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Mia

Veröffentlicht: 15/02/12 Aktualisiert: 02/11/12
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1. 1

Julien trug Mia auf dem Arm, während er durch die Wohnung lief und ihr auf den Rücken klopfte. Ein weißes Spucktuch hing über seiner Schulter, aber Mia sah nicht aus, als würde sie gleich spucken. Mit ihren großen blauen Augen schien sie ihre Umwelt genau zu beobachten.

Suchend sah Julien sich um. „Hast du den Maxi-Cosi gesehen?“

„Nein.“ Chris blickte ebenfalls um sich, aber vom Kindersitz fehlte jede Spur.

„So ein Mist, dann hat Maria ihn wieder mitgenommen. Ich sollte mal einen eigenen kaufen.“

Julien hatte die ganze Zeit eher zur Wand als zu ihm gesprochen, nun drehte er sich jedoch um und sah Chris an.

„Entweder du holst Sebastian ab, oder du passt auf Mia auf.“

Chris schluckte unwillkürlich. Er war noch nie länger als eine Minute mit Mia allein gewesen.

„Ich bin ja schnell wieder da. Wenn du mit der Bahn fährst, muss er so lange warten.“

„Ich weiß nicht …“

Mia wimmerte, als hätte sie ihre Unterhaltung verstanden. Julien legte sie in ihr Bettchen und schien nicht mehr darüber diskutieren zu wollen, ob es eine gute Idee war, ihn hier mit ihr allein zu lassen.

„Sie schläft bestimmt gleich ein. Ich muss mich jetzt echt beeilen.“ Er küsste Chris auf die Stirn, warf sich seine Jacke über und dann fiel die Tür hinter ihm ins Schloss. Es war plötzlich unheimlich still und Chris glaubte, er hätte sich noch nie so allein gefühlt. Als er sich nach Mia umsah, die nach ihren Zehen griff und überhaupt nicht so aussah, als würde sie bald einschlafen, stieg eine tiefe Wut in ihm auf. Julien war es egal, ob er auf dieses Baby aufpassen wollte oder nicht. Dieses Kind hatte beinahe ihre Beziehung zerstört und manchmal wusste er immer noch nicht, wie er es aushalten sollte, sie zu sehen, ihrer Mutter zu begegnen, immer wieder erinnerte es ihn daran, dass Julien ihn betrogen hatte. Wäre Mia nicht da, hätte er es ihm viel einfacher verzeihen können. Er hätte es vergessen können, aber so konnte er es niemals vergessen. Es war nicht seine Schuld und vor allem Mia konnte überhaupt nichts dafür.

Sie wippte hin und her, spielte mit den bunten Holzperlen, die an einer Schnur über das Bett gespannt waren und fixierte ihn mit ihrem wachen Blick, als wüsste sie genau, was er dachte.

Dann zog sie sich an den Gitterstäben hoch und lachte vergnügt. Da verflog seine Wut mit einem Mal. Er kniete sich vor das Bett.

„Wieso bist du so wach? Du sollst schlafen. Einfach ganz ruhig schlafen ja?“

Mia schaute ihn an, als würde sie genau zuhören.

„Hüh“, sagte sie und ließ sich auf den Hintern fallen.

Chris schaltete den CD-Player ein, denn bei den Kinderliedern schlief sie meistens sehr schnell ein. Bald rieb Mia sich die Augen und lag ruhig auf ihrer Decke.

Manchmal fragte er sich, ob es sich jemals ändern würde, ob er irgendwann nicht mehr jedes Mal daran denken würde, wie sie entstanden war, wenn er sie sah. Dann drängte es ihn, alles aufzugeben, einfach wegzugehen. Aber als er es damals getan hatte, als Mia noch nicht auf der Welt gewesen war, da hatte er sich noch viel einsamer gefühlt, als jetzt. Vier Jahre und er wusste nicht, wie er es jemals ohne Julien aushalten könnte. Andere würden das vielleicht nach zwanzig Jahren sagen, aber Julien war sein erster Freund und er konnte sich nicht vorstellen, jemals nicht mehr mit ihm zusammen zu sein. Es war alles gewesen, wie er es sich vorgestellt hatte, alles was er sich jemals erträumt hatte. So lange hatte er geglaubt, dass er sich nie mehr verlieben würde und dann war Julien einfach da gewesen.

Chris beobachtete, wie Mia gleichmäßig atmete. Sie hielt ihren Lieblingskuschelhasen in der Hand und träumte bestimmt von etwas Schönem.

Es war seine Schuld, nicht Juliens, er hatte ihn wegen jeder Kleinigkeit angeschrien nur weil sein Leben nicht so war, wie er es sich vorgestellt hatte, es war ihm in den letzten Monaten immer bewusst gewesen. Ohne seinen Beitrag, würde es Mia nicht geben und das war wohl auch ein Grund dafür, dass er blieb.

Als Mia eingeschlafen war, ging Chris in die Küche. Julien hatte es mal wieder nicht geschafft einzukaufen. Manchmal fragte Chris sich, was er den ganzen Tag machte. Er arbeitete schließlich nur Teilzeit und passte nur zwei Tage in der Woche auf Mia auf.

Die Küche kam ihm so unheimlich still vor, nur der Kühlschrank brummte vor sich hin.

Immer wieder sah er auf die Uhr, es war bereits eine Viertelstunde vergangen, länger als eine halbe Stunde sollte Julien eigentlich nicht brauchen, um seinen Jugendfreund vom Flughafen abzuholen.

Nachdem er eine Weile die grün gestrichene Wand und dann den trüben Himmel über dem Hof angestarrt hatte, stand er auf, um sich einen Espresso zu machen.

Manchmal dachte er, dass er zu hart war. Er könnte es Julien einfacher machen. Aber seine Wut konnte er nicht einfach abschalten. Und er konnte ihm auch nichts vormachen. Als er gemerkt hatte, dass er auf Männer stand, hatte er sich gedacht, dass es eine gute Sache war, keine Kinder bekommen zu können und diese Meinung hatte sich niemals geändert. Vielleicht sollte er froh sein, dass es so passiert war und dass Julien ihn nicht irgendwann verlassen würde, weil er sich Kinder wünschte. Er war es so müde, immer wieder über die gleichen Dinge zu diskutieren. Warum konnte er sich nicht damit begnügen, Mia einmal im Monat zu sehen? Mit so einem kleinen Kind konnte man ja nicht einmal reden. Er wusste, es war nicht richtig, aber wenn sie da war, dann war er neidisch auf die Aufmerksamkeit, die Julien ihr schenkte. Während er es immer mehr vermied, an diesen Tagen da zu sein. Aber das Problem konnte nicht so einfach gelöst werden. Mia würde sich nicht in Luft auflösen. Und wenn er sich das wünschte, dann fühlte er sich wie der furchtbarste Mensch auf der Welt.

Eine SMS von Julien holte ihn aus seinen Gedanken zurück. Sebastians Flug hatte Verspätung, es würde länger dauern.

Seufzend stand Chris auf, um nachzusehen, ob Mia bereits eingeschlafen war. Als er das Zimmer betrat, stellte er entsetzt fest, dass das Bett leer war.

Mia saß mitten im Zimmer auf dem Boden. Schnell schaltete Chris das Licht ein. Er erstarrte, als er sah, dass Mia gerade dabei war, sich einen kleinen Plastikball in den Mund zu stecken.

„Nein!“ Mit zwei Sätzen war er bei ihr, doch es war bereits zu spät. Sie lutschte auf dem Ball herum und sah dabei äußerst glücklich aus.

Entschlossen griff er in ihren Mund und bekam den Ball zu fassen. Sein Herz schlug so schnell, dass er sein eigenes Blut rauschen hörte. Mia verstand die Aufregung nicht und fing an zu weinen. Chris hob sie hoch und drückte sie fest an seine Brust.

„Mach das nicht noch mal, du dumme Maus!“ Seine Hände zitterten auf ihrem Rücken. Er hätte sie beinahe umgebracht! Er sah es vor sich, wie Julien nach Hause kam und Mia lag tot auf dem Boden. „Oh Gott, wieso kletterst du einfach aus deinem Bett?“

Die Stäbe des Bettes waren so hoch, dass er nicht verstehen konnte, wie sie es geschafft hatte darüber zu klettern.

Mia beruhigte sich etwas, als er sie hin und her wiegte. Vorsichtig stand Chris auf und setzte sich mit Mia auf den Sessel in der Ecke des Zimmers. Mia sah immer noch unglücklich aus, er versuchte sie so zu halten, wie Julien es immer tat und tatsächlich wurde sie ruhig. Wie automatisch sang er das französische Wiegenlied, das Julien immer sang. Vielleicht mehr, um sich selbst, als um Mia zu beruhigen.

Mia schloss die Augen und ihre Arme sanken schlaff herab. „Na, werden wir beide doch noch Freunde?“ Er strich über ihren mit dichtem blonden Haar und ein wenig Schorf bedeckten Kopf.

Eigentlich war sie ein hübsches Baby, jeder der sie sah, machte verzückte Laute und sie lächelte jedes Mal strahlend, wenn man sie anlächelte. Er hätte sie nicht allein lassen sollen. Er hätte diesen Ball wegräumen sollen. Auf einmal tropften Tränen auf Mias Hände. Chris wischte sie fort, fuhr sich über die Augen. Er war so ungerecht gewesen, zu diesem Kind, das für all das nichts konnte.

„Ich versuche nett zu dir zu sein. Ich verspreche es dir okay?“, flüsterte er in ihr Haar.

Als er den Schlüssel in der Tür hörte, schreckte Chris hoch. Er musste eingeschlafen sein. Mia lag immer noch auf seinem Schoß und er hielt sie fest umklammert.
Aktualisiert: 02/11/12
Veröffentlicht: 15/02/12
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Kalla am 15/02/12 20:09
Welch tiefgreifende Erkentnisse einem ein kurzer Moment geben kann ist schon erstaunlich Smiley
Liest sich schnell und gut, sehr süß Zunge
Gruß



Antwort der Autors Celia (17/02/12 20:30):
Freut mich, dass sie dir gefallen hat. Lächelnd
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Witch23
20/11/22 01:51
jo ist nur etwas wenierg los hier als früher ^^°

split
04/11/22 19:22
Also wenn die Seite offline gewesen wäre, hättest du die Frage nicht schreiben können, glaub ich. Jetzt funktioniert jedenfalls alles, soweit ich sehen kann *lebenszeichen geb*

beerman
03/11/22 22:08
Seite off`?

Witch23
20/08/22 10:06
Hallo zusammen

gerdhh171
23/07/22 21:10
hallo jungs

Witch23
29/06/22 06:27
Hallo auch

split
23/06/22 14:41
Hallo, welcome back

minori
22/06/22 18:02
Wenn man nach 13 Jahren mal wieder vorbei schaut :) Heyho

Witch23
10/06/22 09:30
Tja, solange bxb existiert sollte das auch ^^

carrabas
09/06/22 21:23
Dieser alte Login funktioniert noch :O

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