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7. Dezember 2009

"Santa und Schneeflocke" von Yavia


Altersfreigabe: ohne Altersbeschräkung
Genres: m/m, f/f
Warnungen: Zucker
Kommentar: Da ich nicht so sicher bin, wie verbreitet es in Deutschland schon ist, die Kinder auf den Schoß des Weihnachtsmannes zu setzten, damit sie sich was wünschen können, habe ich die Geschichte in den USA angesiedelt. Ich habe mir den Absatz am Anfang und am Ende von Hans Peatsch vorgelesen vorstellt. Warum? Weil ich noch gar nicht in Weihnachtsstimmung bin, seine Stimme mich aber an Vorlesezeiten zur Weihnachtszeit erinnert.
Hans Peatsch: *7. Dezember 1909 in Altmünsterol im Elsass; † 3. Februar 2002 in Hamburg. Er war ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Synchronsprecher. Er hatte eine der bekanntesten Stimmen Deutschlands und galt als „Märchenonkel der Nation“ (Markante tiefe Stimme)

Epilog

Lau wehte der Wind die Straße hinunter. Dieses Jahr würde es wieder keinen Schnee geben, wie schon die Jahre zuvor. Geschäftige Menschen eilten die Straße hinunter, vorbei an den weihnachtlich geschmückten Läden und Cafes. Die Bäume am Straßenrand waren mit blinkenden Lichterketten bestückt und viele Reklameschilder zeigten Schneemänner, Santa Claus, Geschenke oder Sterne. Die kleine Stadt in New Mexico freute sich auf das Weihnachtsfest.

Es war laut im Cafe, viele der Gäste unterhielten sich angeregt. Die kleine Gruppe High School Schüler hatte sich um einen Tisch in der Mitte gedrängt. Jessica hatte einen Zettel vor sich liegen und sah beim Reden hinauf. Neben ihr hatten Brian und Amy die Köpfe zusammengesteckt. Justin saß mit seinem Bruder Michael rechts von der Rednerin. Ihr gegenüber wartete Luke auf seine Chance zu sprechen.
„...und da ich diesmal ein wirklich wundervolles Weihnachten haben will, habe ich es schon alles geplant.“
Luke holte Luft, entließ sie leise, als Jessica fortfuhr. Er war sich selbst noch nicht ganz sicher, ob er wirklich seine Idee aussprechen sollte. Er mochte Weihnachten nicht besonders.
„Ich brauche noch Weihnachtskugeln, Justin, könntest du fahren? Ich habe hier eine Liste.“ Sie reichte dem großen Jungen einen Zettel herüber. Jener schob sich die schwarzen Haare aus den Augen und murmelte unerfreut über die Länge der Liste. Michael neben ihm sah mit auf das Blatt. Seine kurzen braunen Haare waren heute zu einem Kamm zusammengeformt, der über den Kopf verlief.

„Jess...“, versuchte Luke es. Die Schülerin widmete ihm kaum einen Blick, wartete nicht. Sie wehrte ihn mit einem Handwedeln ab und wandte sich an Brian und Amy.
„Brian, wolltest du dich heute um die Eisfläche kümmern?“
Der Angesprochene schreckte auf und bestätigte es sogleich.
„Ist gut, der Eiswart kommt noch mal um Zehn. Du solltest dich also demnächst auf den Weg machen. Und ich brauche noch ein paar Weihnachtselfen“, sie blickte Amy an. Die langhaarige Brünette starrte die Sprecherin an.
„Ich, eine Elfe? Wie meinst du das denn...?“
„Jess, kann ich nicht...“, versuchte Luke es hastig, lies sich mit seiner momentanen Unentschlossenheit von der Umgebung ablenken.
Brian stand auf um zur künstlichen Eisfläche auf dem Veranstaltungsort zu kommen. Die Gruppe sah ihn aufmerksam an. Er verabschiedete sich mit einem „bis später“. Michael und Justin wollten auch gerade aufstehen, sahen dem stämmigen Brian nach, wie er durch die Tür nach draußen verschwand.
Als er hinaus war, ehe die Aufmerksamkeit sich wieder etwas anderem zuwenden konnte, versuchte Luke es nochmals. Diesmal mit dem Vorsatz, es einfach auszusprechen. Dazu sprach er schnell.
„Jess, ich möchte eine Elfe sein!“

„Du?“, fragte die schwarzhaarige Schülerin verwundert. „Ich dachte, du machst dir nichts aus Weihnachten.“
„Das habe ich auch gedacht“, raunte die brünette Amy ihrer Freundin zu.
„Ich brauche eine Ablenkung, bitte lass mich das machen“, forderte Luke.
„Du kannst mit Amy zusammen arbeiten“, beschloss Jessica sogleich.
Luke grinste, wischte sich die Haarsträhnen hinter das Ohr. Der wilde Haarschnitt war blond und ungleichmäßig lang. Justin sah den schlaksigen Jungen an.
„Hey, – ich bin dein Vater – Luke macht doch mit!“
„Sehr witzig“, murmelte der blonde Junge. Er hatte es aufgegeben die Freunde davon abzuhalten, ihn mit dem Zitat aus der bekannten Filmreihe Star Wars aufzuziehen. Er war nur froh, dass er etwas zu tun hatte. Er war froh, Michael nicht um sich zu haben am Fest der Liebe.


Santa und Schneeflocke

Jessica lief umher und besprühte die Spitzen der bauchhohen Absperrung mit Kunstschnee aus der Sprühdose. Alles war prima geplant, das perfekte Weihnachtsfest. Die Wiese im Stadtpark war überfüllt mit weihnachtlichen Buden. Es gab Holzspielzeug, Christbaumschmuck, süßes Gebäck und heißen Rum zu kaufen. Sie selbst hatte dieses Jahr mal wieder das Aussehen des Marktes mit organisiert, sowie den Bereich für Kinder hergerichtet. Santa Claus musste jeden Moment auftauchen, um den Kindern die Wünsche abzunehmen.

Luke kam sich ein wenig albern vor, aber das lenkte ihn zumindest von seinem Liebeskummer ab. Wenn er sich lächerlich vorkam, dann dachte er nicht darüber nach, was Michael für ein Idiot war. Luke hatte mit ihm Schluss gemacht. Zwei Wochen war das jetzt her. Da Michael sich nichts aus Weihnachten machte, war hier der richtige Ort, um nicht an ihn zu denken. Hier würde er bestimmt nicht auftauchen. In der Beziehung passten sie dann doch gut zusammen. Luke entsann sich an die gemeinsamen Pläne für das diesjährige Weihnachtsfest. Sie wollten zusammen Filme gucken, spielen und später dann vielleicht...
Luke schüttelte den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben.

Amy zupfte an ihrem Kostüm herum. Sie hatte einen dunkelgrünen engen Pulli sowie eine gleichfarbige Leggins an. Als Kleidchen darüber trug sie dunkelroten Samt mit goldenen Verzierungen. Die Handschuhe sowie der über die Schultern hängende rote Kragen waren zu Zacken gesäumt. Die Mütze trug sie schräg auf dem Kopf. Sie hatte zwei Zöpfe aus ihren glatten Haaren geflochten, sie hingen hinter ihren Ohren herunter.
Als Luke an sich herunterblickte, der eine sehr identische Kleidung trug, fragte er sich, wie sie wohl in diesen Schuhen laufen konnte. Frauen konnten wohl in allen Schuhen laufen. Zwar jammerten sie hin und wieder über Fußschmerzen, aber es sah immer sehr gekonnt aus. Er selbst war mit den starren Stiefeln heute schon fast dreimal hingefallen. Diese klobigen dunkelroten Stiefel mündeten in hoch gebogenen Spitzen mit Glöckchen dran. Er kam sich vor wie der Grinch.

Eine Gruppe Kinder versammelte sich vor der Absperrung. Einer der Jungen forderte nach Santa und stiftete die anderen an, mit in den Sprechchor einzustimmen. Luke weitete die Arme und begann zu schlichten.
„Ganz ruhig, Santa kommt ja gleich.“
„Ihr seid doch nur Elfen, was wisst ihr denn schon?“, zeterte ein neunjähriges Mädchen.
„Nun, wir helfen Santa...“, versuchte Luke es, wurde von Amy unterbrochen.
„Wir wissen, was er euch zu Weihnachten schenkt, weil wir es gebastelt haben. Also seid ruhig und macht hier gefälligst keinen Aufstand.“
Luke sah die Freundin an, hob fragend eine Augenbraue. Hatte die schlechte Laune, oder was war das eben?

Amy kam sich bescheuert vor. Warum sollte sie eine Elfe sein? Das passte überhaupt nicht zu ihr. Sie war diejenige, die sonst mit Männerunterhemden und Militärhosen sowie dicken Boots herumlief. Jessica hatte sie hier irgendwie fehlbesetzt, fand sie. Warum musste sie an diesem Zirkus überhaupt irgendwo teilnehmen? Wahrscheinlich wollte Jessica nur mal sehen, wie sie ohne die ganzen Piercings aussah? Kurz kicherte sie über den bescheuerten Einfall. Sie wünschte, sie könnte eine Zigarette rauchen. Wann hatten sie Pause?

Hinter ihnen war das Knattern eines Motorrads zu hören. Luke kannte das Geräusch und drehte sich zur Straße herum.
Auf dem glänzend schwarzen Motorrad mit hohem Lenker kam Santa Claus heran gefahren. Der Bart verdeckte den unteren Teil des Gesichtes, die Mütze mit weißem Pelzsaum den oberen. Lange weiße Haare einer Perücke wehten hinter ihm her. Die Augen waren im Moment von einer modernen Sonnebrille verdeckt, doch Luke wusste bereits, wer das war.
Die Kinder drängten sich an den zwei Elfen vorbei und schrieen nach Santa. Luke richtete sich wieder auf, warf Amy einen leidenden Blick zu.
„Das ist nicht wahr, oder?“
Amy lachte, beobachtete die große Gestalt mit dem roten Gewand. Die Schnürstiefel waren geputzt, glänzten im matten Licht der Nachmittagssonne. Der Santa Claus nahm die Brille ab und rief: „Ho, ho, ho!“ ehe er von der Maschine stieg und diese auf dem Gehweg abstellte.
„Wieso ausgerechnet Michael?“, fragte Luke, sah zu dem von Kindern umringten als Weihnachtsmann verkleideten Exfreund.

Jessica stand am Rande des Rasens und beobachtete Michael. Das Kostüm passte recht gut, er hatte sich sogar ein Kissen als Bauchersatz umgebunden. Schön, nun saß er auf dem Stuhl dann konnte es ja losgehen. Amy und Luke postierten die Kinder in einer Schlage. Das würde schon gut laufen.

Grummelnd schob Luke die aufgeregten Kinder in eine Reihe. Amy half ihm dabei, schnauzte Vordrängler an. Die Bittsteller aufgereiht verweilten die Elfen an der Absperrung und machten Fotos auf Wunsch. Das war eine Aufgabe für Amy, welche das auch gern machte – lieber als Kinder betreuen. Luke stellte sich zu ihr und sprach sie leise an.
„Wieso machst du das, wenn dir Kinder egal sind?“
„Jess hat mich gebeten.“
„Das ist alles?“
„Wir sind ein Paar, was soll es da mehr geben?“
Luke sah zu Boden, dann wieder die Freundin an. „Soll das heißen, man gehorcht dem Partner bedingungslos?“
„Luke“, begann Amy ermahnend, „ich habe keine Lust mit dir über unsere Beziehung zu reden, okay? Na gut, in Kürze: Es ist ein geben und nehmen. Du kannst nicht immer nur fordern!“
„Tu ich doch gar nicht! Aber Michael trägt mir immer auf, dies oder das zu machen.“
„Und warum machst du es nicht?“
„Weil ich mich nicht von ihm ausnutzen lassen will!“ rief Luke etwas lauter.
„Luke, ich glaube kaum, dass Michael dich ausnutzen will! Er muss arbeiten, vielleicht könntest du ihm zuhause etwas helfen?“
Luke verzog den Mund unwillig. Für andere putzen war nicht sein Fall. Amy musterte ihn mürrisch, ehe sie sprach.
„Wenn es bei dir und Michael mit der Verständigung nicht klappt, dann kann ich dir auch nicht helfen. Ihr seid zwei erwachsene Kerle.“
„Ich bin siebzehn“, warf Luke ein.
„Michael auch und er wohnt schon allein. Hör auf zu zicken und sei kein verdammtes Mädchen. Du bist ja so weiblich, wie ich es nie sein wollte!“
Luke trat beleidigt zur Seite. Jessica kam heran. Sie stellte sich zu Amy, sah von ihr zu dem grummelnden Luke und wieder zurück.
„Was ist hier los?“, forderte sie zu wissen, sah sie doch ihr perfektes harmonisches Weihnachtsfest in Gefahr. Amy verdrehte die Augen und gab Antwort.
„Ich hab ihm gesagt, er soll kein verdammtes Mädchen sein.“
„Amy, lass – ich bin dein Vater – Luke in Ruhe! Komm mit!“ Sie fasste die Gefährtin, wandte sich Luke zu. „Achte auf die Fotozeiten. Stell dich zu Santa, wenn die Zeit um ist!“ Entschlossen zog sie Amy mit sich über den kurzen Rasen. Streit hatte ihr hierbei gerade noch gefehlt! Luke blieb allein zurück. Allein mit nervigen Kindern und seinem Exfreund Michael, der ihn bisher offensichtlich noch kein Mal angesehen hatte.

Das war alles gemein, dachte Luke. Nun musste er hier stehen und lieb sein aber innerlich kochte er vor Wut. Warum hatte Jess ihm nicht gesagt, dass Michael den Santa spielte? Dann hätte er sich lieber bei seinen Eltern einnisten und Karten spielen können, oder Ratespiele, anstatt hier gequält zu werden. Wenn er es sich recht überlegte, hatte er auch nicht gefragt, ob Michael irgendwas machte. Der mochte schließlich auch kein Weihnachten, warum sollte er hier also mitmachen? Und dann noch in seiner Nähe, das war wirklich gemein.

Die Reihe von Kindern dünnte aus. Luke zwirbelte in den blonden Haaren an der Schläfe, betrachtete nachdenklich das Schild mit den Zeitvorgaben. Die Fotostunde war vorbei. Nun hieß es er durfte sich neben Michael stellen und was machte er da? Den Kindern helfen auf seinen Schoß zu kommen? Der Gedanke daran war irgendwie peinlich. Allerdings hatte er ihm den Laufpass gegeben, es würde ihm nichts ausmachen, wenn er neben ihm stehen würde.

Wie hatte Amy gesagt? Sie waren zwei erwachsene Kerle.

Entschlossen stolperte Luke mit den klobigen Schuhen zu dem Stuhl herüber. Er strauchelte, fiel fast hin, fing sich mit einem Ruck mit den Armen. Nur kurz sah er sich um, anscheinend hatte es niemand bemerkt. Nun gut, die Leute sahen ihn an, aber sie lachten nicht laut über ihn. Wenn er die Füße mehr hob, ging es besser. Wie ein Storch im Salatfeld stakste er hinüber. Er blieb bei der mageren Schlange an Kindern stehen, links neben Michael. Jener hatte nicht mal den Kopf bewegt. Luke rückte die Mütze gerade auf der eine Schneeflocke seinen Elfennamen aussprach – in einer Sprechblase. Schneeflocke war ja ein toller Name für eine Elfe. Aber nicht für ihn! Er war nicht rein und brav wie eine Schneeflocke. Er war ein Rebell! Und vor allem war er es wert, beachtet zu werden!

Die Mundwinkel nach unten gezogen nahm Luke einen Korb mit Bonbons heran und gab welche an die Kinder. Wenn sie von Santas Schoß rutschten, drückte er ihnen einfach einen in die Hand. Dazu musste er sich in das Blickfeld von Michael beugen, doch der reagierte nicht auf die Hand.

Was war der für ein arrogantes, eingebildetes Miststück?!
Er konnte ihm wenigstens Hallo sagen!
Es war gut gewesen, ihn abzuschießen!

Ein mexikanischer Junge hüpfte auf den Schoß, freute sich, endlich seinen Wunsch zu äußern. Michael fragte ihn nach seinem Namen und was er sich wünschte. Das Kind wollte ein Spiel für eine Spielkonsole haben. Michael meinte, das sei eine gute Wahl.

Er musste es ja wissen, er spielte ja selbst den ganzen Nachmittag.
Luke schluckte, das war immer lustig gewesen. Er starrte auf den Boden, merkte auf, als er den Namen „Schneeflocke“ hörte.

„Schneeflocke?“, fragte Santa nochmals.
Aufgeschreckt sah Luke seinen Exfreund an. Die wunderschönen braunen Augen blitzten unter dem ganzen künstlichem Haar hervor, die feine Nase ragte über den seidigen künstlichen Bart.
Mann, sah der gut aus!
„Schneeflocke, ich hab vom Reden schon einen ganz trockenen Mund. Könntest du mir bitte eine Cola holen?“

Luke besah ihn. Zuerst dachte er, er müsse träumen. Was war das denn für eine Forderung? Dann realisierte er die Frage und begann.
„Also, Michael zum einen...“
„Michael?“, fuhr der als Santa verkleidete Exfreund auf. „Für dich immer noch Santa!“
Luke stellte erbost den Mund auf. Michael sprach an das Kind gerichtet.
„Findest du nicht auch, dass Schneeflocke Santa eine Cola holen könnte?“
„Ja, auf jeden Fall!“ bestätigte das Kind. Luke spürte Zorn aufkochen.
„Okay, wenn du Cola willst...“, er drückte den Korb mit Süßigkeiten in den Arm des Kindes, hob es vom Schoß des Exfreundes und stellte es auf dem Rasen ab. „Ich glaube ich habe noch ganz viel Cola in meinem kleinen Elfenhäuschen!“ Luke packte Michael am Arm, zerrte ihn aus dem Stuhl hinter sich her. Nach einigen strauchelnden Schritten erreichte er das kleine Lagerhäuschen für Kugeln, Kerzen und Krimskrams. Die Tür war offen, er bückte sich hindurch, Michael ebenso.

Drinnen drehte Luke sich wütend herum, sah zu dem großen Michael auf.
„Würdest du mir eine Cola holen?!“ fragte Luke laut nach. „Sag mal, du Pascha, spinnst du?!“
„Aber es ist deine Aufgabe, Santa zu helfen“, verkündete Michael.
„Red doch keinen Quatsch. Elfen basteln Geschenke! Du machst das doch absichtlich!“
„Was mache ich absichtlich?“ fragte Michael naiv.
„Du willst es mir heimzahlen, weil ich Schluss gemacht habe!“
„Du bist eine Elfe. Du musst tun, was dir gesagt wird. Das ist dein Job.“
„Dich zu bedienen? Das ist mein Job? Kein Wunder, dass ich Schluss gemacht habe, ich bin nicht dein Sklave!“
„Ich habe nie verlangt, dass du mein Sklave bist!“
„Oh doch! Ich sollte alles machen, während du faul auf dem Sofa liegst!“ warf Luke ihm vor.
„Das stimmt doch gar nicht!“ verteidigte Michael sich. „Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, dann will ich mich ein bisschen ausruhen. Gönnst du mir das nicht?“
„Und ich soll dich bedienen, dir dein Essen machen?!“
„So ein Quatsch! Du kannst halt besser kochen als ich! Und was ist schon dabei, wenn es dir doch Spaß zu machen scheint.“
Luke sah ihn wütend an, spürte, dass ihm die Vorwürfe ausgingen. Schon nach so kurzer Zeit. Wenn er es richtig überlegte, dann hatte Michael recht. Er hatte ihn nie gezwungen und das was Michael kochte, konnte man echt nicht essen.
„Ich bin hier nur die Elfe, weil ich mich von dir ablenken wollte! Und das, wo ich Weihnachten nicht ausstehen kann!“ warf Luke ihm mit letztem Aufbäumen an den Kopf.
„Jessica hat mich gezwungen, meinst du, ich will freiwillig den Weihnachtsmann spielen?“ entgegnete Michael zahmer.
Einen Moment sah Luke ihn an, ehe er etwas beruhigter redete. „Nun gut, dann sind wir also beide hier, auch wenn wir es nicht wollen. Dann arbeiten wir zusammen, ziehen das hier durch und der Tag geht auch vorbei.“
„Gut, ziehen wir es durch!“
„Wir ziehen es durch“, bestätigte Luke nochmals. Er blickte Michael an. Dieser Kerl sah einfach nur gut aus, selbst in diesem blöden Kostüm. Er war ihm noch immer verfallen. Was sollte er nur tun? Michael mochte seine Fehler haben, aber er war immer noch ein prima Kumpel, wenn Luke mal nicht nach Sex war.

Nach einer kurzen Pause, in der sie sich ansahen, eröffnete Michael nochmals das Wort.
„Ich hab dich vermisst“, sagte er ehrlich.
„Ich dich auch“, schoss es aus Luke heraus. Sie begegneten sich in einem Kuss. Die Augen geschlossen küssten sie sich inbrünstig.
Luke war so glücklich wie lange nicht mehr. Wenn sie ihre Gespräche öfter so führten, würde er sich gewiss nicht wieder so ausgenutzt vorkommen. Eine Stimme holte ihn aus dem Kuss zurück. Es war ein Kind und es sagte: „Ihhh, Santa und Schneeflocke küssen sich!“

Augenblicklich lösten sich die zwei aus dem Kuss. Allerdings hatte sich der künstliche Bart von Santa in dem Gürtel mit Schneeflockensymbolen der Elfe verfangen. Michael neigte zwangsläufig den Kopf, Luke taumelte auf den klobigen Stiefeln ruderte mit den Armen um Ausgleich, Kugeln flogen aus dem Regal und eine Sekunde später lagen sie in der Missionarsstellung auf dem Boden.

„Ihhh, Santa und Schneeflocke machen Sex! Zwei Männer machen Sex!“ schrie das Kind und rannte weg um andere zu holen. Luke erkannte den mexikanischen Jungen wieder und wünschte ihm die Pest an den Hals, widmete sich dann dem Problem. Hibbelig zerrte Michael an seinem Gürtel, Luke fragte, was denn los sei.
„Ich hab mich mit dem Bart verfangen!“, fluchte Michael, zerrte sich die durch den Sturz sichtbehindernde Mütze vom Kopf und schleuderte sie auf den Boden. Darunter lagen die braunen Haare platt auf dem Kopf, vom Kamm nichts mehr zu sehen.
„Nimm doch den Bart ab!“, forderte Luke. Michael kniete flach über ihm, lag mit der Hüfte fast auf seiner und stützte sich ab, um nicht komplett auf Luke zu liegen.
„Wie denn?“, fragte Michael genervt. Luke tastete im Nacken des jungen Mannes nach der Schnurr für den Bart. Derweil zerrte Michael weiter an dem Kunsthaar im Gürtel.

Ein Lachen tönte von der Tür her. Beide wandten die Köpfe hinüber. Jessica stand dort, beugte sich langsam nach vorn und hielt sich den Bauch.
„Wie geil!“, kicherte sie belustigt. Amy kam heran, in der Hand die Kamera für die Santafotos. Sie drückte auf den Auslöser ohne eine Miene zu ziehen.

Luke und Michael blinzelten aufgrund des Blitzlichtes. Als Amy sich das Bild besah und auch anfing zu lachen wussten beide, dass sie sich nicht nur bescheuert gefühlt haben, sondern auch so ausgesehen haben mussten.

„Das hat ja wunderbar geklappt!“, stammelte Jessica lachend, kam heran um den beiden aufzuhelfen.

Sie schaffte es, den Bart loszuknoten und Michael konnte aufstehen. Luke hastete auf die Füße, fingerte an dem Bart an seinem Gürtel herum. Er spürte seine Wangen glühen und bemerkte bei einem Seitenblick, dass Michael ebenso eine übermäßig gesunde Gesichtsfärbung hatte.
„Das Bild stellen wir in der Schulhalle aus“, warf Amy trocken ein.
„Ich warne dich!“, schrie Luke los, trat vor. Sein Blick fiel auf Jessica. „Was soll das überhaupt heißen, das hat wunderbar geklappt?“
Jessica warf ihrer Freundin einen Blick zu, die noch immer breit grinsend das Foto betrachtete. Sie konnte grad nicht auf ihre Hilfe zählen. Zögerlich legte Jessica die Hände auf den Rücken und begann zu erklären.
„Nun, ich hatte gedacht, dass ihr ... nun, dass ihr einfach zusammen gehört. Und wenn ihr eure albernen Streitereien mal auslebt, dann ... nun, ich ... hab geplant, dass ihr zusammen Zeit verbringen sollt, um euch wieder zu versöhnen.“
Michael und Luke starrten sie an. Dem eh schon erröteten Luke schoss Zornesröte ins Gesicht.
„Du hast das geplant?“ schrie er los.
Sie nickte nur. Michael meldete sich zu Wort.
„Aber, du weißt doch, dass wir kein Weihnachten mögen. Wie konntest du annehmen, dass wir uns hier versöhnen?“
„Weil ihr beide woanders sein wolltet und beschäftigt, um nicht an den anderen zu denken.“
„Das ist ja...“, fuhr Luke auf, sammelte sich wieder.
„...ganz schön ausgeklügelt“, beendete Michael seinen Satz.

Hinter den zwei Freundinnen erschienen einige Kinder, die neugierige Blicke hineinwarfen. Genervt reichte Amy Kamera und Foto an Jessica, machte sich daran die Plagegeister zu vertreiben. Dazu benutzte sie einige Kraftausdrücke und eilte der aus der Tür entfliehenden schreienden Meute nach.

Jessica gab das Foto Luke und sprach: „Entschuldigt. Aber ihr solltet euch wirklich vertragen.“
„Das ist echt ganz schön fies von dir!“, sagte Michael, warf Luke einen Seitenblick zu, da dieser verhalten zu kichern begann. Künstlich beleidigt riss Michael seinem Freund das Foto aus der Hand, um wie der in Gelächter auszubrechen. Luke wischte sich die Lachtränen aus den Augen.
„Und nun?“
Jessica zeigte auf den Boden und straffte sich. „Die Kugeln hebt ihr wieder auf, bringt die Kostüme wieder in Ordnung, ehe ihr hier raus geht, ich muss sie ordentlich wieder abgeben. Vor den Kindern, also echt. Das geht so nicht. das ist zwar ein Fest der Liebe, aber nicht vor den Kindern. Mein perfektes Weihnachtsfest! Und ach ja, gekündigt seid ihr auch.“
„Du und dein perfektes Weihnachtsfest!“, murrte Luke misslaunig, nach einem Blick auf das Chaos auf dem Boden.
„Du kannst ruhig mal machen, was man dir sagt!“, zischte Jessica. „Weißt du das – ich bin dein Vater – Luke?“
„Hört endlich auf mit diesem blöden Namenszusatz! Sonst nenn ich mich Luc, ganz französisch!“
„Jean-Luc Picard? Käpt’n der Enterprise?“, fragte Michael nach.
„Verdammter Science Fiction Fan!“, gab Luke sich geschlagen.

Die junge Frau ging hinaus, Michael sah zu seinen Freund hinüber.
„Lass uns Star Wars gucken!“, schlug er vor. Luke sah ihn an, schüttelte ungläubig den Kopf.
„Du bist mir so einer! Wie wäre es, wenn wir morgen früh Weihnachten feiern?“
„Du meinst wohl eher ein Versöhnungsfest, oder?“
Kurz nickte Luke dazu, sah zu dem Freund auf. „Stimmt, ich habe nämlich gar kein Geschenk für dich.“
„Ich auch nicht“, sagte Michael leise. Sie kicherten.
Dann machten sie sich daran, die Regale wieder aufzuräumen, richteten ihre Sachen und verschwanden von der Veranstaltung.

Die Abendsonne tauchte den Stadtpark in goldenes Licht. Kinder fuhren Schlittschuh auf der künstlichen Eisfläche, einige Erwachsene waren auch darunter. Es fiel allen etwas schwer, ungeübt wie sie waren. Kinder liefen mit Spielzeugen über den freien Rasen, fochten mit Holzschwertern, tobten und lachten. Einige Eltern hatten sich zusammengefunden und sprachen über gesellschaftliche Dinge, nicht, ohne hin und wieder einen wachsamen Blick auf den Nachwuchs zu haben. An der Bude, die Rum verkaufte, fanden sich mehrere Menschen ein, um am Vorabend auf das gute Gelingen des Festes zu trinken. Oder um sich ewige Liebe zu schwören.
Auf dem Platz des Santas saß ein verkleideter Justin und freute sich, so viele Kinder um sich zu haben. Ebenso freute er sich, dass es seinem Bruder nun wohl wieder besser gehen würde. Neben ihm begleitete Amy die Bittsteller zum Stuhl. Nicht, ohne hin und wieder zu lächeln. Sie war froh, dass Luke und Michael sich wieder vertragen hatten. So wie die anderen auch.

Ende


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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
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jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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