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Adventsfragmente

von Snoopy279 [Ab 14 ] [Reviews - 6] (Abgeschlossen)
Aus der Sicht einer Adventskranzkerze Ausschnitte aus der (Vor-)Weihnachtszeit

Genres: Weihnachten, M/M (yaoi)
1. Warnung: Zucker
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine

Kapitel: 7     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

Wörter: 10091     Klicks: 27171
Veröffentlicht: 19/12/17 Aktualisiert: 01/02/18
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Anmerkungen zur Geschichte
Adventskalendergeschichte, die jetzt hier fortgesetzt wird
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1. Der erste Advent

Leise zischte es kurz, eine kleine Flamme, die rasch größer und stetig wurde. Das erste, was sie sah, war grün, Tannengrün, mit roten Äpfelchen, kleinen roten Geschenkpäckchen und goldenen Sternen. Das erste, was sie hörte, war eine entrüstete männliche Stimme: „Du kannst die Kerze doch nicht jetzt schon anzünden, Theo, es ist morgens und schon hell draußen!“ Das erste, was sie spürte, war ein Windzug, als der zur Stimme dazugehörige Kopf ihr sich näherte. Kurz drohte sie das Bewusstsein wieder zu verlieren, aber dann entfernte sich der Kopf von ihr und eine andere Stimme antwortete trotzig: „Heute ist der erste Advent, und ich mache die Kerze immer schon zum Frühstück an. Lass die gefälligst brennen, Andre!“

Nachdem sie sich vom ersten Schock erholt hatte, richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf die Stimmen. Es waren zwei noch recht junge Männer, wohl Anfang zwanzig. Der eine war recht klein, eher schmal, hatte wilde, dunkelbraune Wuschellocken und starrte den anderen mit wütendem Blick sowie in die Seiten gestemmte Arme an. Das musste Theo sein, der blonde Schopf mit den glatten Haaren war nämlich der, der sie eben bedroht hatte. Andre war etwa zwanzig Zentimeter größer als sein Partner und auch deutlich muskulöser gebaut. Er schaute Theo mit leichter Missbilligung an, schien dann aber einzusehen, dass er gegen das Energiebündel vor ihm keine Chance hatte. Seine Gesichtszüge wurden rasch weicher und er beugte sich zu einem Kuss vor. Sobald Andres Lippen seine berührten, wich jede Abwehr aus Theos Körper und er schlang seine Arme fest um seinen Freund.

Nachdem die Meinungsverschiedenheit geklärt war, räumten die beiden einhellig weitere Dinge wie Tassen, Teller, Brötchen und Aufstrich auf den Tisch, auf dem sie auch stand. Gemütlich frühstückten die beiden. Im Hintergrund lief leise Weihnachtsmusik. Jetzt hatte sie Zeit, in Ruhe auch den Rest des Zimmers wahrzunehmen: die Küchenzeile mit Kühlschrank und Backofen, das Fenster, an dem ein Rentier hing, das wohl in der Dunkelheit leuchten würde, und an der Wand hingen zwei große, aufwändig gestaltete Strohsterne. Neben dem Tannengrün duftete es nach Mandarinen, Zimtstangen und frischen Brötchen. Insgesamt war die Küche dezent weihnachtlich zurecht gemacht und sehr klein, aber gemütlich.

„Wollen wir heute Nachmittag Plätzchen backen?“, fragte Theo. Kurz guckte Andre skeptisch, nickte dann aber zustimmend. „Okay, wenn wir alles notwendige da haben. Ich freue mich schon auf die frischgebackenen Plätzchen.“ „Prima“, antwortete Theo und wirbelte direkt durch die Küche, legte mehrere Bücher vor Andre und setzte sich wieder. Warum konnte der die Bücher nicht ganz sachte hinlegen? So musste sie wieder im Windzug flackern und zittern. Zum Glück blätterte Andre ruhig und gelassen in den Büchern, als er nach passenden Rezepte suchte. Als er fertig war, gab er die Bücher ganz langsam und vorsichtig rüber. So machte man das, da sollte sich der kleine Wirbelwind mal ein Beispiel dran nehmen! „Was hältst du von denen? Nussprinten, Haferflockenkekse, Marzipanmonde und Mandel-Nougat-Sterne?“, fragte Andre. „Mhh, lecker... das klingt sehr gut. Ich gehe nochmal schnell die Zutaten durch, um zu schauen, ob wir auch wirklich alles haben.“ Sofort sprang Theo wieder auf, notierte alle Zutaten auf einem Zettel und prüfte dann in den Schränken, ob alles in ausreichender Menge vorhanden war. „Alles da“, verkündete er keine fünf Minuten später stolz, „ich hab Freitag extra alles, was nötig sein könnte, eingekauft.“ Andre schmunzelte, gab seinem Wirbelwind einen Kuss und räumte den Tisch ab.

Bevor sie noch mehr wahrnehmen konnte, kam ein kräftiger Windstoß und sie merkte, wie alles schwarz wurde.



Erst Stunden später erwachte sie wieder zu neuem Bewusstsein. Jetzt war es draußen dunkel, in der Küche brannte eine Lichtleiste über der Küchenzeile. In den wenigen Stunden hatte sich das Bild deutlich verändert: Mehlspuren überall, Schokostreusel, Mandelblättchen, dreckige Ausstechförmchen... Kurz gesagt, die Küche sah aus wie ein Schlachtfeld, es duftete allerdings himmlisch nach frisch gebackenen Plätzchen. Theo war von oben bis unten mit Mehl bestäubt, er hatte sogar ein bisschen Butter an der Nasenspitze kleben. Er tanzte summend durch die Küche, während er die Zuckerdose und andere Dinge hin- und herräumte und noch mehr Chaos verbreitete. Andre, der soeben wieder die Küche betrat, sah deutlich ordentlicher und sauberer aus. Kopfschüttelnd betrachtete er das Bild. „Meinst du nicht, es wäre sinnvoller gewesen, erst aufzuräumen und dann die Kerze anzuzünden?“ „Nein, ohne Kerze ist es zu dunkel“, antwortete Theo. Andre sah seinen Partner kurz fassungslos an. „Ist das dein Ernst? Dann mach doch die große Lampe auch noch an.“ Seine Hand schwebte über dem Lichtschalter. „Das ist aber so ungemütlich“, maulte Theo. „Also gut, du Dickkopf“, gab Andre lachend nach. „Jetzt räumen wir schnell auf, vorher gibt es keine Plätzchen“, ergänzte er dann in ernsterem Tonfall. Theo machte große Augen, fügte sich dann aber.

Eine Viertelstunde später war die Küche wieder in ihrem ursprünglichen Zustand und ein Teller mit den frischen Plätzchen wurde neben dem Adventskranz abgestellt. Andre öffnete seinen Mund, um etwas zu sagen, überlegte es sich dann jedoch anders und nahm einfach einen Lappen. Damit entstaubte er Theo, der sich protestierend hin- und herwandte und gleichzeitig vor lauter Lachen keine Luft mehr bekam. „Lass das... das... das kitzelt“, japste er. „Keine Widerrede, du Dreckspatz. Die Küche ist gerade sauber, da wirst du sie nicht direkt wieder vollsauen“, blieb Andre hart. Erst als er nach einem prüfenden Blick nirgendwo mehr einen Hauch von Mehl erkennen konnte, durfte Theo sich setzen. Zu den Keksen gab es einen Weihnachtstee, der nach Zimt, Orangen und ein wenig rauchig duftete, wie ein gemütlicher Abend vor dem Kamin. Theo und Andre probierten sich durch die verschiedenen Plätzchen. „Mein Favorit sind eindeutig die Mandel-Nougat-Sterne“, beschloss Theo. „Das war mir schon vorher klar.“ Andre überlegte und meinte dann: „Mir schmecken die Haferkekse am besten, wo wir noch ein paar Kokosflocken reingegeben haben.“
„Das stimmt, die sind auch lecker. Um genau zu sein, sind alle gut geworden“, entgegnete Theo.

„An wen wollen wir eigentlich Plätzchen verschenken? Wir sollten auf jeden Fall eine Liste machen und dann entsprechend nochmal backen, die hier reichen nicht aus.“ „Das sind doch vier Dosen voll, vier große Dosen wohlgemerkt“, antwortete Andre fassungslos, korrigierte sich dann aber schnell: „Achja, ich hab ganz vergessen, dass du für jemanden, der so klein ist, die dreifache Menge an Süßkram isst.“ Beleidigt streckte Theo ihm die Zunge raus. Andre konnte nicht widerstehen, schnappte sich seinen Freund und küsste ihn innig. Als sie sich einige Zeit später wieder voneinander lösten, wirkte Theo kurzzeitig desorientiert, als hätte er vergessen, worum es überhaupt ging. Er besann sich jedoch, nahm sich einen Zettel, notierte einige Namen und pinnte ihn mit einem Magneten an den Kühlschrank. „Wenn dir noch jemand einfällt, schreib ihn einfach dazu.“



Kurze Zeit später begann ihr Untergrund zu schwanken und es wurde wieder etwas windiger und zugiger. Zum Glück wurde sie von Andre getragen, bei Theo wäre es vermutlich eine deutlich wackligere Angelegenheit gewesen. Sie durchquerten kurz einen schmalen Raum mit Jacken, Schuhen und Regenschirmen und kamen dann in ein größeres, gemütliches Zimmer mit einem großen Ecksofa und Fernseher. Sie wurde mitsamt ihrem Kranz und ihren noch nicht brennenden Geschwistern auf einem niedrigen Glastisch abgestellt. Nun, da sie wieder auf festem Boden stand, konnte sie erkennen, dass auch dieser Raum dezent weihnachtlich geschmückt war. Es hingen einige weitere Strohsterne an der Wand und einer auch an der Lampe, im Fenster leuchtete ein Schneemann und auf dem Tisch stand eine Schale mit Nüssen und Orangen. Theo und Andre kuschelten sich gemeinsam auf die Couch und schalteten den Fernseher an. Sämtliche Streitereien und Neckereien des Tages waren vergessen. Ihre Liebe und Zuneigung zueinander war deutlich zu erkennen.

Zu diesem Zeitpunkt machte sie eine schreckliche Entdeckung: sie schrumpfte! Sie war schon merklich kleiner als heute morgen, als sie das erste Mal zum Leben erwacht war. Enttäuscht flackerte sie ein wenig. Nicht nur, dass sie keine Chance hatte, ihr Wachsein und Schlafen zu steuern, sondern der Willkür der beiden Männer ausgeliefert war, sie würde auch nur ein kurzes Leben haben. In der Hinsicht war es vielleicht von Vorteil, dass sie zwischendurch aus war. So bekam sie hoffentlich die besonderen Momente mit. Heute hatte sie ja schon viel neues gesehen und viele kleine Momente zwischen Theo und Andre mitbekommen. Daher nahm sie sich ganz fest vor, alles, was sie zu sehen bekam, achtsam wahrzunehmen.
Aktualisiert: 19/12/17
Veröffentlicht: 19/12/17
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TamSang am 21/12/17 13:06
Huhu snoopy!

Oh man, ich bin echt gespannt, was am Heiligenabend geschieht... Obwohl ist ja dieses Jahr am 4. Advent... Vielen Dank für den Einblick in das Leben der ersten Adventskerze... Meine hat ihr Leben nämlich schon am ersten Advent ausgehaucht... Hab schon die dritte Kerze für den ersten Advent an... naja, bei mir brennen die auch jeden Abend und nicht nur am Advent...
Schluss jetzt, sonst schreib ich noch nen Roman...

Grüße und hab ein schönes Fest
Tami



Antwort der Autors Snoopy279 (23/12/17 18:12):
Hey Tami,

da die Geschichte für letztes Jahr schon geschrieben wurde (und dann leider auf dem Weg zum Kalender im Internet verloren ging), hat die Kerze hier eine deutlich längere Adventszeit gehabt (und wurde nur sparsam benutzt, deshalb hat sie auch die ganze Geschichte durchgehalten)

Vielen Dank für dein Review und frohe Weihnachten (und du darfst gerne auch einen Roman schreiben, ich lese gerne Zwinkernd )
Liebe Grüße, Snoopy
Der erste Advent
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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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