ging langsam zum Aufzug der ihn nach unten brachte. Dort nahm er sich ein Taxi und fuhr nach Hause. An Mathieu dachte er in dem Moment überhaut nicht.
Dieser war wieder den halben Tag erfolglos durch die französische Hauptstadt gelaufen und machte gerade eine kleine Pause. Mittlerweile war es später Nachmittag und er hatte Hunger.
Apollo hatte inzwischen die ganze Loge abgesucht und nichts gefunden. Verzweifelt war er zurück in die Garderobe gegangen und hatte sich aufs Bett geworfen wo er erschöpft eingeschlafen war. Er wachte erst wieder auf, als seine Blase sich bemerkbar machte. Gähnend schlurfte er ins Bad, erleichterte sich und warf sich seinen Mantel über. Er wollte kurz zum Supermarkt um etwas zu essen zu besorgen. Draußen zuckte erschauerte er. Das Wetter war umgeschlagen und es schneite wie verrückt. Die Leute die ihm entgegen kamen waren alle in Weihnachtsstimmung, kein Wunder denn am nächsten Tag war Heiligabend und am 25. Weihnachten. Darum hatte die Oper auch bis zum 27. Dezember geschlossen. Eigentlich war der junge Ire froh darüber. So konnte er wenigstens sicher sein, dass keiner ihn überraschte. Deprimiert schlich er durch den Supermarkt und kaufte die nötigsten Dinge ein. Kurz bevor er zur Kasse ging entschloss er sich noch eine Packung Schlaftabletten mitzunehmen. Er war ganz allein und wollte von den Feiertagen so wenig wie möglich mitbekommen. Die Einsamkeit war eh schon schlimm genug.
Mathieu war, nachdem er seine Pause beendet hatte in Richtung Oper aufgebrochen um ein paar persönliche Gegenstände seines Freundes zu holen, die er ihm noch ins Krankenhaus bringen wollte. In Gedanke war er schon bei ihm, als er vor der Garderobentür erschrocken stehen blieb. Diese war nicht abgeschlossen und stand einen Spalt offen. Durch diesen drang Licht und das leise Klappern von Geschirr.

#Mon dieu, was hat das zu bedeuten? Wer kann um diese Zeit noch hier sein? Die Oper hat doch über die Weihnachtstage immer geschlossen?#

Leise und vorsichtig stieß er die Tür auf, innerlich schon darauf vorbereitet seinem Freund gegenüber zu stehen. Was er aber sah übertraf seine kühnsten Vorstellungen. Auf dem Bett saß, einen Teller in der Hand, Apollo. Dieser war bei dem leisen Geräusch der Tür erschrocken aufgesprungen, wobei der Teller mit einem klirren zu Boden gefallen und zerbrochen war. Zitternd sah er den Logendiener an, der langsam auf ihn zu kam.

"Du hier? Wie um alles in der Welt kommst du hierher? Ich habe dich überall vermutet, aber nicht in Armands Garderobe. Ich dachte vielmehr, dass du zurück nach Hause gegangen bist um Weihnachten mit deiner Familie zu feiern. Armand ist total verzweifelt. Er hat mich durch ganz Paris gescheucht um dich zu suchen. Warum bist du einfach davon gelaufen?"

Besorgt sah er den jungen Mann, der wie ein Häufchen Elend vor ihm stand an.

"Ich, ich bin die Vertretung für Monsieur de Chatelet. Ich habe die Anzeige im Radio gehört und fühlte mich verpflichtet ihn zu vertreten weil ich doch Schuld an der ganzen Sache bin. Wegen der Feiertage habe ich aber kein Hotelzimmer gefunden. Darum hab ich mich hier eingerichtet. Der Herr Intendant hat auch keine Ahnung. Bitte glauben sie mir, ich habe nichts gestohlen oder beschädigt. Diesen Teller werde ich natürlich ersetzen und auch die Karte. Ich hatte sie zwar zurück gelassen, aber scheinbar ist sie verloren gegangen. Es tut mir so leid. Ich werde sofort meine Sachen packen und verschwinden. Bitte zeigen sie mich nicht an!"

Mit Tränen in den Augen sank der junge Ire zu Boden und versuchte die Scherben zusammen zu sammeln. Dabei zitterten seine Hände aber so sehr, dass er sich ziemlich doll schnitt. Mathieu hatte ihn mit wachsendem Entsetzten angesehen. Warum hatte der arme Kerl bloß eine solche Angst vor ihm?

"Hey, du brauchst dich für gar nichts zu entschuldigen. Es war nicht deine Schuld, dass Armand im Krankenhaus liegt. Auf jeden Fall nicht nur. Schließlich ist er in dich reingerannt. Und was die Karte betrifft, die ist da. Ich habe sie gefunden als du weg warst. Wir würden nur beide gern wissen, warum du einfach abgehauen bist. Hat es dir so wenig gefallen oder kannst du Armand überhaupt nicht leiden? Warum bist du dann überhaupt gekommen? Weißt du, es tut ihm leid, dass er dich so abfällig behandelt hat, aber er ist nun mal von Haus aus etwas misstrauisch und schwer zugänglich. Dass du sein Herz in solch kurzer Zeit so dermaßen erobert hast das grenzt schon an ein Wunder. Du musst wirklich etwas ganz Besonderes sein. Bitte rede doch noch mal mit ihm. Es geht ihm psychisch sehr schlecht. Diese enorme Ablehnung tut ihm unglaublich weh. Glaubst du das bekommst du hin?"

Bittend sah er dem Jüngeren in die schönen Augen und kniete sich ganz vorsichtig vor ihn um sich dessen blutige Hand zu untersuchen. Apollo starrte ihn mit großen, ungläubig aufgerissenen Augen an.

#Das ist jetzt nicht sein Ernst, oder? Armand soll mich so gern haben, dass er meinetwegen sogar krank geworden ist? Das kann doch nicht sein. Ich bin doch bloß ein einfacher Zirkusartist und Restaurator. Was kann ein Mann wie er an mir finden?#

Mathieu lächelte ihn an.

"Das muss verbunden werden. Warte hier. Ich hole schnell einen Verbandskasten, aber bitte lauf nicht wieder weg! Versprich es mir!"

Der Ire nickte nur und blieb sitzen. Er begriff das alles immer noch nicht. Mathieu flitze kurz ins Bad, wo der Verbandskasten lag, kam keinen Minute später zurück und verband die Wunde fachmännisch. Dabei versuchte er etwas über den seltsamen jungen Mann rauszubekommen.

"Du bist doch Ire nicht wahr? Woher kommst du genau? ich war mal in Irland in Urlaub. Rucksackurlaub mit Armand. Wir sind zu Fuß durch das Land gelaufen und haben übernachtet wo wir wollten. Es war herrlich! Am Ende der Reise waren wir noch 3 Tage in Dublin. Eine schöne Stadt. Warum bist du von dort fortgegangen? Armand sagte dass du dort eine Ausbildung als Restaurator gemacht hast. Das ist doch ein schöner Job!"

Neugierig aber absolut ehrlich und freundlich sah er Apollo an. Dieser war nun vollends verwirrt. Antwortete aber höflich auf die Fragen.

"Ich bin aus Belfast. Es ist die zweitgrößte Stadt in Irland. Sie habe sicher schon davon gehört. Es tobten immer wieder Bürgerkriege dort und wirklich friedlich ist es immer noch nicht. Es kann jederzeit wieder etwas passieren. Fortgegangen bin ich aus diesem Grund und weil meine Familie mich verstoßen hat. Ich habe mich in einen männlichen Artisten verliebt. Meine Eltern waren außer sich. Sie wissen sicher, dass Iren in der Regel streng katholisch sind. Also habe ich meine Habseligkeiten zusammen gepackt und zu meinem Freund gegangen. Im Zirkus habe ich gelernt am fliegenden Trapez zu arbeiten. Wir wurden nicht nur in privat Partner, sondern auch in der Manege. Allerdings wusste keiner von unserer Beziehung und als es aufflog wurden wir vor die Entscheidung gestellt uns zu trennen und künftig als Heteros zu leben oder den Zirkus zu verlassen. Er entschied sich gegen mich und so bin ich gegangen. Ich konnte und wollte meine Identität nicht verleugnen. Die Trennung von ihm hat mir sehr weh getan und ich habe mich erst mal vom Zirkus fern gehalten, aber als ich an einem Winterabend in New York überfallen und missbraucht wurde, da fand mich ein junger Artist, der mich mitgenommen hat. Ich war bewusstlos und wäre ohne seine Hilfe vermutlich erfroren. In seinem Zirkus war ich beinahe 4 Jahre und keiner hat sich darum gekümmert mit wem ich schlief, aber der Direktor hatte zu hohe Ziele und führte das Geschäft in den Bankrott. So war ich wieder obdachlos. Nach einer kurzen Zeit mit Gelegenheitsjobs landete ich dann beim Zirkus Barelli, wo sie mich ja auch gesucht haben, denn ich nehme an, dass sie das waren. Marius sagte so etwas. Bei Barelli bin ich rausgeflogen, weil Marius meinte, ich würde mich benehmen wie eine Diva. Er konnte mich aber von Anfang an nicht leiden. Er war früher selber mal Flieger und konnte durch einen Unfall nur noch am Fangtrapez arbeiten. Das hat er nicht verkraftet und war neidisch auf jeden, der noch fliegen konnte und das auch noch besser als er zu seinen Glanzzeiten!"

Apollo schwieg und sah den anderen still an. Dieser hatte gespannt zugehört und nahm den jungen Iren spontan in die Arme. Dessen trauriges Schicksal bewegte ihn sehr.

"Das ist ja hart. Kein Wunder, dass du so schüchtern und verängstigt bist. Aber jetzt bist du in Sicherheit und bei Menschen die dich mögen! Ach bevor ich es vergesse, mein Name ist Mathieu und du brauchst mich nicht zu siezen. Ich bin ein sehr guter Freund von Armand und gleichzeitig sein "Mädchen für alles". Seine Freunde sind auch meine. Aber jetzt komm, er wird froh sein dich zu sehen!"

Damit zog er Apollo behutsam auf die Füße, warf noch schnell den Bademantel des Tänzers in eine Tasche, schnappte sich diese und das Gepäck des Iren und zog in aus dem Raum. Der hatte dem Handeln des Franzosen nur erstaunt zugesehen und folgte diesem jetzt zu seinem Auto, einem alten Käfer Cabriolet.

"Das ist meine Luxuskarosse. Ich hoffe, du bist jetzt nicht schockiert, aber die Limousinen stehen alle an der Villa in der Garage. Die werden nur benutzt, wenn Armand mal etwas Wichtiges vor, oder seine Angeberphase hat. Das kommt aber in der Regel sehr selten vor!"

Fröhlich lächelnd packte er die Taschen und Tüten in den Kofferraum und schob Apollo auf den Beifahrersitz. Nach einer knappen Viertelstunde waren sie an der Villa angelangt und der quirlige Butler schnappte sich das Gepäck und schloss die Tür des Hauses auf. Als sein Blick auf den Fußboden fiel, traf ihn fast der Schlaf. Dort lag ein handgeschriebener Zettel von Armand.

"Was zu Teufel ist das?"

Mathieu nahm das Stück Papier vom Boden auf, überflog es und erschrak.

>Lieber Matty!
Ich weiß, du wirst mich jetzt verwünschen aber ich konnte nicht anders. Ich bin aus dem Krankenhaus auf eigene Verantwortung entlassen worden und habe bei Jacques angerufen, dass ich eine Auszeit brauche. Darum habe ich mich entschlossen zu Antony tu gehen. Ich brauche einen Tapetenwechsel und Abstand um das alles hier zu vergessen. Ich danke dir für alles, was du für mich getan hast und hoffe, dass du mir nicht allzu böse bist! Wenn ich mich etwas eingelebt habe und fort aus Paris bin, dann melde ich mich bei dir. ich wünsche dir ein wunderschönes Weihnachtsfest mit deiner Familie. Zur ihr kannst du ja jetzt fahren, weil du dich nicht um einen liebeskranken Adligen kümmern musst! Alles Liebe und bis nächstes Jahr.

Dein alter Freund Armand


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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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