Wieder einmal von Yavia (Abgeschlossen)
Inhalt: Das gemeinsame Leben kann einem Hindernisse in den Weg stellen. Werden sie für die zwei Liebenden irgendwann zu groß? Größer als ihre Liebe?
Genres: Reale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Keine
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine
Kapitel: 1
Veröffentlicht: 21/10/12
Aktualisiert: 21/10/12
Anmerkungen zur Geschichte:Eine Kurzgeschichte.
Das Gewitter
Schwer entluden sich die Regenmassen auf der ausgetrockneten Erde. Jörg lief schneller, erreichte die Eingangstür durchnässt. Ein Blitz zuckte am Himmel, der Donner folgte, während Jörg die Haustür aufschloss.
Er gelangte ins Innere, schüttelte die nassen Haare aus dem Gesicht. Die Treppe nehmend erreichte er den zweiten Stock, schloss seine Wohnungstür auf.

„Oliver, bist du da?“, fragte er, lauschte in die Stille. Ein Blitz erhellte den dunklen Flur, der Donner folgte gleich. Jörg schloss die Tür hinter sich, trat in die stille Wohnung und machte Licht an. Er legte seinen Schlüssel auf der Kommode ab. Die Jacke von Oliver war da, er war also zuhause oder ohne sie unterwegs. Schnell schälte sich Jörg aus dem nassen Oberhemd und hängte es zum Trocknen an der Garderobe auf. Dann trat er in die Küche, aus der laut das Geräusch des Regens zu hören war. Das Fenster war hier noch geöffnet und Wasser rann vom Fensterbrett auf das Linoleum.
„Ah, verdammt!“, fluchte Jörg, schloss das Fenster. Die Bescherung auf dem Boden war eine große Pfütze, in die er nun ein Handtuch warf. Dabei fiel sein Blick auf den Stapel Abwasch. Er legte enttäuscht den Kopf schief.
„Manno, das war deine Aufgabe“, murmelte er, sah auf den Küchentisch. Dort standen noch die Dinge vom Frühstück. Neben Müsli befand sich ein offenes Glas Marmelade, halb vom Teller geschmolzene Butter und ein Liter Milch. Er stellte das fluchend in den Kühlschrank, ging dann hinaus.
„Olli!“, rief er nun lauter. Den Flur entlang gehend erreichte er die Zimmertür seines Freundes. Er öffnete sie und blickte in Finsternis. Er machte Licht. Das Fenster war auch hier auf, doch an jenem saß Oliver.
„Mensch, Olli, die Küche steht halb unter Wasser, kannst du nicht mal das Fenster zumachen?“
„Mach bitte das Licht aus!“, sagte der Mann am Fenster. Jörg tat es, es kam genug Licht aus dem Flur herein.
„Sieh nur, wie schön die Blitze sind“, fuhr der Mann am Fenster leise fort.
„Ja, schön“, bestätigte Jörg kurz angebunden. „Du kannst auch mal Antworten, wenn ich nach dir rufe. Ich dachte schon, du bist gar nicht da!“
„Wo sollte ich denn sein?“
„Keine Ahnung – weg?“
Oliver am Fenster schwieg, ein Blitz erhellte das unaufgeräumte Zimmer.
„Du hättest mal den Tisch abräumen können“, sagte Jörg.
„Wollt ich noch machen.“
„Und wann? Wenn die Butter zu Frau Heppner runtergelaufen ist?“
Oliver kicherte kurz, ein gewaltiger Blitz spaltete den Himmel, der Donner folgte sofort. Oliver sagte: „Bor, geil, oder?“

Resigniert nickte Jörg, sich wohl bewusst, dass sein Freund es nicht sehen konnte. „Du warst heute auch mit dem Abwasch dran.“
„Es war so heiß.“
„Was hast du denn heute den ganzen Tag gemacht?“
„Hast du es schon mal bei Gewitter gemacht?“
Kurz sah Jörg ihn perplex an. „Was gemacht? Sex?“
Oliver drehte sich nun zur Tür herum. „Ja, wollen wir?“

Überrumpelt trat Jörg zurück. „Nee, irgendwie nicht. Hast du noch eine andere Entschuldigung, warum du den Abwasch nicht gemacht hast, außer, dass es warm war? Es war die ganzen letzten Tage warm!“
„Liebling, komm her, ich möchte gern.“
Jörg verdrehte die Augen und ging hinaus, schlug die Tür zu. Er trat ein paar mal im Flur auf und ab, um seinen Ärger zu verdrängen.
Nie machte Oliver das, worum er ihn bat! Es war doch nicht zuviel verlangt, mal den Abwasch zu machen und die paar Sachen in den Kühlschrank zu räumen, oder? Olli mochte seine guten Seiten haben, aber er machte niemals was im Haushalt.
Alles blieb immer an Jörg hängen. Und dann musste er noch jeden Wochentag ab 9 Uhr zur Arbeit. Er konnte sich doch nicht um alles kümmern!

Er blieb stehen. War die Aussicht, Sex mit seinem Partner zu haben, Grund genug seinen Ärger zu vergessen? Das letzte Mal war schon eine Weile her. Sie hatten sich die letzten heißen Tage abends vor wärme zergehend vor das offenen Fenster gesetzt und ein paar gekühlte Bierchen getrunken, während sie derweil Fern sahen. Ohne viel zu reden, wie ein altes Ehepaar.
Etwas Sex würde ihn vielleicht milde stimmen und wieder auf andere Gedanken bringen.

Er trat in die Küche, öffnete den Kühlschrank um was zu trinken. Es war kein Bier da. Er hatte Oliver gebeten, welches zu kaufen. Sogar Geld hatte er ihm dagelassen. Es lag auf dem Platz wohin er es gelegt hatte. In Ermangelung irgendetwas anderen trinkbarem, nahm er den Liter Milch wieder heraus und setzte ihn an den Mund.

Der Geschmack von saurer Milch war eklig. Er eilte zur Spüle und spie den Mundvoll in den Ausguss.
Angewidert spülte er den Mund mit Wasser aus, goss den Rest der Milch in den Abfluss. Was für eine Verschwendung. Erneut kroch ihm der Ärger hoch.
Er stampfte zurück zum Zimmer, riss die Tür auf und begann sogleich zu schimpfen: „Mann, Olli, wenn ich dich mal um was bitte, kannst du es ruhig mal machen! Die ganze Milch ist sauer geworden, weil du sie auf dem Tisch stehen gelassen hast, und Bier hast du auch nicht gekauft! Wieso machst du nie Sachen, um die ich dich bitte?“
„Tut mir Leid“, sagte Oliver, ein Schatten vor dem Fenster.
„Mit einem tut mir Leid ändert es sich aber nicht, oder?“
„Du hörst dich an, wie meine Mutter“, sagte Oliver.

Jörg sog erbost die Luft ein. „Ach ja? Nun, ich bezahle die Wohnung und das Essen. Es wäre nett, wenn du auch mal was zu unserem Zusammenleben geben würdest. Nur ein bisschen. Ich verlange doch nicht zu viel, oder?“
„Ich kann dich verwöhnen.“
„Mit Sex habe ich aber kein Bier im Kühlschrank und auch keinen erledigten Abwasch. Sex sollten wir haben, weil wir uns lieben und nicht als Bezahlung.“
Oliver stand auf. „Gut, du hast gewonnen. Ich werde mich bessern, bestimmt. Morgen mache ich den Abwasch. Den von heute und morgen. Und einkaufen gehe ich auch.“
„Das hast du schon so oft gesagt! Kann ich mich darauf verlassen?“
„Ja“, sagte Oliver überzeugend.
Jörg zeigte auf ihn. „Das ist deine letzte Chance. Sonst werde ich mir überlegen, wie es weiter gehen soll, okay? Ich schmeiß dich sonst raus. Ich hab langsam die Schnauze voll!“
„Okay“, sagte Oliver. Hinter ihm prasselte der Regen auf die Fensterbank. „Wollen wir denn jetzt?“
Jörg sah ihn an. „Mann, hast du Viagra genommen, oder warum bist du so spitz?“
„Es ist endlich wieder kühler. Und wir hatten schon so lange nicht mehr. Mir ist danach.“
Jörg stieß die Luft aus. Eigentlich war er viel zu sauer auf ein nettes zusammensein. Und er war nicht vorbereitet.
„Können wir das vielleicht machen, wenn ich nicht mehr sauer bin? Dann, wenn ich den Buttplug drin hab?“, fragte er daher.
„Das hab ich gemacht. Gerade heute ist mir danach.“
Jörg zog eine Augenbraue hoch. Er sprach langsam und betont: „Okay, also ich wäre interessiert, wenn ich ...“ er holte kurz Luft ehe er losprustete: „...nicht so sauer wäre!“

Damit ging er wieder raus, schloss die Tür mit einem Knall und lief erneut im Flur auf und ab.
Sein Freund konnte ihm auch den letzten Nerv kosten! Was dachte er sich nur dabei? Dass er ihm alles verzieh, nur weil er mal wieder der aktive Part war? Sie wechselten selten, da Jörg sich gern hingab. Dann lag es an Oliver, ihn zu beglücken. Er gab gern mal seine Verantwortung ab. Vielleicht, weil er so viel davon in seinem Leben zu tragen hatte?

Vielleicht sollte er ihn wirklich rausschmeißen.
Das wäre eine gute Idee.
Wenn Oliver wieder allein wohnte, dann konnten sie sich ja trotzdem treffen, um Sex zu haben. Nur war Jörg dann für alles was in seiner Wohnung passierte selbst verantwortlich. Er musste das dann alles selbst schaffen. Er hatte keine Möglichkeit die Aufgaben an jemanden zu übergeben. Das war eigentlich nicht anders als es im Augenblick war.
Er nahm die Einkaufstasche und ging was zu trinken kaufen. Wenn er wiederkam, würde er bestimmt beruhigter sein.

Eine halbe Stunde später kam er mit freierem Kopf zurück. Es regnete nur noch, das Gewitter war vorbei. Auch war es kaum kühler geworden. Er schloss die Tür auf und fand die Küche erleuchtet vor. Das Klappern von Geschirr war zu hören. Ein Lächeln entstand auf seinem Gesicht, er trat langsam an die Tür heran.

Oliver stand vor dem Spülbecken, nackt, bis auf eine Schürze um, die seinen nackten Arsch zeigte. Das hatte Jörg dann eher nicht erwartet. Neben Oliver türmte sich der Berg von gewaschenem Geschirr. Er sah nicht auf, als Jörg hereinkam.
Er näherte sich ihm von hinten und fragte leise: „Ist dir immer noch so heiß?“
Oliver nickte nur, lehnte den Teller gegen eine Müslischale, damit der abtropfen konnte. Er fingerte nach dem letzten Besteck auf dem Grund der Spüle, zog zwei Messer und eine Gabel hervor und tat sie abgewaschen in den Abtropfkorb. Er ließ das Wasser raus und wusch sich die Hände. Dann drehte er sich herum und sah Jörg treuherzig an. „Ich versuche mich zu bessern. Schmeiß mich nicht raus, bitte.“
Jörg seufzte, stellte die Einkaufstasche auf dem Tisch ab. Er stemmte die Hände in die Seiten. Oliver gelangte an den Kühlschrank und holte die Butter raus. Diese hatte er in eine relativ rechteckige Form bekommen und präsentierte ihm sein Werk. „Kuck, wie neu. Sie ist auch nicht sauer, ich hab sie getestet.“
Jörg gab eine kurzen Lacher von sich, schüttelte dann den Kopf.
„Das man dir immer erst drohen muss!“, sagte er resigniert. „Das ist deine letzte Chance. Wenn du dich nicht auch mit um den Haushalt kümmerst, schmeiß ich dich doch noch raus. Du kannst hier nicht wohnen und gar nichts machen, verstanden?“
Oliver nickte, beobachtete Jörg dabei, wie er den Einkauf griff. Er begann die verderblichen Sachen in den Kühlschrank zu räumen. Oliver half ihm. Als sie fertig waren sah Oliver den Geliebten mit großen Augen an.
„Komm, bei mir ist es kühler“, sagte er, lüftete kurz die Schürze, sodass Jörg sein erregtes Geschlecht sehen konnte und tippelte dann in sein Zimmer.

Konnte es sein, dass es diesmal für länger war? Würde sich Oliver nun etwas mehr bemühen? Würde er Jörg jetzt ohne Aufschub die kleinen Dinge abnehmen, die das Leben ausmachten?
Zumindest würde es Jörg noch Mal versuchen.
Wieder einmal.
Aber diesmal war es das letzte Mal.
Er schwor es sich.

Wieder einmal.

Jörg zerrte sich das nasse T-Shirt über den Kopf, löschte das Licht und folgte ihm. Draußen prasselte der Regen an das Fenster.
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