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Du!

von Liery [Ab 12] [Reviews - 1] (Laufend)
Veröffentlicht: 09/04/12 Aktualisiert: 09/04/12
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1. Kapitel 1

Du liegst eingerollt zwischen den Laken im Bett. Dein Atem ist langsam und tief, ein sicheres Zeichen das du schläfst.


Ich setze mich auf die Bettkante und beobachte dich. Dein Gesicht ist völlig entspannt und friedlich. Meine Finger schmerzen schon fast vor verlangen deine Konturen nachzuzeichnen, doch ich zügle mich, denn ich möchte dich nicht wecken, noch nicht.


Die Decke ist bis zu deinen Schultern hoch gezogen, doch du hältst sie nicht fest und somit ist es mir ein leichte sie dir weg zu ziehen. Ich wusste nicht, dass du nackt schläfst. Doch nachdem ich dir die Decke ganz weg gezogen habe, liegst du völlig entkleidet vor mir.


Durch die plötzliche Kälte rollst du dich noch ein bisschen mehr ein, doch du wachst nicht auf. Ich kann dem Verlangen nun nicht mehr wiederstehen und strecke die Hand aus. Ich berühre dich ganz leicht am Arm und streichele dich dort. Du seufzt und drehst dich zu mir. Als meine Hand weiter zu deiner Schulter wandert ergreifst du sie.


Im ersten Moment denke ich es ist eine Reaktion im Schlaf, doch dann sehe ich deine Augen, deren Blick auf mich gerichtet ist. Da ich mit deinem Körper beschäftigt war, hatte ich nicht mitbekommen das du wach geworden bist.

Dein Blick ist ruhig und offen. Es ist nichts von dem darin zu lesen, womit ich gerechnet und was ich befürchtet habe.


Keine Überraschung, die sich in Verärgerung umwandelt. Keine Wut, die in Verachtung umschlägt. Nein, nichts dergleichen.


Nur absolute Ruhe und Wissen. Ein Wissen welches mir erst jetzt klar wird.


Die Erkenntnis überschwemmt mich und ich sitze wie erstarrt auf der Bettkante. Du ergreifst meine Hand und dein Daumen streichelt sanft über meinen Handballen. Du richtest dich auf und küsst mich zärtlich auf den Mund, eine kurze, aber überaus sanfte Berührung.


Ein leises Lächeln umspielt deine Lippen. Statt dich wieder zurück gleiten zu lassen, bleibst du sitzen, dein Gesicht ist nur Millimeter von meinem entfern.


Langsam dringt alles zu mir durch. Findet seinen Weg durch den grauen Schleier des Schocks. Für einen kurzen Moment nehme ich die Dinge intensiver wahr. Deine Streichelnden Finger, der leichte Druck deines Knies an meinem Oberschenkel, dein Atem der in regelmäßigen Abständen über mein Gesicht streicht, die Wärme deines Körpers.


All diese Sinneseindrücke stürzen auf mich ein. Ich schließe die Augen und hole zitternd Luft.


Das Zittern greift auf meinen gesamten Körper über. Ich weiß nicht ob vor Erschöpfung, Angst, Vorfreude.


Bisher war alles so einfach und nun so kompliziert.


Ich will jetzt nicht darüber nachdenken. Nicht wieder an alles erinnert werden. Nicht an die Vergangenheit und an die Konsequenzen für die Zukunft denken. Am liebsten würde ich alles um mich herum ausblenden.


Die Zeit stoppen und nur den Augenblick leben. Doch die Zeit wird nicht stehen bleiben. Sie wird weiter laufen und alles gnadenlos aufdecken. Jeder Herzschlag, jede Sekunde wird uns ein Stück mehr zerstören.


Plötzlich dreht sich alles in meinem Kopf, wie ein Teufelskreis. Ich sehe es genau vor mir und ich kann keinen Ausweg finden.


Mein Atem beschleunigt sich, mir bricht der Schweiß aus und das Zittern verstärkt sich. Ich kann ein gequältes Aufstöhnen nicht verhindern.


Ich verstricke mich selber in Zyklus aus Vorsehung, Angst, Trauer und plötzlicher Panik.


Ich bekomme nichts mehr von meiner Umwelt mit. Ich merke nur wie Erschöpfung und eine bleierne Müdigkeit mich überfällt.


Doch bevor ich völlig im schwarzen Chaos meiner Gedanken und Ängste versinke spüre ich deine Arme, ein Hafen der Sicherheit, ein Halt. Sie legen sich um mich und ziehen mich an deinen Körper. Du lässt dich mit mir auf das Bett gleiten, ziehst die Decke über uns, beginnst mich beruhigend zu streicheln.


Ohne ein einziges Wort sagst du mir doch so viel.

*****


Ich liege auf einer Wiese. Abenddämmerung, der Himmel ist dunkelrot, die letzten Sonnenstrahlen fallen durch die Bäume und malen Muster auf meinen Körper. Angenehme Wärme umfängt mich.


Ein Strahl verirrt sich auf mein Gesicht, trotz meiner geschlossenen Augen spüre ich ihn. Er wandert über meine Stirn, meine Wange zu meinen Lippen, wie ein Kuss des Windes, hauchzart eine sachte Berührung, die kurze Erleichterung bringt und doch sofort nach mehr verlangen lässt.


Es ist ein überaus sanftes Gefühl, kaum wahrzunehmen und doch da. Fast wie Schmetterlingsflügen, wenn sie für einen Sekundenbruchteil den Körper berühren.


Meine Haut kribbelt da, wo die Sonne mich berührt hat.


Ich bewege mich nicht, liege ganz still und versuche dem Weg des letzten Schimmers auf meinem Körper zu folgen.


Von meinem Mund ist er über den Hals in Richtung Oberkörper gewandert. Er verweilt kurze Zeit an meinen Brustwarzen und umkreist sie. Kurz und trotzdem so intensiv, das mein Atem sich beschleunigt und ein Schauer über meinen Körper läuft.


Mir wird heiß und kalt, während die leichte Berührung weiter nach unten stromert. Aber die Wanderung an meinem Bauchnabel verzögert und doch immer wieder ansetzt, ihren Pfad wieder aufzunehmen.


Ich zittere, doch dieses Mal nicht aus Angst, Panik oder Erschöpfung, sonder vor Erregung. Hitze entfaltet sich in meinem Unterleib und breitet sich aus, während der kleine Punkt der Wärme Millimeter für Millimeter der Hitze in meinem Körper näher kommt und eine Spur des Feuers hinter sich her zieht.


Plötzlich wache ich auf. Und wir sind wieder hier, auf deinem Bett, in deinem Zimmer. Um mich herum ist es stockfinster, doch deine Hand liegt auf meinem Oberschenkel.


Es war nur ein Traum.


Und all das hier ist ebenso ein Traum. Die Realität wartet direkt hinter der Tür. Mit all ihrer geheuchelten Nächstenliebe, ihrer bittersüßen Ehrlichkeit und ihrem verlogenen Verständnis.


Ich wünschte, ich könnte meine Bedenken, meine Ängste und mein Wissen zur Realität vor der Tür verbannen.


Vergessen!


Hier und Jetzt leben. Nicht gestern und morgen.


Für diesen Augenblick nur auf meine Gefühle hören, die Stimme meines Wissens und Gewissens ausschalten.


Die Berührung deines Körpers an meinem Rücken, die Hitze deiner Hand auf meinem Oberschenkel. Ein nahezu perfektes Zusammenspiel zweier Körper. Scheinbar füreinander geschaffen.


Ich spüre deinen Atem warm und ruhig in meinem Nacken. Immer wiederkehrend, in einem uralten Rhythmus. Bei jedem Lebewesen neu geboren und doch so alt wie die Zeit selber. So alt wie die Zeit, so alt wie Liebe.


Ich drehe mich vorsichtig zu dir um. Deine Hand rutscht von meinem Bein und liegt nun zwischen uns, ich lege meine daneben. Sie berühren sich nicht und doch kann ich deine Hand spüren.


Du bewegst dich im Schlaf und tastest nach mir. Findest meine Hand und ergreifst sie. Ein leichtes Lächeln umspielt kurzzeitig deine Lippen, bis sich dein Gesicht im Schlaf wieder entspannt.


Doch die kurze Regung ist wie ein Versprechen.


Es wäre so vieles möglich.


Plötzlich spüre ich Kälte an den Stellen an denen du mich eben noch berührtest. Eine Gänsehaut überzieht meinen Rücken. Wie eine Warnung, eine böse Vorahnung.


Denn es wäre doch nur ein Traum.


Eine leise Träne läuft mein Gesicht herab.


Ich entzieh dir meine Hand vorsichtig, um dich nicht zu wecken.


Mir ist kalt, so unendlich kalt.


Plötzlich sind die wenigen Zentimeter zwischen uns, so unüberwindbar wie ein tiefer Graben. Du scheinst Meilen von mir entfernt zu sein. Ich kann deine Wärme nicht mehr spüren, die Sicherheit die du mir gibst ist weg.


Ich bin nicht mehr fähig den Abstand zwischen uns zu überbrücken, so sehr ich es auch versuche. Zu vieles hält mich zurück. Wäre es nicht besser zu beenden, was noch nicht ist? Bevor beginnt, was nicht sein darf, sein kann?


Oder bin ich nur nicht stark und mutig genug es zu versuchen? Ist es schlimmer den Gefühlen zu folgen und uns eine Chance zu geben oder dich und mich zu hintergehen und dem Wenn und Aber nachzugeben?


Kann ich dich verraten, dir den Rücken kehren. So tun als ob nichts passiert ist, als ob in mir alles lehr ist. Sagen, dass du nichts anderes bist, als ein Freund? Vor aller Welt verleugnen das ich dich liebe, nur weil ein par wenige es nicht tolerieren wollen?


Bin ich so abhängig von der Meinung anderer?


Ich kann ein Schluchzen nicht mehr unterdrücken.


Du öffnest die Augen und schaust mich an. Wieder spricht aus deinem Blick nur Ruhe und Wissen.


Du streckst die Hand nach mir aus und fährst den getrockneten Weg der Träne nach. Für dich scheint es ein leichtes den Abgrund zu überwinden. Ein leichtes zu dem zu stehen was du fühlst, wer du bist. Du verschwendest keinen Gedanken an die Zukunft, du lebst jetzt in diesem Augenblick.


Und doch ist dir klar was es bedeutet, was folgen kann und wird. Doch es schreckt dich nicht ab. Nein, es bestärkt dich noch. Bei dir gibt es keine Zweifel und Ängste, keine tausend Gedanken über wenn und aber. Für dich gibt es nur deine Gefühle. Aus diesem Wissen nimmst du deine Ruhe.


Ich wünschte mir würde es eben so leicht fallen. Kann ich alles hinter mir lassen? Dein Geschenk annehmen und in deiner Ruhe finden was mir fehlt?


Deine Hand wandert von meinem Gesicht über den Hals zu meinem Schlüsselbein. Dann lässt du sie meine Seite herabgleiten. An meiner Hüfte kommt sie zur Ruhe.


Du ziehst mich wieder zu dir, an dich. Umschlingst mich mit deinen Armen. Ich vergrabe mein Gesicht an deiner Schulter. Du küsst mich zärtlich auf den Nacken.


In diesem Moment durchzuckt es mich wie ein heißer Blitz. Und für einen winzigen Augenblick ist mir klar, das alles möglich ist.


Für dich lohnt es sich zu träumen!


Als ich aufwache und langsam die Augen öffne, bist du nicht mehr da. Ich strecke die Hand aus und berühre die Stelle an der du gelegen hast. Sie ist noch warm.


Mit geschlossenen Augen fahre ich über die zerknitterten Laken und stelle mir vor, du liegst noch hier.


Meine Hand gleitet über deinen Arm zu deinem Rücken, die Wirbelsäule entlang, am Ansatz deiner Haare vorbei ... ich berühre etwas knitterndes, Kühles.


Ein Zettel. Ich erkenne deine geschwungene Schrift.


"Es geschieht,
was ich kaum zu glauben wagte,
eine Hoffnung, die ich längst begraben hatte.
Sag ja und lass Deine Augen leuchten
im Glanz eines wahrgewordenen Traumes."


Es kribbelt in meinem Bauch.


Ich schließe wieder die Augen und verkrieche mich zwischen den Laken. Ich glaube vor Glück zerspringen zu müssen.


Das Gefühl von allem zerquetscht zu werden, ist plötzlich ganz klein, ganz weit weg, in den tiefen meines Seins.


Ich weiß, dass es da ist, doch es macht mir keine Angst mehr. Denn ich bin jetzt nicht mehr allein. Nein, wenn ich will, bin ich nicht mehr allein.


Denn jetzt sind wir zu zweit!
Aktualisiert: 09/04/12
Veröffentlicht: 09/04/12
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Chiyuki am 07/10/13 19:02
Schön, gelungen.
Kapitel 1
Aussehen wechseln!
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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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