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6. Dezember 2005

"Weihnachtszirkus"(Teil 6) von Youkita

Mathieus Gesichtsfarbe hatte sich beim Lesen des kurzen Textes immer mehr in Richtung weis verwandelt. Apollo, der das mit Erstaunen beobachtet hatte nahm das kleine Blatt Papier auf und las die Zeilen ebenfalls. Seine Augen weiteten sich.

#Armand ist weg? Wer ist Anthony? Was hat das alles zu bedeuten?#

Verwirrt sah er den schlanken Franzosen an, der sich langsam hatte zu Boden sinken lassen.

#Ich glaub das jetzt nicht. Der Kerl ist vor 3 Tagen operiert worden und jetzt haut er einfach aus dem Krankenhaus ab um zu einem Zirkus zu flüchten. Das ist Wahnsinn!#

Dies sagte er auch dem jungen Flieger, der nun entgültig nichts mehr verstand. Er konnte sich den schönen Tänzer beim besten Willen nicht bei einem Zirkus vorstellen.

"Mathieu, was ist das für ein Zirkus und woher kennt Armand den Direktor? Ist er Förderer oder woran liegt das? Ich meine er ist Mitglied des französischen Hochadels. Er hat nun wirklich nichts in dem Milieu zu suchen. Nicht dass ich etwas gegen den Zirkus hätte, aber ein so eleganter, gebildeter und kultivierter Mann wie er langweilt sich dort doch sicher zu Tode!"

Der Schlankere sah ihn kühl an.

"Erstens gibt es eigentlich keinen wirklichen Hochadel mehr. Das müsste selbst dir als "primitivem" Artisten bekannt sein und zweitens hat er sich noch nie viel um seine Stellung geschert. Er war vor langer Zeit mal mit einem Artisten zusammen. Damals war er von zu Hause abgehauen, weil ihn das elitäre Getue angenervt hat. Der Zirkus gastierte zu der Zeit gerade in der Stadt und er war fast jeden Tag in der Vorstellung um diesen Typen zu beobachten. Er war viel älter und arbeitete am Trapez. Seine Stärke und Eleganz faszinierten Armand und er wollte nichts mehr als ihm nah sein, auch wenn das bedeutete dass er seine Höhenangst überwinden und fliegen lernen musste. Also packte er in einer Nacht- und Nebelaktion seine Sachen und verschwand. Dem Kerl kam das gerade recht. Er brachte eh Frischfleisch im Bett und in der Luft. Im Grunde hat er den armen Armand nur ausgenutzt. Geliebt hat er ihn nie. Er war sogar verheiratet, aber seine Frau ist nicht mitgereist, weil sie zwei kleine Kinder hatte, für die das ständige Reisen zu anstrengend gewesen wäre. Als unser Freund das erfahren hat brach für ihn eine Welt zusammen. Jules, so hieß dieser Clodo, war seine erste große Liebe. Er hätte alles für ihn getan, aber dieser Dreckskerl war es nicht wert. Wenn Anthony damals nicht gewesen wäre, ich glaube, Armand hätte sich vom Podest in die Manege gestürzt, so verzweifelt und verletzt war er. Deshalb kann ich ja nachvollziehen, dass er jetzt zu ihm geht, weil er glaubt, er sieht dich nie wieder, aber es ist noch viel zu früh. Ich traue diesem Wahnsinnigen zu, dass er in der nächsten Stadt schon wieder beim Training mitmacht. Wir müssen ihn finden, bevor noch etwas passiert!"

Apollo hatte dem Blonden mit steigendem Entsetzen zugehört. Jetzt zog er ihn unsanft auf die Füße und aus dem Haus raus. Er machte sich wahnsinnige Sorgen um seine heimliche Liebe. Mathieu hielt ihn kurz vor dem Auto auf.

"Hey warte. Lass mich wenigstens abschließen! Außerdem sollten wir Anthony kurz anrufen um ihn zu fragen, ob Mimi schon da ist. Womöglich macht er noch irgendwo einen Zwischenstop. Zuzutrauen wäre es ihm."

Der junge Ire sah sein Gegenüber ungeduldig an.
"Na gut, aber beeil dich! Ich mache mir wirklich Sorgen um ihn!"

Flehentlich blickte er dem Butler in die Augen. Dieser wählte bereits die Nummer des Zirkusdirektors. Es klingelte ziemlich lange bis ein atemloser Anthony dranging.

"Louis hier?"

Mathieu hielt sich nicht lange mit einer Begrüßung auf.

"Hi Tony, hier spricht Matt. Sag, ist Armand schon bei dir? Er hat sich spontan entschlossen doch schon über die Feiertage zu euch zu kommen! Das hat er mir zumindest geschrieben!"

Gespannt wartete er auf eine Antwort. Tony, der eben deswegen so außer Atem war sah den Hörer etwas irritiert an. Irgendwie kam ihm die ganze Sache doch etwas komisch vor.

"Ja, ist er. Ich habe ihn erst mal ins Bett gesteckt, denn er sieht aus wie Leiche auf Urlaub. So würde ich ihn im Leben an kein Trapez lassen. Was ist ihm bloß eingefallen? Sonst ist er doch nicht so leichtsinnig. Kannst du mich vielleicht mal aufklären?!"

Seine Stimme klang ehrlich besorgt. Matt lächelte.

"Ja, aber nicht jetzt. Pass auf, wir kommen zum Zirkus und erklären dir alles. Versprich mir bis dahin Armand nicht aus den Augen zu lassen und dafür zu sorgen, dass er nicht auf Trapez geht! Danke alter Freund! Bis nachher!"

Damit legte er einfach auf, schob Apollo in das Auto schloss noch schnell ab und brauste dann mit einen Affenzahn los. Der Zirkusdirektor starrte verwirrt den Hörer an.

#Was war das denn jetzt? Wer ist wir? Ich verstehe gar nichts mehr. Nun ja, wenn Matt und wer auch immer hier sind werde ich wohl hoffentlich endlich alles erfahren. Langsam fange ich nämlich an mir Sorgen zu machen.#

Anthony ging in das Wohnmobil in dem der junge Tänzer schlief und bereitete leise auch Übernachtungsmöglichkeiten für die neuen Gäste vor. Er bezweifelte, dass diese an Weihnachten nach Hause zurück fahren würden. Armand bekam von all dem nichts mit. Er schlief wie ein Toter, denn die Fahrt hierher hatte ihn sehr angestrengt.
Mathieu und Apollo brausten unterdessen durch das nächtliche Paris. Überall war Weihnachtsdekoration an den Fenstern, die Straßen waren festlich geschmückt. Es war mittlerweile nach Mitternacht, der 24. Dezember. Keiner der beiden redete. Jeder ging seinen Gedanken nach.

#Hoffentlich macht Mimi keine Dummheiten. In diesem Zustand ist ihm alles zuzutrauen, aber ich denke, Tony wird schon auf ihn aufpassen. Was Apollo wohl jetzt empfindet? Er schien ehrlich besorgt zu sein. Sicher ist es wie ich vermutet habe, er liebt Armand genau so sehr wie dieser ihn, hat sich aber, sicherlich auch aufgrund seiner Vergangenheit nicht getraut eine Beziehung mit ihm einzugehen. Verrückter Kerl, aber er ist der Richtige für den alten Spinner! Da bin ich mir sicher!#

Matt warf dem jungen Iren einen verstohlenen Blick von der Seite zu. Dieser hatte seinen Kopf an das Fenster gelehnt, seine Jacke als Kissen zusammen gerollt und schien zu schlafen. Liebevoll lächelte der Butler und richtete seinen Blick wieder auf die Straße.
Apollo schlief aber nicht und dachte über Armands Geschichte nach. Die Vorstellung, dass der hübsche Tänzer von seiner großen Liebe so verraten wurde, machte ihn wütend. Er ballte die Hände zu einer Faust und schwor sich Armand nie mehr zu enttäuschen oder zu verletzen. Innerlich schalt er sich einen Idioten, dass er sich so kindisch verhalten hatte und einfach weggelaufen war.

#Wie konnte ich nur? Ich liebe ihn doch und selbst wenn er meine Gefühle nicht erwidert hätte, dann wäre das kein Grund gewesen sein freundliches Geschenk so mit Füßen zu treten. Außerdem hat er mir mit der Karte und dem Nachlaufen signalisiert, dass ich ihm nicht gleichgültig sein kann. Das hat Mathieu ja durch seine Worte noch untermauert. Hoffentlich verzeiht er mir. Ich würde so gern ein neues Leben mit ihm anfangen. Ich bin mir ganz sicher, dass er der Richtige ist. Shit, es ist ja bereits der 24.! Morgen ist Weihnachten und ich habe kein Geschenk für ihn. Nun ja, vielleicht kann ich ja morgen früh schnell noch etwas besorgen.#

Mit diesen Gedanken nickte er ein. Eine Viertelstunde später erreichten sie den Zirkusplatz und Mathieu weckte seinen Beifahrer behutsam.

"Hey Schnarchbär, aufwachen. Wir sind da!"

Apollo zuckte bei der sanften Berührung leicht zusammen und drehte sich verschlafen zu dem jungen Butler um. Dieser grinste und stieg aus. Der Ire reckte sich und verließ ebenfalls das Auto. Unschlüssig blieb er neben dem Wagen stehen. Matt holte unterdessen das Gepäck aus dem Kofferraum und drückte ihm seinen Seesack in die Hand.
Anthony hatte das ankommende Auto gehört und war aus dem Wohnmobil gestürmt. Strahlend fiel er Mathieu um den Hals und küsste ihn mitten auf den Mund.

"Da bist du ja! Endlich. Komm, ich habe euch in Armands Wohnmobil zwei Betten gerichtet. Stellt euren Kram ab und dann gehen wir in meinen Wagen um ihn nicht zu wecken. Die beiden jungen Männer folgten dem Zirkusdirektor und ließen sich, nachdem sie ihr Gepäck abgestellt hatten in seinem Wagen nieder. Auf Tonys drängende Fragen hin erzählte Matt die ganze Geschichte. Apollo saß die ganze Zeit schweigend daneben und rührte sich nicht. Als der schlanke Franzose mit der Erzählung fertig war, schüttelte Anthony nur den Kopf. Er war ein sehr direkter Mensch, weswegen er dieses ganze Hin und Her nicht nachvollziehen konnte.

"Na ihr seid mir vielleicht welche! So eine verrückte Geschichte habe ich im Leben noch nicht gehört. Nun ja, egal. Hauptsache, Apollo ist jetzt hier und ihr könnt noch mal miteinander reden. Armand wird dir bestimmt verzeihen. So wie der drauf ist, wird er dir wahrscheinlich einfach um den Hals fallen und dich nie mehr loslassen. Aber ich warne dich, wenn du ihn jemals enttäuschst, dann bekommst du es mit mir zu tun. Der Junge ist für mich wie ein Bruder und ich will nicht, dass er noch mal so was durchmachen muss wie mit Jules!"

Eindringlich sah er Apollo in die Augen. Dieser nickte und versprach es ihm. Anthony lächelte ihn freundlich an und schickte ihn mit einem Blick auf die Uhr ins Bett. Mathieu blieb noch eine Weile bei ihm.
Der junge Ire ging, schon halb schlafend in Armands Wagen und zog sich bis auf die Unterhose aus. Dann ließ er seinen Blick umherschweifen und blieb an dem Schlafenden hängen. Ein zärtliches Lächeln huschte über sein Gesicht. Nach kurzem Zögern entschloss er sich nicht in das für ihn gemachte Bett zu gehen, sondern sich einfach zu dem Flieger zu legen. Behutsam hob er die Decke hoch und schob sich ins Bett, wo er sich an Armand kuschelte. Liebevoll legte er einen Arm um dessen Hüfte und schlief kurz darauf total übermüdet ein. Im Wagen des Zirkusdirektors unterhielten sich Matt und Anthony über den jungen Mann.

"Erzähl mir etwas über ihn. Woher kommt er? Was macht er? Glaubst du, dass er der Richtige für Armand ist?"

Leicht besorgt sah Anthony Mathieu in die Augen. Dieser begann zu erzählen was er über den Iren wusste.

"...und wenn du mich fragst, er ist der Richtige. Sicher, sein Verhalten war merkwürdig, aber er hat auch schon eine Menge Mist erlebt und darum ist es einerseits nicht verwunderlich, dass er so misstrauisch ist. Hauptsache, sie sprechen sich erst mal aus. Danach haben sie ja alle Zeit der Welt sich richtig kennen zu lernen."

Tony nickte.

"Du hast Recht. Hoffen wir das Beste! Aber jetzt sollten wir schlafen gehen. Bleibst du diese nacht bei mir?"

Schelmisch sah er Mathieu an. Dieser grinste und nickte.

"Gerne! Dann können die Beiden morgen früh wenigstens in Ruhe miteinander reden!"

Damit stand er auf und zog sich aus und legte sich herausfordernd in Anthonys Bett. Dieser lachte auf und tat es dem schlanken Butler gleicht. Zärtlich kuschelte er sich an ihn und hauchte ihm noch einen Gutenachtkuss auf die Lippen und schloss dann die Augen. Matt lächelte in den Kuss, strich dem anderen sanft über Rücke und Haar und schlief, ebenso wie er ein.
Am nächsten Morgen wurde Armand durch einen leichten Druck auf seinem Oberkörper geweckt. Müde rieb er sich die Augen und sah an sich herunter. Was er sah ließ ihn verwundert blinzeln. Eng an ihn gekuschelt lag der Mann, nach dem er sich die letzten vier Tage so sehr gesehnt hatte. Um herauszufinden, ob er die ganze Situation nicht nur träumte, kniff er sich in seinen rechten Unterarm. Mit schmerzverzerrtem Gesicht sah er an die Stelle, wo der andere immer noch lag. Armand lächelte glücklich, zog ihn ganz fest in seine Arme und hauchte ihm zärtlich ein paar Küsse auf das weiche lockige Haar.
Davon wachte Apollo auf. Gähnend schlug er die Augen auf. Das erste, was er sah war eine glatte, braun gebrannte muskulöse Brust. Irritiert richtete er sich auf, oder besser, er versuchte es denn sein Körper wurde von einem Paar starker Arme festgehalten. Jetzt fiel ihm alles wieder ein und er sah nach oben, direkt in die wunderschönen, strahlenden schwarzen Augen Armands. Dieser hatte, als er die Bewegung gespürt hatte seine Umarmung gelockert und versank nun in den smaragdgrünen Augen des Iren. Ohne ein Wort zu sagen zog er ihn weiter zu sich hoch und küsste ihn voller Zärtlichkeit. Apollo erwiderte den Kuss und wälzte sich auf den Körper des Größeren. Als die Luft knapp wurde, löste er sich von ihm.

"Armand ich muss mich bei dir entschuldigen. Ich habe mich benommen wie ein Idiot, aber ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass du ernsthaft etwas von einem einfachen Mann wie mir wollen könntest, zumal du dich so abwertend über Obdachlose geäußert, bzw. mich verächtlich als "Penner" bezeichnet hast. Ehrlich gesagt, ich verstehe immer noch nicht, was deine Meinung so schnell geändert hat!"

Fragend sah er den Tänzer an. Dieser lächelte , aber seine schwarzen Augen waren erst.

"Ich muss mich auch entschuldigen. Ich habe mich verhalten wie der letzte Idiot. Ich war an dem Tag einfach beschissen drauf und habe mich auch so gefühlt. Das ist bei mir vor Weihnachten immer so. Ich hasse dieses Fest wie die Pest und feiere es schon seit Jahren nicht mehr. Es war nicht gegen dich persönlich gerichtet und eigentlich habe ich auch nichts gegen Clochards. Warum ich mich in dich verliebt habe weiß ich selber nicht. Was ich dir sagen kann ist, dass ich dein Verhalten faszinierend aber zugleich rätselhaft fand und dass mich deine Augen schwer beeindruckt haben. Das hat mich irgendwie angezogen und ich wollte dich nicht aus den Augen verlieren. Ich wollte dich näher kennen lernen. Darum auch die Karte. Ich dachte, wenn du öfters in die Oper kommst, dann könnten wir uns nach den Vorstellungen treffen und uns so nach und nach näher kommen. Es war auf keinen Fall meine Absicht sofort mit dir ins Bett zu steigen. Überhaupt darfst du nicht denken, dass ich nur ein neues Stück Frischfleisch gesucht habe. Alles was ich will ist eine feste Beziehung mit dir!"

Mit einem durch und durch ehrlichen Blick schaute er Apollo an. Dieser war glücklich und schockiert zugleich. Er liebte Weihnachten, auch wenn er das Fest der Liebe in den letzten Jahren immer allein verbracht hatte, oder zumindest nicht mit einem Menschen, der ihm wirklich nah stand. Darum verstand er auch diese enorme Ablehnung des Anderen nicht.

" Schatz, ich würde dich gern etwas fragen wenn du erlaubst!"

Armand lächelte.

"Du darfst mich alles fragen mein Schöner!"

Der junge Ire nickte.

" Danke! Also was mich interessiert ist, warum du Weihnachten so sehr hasst. Es ist doch das Fest der Familie und der Freude, manche nennen es auch das Fest der Liebe. Weißt du, mir bedeutetet dieses Fest sehr viel, auch wenn ich es die letzten Jahre nicht mit einem geliebten Menschen feiern konnte, aber trotzdem überkommt mich zu der Zeit immer eine sehr ruhige, friedliche Stimmung. Darum habe ich mich auch so sehr gefreut, dass wir uns gerade heute wieder gesehen haben. Ich würde so gerne mit dir feiern, endlich wieder mit einem Mann, den ich über alles liebe!"

Mit diesen Worten strich er Armand sanft über Haare und Gesicht. Dessen blick hatte sich bei der Frage erst verdüstert. Als er aber die liebevollen Worte des Iren hörte traten ihm Tränen in die Augen. Stockend begann er zu erzählen.

" Ich war 16 Jahre als ich Jules das erste Mal sah. Meine kleine Schwester wollte unbedingt zum Zirkus und da meine Eltern keine Zeit hatten bin ich mit ihr gegangen. Die Kleine freute sich und mir hat es auch gefallen. Als ich Kind war gab es keinen, der mit mir gegangen ist. Vater und Mutter hielten es für primitiv und unter ihrer Würde. Du musst wissen, wir sind noch sehr streng nach adeligen Grundsätzen und Regeln erzogen worden.
Die zweite Hälfte begann mit der Trapeznummer und da war er. Vom ersten Augenblick an hat er mich fasziniert. Seine Kraft, sein Körper, nur mit einer hautengen Hose und ein paar handbreiten Riemen bekleidet. Ich wusste, diesen Mann willst du kennen lernen, berühren. Natürlich wusste ich, dass meine Eltern das nicht erlauben würden. Also ging ich nach der Schule immer heimlich hin und sprach nach ein paar Tagen das erste mal mit ihm. Er war nett, hat mir alle Fragen beantwortet und als er merkte, dass ich nicht nur seine Arbeit toll fand, da hat er mir gezeigt, dass er durchaus nicht abgeneigt ist. Er nahm mich mit in seinen Wagen und wir schliefen das erste mal miteinander. Es war wunderschön. Anfangs war er zärtlich und vorsichtig und ich glaubte, er liebt mich genauso wie ich ihn. Als das Gastspiel in unserer Stadt vorbei war, packte ich mitten in der Nacht meine Sachen und ging mit ihm und dem Zirkus. Nach einiger Zeit merkte ich, dass er mich immer noch als Kind sah. Um das zu ändern und ihm zu zeigen, dass ich sein gleichwertiger Partner sein wollte, lernte ich fliegen, obwohl ich furchtbare Höhenangst hatte. Trotzdem wurde es nicht mehr so wie in der ersten Zeit. Er ging oft spät abends noch weg und wenn er, meist früh am Morgen heimkam, dann stank er nach Alkohol und billigem Parfüm oder After Schafe Wenn ich ihn darauf ansprach wich er mir aus, küsste mich und wir gingen miteinander ins Bett. Das beruhigte mich dann immer und ich glaube weiterhin, dass er mich liebt. So ging unsere Beziehung fast 3 Jahre, bis zu dem verhängnisvollen Weihnachtsfest 1998. Es war wunderbar. Ich war total in Weihnachtsstimmung und schmückte unseren Wagen ganz festlich. Sogar einen kleinen Tannenbaum besorgte ich, den ich liebevoll schmückte. Ich wollte ihm einen ganz tollen Heiligen Abend bereiten und kochte den ganzen Tag. Als ich damit fertig war, ging ich noch mal in die Stadt um etwas zu besorgen, was ich vorbestellt hatte. Wir waren damals in London. Es war richtig winterlich und es schneite wie verrückt. Ich war total glücklich. Gegen 18:00 Uhr kam ich aus der Stadt zurück und freute mich auf meinen Liebling, als ich Licht in unserem Wagen sah. Verwirrt ging ich hin, denn Jules hatte mir gesagt, dass er erst später zurück sein wollte. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen betrat ich den Wagen. Was ich sah ließ mein Blut in den Adern gefrieren. Jules lag, eng umschlungen mit einem anderen Kerl im Bett und rammelte ihn im wahrsten Sinne des Wortes. Es musste überhaupt sehr wild zugegangen sein, denn die Dekoration war teilweise abgerissen und das Bäumchen lag herzlos umgestoßen auf dem Boden. In dem Moment erkannte ich, was ich all die Jahre für ein Idiot gewesen war. Ich zog in von dem anderen runter und schlug wie wahnsinnig auf ihn ein. Der Typ schnappte seine Sachen und lief davon. Ich jedoch schlug immer weiter auf das Schwein unter mir ein. Wenn Anthony nicht gekommen wäre und mich gestoppt hätte, ich glaube, ich hätte ihn tot geprügelt. Er erfasste die Situation mit einem Blick, denn scheinbar hatte er schon länger geahnt, dass unsere Beziehung nur Fassade war. Ohne Jules eine Chance zur Erklärung zu geben feuerte er ihn und kümmerte sich um mich. Er hat mir damals das Leben gerettet und ich bin in seinem Zirkus geblieben, aber Weihnachten habe ich nach diesem Tag nie mehr gefeiert. Es hätte mit zu weh getan ich und seinen Partner, der ein paar Jahre später abgestürzt ist, glücklich und verliebt zu sehen. Nicht an diesem speziellen Tag!"

Damit schloss er seine Erzählung und sah Apollo nur mit rot geweinten Augen an. Noch immer rannen ihm Tränen über die Wangen, die dieser im nun zärtlich wegküsste.

"Mein armer Liebling! Mein Gott, wenn ich dieses Monster irgendwann in die Hände bekommen sollte, dann werde ich das tun, wovon du abgehalten wurdest! Wenn ich nur daran denke wird mir ganz schlecht! Eins musst du mir glauben, ich würde dich nie im Leben betrügen. Du bist alles für mich! Bitte vertrau mir und ich verspreche dir, dass du nach diesem Weihnachten keinen Gedanken mehr an den Kerl verschwenden und keine Träne wegen ihm vergießen wirst!"

Armand zog ihn sanft in seinen Arme und küsste ihn immer und immer wieder.

"Ich werde es versuchen! Ich liebe dich und ich vertraue dir! Lass uns aufstehen und ein bisschen was vorbereiten!"

Glücklich strahlte Apollo ihn an und wälzte sich von ihm runter. Als die Beiden gerade im Begriff waren aufzustehen, klopfte es und Mathieu steckte seinen Kopf zur Tür rein.
"Guten Morgen ihr Turteltauben! Wie ich sehe habt ihr euch ausgesprochen. Das freut mich. Kommt rüber, wir haben Frühstück gemacht!"

Damit strahlte er das junge Paar an. Armand grinste und fiel seinem Freund um den Hals.

"Danke für alles! Was hätte ich bloß ohne dich gemacht? Aber sag, wo hast du ihn denn gefunden? Das hat er mir nämlich nicht erzählt."

Augenzwinkernd warf er seinem Partner, der sich gerade anzog einen strafenden Blick zu. Matt lachte und wuselte dem Iren durch sein leuchtend rotes Haar. Dieser wich ihm verlegen aus.

"Ich habe ihn in deiner Garderobe im Opernhaus gefunden. Er war dein Ersatz. Wie er mir erzählt hat fühlte er sich verpflichtet dich zu vertreten, weil er sich die Schuld an deinem Krankenhausaufenthalt gab!"

Armand zog eine Augenbraue hoch und nahm seinen Freund in die Arme.

"Spinner! Kommt, lasst uns frühstücken. Ich hab einen Mordshunger!"

Die beiden nickten und gemeinsam gingen sie in Anthonys Zelt, wo dieser sie schon freudestrahlend erwartete. Das Frühstück was eigentlich schon eher ein Brunch war verlief fröhlich und mit vielen Erzählungen. Gegen Nachmittag zog Apollo sich jedoch zurück und nahm Matt und Tony das Versprechen ab auf seinen Schatz acht zu geben. Er wollte noch etwas Deko und einen Baum besorgen um seinem Geliebten ein unvergessliches Weihnachtfest zu bereiten. Die Zeit verging schnell und die drei Freunde genossen die gemeinsame Zeit miteinander. Um ca. 19:00 Uhr stieß Apollo wieder zu der kleinen Gruppe und "entführte" seinen Partner. Matt verabschiedete sich, wünschte alles ein frohes Fest und fuhr zu seiner Familie. Anthony machte sich auf den Weg dorthin wo er schon seid vier Jahren den heiligen Abend verbrachte. Zum Grab seines verstorbenen Lebensgefährten.
Der junge Ire schob Mimi liebevoll in den Wohnwagen, wo der aus dem Stauen nicht mehr herauskam. Alles war geschmückt und einen Baum gab es auch. An dem kleinen Tisch in der Mitte des Raumes war liebvoll ein Candlelightdinner aufgetischt worden. Im ersten Moment schluckte er, aber dann fühlte er die weichen, zärtlichen Hände, die von hinten seine Hüften umschlangen und er wusste, dass er dem Mann, dessen Hände er spürte blind vertrauen konnte. Er löste sich aus der Umarmung und bedankte sich mit einem unglaublich intensiven, viel versprechenden Kuss, den Apollo erwiderte. Beide wussten, dass dieser Kuss ein Versprechen für die Zukunft war und mehr bedeutete als tausend Worte.
Sie setzten sich und genossen den Abend in vollen Zügen. Als sie weit nach Mitternacht ins Bett gingen zog Apollo Armand noch mal ganz fest an sich und steckte ihm, begleitet von ein paar liebevollen Worten, einen schlichten aber wunderschönen, mit Swarowski -Kristallen geschmückten Silberring an den Finger.

"Als Zeichen unserer Liebe und Versprechen, dass ich dich, sobald das hier in Frankreich legal möglich ist, heiraten werde!"

Armand lächelte ihn überglücklich an.

"Ich habe nichts für dich außer diesem Körper und mein Herz, aber ich schwöre dir, dass sie für immer dein sind und ich dich nie verletzten werde. Ich will dich heiraten, aber nicht erst wenn es hier erlaubt ist. Ich möchte mit dir in ein Land gehen, wo man es jetzt schon darf! Sobald die Feiertage vorbei sind fahren wir nach Dänemark!"

Apollo antwortete nicht. Er zog den Schwarzhaarigen nur an sich, küsste ihn und begann ihm langsam die Kleider von Körper zu ziehen. Armand grinste und tat es ihm gleich. Als beide nackt beieinander lagen zog der junge Franzose seinen Liebsten in einen enge Umarmung und bedeckte sein Gesicht mit Küssen. Apollo kuschelte sich noch näher und schlief, von Armands sanften Berührungen ein. Dieser hauchte ihm noch einen letzen Kuss auf die Stirn und folgte ihm ins Reich der Träume.


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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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