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Die homofizierte Version einer ladinischen Sage über die Entstehung der Dolomiten. Es geht um Sehnsucht und Heimweh.

Genres: Fantasy, M/M (yaoi)
1. Warnung: Keine
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine
Challenges: Märchen Challenge

Kapitel: 1     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

Wörter: 1992     Klicks: 5959
Veröffentlicht: 27/07/14 Aktualisiert: 27/07/14
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Anmerkungen zur Geschichte
Meine Lieblingssage. Ich hoffe, sie gefällt euch. Über Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen. Smiley

Danke an Chiyuki und Niemue für das Korrekturlesen.
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1. Die bleichen Berge

Es war einmal ein Königreich südlich der Alpen mit prächtigen grünen Wiesen, dichten Wälder und tiefschwarzen, hohen Bergen. Den Bewohnern des Reiches fehlte es an nichts und sie waren glücklich, außer dem Königssohn. Obwohl er alles hatte, was man sich vorstellen konnte, wünschte er sich aus tiefstem Herzen, den Mond zu besuchen. Freilich konnte ihm niemand diesen Wunsch erfüllen, und so verbrachte er die Vollmondnächte oft außerhalb der Schlossmauern, um den Mond zu bewundern. Jedoch blieb seine Sehnsucht ungestillt und der Mond schien unerreichbar weit entfernt. Da er bei seinem Volk sehr beliebt war, sorgte es sich bald um ihn.

Eines Nachts, während er wieder einmal schlaflos und betrübt durch die Wälder seines Königreichs streifte, verirrte er sich. Als es immer dunkler wurde, stellte er fest, dass es keinen Zweck hatte, weil er den Heimweg ja doch nicht fand. Schließlich kam er auf eine Lichtung, die voller schöner, blühender Alpenrosen* war. Aber das bemerkte er nicht. Er war nämlich so erschöpft, dass er sich unter dem hellen Mondlicht auf die Wiese legte und schon nach wenigen Atemzügen in das tiefe Land der Träume entglitt. In seinem Traum sah er einen bildhübschen, jungen Mann, den er zuvor noch nie gesehen hatte. Er saß auf einem Thron. Die ganze Umgebung war strahlend weiß, das einzig Farbige war der Strauß roter Alpenrosen in seiner Hand. Als er die bewundernden Blicke des Fremden bemerkte, die dieser auf seine Rosen geworfen hatte, schenkte er sie ihm. Er sei der Mondprinz, sagte der junge Mann, den ein heller Schimmer zu umgeben schien.

Doch genau in diesem Augenblick erwachte der Königssohn aus seinem Traum. Wehmütig versuchte er sich vorzustellen, wie es wohl wäre, wenn er wirklich dem Mondprinzen begegnete, was ihn erneut tieftraurig stimmte. Schließlich sah er sich genauer um, wo er eingeschlafen war, und pflückte ein paar der schönen Alpenrosen. Langsam machte er sich wieder auf den Weg zurück ins Schloss, als er auf einmal auf zwei uralte Männer traf, die um eine seltsame, silbern schimmernde Blechbüchse herumstanden. Sie sagten, sie seien Mondmänner und gerade dabei, ihren Heimweg zum Mond anzutreten. Als sie von seinem sehnlichsten Wunsch hörten, den Mond zu besuchen, boten sie ihm an, ihn auf ihre Reise mitzunehmen. Doch sie warnten ihn auch, dass ein Mensch nicht allzu lange auf dem Mond verweilen könne, ohne zu erblinden. Denn dort sei alles strahlend weiß und von einem silbernen Glanz überzogen. Umgekehrt könne jedoch auch ein Mondbewohner nicht allzu lange auf der Erde verbleiben, denn die tiefschwarzen Felsen stimmten ihn traurig, gäben ihm das Gefühl, erdrückt zu werden und er werde krank vor Heimweh. Wenn er dann nicht zum Mond zurückkehre, würde er aus tiefer Sehnsucht nach dem Mond sterben.

Als der Königssohn auf dem Mond ankam, staunte er über die herrliche Landschaft, die genauso war, wie die Mondmänner es gesagt hatten, nämlich strahlend weiß. Die Wiesen bestanden alle aus kleinen, weißen, sternförmigen Blümchen, die er noch nie zuvor gesehen hatte, die Häuser waren aus weißem Marmor erbaut; alles war von einem silbernen Schimmer überzogen. Bewundernd ging er durch die Landschaft, als er auf den ersten Mondbewohner traf. Der sah die roten Alpenrosen in der Hand des Erdenprinzen und staunte über die auf dem Mond unbekannte Farbe der Blumen. Er führte ihn schließlich zum Palast des Mondkönigs, einem alten Mann mit weiß-silbernem Bart. Neben diesem sah der Königssohn den wunderschönen jungen Mann aus seinem Traum wieder. Der Mondprinz war sichtlich angetan von den schönen und unbekannten Alpenrosen in seinen Händen. So wurde der Erdenprinz eingeladen, als Gast im Palast zu verweilen. Er fand zunehmend Gefallen an der Mondlandschaft und am Mondprinzen, doch nach einiger Zeit bemerkte er, wie das strahlend weiße Licht sein Augenlicht angriff. Da er befürchtete zu erblinden, trat er die Reise zur Erde an. Begleitet wurde er vom Mondprinz, der sich mittlerweile in ihn verliebt hatte.

Im Königreich auf der Erde sprach sich bald herum, dass der Prinz jemanden mitgebracht hatte, den ein heller, weißer Glanz umgab. Seine Untertanen staunten über den Mondprinzen und seine Schönheit. Der Mondprinz hatte außerdem einige der weißen Blumen vom Mond mitgebracht, die er nun überall pflanzte. Die Bewohner des Königreiches waren so entzückt und verzaubert von der Schönheit dieser außergewöhnlichen Blume, dass sie sie „Edelweiß“ nannten.

Da es in seiner Heimat auf dem Mond keine mit bunten Blümchen überzogene und farbenfrohe Wiesen gab, gefiel es dem Mondprinzen auf der Erde sehr. Trotzdem bemerkte der Königssohn eines Tages, wie sein Geliebter gedankenverloren und wehmütig zum Mond schaute. Als er ihn darauf ansprach, gestand ihm der Mondprinz schließlich, dass er große Sehnsucht nach dem Mond hatte. Ihm gefiel die Landschaft zwar sehr, aber die dunklen Felsen machten ihm Angst und er fühlte sich davon erdrückt. Der Prinz erschrak, denn er dachte an die Warnung der Mondmänner, dass es ein Mondbewohner nicht lange auf der Erde aushielt und an der Sehnsucht nach dem Mond sterben müsse. Mit der Zeit wurde diese Sehnsucht immer schlimmer, aber niemand wusste einen Rat oder konnte ihm helfen, auch nicht die besten Ärzte und Heiler, die von weither geholt wurden. So musste der Mondprinz nach Hause zum Mond zurückkehren. Obwohl das Volk versuchte, den Königssohn zu überzeugen, auf der Erde zu bleiben und ihn vergeblich an seine königlichen Pflichten zu erinnern versuchte, begleitete der Königssohn seinen Geliebten auf den Mond, ohne sich um die Wünsche und Sorgen seines Volkes zu kümmern. Dort angekommen, erholte sich der Mondprinz glücklicherweise rasch, doch der Königssohn sah wegen des hellen weißen Lichts mit jedem Tag weniger und weniger. Um sein Augenlicht nicht völlig zu verlieren, musste er zur Erde zurückkehren, jedoch ohne seinen geliebten Mondprinzen.

Die Erkenntnis, dass die Situation aussichtslos war und die beiden zu unterschiedlich waren, um gemeinsam an einem Ort zusammenleben zu können, traf den Erdenprinzen mitten ins Herz und stimmte ihn unsagbar traurig. Seine Sehnsucht nach dem Mond traf ihn nun heftiger denn je. Da er es in seinem Königsschloss nicht mehr aushielt, verließ er es, wandte sich von seinem Volk ab und stieg auf die umliegenden Berge hinauf. Dort blieb er, wo er meist gedankenversunken den Mond betrachtete und von seinem Geliebten träumte.

Eines Tages traf er auf dem Berg, wo er seine Zeit verbrachte, einen kleinen Mann mit einer prunkvollen goldenen Krone und einem langen silbernen Bart, der sich als König der Salwàns** vorstellte und ihm die tragische Geschichte seines Volkes erzählte. Sein Königreich lag schon seit ewigen Zeiten im fernen Osten, alle Bewohner waren glücklich und der Handel mit den benachbarten Völkern gedieh prächtig. Eines Tages jedoch wurde es von einem fremden Volk angegriffen. Die gewalttätigen Eroberer töteten zahlreiche Salwàns und verwüsteten das komplette Königreich, sodass sie es verlassen mussten. Seitdem zogen sie von Königreich zu Königreich, um eine neue Bleibe zu finden, jedoch erfolglos. Endlich wurden sie in einem fernen Land aufgenommen, aber im Gegenzug mussten sie sehr schwere Arbeiten verrichten, was die tragischen Folge hatte, dass viele Salwàns sich zu Tode schufteten oder fliehen mussten, so wie ihr König.

Auch der Prinz klagte dem König der Salwàns sein Leid. Als er seine Erzählung beendet hatte, rief der König der Salwàns: „Prinz, freue dich, wir sind beide gerettet!“ Der Prinz reagierte verwundert, daher erklärte ihm der König der Salwàns, dass der Mondprinz wahrscheinlich nur deshalb auf den Mond zurückkehren musste, weil er dauerhaft die dunklen Berge nicht ertrug. Wenn aber die Berge dieselbe Farbe hätten wie der Mond, so hätte der Mondprinz keine Mondsehnsucht mehr. So schlug ihm der Zwergenkönig vor, die Berge mit demselben Weiß zu verkleiden, das der Farbe des Mondes entspräche. Im Gegenzug bat er, seinem Volk in seinem Königreich eine neue Heimat zu geben, denn auf diese Weise sei ihnen beiden geholfen. Der Prinz konnte sich nicht recht vorstellen, wie sie das bewerkstelligen wollten, aber er willigte ein, weil der König der Salwàns so zuversichtlich klang.

Gemeinsam gingen sie zum König, um ihre Bitte vorzutragen. Auch der König war zunächst skeptisch, doch als der Zwergenkönig erklärte, dass er und sein Volk niemals Anspruch auf die grünen Wiesen und fruchtbaren Tallandschaften geltend machen, sondern sich mit den Wäldern und Felsen begnügen würden, gestattete er ihm den dauerhaften Aufenthalt in seinem Reich. Der König der Salwàns brach sogleich auf, um sein Volk in ihre neue Heimat, zu holen. Als schließlich alle Salwàns einen Unterschlupf hinter Wasserfällen, unter Felsvorhängen und in Waldhöhlen gefunden und eingerichtet hatten, verkündete ihr König, dass sie in der darauffolgenden Nacht mit ihrer Arbeit beginnen würden.

Kurz nachdem der Mond aufgegangen war, stellten sich die Zwerge auf die Berggipfel des Reiches und vollzogen seltsame Handlungen mit ihren Händen. Als der Königssohn fragte, was diese Gesten bedeuteten, antworteten sie, dass sie nun den Mond spinnen würden. Tatsächlich, nach einer Weile konnte er einen hellen weißen Lichtfaden sehen, der direkt vom Mond zu kommen schien und durch ihre Hände glitt. Sie zupften die Fäden vom Mond und umwickelten damit die Berge in eine Art Lichtnetz. Am Ende zogen sie die Fäden stramm, um auch die letzten dunklen Flecken zu bedecken. So hatten sie in nur einer Nacht die Berge des ganzen Reiches in das Weiß des Mondes gekleidet.

Der Prinz reiste sofort auf den Mond und bat seinen Geliebten, zurück auf die Erde zu kommen. Er habe nur für ihn eine weiße Welt erschaffen, damit ihn nie wieder die Mondsehnsucht überkomme. Der Mondprinz, der mittlerweile vor Liebeskummer todkrank war und im Sterben lag, wurde allein durch diese Worte wieder gesund. Nach einigen Tagen ging es ihm wieder so gut, dass er den Königssohn zurück auf die Erde begleiten konnte. Als er sah, wie die nun bezaubernde Landschaft des südlichen Alpenlandes die farbenprächtige Welt der Erde mit dem strahlenden Weiß der Welt des Mondes vereinte, überkam ihn die reinste Freude und er weinte vor Glück. Ihn überkam nun nie wieder die Sehnsucht nach seiner Heimat, denn nun war es im Königreich dank der bleichen Berge viel schöner als auf dem Mond. Nun, da die beiden Geliebten vereint waren, kehrte auch langsam das Glück in das Königreich wieder ein.

Die bleichen Berge gibt es heute noch. Man nennt sie Dolomiten. Zwar leben die Salwàns noch immer in ihren Höhlen und Waldunterschlüpfen, aber das Königreich als solches ist schon längst zerfallen. Von den Bergen selbst jedoch geht immer noch das tiefe Heimweh des Mondprinzen aus, denn wer einmal in den Dolomiten war, den überkommt eine solche Sehnsucht, dass es ihn wieder dorthin zurückzieht.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

*Alpenrose: Ihr wissenschaftlicher Gattungsname „Rhododendron“ bedeutet übersetzt “Rosenbaum“, allerdings hat die Alpenrose leider gar nichts mit Rosen zu tun. Die Alpenrose ist ein Heidekrautgewächs. Im Volksmund wird sie als „Almrose“ bezeichnet. In den Alpen gibt es zwei Arten: die bewimperte Alpenrose, die nur auf kalkhaltigen Böden wächst, und die rostblättrige Alpenrose, die sauren Boden bevorzugt. Alpenrosen wachsen etwa auf einer Höhe zwischen 1500 und 2500 Metern. Beide Arten sind giftig und stehen unter Naturschutz.

**Salwàns (ladinisch) = Zwerge, Höhlenbewohner, Waldbewohner

Das Edelweiß wird auch gerne Alpenstern genannt.
Dolomitgestein ist weiß.

In der Originalfassung ist der Mondprinz eine Mondprinzessin Zwinkernd
Aktualisiert: 27/07/14
Veröffentlicht: 27/07/14
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Chiyuki am 27/07/14 20:25
Achja ^^ ich bin verliebt in diese Geschichte Smiley



Antwort der Autors Schmetterling (27/07/2014 20:29):
Danke sehr *flausch* Küsschen.
Die bleichen Berge
Nika am 30/07/14 14:58
Sehr schön und süß.
Erinnert mich vage an die Sage von Tanabata.
Vielen Dank.



Antwort der Autors Schmetterling (30/07/2014 15:13):
Danke sehr für dein Review. Ich freue mich, dass sie dir gefallen hat. Ich kenne die Sage von Tanabata zwar nicht, aber das werde ich ändern - ich bin ein ziemlicher Sagen-Fan Smiley
Die bleichen Berge
celticDESIRE am 02/08/14 10:35
Schön geschrieben und die Wehmut bleibt trotzdem bis zum Schluss...




Antwort der Autors Schmetterling (02/08/2014 11:37):
Danke für das Kompliment. Zum Glück hat diese Sage ein Happy End, ich habe gestern andere Sagen gelesen, in denen es auch um Sehnsucht, Heimweh und eine unglückliche Liebesgeschichte ging. Aber leider gehen jene nicht gut aus. Da möchte man als Leser am Ende am liebsten heulen...
Danke für dein Review.
Die bleichen Berge
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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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