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Ali ist Friseur für Stars und Sternchen.
Wohnt In einer Kleinstadt und hat neuerdings Familie.

Wie sich das verträgt und wie es dazu kam...
...erfahrt ihr in diesem Oneshot!

Genres: Reale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Keine
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine

Kapitel: 1     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

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Veröffentlicht: 08/03/13 Aktualisiert: 08/03/13
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Anmerkungen zur Geschichte
Viel Spaß b29;
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1. Drachenzähmen

Lena und Mitch. Das ist meine Familie.

Mitch, mein Freund, und Lena seine dreizehnjährige Tochter!

Sie findet unsere Beziehung >cool< und kannte noch nie Skrupel allen ihrem Freunden und Schulkameraden unter die Nase zu reiben, dass ihr Vater schwul ist und jetzt einen 10 Jahre jüngeren Freund hat, der in ihren Worten richtig cool ist und voll hübsch.

Ich selbst würde mich zwar nicht als ‚richtig cool‘ und ‚voll hübsch‘ bezeichnen, aber mit dem Rest hat sie ganz recht! Wir sind schwul, das steht außer Frage, und Mitch ist mit 42 tatsächlich zehn Jahre älter als ich es bin. Das hört sich aber viel schlimmer an als es in Wirklichkeit ist.

Ich finde ihn toll wie er ist, mit grauen Schläfen, Lachfältchen und einer pubertierenden Tochter.

Sowas wie jetzt hatte ich vorher noch nie. So Familienmäßig war ich vor Mitch nicht unterwegs, eher ex und hopp, aber bestimmte Dinge ändern sich eben mit der Zeit.

Die Zeit ist eben unberechenbar und hält für jeden Menschen die ein oder andere Überraschung bereit.

Die vergangene Woche war turbulent, wie immer wenn Lena bei uns ist. Sie ist ein Sturm, ein Wirbelsturm. Jede Ferien fegt sie eines Montags in die Wohnung und eines anderen Montags wieder hinaus, dabei hinterlässt sie jede Menge Spaß und Aufregung. Heute Abend ist ihr letzter Abend, bevor sie wieder zu ihrer Mutter ins 30km entfernte Kassel fährt.

Zum Abschluss machen wir immer einen DVD-Abend und Mitch hat uns beide beim Frühstück damit beauftragt alles zu besorgen was man so für einen langen DVD-Abend braucht. Deshalb habe ich Lena ins Auto gepackt und wir sind auf dem Weg in den nächsten Supermarkt.

Zu einem richtigen DVD-Abend gehören nämlich drei Dinge, da sind wir beiden uns einig, nämlich erstens jede Menge Knabberzeug, zweitens Getränke und drittens natürlich DVD’s, die wie immer Lena aussuchen darf.

Während der Fahr dreht Lena das Radio auf und sieht aus dem Fenster, ich steuere zielsicher den Supermarkt an. Wir haben uns eine genaue Liste gemacht mit dem was wir kaufen wollen. Geld habe ich genug dabei, um das halbe Süßigkeiten-Regal leer zu kaufen.

Kaum ist das Auto eingeparkt springt Lena schon vom Sitz auf und aus dem Auto. Ich selbst gehe die Sache etwas ruhiger an und setzte erst einmal meine Sonnenbrille auf, muss mich ja nicht direkt jeder erkennen. Eine leidige Angelegenheit ist das mit dem erkannt werden, aber vor kurzem war ein Artikel über mich in der Lokalzeitung, zum Einjährigen bestehen meines Ladens in der Innenstadt.
(>Star-Friseur lockt Promis in unser bescheidenes Städtchen< typisch Dorfklatsch!)
Ich kann die Blicke nicht leiden, die die ganzen Muttis mir zuwerfen, die den natürlich alle begierig gelesen haben. Jede von denen säß gerne mal bei mir auf dem Frisierstuhl, aber nur die wenigstens können es sich auch leisten. Ich beherrsche mein Handwerk eben.

Noch schnell locker eine Mütze über die Haare ziehen, etwas zurechtrücken und es kann auch für mich endlich losgehen.

Lena steht ungeduldig von einem Bein auf andere tretend am Eingang.

„Ali, nun mach schon“ ruft sie mir zu. Ich wünschte sie hätte keine so aufdringliche Mädchenstimme, denn schon drehen sich die ersten Köpfe und sehen sich suchen um. Der Name Ali kommt hier eben genauso wenig vor wie meine dunkle Hautfarbe und natürlich erkennen mich die ersten und fangen zu tuscheln an.

Ich stapfe höflich grüßend an den Frauen vorbei und drücke Lena ein fünfzig Cent Stück in die Hand, damit sie einen Wagen holen kann. Mit halbem Ohr höre ich das Getuschel. Es nervt mich, aber eigentlich höre ich schon lange einfach nicht mehr hin. Seit ich ganz offiziell mit Mitch zusammen bin haben sich wenigstens die Spekulationen über meine Sexualität und darüber ob man vielleicht bei mir landen könnte gelegt, dafür sind allerdings andere Themen hinzugekommen, über die sich die Hausfrauen-Mafia die Mäuler zerreißen kann. Nämlich ob man zwei Männern ein Kind anvertrauen kann und was die Mutter wohl zu unserer Beziehung sagt, was sie sich denn dabei denkt uns ihr Kind anzuvertrauen, wir sind doch sicher ein schlechter Einfluss für ein Kind. Alles dummes Gerede und trotzdem nervt es mich.

Als Lena mit dem Wagen zurückkehrt reiße ich mich von der Unterhaltung unweit von mir los und gehe gemeinsam mit ihr in den Supermarkt.

Es herrscht geschäftiges Treiben und niemand erkennt mich. Prima. Ich krame den Einkaufszettel aus der Jeans und lese vor:
Mais für Popcorn steht dort ganz oben, gefolgt von Gummibärchen, Chips, Rohkost und Dipp.

Wir klappern also erst mal den Markt nach diesen Dingen ab. Ich muss ehrlich zugeben, dass Lena sich mit einkaufen wesentlich besser auskennt als ich, denn normalerweise erledigt Mitch die Einkäufe für uns. Also folge ich Lena möglichst unauffällig durch die Regalreihen, sie scheint sich auszukennen und anhand der Schilder zwischen den Regalreihen zu wissen wo wir was finden. Ich bin also nur noch der Bezahler, aber mir soll es recht sein!

Geschäftig geht Lena das Angebot durch und zeigt dann auffordernd auf das gewünschte Produkt. Ich packe es folgsam in den Wagen, der inzwischen an mich abgegeben wurde.
Ich bin also auch noch der Wagenschieber und Einpacker. Es lässt mich lächeln, dass ich damit so glücklich bin.

Bezahler, Wagenschieber und Einpacker, ich hätte nie gedacht, dass ich an sowas mal Spaß hätte, aber hier sieht man es. Grinsend folge ich einer kleinen, rothaarigen, frechen, pubertierenden Göre durch einen Supermarkt, um möglichst gut für einen DVD-Abend mit meinem Freund und einem Kind gewappnet zu sein.

Im Wagen landen neben den Dingen, die auf dem Einkaufszettel stehen, auch noch eine Mix-Box mit Salzstangen und anderem Zeug.

Meine Gedanken gleiten zur Seite, während ich Lena gelassen folge.

„So! Haben alles, oder?“ fragt Lena mich plötzlich. Ich zucke zusammen und ziehe den Zettel zu rate.

„Mais?“

„Jop“

„Gummibärchen für Papa?“

„Klar“ sie zwinkert mir zu. Keiner von uns beiden mag Gummibärchen nur Mitch.

„Chips?“

„Drin“

„Gemüse? Paprika, Gurken und so weiter?“

„Drin“

„Quark, Saure Sahne und Kräutermischung für den Ali`Spezialdipp?“

„Auch“ bestätigt Lena meine Fragen.

„Dann haben wir alles was wir essen wollen,“ lache ich „dann müssen wir jetzt mal bei den Getränken gucken. Wo geht’s denn da hin?“

Lena muss sich nur ganz kurz umsehen um herauszufinden, wo es zu den Getränken geht. Ehe ich mich auch nur ansatzweise orientiert habe ist sie auch schon losgelaufen. Mühsam verfolge ich sie durch die Gänge, immer darauf bedacht sie nicht aus den Augen zu verlieren, denn dann wäre ich ziemlich aufgeschmissen.

Bei den Getränken gibt es eine riesige Auswahl und Lena scheint gar nicht zu wissen was sie möchte. Ich halte mich im Hintergrund und beobachte sie bei ihrer Auswahl, versuche ihr zu helfen, in dem ich aufzähle was wir ohnehin zuhause haben.

Letztendlich entscheidet sie sich für eine Tüte Kirschsaft und eine Tüte Bananensaft um nachher KiBa zu machen. Dazu nehmen wir noch eine Flasche halbtrockenen Sekt und Cola Zero mit, mehr brauchen wir für einen Abend nicht. Normalerweise gibt es bei uns im Haus nur Wasser, Milch und allenfalls mal eine Tüte Apfel- oder Orangensaft, wenn Mitch mal nach ein bisschen Abwechslung ist.

Wir beide versuchen uns möglichst ausgewogen zu ernähren, wobei das mehr von Mitch ausgeht und ich einfach das esse was auf den Tisch kommt. Doch im Gegensatz zu früher, als ich noch mindestens einmal in der Woche Fastfood und die restlichen sechs Tage Restaurantküche oder Tiefkühlprodukte zu mir genommen habe, habe ich nun doch die Vorteile einer selbstgekochten Mahlzeit entdeckt.

Natürlich versucht Mitch seine Einstellung zu Ernährung auch an Lena zu vermitteln, deshalb Saft. Nur manchmal, wie heute zum Beispiel, funke ich ihm dazwischen und erlaube der kleinen auch mal einen Abend Cola. Mitch wird mich dafür zwar mit einem bösen Blick bestrafen, aber das tut er nur, weil er es tun muss. In Wahrheit hat er nichts dagegen und sich schon längst an solche kleinen Ausnahmen gewöhnt. Inzwischen macht es ihm auch nichts mehr aus, wenn wir mal zu PizzaHut oder Burger-King fahren, wenn Lena bei uns ist, solange es eben etwas Besonderes für sie bleibt und nicht zu Gewohnheit wird.

Inzwischen hat Lena den Saft in den Wagen gepackt und schiebt ihn in Richtung Kasse. Wir sind also scheinbar fertig mit dem Einkauf. Entspannt schlendere ich hinter ihr her, den Weg zur Kasse würde ich sogar selbst noch finden.

Wir reihen uns in eine lange Schlange Muttis mit vollgepackten Einkaufskörben und -wagen ein. Dass die auch nicht mal eine zweite Kasse öffnen können, denke ich bei mir. Aber wir haben ja Zeit bis zwanzig Uhr, dann kommt Mitch von seinem Termin zurück und der Abend kann beginnen. Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass es gerade eben sechs Uhr ist, also massig Zeit.

Es geht langsam aber stetig vorwärts und Lena beginnt damit alles was sie zufassen bekommt vom Wagen auf das Band zu räumen. Schnell packe ich mit an und wenige Handgriffe später ist der Wagen leer.

Als wir an der Reihe sind, beäugt mich die Kassiererin kritisch. Hinter der Sonnenbrille verdrehe ich die Augen, sie soll einfach ihren Job machen.

Tut sie schließlich auch, allerdings nicht ohne mich zwischendurch noch einmal genau zu mustern. Als sie dann zu der Flasche Sekt kommt hält sie sich offensichtlich für besonders schlau.

„Kann ich mal ihren Ausweis sehen?“ fragt sie mit einer grauenhaft öligen Altweiberstimme.

Das muss doch echt nicht sein, dass ich wie sechzehn aussehe kann die mir echt nicht erzählen. Trotz meines Ärgers krame ich ohne Wiederstand meinen Ausweis auf dem Portmonee und reichte ihn an sie weiter.

„Vielen Danke“ murmelt sie und studiert gespielt konzentriert meinen Namen, Nachnamen und Geburtsdatum. Himmel Maria, das kann doch nicht wahr sein. So lange braucht niemand um Ali Mehmet Develi zu lesen, damit hat sie doch was sie eigentlich wissen wollte. Sie weiß, dass ich ich bin und kann es brühwarm ihrer besten Freundin erzählen. Der ominöse, schwule Starfriseur war bei ihr an der Kasse. Oh mein Goooott, er geht einfkaufen. Sowas aber auch!

Ich bleibe betont freundlich, denn sich zu ärgern ist eine Sache, seinen Ärger zu zeigen eine andere, sowas verursacht nur mehr Ärger als es einem erspart.

Darauf wartend, dass sie mir meinen Ausweis zurückgibt räume ich die Einkäufe zurück in den Wagen, bei den letzten Teilen scheint die Kassiererin endlich mit ihrer Betrachtung fertig zu sein und gibt den Ausweis zurück.

„Das macht 36, 80€…!“ sagt sie stockend. Ich sehe sie direkt an, was sie durch die Brille natürlich nicht merkt.

„Da sie meinen Ausweis schon gesehen haben, bekomme ich dann noch zwei Packungen Marlboro?“ frage ich mit einem leicht verärgerten Unterton, den ich einfach nicht unterdrücken kann.

Lena verzieht das Gesicht und schüttelt angewidert den Kopf. Sie kann es absolut nicht leiden, dass ich rauche. Ich wollte auch schon oft damit aufhören, aber der Stress auf der Arbeit mit der Organisation der verschiedenen Läden, die unter meinem Namen laufen, und dann mit meinen Stammkunden fordert mich manchmal so sehr, dass ich die Zigaretten einfach brauche um das auszugleichen und nicht bei jeder Kleinigkeit an die Decke zu gehen.

Die Kassiererin legt die Zigaretten drauf und berechnet 46€ glatt. Ich zahle und wir verlassen den Laden. Draußen steuern wir auf das Auto zu.

Lena hält den Wagen fest, während ich alles im Kofferraum verstaue, die Zigaretten stecke ich dabei hoffentlich beiläufig in die Taschen meiner Lederjacke. Lena merkt es natürlich trotzdem.

„Aber nicht im Auto!“ sagt sie streng. Mein Blick wandert rauf zu ihrem Gesicht.

„Nein, natürlich nicht.“ grinse ich „Jetzt gleich draußen, während du den Wagen wegbringst“. Damit nehme ich ihr den Wind aus den Segeln. Sie gibt sich geschlagen, nickt und dreht den Wagen.

Ich sehe ihr hinterher, schiebe mir eine Zigarette zwischen die Lippen und stecke sie an. An mein Auto gelehnt lasse ich das Nikotin seine Arbeit tun. Mein Ärger verfliegt ehe Lena zurückkommt und wortlos schon mal ins Auto steigt.

Den halben Glimmstängel trete ich noch auf dem Boden aus, ehe ich mich zu ihr ins Auto setzte und rückwärts aus der Parklücke fahre.

Bis zur Videothek sind es nur wenige Minuten, auch ein Parkplatz ist schnell gefunden. Im Wagen reiche ich Lena die Mitgliedskarte und meinen Geldbeutel. Siesteigt aus und läuft los sich drei Filme aussuchen, während ich im Auto auf sie warte. Ich lehne mich zurück und lausche der Musik aus dem Radio.

Vom Rücksitz hole ich mir ein paar Papiere mit den Abrechnungsdaten meiner Läden. Die Zahlen sehen echt gut aus. Nur der neue Laden hier im Dorf läuft noch nicht so richtig an, aber das wird noch. Ich habe das Ladenlokal erst vor einem Jahr eröffnet und sowieso nur gekauft um mir etwas Ruhe zu gönnen und um in Mitchs Nähe arbeiten zu können. Zu meinen besten Stammkunden fahre ich noch immer nach Hause.

Irgendwo vermisse ich die Metropolen schon, das Treiben und Summen der Stadt, aber Mitchs Nähe ist mir wichtiger und ich habe mich entschlossen ganz bei ihm einzuziehen. Seine Nähe ist der Hauptgrund, weshalb ich hier einen Laden eröffnet habe. Zur Eröffnungsfeier vor einem Monat kam dann auch dieser unsägliche Zeitungsartikel voller Zweideutigkeiten, aber es wäre ja nicht so als hätte Mitch mich nicht gewarnt und ich nicht schon so meine Erfahrungen gemacht mit den Kleingärtner und Tagesmuttis hier! Immerhin wohne ich schon ein Jahr bei ihm, allerdings war in dem Laden viel zu machen und erst vor einem Monat konnte ich offiziell eröffnen. Da sind natürlich auch ein, zwei meiner Stammkunden aus der High-Society aufgelaufen und sowieso alles geschlossene Gesellschaft.

Nichts desto trotz gefällt mir auch mein neues Leben, ganz neu und endlich dauerhaft an Mitchs Seite. Früher bin ich viel öfter hin und her gefahren, das war auf die Dauer zu kostspielig und vor allem zu nervenaufreibend.

Während ich die Zahlen studiere, klopft es an das Seitenfenster auf der Fahrerseite. Ich sehe auf. Da steht Lena und hält zwei DVD’s in den Händen.

Hinter ihr im Schaufenster kann ich Sergej sehen, der die kleine mit seinen DVD‘s beobachtet. Er winkt mir kurz zu. Ist ein netter Kerl. Ich grüße zurück und sehe dann wieder zu Lena. In der rechten Hand hält sie ‚She’s the man‘ , den kenne ich sogar und in der linken einen Film mit dem Namen ‚It’s a grils boys thing‘.

Mit hochgezogenen Augenbrauen erwartet sie mein Urteil. Ich Tippe auf den Film in ihrer Linken, den kenne ich nämlich noch nicht, und sie zieht wieder ab.

Kurze Zeit später kommt sie mit einer kleinen Plastiktüte wieder aus dem Laden. Über beide Ohren grinsend steigt sie in den Wagen und packt die Filme aus, um sie mir zu zeigen. Vier Stück, die ich alle nicht kenne. Mädchenkram, soweit ich das vom Cover her beurteilen kann.

„Zufrieden mit der Ausbeute?“ frage ich vorsichtshalber noch einmal nach.
Lena grinst noch breiter.

„Na klar.“ erklärt sie und geht dann nahtlos in eine Beschreibung der drei Filme über die sie schon mal bei einer Freundin gesehen hat. Nach zwei Minuten, die ich wirklich versuche ihr zu folgen, schalte ich auf Durchzug bis wir endlich vor unserer gemeinsamen Wohnung parken.

Lena scheint gar nicht mitbekommen zu haben, dass wir da sind. Ich mache mir einen Spaß daraus, dass sie so in die Beschreibung der Filme versunken ist.

„Sag willst du lieber im Auto bleiben? Ich steig jetzt aus und falle über das Essen her, aber wenn du willst kannst du gern noch sitzen bleiben.“

Einen Moment ist sie verwirrt und sieht sich um, ehe ihr ein Licht aufgeht und sie aus dem Auto steigt. Ehe ich mich versehe ist sie auch schon im Treppenhaus.

„Stopp!“ rufe ich ihr hinterher. „Nimm den Haustürschlüssel mit und bring einen Korb mit runter.“

Lena kommt zurück, schnappt sich den Schlüssel und rennt die Treppen hoch.

Ein Energiebündel, dieses Kind!

Gemeinsam räumen wir anschließend die Einkäufe in den geholten Korb und ich darf sie dann die Treppe hochschleppen. Lena feuert mich tatkräftig an.

In der Wohnung stelle ich alles auf dem Esszimmertisch ab. Lena hat sich derweil auf das Sofa gepflanzt und wartet auf den weiteren Plan.

„So jetzt räumen wir erst einmal alles weg und kümmern uns dann um das Gemüse und den Dipp. In Ordnung?“

Sie nickt und kommt zum Tisch. Ich sortiere die Einkäufe. Getränke in den Kühlschrank, Knabberkram auf den Wohnzimmertisch und Gemüse zum Putzen auf die Anrichte.

Während ich noch aufräume beginnt Lena schon mit dem Gurkenschälen und Schneiden.

Arbeitsteilig verarbeiten wir danach noch Möhren, Paprika und Kohlrabi zu kleinen Streifen und unter meiner Anweisung mischt Lena den Dipp zusammen. Stolz wie Oskar bringt sie ihn zum Wohnzimmertisch.

„Ich geh mir mal den Schlafanzug anziehen!“ flötet sie glücklich und rennt die Treppe hoch in das ausgebaute Dachgeschoss.

Alles weitere Essbare drapiere ich mehr oder weniger kunstvoll auf den Wohnzimmertisch, ehe ich mich auch in Joggingklamotten schmeiße. Lena sitzt schon fertig im Schlafanzug auf dem Sofa, als ich zurück bin.

In anderer Kleidung fühlt man sich direkt viel angenehmer.

Das Klicken der Haustür verrät uns, dass Michael auch endlich nachhause kommt. Pünktlich wie die Maurer um acht Uhr.
Michael schlurft in Anzug und mit Aktentasche ins Wohnzimmer.

„Oh, da seid ihr ja schon.“ Bemerkt er. „Schon alles fertig?“
Lena strahlt ihn an und er strubbelt ihr über die roten Haare. Erst nach Lena bin ich an der Reihe, aber das macht mir nichts aus. Mich hat er schließlich jeden Tag, Lena nur in den Ferien.

Neckisch lehne ich an der Anrichte und warte darauf, dass er zu mir rüber kommt, um mich zur Begrüßung zu küssen. Tut er auch. Ganz sanft greift er an meine Taille und küsst mich sehnsüchtig auf die Lippen.

Wenn es nach ihm gegangen wäre würde der Kuss länger dauern, doch ich will endlich aufs Sofa und Filme gucken. Also schiebe ich ihn von mir weg und schenke ihm ein Lächeln ehe ich ihn in auffordere sich etwas Gemütliches anzuziehen und dann aufs Sofa zu kommen.
Mitch zieht widerstandslos von dannen und verschwindet im Schlafzimmer.

Ich reiche Lena die erste DVD, damit die sie schon mal in den Player schieben kann.
Aus dem Schlafzimmer fragt Mitch: „ Habt ihr euch gut amüsiert?“

„Prächtig“ rufe ich laut.

„Kein Streit?“

„Nie!“ antworten Lena und ich entrüstet im Chor.

„Ich weiß gar nicht wie er immer darauf kommt, wir würden uns Streiten?“ sage ich gedämpft zu Lena, die nur die Achseln zuckt.

Bei unserer ersten Begegnung war es richtig zur Sache gegangen zwischen Lena und mir. Ich fand ihren rotzigen, vorpupertären Ton absolut unangemessen und sie empfand mich als Bedrohung und Konkurrent.

Den gesamten Tag hatte Mitch verzweifelt versucht uns zusammenzuführen, was bei Lena auf konsequente Abwehr stieß. Ich, der ich mich mit Kinder absolut nicht auskannte und mit ihnen auch noch nie was am Hut hatte, zog mich aus der Affäre und verließ später unter einem Vorwand Mitchs Wohnung, um Lenas giftigen Blicken zu entgehen.

Gegen seine Tochter anstinken konnte ich erstens gar nicht und wollte ich zweitens auch nicht.

Ich wusste nicht was ich tun sollte und zog mich lieber zurück.

Am dritten Tag konnte ich dem allerdings nicht mehr ausweichen, denn Mitch nagelte mich auf einen gemeinsamen Kinoabend fest, aus dem ich mich unmöglich heraus winden konnte.

Bei der Auswahl des Filmes krachte es allerdings, denn ich verfolgte den Plan Lena zu besänftigen, indem ich ihr immerzu recht gab, was sie allerdings gar nicht wollte. Was sie wollte, war mir möglichst eins auszuwischen.

In meiner reinen Verzweiflung lies ich mich Provozieren und frage Lena irgendwann wütend, was eigentlich ihr Problem war. Da platze es wie ein Orkan aus ihr heraus.

Zuerst kamen wüste Beschimpfungen, bei denen Mitch der Mund aufklappte, dann die Wahrheit und dann Tränen.

Mitch hatte die ganze Zeit nichts sagen, sondern nur entgeistert dastehen können, während Lena und ich das Thema ein für alle Mal ausdiskutierten und aus der Welt brachten.

Die Frau an der Kinokasse verabreichte Mitch eine Cola und klopfte ihm immerzu auf die Schulter, während Lena und ich endlich dem anderen erklären was Sache war. Sie erklärte sich, ihre Angst, und ich erklärte mich, dass sie niemals die Absicht hatte ihr ihren Vater wegzunehmen.

Lena heulte, dass ich der erste wäre, der sie endlich mal ernst nehme, und schlang die Arme um meinen Bauch, um in mein T-Shirt zu weinen. Ich war davon mehr als überrumpelt und gelinde gesagt etwas irritiert und schuldbewusst. Ich hatte nicht gewollt, dass sie weint! Hilfesuchend hatte ich zu Mitch gesehen, der mir nickend zu verstehen gab, dass gerade alles wieder ins Lot kommt.

Als Feinde waren wir zum Kino rein und als Freunde wieder hinaus gegangen, gesehen hatten wir letztendlich >Drachenzähmen leichtgemacht in 3D<.

Auf Mitch wartend saßen wir auf dem Sofa. Ich grübelte nach und Lena zappte durch das DVD Menu.

Ächzend nahm auch Mitch auf dem Sofa Platz. Auf unserem L-förmigen Sofa hatte jeder seinen Platz. Lena auf dem kurzen Stück zu Fernseher hin, Mitch quer vor dem Fernseher ausgestreckt und seitlich angelehnt und ich vor Mitch mit den Füßen zu Lena.

Als alle sich bequem zu recht gerutscht hatten drücke Lena den Play-Button und der Film konnte beginnen.
Aktualisiert: 08/03/13
Veröffentlicht: 08/03/13
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Schlußanmerkungen zum Kapitel
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am 01/01/70 01:00
Drachenzähmen
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jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

alyssia
14/12/20 07:20
Wir gehen in die zweite Runde meiner Weihnachtsgeschichte 'Kein Weihnachtszauber' einer Geschichte ohne Glitzer und Magie, denn was bleibt, wenn der Weihnachtszauber fehlt? Der Boden der Tatsachen

Witch23
19/11/20 14:34
damit wären er drei die etwas beigetragen haben bisher ^^

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