Beschützer der Prinzessin - Zettel aus dem Mumiengrab von Yavia (Abgeschlossen)
Inhalt: Bei Ausgrabungen weckt Caitlin ein paar Krieger auf, mit denen ein Bösewicht die Weltherrschaft an sich reißen will. Hendrik und Sergei helfen ihr, das zu verhindern.
Genres: Komödie, Paranormale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Keine
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine
Kapitel: 3
Veröffentlicht: 22/09/13
Aktualisiert: 06/10/13
Anmerkungen zur Geschichte:Nur eine kleine Idee für Zwischendruch.
Eine Horde keltischer Krieger
Feiner Sand rieselte von der Decke. An den dicken Mauersteinen waren Hieroglyphen gemalt. Sergei Komarow saß auf dem Boden und sah sich die Statur an, die vor den verschlossenen hölzernen Eingang lag. Bei dem Eingang stand Hendrik Probst, Sohn reicher Eltern, eine Schaufel in der Hand. Seine aschblonden kurzen Haare klebten verschwitzt an seiner Stirn, das Jackett war schmutzig von Erde, die Knickerbocker wies einen Riss über dem Knie auf und die Bandagen bis zu den Schuhen waren von inzwischen festem braunen Lehm bedeckt.
Sergei wischte sich eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht, räusperte sich, ehe er sprach: „Sag mal, wieso bist du nochmal hier?“

Hendrik wandte sich ihm kurz zu, nur um sich dann mit der erhobenen Schaufel wieder dem Eingang zuzudrehen. „Weil mein Professorkollege Doktor Jeremy Abraham Johnson mir einen Brief geschrieben hat, er habe Mumien in China gefunden.“
Sergei nickte, blickte auf seine schlammigen Stiefel. „Dein Lehrprofessor, der hier in die Wüste kam, um nach einer Mumie zu suchen, die dieser Typ namens Stein hier vor einigen Jahren gefunden hatte? Die Mumie im Sand? Heißt der wirklich Stein?“
„Ja!“, rief Hendrik genervter aus, trat rückwärts von dem Eingang weg.
„Ihr habt einen ganzen Friedhof gefunden und du hast ihm geholfen, diese Mumien auszugraben und ihr habt diesen Zettel gefunden?“
„Sergei, ich bin nicht in der Stimmung zu reden!“, fluchte Hendrik, hob die Schaufel erneut in Kopfhöhe.
„Nur für das Protokoll, ihr hab diesen Zettel gefunden und Caitlin hier konnte ihn lesen?“

Rechts neben ihm blieb die auf und ab gehende Frau stehen. Sie hatte buschiges rotes Haar und war sonnenverbrannt. Ihre kakifarbene Kleidung wies ähnliche Spuren der Verschmutzung auf, wie die der beiden Männer. Sie senkte das zerfledderte Stück Papier und schimpfte: „Immer noch Mrs Kelly für Sie! Helfen Sie uns lieber, anstatt dumme Fragen zu stellen!“
„Mrs Caitlin, wenn genehm“, ignorierte er ihren Wunsch der Ansprache. In Notzeiten musste man nicht auf Förmlichkeit achten, dachte er. „Ich muss nur verstehen, wie ihr es geschafft habt. Also, du konntest es lesen und hast es vorgelesen und dann sind da Gestalten aus dem Blatt gekommen?“, erörterte Sergei ungläubig. „Die verfolgen uns, wir rutschen durch dieses Loch hier in diese Grabkammer und die folgen uns immer noch, weil sie eine Prinzessin beschützen wollen? Ich habe bisher keine Prinzessin gesehen, was wollen die von uns?“

Am Eingang waren Knirschgeräusche zu hören, heftiges Rumpeln und schieben.
„Mr Komarow, wenn Sie nicht augenblicklich etwas zu unserer Rettung unternehmen, bin ich gezwungen, den Rest der mir bleibenden Zeit zu schreien!“, gab Caitlin Kelly von sich.
Sergei stand auf. Das war eine nicht zu unterschätzende Drohung, hatte die junge Frau das doch schon zur genüge durchgeführt. Er schob die einst weißen Ärmel seines Hemdes auf, schnappte sich das keltische Langschwert und schob seine lederne Umhängetasche auf seinen Rücken.
„Und das nur, weil ich meinen Geliebten nicht allein in der Wüste lassen wollte. Ich musste ja herkommen um ihm zu unterstützen, moralisch und so...“, murmelte er sarkastisch.

Die Tür brach auf, blau bemalte nackte Männer kamen herein gelaufen, in den Händen lange Schwerter, Dolche oder Schilde. Caitlin schrie auf, eilte weiter vom Eingang weg. Sergei drängte sich an seinem Freund vorbei und holte mit dem Schwert aus. Damit spaltete er dem ersten Ankömmling den Schädel.
„Bist du Wahnsinnig?! Das Ding ist 3000 Jahre alt!“, schrie Hendrik entsetzt.
Der kurze böse Blick seines schwarzhaarigen Geliebten ließ ihn verstummen.
Caitlin schrie erneut angsterfüllt auf, stieß gegen die Wand.
Hendrik schlug mit der Schaufel nach einem der offenbar keltischen Krieger. Das bewirkte gar nichts.

Sein Freund Sergei machte das sehr viel effektiver. Er mähte die Angreifer nieder, die durch die schmale Öffnung heran strömten. Manchmal hatte der ehemalige Soldat, nicht das Gefühl, dass es viel brachte. Auch fand er es mehr als unheimlich, dass die gefallenen Krieger sich einfach in Nebel auflösten. Die Angreifer waren allerdings so viele, dass sie Sergei aus dem Weg drängten. Seine Angriffe wurden beendet, als einer ihm mit einem Hieb fast den Arm brach, er seine Waffe verlor und ein Mann mit Schild ihn mit einem kräftigen Schlag ins Gesicht außer Gefecht setzte.

Hendrik war sehr viel schlechter darin, sich Angreifer vom Hals zu halten. Entschlossen griff Caitlin Dinge auf, und warf sie nach den nackten Kriegern. Kostbare Vasen schlugen Krieger KO und zerschellten auf dem steinernen Boden.
„Caity! Nicht die Vasen!“, schrie Hendrik, drängte vergebens den großen Mann von sich, der ihn gegen die Wand drückte. Der Angreifer entwand ihm die Schaufel, indem er einen Dolch in seinen Unterarm stach.
Schreiend sank Hendrik zu Boden. Der Angreifer ignorierte ihn, stürzte auf die rothaarige Frau zu und fasste sie. Die Vase, die sie auf seinen Kopf donnerte, zersplitterte, Hendrik gab einen mitleidigen Laut von sich. Nicht für den Kopf, sondern für das unersetzliche Kunststück.

Ein anderer kam heran, hob Caitlin auf und warf sie sich über die Schulter. Da sie nicht besonders schwer oder groß war, war das eine leichte Aufgabe. Mit seiner Beute eilte er zurück zum Eingang. Die anderen folgten.
Es wurde leer und still.

Jammernd drehte Hendrik sich auf den Rücken, starrte auf das Loch, durch das sie vor kurzer Zeit hier hereingefallen waren und umklammerte seinen schmerzenden Arm. Notdürftig umwickelte er die Verletzung mit seinem nicht mehr sauberen Halstuch und robbte an Sergei heran.
Er beugte sich über ihn und redete zu ihm, fasste seine Schulter und schüttelte ihn, schrie ihn an und küsste ihn schließlich.
Wahrscheinlich alles zusammen, oder nur weil seine Ohnmacht vorüber war, richtete Sergei sich hastig auf und stieß dabei mit Hendrik zusammen. Der fiel um.
„Ah! Verdammt! Sergei!“, schimpfte er, umklammerte den schmerzenden Arm und gab Wehlaute von sich.
Sergei musterte ihn und fragte: „Was ist passiert?“
„Du hast mich umgeworfen und ich bin auf meinen verletzten Arm gefallen.“
„Nein, mit den Kriegern? Wo sind sie?“
„Sie haben Caity entführt!“
„Und wo sind sie mit ihr hin?“
„Weiß ich doch nicht, zur Tür raus! Dich interessieren die Krieger also mehr als ich? Weil sie nackt waren, oder was?“, gab Hendrik wütend von sich.
„Nein, Blödian. Warum sind wir noch am Leben?“
„Ich bin kaum noch am Leben, sieh dir das an, das tut höllisch weh!“, jammerte Hendrik, kniete neben Sergei und hielt ihm den Arm hin. Sergei betrachtete den.
„Nur eine Fleischwunde, stell dich nicht so an“, sagte Sergei, stand auf.

„Nur eine Fleischwunde?! Der halbe Arm ist ab! Woher willst du das überhaupt wissen? Bist du ein verdammter Arzt? Und richtig angeguckt hast du es dir auch nicht!“
„Henry, ist gut jetzt. Wir leben, wir sollten hier verschwinden.“
„Nein, wir können Caity nicht hier lassen!“
Sergei sah zu seinem Freund hinunter, der noch am Boden kauerte. „Also, ich fand sie überaus nervig...“, sagte er.
„Sie ist nicht immer so. Sie ist die beste Übersetzerin aus New York für antike Sprachen“, fiel Hendrik ihm ins Wort.
„Ich dachte, sie wäre Irin...“, sagte Sergei, sah sich zu Tür um.
„Sie hat irische Vorfahren, aber sie ist Amerikanerin. Wir können sie nicht hier zurücklassen!“
Sergei seufzte, bückte sich, um das Schwert aufzuheben. Es war keine Spur von Blut daran zu erkennen. „Na gut, gehen wir sie suchen. Wo ist der Zettel?“

Hendrik blickte sich um, überlegte. Hatte Caitlin ihn in der Hand gehabt, als die sie mitgenommen hatten? Er wusste es nicht mehr und sie suchten den Raum ab. Immerhin konnte es ja sein, dass auf dem Zettel auch draufstand, wie sie die Typen wieder loswurden. Auch wenn keiner von beiden es lesen konnte. Ihre Suche blieb erfolglos und sie gingen durch den Eingang in einen Gang, der nach unten führte.

„Oh, eine Pyramide“, schwärmte Hendrik, sah sich die Symbole an den Wänden an.
„Wie ist eigentlich diese Pyramide nach China gekommen? Und warum ist sie unter der Erde im Wüstensand vergraben?“
„Du stellst aber auch immer Fragen! Woher soll ich das wissen?“
„Bist du der Professor, oder ich?!“, regte Sergei sich auf.
„Ich bin Professor für ägyptische Ausgrabungen – In Ägypten. Nicht für ägyptische Pyramiden in China. Bist du nur gekommen, um mich zu ärgern?“

Sergei sah auf das Schwert. Das war er natürlich nicht. Er war hier, weil er Hendrik liebte und bei ihm sein wollte. Die vielen Monate waren einsam gewesen, er hätte von Anfang an mitkommen sollen. Vielleicht wäre dann auch nichts passiert.
„Hätte ich gewusst, dass ich, kaum bin ich da, vor einer Horde keltischer Krieger fliehen muss, hätte ich eine andere Waffe mitgebracht.“
Hendrik sah ihn an, griff mit der gesunden Hand die seines Freundes. „Ich bin froh, dass du da bist, mein russischer grummeliger Bär. Richtig begrüßt habe ich dich auch noch gar nicht.“
Sie blieben stehen und küssten sich.
Als sie sich voneinander lösten sah Sergei in den langen Gang vor ihnen, in dem Fackeln brannten. „Sag mal, warum bist du als Ägyptologe eigentlich nach China eingeladen worden? Und wer hat hier eigentlich die ganzen Lichter angemacht?“


Etwas unsanft setzte der keltische Krieger Caitlin Kelly auf den Boden ab. Sie sah zu den Kriegern auf, die sich im Halbkreis um sie versammelten und blickte dann auf das Loch im Kreis. An dieser Stelle war eine kleine Erhöhung auf der ein Thron stand. Auf diesem saß ein älterer sonnengegerbter Mann in einem weißen Leinenanzug. Der Stoff war leicht schmutzig. Mit untergeschlagenen Beinen blickte er auf sie hinunter und rauchte eine Zigarre. Ein ordentlicher Schnurrbart in leichtem Grau zierte seine Oberlippe und das militärisch kurze Haar wurde von einem Safarihut bedeckt. Er begann zu reden.
„Ich habe so lange darauf gewartet, dass die Krieger aktiviert werden. Jetzt, wo ich Sie sehe, Mrs Kelly, weiß ich auch, warum es nie geklappt hatte. Eine Prinzessin muss sie herbeirufen, kein Prinz. Mein Indokeltisch war noch nie so gut.“
Verstört starrte Caitlin zu dem Mann hoch. „Professor Nadir? Was tun sie hier?“
Der Mann stand auf, kam die wenigen Stufen herunter um vor ihr stehen zu bleiben. In der Hand fasste er einen Spazierstock. „Was ich hier mache? Die Weltherrschaft an mich reißen. Haben sie den Zettel mit den unendlichen Kriegern?“ Er erblickte in ihrer Hand den Zettel. „Sehr gut. Krieger, erscheine! Trodaí dealraitheach!“
Aus dem Zettel quoll Nebel hervor, der sich etwas von ihr entfernt in Männer formte, die sich zu der Gruppe am Rande gesellten. „Es funktioniert! Jetzt, da sie einmal gerufen wurden, kann ich ihnen befehlen!“ Ein irres Lachen entwand sich Professor Nadirs Kehle und erschallte in den Gewölben des großen steinernen Baus zu einem unheilvollen Orkan.
Die Prinzessin bittet zum Tee
Sergei blickte in den Gang zu ihrer linken, Hendrik in den zu ihrer rechten. Ein Lachen war zu hören und es klang nicht gut. Eher wie das einen verrückten Wissenschaftlers.
„Wohin?“, fragte Hendrik.
„Dem Lachen nach?“, erwiderte Segei.
Hendrik warf ihm einen Blick zu. „Ich kann leider nicht orten, woher es kommt.“
„Ich auch nicht, lass uns umkehren.“
„Ich glaube nicht, dass uns das nützen wird, wenn wir Caity befreien wollen. Lass uns rechts gehen.“
„Wie hast du das entschieden?“, fragte Sergei, sah nach rechts.
„Die Fackeln sind dort heller.“
„Gut, das ist ein Grund. Aber ich hatte ja gehofft, dass du als Ägyptologe die Zeichen dort an den Wänden lesen könntest, an denen steht: Zum bekloppten Wissenschaftler oder zur schreienden Übersetzerin.“
Hendrik verdrehte die Augen. „Caity ist nicht so eine. Sie ist ganz in Ordnung! Zuhause schreit sie nicht so viel. Sie hat einfach nur Angst.“
„Hab ich auch, bei Kriegern, die einfach so erscheinen und einen umbringen wollen.“
„Na also!“, Hendrik blickte nochmals in beide Tunnel. „Warum hast du eigentlich nicht geschrien?“
„Ich hatte keine Zeit dazu, ich war mit fallen oder kämpfen beschäftigt“, sagte Sergei nur und ging in den rechten Gang. Hendrik folgte ihm kichernd.




Caitlin rappelte sich auf die Füße und suchte einen Weg zur Flucht. Sie kam an den Kriegern nicht vorbei. Professor Nadir stoppte mit dem Lachen und sah sie an. „Sie wollen doch nicht schon gehen, oder? Ich brauche die Prinzessin offenbar nur, um den Zauber zu starten. Aber da die Krieger Sie jetzt beschützen sollen, sollten Sie bei mir bleiben.“ Er nahm einen Zug von der Zigarre, befahl den Kriegern, sich um sie beide zu versammeln, der Nebel aus dem Zettel stoppte.
„Professor, ich verstehe nicht...“
„Aber Sie sprechen doch 11 Sprachen, oder?“
„Ja schon, aber nicht weltherrschaftsergreifender-verrückter-Professor Sprache“, murmelte sie.
„Ist doch ganz einfach, Frau Kollegin. Ich habe Krieger ohne Ende und werde damit ganz Europa unterwerfen und danach die ganze Welt. Oder andersherum. Sie brauchte ich wohl nur, um es zu starten. Warum hat das nur 1 Jahr gedauert, bis sie endlich diesen Zettel gelesen haben?! Leider werden Sie von den Kriegern beschützt, weil Sie die Prinzessin sind und diesen Zauber ausgelöst haben. Also müssen Sie mitkommen.“
„Mitkommen?“, fragte Caitlin nach. „Die Welt erobern? Äh, ich habe noch andere Sachen in meinem Terminplan stehen. Aber, wenn ich die Prinzessin bin, sie erwecken kann, warum können Sie ihnen dann Befehle geben?“
„Die Königsfamilie kann sie rufen.“
„Hab ich gemacht, aber wer sind Sie? Warum können Sie ihnen befehlen?“
„Hier steht, wie man sie rufen kann. Und wie man ihnen befehlen kann.“
„Wo steht das?“, fragte Caitlin. Nadir hielt ein Buch hoch, das recht zerfleddert aussah. Es war wohl auf altem Pergament geschrieben, etwas, was die Kelten damals nicht besaßen.
„Okay“, begann Caitlin, hielt die Hände neben sich zur Konzentration. „Für Blöde: Sie haben ein Buch in dem etwas über diese Krieger steht. Das haben Sie gelesen und versucht die Krieger zu aktivieren. Das ist Ihnen nicht gelungen und Sie haben... diesen Zettel ausgelegt“, sie wedelte mit dem in der Hand, „um zu sehen ob andere es können und bei mir hat es dann geklappt? Sie haben ein Jahr gewartet, bis es jemand aktivieren konnte? Mich würde interessieren, warum ich sie zwar rufen kann, aber jeder, der deren Sprache spricht, ihnen anscheinend Befehle erteilen kann!“
„Kriege waren hart, wenn der König gestorben war, musste halt der nächste in der Thronfolge ihnen befehlen können...“
„Professor Nadir, das ist Blödsinn. Die Kelten waren derart zerstritten, da gab es in den wenigsten Fällen eine normale Thronfolge. Wenn jeder diesen Kriegern hier befehlen konnte, dann haben sie niemals jemanden angegriffen, da sie vom Feind genauso Befehle entgegen nahmen.“
Professor Nadir blickte sie an, hob die Hand. Er wirkte nachdenklich. „Dann ist ja gut, dass nur Sie die Sprache sprechen, dann werde ich Sie umbringen und regiere ganz allein.“
Kaum war der Befehl gesprochen, setzten sich einige der Krieger in Bewegung. Doch sie blieben stehen, führten die Handlung nicht aus und sahen die Prinzessin an.
„Oh, gut, dass ich diesen Zusatzzauber aktiviert habe. Wahrscheinlich würden sie auch stehen bleiben, wenn ich ihnen das sage. Wem bitte sollen diese Krieger nützen?“
„Mir! Kaum ein anderer spricht die Indokeltische Sprache!“
„Doch, ich! Ich werde verhindern, dass Sie die Weltherrschaft an sich reißen!“
Sie befahl, dass sie das Buch haben wollte. Nadir befahl, die Hände davon zu lassen. Caitlin befahl, Nadir festzuhalten, damit sie es selbst nehmen konnte, er befahl, ihn loszulassen. Jeder Befehl wurde durch einen Gegenbefehl aufgehoben. Egal wie schnell der Befehl gesprochen war, keiner erlangte was er begehrte. Caitlin nicht das Buch und Nadir nicht, dass sie die Klappe hielt.
Er musste sie anders ruhigstellen.



Sergei hatte die Hände in Lederhandschuhen vor dem Schoß gefaltet um Hendrik eine Räuberleiter zu machen. Der sah über die unvollendete Mauer und vermeldete, dass es dahinter pechschwarz war.
„Wirf die Fackel rein!“, schlug Sergei vor. Hendrik tat es. In dem Raum war ein Sarkophag zu sehen und Hieroglyphen an den Wänden. Hendrik gab ein seufzen von sich.
„Was siehst du?“, wollte Sergei wissen, beobachtete, wie sein Freund nach oben kletterte und durch den Spalt verschwand. Dabei redete der: „Weder Caity, noch den verrückten Wissenschaftler, nur unendlich viele wertvolle antike Gegenstände“.
Sergei sah hinauf, rückte das Schwert in seinem Gürtel zurecht und sprang hoch, nur um zu merken, dass der Mauersims zu weit oben war. Er warf den Lederriemen der Tasche über den leeren Fackelhalter neben der Mauer und kletterte hoch. Mit einem beherzten Sprung gelangte er auf den Sims und sah unten Hendrik umher wandeln und Fackeln an den Wänden entzünden. „Wollten wir nicht Caitlin retten?“, fragte er.
„Komm rein, dahinten ist eine Tür, da kommen wir wieder raus“, sagte Hendrik nur, schien alles andere vergessen zu haben. Er betrachtete die Vasen, den Sarkophag, die alten Inschriften.
Sergei angelte seine Tasche mit dem Schwert vom Harken und folgte seinem Freund hinab in die Gruft.

„Weißt du eigentlich, was wir hier gefunden haben?!“, fragte Hendrik.
„Eine dreckige Pyramide“, sagte Sergei nur, hob eine Vase auf und betrachtete sie von allen Seiten. Sie war schön farbig bemalt aber staubbedeckt. Auf der Unterseite war ein roter eckiger Stempel aufgetragen. Während Hendrik sich über die abfällige Bemerkung aufregte, untersuchte Sergei den Stempel, nahm eine Fackel zur Hand, um mehr Licht zu haben. Er begann zu reden, als er es als chinesisches Zeichen deutete.
„Weißt du, ich glaube ich ahne, warum diese Pyramide hier ist.“ Er drehte sich zu Hendrik, der mit einem Pinsel an dem Sarkophag wedelte. „Professor Keston hatte in China lebensgroße Figuren gefunden, die so aussehen wie chinesische Soldaten. Sie stehen und es sollen sehr viele sein. Sie kommen vermutlich aus der Qin-Zeit. Die Art der Darstellung ist sehr untypisch für diese Zeit.“

Hendrik war aufgestanden und starrte Sergei an. „Du warst bei Professor Keston? Dem Experten für griechische Antike. Er war in China?“
Der Russe nickte, fuhr fort: „Zu der Zeit wurden in China sonst Figuren mit Scheiben als Köpfen und unförmigen Würsten als Armen gefertigt. Diese Soldaten sehen aus wie echt, sie haben auch chinesische Gesichter.“
„Warum weiß das noch keiner?“
„Er hat es noch nicht bekanntgegeben. Auch wurde er von den Chinesen dort verjagt, als er Proben nahm und erste Vergleiche zum griechischem Handwerk machte. Es gibt also keine Beweise für seinen Fund. Er vermutet, dass die Chinesen sich die Art zu modellieren von den Griechen abgeguckt haben.“
„Sie haben es kopiert?!“, fragte Hendrik aufgebracht. „Das ist ja Wahnsinn! Was hat Keston noch gesagt?“
„Nicht sehr viel. Er ist sehr krank und wollte den Fundort nicht bekanntgeben, ehe er dort nicht selbst wieder hin käme. Ich denke allerdings, dass er vorher sterben wird. Keiner der anderen Expeditionsteilnehmer hatte bisher den Wunsch, nach China zurück zu kehren, um sich von den Soldaten dort vertreiben zu lassen. Es soll auch Tote gegeben haben.“
„Das ist absolut unglaublich!“ Hendrik kam zu Sergei heran. „Meinst du wirklich, die Chinesen haben eine ganze Pyramide nachgebaut?“
Sergei hielt die Vase hoch, zeigte Hendrik den Boden.
„Wahnsinn!“, rief Hendrik aus, fasste die Vase und besah sie. Er schien über die Kopie genauso erfreut zu sein, wie über ein Original. „Weiß du eigentlich, was das heißt? Die Ägypter und die Chinesen haben sich getroffen, haben von einander gewusst. Du hast das alles von Professor Keston erfahren? Warum hast du ihn überhaupt besucht? Er soll ein sehr unangenehmer Zeitgenosse sein.“
„Er kam vor kurzem aus China zurück. Er hatte mit niemanden über seine Funde gesprochen. Ich wollte dich mit dem Wissen beeindrucken.“
„Ist dir gelungen“, endete Hendrik, stellte die Vase auf den Podest zurück und drängte Sergei an die Wand um ihn stürmisch zu küssen. Er ließ die Fackel fallen um Hendrik umarmen zu können.
Ein leises Klicken gelangte an Sergeis Ohr. Er löste sich von Hendrik und fragte: „Hast du gerade Klick gemacht?“
„Was?“, fragte Hendrik verständnislos. Der Boden sowie die Wand gaben nach, sie stürzten in einen Tunnel.

Sergei versuchte Halt zu finden. Er erreichte mit Händen und Füßen die Wände des recht runden Tunnels, bremste so ihren Sturz. Hendrik versuchte gleichfalls sich so zu stoppen, doch es gelang ihm kaum. Er lag auf Sergei, der sie aufhalten konnte und spürte zwischen seinen Beinen etwas sehr hartes.
„Das ist jetzt echt der falsche Zeitpunkt“, sagte Hendrik schnell atmend.
„Du hast angefangen!“, gab Sergei keuchend von sich, der ebenfalls etwas zwischen seinen Beinen spürte. Die Fackel fiel an ihnen vorbei und erleuchtete ihnen den Untergrund.
Es waren spitze Stäbe, die aus dem Boden ragten. Einige waren umgebrochen, weil die Steine drauf gefallen waren, ein anderer war besonders lang und ragte nun zwischen den Beinen der beiden hervor.
„Geh runter von mir, ich kann uns nicht halten!“, rief Sergei aus.
Angestrengt, mit schmerzendem Arm, kletterte Hendrik über ihn an die Wand heran, entkam dort in eine Öffnung. „Hier ist ein Loch, komm her!“
„Sehr witzig! Wie soll ich das denn machen?!“ rief Sergei aus. Wenn er eines seiner Gliedmaßen löste, würde er abstürzen. „Ich bin froh, dass ich so groß bin und mich zwischen den Wänden festhalten kann! Das war wohl für Menschen unter 1,87 m geplant!“
Das Licht am Boden flackerte und wurde dunkler. Hendrik entdeckte ein Brett in dem Gang, in dem er sich befand und schob es unter Sergeis Hintern. Zitternd vor Anstrengung ließ Sergei sich darauf nieder. Das Licht erlosch.
„Sergei?!“, fragte Hendrik besorgt, da ihn nicht mehr erkennen konnte. Der erleuchtete Raum lag zu weit oben, um Licht hier herunter zu bringen. Das Brett bewegte sich leicht.
„Weißt du, was ich an Pyramiden grundsätzlich hasse?“, fragte Sergei. „Sie sind voller Fallen und oftmals verdammt dunkel.“
„Ich bin hier, krabble zu mir herüber.“

Zögerlich kroch Sergei über ein Brett, was er nicht sehen konnte, zu der Stimme seines Freundes hinüber. Das Brett lag nur nicht gut genug auf und rutschte schließlich weg, kaum hatte Sergei den Eingang erreicht, in dem Hendrik saß.
Er krallte sich daran und spürte Hendriks Hände, die nach ihm griffen. Die unverletzte Hand packte sein Hemd und zerrte daran, um ihm in die Öffnung zu helfen. Er zog ihm das Hemd aus der Hose. Sergei kletterte ächzend in die Öffnung und blieb einen Moment liegen. Hendrik tastete auf ihm herum und lachte erleichtert.
„Alles in Ordnung?“
„Ja“, keuchte Sergei. „Ich bin soweit in Ordnung.“

Sie verschnauften einen Augenblick und begannen dann, in vollkommener Dunkelheit durch einen niedrigen Gang zu kriechen. Sergei war froh, dass er wenigstens Handschuhe angehabt hatte, waren nun nur seine Arme mit Abschürfungen versehen. In Ermangelung einer neuen Fackel tastete Hendrik sich nur langsam voran. Gehandikapt durch die Finsternis und den verletzten Arm stoppte er hin und wieder und manchmal stieß Sergei mit dem Kopf gegen seinen Hintern.
„Tschuldigung“, sagte er dann stets, wartete, bis es weiterging.

Sie kamen an einen erhellten Ausgang und plumpsten dort auf eine Steinplattform herunter. Sie ruhten sich dort etwas aus. Sergei lang ausgestreckt auf dem Boden, Hendrik sitzend an die Wand gelehnt. Der Blick unter seinen Verband zeigte dickes Blut, das zäh an Wunde und Stoff klebte. Wenn das so blieb, würde es nicht weiter bluten.
„Henry? Warum bist du eigentlich kein Buchhalter geworden?“, fragte Sergei, den Arm über die Augen gelegt. „Schön in London in einem Bürogebäude sitzen, Kekse von der Sekretärin serviert bekommen und heißen Kakao in einer hohen weißen Tasse. Nur mit einem Regenschirm gegen das Londoner Wetter bewaffnet hinaus in den nassen Tag gehen, um nach einer Fahrt in der Tube in ein warmes Zuhause zu kommen und Sex zu machen. Und das einzige was mir dann wehtut ist mein Arsch!“ Er richtet sich auf, besah seine schmerzenden Arme.
Hendrik lachte darüber. „Ich habe kein Händchen für Geld. Ich bin gut darin es auszugeben, nicht es zu verwalten.“
„Deine preußischen Eltern waren wohl nicht sehr sparsam, dass sie es dir nicht beigebracht haben?“
„Ich hatte Haushälterinnen.“ Er sah über den Abhang nach unten auf einen solide wirkenden Boden. „Wollen wir weiter?“

Ein Lachen schlängelte sich durch die Gänge zu ihnen. Sergei legte den Kopf schief. „Ich denke schon.“

Sie sprangen auf den Boden herunter und gingen zu dem einzigen Ausgang. Unter einem schiefen Türdurchgang hindurch gelangten sie in einen Gang. In dem standen drei von den nackten Kriegern. Sie erblickten sie, als Sergei umständlich das Schwert aus seinem Gürtel zog.
Der eine von ihnen hob einen Zettel hoch. Die anderen beiden liefen weg.
Verwirrt über das Gebärden blieben die zwei Freunde stehen. Auch der dritte Krieger lief weg, ließ den Zettel dort. Hendrik ging hinüber und hob das Papier auf. Es war aus einem Skizzenblock gerissen und unförmige Buchstaben drauf besagten: Die Prinzessin bittet zum Tee.
„Die Prinzessin bittet zum Tee?“, fragte Hendrik nach. „Tee?!“
„Also, ich hab schon Durst“, sagte Sergei, senkte die Waffe. „Wohin sind sie gelaufen?“
„Keine Ahnung, aber hier ist eine Karte auf der Rückseite. Mit einem Kreuz in der Mitte.“
„Kreuze markieren wichtige Stellen. Lass uns da hin gehen.“
Sergei beugte sich an Hendrik heran um auf die Karte zu sehen. Sie mussten in die Richtung, in der die Krieger verschwunden waren.
Rettung aus dem Nichts
„Wenn du noch einmal eine Tür öffnest, auf der ein Ausrufezeichen ist, muss ich dich leider erschlagen!“, fluchte Sergei, schleppte sich hinter Hendrik auf ein großes Tor zu.
Sein Freund murrte uneinsichtig und umfasste seine schmerzende Hand unbeholfen. „Die Karte führte aber durch diese Türen. Wenn dahinter eine Fallgrube ist, dann ist das nicht meine Schuld!“
„Aber da war ein Ausrufezeichen drauf, das steht für Achtung! Gut, dass da Ketten waren, an denen man sich festhalten konnte. Das wäre heute das fünfte Mal gewesen, dass ich fast aufgespießt werde! Wie geht’s überhaupt deinem Arm?“
„Nicht gut, vor allem, da die andere Hand nach dem Sturz in die Krokodilgrube auch wehtut. Gut, das die inzwischen alle tot waren.“
Sie blieben vor dem Tor stehen, sahen einander an. Ihre Kleidung hatte noch mehr gelitten und eine lange Schramme zierte Sergeis Wange.
„Hier ist also das Ziel unserer Reise?“
Hendrik sah auf die Karte. Hinter dieser Tür war das Kreuz eingezeichnet. Er nickte nur und schob das Tor auf.

Als Sergei und Hendrik durch das Tor traten, erblickten sie eine Unmenge an blau bemalten nackten Kriegern in einem großen Raum. Auf einem Thron saß Caitlin, unweit von ihr, auf den Schultern einiger Krieger, saß ein Mann, den Hendrik sogleich erkannte.
„Professor Nadir?“, fragte er ungläubig.
Die beiden sahen in seine Richtung und riefen unterschiedliche Befehle. Die Horde Krieger rannte auf sie zu.
„Oh, verflucht“, gab Sergei von sich, stellte sich schützend vor Hendrik, das Schwert zum Schlag erhoben.
Eine Gruppe der Krieger stoppte mit dem Rücken vor ihnen, die anderen versuchten an sie heranzukommen. Es wirkte, als ob die einen sie verteidigten und die anderen versuchten sie anzugreifen. Verdutzt sah Sergei seinen Freund an. „Was ist hier los?“, fragte er.

„Kommt schnell her! Professor Nadir will die Krieger benutzen, um die Weltherrschaft zu erlangen“, rief Caitlin von ihrem Thron aus. Sergei gab einen Lacher von sich. „Weltherrschaft?“
Hendrik blickte sie fragend an.
„Was machst du da oben?“, wollte er wissen. Caitlin überlegte, gab dann in Russisch einen Befehl.
Sergei sah Hendrik an. „Sie spricht russisch?“
„Ja, sie spricht ganz viele Sprachen. Was will sie von dir?“
„Ich soll ein Buch holen. Das hat der andere Mann irgendwo an sich.“
„Professor Nadir?“
Sergei hörte ihren Befehl um Dringlichkeit und setzte sich in Bewegung. Ein ihm unverständlicher Befehl wurde von dem Mann ausgesprochen. Anscheinend hatte er durchschaut, worauf das hinauslief. Einige der Krieger stellten sich Sergei in den Weg. Er holte mit dem Schwert aus und mähte sie nieder, sprang über die gestürzten hinweg, die sich am Boden in Nebel auflösten.
Hendrik hob einen Stein auf und warf ihn nach Professor Nadir, um ihn abzulenken. Professor Nadir verließ seinen exponierten Platz und verschwand in der Menge unter sich. Schnell erreichte Sergei den Pulk an Kriegern, die um den weiß gekleideten Mann herumstanden. Erfolgreich drängten sie Sergei fort. Dazu benutzten sie Schilde und ihre Dolche. Aus deren Mitte tauchte Professor Nadir auf, packte Sergei an der Kehle und wehrte dessen Schwerthieb mit einem Dolch ab. Sogleich schlug er ihm ein paar mal ins Gesicht, damit er das Schwert fallen ließ, was auch geschah und zerrte ihn dann an sich heran, hielt den Dolch an seinen Hals.

„Mrs Kelly! Hören Sie endlich auf, den Kriegern Befehle zu geben, oder ich bringe diesen Mann hier um!“
„Sergei!“, schrie Hendrik panisch.
Ganz benommen von den Schlägen taumelte Sergei, klammerte sich an Professor Nadir. Er war zu schwer für den Professor, um ihn festzuhalten und er grapschte vergeblich nach Halt an dessen Körper herum, ehe er an ihm hinab rutschte und frontal auf den Boden plumpste. Nochmals schrie Hendrik nach Sergei. Professor Nadir räusperte sich, stellte seinen Fuß auf die liegende Gestalt und nahm einem der Krieger das Schwert ab, um es Sergei in den Nacken zu halten. „Die Drohung bleibt bestehen, Mrs Kelly.“

Die rothaarige Frau stand von ihrem Thron auf und hob die Arme. „Okay! Ich gebe auf!“
Hendriks Kopf schnellte ungläubig zu ihr herum. „Was?!“
„Aber Sie werden meinen Freunden nichts tun!“
„Warum sollte ich, wenn sie hierbleiben?“, fragte Professor Nadir, gab den Befehl die zwei Männer in die Grube am Rande des Raumes zu werfen. Protestierend versuchte Hendrik sich zu wehren, wurde aber dennoch in eine mit Sand bedeckte Grube geworfen, in der sie Sergei bereits geworfen hatten. Er lag auf dem Bauch. Sogleich eilte er an ihn heran, um nach ihm zu sehen.
„Warten Sie, Professor. Was passiert hier mit ihnen?“
„Der Sand der Zeit wird sich um sie kümmern“, sagte der Professor, legte einen Hebel neben dem Thron um und griff nach Caitlin, um sie mit sich zu ziehen.

Über der Grube öffnete sich eine Luke, durch die Sand herunter rieselte. Hendrik schnellte von seinem Platz weg und schüttelte das Haar aus, da ihm der Strahl direkt auf dem Kopf getroffen hatte. Ein kleiner, pyramidenartiger Hügel bildete sich, an dem Ort, wo er zuvor gesessen hatte.
„Sergei! Wir müssen hier raus!“, rief Hendrik panisch.

Caitlin versuchte sich aus dem Griff zu befreien, erblickte bei einer Empore einen schwarz maskierten Mann. Vom Körper her war es ein Mann. Er sprang mit Leichtigkeit auf den Boden herunter, schlich hinter ihnen her und fasste zwischen den Fingern rechts und links je einen Wurfstern.
„Ninjas? Hier?“, fragte sie perplex. Professor Nadir drehte sich herum und erblickte den schwarz maskierten in enger schwarzer Kleidung.
„Hab ich dich endlich gefunden!“, rief der schwarz gekleidete Mann aus. Er hatte einen Italienischen Akzent. „Nun wirst du bezahlen. Für den Tod meines Vaters bist du des Todes!“
Caitlin blickte fragend und widerrief stetig Professor Nadirs Befehle, ihn zu schützen. Der Ninja Krieger warf einige Wurfsterne, die einige der Krieger ausschalteten. Schließlich war keiner rechtzeitig zum Schutz da und der Ninja Krieger warf erfolgreich einen Wurfstern. Er blieb in der Stirn von Professor Nadir stecken. Der Professor fiel um.

Caitlin rannte zur Grube.
„Sergei! Wir müssen hier raus!“, rief Hendrik zum siebten Mal panisch.
Der Russe sprang auf die Füße, rief in seiner Landessprache „Ich hab es!“ und zog unter seinem lose über die Hose hängendem Hemd ein Pergament Buch hervor. Hendrik starrte ihn an, dann zu dem Rand der Grube an den Caitlin gelangt war.
„Ich wusste es!“, rief sie aus, sprang zu ihnen herunter.
Hendrik streckte vergeblich die Arme zu ihr aus. „Oh, nein, wir müssen hier raus, nicht rein!“
Eifrig nahm Caitlin das Buch zur Hand und las darin.
„Woher hast du gewusst, dass Sergei es schafft?“, fragte Hendrik.
„Dieses Begrabbeln war doch mehr als auffällig!“, sagte sie belustigt, las.
„Wie bist du dem Professor entkommen?“
„Da war so ein Ninja, der will ihn umbringen, weil er seinen Vater umgebracht hat, oder so.“
Hendrik blinzelte ungläubig, sah dann hoch. Am Rand der Grube stand ein schwarz gekleideter Ninja Krieger in Pose.
„Für die Ehre meines Vaters der vor 10 Jahren durch diesen Mann den Tod fand!“, sagte der Mann.

Hinter ihm tauchte Professor Nadir auf, den Stern noch in der Stirn, und trat den Ninja Krieger mit dem Fuß über die Kante.
Sergei fing ihn auf, brach unter ihm zusammen. Sie blieben übereinander liegen.
„Oh, nicht schlecht, so ein hautenger Anzug“, murmelte Sergei, spürte an seinem Schritt eine deutliche Wölbung. Hendrik zerrte den Ninja Krieger von Sergei auf die Füße.

„Dann sterbt ihr eben alle!“, rief Professor Nadir von oben.
„Ich werde hier nicht sterben, denn ich bin die Prinzessin! Die Krieger werden bei mir bleiben und mich beschützen!“, rief Caitlin und setzte sich auf den Boden, hinter den Sandhügel und las in dem Buch.
„Und wie sollen die das machen?“, fragte Hendrik, trat von dem Sandhügel weg, der langsam um Caitlin herum floss.
Professor Nadir zog den Stern aus der Stirn und wankte etwas, als ein dünner Blutstrahl herausschoss. Er klebte ein Pflaster drauf.
Der Ninja Krieger lief die Wand der Grube hinauf und auch Professor Nadir verschwand aus dem Blickfeld.
Entschlossen rief Caitlin die Krieger zu sich, sagte ihnen, sie sollen eine Treppe bauen. Mehr und mehr kamen heran, sie hörten Professor Nadir fluchen, da es ihm an Unterstützung mangelte. Bald waren alle Krieger in der Grube und einer hob Caitlin auf und trug sie von da weg, andere bildeten die Treppe. Schmunzelnd las Caitlin, glücklich über die Entschlossenheit der Krieger.
Was sie nicht schmunzeln ließ, waren Inhalte in dem Buch.

Somit erklärte sich ihr zwar nicht, warum die Befehle auf Pergament geschrieben waren, das die Kelten wohl nicht kannten. Allerdings hieß es dort, dass die Familie, die die Krieger rufen konnte, verflucht sei. Die Krieger waren ihr Fluch. Caitlin fand das eigentlich auch. Wenn jeder denen befehlen konnte, hatte man mehr Chaos als normalerweise. Auch stand dort, dass große Macht auch einen großen Preis hatte. Gleich darunter stand, der Befehl, die alle wieder aufzulösen.

Die Krieger setzten Caitlin oben am Rand der Grube ab und versammelten sich wieder um sie. Hendrik und Sergei traten gerade von der Treppe aus Menschen herunter auf den festen Stein.
Unter dem Befehl stand, dass der, der es beendet auch zu der Familie gehören muss und...
„Das er dabei sterben wird.“ Caitlin stand auf. Es waren vielleicht 250 Krieger um sie herum.

Professor Nadir hatte den Fuß auf den Ninja Krieger gestellt und war gespickt mit Wurfsternen. Er erschrak, als er das Buch in ihren Händen sah, tastete unnötigerweise an seine Tasche.
„Sie haben es gestohlen!“, schrie er erregt, zog einen Stern aus seinem Kopf und taumelte.
„Ich kann es beenden und alle Krieger verschwinden wieder!“, rief Caitlin. „Auch wenn ich dabei sterben werde!“
„Sind Sie wahnsinnig?!“, rief Professor Nadir aus, warf einen weiteren Stern von sich und klebte ein Pflaster über die Wunde. „Ich bin hier gleich fertig, dann reden wir...“, warf er ein, überklebte ein weiteres blutendes Loch und wankte. „Oje, ich kann kein Blut sehen...“, murmelte er und fiel um.
Caitlin sah die anderen an, der Ninja stand auf, stellte nun seinerseits den Fuß auf Professor Nadir.
„Gewonnen, für die Ehre meines Vaters!“

„Was soll das heißen, dass du stirbst, wenn du die zurückrufst?“, fragte Hendrik. Sergei kratzte sich am Kopf und sah auf die beiden Männer vor sich.

Sie atmete tief durch und sagte: „Das ist der Fluch. Ein Ägypter hat meine Vorfahren verflucht und nun habe ich diese Krieger um mich, bis ich sterbe. Oder so, ganz verstanden habe ich es nicht.“
Sie sah ins Buch. „Also, die können nach Jahren verschwinden, glaube ich, aber wenn ich sie zurückrufe, sterbe ich.“
„Und das glaubst du?“, fragte Sergei. Sie sah ihn böse an, daher fügte er ein Mrs Caitlin an.
„Sie sind entstanden, weil ich sie gerufen habe, ich denke schon dass ich dem Rest auch glauben kann.“
„Können die uns hier raus bringen?“, fragte Hendrik.
Caitlin legte den Kopf schief. „Aber sicher!“
„Nehmen wir den da mit?“, fragte Sergei, zeigte auf Nadir.
„Aber sicher nicht“, sagte Caitlin. „Er kann zu Fuß gehen.“
„Und den Ninja?“, fragte Hendrik.
Sie sah ihn an, zuckte die Schultern. „Warum nicht?“


Einige Tage später machten die Krieger die Ausgrabungen, während die bezahlten Ausgräber vor ihnen geflohen waren. Hendriks Wunden waren verbunden und sie trugen sauberer Kleidung und waren gewaschen. Sie hatten vom Tode von Professor Keston erfahren und waren auf dem Weg zurück nach Europa. Zornig schimpfte Caitlin gerade mit einem der Krieger, der die Mumie einfach aus dem Weg geworfen hatte, um vernünftig graben zu können, anstatt die Ausgrabung vorsichtig zu behandeln.

Hendrik kicherte darüber, warf seinen Koffer auf die Ladefläche des Autos.
„Das ist wirklich ein Fluch, diese Krieger!“, sagte Sergei, warf dem neben sich stehenden Ninja einen Blick zu, der das Theater an der Ausgrabungsstätte schweigend beobachtete.
Hendrik erklärte: „Dem Papier nach zu folgern, auf dem dieses Buch geschrieben ist, waren es wohl Ägypter, die diese keltische Familie verflucht hatten. Die Krieger verschwinden nach Jahren auch von allein, ansonsten kann man sie nur vernichten, wenn man sein Leben dafür opfert.“
„Ob das den Kelten damals bewusst war?“
„Bestimmt. Sie sind bis hier her gewandert, vielleicht weil sie mit den Kriegern nur Ärger hatten.“
„Immerhin musste ein Teil der Familie überlebt haben, da Caitlin es ja auslösen konnte. Warte mal, wenn dieser Fluch vor 3000 Jahren gesagt wurde und jede Generation 20 Jahre zählte, dann muss Caitlin die Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-,Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-...“
„Fahr das Auto“, warf Hendrik ein, setzte sich auf den Beifahrerplatz. Der Ninja sprang auf die Ladefläche. Sergei ging um das Fahrzeug herum und zählte dabei weiter Ur- auf, an den Fingern abzählend. Er setzte sich ans Steuer und fuhr los, zählte weiterhin: Ur- auf, bis Hendrik glaubte, ihn erschlagen zu müssen ehe er nach 150 Ur- endete: „...Ur-Enkelin dieser Familie sein. Das das so lange wirkt ist doch echt erstaunlich, oder?“
„Ja, unglaublich“, sagte Hendrik resigniert.
„Und das ausgerechnet Caitlin ein Nachfahre der Familie ist, ist doch auch irre, oder?“
„Ja, sehr“, murmelte Hendrik. Wahrscheinlich waren die eh alle miteinander verwandt, die auf der Insel. Er kicherte.
„Was ist so lustig?“, fragte Sergei.
„Ach nichts“, sagte Hendrik und sah ihn an, zeigte mit dem Daumen hinter sich. „Was machen wir mit dem Ninja?“
„Was für ein Ninja?“, fragte Sergei, fuhr auf der unter Sand kaum sichtbaren Straße entlang.
„Und die Pyramidenkopie?“
„Was für eine Pyramidenkopie?“
Hendrik kicherte. Das war wirklich die beste Lösung. Warum sich Gedanken darum machen? Er wollte nichts sehnlicher, als zurück nach Hause kommen. Egal ob mit oder ohne Ninja.
Sergei und Hendrik lächelten sich an und blickten dann hinaus auf den Sand Chinas unter dem vielleicht noch viel mehr Schätze ruhten als ein Haufen keltischer Mumien, ein mysteriöses ägyptisches Buch und die Kopie einer Pyramide.



Ende
Diese Geschichte findest du unter http://boyxboy.de/efiction//viewstory.php?sid=1293