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3. Dezember 2009

"Versuchungen"(Teil 1) von Alex


Altersfreigabe: Ab 12
Genres: M/M, Reale Welt
Warnungen: Zucker
Inhalt: Ihr erstes gemeinsames Treffen war eine Katastrophe. Als Aaron und Patrick sich durch Zufall wieder begegnen, beginnt ein Chaos der besonderen Art und die Emotionen spielen verrückt.

Kommentar: Co-Autorin: kestrel

1.

"Sooo, hier kommt der Punsch! Viermal Glühwein für uns und einmal Eierlikör für Herrn Richter."
Aaron schüttelte sich innerlich angeekelt, als sein Chef ihm seinen Eierpunsch reichte und ihm dabei tief in die Augen blickte. Dankend nahm er die Tasse und musste sich zwingen, nicht angewidert den Mund zu verziehen, als sein Chef wie zufällig mit seinen Wurstfingern über seinen Handrücken strich. Sogleich nahm Aaron einen tiefen Schluck aus der Tasse, in der Hoffnung, sich die Gesellschaft irgendwie schön trinken zu können. Keine Sekunde später traf erst etwas seinen Rücken und dann der Eierpunsch seinen Mantel.

„Oh Verzeihung!“ Patrick wandte sich dem Mann zu, den er gerade etwas ungeschickt angerempelt hatte. Blöder Weihnachtsmarkt! Wieso musste der auch direkt vor dem Einkaufscenter sein, in dem er arbeitete. Aber er war zu spät und hoffte, dass der andere möglichst in guter Weihnachtsstimmung war und ihn nicht noch groß aufhielt.

Aaron atmete einmal tief durch. Nur nicht die Ruhe verlieren. Äußerlich gefasst wandte er sich zu demjenigen um, der ihn da gerade gerammt hatte und setzte sein einnehmendstes Strahlelächeln auf. "Kein Problem. Wissen sie, ich stehe hier jeden Abend und trinke einen Eierpunsch nach dem andern, nur damit Idioten wie sie weich und warm fallen, wenn sie über ihre eigenen Füße stolpern!" Nun ernsthaft angefressen schob er die Hand seines Chefs beiseite, der den verschütteten Eierpunsch nur zu gerne noch tiefer in seinen Mantel rieb.
Er hatte eine wirklich stressige Woche hinter sich und wollte eigentlich überall sein, nur nicht hier,
auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Verlagsgebäude, zum Eierpunsch genötigt von seinem Chef und den Kollegen.
Frohe Weihnachten!

Patrick sah sein gegenüber kurz verwirrt an. Okay, also doch keine super Weihnachtslaune.
Wenigstens war er nicht der Einzige der angepisst war. Noch immer den anderen anstarrend, wanderten seine Gedanken zurück zu seiner Arbeit. Verdammt, er hatte nur noch drei Minuten um pünktlich hinter der Kasse im Laden zu stehen.
„Äh, ich würde das ja gerne wieder gut machen, aber ich muss zur Arbeit.“
Hastig kramte er nach seinem Portmonee und drückte seinem Gegenüber fünf Euro in die Hand.
Dann drängte er sich weiter durch die Massen auf dem Platz. Sollte der Kerl doch weiterhin die beleidigte Leberwurst spielen. Er hatte keine Zeit für diesen Mist.

Sprachlos sah Aaron dem braunen Haarschopf nach, der eilig in der Menschenmasse verschwand.
Ohne es zu merken schloss er seine Faust um den Geldschein und zerknüllte diesen. Etwas Gutes hatte das Ganze jedoch. "Tut mir Leid, Herr Sachs, aber ich bring meinen Mantel dann besser mal direkt in die Reinigung, bevor das Zeug noch einzieht." Mit einem entschuldigenden Lächeln verabschiedete er sich von seinen Kollegen und ignorierte den bedauernd-schleimigen Blick seines Chefs, als er sich von der Gruppe entfernte und zu seinem Auto lief. Seine miese Laune wandelte sich fast zur Hochstimmung, als er sich in den schwarzen Ledersitz seines Fiat 500 fallen ließ und kurz darauf Ray Charles aus den Lautsprechern tönte. So seinem Chef zu entkommen war ihm den versauten Mantel wert.

Vollkommen erschöpft schmiss sich Patrick auf sein Bett und streckte alle Viere weit von sich. Was für ein Tag.
Was für ein beschissener Tag! Eigentlich hatte er zu gar nichts mehr Lust. Weder zum aufstehen noch zum liegen bleiben. Der Typ von vorhin ging ihm allerdings auch nicht aus dem Kopf. Okay, der Mantel sah teuer aus. Aber so was kann doch mal passieren und wäre er nicht so in Eile
gewesen, dann hätte er den anderen auf einen neuen Eierpunsch eingeladen.

Er sah noch immer diese blaugrauen Augen vor sich, wie sie ihn böse anfunkelten.
„Man, wieso muss immer mir so was passieren? Da begegnet mir schon mal ’n gut aussehender Typ und denn ist er auch noch das reinste Arschloch!“
Frustriert rollte er sich auf die Seite und griff nach seinem Handy. Er brauchte jetzt ganz dringend Ablenkung. Und was wäre da passender als ein morgiger Besuch bei seinem besten Kumpel?
Es klingelte kurz, dann ging jedoch jemand ran.
„Ja?“
„Hey! Patrick hier. Du Martin sag mal, hast du was dagegen, wenn ich morgen mal vorbei komme? Ich hab frei und ne ziemlich miese Woche hinter mir. Würde mich freuen wenn es klappt.“

Erwartungsvoll horchte er auf die Reaktion des anderen. Dieser seufzte nur resigniert auf.
„Du sorry. Wir sind morgen nicht mal hier. Aber vielleicht, wenn du unbedingt was machen willst. Du kannst gerne Aaron dabei Gesellschaft leisten auf die Kleinen aufzupassen.“
„Hm. Wer ist Aaron?“
„Der Bruder von Sophia. Sie backen Plätzchen.“
„Mit Schokolade?“
Martin lachte auf als er die kindliche Frage seines besten Freundes hörte.
„Ich glaube schon.“
„Hört sich gut an. Ich bin dabei. Wann soll ich da sein?“
„So gegen neun.“
„Super. Was macht ihr?“
„Was wohl?“, fragte Martin genervt und nach einer kurzen Pause fügte er hinzu „Geschenke besorgen.“
„Ah okay. Na bis denn. Ich geh schlafen. Bin ziemlich tot. Gute Nacht.“
„Ja, schlaf gut. Bist morgen also.“
„Jop, bis denn.“
Patrick legte auf und schmiss das Handy auf sein Kissen. Jetzt wo er wieder etwas wach war, konnte er wenigstens noch eine Kleinigkeit essen, bevor er erneut ins Bett viel.

Als am nächsten Morgen der Wecker klingelte, wusste Patrick erst nicht so recht, was er davon halten sollte. Doch dann fiel ihm das Telefonat vom Vorabend wieder ein. Voller Elan schwang er seine Beine aus dem Bett und stand auf. Nach einem kurzen Frühstück, bestehend aus Brötchen und Marmelade, zog er sich um. Dann marschierte er auch schon los. Es dauerte nicht lange und Patrick saß in der richtigen Straßenbahn. Er freute sich schon richtig darauf, die kleinen Racker wieder zu sehen. Und besonders auf die leckeren Schokoladenplätzchen. Er musste grinsen. Endlich angekommen klingelte Patrick munter an der Tür, bis ihm endlich jemand öffnete.

„Morgen du Nervensäge!“, wurde er von seinem Freund begrüßt und kurz gedrückt.
Während er sich seine Jacke auszog, war Sophia damit beschäftigt ihre Kleinen nochmals zu ermahnen.
„Das ihr mir auch ja immer auf Onkel Aaron und Patrick hört. Habt ihr verstanden?“
„Jaaaaa!“, wurde ihm Chor geantwortet.
„Na das klappt ja prima“, mischte sich Patrick nun ein und wurde sogleich von den Kleinen belagert.
„Onkel Patrick! Onkel Patrick!“
Aufgeregt hüpfte der Junge vor ihm hoch.
„Tja, jetzt brauch ich sie auch nicht mehr belehren“, seufzte Sophia und lächelte Patrick aufmuntert an.
„Ihr schafft das schon oder?“
„Ach klar. Ist dein Bruder noch nicht hier?“
„Nein, er müsste aber auch gleich kommen.“
Und wie bestellt klingelte es ein weiteres Mal an der Tür.

Aaron wurde wie jeden Morgen von dem penetranten Piepsen seines Weckers geweckt. Wie auch sonst führten ihn seine Schritte zunächst in die Küche, seine Finger legten wie von selbst die Kapsel in die Kaffeemaschine und drückten den Start-Knopf. Noch immer leicht verschlafen tapste Aaron daraufhin ins Bad, nicht ohne sich laut gähnend zu strecken und den letzten Schlaf aus den Augen zu reiben.

Nach einer kurzen, erfrischenden Dusche stand er dann nackt vor dem Kleiderschrank und griff ungewöhnlich zielstrebig nach einer engen schwarzen Retroshorts, seiner dunkelblauen Lieblingsjeans und einem dicken, roten Pulli, den seine Ma ihm vor Jahren gestrickt hatte.
Der war zwar nicht besonders sexy aber er konnte ruhig beim Backen schmutzig werden und die weißen Rentiere darauf passten wunderbar zum Anlass.

Fünf Minuten später startete er den Motor des dunkelroten Fiat. Auf dem Weg zum Haus seiner Schwester hielt er noch bei seiner Stamm-Reinigung, um seinen Mantel wieder abzuholen. Erleichtert sah er, dass tatsächlich kein Fleck auf der schwarzen Wolle zurückgeblieben war und die Reinigung sogar noch bezahlbar war. Fröhlich ein Weihnachtslied pfeifend kaufte er noch einige Kleinigkeiten für die Backorgie und hielt eine halbe Stunde später vor dem Haus seiner Schwester.

Kaum das er geklingelt hatte, hörte er bereits das Kreischen und Lachen seines Neffen und keine Sekunde später riss dieser auch schon die Tür auf.
"Hallo Onkel Aaron!" Am Ärmel des frisch gereinigten Mantels wurde er ins warme Innere des Hauses gezerrt und gleich darauf fiel ihm auch schon seine Nichte in die Arme.
"Wir haben schon Besuch! Onkel Patrick ist hier und will mit Plätzchen backen!" Aaron musste bei soviel kindlichem Enthusiasmus lachen und das Grinsen seiner Schwester, die im Türrahmen zum Wohnzimmer lehnte und ihn nun mit einem Wangenkuss begrüßte, tat ein Übriges dazu. /Da kommt man doch glatt in Weihnachtsstimmung./ lächelte Aaron vor sich hin und betrat das Wohnzimmer um seinen Schwager und "Onkel Patrick" zu begrüßen.

Martin und Patrick waren gerade in ein Gespräch vertieft, als der Neuankömmling das Wohnzimmer betrat. Aus Höflichkeit sah er auf und wollte dem anderen zunicken. Doch anstatt überhaupt eine Reaktion hinzubekommen, starrte er den Mann nur weiter an.
/Das kann nicht sein! Dieses Arschloch von gestern? Ich fass es nicht. Was um alles in der Welt hab ich getan, dass ich gerade zu Weihnachten so bestraft werde?/

Aaron stöhnte innerlich auf. /Oh nein, der Tollpatsch von gestern!/ Er bezweifelte stark, dass sie beide den Tag überleben würden, ohne sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Dennoch gab er sich einen Ruck, begrüßte die beiden Männer und trat die Flucht nach vorn an.
"Na, so schnell sieht man sich wieder. Mein Name ist Aaron Richter, entschuldigen sie bitte meine heftige Reaktion von gestern. Der Mantel hat's übrigens überlebt, ich hab ihn gerade aus der Reinigung geholt." Er entschied sich, "Onkel Patrick" einfach weiter betont unschuldig
anzulächeln und abzuwarten, bis dieser sich aus seiner Erstarrung löste.

Verwirrt blinzelte Patrick den anderen an. Was war das denn jetzt? Hatte er es da wirklich mit der gleichen Person von gestern zu tun?
/Hm, wahrscheinlich schon du Depp, schließlich hat er das Thema gleich angeschnitten und scheint etwas bessere Laune zu haben! Also reiß dich zusammen und begrüß ihn endlich!/, ermahnte er sich selbst.

"Hi. Tut mir wirklich Leid wegen gestern, aber ich war so im Stress, weil ich nur noch drei Minuten bis zum Arbeitsbeginn hatte. Ich hoffe das nimmst du mir nicht krumm."
Zögernd stand er auf und reichte dem anderen nun doch seine Hand.

Aaron ergriff die Hand des anderen Mannes, ein wenig verwundert darüber, dass dieser so ohne weiteres zum Du gewechselt war. /Hm, sein Händedruck ist angenehm. Nicht zu schlaff aber auch nicht zu fest. Und seine Hände sind warm./ stellte er für sich fest und betrachtete den anderen nun genauer. Der war etwa einen halben Kopf kleiner, dafür jedoch kräftiger als er selbst. Der lange Pony fiel seinem Gegenüber immer wieder in die braunen Augen und weckte in Aaron das Bedürfnis, ihm die Haare aus dem Gesicht zu streichen. Er riss sich jedoch zusammen und entschuldigte sich dann, um die Einkäufe in der Küche zu verstauen.

Dieser Aaron machte ihn gerade gewaltig unsicher und die Tatsache, das die kleinen Rabauken diesem nun in die Küche folgten und sich ihre Eltern auch schon von Patrick verabschiedeten, sorgte dafür, dass ihm unerbittlich klar wurde, dass er gleich allein mit dem Typ sein würde. Irgendwie wurden seine Hände gerade ganz klamm und er versuchte ruhig zu bleiben.
Nervös strich er sich den Pony beiseite, als er etwas hilflos in der Küche stand. Doch seine fransigen Haare fielen ihm sogleich wieder ins Gesicht. Irgendwie kam er sich richtig überflüssig vor, als er beobachtete, wie Aaron mit den Kleinen rumalberte.

2.

Aaron musste grinsen, als er sah, wie Patrick da irgendwie verloren im Raum stand und gedankenverloren an seinem Pony zupfte. "Da über der Spüle müsste eine große Edelstahlschüssel sein, stell die doch bitte mal raus.", bat er den anderen, und scheuchte dann die Kinder zum Händewaschen ins Bad. Zurück in der Küche krempelte er den beiden Rabauken die Ärmel hoch und ließ sie dann ein Keksrezept aussuchen.

Dankbar mit eingebunden zu werden, machte sich Patrick auch gleich daran die Schüssel heraus zu suchen. Nachdem die Kleinen sich nun einige Rezepte angesehen hatten, er vermutete ja ganz stark das eh die Bilder entscheidend waren, fragte er sie "Und, habt ihr schon was passendes gefunden?"

"Egal was, Hauptsache Schokolade drauf!" war die einstimmige Antwort der zwei Gören und so übernahm Aaron die Führung und schickte die Kinder zum Kühlschrank, um die Zutaten heraus zu suchen und auf den Küchentisch zu stellen. Schnell suchte er selbst noch die Küchenwaage und den Mixer heraus und harrte gespannt der Dinge, die da kommen mochten.

Patrick sagte den Kids was sie abzuwiegen hatten. Natürlich mussten die beiden sich deshalb streiten und es gingen bereits einige der Zutaten daneben. Als denn endlich alles in der Schüssel war, fing Aaron an den Teig zuzubereiten. Laura und Tobias unterdessen bewaffneten sich schon mit ihren Lieblingskeksformen und konnten es wohl kaum noch erwarten.

Aaron war einigermaßen beeindruckt, mit welcher Ruhe Patrick das Gezeter der Kleinen ertrug und das Chaos irgendwie in produktive Bahnen lenkte. Die Zutaten hatten sich dank der Kinder nicht nur auf dem Tisch und dem Küchenboden verteilt, das Mehl hatte auch irgendwie den Weg auf Patricks Nase und in dessen Pony gefunden. /Wie niedlich! Soll ich ihm das jetzt.../, grinste Aaron vor sich hin, während er den Teig knetete, entschied sich jedoch dagegen. „Ähm, Patrick, du... hast da was!“, sprach er den andern an und rieb sich dabei über die eigene Nase.

Dieser blickte den größeren Mann verwundert an, erkannte dann was gemeint war und rieb sich mit dem Handrücken über die Nase. Dabei verteilte er das Mehl erst noch und wurde zusätzlich von seinem Pony bestäubt. Missmutig grummelnd schaffte er es doch noch sein Gesicht zu säubern. Peinlich war ihm die ganze Sache aber trotzdem.
Aufmerksam beobachtete er den anderen weiter. /Irgendwie hat er ja was an sich, so was attraktives./ Mit einem leichten Kopfschütteln versuchte er diesen Gedanken wieder zu vertreiben. Der war mit Sicherheit sowieso nichts für ihn. So ein Miesepeter. /Wobei, jetzt war er ja wirklich nett, irgendwie./

Aaron lachte auf, als Patrick grummelnd in seinem Gesicht herum rieb und damit alles nur noch schlimmer machte. Amüsiert beobachtete er, wie der andere Mann gewissenhaft sein Gesicht vom Mehl säuberte und ihn dann aus braunen Augen durch die Fransen musterte, die ihm in die Stirn fielen. Nicht zum ersten Mal an diesem Morgen bereute Aaron ihren schlechten Einstand vom Vorabend und nahm sich vor, sich von nun an von seiner besten Seite zu zeigen. /Er ist wirklich niedlich - und vermutlich nicht interessiert an Männern im Allgemeinen und mir im Besonderen. Ich war aber auch wirklich nicht sehr freundlich gestern!/ Innerlich aufseufzend wandte er sich wieder den Kindern zu und brachte sie mit Patricks unaufgefordert, tatkräftiger Hilfe dazu, den Teig gleichmäßig auf dem Tisch auszurollen.

Patrick beobachtete die Kinder eine Zeit lang, wie sie endlich die ersten Plätzchen ausstachen. Aaron legte unterdessen bereits zwei Bleche bereit. /Irgendwie sehen seine Augen jetzt viel weicher aus. Hm…. Dieses Blaugrau ist aber auch ein wirklich schöner Kontrast zu seinen dunkelblonden Haaren./ Er seufzte unmerklich auf und begann sich endlich mal nützlich zu machen. Also griff er nach einem der Bleche und hielt es für die Kinder hin, die nun fleißig ihre Plätzchen darauf verteilten, darauf bedacht so wenig Plätzchen wie möglich unterzubringen. „Hey, da können ruhig noch weitere drauf, schiebt die mal ein bisschen zusammen.“

Aaron griff über die Köpfe von Laura und Tobias hinweg nach den noch rohen Plätzchen und schob diese auf dem Blech zurecht. Als dieses endlich voll war, nahm er es Patrick aus der Hand und schob es schwungvoll in den Ofen. „So, das war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich!“ Teuflisch kichernd startete er eine kleine Kitzelattacke auf die beiden Kinder und brachte die so dazu, auch den restlichen Teig zu Plätzchen zu verarbeiten und auf dem erneut von Patrick bereit gehaltene Blech zu verteilen. „So, jetzt müssen wir warten, bis die Plätzchen fertig gebacken sind. In der Zeit können wir ja schon mal aufräumen.“ Noch bevor er seinen Satz beendet hatte, waren die beiden Gören kreischend aus der Küche getürmt.

„Tja, da bleiben wohl nur wir über. Trocknen oder Abwaschen?“, fragte Patrick den anderen und sah Aaron aufmunternd an. Dabei ging er bereits zur Spüle und legte die dreckigen Sachen hinein. „Ich wasche ab, einverstanden?“
Aaron nickte und nahm sich das Handtuch, solange Patrick noch das Wasser ins Becken laufen ließ. Während sie das dreckige Geschirr säuberten, konnte Patrick nicht anders, als immer wieder verstohlene Blicke zu dem anderen zu werfen. /Er sieht ja echt gut aus. Aber, man Patrick, der hat eh kein Interesse an einem Tollpatsch wie dir./ Als er dann auch noch die Schüssel genau da hinlegen wollte, wo gerade noch Aarons Hand war, wurde Patrick prompt rot, als er die warme Haut deutlich unter seiner spürte.

Die Berührung von Patricks leicht kühler Haut schickte einen Schauer über Aarons Rücken. Sein Zögern überspielend, nahm er Patrick die Schüssel aus der Hand und lächelte diesen aufmunternd an. /Himmel, der ist ja Rot wie ne Tomate! Wie süß.../ Patricks Reaktion auf die winzige Berührung ihrer Hände hatte Aarons Neugierde geweckt und so legte dieser es darauf an, dass sie sich immer wieder kurz berührten. Als er die Schüssel zurückstellte, stützte er sich einfach mit der linken Hand auf der Schulter des anderen Mannes ab, obwohl er das Regalbrett wohl auch so erreicht hätte.

/Gott, Boden tu dich auf. Bitte auf der Stelle./ Im Moment wusste Patrick nicht so recht wohin mit sich. Die Berührungen des anderen schickten wohlige Schauer durch seinen Körper, der bereits nach mehr schrie. Gleichzeitig wollte er dieser Versuchung lieber nicht nachgeben. Woher wusste er denn schon, ob Aaron das gleiche dachte wie er? Aber entgegen seiner Befürchtungen begann er unbewusst die leichten Körperkontakte des anderen zu genießen.

Amüsiert beobachtete Aaron die Reaktionen des anderen Mannes und musste breit lächeln, als er merkte, dass Patrick zwar immer noch furchtbar nervös war, sich aber langsam zu entspannen begann und vermutlich unbewusst Aarons sanften Berührungen entgegenkam. /Na so was, es ist ihm ja gar nicht unangenehm, von einem anderen Mann berührt zu werden. So ein Glück./ Aaron war fasziniert von Patrick und dessen Reaktionen und hoffte nur, dass dieser ihm den kleinen Wutausbruch vom Vortag nicht übel nahm. Dieser Mann war so süß, dass Aaron wirklich gerne mal von ihm Naschen würde.

„Wie lange brauchen die Kekse noch?“, wurde Aaron in seinen Gedanken unterbrochen und sah sich nach der Küchentür um. Dort stand Laura mit großen Kulleraugen und schielte immer wieder zum Backofen. Patrick reagierte einen kleinen Tick schneller als der andere. „Mensch die hätten wir ja fast vergessen!“ Er ließ den Lappen fallen, griff sich das Handtuch und holte rasch das letzte Backblech aus dem Ofen. Zufrieden seufzte er auf. Doch irgendwie verschwand auch das angenehme Gefühl, das Aarons Hand verursacht hatte. „Hol doch schon mal Tobias her. Wir können gleich anfangen die Kekse zu verzieren.“ Erfreut nickte das Mädchen und drehte sich auf dem Absatz um. Keine Minute später war freudiges Kindergetrappel zu vernehmen und kurz darauf leuchteten den Erwachsenen erwartungsvolle Blicke entgegen. Patrick musste schmunzeln und bat Aaron leise: „Hilfst du mir schnell dieses ganze Zeug zum Verzieren auf den Tisch zu bringen? Dann sind die erstmal wieder beschäftigt.“
Aaron liebte die Kinder seiner Schwester fast wie die eigenen, die er niemals haben würde aber in diesem Augenblick hätte er sie gerne erwürgt. Seufzend ergab er sich in sein Schicksal und versuchte nicht an die Wärme von Patricks Körper zu denken, die ihm jetzt schon fehlte. Gedankenverloren rührte er in der flüssigen Kuvertüre, mit der sie gleich die Kekse verzieren wollten. /Wer weiß, ob er mich je wieder so nah an sich heran lässt./

Irgendwie machte Aaron ja einen wirklich netten und fürsorglichen Eindruck und im Augenblick wusste Patrick nicht so recht, ob er sich einfach neben den anderen setzten sollte oder ob er besser bei Laura blieb. Diese wurde immer ungeduldiger und begann nun schon mit den Füßen zu wippen. Patrick dagegen hing weiter seinen Gedanken hinterher. /Er wäre einfach perfekt. Vom Aussehen. Von seiner Ausstrahlung./ Da fiel ihm die Reaktion auf dem Weihnachtsmarkt wieder ein. /Eigentlich meinte er ja, das der Fleck raus ging und alles nur halb so wild sei. Vielleicht war er auch einfach nur im Stress, so wie du./ Erst als es plötzlich an seinem linken Arm zupfte und er in große Kulleraugen sah, wurde ihm bewusst, dass Laura ihn ziemlich ungeduldig ansah. Erwartungsvoll hielt sie ihm einen Keks hin. „Jetzt probier doch endlich mal! Mir schmecken die und Onkel Aaron auch.“ Er grinste und nahm sich den Keks mit Schokolade und bunten Streuseln.

Aaron knabberte vergnügt an seinem Keks, während er zusah, wie Patrick dem ungeduldigen Mädchen den Keks abnahm und ihn sich in den Mund steckte. Er beobachtete den anderen Mann beim Kauen und diesmal konnte er das Lachen nicht unterdrücken, als sein Gegenüber verzückt die Augen verdrehte und mit geschlossenen Augen bedächtig weiter kaute. Um Fassung ringend fing Aaron an zu kichern und gleich darauf fielen auch die Kinder mit ein. Patricks irritiert bis säuerlicher Blick unter seinen Ponyzotteln hindurch brachte sie nicht zum Schweigen, sondern machte alles nur noch schlimmer. /Er ist einfach so süß!/

Äußerlich wirkte Patrick noch immer etwas verärgert, aber eigentlich musste er schon über sich selbst Lachen. Gott, er war einfach viel zu schokoladensüchtig. Dass er aber gerade vor Aaron einen solch dämlichen Eindruck abliefern musste, wurmte ihn schon gewaltig.
Nachdem auch der letzte Keks endlich seine Ladung Streusel abbekommen hatte, verschwanden die Kinder schnurstracks zurück in ihre Zimmer. Also beseitigten er und Aaron gemeinsam noch das Chaos in der Küche und begaben sich dann ins Wohnzimmer. Patrick würde aber noch immer darauf wetten, dass in der Küche noch zu Ostern diese kleinen Zuckerperlen zu finden sind. Vergnügt grinste er vor sich hin, froh darüber, dass Aaron dies nicht sehen konnte, da er hinter ihm ging.

Aaron ließ sich aufs Sofa fallen und seufzte tief auf. Er ließ sich etwas in die Polster sinken, legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen. Endlich mal ein Augenblick Ruhe nach dieser verkorksten Woche. Kein aufdringlicher Chef, keine unfähigen Mitarbeiter, keine kreischenden Kinder. Nur er und das Sofa – und Patrick. Wieder stahl sich ein Grinsen auf Aarons Lippen, als er die letzten Stunden Revue passieren lies. /Tja, man sieht's den Leuten eben nicht an!/ Aaron hoffte wirklich, dass sie sich noch einmal ohne Chefs und Blagen treffen würden.

Patrick war genauso erleichtert wie Aaron und musste sich erstmal genüsslich strecken. Dann lies er sich auf dem Sofa nieder und beobachtete den anderen. Kurz hatte er die Befürchtung, dass Laura oder Tobias nochmals herein stolpern würden, aber das Poltern auf der Treppe war verstummt und es kehrte wieder Ruhe ein. Gerade als er was sagen wollte um die unangenehme Stille zu überbrücken, klingelte sein Handy. Etwas überrascht sah er auf das Display und nahm dann lieber ab, anstatt den Anrufer weg zudrücken.
„Ja?“ Nachdem Aaron nur das Wort „Rainbow“ verstanden hatte und hellhörig wurde, legte Patrick nach einer kurzen Zusage auf.
„Entschuldige, dass war nen Kumpel, der mich für ne Party eingeladen hat.“

Aaron grinste. „Soso, du hast also Kumpels, die dich ins Rainbow einladen?“ Wieder die geröteten Wangen, wieder die Fransen im Gesicht. Jetzt lachte Aaron. Es war kaum zu glauben, aber die Anspannung der letzten Wochen fiel einfach von ihm ab, je länger er mit Patrick zusammen war. „Keine Sorge, ich bin auch öfters mit Freunden da, wenn ich nicht gerade Überstunden schieben muss.“ Er lächelte Patrick an und wartete gespannt auf dessen Reaktion.

Dieser sah Aaron an und öffnete immer wieder wie ein Fisch seinen Mund und schloss ihn dann doch. Er wollte etwas sagen, aber irgendwie war er nicht in der Lage einen Ton heraus zu bekommen. /Okay Patrick, das wäre jetzt deine Chance ihn besser kennen zu lernen./ Nachdem er einmal deutlich hörbar schluckte, schaffte er es mit gesenktem Blick doch etwas heraus zu bekommen. "Ich kann dich ja mal dahin einladen, als Wiedergutmachung für gestern."

/Ups, da hab ich aber wen erschreckt./ Patrick tat Aaron eindeutig Leid, wie er da mit gesenktem Kopf saß und sich nicht traute, Aaron in die Augen zu sehen. /Ich wollte ihn doch nur ein wenig aus der Reserve locken./ Vorsichtig, um ihn nicht noch mehr zu erschrecken, streckte Aaron seine Hand aus und strich Patrick den Pony aus der Stirn. Sanft hob er das Kinn des anderen Mannes an und zwang diesen so, ihm ins Gesicht zu blicken. „Ich würde gern mal mit dir ausgehen, nur vielleicht nicht gleich ins Rainbow. Irgendwohin, wo's ruhiger ist. Vielleicht lädst du mich einfach mal nach der Arbeit auf nen Eierpunsch ein?“

Irritiert blinzelte Patrick kurz. Er wusste gerade selbst nicht, was mit ihm los war. Eigentlich war er noch nie zurückhaltend gewesen und er flirtete auch sonst ziemlich gerne. Konnte es sein, dass Aarons Reaktion vom Vortag ihn dermaßen eingeschüchtert hatte? Eigentlich ja nicht. Trotzdem schloss er nochmals kurz die Augen, um den anderen danach wieder anzusehen. „Einverstanden. Dann kann ich mein Missgeschick von gestern auch vernünftig wieder gut machen.“ Den Kopf leicht schräg in die Hand des anderen legend, wartete Patrick nun einfach ab. Es war eh schon alles schief gegangen, was nur schief gehen konnte. Schlimmer konnte es ja nicht mehr werden und zum Deppen hatte er sich auch schon gemacht. Beste Voraussetzungen damit es nun also besser wurde.

„Hallo ihr Lieben, wir sind wieder daha!“ Die Stimme seiner Schwester und das Geräusch von Kinderfüßen auf der Treppe, ließen Aaron zusammenfahren, irgendwie fühlte er sich ertappt. Er konnte spüren, wie er rot anlief, als er vom Sofa aufstand und fast schon fluchtartig das Wohnzimmer verließ, um die Heimgekehrten zu begrüßen. Natürlich mussten sie als erstes die frisch gebackenen Kekse bewundern und konnten sich erst dann erschöpft aufs Sofa setzen.

Auch Patrick fühlte sich überfahren, folgte dem anderen aber nach kurzer Überlegung nicht. „Wie war euer Tag? Habt ihr ihn genossen?“, wollte er von den beiden wissen. Aaron setzte sich gerade auf den anderen Sessel. „Puh, ihr glaubt gar nicht wie voll die Stadt ist. Aber ja, es war trotz des ganzen Stresses schön.“ Martin strich kurz mit seiner Hand über das Bein seiner Frau. Die Kinder tobten unterdessen in der Stube und verteilten nebenbei weiterhin Kekse an ihre Eltern.

Nachdem sich die Erwachsenen noch einige Zeit unterhalten hatten, wurde es nun aber doch Zeit für Patrick nach Hause zu kommen. Er musste zwar am nächsten Tag nicht arbeiten, da Sonntag war, aber die Woche und der Tag waren doch recht anstrengend gewesen. Nicht zuletzt, weil Aaron ihn so aus der Fassung gebracht hatte. Das musste nun erstmal wieder sacken.

Auch Aaron wollte langsam nach Hause. Er war erschöpft und hatte sich fest vorgenommen, den Abend mit einem entspannenden Bad ausklingen zu lassen. Also verabschiedete er sich von seiner Schwester und ihrem Mann und wandte sich dann an Patrick. „Bist du mit dem Auto da oder soll ich dich mitnehmen?“ So wüsste er wenigstens, wo der andere wohnt, falls sie sich nicht wieder über den Weg laufen sollten. Patrick war ihm einfach zu süß, um ihn jetzt einfach aus den Augen zu verlieren.

Patrick nahm Aarons Angebot dankend an und kurze Zeit später verließen sie gemeinsam das Haus. Die Fahrt dauerte nur halb solange wie mit der Straßenbahn. Als sie da waren, tat sich allerdings doch ein komisches Gefühl auf.
„Tja, da wären wir also“, meinte Patrick mehr zu sich, um das Schweigen zu überbrücken.

Aaron war das Schweigen genauso unangenehm und er war froh, dass Patrick es brach. „Ja, da wären wir.“ Ein Griff ins Handschuhfach und schon hielt er eine Visitenkarte von sich in der Hand. „Da steht leider nur meine dienstliche Telefon-Nummer drauf, aber ruf mich doch da einfach an, wenn du Zeit und Lust hast einen trinken zu gehen, ja?“ Lächelnd reichte er Patrick erst seine Karte und dann die Hand, verabschiedete sich mit einem Kuss auf die Wange und sah ihm hinterher, bis Patrick hinter der Haustür verschwunden war. Selig lächelnd machte sich Aaron auf den Heimweg.


Nachdem er die Nacht noch im „Rainbow“ war und am Morgen zum Glück ausschlafen konnte, brauchte Patrick auch entsprechend um wieder in die Gänge zu kommen. Als er endlich wieder einigermaßen wach war und Zeit hatte, sich über Aaron den Kopf zu zerbrechen, fiel ihm wieder ein, dass er ja dessen Visitenkarte bekommen hatte. Nachdenklich nahm er die Karte von der Kommode im Flur.
„Dienstlich hatte er gesagt. Würde ich ihn denn überhaupt erreichen wenn ich da jetzt anrufe? Wohl kaum.“
Das hieß nun also die lange Wartezeit bis Montag irgendwie zu überbrücken und er hatte keine Ahnung, wie er das am Besten anstellen sollte ohne vor Vorfreude verrückt zu werden.


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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
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jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
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*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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