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Veröffentlicht: 05/10/12 Aktualisiert: 05/10/12
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1. Sabik

Du darfst mich nicht halten, sagen deine Augen. Lass mich frei! Wenn du mich festhältst, verletzt du uns beide.
Ich will nicht. Zu gewohnt ist der Anblick deiner Gestalt, das Gefühl deines Körpers unter meinen Fingern. Unmöglich, dich gehen zu lassen.

Ein leises Klirren lenkt unser beider Blicke auf die Kette, die sich von dem Eisenring an deinem Knöchel zur Wand schlängelt. Ja, ich halte dich hier bei mir.
„Ich liebe dich. Ich brauche dich, verstehst du das?“ Meine Hand streicht durch dein Haar, als ich diese Worte flüstere, du jedoch reagierst nicht.
Starr ist dein Blick aufs Fenster gerichtet, auf die Bäume, die sich draußen im Wind wiegen. Für einen Moment meine ich, eine Träne glitzern zu sehen, aber das ist eine Täuschung. Du kannst gar nicht weinen.
Stattdessen liegst du hier auf dem Marmorboden, starrst auf dieses Fenster und seufzt.
Wie Harfenklang sind diese Laute in meinen Ohren. Ich verzehre mich danach, sie zu hören. Brauche sie wie die Luft zum Atmen, wie das Wasser und das Brot, die meinen Körper am Leben halten.

Wieder streiche ich über deinen Nacken, flüstere deinen Namen.
„Sabik ...“
Nichts. Keine Regung in deinem Gesicht, du wendest deinen wunderschönen schlanken Hals nicht, um mich anzublicken.
Noch einmal: „Sabik!“
Ach, wenn du doch nur einmal meinen Namen nennen würdest! Einmal nur „Nadir“ aus deinem Munde … Doch du wirst niemals sprechen, ich weiß es.
Jetzt senkst du den Kopf, dann ertönt ein Seufzer, so tief, wie ich ihn niemals zuvor von dir hörte. Und mich durchläuft ein Schauer.
„Wie ich deinen Klagegesang liebe“, raune ich an deinem Ohr und streiche eine Strähne deines Haares zur Seite.

Ich finde mich auf dem Boden wieder, das Gewicht deines Körpers auf meinem raubt mir den Atem, dein hasserfüllter Blick scheint mich verbrennen zu wollen.
Mit scharfen Krallen versuchst du mich, deinen Peiniger, zu töten – doch ich kann es sehen: Du weißt, dass du dann sterben wirst. Verhungern. Verdursten. Vor Einsamkeit eingehen.
Denn ich bin der Einzige, der dir hier Gesellschaft leistet.

Die Kette klirrt erneut, als du von mir ablässt, über den Boden kriechst, so weit wie möglich von mir weg. Dabei weißt du ebenso gut wie ich, dass du bald schon wieder bei mir sein wirst. Du brauchst meine Nähe. Mein Blut. Weil es das Einzige ist, was dich am Leben erhält.
Und ich brauche dein Klagelied.

„Wir sind aneinander gebunden“, flüstere ich, während ich das Blut von meiner zerschundenen Brust wische. „Du hasst mich, doch du kannst nicht ohne mich sein. Und ich liebe dich, weil du mich hasst ...“
Aktualisiert: 05/10/12
Veröffentlicht: 05/10/12
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Ran del Imero am 05/10/12 09:58
wunderschön. Erinnert mich an Den Panther von Rilke irgendwie...auch wenn es traurig ist eigentlich.
Darf ich fragen was es damit auf sich hat? Sind es ein Wärter und ein Gefangener, ein Vampir oder ist es doch ein Tier?

LG Ran



Antwort der Autors Count_D (05/10/12 14:34):
Einen Vampir wirst du bei Tageslicht recht slten draußen finden. Ich denke, Sabik ist eher so etwas wie ein Dämon, der durch unglückliche Umstände gefangen genommen wurde.

Stimmt, es erinnert ein bisschen an den Panther ... Smiley
Danke dir fürs Lesen und die Wortmeldung!

Gruß
D
Sabik
Hinoto am 10/10/12 11:09
Schade das es so wenig ist... Unentschlossen
Über ein bisschen mehr hätte ich mich gefreut.
Aber ansonsten nette Beschreibung.



Antwort der Autors Count_D (10/10/12 14:45):
Liebe Hinoto,

der Sinn dieses Textes ist gerade das "Weniger". Er soll eben dadurch wirken, dass nicht alles gesagt wird. Dass man nicht alles vor die Nase gesetzt bekommt, was passiert, sondern ein bisschen zwischen den Zeilen lesen, ein bisschen seine Fantasie einsetzen muss, um alles zu verstehen.

Danke dir ganz herzlich fürs Lesen und deine Wortmeldung Smiley
D
Sabik
Chiyuki am 07/08/13 22:21
Oh, schön. Gefällt mir. Genau richtig in der Länge und viel Spielraum für Interpretationen.
lg yuki



Antwort der Autors Count_D (17/03/14 20:10):
Dnke dir fürs Lesen Smiley Genau das war der Sinn der Sache: Nur ein paar Dinge andeuten - und dem Leser Platz für eigene Interpretationen lassen
Sabik
aschenneller am 26/12/13 08:54
Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen, obwohl ich lieber ein Happy End habe! Grinsend
Ciao
Christina



Antwort der Autors Count_D (17/03/14 20:11):
Danke dir Smiley Nun, es kann ja nicht immer nur abgeschlossene, komplett aufgelöste Geschichten geben. In dieser darfst du dir das Happy End im Kopf selbst ausmalen Zwinkernd
Sabik
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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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