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12. Dezember 2009

"Versuchungen"(Teil 2) von Alex


Altersfreigabe: Ab 12
Genres: M/M, Reale Welt
Warnungen: Zucker
Inhalt: Ihr erstes gemeinsames Treffen war eine Katastrophe. Als Aaron und Patrick sich durch Zufall wieder begegnen, beginnt ein Chaos der besonderen Art und die Emotionen spielen verrückt.

3.

Aaron verbrachte seinen Sonntag auf der Couch. Endlich hatte er die Zeit, einige der Manuskripte zu lesen, die sich schon seit Ewigkeiten auf seinem Schreibtisch stapelten. Es gelang ihm jedoch nie, sich lange auf die Texte zu konzentrieren, da sich immer wieder Patrick in seine Gedanken schlich, sodass er den Faden verlor, und wieder von Anfang lesen musste. „Aaron, dich hat's ganz schön erwischt!“ sagte er halb belustigt, halb tadelnd zu sich selbst.


Die Woche begann so wie immer. Teamsitzung, Führungsmeeting, sein nervender Chef, der ihm wieder zu sehr auf die Pelle rückte. Gestresst ließ sich Aaron so gegen halb vier in seinen Schreibtischstuhl fallen und massierte sich die Schläfen. Kein Wunder, dass er von so viel geballter Inkompetenz Kopfschmerzen bekam. Wieder wanderten seine Gedanken zum Samstag und zu Patrick und seine Stimmung besserte sich ein wenig. Da wurde er vom Telefon aus seinen Gedanken gerissen.

Patrick hatte sich vorgenommen gleich am Montag bei Aaron anzurufen und so war die erste Handlung in seiner Pause der Griff zu seinem Handy. Aufgeregt tippte er die Nummer ein, löschte sie anstatt anzurufen und vertippte sich gleich mehrmals beim zweiten Versuch. Er war nervös. Dabei rief er nun wirklich nicht zum ersten Mal in seinem Leben einen beinahe fremden Mann an. Gut, in diesem Fall hatte er allerdings auch ein ausgeprägtes persönliches Interesse. So wartete er ab, als es klingelte und weiter klingelte. /Hoffentlich ist er da./
Kurz bevor er schon auflegen wollte, meldete sich jedoch jemand.

„Verlagsgruppe Wendel, Richter am Apparat. Was kann ich für sie tun?“ Aaron hoffte einfach, dass ihn nicht schon wieder irgendwer mit irgendwelchen Deadlines oder Änderungen nerven wollte.

Leicht irritiert schaute Patrick nochmals auf die Visitenkarte. /Richter./ Also würde er ja richtig sein.
„Hier ist Patrick. Hast du kurz Zeit?“

Sofort begann Aaron zu lächeln. „Ah, hey Patrick, ja klar hab ich Zeit für dich. Alles klar bei dir?“
/Genau die Stimme, die ich hören wollte!/ lächelte Aaron in sich hinein.

"Geht so." Die Nervosität fiel unmittelbar von ihm ab und so konnte er in Ruhe das Telefonat weiter führen. "Ich hab gerade Pause und wollte fragen, wann es dir am Besten mal passen würde. Wegen Treffen und so."
Unsicher fuhr er sich durch die Haare und sah nochmals auf seine Uhr. /Bleib ruhig, du hast noch genug Zeit!/ ermahnte er sich selber.

„Am besten nach der Arbeit, also so gegen fünf, halb sechs. Der Tag ist mir eigentlich egal, wann immer es dir am besten passt.“ Aaron hatte nicht damit gerechnet, dass Patrick sich gleich am Montag melden würde. Er hatte mit Absicht nicht nach seiner Nummer gefragt, nun wusste er immerhin, dass Patrick zumindest ein wenig interessiert war.

„Klingt gut. Ich hab am Mittwoch oder nächsten Samstag Frühschicht, da ginge es abends. Je nach dem wann es dir dann lieber wäre.“
„In dem Fall wäre ich für Samstag, da kann dann auch nichts dazwischen kommen. Wäre ja furchtbar, wenn mein Chef mich mal wieder spontan für Überstunden da behält.“ Leider ließ sein Chef gerade genau das zur Gewohnheit werden. Manchmal hatte er das Gefühl, der Kerl wollte ihn im verwaisten Büro anfallen.

„Einverstanden. Ist gegen 17 Uhr in Ordnung?“
Aaron musste grinsen. Patrick klang am Telefon auf einmal so unsicher und er hatte wieder die geröteten Wangen und die braunen Augen im Kopf, die sich am Samstag fast in sein Gedächtnis gebrannt hatten. „17 Uhr passt wunderbar. Wir treffen uns dann am besten am großen Weihnachtsbaum auf dem Vorplatz, ja?“

"Einverstanden. Bis dann also." Sich kurz umsehend fügte er noch an "Ich freu mich schon." Dann legte er jedoch rasch auf. Er kam sich wirklich wie ein verliebter Trottel vor. So kannte er sich einfach nicht.

Bevor Aaron auch nur irgendwas antworten konnte, hatte Patrick auch schon aufgelegt. „Er ist doch tatsächlich ein wenig schüchtern“, murmelte Aaron vor sich hin und überlegte im nächsten Moment, ob es wohl irgendwem aufgefallen war, dass er halb debil das Telefon angegrinst hatte. /Ich kann das Wochenende gar nicht erwarten./


Patrick war die Woche über damit beschäftigt die Kunden nicht zu erwürgen, die ihn ständig wieder und wieder mit blöden Fragen löcherten. Und je näher der Samstag rückte, umso aufgeregter wurde er. Leider wollte die Zeit auch immer langsamer verstreichen. Nachdem die Uhr endlich 14 Uhr zeigte, konnte er Feierabend machen.
Zu Hause duschte er in Ruhe, aß eine Kleinigkeit und verbrachte wesentlich mehr Zeit vor seinem Kleiderschrank, als sonst vor einem Date. /Date. Ist das denn überhaupt eins?/
Stunden später stand er nervös am großen Weihnachtsbaum, die Arme eng um sich geschlungen und wartete.

Nur wenige hundert Meter von ihm entfernt kämpfte sich Aaron durch die Menschenmassen. Über der Frage nach der perfekten Kleidung für dieses erste Date hatte er fast die Zeit vergessen und musste sich wirklich beeilen um wenigstens noch einigermaßen pünktlich zu sein. Obwohl es auch an der großen Tanne nur so von Menschen wimmelte, konnte er Patrick sofort ausmachen. Der stand frierend direkt unter der Tanne und hüpfte nervös von einem Fuß auf den andern. /Wahnsinn, es ist kaum ne Woche her, da wollte ich ihm noch den Hals umdrehen und jetzt freue ich mich richtig auf unser Treffen./ Fröhlich lächelnd ging er auf den anderen Mann zu. „Hey Patrick, tut mir Leid, ich bin ein bisschen spät. Musstest du lange warten?“

Er war wirklich erleichtert, den anderen zu sehen. „Ach was, ich bin es nur nicht gewohnt, länger in der Kälte zu stehen.“ Wie zur Bestätigung schüttelte sich sein Körper noch einmal. „Wollen wir erst ein wenig über den Platz gehen?“, fragte er den anderen und wurde mit einem Nicken bestätigt. Gemeinsam schlenderten sie nun über den Weihnachtsmarkt und begaben sich bald zum Glühweinstand. Dort bestellte Patrick zwei mal Eierpunsch. „Hier, bitte sehr.“ Nervös nippte er an seinem Getränk und beobachtete den anderen aufmerksam.

Lächelnd nahm Aaron den Eierpunsch entgegen und trank einen Schluck des heißen Gebräus. Er erwiderte Patricks Blick und konnte nicht anders, als einmal mehr die braunen Augen zu bewundern, die so eigentümlich aus dem attraktiven Gesicht blitzten, dessen Wangen von der frischen Luft ganz gerötet waren. „Na, wie ist es dir die letzte Woche so ergangen? Bei uns im Büro ist die übliche Weihnachtshölle los.“ Er fühlte sich irgendwie ein wenig unwohl, da er nicht so richtig wusste, wie es jetzt weitergehen sollte. Sie hatten sich am letzten Samstag ja nicht wirklich viel unterhalten und so versuchte Aaron es erstmal mit Smalltalk.
„Das kannst du laut sagen. Die Leute müssen auch alle denken, dass es nach dieser Woche keine Geschenke mehr gibt. Wobei, die eigentliche Hölle kommt ja erst noch.“ Patrick seufzte einmal schwer und sah dann den anderen an. Eigentlich hatte er ja nichts mehr zu verlieren und nachdem er sich am Samstag nun wirklich nicht von seiner typischen Art gezeigt hat, sollte er das endlich mal nachholen. „Was machst du eigentlich sonst so nach der Arbeit? Außer unschuldige Passanten vergraulen, die dich anrempeln.“ Er zwinkerte amüsiert. Inzwischen nahm er es dem anderen nicht mehr krumm und fand ihre Begegnung eher komisch und vor allem ungünstig. Zumindest im Hinblick darauf, dass er noch immer Single war, Heilig Abend alleine und Aaron nun wirklich das sein konnte, was er immer schon gesucht hat. /Das perfekte Weihnachtsgeschenk also/, dachte er sich und sah den anderen weiterhin verträumt an.

„Lesen. Wobei, genau genommen ist das meine Arbeit. Ich bin Lektor und muss leider immer wieder Manuskripte mit nach Hause nehmen. Im Büro komm ich kaum dazu, sie wirklich zu lesen. Ab und zu geh ich mit Freunden aus, meistens ins Kino oder in Szenebars. Und einmal im Monat treffe ich mich mit nem Schulfreund zum Tennisspielen. Ja, ich weiß, nur Golf ist spießiger.“ Aaron musste über sich selbst lächeln. Er war tatsächlich furchtbar langweilig. Und hier stand er nun in der Kälte, zusammen mit einem süßen Typen, der irgendwie so ganz anders als er und trotzdem der einzige Mann war, der ihn seit einer halben Ewigkeit wirklich interessierte. /Er ist nicht nur irgendein Flirt, ich hab ihn wirklich gern./ Sein Lächeln vertiefte sich und ihm wurde gleich ein wenig wärmer.

„Du meinst Szenebars wie das Rainbow? Hm, interessant.“ Ein kleines anzügliches Lächeln konnte Patrick sich nun nicht mehr verkneifen. Meine Güte, er fand diesen Mann einfach wahnsinnig interessant und dennoch sagte ihm sein Verstand, er solle lieber die Finger von ihm lassen. Nur war sein Herz da ganz anderer Meinung. „Ins Kino gehe ich auch gerne. Momentan fehlt allerdings etwas das Geld dafür, aber mein Gott, das ist im Dezember immer so.“ Er lachte kurz auf um seine Unsicherheit zu überspielen. „Ich hätte dich nur eher für jemanden gehalten, der öfters mal in die Mukkibude geht oder Fußball spielt oder so was. Aber Tennis?“

/Wow, er flirtet mit mir./ Patrick war ihm die ganze Zeit eher etwas schüchtern und zurückhaltend vorgekommen und nun entdeckte Aaron eine ganz andere Seite an ihm. Das schiefe Lächeln und das vorwitzige Funkeln in seinen Augen ließen den anderen Mann noch interessanter wirken, fast schon ein wenig zu anziehend . „Ich hab einfach keine Lust auf das „Hete-Homo-Ratespiel“, daher Szenebars. Ist einfach besser für die Nerven.“ Aaron musste grinsen, als er sich an einige der pikanteren Situationen erinnerte, die ihm in den letzten Jahren, in denen er solo war, untergekommen waren. „Und von wegen Sport: Gewichte heben ist mir zu stupide und das einzig interessante an Fußballspielen ist der Trikotwechsel. Ich hab ne ganze Weile Volleyball gespielt, bis raus kam, dass ich schwul bin. Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie ich aus dem Team war.“

Die Erinnerung daran war nicht gerade angenehm, wenn auch eine Lehre fürs Leben. Damals hatte er entschieden, sich einfach nicht mehr mit Leuten abzugeben, die nicht damit zurecht kamen, wer er war.
„Machst du Sport? Versteh mich nicht falsch, du siehst etwas kräftiger aus als ich. Muskulöser halt. Und was arbeitest du eigentlich, dass hab ich total vergessen zu fragen.“

Patrick lachte. Es war wirklich befreiend zu wissen, dass Aaron aus seiner Homosexualität kein Geheimnis machte. Zwar trat Patrick selbst seine Einstellung nicht breit, aber er versteckte sie auch nicht. „Ich arbeite als Verkäufer in einem Modefachgeschäft. Halt was ganz simples. Und ich mache eigentlich recht viel Sport. Neben Fitnessstudio noch Hockey und Handball.“

„Handball? Oha, zu viel Körperkontakt für meinen Geschmack. Nicht, dass ich was gegen verschwitzte Männerkörper hätte, aber ich hab was gegen blaue Flecken.“ Aaron war in seinem Element. Er liebte es zu flirten und er genoss es, einmal nicht das Gefühl zu haben, dass es nur um eine heiße Nacht ging. „Und du bist öfter im Rainbow? Eigentlich komisch, dass wir uns da noch nicht begegnet sind. Meine Kumpels und ich sind da schließlich häufiger.

„Ach, soviel Köperkontakt ist da gar nicht. Obwohl, es kommt schon hin und wieder zu kleinen Blessuren, das ist wohl wahr.“ Endlich hatte Patrick wieder zu seinem normalen Selbst zurückgefunden. Noch immer war da eine kleine fiese Stimme in seinem Hinterkopf, die ihm beharrlich zu erklären versuchte, dass Aaron ja doch kein ernstes Interesse hätte. Doch das verdrängte der Mann schnell genug, um auf die andere Frage zu antworten.
„Naja, im Rainbow sind wir zwar recht häufig, aber dann meistens im unteren Bereich. Wo die Tanzflächen sind und die Musik lauter dröhnt.“ Für einen Moment freute er sich auf die nächste Party. Er war wieder mit seinen Freunden verabredet. Kurz ließ er gedanklich die laute Musik und das Vibrieren des Basses auf sich wirken. Dann kehrte er zurück in die Realität und sah ein, dass ihm die Party ziemlich egal war, solange er nur mit Aaron zusammen sein konnte.

Aaron lachte. „Dann bist du eine von den Hupfdohlen, über die wir uns immer mokieren. Wir ziehen die Cocktails dem Rumgehüpfte vor. Ich tanze eigentlich nur an den Latin-Abenden. Salsa, Rumba, Tango, das kann ich.“ Schon verrückt, die Szene war in dieser Stadt schließlich recht überschaubar. Kaum zu glauben, dass sie seit Jahren den gleichen Club besuchten und sich nie begegnet waren. /Tja, erst traf mich der Eierpunsch, und dann der Zufall. Und Amors Pfeil wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen./ Aaron nippte wieder an seinem Punsch. Er genoss Patricks Gegenwart wirklich sehr, vor allem, weil der nicht mehr nur schüchtern und süß war, sondern auf einmal Charakter zeigte. Das hier war mehr als nur ein Flirt, dass wusste Aaron auf einmal ganz sicher.

„Hupfdohlen? Soso.“ Auch Patrick nippte kurz an seinem Punsch, dann sah er den anderen aufmerksamer an. „Du kannst mir ja gerne diese Latintänze beibringen. Auch wenn ich sicher gut mit der Hüfte schwingen kann, aber so was kann ich nun doch nicht.“ Wieder nippte er kurz an seinem Getränk um den anderen kurz Zeit zu geben. „Andererseits mag ich die ruhigen Tänze nicht so. Da wird man zu oft von Typen angemacht, von denen man eigentlich nichts wissen möchte.“ Patrick war nun wirklich kein Mann, der keine Chancen hatte. Aber obwohl er ein absoluter Partyliebhaber war, konnte er auf One-Night-Stands wirklich verzichten. „Eigentlich muss ich zugeben, dass ich es genieße, die Blicke auf mir zu spüren. Dumm nur, wenn man trotzdem nicht den passenden Deckel findet.“ Wieder krächzte eine kleine bissige Stimme hinterher, dass er auch bei Aaron keine Chance hätte, aber er unterdrückte den Anflug der Hoffnungslosigkeit. Lieber gestand er sich ein, dass Aarons Blicke ihm wesentlich lieber wären, als die der anderen Kerle.

Aaron musste nun wirklich herzhaft lachen. „Na, wenn ich deinen Hüftschwung zu sehen bekomm, bring ich dir gerne das Tanzen bei. Und du machst das ganz falsch, du musst dein Deckelchen nicht suchen, du musst dich finden lassen.“ /Oder mitten in es hinein rennen./, dachte er bei sich, aber er wollte ja nicht gleich preisgeben, wir sehr er an Patrick interessiert war. „Was hast du denn so für Vorlieben? Bei Männern mein ich.“

Patrick grinste. Dann taxierte er seinen Gegenüber einmal von oben bis unten. Ziemlich auffällig zwar, aber er war nun mal so und das war der Grund, aus dem immer alle davon liefen, so schien es ihm. Seine direkte Art war wohl doch etwas abschreckend. "Tja, wo soll ich anfangen?" fragte er und zog seine Augenbraue hoch, als er Aaron wieder in die Augen sah. /Mein Gott, entweder er dreht sich um und geht oder aber er versteht es als Scherz und geht drüber hinweg./

Aaron ließ Patricks Musterung schmunzelnd über sich ergehen. „Und, wie schneide ich ab?“ Tja, wenn er Süße flirten wollte, das konnte er haben. Aaron war sich darüber im Klaren, dass er sicher keine Schönheit war, aber er war schließlich ein Mann. Und eigentlich fand er sich recht ansehnlich. Aber leider kam es hier ja nicht auf seine Meinung an.

Patrick fand es ziemlich niedlich, dass Aaron sich nicht so leicht einschüchtern ließ. Allerdings wollte er nicht mit der Tür ins Haus fallen und suchte nach einer treffenden, aber nicht zu offensichtlichen Antwort. "Hm, sagen wir die Prozente liegen ziemlich weit oben."
/Ja so ziemlich jenseits der Einhundert, aber das muss ich ja nicht gleich ausplaudern./
Es tat gut wieder mal richtig zu flirten, auch wenn er sich wohl mehr erhoffte, als letzten Endes dabei herauskam. Trotzdem, kurz vor Weihnachten war träumen ja wohl auch für ihn erlaubt.

Aaron seufzte gespielt enttäuscht. „Tja, dann bin ich wohl doch nicht dein Traummann.“ Er schob die Unterlippe ein wenig vor und senkte den Kopf, als würde er schmollen. Er war natürlich nicht wirklich entmutigt. /Tja, er wird sich wohl auch keine Blöße geben wollen. Wer gibt schon beim ersten Date seine Gefühle preis./ Aaron genoss den letzten Schluck seines Eierpunschs und blies dann zum Angriff auf die Buden. Gemeinsam mit Patrick schlenderte er über den Weihnachtsmarkt und begutachtete hier und da eines genauer. Wieder fiel ihm auf, wie sehr das offene Gesicht des anderen Mannes ihn anzog. Als Patrick an einem Stand mit lauter Süßigkeiten hängen blieb und die Schokoladenauswahl begutachtete, setzte Aarons Hirn für einen Moment aus und er gab dem Verlangen nach, dem anderen die Strähnen aus der Stirn zu streichen, die diesem locker ins Gesicht fielen.

Die sanften Finger auf seiner Stirn ließen Patrick mit einem mal die Schokolade vollkommen vergessen. Was zum Teufel machte Aaron da? /Erst behauptet er, nicht mein Traummann zu sein, wo natürlich genau das Gegenteil zutrifft. Und jetzt muss er auch noch so vertraut mit mir umgehen!/ Gerade als sich Patrick vollständig zu dem anderen umdrehen wollte, wurde dieser von einer kleinen Gruppe davon geschoben. Etwas resigniert kämpfte er sich in die Richtung, in die Aaron verschwunden war und sah ihn kurz darauf zwischen zwei Buden stehen.
„Ha, hab dich!“ Demonstrativ griff er nach dem Arm des anderen und hackte sich bei diesem ein. „Sonst geh ich doch noch verloren“, erklärte Patrick munter und würde sicher alles tun, um diesen Mann an seiner Seite nie wieder loszulassen. Jedenfalls nicht, so lange sie sich in diesen Menschenmassen befanden.

Aaron hatte sich irgendwie von dem plötzlichen Drängeln überrumpeln lassen. Jetzt war er froh, dass Patrick ihn nicht aus den Augen verloren hatte und es fühlte sich gut an, als sich sein Date bei ihm unter hackte. Sie passten größenmäßig gut zusammen und im Gegensatz zu früheren Verabredungen, die wie eine Klette an ihm gehangen hatten, fühlte sich Patrick nicht wie ein Klotz am Bein an. Es war schön, die Wärme des anderen an seiner Seite zu spüren und am liebsten hätte er den Arm um den anderen gelegt, um ihn noch näher an sich zu ziehen. /Immer langsam, Aaron. Sei nicht so ungeduldig, mach einen Schritt nach dem andern. Du hast alle Zeit der Welt./ Tja, Geduld war einfach nicht seine Stärke. Vorsichtig, um den anderen nicht zu verschrecken, löste er seinen Arm von Patricks und legte seine Hand stattdessen auf dessen Taille. Nicht gerade harmlos-freundschaftlich aber auch nicht aufdringlich. Irgendwo dazwischen eben, auf der gleichen Ebene, auf der sich ihr Flirt schon die ganze Zeit bewegte.

Nachdem sie noch die restlichen drei Bahnen verschiedener Buden abgelaufen waren und Patrick sich schon vor dem Ende grauste, musste er doch langsam den Rückzug antreten. Es war bereits spät geworden, wie ihm seine Uhr mitteilte und der voran gegangene Arbeitstag zeigte nun seine Spuren. Langsam wurde er müde und musste gähnen. „Sag mal, wärst du mir sehr böse wenn ich jetzt bald gehe?“, fragte er Aaron und klimperte einmal mehr gespielt lieb mit den Augen.

Aaron war eigentlich nicht gewillt, seine Wärmequelle schon wieder ziehen zu lassen aber er hatte wohl keine Wahl. „Natürlich bin ich dir nicht böse. Ich hätte zwar gern noch mehr Zeit mit dir verbracht aber ich hab ein wenig Angst, dass du mir gleich im Gehen einschläfst.“ Patrick sah wirklich müde aus. „Soll ich dich noch nach Hause bringen oder verlässt du mich gleich hier?“ /Ich muss ihn unbedingt nach seiner Nummer fragen./
Erfreut über das Angebot, sah Patrick den anderen an, besann sich jedoch schnell wieder „Ich würde mich wirklich freuen, wenn du mich nach Hause bringen würdest. Aber heute ist es nicht so gut. Ich muss noch einige Erledigungen machen. Vielleicht ja ein anderes Mal?“
Ein wenig enttäuscht war Aaron ja schon aber trotzdem lächelte er tapfer. „Na dann komm gut nach Hause, ja?“ Zum wiederholten Male strich er dem anderen eine vorwitzige Strähne aus der Stirn und beugte sich dann vor, um ihm einen Abschiedskuss auf die Wange zu hauchen. Doch irgendwas ging schief. Oder auch nicht. Wahrscheinlich hatten sie beide die gleiche Idee gehabt, denn Aarons Lippen trafen nicht auf Patricks Wange, sondern auf seinen Mund.
Total perplex starrte Patrick den anderen an. Nur langsam realisierte er, was soeben geschehen war. Hastig warf er dem anderen ein "Schönen Abend noch" entgegen und flüchtete in die Menschenmassen.

Und weg war er. Selber völlig verwirrt von dem ungeplanten Kuss starrte Aaron dem Flüchtenden hinterher. /Da geht er hin. Und ich habe immer noch keine Nummer von ihm./ Geistesabwesend berührte Aaron seine Lippen und spürte dem Gefühl nach, dass Patricks weicher Mund in ihm geweckt hatte. /Dann muss ich wohl darauf warten, dass er sich bei mir meldet./


4.
Im Verlauf der folgenden Woche versuchte Patrick sich immer wieder abzulenken. Aber ohne Erfolg. Am Freitag war er bereits so mit seinen Gedanken beschäftigt, dass seine Chefin ihn früher nach Hause schickte. Er verstand Aaron einfach nicht. War der Kuss beabsichtigt? Und wieso meldete er sich dann nicht mehr? Kurzerhand griff er zu Hause nach seinem Handy und schrieb Andreas eine Nachricht. Er würde ihm schon irgendwie helfen können. Nach dreimaligem Klingeln nahm der andere ab.
„Hallo Großer.“
„Hi. Duuuu? Kannst du mir helfen? Ich hab da nen Problem.“
„Was denn?“
„Also da ist so ein Typ, den ich ziemlich heiß finde und mit dem ich mich schon getroffen hab und…“
Er machte eine kurze Pause als ihm abermals bewusst wurde, dass sie sich tatsächlich geküsst hatten.
„Und?“
„Wir haben uns geküsst. Aber seitdem ist Funkstille, er meldet sich nicht und ich weiß nicht mal, ob der Kuss beabsichtigt war. Ich war so überrascht, dass ich gleich geflüchtet bin. Wir hatten uns eh schon verabschiedet. Aber was wenn er das als abblocken betrachtet? Ich kann ihn einfach nicht einschätzen. Was soll ich denn jetzt machen?“
Verzweifelt klammerte Patrick sich an seinem Handy fest und ließ sich auf dem Sessel plumpsen.

Andreas grinste ins Telefon. Patrick hatte diese Angewohnheit, sich immer in die unmöglichsten Situationen zu bringen. „Na, da hast du ja wieder was angerichtet. Tut mir Leid, Süßer, aber wenn er sich nicht mehr bei dir meldet, ist er wohl nicht interessiert.“ Das Schweigen am anderen Ende der Leitung sprach Bände. „Ich weiß, so was ist ätzend. Aber wenn er dich wirklich mögen würde, würde er dich anrufen, obwohl du geflüchtet bist. Wenn er sich nicht mal dazu herablassen kann, dich von sich aus anzurufen, hat er dich nicht verdient.“
Andi seufzte. Dann war heut also Beschäftigungsprogramm für Patrick angesagt. Auch gut. „Vorschlag: Wir zwei, in ner Stunde, Rainbow. Sex on the Beach?“ Mit der freien Hand tippte Andreas eine Nachricht, die sogleich an den Rest des „Teams“ ging. Auf die Jungs aus ihrer Hockeymannschaft war einfach verlass. Besonders wenn es um Feiern und Rainbow ging.
Patrick seufzte ergeben. "Was soll ich anziehen?" Er liebte es, mit Andi darüber zu diskutieren, welches Outfit dem Anlass nach am besten war. Nur heute brauchte er wirklich eine Anweisung, denn seine Motivation auf Party war geradezu unter Null.

Andi kicherte. „Nun, am meisten Aufmerksamkeit würdest du vermutlich erregen, wenn du nackt gehen würdest. Nein, ernsthaft, zieh dir was an, in dem du dich wohl fühlst. Jeans, T-Shirt, so was in der Richtung. Es sei denn, du willst dich mit nem andern Kerl ablenken. In dem Fall empfehle ich das kleine Schwarze.“
Er hatte Patrick das hautenge Tanktop zu irgendeinem längst vergessenen Anlass geschenkt und seitdem versuchte er ihn regelmäßig dazu zu überreden, dass verhasste Teil auch mal zu tragen.

"Hm, also ne dunkle Jeans und das Ding." Patrick war so ziemlich jede Ablenkung recht. Auch wenn er eigentlich nicht vorhatte, sich mit einem anderen abzulenken, war er mit dem Outfit sicher der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Und das würde er brauchen, um nicht an Aaron denken zu müssen.

Andreas war geschockt. „Du willst das wirklich anziehen? Freiwillig? Himmel, dich muss es echt erwischt haben. Keine Sorge, wenns hart auf hart kommt, werde ich deine nicht mehr vorhandene Jungfräulichkeit verteidigen.“

Ein unliebsames Brummeln entkam Patricks Kehle. "In einer Stunde also?" Sich in sein Schicksal ergebend, plante er bereits sein weiteres Vorgehen. Sachen raussuchen, duschen gehen, stylen, noch einen Happen essen und dann müsste er auch schon los, um auch nur annähernd pünktlich zu sein.

„Japp, in einer Stunde.“ Andreas war bereits dabei, sein Outfit zusammenzustellen. Zum Glück war er gerade aus der Dusche gestiegen, als Patrick ihn angerufen hatte. Sonst wäre er niemals in einer Stunde im Rainbow gewesen. „Ich warte dann draußen auf dich, also lass mich nich warten, ja?“ Patrick war zwar nie pünktlich, aber trotzdem... „Bis später, Großer!“

Seinen vorher zurecht gelegten Plan arbeitete er nun in aller Ruhe ab. Zwar ließ er sich nicht endlos Zeit, zur Eile konnte er sich trotzdem wie immer nicht motivieren. Die Uhrzeiger waren dann aber doch schon beachtlich fortgeschritten, als er endlich seine Wohnung verließ. Mit Ach und Krach schaffte er es aber tatsächlich einen neuen Rekord aufzustellen und kam nur 17 Minuten zu spät. Immerhin etwas, dachte er sich betrübt, als er dann auch schon Andi vor dem Eingang stehen sah. Zielstrebig ging er auf ihn zu und begrüßte ihn bereits von Weiten.
"Hi, wie geht's?"

„Hey, Großer.“ Andreas küsste Patrick flüchtig auf die Wange und zog ihn dann direkt ins Innere des Clubs. Ihm war bitterkalt. Sie gaben ihre Jacken an der Garderobe ab und steuerten dann zielstrebig die Ecke des Clubs an, in dem sich das Team immer traf. Mit großem Hallo wurden sie von ihren Mitspielern begrüßt und es brach eine wahre Knutschorgie los, da sich alle mit Küsschen begrüßten. /Himmel, und dabei sind wir alle echte Kerle./

Nach der allgemeinen Begrüßung und dem ersten alkoholischen Cocktail an diesem Abend, begaben sich die meisten von ihnen auf die Tanzfläche. Der Rest blieb weiterhin an der Bar. Patrick griff sich Andreas und schleppte ihn mit. Alleine wollte er nicht tanzen und nach einem Fremden war ihm nicht zu Mute. Nach einigen Takten fühlte er sich bereits wieder besser. Er spürte den Bass und gab sich einfach der Musik hin. Wenige Lieder später tanzten sie bereits enger aneinander. Sie provozierten sich gegenseitig und warteten nur darauf, dass der andere abbrach.

Aaron hatte die ganze Woche auf den Anruf von Patrick gewartet, der niemals kam. Enttäuscht und auch ein wenig frustriert hatte er sich gefragt, was genau er denn nun falsch gemacht hatte. Vermutlich hatte Patrick der ungeplante Kuss einfach nicht gefallen. Am Vorabend des vierten Advents hatte er es nicht mehr ausgehalten und war mit dem harten Kern seines Freundeskreises ins Rainbow gezogen, darauf vertrauend, dass er Patrick hier oben im Loungebereich schon nicht begegnen würde.

Das war er auch nicht. Doch leider hatten seine Freunde einen der Tische gewählt, von dem aus man auf die Tanzfläche hinab blicken konnte. Und so hatte er nun die beste Aussicht auf Patrick, der mit einem attraktiven blonden Mann den Club betrat und von fremden Männern, die anscheinend mit ihm befreundet waren, halb tot geknutscht wurde. /Warum dürfen die das und ich nicht? Die Welt ist ja so unfair./ Den absoluten Tiefpunkt erreichte seine Stimmung, als die Gruppe die Tanzfläche stürmte und Patrick begann, aufreizend mit seiner Begleitung zu tanzen. /Tja, er dürfte dann wohl der Grund sein, warum ich keinen Anruf gekriegt habe. Scheint so, als würde ich nicht in Patricks Beuteschema passen./ Er war schließlich nicht so unverschämt durchtrainiert und so tanzen konnte er mit Sicherheit auch nicht.

Nachdem sie mehrere Lieder eng beieinander getanzt hatten und Patrick die vielen Blicke auf sich spürte, meinte Andi plötzlich zu ihm "Sei mir nicht böse, aber ich muss mal eben weg." Patrick konnte nur noch zusehen, wie sein Freund verschwand. Der junge Mann den dieser ansprach, schien ebenfalls verdutzt und Patrick erinnerte sich, dass Andi erwähnt hatte, jemanden kennen gelernt zu haben. Er überlegte nur kurz, zurück an die Bar zu gehen, blieb dann aber auf der Tanzfläche, da sein Lieblingslied gespielt wurde. Augenblicke später wurde er auch schon von einem anderen angetanzt. Er wusste nicht von wem, da sich derjenige hinter ihm befand. Dennoch genoss Patrick das Gefühl, nicht allein zu sein und ließ sich auf den Tanz ein.

Aaron war froh, dass Patrick sich nicht sofort umdrehte. So konnte er ein wenig die Nähe des anderen genießen, bevor er sich daran machte, die Situation zwischen ihnen ein für alle mal zu klären. Wieder einmal fiel ihm auf, wie wohl er sich in Patricks Nähe fühlte, wie gut ihm seine Wärme tat. Tatsächlich war er ein wenig traurig, als das schnelle Lied zu Ende war und eine langsamere Nummer begann. Ein wenig melancholisch lächelte er seinen Tanzpartner an, als dieser sich umdrehte. „Hi Patrick.“

Verwirrt blinzelte er sein Gegenüber an. Aaron? Nur langsam begann sein Gedächtnis zu arbeiten und sein Bauch antwortete dafür umso schneller. „Zu solchen Liedern kann ich nicht tanzen.“ Etwas hilflos zeigte er mit seiner Hand in die Richtung des DJs. Er fühlte sich gerade absolut unwohl und wollte nur weg von der Tanzfläche. Also nahm er Aaron bei der Hand und zog ihn mit zur Seite, bewusst weg von seinen Freunden.

Etwas überrumpelt folgte Aaron ihm. Eigentlich hätte er nichts dagegen gehabt, Patrick das Tanzen zu ruhigeren Songs beizubringen aber da hatte er wohl keine Chance. „Willst du nicht zu deinen Freunden zurück? Wohin ist überhaupt dein Partner verschwunden?“ Aaron wusste, dass er eigentlich nicht das geringste Recht zur Eifersucht hatte, aber er wünschte sich, auch so ungezwungen mit Patrick umgehen zu können, wie der andere Mann es getan hatte.

Patrick wusste nicht warum, aber er fühlte sich gerade großartig. Wahrscheinlich war Aarons Anwesenheit auch die Uhrsache dafür, dass er sich nun wie ein liebeskranker Trottel verhielt. Doch das war ihm egal. Elegant ließ er sich gegen die Wand in seinem Rücken sinken und legte den Kopf leicht schief. Partner? Nachdenklich zog er die Stirn kraus, dann fiel ihm ein, von wem Aaron sprach. Mit Nachdruck stieß er sich wieder von der Wand ab und beugte sich zu Aaron um ihm "Andi, hat glaub ich, seine neue Flamme entdeckt" ins Ohr zu flüstern. Abwartend nahm er nun erneut Abstand, ließ den anderen aber nicht aus den Augen.

Die plötzliche erneute Nähe zu Patrick ließ Aaron schwindeln. /Verdammt, warum hat er nur diese Wirkung auf mich?/ Nur langsam drang das Gesagte in sein Bewusstsein vor. Dieser Andi war also nicht Patricks Freund? Gott sei Dank. Aaron schloss für einen Moment die Augen um sich zu sammeln und trat dann näher zu Patrick, sodass dieser ihn verstehen konnte. Ernst fragte er: „Wenn er nicht dein Freund ist, warum hast du dich dann die ganze Woche nicht gemeldet? War dir der Kuss so unangenehm? Dann muss ich mich wohl bei dir entschuldigen.“ Er ging wieder ein wenig auf Abstand, er wollte den anderen ja nicht einengen.

„Ich? Du hast dich doch auch nicht gemeldet? Ich hatte immerhin schon wegen dem Date angerufen. Ich war mir nicht mal sicher, ob du den Kuss überhaupt gewollt hast!“ Nach wenigen Augenblicken kam er sich ziemlich verarscht vor. „Wieso hast du mich überhaupt angetanzt? Ich dachte, du hättest kein Interesse mehr.“ So ganz verstand Patrick ihre Situation noch immer nicht und sein Gehirn lief bereits auf Hochtouren, um das zu ändern.
Aaron sah Patrick verdattert an. So aufgeregt hatte er ihn noch nicht erlebt. Er war wirklich süß. Unfair, aber süß. „Ich hätte mich ja gemeldet, aber ich habe deine Nummer leider nicht. Ich wollte dich ja fragen aber du warst so schnell weg, dass ich leider keine Chance dazu hatte. Wegen dem Kuss... du hast Recht, geplant hatte ich den nicht. Das war eher ein Unfall. Aber doch ein schöner, oder?“ Aaron hoffte einfach, dass Patrick ihm zustimmte. „Naja, und das Interesse...“

Er konnte sich einfach nicht zurückhalten, nicht wenn Patrick so vor ihm stand und ihn anschmollte. Schnell überwand er die geringe Distanz zwischen ihnen und küsste Patrick. Nicht zufällig und auch nicht annähernd so unschuldig wie bei dem „Unfall“. Er konnte spüren, wie seine Lippen brannten und er genoss den Geschmack des Cocktails, der immer noch auf Patricks Lippen haftete.

Genießend schloss Patrick die Augen. Wie automatisch wanderten seine Hände in Aarons Nacken und zogen den anderen noch dichter an sich. Er ließ sich zurück gegen die Wand sinken, darauf bedacht, nicht einen Millimeter mehr Platz zwischen ihren Lippen zu lassen. Herausfordernd saugte er zärtlich an den Lippen des anderen und stupste mit seiner Zunge an diese. Er würde Aaron sicher nicht mehr so einfach loslassen.
Sofort öffnete Aaron seine Lippen und lockte Patricks Zunge mit seiner. Ein heißer Blitz durchzuckte ihn, als sich ihre Zungenspitzen das erste Mal berührten. Bereitwillig ließ er sich näher an Patrick ziehen. Zärtlich schlang er einen Arm um dessen Hüfte und ließ seine Finger über den Streifen nackte Haut wandern, der zwischen Jeans und Top freigelegt wurde, während die andere Hand eine der vorwitzigen Strähnen aus Patricks Gesicht strich und sich dann in dessen Nacken verfing. Es fühlte sich einfach himmlisch an.
Nur widerwillig löste er sich von Patricks Lippen. „Würde es dir was ausmachen, wenn wir irgendwo hingehen, wo es nicht so laut ist?“

"Hm, einverstanden. Treffen wir uns bei der Garderobe? Ich muss noch Andi suchen, er hat den Chip für die Jacken." Aaron nickte zur Bestätigung und sie trennten sich kurz danach. Es dauerte auch nicht lange, da hatte Patrick Andi gefunden und steuerte zielstrebig auf ihn zu. Um seine Aufmerksamkeit zu bekommen, zog er an dessen Shirt. "Hey ich hau schon ab, gibst mir mal den Chip?" Höflich nickte er dessen Bekanntschaft zu. Bei nächster Gelegenheit musste er seinen Kumpel ausfragen und das bis aufs kleinste Detail.
Andi zog den Chip aus seiner Jackentasche. „Wo willst du denn auf einmal hin, Großer? Hast du etwa schon genug?“
Der Angesprochene grinste vielsagend und schnappte sich den Chip. "Wer weiß?"

Soso, Patrick hatte also schon jemanden kennen gelernt, dabei war er doch gerade mal zehn Minuten weg gewesen. „Na dann viel Spaß, Großer. Und bleib anständig.“ Andreas gab seinem Freund einen flüchtigen Kuss auf die Wange und wandte sich dann wieder seinem Gesprächspartner zu. Der war im Moment ohnehin wichtiger.

Patrick schob sich unterdessen durch die tanzende Masse und zurück zur Garderobe. Dort holte er seine Jacke und verließ gemeinsam mit Aaron den Club. "So und wohin jetzt?", fragte er ein wenig unsicher. Ihm wäre eigentlich jeder Ort recht, solange sie nur da weiter machten, wo sie aufgehört hatten

Aaron grinste fies. „Zu mir oder zu dir?“ Er hatte diese Frage immer schon mal stellen wollen.

Abrupt blieb Patrick stehen und sah den anderen entsetzt an. Er musste erst einmal schlucken bevor er darauf antworten konnte. Allein die Frage war schon das Letzte. „Ich steh nicht auf Ones. Sollte dass das einzige sein was dich interessiert, können wir es gleich lassen!“ Abwartend sah er den anderen an und hoffte innerlich, dass es nicht so war.
Jetzt musste Aaron doch tatsächlich lachen. „Tut mir Leid, so war das wirklich nicht gemeint.“ Er zog Patrick einfach an sich und raubte sich einen kleinen Kuss. „Es macht nur so einen Spaß, dich zu foppen. Dein entsetztes Gesicht ist einfach herrlich. Du siehst so süß aus, wenn du die Augen ganz weit aufreißt.“ Wieder küsste er Patrick und lächelte in den Kuss. Er konnte nur hoffen, dass Patrick ihm diese kleine Charakterschwäche verzieh. „Wenn du magst können wir zu mir fahren. Mein Wagen steht gleich um die Ecke.“

Erst sah Patrick noch leicht skeptisch aus. Aber der andere war einfach zu süß, als das er noch lange hätte schmollen können. "Hm okay. Auto hört sich schon mal sehr gut an." Er grinste, noch immer nicht vollkommen sicher, das Richtige zu tun.

Aaron konnte die Unsicherheit des anderen spüren. „Wir können auch woanders hingehen. Uns ne Kneipe suchen oder so. Ich will dich wirklich nicht für nen Quickie abschleppen. Meine Schwester würde mich killen, wenn ich das auch nur versuchen würde.“ Ganz abgesehen davon wollte er Patrick nicht wieder gehen lassen, aber wer fiel schon gleich mit der Tür ins Haus.

"Nee, also auf Kneipe hab ich nun wirklich keine Lust." Er zuckte unschlüssig mit den Schultern. Was sollte schon passieren? Wenn es zu mehr kommen sollte, würde er gehen und wenn nicht, dann wäre ja eh alles gut.

Aaron ergriff Patricks Hand und wärmte die kalten Finger mit seinen warmen. „Komm, lass uns fahren, bevor du mir noch erfrierst.“ Es hatte schließlich keinen Sinn, wenn sie nur hier rum standen und sich anstarrten.
Während der Fahrt schwiegen sie. Jeder hin seinen eigenen Gedanken nach, keiner wusste so richtig, was er sagen sollte. Endlich hielten sie vor Aarons Haustür und stiegen die zwei Stockwerke bis zu Aarons Wohnung hinauf.

Patrick machte es sich im Wohnzimmer bequem. Aaron vermutete er in der Küche, was ihm ganz recht war. So konnte er sich ein Bild von der Wohnung mache. Das beklemmende Gefühl, welches ihn während der Fahrt befallen hatte, war zwar nun verschwunden, dafür fühlte er sich irgendwie fehl am Platz. Das schwarze Ledersofa gefiel ihm ungemein. Es war sehr bequem und die Farbe sagte ihm einfach zu. So eines hatte er auch mal haben wollen. Aber der Couchtisch wirkte für seinen Geschmack etwas zu steril. Die Stahl-Glas-Kombination hatte ihm noch nie so zugesagt. Obwohl der dunkle Schrank mit den zahlreichen Büchern diese Atmosphäre wieder aufhob. /Ob er die alle gelesen hat?/

Aaron erschien mit zwei Wassergläsern in der Tür, beobachtete Patrick, wie der interessiert sein Wohnzimmer musterte. „Gefällt es dir?“ Langsam trat er auf seinen Gast zu, reichte ihm eins der Gläser und setzte sich dann neben ihn auf das Sofa.

"Nun ja... vielleicht nicht vollständig mein Geschmack. Aber das Sofa und das Regal haben schon mal volle Punktzahl bekommen." Demonstrativ wippte er einmal kurz auf und ab. Lächelnd nahm er dann das Glas entgegen. "Bei dir erkennt man wenigstens eine gerade Linie. Mein Wohnzimmer dagegen ist ziemlich zusammen gewürfelt. Von allem etwas eben. Ich kann mich eben nur schwer entscheiden."

Aaron musste lachen. „Ich finde, dass Möbel eine ganze Menge über Menschen aussagen. Mein Wohnzimmer zum Beispiel schreit doch fast schon „Yuppie“ und „Fashion Victim“! Wenn deins also bunt zusammengewürfelt ist, heißt das vermutlich einfach nur, dass du für viele Dinge offen bist.“ Aaron lächelte immer noch vor sich hin. /Vielleicht heißt es auch einfach nur, das er ein kleiner Chaot ist. Niedlich./

„Da fällt mir ein, sorry dass ich dich so angeblafft hatte, weil du dich nicht gemeldet hast.“ Etwas verlegen drehte Patrick das Glas in seiner Hand und trank rasch einen Schluck.

Aaron lächelte seinen Gast an. „Kein Problem, dass war wohl einfach ein Missverständnis. Und damit wir das nicht wiederholen: Gibst du mir deine Nummer?“ Fix zog er sein Handy hervor und hielt es Patrick hin, damit der seine Nummer direkt dort einspeichern konnte. Amüsiert sah er ihm dabei zu, wie er, die Zungenspitze leicht aus dem rechten Mundwinkel hervorblitzend, hoch konzentriert seine Nummer eintippte. Dankend nahm Aaron dann sein Handy wieder in Empfang und lenkte das Gespräch auf unverfänglichere Themen. So gesehen war das hier immerhin erst ihr zweites „Date“ und er wollte einfach so viel wie möglich über Patrick herausfinden, ihm viele süße kleine Reaktionen entlocken.
Bald schon waren sie vom Wasser zu alkoholischen Getränken gewechselt und ohne dass sie es groß merkten, leerten sie ein Glas nach dem anderen. Aaron war ganz fasziniert von Patricks geröteten Wangen, er sah einfach zum Anbeißen aus, wie er da saß und aufgeregt über sein letztes Hockeyspiel berichtete. Bevor Aaron sich bewusst wurde, was er da gerade tat, hatte er Patrick auch schon an sich gezogen und seine Lippen sanft auf die des anderen Mannes gelegt.

Patrick war nur wenig überrascht und genoss den Kuss einfach. Nach wenigen Augenblicken beschloss er, dass ihm die Position nicht mehr gefiel und kletterte umständlich auf den Schoß des anderen. Dabei knabberte er zärtlich am Hals entlang zum Ohr, nur um mit der Zunge an diesem zu spielen.

Ein heiseres Keuchen entglitt Aarons Lippen. „Hmm, auf einmal gleich so stürmisch?“ Genießend zog Aaron seinen Partner an den Hüften näher heran, streichelte sanft über die Beckenknochen. Seine Finger stahlen sich vorwitzig zwischen Top und Hosenbund seines Opfers und streichelten die warme Haut, die so entblößt wurde. Irgendwann hatte er aber genug von Patricks Spielereien mit seinem Ohrläppchen. Mit einem nicht wirklich gefährlichen Knurren kippte er sie beide zur Seite, ließ sich halb auf Patrick gleiten, und fing die verführerischen Lippen des anderen Mannes wieder ein.

Er wusste nicht wie viel Zeit vergangen war. Sie hatten sich geküsst, nahezu unschuldig ihre Körper erkundet und dabei süße Nichtigkeiten geflüstert. Irgendwann waren ihre Zärtlichkeiten träger geworden und dann ganz eingeschlafen. Sanft strich Aaron über das Gesicht seines süßen Gastes und weckte ihn sanft. „Patrick, hey, wach auf. Du kannst doch hier nicht schlafen.“ Er bekam nur ein unwilliges Brummen zur Antwort. „Komm schon, schlepp dich wenigstens noch ins Bett. Sonst tut dir morgen alles weh.“ Unter Bitten und Betteln brachte er Patrick schließlich dazu, in sein Bett umzuziehen. Schnell legten sie nur die unnötigsten Kleidungsstücke ab und krochen in das noch kalte Bett, kuschelten sich eng aneinander und versanken im Reich der Träume.


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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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