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22. Dezember 2009

"Zwischen Weihnachten und Neujahr"(Teil 4) von Violet_Bellis


Altersfreigabe: Ab 14
Genres: m/m, Reale Welt
Warnungen: Zucker, Sex
Inhalt: Wegen eines unbedacht gesagten Satzes, erlebt Luca ein turbulentes und aufreibendes Weihnachtsfest und muss sich Ende des Jahres entscheiden, wem er sein Her schenken will. Hat seine Liebe überhaupt eine Chance?
Kommentar: So, dies ist nun das inoffizielle Ende von „Zwischen Weihnachten und Neujahr“. Ich hoffe ihr hattet soviel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schrieben hatte. Eine wunderschöne Weihnachtszeit wünsche ich euch allen.

Vorsichtig strecke ich meine Glieder, sauge die kühle Morgenluft ein und wende mich nach rechts.

Ich hoffe, dass meine Entscheidung richtig ist.


Erster Weihnachtsfeiertag - 15.00 Uhr


Wieder klingelt mein Handy. Ich starre auf das Display, sehe Sebastian Namen. Das ist sein zehnter Anruf in dieser Stunde. Felix hat sich mittlerweile zwölf Mal bei mir gemeldet. Mein Posteingang quillt von Wo- bist- du- und Melde- dich- dringend- Nachrichten über.
Noch nicht.


Erster Weihnachtsfeiertag - 20.00 Uhr

Mittlerweile hab ich aufgehört zu zählen wie viele Kurznachrichten und eingehende Anrufe ich an diesem Tag bekommen habe. Nach einer Weile haben sich auch zwei Nummern darunter geschummelt, die ich nicht kenne. Marco und Chris vielleicht. Eine davon war sehr penetrant. Da, schon wieder.
Ich muss fast ein wenig lächeln, wenn ich an die vier Jungs denke, die seit heute morgen um zehn in unserer Küche sitzen und versuchen, mich zu erreichen. Eigentlich gemeinen was ich mache. Aber ich kann noch nicht mit ihnen reden. Noch nicht. Ich brauche noch etwas mehr Zeit.
Es tut mir Leid.


Erster Weihnachtfeiertag - 22.00 Uhr

Ich kuschle mich in die gemütlichen Kissen und schnappe mir meinen Tee von dem Nachtkästchen. Sie hat wirklich ein tolles Bett, schön groß und die Matratze ist genau richtig. Nicht zu hart und nicht zu weich. Und die Bettwäsche riecht so frisch.
In der Ecke steht ein kleiner Weihnachtsbaum, er geht mir nur bis zur Hüfte. Herrlich geschmückt mit vielen kleinen, bunten Kugeln und echten Kerzen. Sie sagt immer, dass sie diese Plastiklichter nicht leiden kann. Die würden den Hauch von Weihnachten kaputt machen.

Als ich angekommen bin hat das ganze Haus nach Lebkuchen, selbstgebackenen Weihnachtskeksen und nach dem Weihnachtsessen von gestern Abend geduftet. An den Fenstern hingen kleine Strohsterne, die meisten davon waren selbstgemacht. Im Wohnzimmer steht ein riesiger Weihnachtsbaum, ebenfalls reich geschmückt. Und was ihn wirklich besonders macht, er ist selbstgeschlagen.
In diesem Moment kam bei mir das erste Mal, das Gefühl von Weihnachten auf.

Seufzend lasse ich den Kopf nach hinten sinken und versuche die Augen zu schließen. Seit ich heute Morgen, hab ich die ganze Zeit über den letzten Abend und die Nacht nachgedacht. Ohne Ergebnis. Und eine Erkältung hab ich mir natürlich auch eingefangen. Ich bin nur froh, dass dieses Haus so viele kleine Mittelchen dagegen hat.

Ich drehe mich auf die Seite und starre den Pulli von Chris an. Er liegt auf einem kleinen Stuhl direkt am Bett. Ich muss schlucken, wenn ich an ihn denke. Was hat er da nur im Bad mit mir gemacht? Was hatte er an dem ganzen Abend mit mir gemacht? Und nicht zu vergessen, letzte Weihnachten?
Und was mich auch noch brennend interessiert: Warum reagiere ich so auf ihn?

Mein Kopf ist ganz müde von den ganzen Gedanken. Ich möchte endlich schlafen. Seit ich heute morgen das Haus verlassen habe, war ich die ganze Zeit wach. Meine Gedanken und Fragen haben mich überflutet und wach gehalten. Aber so langsam muss es mir doch mal möglich sein, Ruhe zu finden. Ich bekomme eh keine Antworten mehr. Egal wie sehr ich mir den Kopf zermartere.

Noch einmal leuchtet mein Handy neben mir auf. Wieder die penetrante Nummer. Und wieder schießt mir ein Name durch die Gedanken und direkt in den Bauch. Chris.


Zweiter Weihnachtsfeiertag- 18:00 Uhr

„Möchtest du etwas Essen, Luca?“ Der warme Klang ihrer Stimme lässt mich aufsehen. Ich habe die letzte Stunden auf der Fensterbank gesessen und in den weitläufigen Garten gestarrt. Hier ist alles Weiß. Nicht so wie in der Großstadt, dieses schmuddelige Weiß. Nein, das hier ist richtiger dicker und reiner, weißer Schnee.

Sie kommt langsam auf mich zu, legt ihre Hand an meine Stirn. „Du hast immer noch Fieber. Du solltest besser ins Bett gehen. Ich kann dir auch eine Suppe hoch bringen, wenn du magst?“ Die Hand auf meiner Stirn fühlt sich angenehm an. Warm und weich. Hier fühle ich mich sicher. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

Sanft fahren ihre Finger an mein Kinn und sie beugt sich zu mir herab, schaut mir direkt ins Gesicht. Ihre braunen Augen schauen Sorgenvoll. „Kann ich dir irgendwie helfen mein Großer? Ich hab gestern einen ganz schönen Schock bekommen, als du plötzlich vor meiner Tür standest.“

Ich schüttle matt den Kopf. „Nein, ist schon in Ordnung. Da muss ich jetzt alleine durch. Danke.“ Aus dem Augenwinkel sehe ich wieder, wie mein Display aufleuchtet. „Möchtest du nicht endlich mal rangehen? Irgendwann musst du dich der Sache stellen.“ Kluge Frau.

„Nein, noch nicht. Noch nicht.“ Meine Stimme hört sich ganz stumpf an. Ob das nur an dem Fieber liegt? Noch einmal fixieren ihre Augen mich. Dann seufzt sie auf und streckt den Rücken durch.
„Geh ins Bett. Ich bring dir eine Suppe und dann hör auf nachzudenken und schlaf dich endlich mal richtig aus. Das ist die beste Medizin gegen eine Erkältung und gegen die schlechten Geister der Nacht.“ Sie schmunzelt mir zu und verlässt den Raum. Die schlechten Geister der Nacht? Man, die hat echt Ahnung.

Vorsichtig erhebe ich mich von der Fensterbank und strecke meine Glieder aus. Einige meiner Knochen knacken. Wann hab ich mich eigentlich das letzte Mal bewegt? Wie lange saß ich so da? „Luftkopf“ würde Sebastian jetzt sagen und mir durch die Haare wuscheln. Sebastian, mein guter Freund.

Irgendwie fallen mir nur solche abgeklatschten Bezeichnungen für die beiden ein. Gut, lieb, nett, ehrlich, Freunde. Und ich will mal eine Buch schreiben. Da muss ich echt noch viel lernen. Da bringt so ein kleines Medien-, Kunst- und Literaturstudium nicht besonders viel, wenn einem am Ende dann doch die Worte fehlen.

„Gehst du jetzt wohl endlich in dein Bett.“ höre ich ihre strenge Stimme hinter mir. Ich lächle leicht. Sie muss mich wirklich vermisst haben.
„Ay Ay, Ma`am.“ lache ich. Es tut gut mal wieder zu lachen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal wirklich ehrlich gelacht habe. Sie tut mir einfach gut.

Als ich mich in mein Bett lege und die Suppe von ihr entgegen nehme, schaut sie mich wieder ernst an.
„Mein Großer, du gefällst mir nicht. Ich mache mir wirklich Sorgen um dich. Klär die Sache endlich.“ Sie ergreift das Handy auf meinem Nachttisch und hält es in meine Richtung. Es blinkt schon wieder. Oder eher, immer noch? „Rede mit ihnen!“

„Nicht heute, bitte nicht.“ Meine Stimme zittert und mir wird ganz anders wenn ich daran denke, dass ich mit ihnen reden muss. Was soll ich denn sagen? Wie soll ich es ihnen erklären? Ich schaue sie bittend an und sie knickt unter meinem Blick ein, lässt das Handy auf ihren Schoß sinken.
„Dann mach es aus. Und mach es erst wieder an, wenn du mit ihnen reden kannst.“ Aus machen? Ich soll mein Telefon ausmachen? Ob sie sich dann nicht noch mehr sorgen, wenn plötzlich die Nachricht kommt, dass der Teilnehmer nicht zu erreichen ist? Auffordernd hebt sie mir das kleine, blinkende Ding wieder hin.

Als ich die Aus-Taste drücke, wird es mir irgendwie leichter ums Herz. Sie weiß eben Bescheid.

Ich lächle sie an und beginne meine Suppe zu essen. Hmm, das tut gut. „Hunger?“ Ich nicke und setzte den Löffel wieder an meine Lippen. Wie kann man nur so gut kochen?
„Wenn du noch etwas willst, dann sag einfach Bescheid. Und ansonsten, geh schlafen!“

Ich grinse sie schief an und gebe ihr den leeren Teller. „Danke, ich glaube das reicht erstmal. Ich bin wirklich müde. Hab die letzten Tage nicht so viel Schlaf gefunden.“

Sie nimmt mir den Teller ab und drückt mich in die Kissen. Sanft legen sich ihre Lippen auf meine Wange und als sie sich wieder von mir trennt, höre ich einen leisen Schmatz.
„Schlaf gut, mein Großer.“


Der Tag vor Silvester - 13:00 Uhr

Ich nehme mein Handy in die Hand und drücke auf die Einschalttaste. Zitternd gebe ich meinen Pin ein und vertippe mich natürlich prompt. Bei der zweite Eingabe habe ich mehr Glück. Das hätte mir jetzt gerade noch gefehlt. Drei Mal falsch eingeben und man braucht den PUK. Und den hab ich natürlich nicht bei mir.

Als das System gerade hoch gefahren ist erreicht mich die erste Sms. „Wildfang, melde dich. Jetzt!“ Ich wusste doch, dass die Nummer Chris gehört. Ich glaube, die sind echt sauer.

Ich blicke noch einmal auf meine gepackte Reisetasche. Alles dabei. Ich hatte bei meinem stürmischen Abgang natürlich die Hälfte vergessen. Bin ich froh das ich sie hatte. Meinen anderen Weihnachtengel.

Ich spüre wie mein Handy in meiner Hand vibriert und sehe auf das Display. Felix. Wenigstens ist es Felix und nicht Chris. Ich glaube, dass hätte ich nicht geschafft. Als ich auf die Taste mit dem kleinen Hörer drücke sind meine Hände schweißnass.

„Hi Felix.“ Schweigen auf der anderen Seite. Ich glaube er kann nicht fassen, dass ich wirklich dran bin.
„Luca?“ Aus seiner Stimme höre ich den Unglauben. Er kann definitiv nicht glauben, dass er mich wirklich erreicht hat. Im Hintergrund höre ich wie etwas zu Bruch geht, dann eine drängelnde Stimme „Hast du ihn? Ist er dran?“
Chris. Himmel, wird mir plötzlich warm.

„Luca, bist du dran. Wage es nicht aufzulegen!“ Bei seinem Tonfall muss ich grinsen, schaue ihr in die Augen. Ich bin froh dass sie sich bereit erklärt hat, bei dem Gespräch dabei zu sein. Sanft schließen sich ihre Finger um mein Handgelenk
„Keine Angst, ich leg schon nicht auf.“

„Wo bist du? Hast du überhaupt eine Ahnung davon, was wir uns hier für Sorgen machen? Ich steh kurz davor durchzudrehen und den anderen geht es nicht besser. Was hast du dir eigentlich dabei gedacht einfach abzuhauen und tagelang nichts von dir hören zu lassen?
Und dann war dein Handy plötzlich aus. Wir dachten schon du hättest einen Unfall gehabt. Deine Eltern haben nur so komisch rumgedruckst als ich mit ihnen geredet hab. Wollten nicht richtig mit der Sprache rausrücken. Haben nur was davon gemurmelt, dass es dir gut gehen würde und das du irgendwo zum Nachdenken bist. Und so einen Kram. Nichts konkretes jedenfalls.
Als wir am ersten Weihnachtsfeiertag aufgewacht sind und deine Tür stand sperrangelweit offen, dachten wir zuerst du wärst zu Mirya gefahren. Hast du überhaupt eine Ahnung wie wir uns gefühlt haben? Wie Chris sich an diesem Morgen gefühlt hat? Ich hätte dir am liebsten in der Arsch getreten, als ich ihm in die Augen geschaut hab. Und dann hast du nur diesen kleinen Zettel hinterlassen: Entschuldigt, dass ich mein Versprechen brechen muss. Ich hätte dir in dem Moment am liebsten was anderes gebrochen.
Aber dann hat es plötzlich an der Tür geklingelt und wer stand da? Ich dachte mit fallen die Augen aus. Mirya. Sie wollte mit dir sprechen. Das hat dann aber auch bedeutet, dass du nicht bei ihr bist. Und du hast keinen unserer Anrufe angenommen, hast auf keine SMS geantwortet.
Wo bist du Luca?“

Ich musste das Telefon weghalten, so laut ist seine Stimme geworden. Oha, die sind wahnsinnig wütend. Ich komme bei Felix Wortschwall ja nicht mal dazu, zu antworten.

„Hey was? Argh...“ Ich höre ein Knacken in der Leitung und leg das Telefon wieder an mein Ohr.
„Luca bist du noch da? Entschuldige, ich konnte Felix nicht stoppen.“ Sebastians ruhige Stimme. „Hi.“ sage ich kleinlaut.

„Hey Kleiner, wo steckst du?“ Kleiner? Das sind ja ganz neue Namen.
„Hast du dir das „Kleiner“ von Marco abgekupfert?“ ein undefinierbares Brummen von der anderen Seite der Leitung. Danach Stille. Jetzt bin wohl ich dran.

„Ich bin bei Nana und es geht mir gut.“ Schweigen. „Deiner Oma?“ Ich nicke automatisch, realisiere aber im selben Moment, dass er mich ja nicht sehen kann. „Ja.“
„Ein Ort zum Nachdenken. Da hätte ich auch mal drauf kommen können.“ Im Hintergrund höre ich, wie wieder etwas zu Bruch geht. „Zerstört da jemand unsere Einrichtung?“, frage ich ihn schmunzelnd.

„Hmm, die sind hier alle ziemlich wütend.“ seufzt Sebastian auf.
„Du auch?“ Frage ich ihn mit bebender Stimme.

„Ich hab mir nur Sorgen um dich gemacht Luca. Darauf folgte dann zwar auch eine gewisse Unruhe, aber ich bin froh, etwas von dir zu hören. Du sagst, es geht dir gut?“ Ich kann grade noch ein Nicken unterdrücken.
„Ja.“

„Wann kommst du wieder?“
„Ich fahre jetzt demnächst los und wollte noch kurz bei meinen Eltern vorbei schauen. Die haben sich auch Sorgen um mich gemacht. Komme dann wahrscheinlich morgen früh gegen 11 Uhr an. Könntest du vielleicht dafür sorgen, dass Chris und Mirya in der Wohnung sind? Ich muss mit ihnen reden.“

„Darin liegt keine Schwierigkeit. Ich bekomme Chris hier sowieso nicht raus. Kannst du mir Miryas Nummer geben?“ Ich gebe ihm die Nummer durch und atme dann tief aus.

„Sebastian?“ „Ja Kleiner?“ Ich muss grinsen. Daran könnte ich mich fast gewöhnen. Er spricht das so weich aus.
„Es tut mir Leid.“ Ich höre ihn auf der anderen Seite lächeln. „Muss es nicht, Luca. Es war ja klar, dass du nach diesem Desaster erstmal Zeit brauchtest.“
Erleichterung legt sich um mich wie ein Mantel. Das wird schon alles klappen. Nana sieht mich lächelnd an und signalisiert mir, dass sie runter geht. Den Rest schaffe ich auch alleine.

„Ich gebe dich noch schnell an Felix. Ich glaube du solltest kurz mit ihm reden.“ Wieder ein Nicken, Mensch, er sieht mich doch nicht. „Bis morgen Sebastian.“ „Bis morgen Luca.“
Ich höre ein leises Klicken, dann wird das Telefon weiter gereicht. „Ja.“
Ui, der ist tierisch genervt. Also sollte ich ihm vielleicht gleich den Wind aus den Segeln nehmen.

„Es tut mir leid Felix, ich wollte euch keine Sorgen machen. Aber ich konnte mit euch nicht reden. Jedenfalls noch nicht.“ Schweigen, dann ein Seufzen. „Ich bin doch nicht wirklich sauer Luca. Na ja, vielleicht ein bisschen. Aber eine SMS hätte dir sicher keinen Zacken aus der Krone gebrochen. Ich hab mir nur irre Sorgen gemacht. Na ja, nicht nur ich.“

„Wie geht es ihm?“ Ich spüre wie sich mein Herzschlag beschleunigt. Über Chris zu reden, an ihn zu denken, ist so, als ob ein ganzer Schwarm Schmetterlinge einen Weg durch meine Brust nach draußen sucht.
Ich höre wie er sich bewegt und eine Tür schließt sich. „Nicht gut, Luca. Ich hab ihn in den letzten Monaten schon öfter geknickt gesehen aber die letzten Tage war er kaum noch wieder zu erkennen. Und ehrlich, als er an dem Morgen dachte, du hättest dich für Mirya entschieden, hab ich geglaubt, dass er verrückt wird. Verstehst du, nicht einfach nur betrübt oder traurig, nein ich hab wirklich geglaubt er hat gleich einen Nervenzusammenbruch. Er hätte das wahrscheinlich nie zugegeben, aber ich glaube, so schwer war sein Herz noch nie.
In Wirklichkeit ist er eigentlich echt ein Angsthase. Ja, glaub mir ruhig. Er hat zwar eine riesen Klappe, aber sobald es um ihn und seine Gefühle geht, entwickelt er sich zu ner kleinen, verklemmten Jungfrau.“

Bei diesem Vergleich muss ich unweigerlich grinsen. Das hinkt irgendwie. Chris und ne verklemmte Jungfrau? Ja klar. Aber andererseits ...

„Du kommst morgen?“ Ich höre die Erleichterung aus Felix Stimme.
„Ja, ich bin morgen gegen 11 Uhr in der Stadt und komme direkt nach Hause. Ich hab Sebastian schon gebeten, dass er dafür sorgt, dass Mirya und Chris dann bei uns in der Wohnung sind. Kannst du bitte dafür sorgen, dass Chris genug schläft heute? Schließlich ist morgen Silvester.“

„Dann muss ich ihm wohl einen mit dem Baseball-Schläger überziehen. Der hat in den letzten Tagen vielleicht fünf Stunden geschlafen.“ Ich überlege kurz, dann grinse ich.
„Weißt du noch, die Tabletten, die ich einnehmen musste, bei meiner letzten Bronchitis. Von denen ich so belämmert geworden bin?“ „Du willst dass ich ihn unter Drogen setzte?“ Felix lacht auf.
„Ich will das er morgen fit ist, wenn ich komme. Er wird einen klaren Verstand brauchen. Wie du das anstellst ist mir eigentlich egal.“ Ich höre wie Felix sich in irgendwas plumsen lässt.
„Soll ich ihn ans Bett fesseln und heiße Spielchen mit ihm spielen? Davon wird er garantiert müde.“ Der Gedanke von Chris und Felix, gemeinsam in einem Bett, schlägt wie ein Blitz in mein Herz ein. „Ich ...“

Ein leises Lachen. „Verstehe. Schon klar, ich lass die Finger von ihm. Der hat doch sowieso nur noch dich im Kopf. Der bekommt wahrscheinlich nicht mal mehr einen hoch bei nem anderen. Ich lass mir was einfallen, keine Sorge, Luca.“ Erleichterung durchflutet mich. Wollte mich als nur testen der Kerl. Wie gemein. Aber irgendwie hab ich es ja verdient.

„Felix?“ „Hmm?“ Ich hole tief Luft und sammle mich nochmal.
„Wir bleiben doch Freunde? Egal wie ich mich entscheide. Auch wenn ich Mirya wähle?“ Meine Stimme wurde gegen Ende immer leiser. Ich habe richtig Angst vor seiner Antwort.

„Selbst wenn du keinen von beiden oder alle beide wählen solltest. Daran definieren wir doch unsere Freundschaft nicht. Was glaubst du denn, Luca?“ Ich fühle mich, als ob sich eine Gerölllawine von meinem Herzen löst. Danke, oh Danke.

„Womit hab ich euch eigentlich verdient?“ Tränen steigen mir in die Augen und ich versuche das Schluchzen zurückzuhalten. „Luca? Hey, nicht weinen, Luca.“ Ich höre, dass sich Felix auch nur mit Mühe zurück halten kann. Und wir schimpfen uns die harten Kerle. Sobald es um unsere Freundschaft geht, werden wir weich wie Butter.

„Also, dann sehen wir uns Morgen. Ja, Luca? Wag es nicht, hier nicht aufzutauchen.“ Obwohl sich seine Stimme streng anhört, hab ich das Gefühl, dass er Angst hat. Er glaubt, ich könnte kneifen.
„Ich versprech es. Ich werde nicht mehr weg laufen. Bis morgen Felix.“
Ein leises Ausatmen. „Bis morgen, Luca.“

„Felix?“ „Ja, Luca?“ „Danke.“
Damit beende ich das Gespräch.


Silvester - 11:30 Uhr

Meine Hand zittert so stark, dass ich den Hausschlüssel fallen lasse. Oh man, so wird das nichts. So kann ich den beiden unmöglich gegenüber treten. Und dabei war ich mir so sicher, dass ich stark genug bin.

Als ich vom Bahnhof durch die verschneiten Straßen gelaufen bin und die restlichen Weihnachtsausläufer gesehen habe, da dachte ich wie schön es gewesen wäre, wenn ich meine Entscheidung schon vor einer Woche getroffen hätte. Dann wäre Weihnachten nicht so ein Desaster gewesen und ich hätte ein wirklich schönes Fest mit meinen Freunden feiern können.
Überall waren noch die Weihnachtkränze an den Haustüren angebracht, in den Fenstern brannten die aus Holz geschnitzten Weihnachtbögen und in manchen Fenstern hab ich sogar einen Weihnachtsbaum gesehen. Ich hätte auch gerne einen gehabt. Ist mir bei Nana aufgefallen, dass mir das wirklich gefehlt hat.

Und dann dachte ich mir, dass aufgeschoben ja nicht aufgehoben ist. Ich hatte ja eine Entscheidung getroffen, ich weiß was ich zu tun habe und jetzt stehe ich hier und bekomme es noch nicht einmal fertig den Schlüssel in das Schloss zu stecken.
Ich lehne mich mit dem Rücken an die Hauswand, atme tief eine und aus, schließe meine Augen. Konzentrier dich. Da musst du durch. Danach wird es besser. Egal wie es ausgeht. Er wird es verstehen. Da bin ich sicher. Es wird besser.

Ich fühle, wie jemand an mich heran tritt, sich bückt und meinen Schlüssel aufhebt. Als ich die Augen öffne, begegne ich Marcos ruhigem Blick. „Du siehst aus, als ob du zu deiner Hinrichtung gehen würdest.“ Er lächelt mich schief an. „Sollen wir uns noch kurz auf die Parkbank setzten?“
Ich nicke zögernd. Auf die paar Minuten mehr kommt es jetzt auch nicht mehr an. Vielleicht beruhige ich mich dann auch.

Als wir Sitzen, greift er in seine Manteltasche, zieht ein Päckchen Zigaretten raus, steckt sich eine an und reicht mir die Packung. Ich schüttle nur den Kopf. „Stimmt, du rauchst ja nicht. Wollte es auch schon längst aufgeben. Ist auf Dauer echt teuer. Und Sebastian blickt mich immer so missbilligend an.“ Er seufzt leise, blickt vor sich hin.

„Du hast dich in ihn verliebt, hmm?“ Irgendwie erscheint mir die Frage so richtig. Ich muss sie jetzt einfach stellen.

Er dreht seinen Kopf in meine Richtung. Oh ja, und wie der sich verliebt hat.
„Weißt du Kleiner, als ihr damals auf dem Campus standet und nach dem Weg gefragt habt, hatte ich schon so ein Gefühl. Ich wusste, ihr bringt unsere kleine Welt ins schwanken. Und auch wenn am Anfang alles noch so gelaufen ist, wie immer, hat sich irgendwann was verändert. Chris hat es als Letzter gemerkt. Der Kerl läuft manchmal echt mit Scheuklappen durch die Gegend.“
Er zieht noch einmal an seiner Kippe, schnippt sie dann weg und brummelt irgendwas vor sich hin.

„Du hast ganz Recht mit deiner Vermutung. Ich bin in Sebastian verliebt. Schon lange. Und ich bin immer wahnsinnig eifersüchtig auf all die Kerle gewesen, mit denen er was hatte. Auch auf Chris. Nur hat der Recht schnell gemerkt, dass mir das nicht in den Kram passt, wenn er mit Sebastian mit ist. Ich kenne Chris schon ewig.
Das ist fast wie bei euch. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich ihn genau kennen gelernt habe. Vielleicht irgendwann im Kindergarten oder der Grundschule? Ist ja auch egal.
Wir hatten niemals das Gefühl, uns auf einen Partner festlegen zu können und wir haben daraus auch kein Geheimnis gemacht. Klar, wenn man uns noch nicht kannte, war es natürlich immer zuerst ein kleiner Schock, wenn man unser „wahres Gesicht“ kennen gelernt hat, aber wir haben nie jemanden zu irgendwas gezwungen. Auch Felix und Sebastian nicht. Die beiden sind uns vielleicht ähnlicher als du glaubst.“

Ich muss kurz schlucken. So was in der Art hab ich auch schon gedacht. Ich bin wohl wirklich in den letzten Monaten in einer Art Blase durch die Gegend gelaufen. Wahrscheinlich sogar schon länger. Oder ich wollte einfach nicht sehen, was für ein Leben meine Freunde führen.

„Naja, aber das ist jetzt auch nicht das Thema. Ich weiß nicht, was du genau an dir hast Kleiner, aber du hast Chris wahnsinnig den Kopf verdreht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er am Anfang gesagt hat, wie süß er dich findet und wie gerne er dich mal in seinem Bett hätte.
Vor allem weil du nicht auf Kerle stehst. Das war so ne kleine Herausforderung. Wir haben da sogar ein Spiel daraus gemacht. Wer dich als erster flachlegt, bekommt etwas von den anderen. Hey, aber ehrlich, du bist ne verdammt harte Nuss.“

„Ein Kompliment, Marco?“ Ich mustere ihn. So war das also. Ein Spiel um mich und meinen Arsch. Na ja, eigentlich eher nur um meinen Arsch, an mir waren sie wahrscheinlich weniger interessiert.

„Könnte man so sagen, Kleiner. Irgendwann wurde es mir dann zu bunt. Besonders als ich gemerkt hab, dass du mich eigentlich gar nicht interessierst. Außerdem war Sebastian immer sauer auf mich, wenn ich dich wieder aufgezogen hab. Du bist ihm echt wichtig.“

Ich lächle leicht. Irgendwie ist das schön, dass mal aus dem Mund von jemand anderem zu hören und es nicht immer nur selbst zu denken.

„Aber Chris konnte nicht aufgeben. Er war wie im Wahn. Auch als wir das Spiel schon für Nichtig erklärt hatten, hat er immer weiter gemacht. Hat sich immer neue Dinge überlegt, wie er dir nahe kommen kann. Ich glaube fast, du hast viele Sachen auch überhaupt nicht mitbekommen. Du bist eben doch ein Luftkopf, genau wie Sebastian sagt. Und dann war da ja noch Mirya.“

Er seufzt tief. Dann spricht er mit leiser Stimme weiter. „Chris hat sie gehasst. Nicht einfach nur nicht nicht gemocht, nein, er hat sie aus tiefstem Herzen verabscheut. Wir haben immer mitbekommen, wenn bei euch beiden wieder was schief gelaufen ist. Und jedes Mal hatte ich das Gefühl, Chris geht gleich an die Decke.
Am Anfang hat er einfach nur nicht verstanden, wie du dich so von ihr verarschen lassen kannst, doch je mehr Zeit vergangen ist, desto heftiger wurden seine Ausbrüche. Ich glaube, wenn er sie mal in die Finger bekommen hätte, dann wäre irgendwas Schlimmes passiert.“

Ich blicke ihn erschrocken an. „So viel bedeute ich ihm?“ Das hab ich schon wieder laut gesagt. Mist.

„Ja, Kleiner. So viel. Wahrscheinlich sogar noch mehr. Ich weiß nicht, wie oft Felix und Sebastian ihn stoppen mussten, wenn er mal wieder in dein Zimmer stürmen wollte, um dich durchzuschütteln. Er war ja nicht nur sauer auf sie, sondern auch auf dich. Hat immer gesagt, das er dich jetzt mal hart ran nimmt und du danach garantiert nicht mehr zu ihr zurück gehst.“ Er lächelt leicht als er mein geschocktes Gesicht betrachtet.
„Keine Angst, Kleiner, hätte er nie gemacht. Ich hab deine Zwei einfach mal gebeten ihn los zulassen. Klar ist er direkt an deine Zimmertür gerannt. Und was dann? Dann stand er da für mehr als eine halbe Stunde. Er hatte sogar schon die Klinke in der Hand, hat aber gezittert wie Harry Hirsch. Ich denke, da hat er realisiert, dass er sich in dich verleibt hat. Das muss so vor zwei Jahren gewesen sein.“

„Vor zwei Jahren hat er aufgehört, mir immer hinterher zu laufen. Bis letztes Jahr zu Weihnachten. Bis zu meinem Kuss.“ bemerke ich.
„Klar, was denkst du denn? Er musste das ja selbst erstmal verdauen. Er und sich verlieben? Das stand bei ihm niemals zur Debatte. Er hat zu mir auch immer gesagt, wie bescheuert ich doch sein muss, dass ich mich in Sebastian verguckt hab. Und jetzt war er auf einmal selbst in dieser Lage.“

Er wendet den Blick ab, hebt den Kopf und starrt in den Himmel.
„Wie ich schon mal sagte, Liebe kann etwas sehr Grausames sein. Chris hat damals vollkommen den Boden unter den Füßen verloren. Hat alles Mögliche versucht, um seine Gefühle nicht zuzulassen. Keine Ahnung, mit wie vielen Kerlen er ins Bett ist. Wenn ich mich recht erinnere, hat er sogar mal mit nem Mädel rumgeknutscht. Da dachte ich, er hätte wirklich den Verstand verloren. Und dann hat er sogar versucht, ne Weile in Abstinenz zu leben.
Kannst du dir das vorstellen, Chris und keinen Sex? Der Kerl ist ein Tier und so potent wie eins.“

Ich muss auflachen. Wenigstens darin habe ich mich nicht getäuscht aber ansonsten erzählt Marco mir hier von einem vollkommen anderen Chris, den ich so nicht kenne.

„Ist dir fremd was ich hier erzähle, ne Kleiner?“ Ich habe gar nicht mitbekommen, dass er mich wieder ansieht. Ich halte seinem Blick stand, als ich antworte.

„Ehrlich gesagt, schon. Ich dachte immer, Chris sei nur darauf aus, mit so vielen Kerlen wie möglich in die Kiste zu steigen und sieht mich nur als nette kleine Herausforderung. So dass er hinterher behaupten kann, dass er es sogar schafft ne Hete ins Bett zu bekommen. Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass er mich wirklich gern haben könnte.
Ich mein, schließlich hat er mir auch immer nur dieses Gesicht von sich gezeigt. Oder ich wollte einfach nur immer dieses Gesicht sehen. Weißt du, wie Mirya und ich ihn genannt haben? Den Kerbensammler. Jeder Kerl eine Kerbe in seinem Bettpfosten. Ich hab immer gesagt, dass sein Bett bald zusammen brechen muss, weil die Stützen nicht mehr halten vor lauter Löcher.“

„Seit dem letzten Weihnachtsfest hat er nur noch mit Felix geschlafen. Und in den letzten Wochen lief bei ihm nur noch Handarbeit.“ Seine Stimme ist ganz ernst und leise.
Erschrocken sehe ich ihm in die Augen. „Er hat ...?“ Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Chris und keine anderen Männer. Wegen mir?

„Ja, Kleiner. Er hat es einmal versucht. So ein Engländer aus dem „In“ hat so lange an ihm rumgebaggert, bis er mit ist.
Chris war wahnsinnig betrunken an dem Abend. Ich denke, dass hatte etwa damit zu tun, dass du ihn in der Mensa beinahe über den Haufen gerannt hast. Und das hast du nicht einmal bemerkt. Von dir kam nur ein „´Tschuldigung“, dann warst du weg. Er war für dich unsichtbar. Er hat gar nicht existiert.“

„Wann war das?“ Ich kann mich nicht mal daran erinnern. „Irgendwann im Sommer, kurz vor den Prüfungen. Wir wollten mit Felix und Sebastian zum See, deswegen war ich auf dem Campus. Du kannst dir nicht vorstellen, wie Chris geschaut hat.“

Ich muss hart schlucken und senke den Blick. Ich bin wirklich ein Luftkopf. Ich kann mich daran nicht einmal mehr erinnern. Seit Mirya weg war, war ich auch nicht mehr da. Nur noch ein Körper, eine leere Hülle.

„Auf jeden Fall hat er Nachmittags schon angefangen zu saufen. Hat sich in die pralle Sonne gesetzt und ein Bier nach dem anderen getrunken. Erst wollten wir ihn noch aufhalten aber er hat sich nicht stoppen lassen. Also haben wir drei beschlossen, dass es am besten ist, wenn wir ihn im Auge behalten.
Irgendwann hat er dann lallend verkündet, dass er jetzt ins „In“ geht und sich die Seele aus dem Leib, naja du weißt schon.“
„Und sich die Seele aus dem Leib vögelt? Marco ich bin auch ein Kerl. Sonst nimmst du auch nie ein Blatt vor den Mund.“

„Schon, nur solltest du dass wahrscheinlich gar nicht erfahren. Wenn Chris mitbekommt, dass ich dir davon erzählt habe, wird er mich kastrieren.“ Marco versucht sich an einem Lächeln, das ihm aber leicht verrutscht.
„Auf jeden Fall stand er dann Abends im „In“ und hatte diesen kleinen Engländer an der Angel. Dreimal darfst du raten wem der Kerl ähnlich sah.“
„Mir?“ frage ich zögernd. Marco nickt nur traurig.

„Klar. Kleiner als Chris, schmale Hüften, einen süßen, knallroten Schmollmund, hohe, sanftgeschwungene Wangenknochen, grasgrüne Augen und wahnsinnig zarte Hände. Und er war betrunken, sonst wäre er vermutlich zu schüchtern gewesen, Chris anzusprechen. Irgendwann waren die beiden weg.
Aber ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Chris mich in der Nacht angerufen hat und vollkommen aufgelöst irgendwas von „Straßenbahn“ und „Nicht geklappt“ erzählt hat. Das war vielleicht eine Tortur ihn dazu zu bewegen, dass er mir erzählt, wo er steckt, damit ich ihn abholen kann. Mein Tag war damit gelaufen“
Marco seufzt leise auf.

„Als ich ihn dann endlich bei mir auf der Couch hatte, hat er mir erzählt, dass die beiden zum dem Kleinen ins Hotel sind. War wohl sein letzter Abend in Deutschland.
Naja, und dann waren sie in diesem Zimmer in vollen Gange und Chris konnte nicht. Er hatte keine Steifen. Der Kleine hat mit seinem Knackarsch vor ihm hin und her gewackelt und Chris hat ihn nicht hoch bekommen. Was glaubst du, was das für ein Gefühl für ihn war. Er dachte, er wäre jetzt impotent geworden. Als ich ihm erzählt hab, er soll man an deinen nackten Arsch denken, stand er plötzlich wie ne eins.“

Ich muss ein Lachen verkneifen. „Nicht wahr.“
„Doch, das ist kein Scherz. Ich konnte nicht mal bis zehn zählen und schon war er hart.“ Auch Marco muss lachen. Gott, was hab ich Chris nur angetan?

„Was hat er mit dem Engländer dann gemacht?“ ich schaue Marco abwartend ab. Er überlegt eine Weile, schüttelt schließlich den Kopf.
„Das musst du ihn selber fragen, wenn du es wirklich wissen willst. Ich hab eh schon genug von erzählt.“
„Hast du nicht gesagt, er würde dich kastrieren, wenn er raus bekommen hat, dass du es mir erzählt hast?“

Er schweigt kurz. „Ich hoffe unsere Freundschaft kann das ab. Außerdem redest du ja dann mit ihm. Ich denke, da sollte er mir eher dankbar sein.“ Er grinst mich verschmitzt an und erhebt sich danach. Seinen Blick richtet er auf die Eingangstür. „Bereit?“

Ich schlucke, erhebe mich dann auch. „Kann man dafür jemals bereit sein?“ Er schaut mich einfach nur an und läuft dann langsam los.

„Ach, Marco? Was machst du eigentlich hier draußen? Fast so als ob du auf mich gewartet hättest.“

„Ich hab am Bahnhof auf dich gewartet und bin dir von dort aus gefolgt. Als Felix gestern Abend erzählte, dass er Angst hat, dass du es dir doch nochmal anders überlegst, hab ich beschlossen, dass ich deinen kleinen Arsch unter allen Umständen in die Wohnung bekomme. Wenn es hätte sein müssen, auch mit Gewalt.
Chris ist schließlich immer noch mein Freund.“ Er blickt mich mit einer Ernsthaftigkeit an, die keinen Zweifel an seinen Worten lässt.

„Du magst ihn sehr.“ stelle ich leise fest.
„Magst du Felix und Sebastian?“ fragt er mich nur eben so leise. Und in dem Moment weiß ich, wie viel Glück Chris doch hat, in Marco einen so guten Freund zu haben.

„Das wird jetzt nicht leicht für Chris. Ich hoffe du kannst ihn auffangen, wenn er fällt.“ Meine Stimme ist fest. Marco blickt mich einige Momente still an, atmet dann langsam ein und aus.
„Ich hoffe du weißt was du tust, Kleiner.“ Damit reicht er mir meinen Hausschlüssel und wir gehen gemeinsam zur Eingangstür.



Als ich langsam den Schlüssel zu unserer Wohnungstür umdrehe, bin ich wieder wahnsinnig nervös. Ich hoffe, ich schaffe das alles. Ich hoffe, ich finde die richtigen Worte, kann mich an die Sätze erinnern, die ich in meinem Kopf schon zusammen gebastelt habe. Und vor allem hoffe ich, dass ich nicht doch noch einknicke, wenn ich ihnen gegenüber stehe.

Marco gibt mir einen kleinen Schubs, als ich nicht weiter gehe. „Jetzt nicht schlapp machen, Kleiner.“ raunt er mir von hinten zu. Ich schüttle den Kopf und hole noch einmal tief Luft. Dann bewege ich mich langsam auf die Wohnzimmertür zu.
Irgendwie ziehe ich mir noch meinen Mantel aus und lasse ihn achtlos zu Boden fallen. In dem dicken Winterpulli ist mir immer noch zu warm, also folgt er dem Mantel. So ist es besser. Das T-Shirt gibt mir genügend Luft zum Atmen und ich friere trotzdem nicht.

Sanftes Licht dringt vom Wohnzimmer aus in den Flur, die Türe ist nur angelehnt und öffnet sich unter dem leichten Schubs, den ich ihr gebe. Als ich den Raum betrete, fällt mir als erstes auf, dass wir über eine richtige Weihnachtdekoration verfügen. Die war vor einer Woche definitiv noch nicht da. Wann hat diese Veränderung denn stattgefunden?
Auf dem Tisch steht neben unserem kleinen Adventskranz ein Teller mit Weihnachtkeksen und Nüssen und auf dem Fensterbrett entdecke ich ein paar Christbaumkugeln. In der Ecke wurden ein paar Tannenzweige drapiert und mit Lametta geschmückt. Um das Fenster herum ist eine Lichterkette mit Weihnachtmännern gespannt. Wer hat sich denn da ausgetobt?
Doch leider passt dieses ganze Bild so gar nicht zu der Stimmung, die in diesem Raum herrscht

Felix sitzt bei Chris auf der Couch, hat aber genug Abstand zwischen sich und ihn gebracht. Sebastian hat sich auf dem Boden ein Sitzkissen geschnappt und sich an Felix Füße gelehnt. Mirya sitzt auf einem der Sessel. Marco zwängt sich an mir vorbei, schaut unschlüssig zu Sebastian auf dem Boden, dann zu dem zweiten Sessel und anschließend zu der kleinen Lücke zwischen Chris und der Sofalehne.

„Komm her, Marco.“ Obwohl Sebastians Stimme ganz leise ist, hat sie einen befehlenden Ton. Marco zuckt kurz zusammen, sucht dann Chris Blick. Der nickt nur leicht, lächelt ihn aufmunternd an und blickt dann wieder starr auf den Sofatisch. Genauso hätten Felix oder Sebastian wahrscheinlich auch reagiert. Chris ist wirklich anders, als ich ihn am Anfangs eingeschätzt habe.

Felix erhebt sich langsam, stackelt über Sebastian rüber und kommt auf mich zu. Ich kann in seinen Augen Freude sehen, aber auch Tränen. Und als er mich umarmt, hört sich seine Stimme müde und angespannt an. „Hallo Luca. Ich bin froh, dass du da bist.“

„Oh, ich glaube ich hätte gar keine Möglichkeit gehabt nicht zu kommen.“ antworte ich ihm während ich meine Arme um seinen Rücken lege. Ich hab ihn vermisst.

Verwirrt blickt er mich an, als er sich von mir löst. „Wie?“ Doch statt zu antworten, grinse ich nur in Marcos Richtung. Der hat sich eben neben Sebastian nieder gelassen und lehnt mit der Schulter an seiner. Sebastian zieht die Augenbrauen zusammen, dreht den Kopf zu Marco und blickt ihm fest in die Augen.
Leise und gefährlich fährt er ihn an „Hab ich nicht gesagt du sollst her kommen?“ Marco beginnt ziemlich stark zu zittern als er antwortet. „Bin ich doch.“

Sebastian seufzt aus, hebt dann ruckartig den Arm und schlingt ihn um Marco und legt die Hand in seinen Nacken, fixiert den Kopf, so dass Marco keine Möglichkeit hat, wegzuschauen.
„Mit herkommen habe ich eigentlich nicht neben mich gemeint.“ Er deutet mit der freien Hand zwischen seinen geöffneten Beine. „Beweg deinen Arsch da hin Marco.“ Die letzten Worte haben sich mehr wie ein Knurren angehört. Hui.

Marco erhebt sich wankend und lässt sich zwischen Sebastians Beine gleiten. Vorsichtig lehnt er sich mit dem Rücken an seine Brust und als sich Sebastians Arme um ihn schlingen wird seine Nasenspitze rot. Na also, geht doch. Die erste Hürde ist heute Abend genommen.

Ich schaue in Felix Augen und grinse. Auch er muss Lächeln, zuckt dann mit den Schultern und geht zur Couch zurück, lässt sich wieder neben Chris nieder. Dann bin ich jetzt wohl dran.

Ich blicke erst Mirya an, die abwartend und leicht schmunzelnd zurück schaut. Ob sie sich wohl für Sebastian freut? Denn trotz all dem Chaos sind die beiden ja auch Freunde.
Dann wende ich meinen Blick Chris zu. Er vermeidet es, mich anzusehen, starrt immer noch auf die Tischplatte vor sich, auf der ein dampfender Pott Tee steht. Okay, kein Wein. Ich hoffe für ihn, er ist klar im Kopf.

„Chris, Mirya, danke, das ihr gekommen seid. Ich denke, ich bin euch eine Erklärung und eine Entscheidung schuldig.“ Ich bin auf einmal ganz ruhig. Ich weiß endlich, was zu tun ist. Meine Gedanken und meine Gefühle sind sich einig. Das fühlt sich gut an, richtig gut.

Ich straffe meine Schultern, sehe Chris an. Er sieht so verloren aus, stiert immer noch den Tisch an und ist total angespannt. Okay, dann wollen wir sie mal schocken.
„Chris? Schau mich an.“ Er schluckt, ich sehe seinen Adamsapfel nervös hoch und runter springen, hebt dann vorsichtig den Blick und sieht mir in die Augen. Jetzt bloß keinen Fehler machen, keinen falschen Schritt. Hier geht es um alles.

„Chris, ich will das du mich jetzt küsst.“ Wham, ich glaube, dass war schlimmer als der Tritt, den ich ihm verpasst habe. Er reißt seine Augen auf und sein Unterkiefer klappt nach unten. Auch Felix sieht mich etwas perplex an und von Marco höre ich nur ein unterdrücktes Aufkeuchen.
„Ich dachte, du weißt was du tust, Kleiner.“ sagt er leise.

Aus dem Augenwinkel beobachte ich Mirya. Sie ist weiß geworden und hat sich in den Sessel zurück gelehnt. Sie wirkt angespannt. Okay, dann machen wir mal weiter.
Ich fixiere Chris Blick und sage noch einmal. „Chris, das ist deine Chance. Ich möchte, dass du mich küsst. Und zwar richtig.“ Himmel, was ich mache ich nur? Ich hoffe ich tue das Richtige.

Chris schüttelt nur langsam den Kopf und steht dann stockend auf. „Was machst du nur mit mir, Wildfang?“
Ja, das frage ich mich auch, als er plötzlich den Blick festigt und den Spieß umdreht. Er hat mich mit diesen blauen Ozeanen vollkommen in seiner Gewalt.

Schritt für Schritt schiebt er sich auf mich zu, bleibt nah an meinem Körper stehen. Alle meine Sinne sind auf ihn eingestellt und als er seine Hände sanft und zärtlich meine Arme hoch streichen lässt, an meinen Schulter kurz verweilt und sie vorsichtig zu kneten beginnt. Ich kann mich gerade noch zurück halten, um nicht wie ein Kätzchen zu schnurren.
Danach machen sich seine Finger weiter auf den Weg, gleiten über meinen Hals zu meinen Wangen, verweilen dort wieder einige Minuten und schieben sich dann hinter meine Ohren ins Haar. Er hebt meinen Kopf bedächtig an, verschlingt meinen Blick mit seinem. Diese Augen.

Ich fühle mich ihm vollkommen ausgeliefert, habe das Gefühl, nackt an seinem Körper zu stehen. Und er hält mich fest mit seinem Blick, lässt mich nicht Wanken oder Fallen, sondern schützt mich mit seiner ihm eigenen Ausstrahlung und wiegt mich sanft hin und her.

Dann legt er langsam seinen Kopf leicht schief und senkt seine Lippen auf meine. Die erste vorsichtige Berührung jagt mir einen Stromschlag durch den Körper und ich erzittere unter ihm. Sein Griff in meinen Haaren wird fester. Seine eine Hand gleitet direkt an meinen Hinterkopf, während die andere in meinen Rücken wandert, er mich ganz nah an sich zieht.

Seine Zunge streichelt vorsichtig über meine noch verschlossenen Lippen, bittet um Einlass. Und ich zögere nicht.
Vorsichtig öffne ich die Lippen einen Spalt und spüre, wie sich seine Zunge warm in mich schiebt. Ich fühle, wie er erst vorsichtig mit der Spitze über meine obere Zahnreihe fährt, dann den Gaumen entlang, bis sie leicht gegen meine stupst. Kurz zuckt er zurück, abwartend, ob ich mich nicht doch noch von ihm löse.

Doch das tue ich nicht. Vorsichtig hebe ich meine Zunge an, suche seine und fahre sie leicht nach, als ich sie gefunden hab. Chris stöhnt unterdrückt auf, drängt mich plötzlich nach hinten und wir kommen erst zum Stehen, als ich die Tür im Rücken spüre.
Sein Griff in meinen Haaren wird stärker und plötzlich übernimmt er wieder die Führung, beginnt einen, sich langsam an Temperament und Tempo steigernden, Tanz mit meiner Zunge, gleitet um sie, lockt sie zu sich und drängt sie dann wieder zurück. Manchmal gleitet sie gegen meine Zähne.

Als ich für einige Augenblicke in seinem Mund bin, schmecke ich ihn. Leicht herb und auch ein wenig süß liegt es auf meiner Zunge. Und seine Mundhölle ist so heißt. Als ob ich in einen Vulkan eingedrungen bin. Aber ich habe in meinem Leben nie etwas besseres gekostet. Das ist fast so, als ob ich von dem verbotenen Nektar aus dem Paradies schlemmen würde.

Irgendwann schlinge ich meine Arme um seinen Nacken, versuche meinen unkontrolliert zitternden Beinen ein wenig mehr Spannung zu geben Ich habe das Gefühl zu schweben. In meinem Kopf sind endlich alle Gedanken zum Verstummen gekommen.

Als er sanft meine Unterlippe zwischen seine Zähne nimmt und vorsichtig zubeißt, entfährt mir ein leises Stöhnen. Ich spüre wir er seinen Mund zu einem Lächeln verzieht, dann trennen sich seine Lippen von meinem und ich öffne die Augen, blicke ihn an.

„Wow, Wildfang. Ich hoffe, das war ein richtiger Kuss für dich.“ Sein Blick ist verhangen und ich spüre, dass er in höchstem Maße erregt ist. Das holt mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Ich öffne meine verschränkten Finger in seinem Nacken und fahre an seine Brust. Seine eine Hand löst sich ebenfalls aus meinen Haaren, gleitet zu meiner Wange und ich schmiege meinen Kopf kurz in sie, schließe die Augen und genieße noch einen kurzen Moment.

Als ich meiner Lider wieder wieder hebe, blickt Chris mich abwartend an. Und bevor ich etwas sagen kann, lässt er mich los, legt seinen Stirn noch einmal kurz gegen meine. Dann tritt er zurück, blickt mich wehmütig an und geht zum Sofa zurück, lässt sich wieder neben Felix fallen.

Dem fallen fast die Augen raus. „Das ..“ mehr bekommt er nicht raus. Auch die anderen beiden schauen mich erstaunt an. Ich denke, damit haben sie nicht gerechnet.

Als mein Blick zu Mirya schweift, schaut sie mich hart an und öffnet den Mund. „Ist das ...“ weiter kommt sie nicht, denn ich schreite auf sie zu, taxiere sie fest und strecke ihr meine Hand entgegen.
„Steh auf!“ Eine geflüsterte Aufforderung, der sie sich nicht entziehen kann. Sie legt ihre warmen, kleinen Finger in meine Hand und ich spüre einen brennenden Blick in meinem Rücken. Konzentrier dich, Luca. Du musst das jetzt durchziehen.

Ich ziehe sie zu mir hoch, schließe die Arme um sie und presse ihren Körper an mich, fühle in mich hinein. Noch nicht.
Sanft lege ich meine Lippen auf ihre, schmecke das vertraute Aroma. Sie hat wohl auch Tee getrunken. Kräutertee. Irgendwie überdeckt er ihren Geschmack ein wenig. Ich sauge sanft an ihrer Zunge, spüre wie sie ganz weich in meinem Arm wird. Weich wie ein Mädchen.

Plötzlich legt sich eine Hand auf meine Schulter, reißt mich brutal zurück und dreht mich an eine Brust. Eine Männerbrust. Sie hebt sich in einem schnellen Rhythmus. Ich spüre wie sich Arme um mich schlingen, wie mein Kopf noch fester gegen die Brust vor mir gedrückt wird.
„Lass das, Wildfang.“ Keine Aufforderung, ein Befehl. Kurz und knurrend kam er ihm über die Lippen.

Ich schließe die Augen und beginne zu Lächeln. So richtig. Das war alles so richtig.
Vorsichtig hebe ich die Hände und lege sie auf seinen Rücken, drücke ihn am mich und mich gegen ihn. Dafür ernte ich ein überraschtes Aufkeuchen und werde nach hinten gezogen. Ich blicke in zwei dunkelblaue, glitzernde Saphire, die mich misstrauisch beäugen.

Ich schmunzel ihn an, löse mich mit sanfter Gewalt aus seiner Umarmung und drehe mich zu Mirya. Sie ist zutiefst verwirrt, dass sehe ich ihr an.
„Als Chris mich geküsst hat, hattest du da nicht das Bedürfnis mich von ihm wegzuziehen? Auch wenn du gegen seine Kraft an sich nichts hättest ausrichten können, kam in dir nicht das Verlangen auf, dich zwischen ihn und mich zu stellen?“ Ich schaue sie fragend an. Und dann macht es Klick bei ihr. Sie seufzt auf, lässt den Blick sinken.

„Das war gar keine Entscheidungshilfe für dich. Das war ein Test für uns. Wie sehr es uns verletzt, dich in den Armen eines anderen zu sehen. Ein Test, wie wir reagieren.“ Sie war schon immer ein schlaues Mädchen.
Ich nicke und höre ein Aufkeuchen hinter mir „Was?“. Chris scheint vollkommen perplex, kann die Situation nicht fassen.

„Du warst ehrlich zu mir in deinem Brief. Deswegen bin ich jetzt auch ehrlich zu dir. Das zwischen uns kann nicht gut gehen. Wir sind zu unterschiedlich dafür, um ein Paar zu sein. Du suchst deine Freiheit und jemanden der dich auf den Boden zurück holt, wenn du mal wieder zu hoch in den Wolken steckst. Jemand der härter ist als du. Du suchst die Droge.
Und ich will die Ruhe in meinem Leben. Geborgenheit, Zärtlichkeit und Treue. Definitiv Treue. Du hast mich so sehr verletzt mit deinem Verhalten, ich kann es gar nicht in Worte fassen. Es ist nicht so, dass ich mir keine Abenteuer wünsche. Das ich nicht die Kontrolle verlieren will, über mich hinauswachsen möchte. Aber ich brauche dafür einen starken Arm im Rücken, der mich antreibt und nach vorne schiebt und der mich auffängt, wenn ich strauchle und umfalle.
Das dieser starke Arm ausgerechnet an einem Kerl dranhängt, hätte ich selber nicht gedacht. Du bist also nicht Schuld, dass ich plötzlich mit einem Mann ausgehe.“ Ich sehe wie sie schmunzelt

„Du wurdest da drüben ziemlich verletzt. Du hast es mir geschrieben.“ Sie wird weiß und reißt die Augen auf. Da muss sie jetzt durch. Hilft alles nichts.
Ich gehe auf sie zu, packe ihre Schultern und fange ihren Blick mit meinem auf.

„Du bist letztes Jahr geflüchtet. Vor mir, vor dir, vor dieser ganzen komplizierten Situation, die wir gemeinsam verbockt haben. Und bist ins Wanken geraten und wurdest von einem Fremden aufgefangen. Und ich glaube du wusstest, dass er es ist. Der Einzige, der dich halten kann.
Doch dann bist du selber reingelegt und verletzt worden. Wahrscheinlich hättest du niemals gedacht, wie sehr es schmerzt, wenn man betrogen wird. Und du bist wieder geflohen. Dieses mal vor ihm, wieder vor dir und wieder vor einer Situation, die du nicht greifen kannst.
Und du hast den Fehler begangen, zu mir zu fliehen. Vielleicht war es dein schlechtes Gewissen, vielleicht auch der Gedanke an die schöne Zeit, die wir mal hatten. Vielleicht hast du auch wirklich gedacht, dass du dich ändern kannst.
Aber du hast mich da in eine Sache mit hineingezogen, in der ich nichts zu suchen habe. Das alles geht mich nichts an. Und du weißt das. Du wolltest einen Lückenbüßer, der deine Wunden leckt und der dich dann wieder in die Freiheit lässt.
Eigentlich sollte ich dir böse deswegen sein. Du wolltest mich ganz bewusst benutzen. Das war nicht nett, Mirya.“ Schuldbewusst schließt sie ihre Augen und versucht sich zu entschuldigen. Ihr Mund öffnet sich, aber ich lasse sie nicht zu Wort kommen. Ich bin noch nicht fertig.

„Aber andererseits war es auch gut. Ich hatte mit dir noch nicht abgeschlossen. Ich hatte mit dem Traum unserer perfekten Beziehung noch nicht abgeschlossen. Und ich habe lange hin und her überlegt, ob du es vielleicht nicht doch ernst meinst, ob du vielleicht doch das Selbe willst, wie ich auch.
Aber das glaube ich nicht. Und ich denke du auch nicht.“

Leicht schüttelt sie den Kopf, Tränen laufen ihr über die Wangen. „Es tut mir Leid, Luca. Es tut mir so unendlich Leid. Ich habe einen schrecklichen Fehler gemacht.“
Ich schließe meine Arme um ihren bebenden Körper, drücke sie an mich. „Schrecklich ja, aber du musstest ihn machen. Jetzt weißt du wohin du gehörst. Also los, mach dich auf den Weg ans andere Ende der Welt und hol dir den Kerl, der dir die Ketten anlegen kann. Du bist doch sonst nicht so schüchtern. Manchmal tut Liebe weh, aber manchmal ist sie auch die einzige Möglichkeit, wie wir über uns hinauswachsen.“
Ich denke an Marco und Sebastian. Ja manchmal muss Liebe vielleicht auch weh tun.

Ich drücke sie noch einmal fest, dann schiebe ich sie von mir weg und schaue ihr tief in die Augen.
„Soll ich Chaps anrufen, damit sie dich abholt?“ Mirya überlegt kurz, dann schüttelt sie entschlossen den Kopf. „Ich denke ein wenig frische Luft wird mir jetzt gut tun.“ Sie beginnt leicht zu lächeln, atmet tief ein und aus.

„Danke Luca. Danke für alles.“ Ich winke nur ab. „Ich könnte mich auch bei dir bedanken. Auch für alles.“
Ihr Blick löst sich von meinem und fixiert etwas hinter mir.

„Ich glaube er schwankt dazwischen, gleich in Ohnmacht zu fallen oder mich umzubringen.“ Ich muss lachen, verweigere mir aber einen Blick auf Chris. Noch nicht, noch nicht.

„Ich bring dich zur Tür. Geht dein Flug heute oder morgen?“ Sie dreht sich um, greift nach ihrer Tasche und dem Mantel. Ich helfe ihr hinein und laufe neben ihr aus dem Wohnzimmer. Ich spüre den empörten Blick auf meinem Körper. Noch nicht.

„Eigentlich morgen, aber vielleicht hab ich ja Glück und kann umbuchen. Ich frage Chaps, ob sie mit mir zum Flughafen fährt. Ich bin wirklich so eine Esel.“ Sie lacht befreit auf.
„Danke, dass du mich vor einer großen Dummheit bewahrt hast.“

„Dafür sind Freunde da.“ Ich blicke ihr tief in die Augen.
„Sind wir das, Luca? Sind wir Freunde?“ Sie wirkt unsicher.

„Ich denke wir waren nie etwas anderes. Ich glaube, dass wir viel zu sehr ein falsches Bild von uns geliebt haben, als das, was wir wirklich waren. Aber manchmal muss man erst gegen die Wand laufen, um zu erkennen, dass dies nicht der richtige Weg ist.
Und ja, Mirya, wir sind Freunde. Und ich werde für dich da sein, wenn du mich brauchst. Als Freund, nicht als Geliebter. Das wird jetzt alles nicht leicht für dich, aber ich bin sicher, dass du es schaffst. Du bist doch eine intelligente Frau. Und du hast Waffen an dir, die jede andere Frau in den Schatten stellen und jeden Kerl entwaffnen können.“

„Na ja, bei dir haben diese Waffen ja keine besonderen Auswirkungen gehabt.“ lacht sich mich an.
„Ja, ich war ja auch schon nackt bis zu meiner Shorts.“ Auch ich muss ebenfalls lachen, es tut so gut. Ich drücke sie nochmal fest an mich, streiche ihr übers Haar und gebe ihr einen kurzen Kuss auf den Mund.

„Mach´s gut meine Hübsche.“ Ihre warmen Augen streifen über mein Gesicht.
„Du auch mein Liebling. Wenn sich alles ein wenig beruhigt hat, kannst du mich ja mal besuchen kommen. Australien ist ein tolles Land.“ Sie lächelt verträumt. „Mit tollen Menschen.“

Ich grinse sie an. „Wenn ich jemanden mitbringen darf.“ „Wenn er mit will.“
„Oh, ich denke, den werde ich nicht mehr so schnell los.“ Damit lasse ich sie endgültig los und blicke sie noch einmal fest an.

„Viel Erfolg.“ Sie erwidert meinen Blick, nickt dann kurz und schließt die Tür hinter sich.



Ich atme ein paar Mal tief ein und aus. Der erste Aufstieg wäre geschafft. Jetzt sind es nur noch ein paar Schritte bis zum Gipfel.
Ich schließe meine Augen, spüre die Aufregung, die wellenartig über mich schwappt und ein Kribbeln in mir hinterlässt. Meine Finger werden ganz feucht und meine Zunge fühlt sich irgendwie taub an. Komm schon, Luca, du hast heute Abend ganz andere Dinge gemacht, da wirst doch wohl jetzt nicht kneifen.

Bebend drehe ich mich um und schleiche zum Wohnzimmer zurück. Dieses Mal fällt es mir wesentlich schwerer, die angelehnte Tür zu öffnen. Sei kein Weichei. Das, was jetzt kommt, ist bei weitem nicht so schlimm, wie das vorherige.
Ich straffe meine Schultern, lege die Hand auf die Türklinke und drücke sie runter, bin kurz von dem Licht geblendet und werde dann auch schon ruckartig in den Raum gezogen und stürmisch umarmt.

„Wahnsinn, Luca. Wahnsinn. Das hätte ich dir nie zugetraut. Wahnsinn.“ Mein lieber, guter Felix. Seine Augen leuchten wie die eines kleinen Kindes vor einem Schokoladenhaus. Auch ich muss Lachen, strahle ihn an und drücke ihn von mir aus kurz. Hmm, das fühlt sich gar nicht schlecht an.

Hinter ihm erscheint Sebastian mit Marco im Arm. Auch er strahlt, lässt Marco kurz los und drückt mich einmal fest an sich. Marco schüttelt nur kurz den Kopf, überlegt und schaut kurz hinter sich. Ich weiß wenn er um Erlaubnis fragt. Noch nicht.
Kurzentschlossen schließen sich seine Arme ebenfalls um mich und er flüstert mir ins Ohr „Du wusstest ja wirklich was du tust.“ Ich muss grinsen. „Sonst hättest du mich doch umgebracht.“ Damit erwidere ich seine Umarmung.

„Wahrscheinlich.“ Er lässt mich los und wird sofort wieder in Sebastians Arme gezogen.
„Wir zwei gehen jetzt in mein Zimmer, was meinst du Marco? Diese ganz Kuss-Aktion hat wie ein Aphrodisiakum auf mich gewirkt.“
Sanft gleiten Sebastians Finger über Marcos Brust, verharren kurz am Bauchnabel und legen sich dann in seinen Schritt. Marco verdreht nur die Augen, schließt sie dann und legt den Kopf auf Sebastians Brust.
Der geht hier ja ganz schön ran.

„Nehmt euch ein Zimmer.“ lacht Felix.
„Die beiden sind wahrscheinlich erstmal abgelenkt und ich denke mal, dass ich mit dir auch nicht besonders viel anfangen kann, Luca.
Aber sollen wir vielleicht sagen, dass wir heute Abend alle zusammen in das neue Jahr feiern? Ich organisiere uns noch was zu Essen und dann können wir ja unter Umständen auch noch im „In“ vorbei schauen. So langsam vermisse ich meinen Wintermantel.“

„Mein- Kühlschrank- ist vo- holl.“ Marcos Stimme klingt irgendwie gepresst. Ich grinse Felix an. „Schlüssel, Marco.“ Er kann sein Lachen nicht zurück halten. „Jackentasche.“ knurrt Sebastian und dann fällt die Tür hinter ihnen zu. Ja, die hatten es definitiv eilig.

Ich sehe wie ein Schatten hinter Felix erscheint und höre eine dunkle, flüsternde Stimme. „Raus, Felix.“
Der zieht seine Augenbrauen nach oben, lächelt mich verschwörerisch an und bewegt sich auf die Tür zu.
„Aber treibt es nicht zu wild. Die Flecken gehen irre schwer aus dem Teppich raus.“

„Verschwinde.“ seine Stimme fährt mir durch Mark und Bein und hinterlässt auf meinem Körper eine Gänsehaut. Wahnsinn, der Kerl raubt mir allein damit jeglichen Verstand.

Ich blicke auf den Boden, sehe wie sich der Schatten umdreht und sich auf das Sofa setzt. Mein Blick folgt ihm, bleibt an den Füßen hängen, die in braunen Socken stecken. Ich kann ihn nicht ansehen. Noch nicht.
Ich balle meine Hände zu Fäusten, um das Zittern zu verstecken. Himmel, mir dreht sich alles. Ich glaube ich verliere gleich den Boden unter den Füßen.

„Komm her. Hierher.“ Der Fuß, den ich die ganze Zeit anstarre, wippt leicht, während sich seine Worte wie Samt um mich legen.

Langsam kommt mein Körper seiner Aufforderung nach und ich bewege mich auf das Sofa zu. Mein Blick gleitet über seine Füße, die Waden hoch, klettert über die Oberschenkel, den Bauch entlang und verharrt an seiner Brust, als ich vor ihm zum Stehen komme.
„Noch ein kleines Stück. Sieh mir ins Gesicht, Wildfang.“ Wie eine Katze umschmeichelt seine Stimme mich, hüllt meine Gedanken in Nebel.

Und dann versinke ich in seinen Augen. Versinke in diesem Blau, das mich auffängt, dass mich hält und nicht mehr gehen lässt. Versinke in dem Hunger und einem geheimnisvollen Leuchten am Grund. Versinke in all den stummen Versprechungen und all den Bitten, erkenne die monatelange Trauer und die Sehnsucht.
Eine Unruhe erfasst mich, trifft mich körperlich und ich höre, wie er unterdrückt aufseufzt.

„Das fühlt sich so an, als hättest du Sex mit mir, Wildfang.“ Ich sehe sein warmes Lächeln und weiß nicht was ich darauf antworten soll. Als ich meinen Mund aufmache ergreift er blitzschnell meine Handgelenke, zieht mich zu sich und begräbt mich unter seinem Körper auf dem Sofa. Er ist so heiß, unglaublich heiß.

Er lächelt noch einmal kurz, dann schließen sich seine Augen und ich spüre seine Lippen fordernd auf meinen. Und erlebe die Sensation der Gefühle. Stromschläge fahren in regelmäßigen Abständen durch meinen Körper, ich zittere und bebe unter Chris, klammere mich wie ein Ertrinkender an seinen Oberarmen fest. Ich fühle wie sich sein Körper in eine angenehmere Position rückt, spüre, wie sein Becken dabei absichtlich über meinen Unterleib streicht und auf ihm zum erliegen kommt.

Himmel, das halte ich nicht aus. Ich wusste, der Kerl ist gefährlich für mich.

Ich stöhne gequält in seinen Mund, als er sich der Länge nach gegen mich presst. Mein Körper steht längst in Flammen und ich glaube unter ihm zu zerfließen. „Chris, bitte, ich .... argh.“ Seine Finger legen sich sanft auf meine Brust und er drückt eine meiner Brustwarzen zärtlich.

„Ganz ruhig, Wildfang. Es ist okay. Du brauchst keine Angst haben. Lass dich fallen. Ich werde dir nichts Schlimmes tun. Versprochen.“ Seine Stimme in meinem Ohr, seine Lippen an meinem Hals, seine Hand, die zärtlich meine Seite streichelt, unter mein T-Shirt gleitet und über meinen Bauch wieder zu meiner Brust hoch fährt. Hilfe, ich kann nicht mehr.

Das Zittern in meinem Körper nimmt Ausmaße an, von denen ich niemals etwas geahnt hätte. Ich bin nur noch ein Knäuel an Empfindungen, spüre seine sanften Finger, die mir das T-Shirt über den Kopf streifen und fühle seine heiße Zunge, die Schlangenlinien über meinen Hals und meine Brust zieht.
Meine Brustwarzen scheint sie hierbei besonders interessant zu finden, denn an ihnen verweilt sie länger als an anderen Stellen. Neckisch umkreist sie erst die Rechte, geht dann zur Linken über und endet wieder bei der Rechten. Lippen saugen sich fest, dann spüre ich wie sich Zähne sanft fest beißen.

Während dessen sind seine Hände überall. Seine Fingerspitzen ertasten mein Gesicht, berühren zärtlich meine Lippen, fahren über den Hals, die Arme, verschränken sich kurz mit meinen Fingern, kitzeln meine Seiten, stupsen in den Bauchnabel und verweilen eine Weile ruhelos über dem Bund meine Hose.
Zögerlich und abwartend streichen sie daran entlang, fahren über die Hüftknochen und die Rechte streichelt sanft über den Stoff der Jeans in meiner Kniekehle, stellt mein Bein auf.

Als er den Blick hebt und mir in die Augen schaut, sehe ich die eindeutige Frage in ihnen. Ich sehe das gezügelte Verlangen und frage mich selbst, wie weit ich gehen kann. Ich löse meine Hände von seinen Armen, lege sie ihm in den Nacken, ziehe seinen Kopf zu mir herab und berühre seine Lippen kurz und zart mit meinen.
„Langsam.“ ich hauche dieses Wort mehr, als dass ich spreche. Aber auch so höre ich mein eigenes Verlangen in meiner Stimme. Ich möchte diese Haut berühren. Ich möchte sie auf meiner Spüren, möchte mich ganz in sie einkuscheln und die Wärme meinen Körper durchfluten lassen.

Chris nickt. Er versteht. Vorsichtig richtet er seinen Oberkörper auf, fährt mit seinen Finger über meine Arme und knöpft meine Hose auf, zieht sie mir über die Hüften und befreit mich schlussendlich von dem nervenden Stoff. Ich spiele mit meinen Fingern an dem Saum seines Pullovers, frage mich, wie er es noch in dem Ding aushält. Mir ist so unerträglich warm.
Als ich ihm wieder ins Gesicht sehe, erkenne ich ein warmes Lächeln. „Du musst gar nichts machen, Wildfang. Heute bin ich dran. Heute sollst du nur genießen.“ Seine geflüsterten Worte sorgen dafür, dass mein Magen Achterbahn fährt.

Er steht auf, streift sich langsam den Pulli über den Kopf, öffnet seine Hose und steht am Ende nur noch in seinen Shorts vor mir. Und zum ersten Mal betrachte ich ihn richtig.
Seine honigfarbene Haut, die sehnigen Beine, die sanft geschwungenen Bauchmuskeln, seine markante Brust, die dunkelroten Brustwarzen, die im Moment wie kleine Perlen abstehen. Der kleine, sauber gestutzte Flaum, der wie ein Weg in seine Shorts führt, in der mittlerweile eine beachtliche Wandlung stattgefunden hat.

„Wildfang, so hab ich deine Augen noch nie gesehen. Sie strahlen so viel Verlangen und Leidenschaft aus. Und wenn ich ehrlich sein soll, auch Begierde. Du solltest öfter so schauen“
Seine Stimme zieht meine Augen wieder zu seinem Gesicht hoch. Er strahlt mich an. Seine Hände umfassen meine Schultern, ziehen mich zu ihm und während er mir mit einem atemberaubenden Kuss alle Sinne raubt, gleiten wir zusammen auf den Teppich vor der Couch.

Seine Haut ist so warm an, so weich. Ich kann nicht fassen wie wunderbar sie sich unter meinen Fingerspitzen anfühlt, als ich über sie fahre. Ich spüre die leichte Gänsehaut und das verhaltene Zittern der Muskeln, als ich mit meinen Fingerkuppen leicht zudrücke.
Er riecht so unglaublich gut. So Das alles fühlt sich so richtig an. Sein Körper ist schwer, aber er erdrückt mich nicht. Er passt sich mir an, als ob wir zwei zusammengehörige Puzzleteile wären.

„Jetzt nicht erschrecken, Wildfang. Vielleicht fühlt es sich am Anfang etwas komisch für dich an.“ Irritiert schaue ich ihn an und spüre wie seine Finger sanft in meine Pants kriechen, wie seine Hand zärtlich meine Härte umfasst. Und in dem Moment gehen in meinem Kopf alle Lichter aus.

Ich fühle, wie er mich erst vorsichtig und zögernd zu streichelnd beginnt und als er merkt, dass es mir gefällt, sicherer und fester wird. Mit der freien Hand zieht er mir mein letztes Kleidungsstück über die Hüften, lässt mich kurz los um sich selbst von der Shorts zu befreien. Wie im Fieber schaue ich ihm dabei zu.

Seine Lippen senken sich hungrig auf meine, verschlingen mich förmlich und die Leidenschaft, die mich packt, habe ich so noch nie erlebt. Ich lege meine Hände auf seinen Rücken und kralle meine Nägel in die weiche Haut als er immer fester und schneller über meine Härte streicht, seine Hüfte sich dabei gegen meinen Oberschenkel presst.

Ich öffne meine Beine kurz, lasse sein heißes Stück Fleisch dazwischen gleiten und presse sie dann schnell wieder zusammen. Das darauf folgende sonore Stöhnen gefällt mir. Noch einmal presse ich meine Oberschenkel zusammen.
„Wildfang, stopp. Wirklich. Nicht dass das nicht ganz wunderbar wäre, was du da tust, aber ich kann mich so schon kaum beherrschen und wenn du sowas machst, dann komme ich vor dir.“ Seine Augen glühen als er mich ansieht.

„Warum solltest du dich beherrschen?“ Meine Stimme zittert bei diesen Worten und ich sehe, wie in seinem Kopf ein Schalter umgelegt wird. Wahnsinn, wie mutig bin ich denn?

Er knurrt einmal kurz, presst sich dann fester zwischen meine Beine und fängt erst vorsichtig, dann sicherer an, sich zwischen meinen Oberschenkeln zu reiben.
Seine eine freie Hand fährt weiter über meine Härte, mal sanft und neckend, mal mit Druck und auffordernd, sein Tempo steigert sich in gleichem Maße, wie seine Stöße schneller werden. Seine Lippen saugen sich an meinen fest und als wir gemeinsam unseren Höhepunkt erleben, habe ich das Gefühl, die Erde unter uns würde beben.
Unser gemeinsamer Schrei muss noch am Ende der Straße zu hören gewesen sein.

Schwer atmend bricht Chris auf mir zusammen und ich schlinge meine Arme vollends um ihn. Meine Finger fühlen sich ganz steif an. Ich hoffe ich habe ihm nicht weh getan. Wir liegen eine Weile zusammen auf dem Boden, hören wie sich der Puls des anderen langsam wieder normalisiert.

Als Chris den Kopf hebt und mir liebevoll übers Gesicht streicht, fühle ich, wie sich Wärme in mir ausbreitet. „Du bist phänomenal, Wildfang. Besser als ich es mir vorgestellt habe.“ Ich grinse verlegen. „Was hast du dir denn alles vorgestellt?“
Er sieht mich verschwörerisch an „Bleibt noch mein Geheimnis. Will ich alles noch mit dir ausprobieren.“

„Heute?“ Frage ich ich ihn zweifelnd. „Nein, nicht heute, aber in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten, Jahren. Ich sagte dir doch, ich bring dich an deine Grenzen und vielleicht darüber hinaus. Und ich glaube, das schaffst du auch.“ Vorsichtig rollt er sich von mir runter, blickt an mir entlang.
„Ich glaube Felix wird böse mit uns sein.“ Ich verstehe nicht ganz und setze meinen Oberkörper auf, stütze mich auf meinen Ellenbogen ab. „Oh.“ Das meinte er.

„Die Sauerei machst du weg.“ „Warum?“ er zieht schmollend die Unterlippe nach oben. Irgendwie sieht das richtig süß aus. Himmel, ich denke über einen Kerl, er wäre süß.
„Weil du daran schuld bist. Außerdem will ich unter die Dusche und dann noch ein wenig ins Bett. Zum Schlafen.“
Chris lächelt mich schief an. „Nimmst du mich mit?“

„Dusche oder Bett?“ Seine Antwort kommt prompt „Beides natürlich.“ Ich blicke in abschätzend an. „Du kannst deine Finger nicht bei dir behalten. Und ich brauche wirklich etwas Schlaf.“
Sein Lächeln wird immer breiter, dann zieht er mich mit sich nach oben, schlingt die Arme um mich und küsst mich kurz. „Keine Sorge, Wildfang. Denn bekommst du.“



Als wir uns in dieser Nacht alle gemeinsam das Feuerwerk über den Dächern der Stadt ansehen, stehen mir Tränen in den Augen. Ich freue mich so sehr für Marco und Sebastian, das mein Herz beinahe zerspringt und auch wenn Felix alleine in das neue Jahr rein feiert, glaube ich nicht, dass er unglücklich ist. Er hat da vorher kurz erwähnt, dass er noch ins „In“ will. Da würde jemand auf ihn warten.
Bei dem Gedanken daran muss ich Lächeln. Und im Grunde ist er ja auch nicht alleine. Wir sind schließlich bei ihm.

Ich stehe mit meinem Rücken an Chris Brust gelehnt, spüre, wie sie sich regelmäßig hebt und senkt, fühle, wie seine starken Arme mich fest halten. Er senkt seine Lippen zu meinem Ohrläppchen, knabbert sanft daran.

„Ich liebe dich Wildfang.“
Und eine unglaublich Wärme durchflutet mein Herz.



Ende.




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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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