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4. Dezember 2009

"Zwischen Weihnachten und Neujahr"(Teil 1) von Violet_Bellis


Altersfreigabe: Ab 14
Genres: m/m, Reale Welt
Warnungen: Zucker, Sex
Inhalt: Wegen eines unbedacht gesagten Satzes, erlebt Luca ein turbulentes und aufreibendes Weihnachtsfest und muss sich Ende des Jahres entscheiden, wem er sein Her schenken will. Hat seine Liebe überhaupt eine Chance?
Kommentar: Ich wünsche allen viel Spaß mit der Weihnachtsgeschichte für den Adventskalender 2009 von boy x boy und eine süße und gemütliche Weihnachtszeit.

Himmel, was mach ich hier eigentlich? Diese Frage stelle ich mir seit einigen Stunden bestimmt zum hundertsten Mal. Ich stehe in einer der verwinkelten Ecken des berühmten Szeneclubs „In“ und versuche mich hinter einigen Barhockern zu verbarrikadieren und ein möglichst abweisendes Gesicht zu machen. Bloß nicht auffallen, bloß niemandem die Möglichkeit geben mich anzusprechen. Warum bin ich nur hier? Und wie bin ich überhaupt hierher gekommen?

Gut, das weiß ich. Und ich weiß eigentlich auch warum ich hier bin. Nur leider gefallen mir die Antworten auf meine Fragen nicht. Absolut nicht. Was hab ich mir eigentlich gedacht? War ja klar, dass der Schuss im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten losgeht. Konnte ja nicht gut gehen, wenn ich den beiden auch noch eine Art Freifahrtschein vorlege.

Resigniert schüttle ich den Kopf und nippe langsam an dem kühlen Getränk in meiner Hand. Wie viel Alkohol hat der Kerl hinterm Tresen da eigentlich rein gemischt? Ich wollte keinen Rum mit Cola, sondern Cola mit Rum. Aber das da in meiner Hand grenzt an Verleitung zur Alkoholvergiftung.

„Also wenn du weiter so schaust, dann schmeiß ich dich über den Tresen, zieh dir die Hose über deinen knackigen Arsch und du erlebst nicht-jugendfreie Dinge mit mir.“ spottet eine bekannte Stimme neben mir. Genervt drehe ich mich um und blicke Sebastian direkt in die braunen Augen.
„Wage es und du wirst in den nächsten Monaten nicht einmal mehr daran denken können „nicht-jugendfreie Dinge“ zu tun. Wie kommst du überhaupt darauf? Was soll ich den noch machen, um abweisend zu wirken, hm?“

Ein Lächeln stiehlt sich auf das mir zugewandte Gesicht.
„Du weißt doch Luca, Männer sind Jäger. Wenn sie einmal Blut geleckt haben, hat ihr Opfer keine Chance mehr zur Flucht. Und wenn Mann, ein Stück Frischfleisch wie dich in einer Ecke stehen sieht, macht es bei den meisten Jägern „klick“ im Kopf und das große Einkesseln beginnt. Wenn ich mich hier so umsehe, würde ich sagen, die Wölfe haben die Fährte aufgenommen.“
Bei den ganzen Metaphern aus dem Tierreich muss ich unwillkürlich lächeln. Immer wieder diese Biologen.

„Sebastian hat Recht, Luca. Du weißt doch selbst gut genug, wenn es so scheint, dass man etwas nicht haben kann, will man es erst recht haben. Und dann kommt noch das Imponiergehabe und die Macht des Stärkeren dazu und prompt beginnt ein Kampf, bei dem die Trophäe kein Mitspracherecht hat.“
Schon wieder ein Tiervergleich. Was haben die beiden heute nur?

„Also ehrlich, Sebastian, Felix, ich bin weder Frischfleisch, noch irgendjemandes Beute, wie kommt ihr da überhaupt drauf? Und bei dem Gedanken als Trophäe gesehen zu werden, dreht sich mir der Magen um. Außerdem, was ist eigentlich los mit euch? In all den Jahren, die wir jetzt schon befreundet sind, hab ich euch noch nicht einmal so erlebt. So, wie soll ich sagen, so oberflächlich. Als ob ihr plötzlich ein mir total unbekanntes Gesicht zum Vorschein bringen würdet.“

Ich blicke von einem zum anderen und ernte nur verschmitztes Grinsen.
„Kein unbekanntes Gesicht, Luca. Wenn wir unterwegs sind, sind wir beide immer so. Ehrlich gesagt, erlebst du uns heute sogar handzahm. Schließlich ist Weihnachten die Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit.“ antwortet Felix spitz.

Ich unterdrücke ein Seufzen und rolle stattdessen nur mit den Augen. Wieso bin ich hier?
Oh ja, Weihnachten. Die Zeit, in der man zur Ruhe kommen sollte, mit den Liebsten Geschenke austauscht, sich den Bauch mit herrlichem Essen vollstopft und dann besinnliche Lieder unterm Weihnachtsbaum singt.
Nicht die Zeit, in der man mit seinen beiden besten Freunden einen Shopping-Marathon durch die Innenstadt hinlegt, sich komplett neu einkleiden lässt, um, am Heiligen Abend wohlgemerkt, in einen total überfüllten, von Testosteron und Pheromonen überlaufenden, Club zu gehen und dabei die ganze Zeit versucht, den Fluchttrieb zu unterdrücken.



Felix, Sebastian und ich kennen uns schon seit wir klein sind. Unsere Eltern waren in den 80ern die besten Freunde und haben sich, wie das Schicksal so wollte, irgendwann untereinander ineinander verliebt. Recht zügig wurde dann geheiratet und irgendwann kamen in regelmäßigen Abständen wir Drei auf die Welt.

Sebastian ist mit seinen 25 der Älteste von uns, dann kommt Felix, der allerdings nur drei Monate Vorsprung vor mir hat und das sogenannte Nesthäkchen bin ich mit frischen 24 Jahre.
Wir sind gemeinsam in den gleichen Kindergarten gegangen, haben die gleiche Grundschule und das gleiche Gymnasium besucht. Sebastian hatte sich sogar geweigert mit 6 Jahren eingeschult zu werden. Er wollte partout nicht auf unsere Anwesenheit verzichten.
Und als wir uns dann bei den jeweiligen Universitäten beworben haben, landeten wir am Ende in der gleichen Stadt und auf dem gleichen Campus.

Allerdings haben wir diese Entscheidung unabhängig voneinander getroffen. Es war reiner Zufall, dass unsere Wahl auf die gleiche Stadt und die gleiche Hochschule fiel. Jetzt teilen wir uns eine schöne WG und können uns eigentlich nicht vorstellen in absehbarer Zeit auf einen aus dem „Dreiergespann“ zu verzichten.

Dachte ich jedenfalls bis heute morgen sechs Uhr. Und im Moment würde ich viel darum geben, wenn ich einen von den beiden, oder am besten beide zeitgleich, erwürgen könnte.
Ich meine, ich mag die beiden. Wirklich. Ich wüsste nicht was aus mir geworden wäre, wenn ich sie nicht kennen gelernt hätte. Ihre Spuren in meiner Seele, kommen Gebirgspässen gleich; so tief wie der Marienengraben.

Sebastians kühle, überlegte und logische Art hat mich nicht nur durch meine Abiturzeit gebracht, sondern hat sowohl Felix als auch mich in der Vergangenheit vor der einen oder anderen Dummheit bewahrt. Was nicht heißt, dass wir diese Dummheiten dann nicht trotzdem begangen hätten, nur eben durchdachter und um ein Vielfaches sicherer. Erwischt wurden wir eigentlich nie.

Und Felix kann man eigentlich nur mit zwei Worten beschreiben: total verrückt. Sein ganzer Charakter und seine ganze Lebenseinstellung, sprühen geradezu vor Energie und Ausgelassenheit, dass es manchmal sogar schwer fällt, das Ganze zu ertragen.
Er lebt sein komplettes Leben auf der Überholspur, ist hartnäckig, aber auch dickköpfig. Frei nach dem Motto: Wozu durch die offene Tür treten, wenn ich auch die Wand daneben durchbrechen kann?
Doch egal wie schlecht es einem geht, wenn Felix in der Nähe ist, schafft er es durch seine Art immer wieder, einem ein Lächeln zu entlocken. Wie er das genau macht, kann ich nicht sagen, aber er hat da dieses Gespür für die Menschen und ihre Launen.

Eigentlich könnte man jetzt denken, dass die beiden wie Feuer und Wasser sein sollten. Sind sie auch. Und es kommt nicht selten vor, dass sie aneinander geraten, allerdings niemals ernsthaft.
Es ist viel eher immer der Fall, dass beide als Sieger aus ihren Wortgefechten herausgehen. Sie stacheln sich gegenseitig an, lernen voneinander, ergänzen sich und kommen auf diese Art weiter mit der Lösung ihrer Probleme.

Zwischen uns drei gab es und gibt es niemals irgendwelche Geheimnisse. So war ich vor zehn Jahren zwar überrascht als sie mir bei einem unserer Lan-Partys erzählten, dass sie schwul sind, aber diese Tatsache hat unserer Freundschaft keinen Schaden zugefügt.
Ich war sogar beinahe ein wenig neidisch, wie unkompliziert sie mit ihrer Sexualität umgehen. Die beiden sind schwul und damit Punkt. So einfach war die Sachlage. Und das mit 14 jungen Jahren. Die beiden wirkten auf einmal so reif und erwachsen. Bei mir hat damals erst der ganze pubertäre Wahnsinn begonnen.

So weiß ich auch, dass Sebastian Felix damals ganz schön geholfen hat. Er war eben schon immer ein absoluter Logiker und nachdem er gemerkt hatte, dass sein Interesse am weiblichen Geschlecht der Nulllinie entgegen strebt und bei seiner Selbstbefragung, wie schlimm er es findet auf Jungs zu stehen, kein negatives Gefühl auftrat, war die ganze Sache für ihn klar.
Seinen Eltern erzählte er zwischen Tür und Angel, dass er schwul sei und sein Feingespür zeigte ihm relativ schnell, dass auch Felix mit seiner eigenen Sexualität nicht der sogenannten Norm entsprach.

Felix selbst hatte am Anfang wohl die ein oder anderen Schwierigkeiten mit sich und seinen Gefühlen, aber nachdem Sebastian förmlich über ihn hergefallen ist, eben an jenem Abend als ich es selbst erfuhr, und noch ein wenig Zeit ins Land eingekehrt war, hatte er seine Gefühle akzeptiert.

Hört sich jetzt alles ganz einfach an und das war es irgendwie auch. Seither war der einzige größere Unterschied zwischen uns dreien eigentlich unsere sexuelle Festlegung, denn ich bin durch und durch heterosexuell, auch wenn die zwei immer steif und fest behaupten, dass ich mich nicht ausschließlich für die Damenwelt interessiere.
Das war nie ein Problem, denn wenn man liebt, so haben wir jedenfalls gemerkt, dann ist es egal ob das Gegenstück männlich oder weiblich ist. Nur hatte ich immer das Gefühl, dass die beiden weiter sind als ich. Vielleicht liegt es auch einfach an unseren Charakteren.

Klar, die Zwei hatten auch ihre Sturm und Drang Zeit und wurden vom Liebeskummer und den Jugendlichen Sorgen nicht verschont, aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass sie viel leichter mit dem ganzen Gefühlswahnsinn, den jemand in einem auslösen kann, umgehen konnten.

Ich selbst hing immer total zwischen den Seilen, wenn ein Mädel mir den Kopf verdreht hatte. Sebastian hat mir dann immer ein paar gute Ratschläge mit auf den Weg gegeben und Felix hat mich bei einem Rückschlag in die richtige Bahn zurück gelenkt.

Doch im Moment erkenne ich die beiden einfach nicht wieder. Von Sebastians überlegter Art ist nichts mehr zu spüren, er wirkt eher wie der berühmter Wolf im Schafspelz, der kurz davor steht, vor lauter Gier das Rotkäppchen aufzufressen. Und Felix spielt die Unschuld vom Lande, die kein Wässerchen trüben kann. Verhaltensmuster die ich in all den Jahren unserer Freundschaft kein einziges Mal erlebt habe. Wo sind nur meine Freunde hin?



„Mensch Luca, ehrlich, du hast es versprochen. Erinnerst du dich: Alles was wir wollen. Und wir beide wollen, dass du genau dass tust, was wir dir sagen. Ohne Widerrede und ohne Meckern. Und jetzt schwing deinen kleinen Arsch aus der Ecke, sonst fällt Sebastian wirklich noch über dich her. Und ehrlich, ich würde ihn nicht einmal aufhalten wollen.“

Erschrocken reise ich die Augen auf und sehe von einem zum anderen. Dieses seltsame Glitzern in den Augen meiner Freunde jagt mir einen kalten Schauer über den Rücken. „Wie bitte? Das ist nicht dein Ernst!“

Felix wirft Sebastian einen für mich nicht deutbaren Blick zu, packt mich plötzlich an den Schultern und presst mich mit dem Rücken gegen Sebastians Brust. Mein ganzer Körper versteift sich und ich spüre wie Sebastian seine Arme um meine Brust schlingt, mich noch näher an sich zieht.
Ich versuche mich gegen seine Umarmung zu wehren, fange an zu zappeln und erstarre erneut, als sich Felix an meine Vorderseite schmiegt, mich zwischen ihm und Sebastian einkeilt. Sein warmer Atem streicht über mein Ohr als er spricht „Beweg deinen Hintern nach vorne an die große Bar. Wir wollen ja nicht dass du dich gleich auf die Tanzfläche stürzt.“

„Ihr … Ihr macht mir Angst. Lasst mich los, bitte!“ Felix blickt mich direkt an, seine braunen Augen werden langsam wärmer. „Hey, es sind immer noch wir beide, Sebastian und ich. Aber es ist dein Geschenk an uns. Und wir werden bestimmt nicht klein bei geben. Dieses Mal nicht, Luca.“

Der Griff um meine Brust wird lockere und als Felix einen kleinen Schritt nach hinten tritt, gewinne ich etwas Spielraum. Trotzdem sind mir die beiden immer noch zu nah.

„Ha … Habt ihr euren Verstand mit euren Wintermänteln bei dem Lack- und Leder Heini an der Garderobe abgegeben?“ Bei den Worten Lack- und Leder Heini spüre ich ganz deutlich ein Zittern in meinem Rücken. Lacht Sebastian etwa?

Allmählich schlägt meine Angst in Ärger um. Ich beginne mich in Sebastians Armen zu winden und funkle Felix böse an. „Ihr Vollidioten. Geschenk hin oder her, alles hat Grenzen. Und im Moment stoßt ihr an meine. Ich sag es jetzt zum letzten Mal, lasst mich los!“

„Sonst was, Luca? Ich würde sagen, dass deine Optionen etwas gegen uns beide auszurichten, recht gering sind. Und Felix hat recht, es war dein Geschenk.“ dringt Sebastians Stimme von hinten an mein Ohr.

Die beiden sind vollkommen wahnsinnig geworden. Die werden wirklich noch über mich herfallen. Ich spüre, wie sich mir die Kehle zu schnürt, mein Atem wird hektischer und ein Zittern durchläuft meinen Körper. Trotz der Hitze im Club wird mir kalt und über meinen Körper kriecht langsam eine Gänsehaut. Der Ärger wandelt sich schlagartig in eine ausgemacht Panik um und meine Beine stehen kurz davor mir ihren Dienst zu versagen.

Stopp, ganz ruhig, Felix hat recht. Sie sind meine Freunde und auch wenn die beiden ihren Verstand verloren haben sollten, würden sie nicht über mich herfallen. Hoffe ich jedenfalls. Irgendetwas bezwecken sie mit ihrem Verhalten. Und je mehr ich mich gegen diese absurde Situation wehre, desto weniger werden sie mir verraten, was sie genau wollen.

Ich atme tief durch, straffe meine Schultern und versuche meine Muskeln zu entspannen. Ich fixiere Felix Blick, versuche meine Stimme zu beruhigen. „Warum macht ihr das?“

Felix tritt noch einen Schritt zurück und Sebastian entlässt mich aus seiner Umarmung.
„Kannst du dir das nicht denken, Luca? Nach allem, was im letzten Jahr passiert ist? Nach allem was du gemacht hast? Oder ja eigentlich eher nicht gemacht hast.“ Felix Stimme ist ganz ruhig, sein Blick fest, aber ich höre die Traurigkeit während er spricht. Oh oh.

„Was willst du damit sagen?“ Ich höre wie meine Stimme leicht zittert. Was jetzt kommt, kann nicht gut gehen. Mist.

„Was wir damit sagen wollen, Luca, ist doch wohl eindeutig. Seit Mirya letztes Jahr ihre Koffer gepackt hat und nach Australien abgehauen ist, bist du nur noch ein Schatten deiner Selbst. Liebeskummer hin und her, aber du versinkst mittlerweile in einer waschechten Depression.“



Autsch, das tat weh. Miryas Name reißt in mir immer noch Wunden auf.

Wir waren seit Ewigkeiten zusammen. Sie ging mit uns auf das gleiche Gymnasium, allerdings in die Parallelklasse, war aber in der gleichen Clique wie wir Drei.

Nach der Offenbarung meiner beiden Freunde hab ich mir natürlich auch so meine Gedanken über mein Liebesleben gemacht und bin auf den Punkt gekommen, dass ich zwar absolut nichts gegen Schwule hab, ich mir das aber nicht vorstellen könnte. Niemals. Weder Top noch Bottom. Erst recht nicht Bottom.

Und so wurden mit 15 dann auf einmal die Mädchen recht interessant. Nach einigen geglückten Anläufen in Sachen Beziehung und einigen Griffen ins Klo, hab ich Mirya irgendwann mit anderen Augen gesehen. Bei ihr hat das zwar dann ein wenig länger gedauert, aber an meinem 18 Geburtstag hat sie mir in einer Nacht und Nebel Aktion, ihre Liebe gestanden.

Fünf Jahre ging unsere Beziehung. Und dann hat sie mir letztes Jahr mitgeteilt, dass für sie die Zeit gekommen wäre, Deutschland zu verlassen und andere Orte aufzusuchen. Kein Scherz, dass war ihre Wortwahl.

Wir haben zwar niemals die perfekte Beziehung geführt und mittlerweile ist mir auch klar, dass wir über kurz oder lang einen Schlussstrich hinter unser Kapitel gesetzt hätten, trotzdem kam das alles ziemlich plötzlich.
Aber so war sie. Immer impulsiv, immer unterwegs. Hat man versucht sie an sich zu binden, hat sie sich auf die Hinterläufe gestellt und gebockt. Das hat mir an ihr zwar all die Zeit über gefallen, hat unsere Beziehung aber auch beeinträchtigt.

Ich persönlich bin eher der typische Couch Potatoe. Hab auch kein Problem damit, dass zuzugeben.
Während Mirya also nächtelang die Clubs der Umgebung unsicher gemacht hat, lag ich auf meinem Sofa und hab gelesen. Auch ansonsten ziehe ruhigere Aktivitäten vor. Kino, Bowling, Thermalbad. Relativ langweilig, aber die Menschen sind nun mal unterschiedlich.
Mirya hatte damit eigentlich kein Problem, jedenfalls hat sie es nie angesprochen. Manchmal war sie auch mit Sebastian und Felix unterwegs.

Nach ungefähr zwei Jahren hat sie mir dann erzählt, dass sie mich betrogen hätte. Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Ich hätte ihr alles Mögliche zugetraut, aber Untreue?
Ich hatte mich von ihr getrennt, konnte dann aber nicht ohne sie und so kamen wir wieder zusammen.

Zu dem Zeitpunkt muss es angefangen haben, dass sie sich emotional von mir abgekapselt hat. Ich glaube zwar nicht, dass sie mich nicht mehr geliebt hat, aber irgendwie entwickelte sie sich zu einem emotionalen Trampeltier.

Sie flirtete vor meinen Augen mit anderen und irgendwann hab ich aufgehört zu zählen, wie oft sie mit anderen mit ging und nicht mit mir.
Daraufhin hab ich mich wieder von ihr getrennt, sie hat sich entschuldigt, Besserung gelobt und ich hab ihr verziehen. Unzählige Male. Trotzdem ging dieses verquere Spiel noch drei Jahre und obwohl ich wusste, dass das nicht gut für mich ist, konnte ich mich nicht endgültig von ihr trennen.

Ich weiß nicht, was mich bei ihr gehalten hat, aber sobald ich ohne sie war, hab ich gelitten wie ein verprügelter Hund. Drei Monate Pause waren das höchste der Gefühle, danach hab ich sie mit Handkuss zurück genommen.

Ich denke Mirya hat gewusst, wie sehr sie mich verletzt und ich bin mir sicher, dass es nicht in ihrer Absicht lag, mir weh zu tun, aber sie konnte einfach nichts dagegen tun. Wie gesagt, Menschen sind unterschiedlich und Mirya und ich konnten einfach nicht miteinander. Solange wir Freunde waren, war alles in Ordnung, doch dass, was darüber hinaus ging, dafür waren wir beide nicht gemacht.

Trotzdem kam der Schock über ihre Deutschlandflucht plötzlich, unerwartet und Knüppel hart. Ich hatte mit viel gerechnet, als sie mal wieder sagte, wir müssten reden. Ich hasse diesen Satz mittlerweile. Wir müssen reden. Da kommt niemals was Gutes dabei raus. Nie.

Danach ging alles ganz schnell. Innerhalb von sechs Wochen hatte sie ihre Zelte abgebrochen und dann standen wir da am Flughafen, lagen uns in den Armen und haben Rotz und Wasser geheult.

Sie ließ die üblichen Floskeln, wie ´Ich werde dir schreiben, versprochen. Ich werde an dich denken.` und all den Mist los, während ich ihr nur meine ewige und heißblütige Liebe schwor. Irgendwie peinlich, wenn ich jetzt darüber nachdenke. Trotzdem, ich hatte es ernst gemeint.
Und auch wenn sie mir am Ende noch das Versprechen abgerungen hat, dass ich mein Herz Stück für Stück von ihr lösen würde, bin ich mir nicht sicher, ob ich dieses Versprechen auch einhalten kann.
Das letzte Mal hab ich vor fast zwei Monaten etwas von ihr gehört. Sie ist derzeit im Outback und hat dort natürlich kein Internet.

Ich bin mir mittlerweile nicht einmal mehr sicher, ob ich sie noch liebe oder ob ich einfach nur die Vorstellung von ihr und mir als perfektes Paar geliebt habe und dieser Traum zerplatzt ist. Ich hasse es zu scheitern und dieses Beziehungs-Aus verbuche ich als das größte Versagen in meinem Leben.



„Luca?“ Mist, ich bin schon wieder abgedriftet.
„Ja?“ Verwirrt blicke ich von einem zum anderen. Haben die beiden etwa was gesagt?

„Siehst du, genau das meinte ich. Du bekommst nichts mehr mit.“
Felix verschränkt seine Arme vor der Brust, Sebastian schüttelt nur den Kopf. Beide blicken mich sehr ernst an. Und als Felix zu sprechen beginnt, merke ich wie ernst er es meint.

„Du weißt, ich mag Mirya. Sie ist ein tolles Mädchen mit einem starken Charakter, die weiß was sie will. Könnte ich mir ne kleine Schwester aussuchen, wäre sie meine erste Wahl. Ich fand es zwar nie gut und ich denke, da spreche ich auch für Sebastian, was sie da mit dir angestellt hat, aber du hattest immer die Wahl.
Und du hast dich für sie entschieden. Wir haben das akzeptiert und wenn du eben wieder jenseits von Gut und Böse warst, haben wir unsere Luca- Aufpäppel- Kur durchgezogen. Und das war ja auch okay. Du bist wie du bist, und sie eben wie sie ist.
Aber sie hat dich freigegeben. Verstehst du? Ich denke, dass Mirya sich ganz bewusst für den Weggang aus Deutschland entschieden hat und ich bin davon überzeugt, dass du mit ein Grund dafür warst. Nicht der Hauptantrieb, aber vielleicht warst du am Ende ausschlaggebend. Sie hat es gehasst, wie sie dich behandelt hat, aber sie konnte nichts dagegen tun. Also ist sie gegangen.
Gut, das du dich daraufhin vergraben hast, konnten wir ja noch nachvollziehen. Auch das gehört zu dir. Du leidest eben viel. Aber irgendwann ist dann gut. Und wir dachten ja auch, dass du dich so bis zur Schneeschmelze wieder beruhigst.
Nur was hast du gemacht, als die ersten warmen Strahlen der Sonne heraus gekommen sind? Du bist in den Baumarkt gefahren und hast dir blickdichte Jalousien gekauft. Du warst nicht einmal mit beim Grillen oder am Badesee.
Jegliche Sportaktivität waren auf einmal Tabu und das obwohl wir erst letztes Jahr mit Kiten an gefangen haben. Und sag mir jetzt nicht, es hätte dir keinen Spaß gemacht.
Ich will nicht wissen wie viel du abgenommen hast, seit Mirya weg ist. Du warst noch nie jemand der besonders viel auf den Rippen hat, aber das ist nicht mehr gesund. Und von deiner Hautfarbe will ich nicht anfangen.“

Während dieser Ansprache bin ich immer kleiner geworden. Halbherzig versuche ich ein „So schlimm ist es doch gar nicht.“ über meine Lippen zu bringen, doch ich weiß im gleichen Augenblick, als die Worte meinen Mund verlassen, dass ich nicht hinter ihnen stehe. Und das sie meine Freunde wütend machen.

Ein aufgebrachtes Schnauben kommt von Sebastian.
„Stimmt, es ist schlimmer. Viel schlimmer. Du warst ja schon immer mehr der Stubenhocker, aber die letzten Monate haben wir beide dich nur noch gesehen, wenn wir dein Zimmer gestürmt haben. Vorausgesetzt es war nicht abgeschlossen. Deine Leistungen für die Uni in allen Ehren, aber du machst dich kaputt. Du pendelst doch nur noch zwischen Hörsaal und Wohnung, lernst, liest und schläfst. Das ist kein Leben.“
Sebastians Stimme ist immer lauter geworden. Okay, so aufbrausend hab ich ihn wirklich noch nie erlebt.

Zweifelnd sehe ich zu Felix, kann in seinen Augen, aber das gleiche lesen, wie in Sebastians.
„So schlimm?“

Als Antwort ernte ich nur zwei nickende Köpfe. Betrübt senke ich den Blick und starre den Boden zwischen uns an. Mir ist es wirklich nicht aufgefallen. Ja, ich hatte mich abgekapselt, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so extrem war. „Ich…“

„Und als du uns dann gesagt hast, wir dürften uns zu Weihnachten wünschen, was wir wollen, war klar, wie wir dich endlich aus deiner Lethargie raus bekommen. Sozusagen der letzte Versuch.“ Ich hebe wieder meinen Blick und starre in die entschlossenen Gesichter meiner beiden besten Freunde.



Ja, als wir das diesjährige Weihnachtsfest geplant haben, wusste ich beim besten Willen nicht, was ich auf ihre Geschenk Nachfrage antworten sollte und daraufhin haben die beiden mir ebenfalls jegliche Auskunft verweigert.

Und in einem Anflug kurzer, geistiger Unzurechnungsfähigkeit, hab ich den folgenschweren Satz losgelassen:
„Ihr bekommt von mir dieses Jahr zu Weihnachten, was immer ihr euch wünscht. Mir ganz egal.“
Ich muss wirklich in vollkommener Melancholie durch das bevorstehende Weihnachtsfest versunken sein. Was hab ich mir nur dabei gedacht, so etwas zu sagen?

Bis heute morgen um sechs Uhr haben sie mir nicht mitgeteilt, was sie sich jetzt genau wünschen, haben auf meine Anfragen immer nur gesagt, dass ich dafür sorgen soll, Weihnachten nicht nach Hause zu fahren und mir in der Woche bis Neujahr auch nichts vorzunehmen.
Für meine Eltern war das irgendwie gar kein Problem. Die haben nicht nur die 80er durchlebt, die sind teilweise dort sogar hängen geblieben.

Als Kind fand ich es super so ausgeflippte Eltern zu haben, wie meine. Als Jugendlicher fand ich sie einfach nur peinlich und hätte sie am liebsten irgendwo versteckt. Mit 18 hab ich dann resigniert und mittlerweile will ich mir gar nicht vorstellen, wie es wäre „normale“ Eltern zu haben.
Die gehören zu mir wie Sebastian und Felix. Und da ich mich auch schon letztes Jahr zu Weihnachten abgeseilt hatte, haben sie es dieses Jahr einfach so hingenommen. Wer weiß, vielleicht haben Felix und Sebastian auch irgendwas zu ihnen gesagt?

Auf jeden Fall standen die beiden Durchgeknallten heute morgen um sechs in meinem Zimmer, fertig angezogen, und bevor ich überhaupt verstand was da mit mir passierte, wurde mir schon eine Tasse heißer Kaffee an den Mund gesetzt.
Während mein Gehirn den gefühlten hundertsten Versuch unternahm zu erwachen, erklärte mir Sebastian mit einem überlegenen Grinsen im Gesicht, dass ich die nächsten sieben Tage ihre Geisel wäre und genau dass tun müsste was sie sagen. Egal was. Als ich dann unter der Dusche stand, dachte ich mir noch, dass es schon nicht so schlimm werden würde.

18 Stunden später bin ich mir nicht einmal mehr sicher, wie viel ich noch ertragen kann.
Am Anfang hab ich mir ja noch wirklich Mühe gegeben, nicht zu meckern. Allerdings war der Anfang auch noch erträglich. Um halb acht trudelten wir bei Marco, einem Freund von Felix und Sebastian, ein und der verpasste mir erstmal einen neuen Haarschnitt.

Ich gebe zu, ich habe meine Friseurtermine in den letzten Monaten etwas schleifen lassen, aber Marcos Reaktion war wirklich übertrieben. Er hat mich für Yeti gehalten.

Als er mich dann, unangenehm nach Haarspray stinkend, wieder vor den Spiegel gesetzt hat, war ich trotzdem angenehm überrascht. Was Friseure immer mit den Haaren hin bekommen, ist für mich jedes Mal ein kleines Wunder.
Aus meiner vorherigen, in alle Richtungen abstehenden, blonden Löwenmähne wurde ein Kurzhaarschnitt mit längerem Pony, der mir dauernd in die Augen fällt. Bei dem Pony hab ich dann aufbegehrt, auch wenn es an sich nicht unbedingt schlecht aussah. Meiner Meinung nach ist ein Pony aber eher etwas für Mädchen. Hat alles nichts geholfen. Das Ding blieb dran und nervt jetzt ordentlich.

Danach ging es auf direktem Weg in die Innenstadt. Eine sehr unkluge Entscheidung, wie ich anmerken muss. Ich hab es mein ganzen Leben lang vermeiden können, an Heilig Abend einkaufen zu gehen und sei es nur für Lebensmittel.

Aber die beiden hatten ihren seeligen Spaß mich von einem Klamotten Laden in den nächsten zu ziehen. Keine Ahnung wie viele Hemden, Hosen, T-Shirts, Jacken und andere absonderliche Dinge ich heute an hatte. Irgendwann hatte ich sogar eine Art Halsband um.
Und ich will auch gar nicht wissen, wie groß das Loch ist, das dieses Einkauferlebnis in meinen Geldbeutel gerissen hat. Da kommt es mir zu Gute, dass ich in den letzten Monaten so spartanisch gelebt habe.

Danach ging es wieder nach Hause und mir wurde ein Mittagsschlaf verordnet. Ich soll meine Kraftreserven aufladen für den heutigen Abend, haben die beiden nur gesagt. Sie wollten allerdings nicht darauf eingehen, was denn am Abend ansteht. Hätte ich heute Nachmittag schon gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich vermutlich die Flucht ergriffen

Das zweite Wecken dieses Tages war dann etwas sanfter. Woher auch immer die beiden dieses wahnsinnig köstliche Weihnachtsessen hatten, dass nach meinem Erwachen auf unserem Esstisch stand, mir hat es jedenfalls geschmeckt. Und den Wein, den es dazu gab, wollte ich auch nicht ablehnen.

Danach haben die beiden mich noch mal unter die Dusche gestellt, mit dem eindeutigen Befehl mich dieses Mal zu rasieren.
An sich eigentlich nichts Ungewöhnliches, Mirya mochte keine Haare, außer auf dem Kopf, den Armen und den Beinen, wobei es mich schon ein wenig stutzig gemacht hat, woher die beiden wissen wollen, wie es um meine Intimbehaarung bestellt ist.

Sebastian stand sogar als Anstands Wau-Wau im Bad. Ich durfte mir noch nicht einmal aussuchen, was ich heute Abend anziehe. Aber ich hatte es ja versprochen, keine Widerworte, kein Gemecker. Jedenfalls wenig Widerworte und wenig Gemecker.

Als sie mir dann aber beim Verlassen des Hauses eine Augenbinde umgelegt haben, wurde mir mehr als mulmig. Die beruhigenden Phrasen, die sie von sich gaben, hatten leider keine Wirkung auf mich.
Felix Gekicher hinter meinem Rücken machte mich fast wahnsinnig. Und nachdem mir vor dem „In“ dann die Augenbinde abgenommen wurde, wollte ich eigentlich sofort auf dem Absatz kehrt machen und auf direktem Wege wieder in mein warmes Zimmer zurück.

Friseur ok, Shoppen, für mich zwar nicht unbedingt die Höhe der Gefühle, aber ok, gemeinsames Weihnachtsessen ok, Behandlung wie ein Kleinkind, nicht ok, aber das konnte ich noch irgendwie schlucken. Aber bei Clubs hört es dann auf.

Ich hasse Clubs, sämtliche Arten von Clubs. Es ist immer zu voll, zu laut, zu teuer, die Musik ist nicht mein Geschmack und man kommt sich vor wie bei einem Zoobesuch. Mit dem Unterschied, dass man selbst die Attraktion ist. Nicht das ich mich sonderlich attraktiv fände.

Und das „In“ ist nicht irgendein Club. Das „In“ ist die schwulen Location weit und breit. Da tummelt sich am Wochenende und manchmal auch unter der Woche so ziemlich jegliche Art von Mann. Beginnend bei der Klassifizierung eindeutig schwul bis hin zu hätte- ich- niemals- gedacht. Aber eben allesamt homosexuell. Und alle gehen mit der gleichen Einstellung rein.
Suchen und Finden. Sei es die Liebe für eine Nacht oder die Liebe fürs Leben.

Und jetzt steh ich seit zwei Stunden in einer, mindestens einer Nummer zu kleinen, schwarzen Jeans und einem, mindestens zwei Nummern zu kleinen, ebenfalls schwarzen T-Shirt, in besagtem Club, habe tonnenweise Haarspray auf dem Kopf und konnte Felix gerade noch davon abhalten mir irgendeinen Duft aufzusprühen.
Warum bin ich hier?



„Luca, bist du schon wieder abgedriftet?“ Felix fuchtelt mir mit seiner Hand vor den Augen herum. Mist, hab ich etwa schon wieder was verpasst?
Fragend schaue ich von einem zum anderen und entscheide dann einfach in die Offensive zu gehen. Ich steh vielleicht mit dem Rücken zur Wand und das Wortwörtlich, aber Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung.

„Okay Jungs, ihr habt Recht. Die letzten Monate waren vielleicht ein wenig heftig. Ich finde es auch wirklich nett, dass ihr euch so um mich sorgt, aber warum bringt ihr mich ins „In“? Ich bin schließlich nicht schwul.“
Auf diesen Kommentar hin, wandern Sebastians Augenbraue horizontal nach oben und Felix muss zwanghaft ein Lachen unterdrücken. „Schwul vielleicht nicht Luca, aber bi bist du auf jeden Fall.“

Häh, wie bitte? Mein Gesichtsausdruck muss Bände sprechen, denn Sebastian setzt zur Erklärung seiner absolut abwegigen Aussage an.

„Du erinnerst dich doch bestimmt noch gut an das letzte Weihnachtsfest, oder? Mirya war gerade ein paar Wochen weg und du hast dich in deinem Bett verkrochen. Wir wollten dich an dem Abend eigentlich schon mitnehmen, hatten aber keine Chance deine Schweigemauer auch nur anzukratzen.“ Oh ja, an den Abend erinnere ich mich gut. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt jedenfalls...

„Wir beide waren dann hier im „In“. Und wenn du dich noch weiter an den Abend, oder besser die Nacht, zurück erinnerst, wirst du auch noch wissen, dass weder Felix noch ich alleine nach Hause gekommen sind. Und was finden wir vor? Ein total betrunkenes und in Selbstmitleid badendes Häuflein Elend.“
So langsam dämmert mir auf was oder besser wen die beiden hinaus wollen.

„Ich hatte damals Marco dabei, wenn du dich recht erinnerst.“ erklärt Sebastian weiter. „Allerdings hat ein Blick auf deine Erscheinung allen vier Anwesenden gezeigt, dass wir dich erstmal ins Bett bringen müssen, bevor der Abend weiter fortschreiten kann.
Und was machst du? Anstatt brav auf uns zu hören, fängst du an wie ein Wahnsinniger um dich zu schlagen, als wir dich von der Couch hoch heben wollten. Du hattest noch nicht mal die Augen offen!“

Der Schleier des Vergessens um den besagten Abend hebt sich langsam aber sicher und ein Gesicht manifestiert sich in meinen Gedanken. Die beiden werden doch nicht...

„Und als meine Begleitung es dann endlich geschafft hatte, deinen Rest geistige Aufmerksamkeit, auf uns zu ziehen, erleben wir die nächste Überraschung.“ erzählt Felix weiter.
Ich spüre wie mein Gesicht immer heißer wird und ahne Schreckliches. Das Grinsen auf Sebastians Gesicht wird breiter und hämischer, während Felix versucht den weiteren Verlauf des Abends ohne größere Unterbrechungen zu schildern.

„Ich erinnere mich noch gut daran, wie du die Augen aufgeschlagen hast und dann den Versuch gestartet hast seinen Blick zu fixieren. Ist dir allerdings nicht geglückt. Stattdessen hast du mit deinen Zeigefinger gegen seine Brust getippt und irgendwas vor dich hin genuschelt. Und so freundlich wie mein Begleiter natürlich war, hat er sich zu dir runter gebeugt um dich besser zu verstehen.“
Heiß, mir wird auf einmal so unglaublich heiß. Haben die hier in dem Laden etwa die Heizung aufgedreht?

„Aber du wolltest gar nichts mehr sagen. Nein, du hast ihn nur komisch an geschielt, dann wie ein Blöder zu grinsen begonnen, um danach deine Arme um seinen Hals zu legen und ihm einen durchaus als heiß zu bezeichnenden Zungenkuss zu geben. Ich würde mal sagen Chris...“

„Stopp, okay das reicht. Ich habe niemandem, vor allem keinem Kerl, einen als heiß zu bezeichnenden Zungenkuss verpasst. Versteht ihr? Niemandem!“
Meine Stimme hat einen sehr schrillen Klang angenommen und wenn ich nicht bald ein Glas Wasser bekomme, dann platzt mein Kopf. Vor meinen Augen dreht sich schon alles.

„Oh doch, Luca. Der Kuss war mehr als nur heiß. Der war schon rekordverdächtig. Ich bin richtig eifersüchtig auf Chris geworden. Eigentlich hatte ich ja immer die Hoffnung, dir deinen ersten Kuss zu stehlen.“
Ich muss mich setzten, dringend. Meine Beine machen das nicht mehr mit. Wo ist der nächste Barhocker? Tief durch atmen. Nicht das Atmen vergessen. Und versuch die Ruhe zu bewahren.

Zittern versuche ich die nächsten Worte so eindringlich wie möglich von mir zu geben.
„Noch mal: Ich habe niemandem außer Mirya jemals in meinem Leben, einen als rekordverdächtig oder als heiß zu bezeichnenden Kuss gegeben. Besonders niemandem der Chris heißt. Und ein für alle mal: Ich stehe nicht auf Männer!“

In diesem Moment kann Felix das Lachen nicht mehr unterdrücken und auch Sebastians Gesicht ähnelt eher einer verzerrten Grimasse.

„Hört auf so dämlich Laute von euch zu geben. Ich mein das bitter ernst!“ begehre ich auf.
Die beiden sind vollkommen verrückt geworden. Angesäuert erhebe ich mich von meinem Barhocker und versuche mich an Felix vorbei zu schieben, als ich wieder zurück gezogen werde.
„Wo willst du denn hin?“ Sebastian erdolcht mich förmlich mit seinem Blick.
„Nach Hause?“ frage ich genervt.

„Vergiss es. Du bleibst solange hier, bis wir sagen, dass du gehen kannst.“ zischt Felix mir ins Ohr. Von der vorherigen Heiterkeit ist auf einmal nicht mehr viel übrig.
Allmählich werde ich wütend. Was soll der ganze Mist eigentlich? Wollen die beiden sich für das vergangene Jahr irgendwie auf meine Kosten revanchieren?

„Lass- mich- los- Sebastian. Du gehst zu weit.“
Der Griff um meinen Oberarm wird stärker. Hätte niemals Gedacht das Sebastian so eine Kraft hat. Er trainiert zwar sehr häufig, aber irgendwie sieht man ihm das nicht so ganz an.
„Seit wann brichst du denn deine Versprechen? Das kenn ich gar nicht von dir.“ fragt er mich.
Aua, wunder Punkt. Die beiden kennen mich einfach zu gut.

„Lass los, ich kann ja eh nicht weg laufen.“ antworte ich kleinlaut und rüttle sachte an meinem Arm.
„Allmählich tust du mir wirklich weh.“ Sebastian tauscht noch einen kurzen Blick mit Felix aus, dann wird mein Oberarm wieder entlassen.
Betretenes Schweigen legt sich über unsere kleine Gruppe und zum ersten Mal an diesem Abend fällt mir auf, dass die Musik gar nicht so schlecht ist. Wenigstens etwas.

Ein Räuspern aus Sebastians Richtung, dann folgt so etwas wie „Werde uns mal schnell was zu trinken holen.“ und dann stehe ich mit Felix alleine da. Ich lasse die Luft aus meinen Lungen, die ich unwillkürlich angehalten hab und drehe meinen Kopf zu ihm.

Als ich seinen Blick suche, schenkt er mir ein leichtes Lächeln. „Luca, wir beide meinen es nicht böse. Oder wollen dich zu irgendwas zwingen. Glaubst du ernsthaft wir würden etwas tun was du partout nicht möchtest?“
Nein, eigentlich nicht. Ich schüttle den Kopf.

„Siehst du. Wir kennen unsere Grenzen und wissen ganz genau, dass du nicht unbedingt ein Dickhäuter bist. Hey, wie lange sind wir schon befreundet? Du warst der Erste, dem Sebastian gesagt hat dass er schwul ist. Und du warst dabei, als er über mich hergefallen ist.
Und du warst der Erste, der erfahren hat, dass wir beide zusammen im Bett waren. Hat zwar nicht gehalten, aber dass ist ja im Moment auch nicht das Thema.
Ich will damit sagen, dass wir seit Jahren die besten Freunde sind und dass du uns wirklich wichtig bist. Und irgendwie ertrag ich es nicht mehr, dich so abgekapselt zu sehen.
Du hast es selbst gesagt, die letzten Monate waren nicht in Ordnung. Und Sebastian und ich haben uns wirklich Sorgen um dich gemacht. Hätte du nicht gesagt, dass wir uns wünschen können was wir wollen, hätten wir dich vermutlich einfach gefesselt und geknebelt und hier rein getragen.“

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen. „Habt ihr doch auch fast gemacht. So ganz freiwillig bin ich nicht hier.“

„Ach, hättest du fünf Flaschen Rotwein und die morgigen Kopfschmerzen etwa vorgezogen?“
Den Rotwein ja, die Kopfschmerzen nicht, also schüttle ich wieder den Kopf.

„Hah, da haben wir's. Außerdem ist der Abend noch jung und der Hauptgast ist noch gar nicht da.“
Hauptgast? Ich spitze meine Ohren und mir wird schon wieder so unerträglich heiß.

„Wer ist noch nicht da, Felix?“ Doch anstatt einer Antwort ernte ich nur ein verschmitztes Grinsen.
„Was glaubst du denn?“ Böse Vorahnung, ganz böse Vorahnung.
„Das ist nicht wahr Felix. Du willst mir jetzt nicht sagen, dass ... dass Chris heute Abend noch auftaucht.“


In diesem Moment schlängelt sich eine fremde Hand über meine Hüfte und presst mein Becken an ein Fremdes. Eine andere Hand legt sich um meine Brust, zieht mich sanft zurück und ich spüre wie sich fremde, warme Lippen in meine Halsbeuge drücken. „Du sprichst von mir, mein Wildfang?“


Ende Teil 1/ Heilig Abend- Der Auftakt





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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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