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Frühlingsgefühle

von Snoopy279 [Ab 12] [Reviews - 2] (Abgeschlossen)
Max ist ziemlich verwirrt, als sein bester Freund Gerrit ihm verkündet, statt Ostern sollten sie lieber die Ursprünge davon feiern. Was meint er damit nur? Aber letzten Endes ist es auch egal, denn Max ist seit gefühlten Ewigkeiten total in ihn verknallt und macht sowieso dabei mit...

Genres: Reale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Zucker
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine

Kapitel: 1     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

Wörter: 3461     Klicks: 12217
Veröffentlicht: 31/03/18 Aktualisiert: 31/03/18
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Anmerkungen zur Geschichte
Hallo ihr Lieben,

hier kommt wie angekündigt der nächste OS aus der Jahreszyklus-Reihe. Ich muss zugeben, dass die leider schlecht übers Jahr verteilt sind... irgendwie klumpen die gerne zu zweit zusammen Lächelnd
dementsprechend kommt am 02.04., also Ostermontag, der eigentliche Oster-OS. Heute mal was anderes... Was genau, werdet ihr ja lesen. Viel Spaß dabei!

lg, Snoopy
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1. Wenn Träume wahr werden

„Schatz, du kommst ja heute Abend mit in die Messe, nicht wahr?“
Fassungslos sehe ich meine Mutter an. Nicht nur, dass sie es nicht lassen kann, mich immer noch wie ein kleines Kind Schatz zu nennen, obwohl ich Mitte zwanzig bin. Sie sollte nach etwa acht Jahren wirklich realisiert haben, dass ich nicht mehr in die Kirche gehe, völlig egal, ob einfach nur Sonntag, Weihnachten oder wie heute Ostern ist.
„Nein, Mama, ich werde nicht mitkommen.“ Bewusst betone ich das „nicht“, ahne aber schon, dass sie das einfach verdrängen und mich im Laufe des Tages noch mindestens zwei Mal fragen wird. Als ob ich ihr zuliebe meine Meinung doch noch mal ändern würde.
Genervt schaue ich auf die Uhr, kurz nach zehn. Noch gut drei Stunden, bis ich endlich hier raus bin und Gerrit wiedersehe.

Obwohl wir uns erst Dienstag das letzte Mal gesehen haben, vermisse ich ihn wie wahnsinnig. Ehrlich gesagt vermisse ich ihn ständig, seit ich meinen Abschluss gemacht habe und wir uns nicht mehr sechs Tage die Woche sehen können, weil ich damals meine Ausbildung begonnen habe und er sein Abitur gemacht hat. Wir waren zwar seit der Grundschule auf verschiedenen Schulen, aber die Realschule liegt gleich neben dem Gymnasium und wir haben uns jede Pause getroffen und sind zusammen hin- und zurückgegangen. Anschließend waren wir meist bei einem von uns und haben zusammen Hausaufgaben gemacht, bevor wir gespielt haben. Unsere Eltern haben das nie unterbunden, weil sie wussten, dass Gerrit schon dafür sorgt, dass wir tatsächlich auch Hausaufgaben machen. Ich selbst hätte die nur zu gerne weggelassen.

Vermutlich hat alles angefangen, als wir uns im Kindergarten kennengelernt haben. Schon damals hat Gerrit ständig etwas von den Planeten und Sternen erzählt. Die anderen Kinder haben lieber miteinander gespielt, als ihm zuzuhören, aber ich war vom ersten Moment an fasziniert, obwohl ich kein Wort verstanden habe. Daran hat sich bis heute nichts geändert, schließlich hat Gerrit sich nach seinem Physikstudium endgültig für seinen heißgeliebten Schwerpunkt entschieden und promoviert jetzt in Astronomie. Damals war es für mich auf jeden Fall Liebe auf den ersten Blick, obwohl ich das erst gut zehn Jahre später erkannt habe. Leider spielt das keine Rolle, denn Astrophysik scheint Gerrits einzige große Liebe zu sein. Immerhin muss ich ihn so nicht noch mit einer Frau oder irgendeinem Kerl teilen.

Auf jeden Fall habe ich ihn zehn Jahre lang nie länger als zwei oder drei Tage am Stück nicht gesehen, weil unsere Eltern schnell festgestellt haben, dass mit einem von uns alleine im Urlaub nichts mehr anzufangen war. Daraufhin haben wir entweder mit beiden Familien zusammen Urlaub gemacht oder abwechselnd mal mit meinen, mal mit seinen Eltern. Seit dem Ende dieser zehn Jahre habe ich es jedoch bis heute nicht geschafft, mich umzugewöhnen, obwohl es jetzt fast genauso lange her ist, dass wir uns maximal zwei bis drei Mal die Woche sehen. Und obwohl ich weiß, dass das für andere Freundschaften und selbst Beziehungen noch verdammt oft ist, reicht es mir nicht annähernd. Eigentlich würde ich gerne mit ihm zusammenwohnen, doch da wir zu verschiedenen Zeitpunkten umgezogen sind, hat es sich anfangs einfach nicht ergeben und später hab ich mich nicht getraut, es vorzuschlagen. Wie soll ich denn meine Gefühle vor ihm verheimlichen, wenn wir zusammen wohnen? Das ist unmöglich und deshalb leider auch keine Lösung.



Irgendwie habe ich es geschafft, die Stunden totzuschlagen, keine Ahnung, wie genau. „Ich bin dann weg“, sage ich und gehe durch die Tür. Leider bin ich trotzdem nicht schnell genug. „Wohin gehst du denn jetzt, Maximilian?“ Mit einem Augenverdrehen wende ich mich meiner Mutter zu. Mein voller Name ist auch nicht besser als Schatz. „Zu Gerrit.“
„Aber warum? Ihn siehst du doch ständig und uns besuchst du nur so selten“, jammert sie sofort.
Hmm, ja, woran könnte das wohl liegen? Ach ja, weil ich es hier keine zwei Tage mehr am Stück aushalte. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich eine schreckliche Kindheit hatte oder so, im Gegenteil. Nur leider fällt es insbesondere meiner Mutter extrem schwer, zu akzeptieren, dass ich erwachsen bin und ein eigenes Leben habe. Außerdem versucht sie ständig, mich mit irgendwelchen Frauen zu verkuppeln, weil die Tatsache, dass ich schwul bin, auch zu den Themen gehört, die sie nicht wahrhaben will. Mein Vater hält sich aus allem zurück und lässt sie machen, sodass ich eben alleine mit ihr fertig werden muss und entsprechend schnell flüchte.

„So oft sehe ich ihn auch nicht. Ich muss jetzt aber auch wirklich los“, weiche ich aus und gehe einfach. Ansonsten stehe ich in zwei Stunden noch hier und diskutiere mit ihr!
Rasch mache ich mich auf den Weg. Es sind keine zehn Minuten bis zu ihm. Marianne, seine Mutter, macht mir die Tür auf, noch bevor ich klingeln kann.
„Hallo Max, schön dich zu sehen.“ Sie umarmt mich kurz. „Geht es dir gut?“
„Ja, danke. Und selbst?“
„Meistens. Manchmal zwicken die Knie ein bisschen, aber so ist das im Alter eben. Naja, du bist sicherlich nicht meinetwegen gekommen. Gerrit ist in der Sternwarte, du kennst ja den Weg.“
Dankbar lächle ich Marianne an. Nicht zum ersten Mal wünsche ich mir, meine Mutter wäre ihr zumindest etwas ähnlicher, aber das ändert ja auch nichts. Oben mache ich die Tür zur Sternwarte einfach auf. Wenn Gerrit total in seine heißgeliebten Sterne versunken ist, hört er ein Klopfen sowieso nicht und ansonsten stört es ihn nicht, wenn ich direkt reinkomme. Sein Zimmer wird schon seit Ewigkeiten Sternwarte genannt aufgrund der ganzen Sternkarten, Aufnahmen von Sternen und ähnlichen Bildern, mit denen er die kompletten Wände sowie die Innenseite der Tür gepflastert hat.

Heute habe ich Glück und er bemerkt sofort, dass ich da bin. „Weißt du eigentlich, dass die Menschen echt verrückt sind?“ Wie so oft hält er sich nicht mit Nichtigkeiten wie einer Begrüßung auf.
„Ja, natürlich weiß ich das, du sagst es mir ja oft genug. Ich habe allerdings keine Ahnung, was dich dieses Mal dazu veranlasst.“
„Warum feiern die Menschen eigentlich Ostern? Das ist doch total bescheuert!“ Verständnislos sieht er mich an.
Irritiert schaue ich zurück. „Weil die Christen glauben, dass ...“
„Jaja, ich weiß“, unterbricht er mich. Das beruhigt mich etwas, ich hatte mich schon über die Frage gewundert. „Aber warum feiern sie nicht einfach den ursprünglichen Anlass?“
„Du meinst, den Beginn des Frühlings, wie es vor dem Christentum Tradition war?“, hake ich verwirrt nach. Jetzt weiß ich wirklich nicht genau, worauf er hinaus will.

„Nein, das ist auch Schwachsinn“, verwirft er meine Idee sofort. „Ich meine das, was Ostern auch heute noch zugrunde liegt.“ Nach einem Blick auf mein Gesicht, dass absolute Ahnungslosigkeit widerspiegelt, erbarmt er sich und klärt mich auf. Natürlich nicht direkt, das wäre zu einfach, sondern auf pädagogisch wertvolle Art durch geleitetes Entdecken. „Nach was richtet sich Ostern denn? Also der Termin?“
Verdattert starre ich ihn an und denke angestrengt nach. „Irgendwas mit dem Mond, oder?“ Es muss auf jeden Fall irgendwas mit Himmelsphänomenen zu tun haben, da bin ich mir sicher. Gerrit nickt und schaut mich abwartend an. „Ähm... Vollmond?“, werfe ich mehr fragend als antwortend in die Runde, weil ich eine sehr vage Erinnerung daran in meinem Hinterkopf finde.
„Genau, Ostern ist immer nach dem ersten Frühlingsvollmond. Den sollten die Leute viel lieber feiern!“, verkündet Gerrit energisch.
„Okay. Wann ist der denn dieses Jahr? Oder war der schon?“, erkundige ich mich.
„Der ist heute“, erklärt Gerrit mir mit einem leicht entrüsteten Unterton in der Stimme. Klar, natürlich müsste ich den Mondkalender automatisch mitlaufen haben und stets wissen, wann Vollmond und Neumond ist.

„Und wir werden den feiern“, ergänzt er noch.
„Öh... aber heute gehen die Leute doch auch schon in die Ostermesse.“ Um ehrlich zu sein, verstehe ich den Sinn dahinter nicht so ganz.
„Ja, aber wir gehen natürlich nicht in die Kirche, abgesehen davon, dass wir nicht irgendwelche Zombies feiern, sondern den ersten Frühlingsvollmond. Das macht man natürlich in der freien Natur, wo anders funktioniert das ja gar nicht. Wir treffen uns an der Lichtung, du weißt schon, welche ich meine.“ Nachdem ich das mit einem schwachen Nicken bestätigt habe, fährt Gerrit fort: „Wann kannst du da sein?“
Kurz überlege ich, zu protestieren, weil es jetzt Ende März noch recht frisch ist, vor allem nachts, aber dann spare ich mir die Mühe. Am Ende gewinnt er ja doch, wie immer, weil ich ihm einfach nichts abschlagen kann. „Die Messe beginnt um neun Uhr, also halb zehn, denke ich.“
„Perfekt. Dann sehen wir uns da heute Abend um halb zehn.“

Nachdem er seinen Plan erfolgreich durchgesetzt hat, schaut er mich prüfend an. „Du hattest wieder Stress mit deiner Mutter, oder?“, fragt er einfühlsam. Genau aus dem Grund ist er auch mein bester Freund und der Kerl, den ich liebe. Gerrit ist ein absolut besessener Nerd, wenn es um seine Astronomie geht, aber wenn er will, ist er auch ein sehr einfühlsamer und sozial kompetenter Kerl. Deshalb war er auch im Kindergarten oder in der Schule nie ein kompletter Außenseiter. Es interessiert ihn nur nie lange genug, seine sozial verträgliche Seite zu zeigen, um die Maßstäbe der Anderen zu erfüllen. Meine hingegen erfüllt er zu genüge, auch wenn ich oft nicht wirklich verstehe, wovon er redet oder was er gerade von mir will.
„Ja, das übliche“, erwidere ich knapp. Daraufhin erzählt er mir irgendwas von seinem aktuellen Projekt. Ich genieße es, einfach bei ihm zu sein, seine Stimme zu hören, mein Lieblingsbild anzuschauen und nicht nachdenken zu müssen. Das Bild zeigt irgendeine Supernova. Keine Ahnung, welche genau, ich kann's mir partout nicht merken, obwohl Gerrit es mir schon eine Millionen mal gesagt hat.



Gute zwei Stunden später mache ich mich wieder auf den Rückweg, weil es um vier Uhr Kaffee gibt. Lust habe ich keine, aber nur von Zuhause weg sein ist auch keine Lösung. Vorher verabschiede ich mich noch von Marianne und sage Gunther, Gerrits Vater, „Hallo“. Einzig die Aussicht, Gerrit heute Abend wieder zu sehen, versöhnt mich ein bisschen.
Zuhause stelle ich dann fest, dass es noch eine gute Sache gibt: meine Mutter hat ihre Schoko-Buttercreme-Torte gemacht. Mein absoluter Lieblingskuchen... vielleicht auch der Grund, warum ich immer noch hierher zurückkomme, wenn auch nicht zu oft. Es gibt kein einziges Café und auch sonst niemanden, der diese Torte so köstlich hinbekommt. Nur meine Oma, von der meine Mutter das Rezept hat, konnte das genauso gut.
Wenig später ist der größte Teil des Kuchens verschwunden.
„Wie kannst du nur so viel davon essen?“ Anna, meine jüngere Schwester, starrt mich mit einer Mischung aus Faszination und Ekel an.
„Wie kannst du nur so wenig davon essen?“, frage ich zurück. Sie hat echt nur ein einziges Stück gegessen und selbst meine Mutter, die sonst so figurbewusst tut und immer rumjammert, dass sie zu dick ist, hat zwei gegessen. Naja, ich sag jetzt lieber nicht, wie viele ich gegessen hab... genug auf jeden Fall, dass ich das Abendessen ausfallen lassen werde.



Um zehn vor neun sind meine Eltern und meine Schwester endlich aus dem Haus. Sofort ziehe ich einen dicken Pulli über und mache mich fertig. Mittlerweile bin ich echt gespannt, was Gerrit für das Vollmondfest eingefallen ist und freue mich sogar ein bisschen darauf. Hoffentlich wird es nicht allzu kalt.
Während ich zu unserem Treffpunkt laufe, wird mir recht schnell warm. Die Neugier treibt mich eben an und Bewegung hält warm. Es ist ein ganz schönes Stück bis dahin und ich war seit einigen Jahren nicht mehr auf der Lichtung. Hoffentlich finde ich die jetzt überhaupt, vor allem in der Dunkelheit! Ich Vollpfosten habe nämlich völlig vergessen, eine Taschenlampe mitzunehmen. Aber jetzt habe ich auch keinen Bock, nochmal zurückzulaufen und dadurch erst später anzukommen.
Also Augen zu und durch. Wobei ich die Augen vielleicht doch lieber offen lassen sollte, denn sonst komme ich definitiv nicht heil an.
Der Vorteil an einer Vollmondfeier ist, dass wenigstens der Mond recht viel Licht spendet.
Einmal nehme ich eine falsche Abzweigung, bemerke es aber zum Glück relativ schnell.

Endlich komme ich an und würde am liebsten direkt wieder nach Hause laufen. Fassungslos starre ich auf die Szenerie, die sich mir bietet. Gerrit hat diverse Tee- und Windlichter aufgestellt, eine Picknickdecke auf den Boden gelegt und scheinbar auch heiße Getränke sowie Knabberzeug mitgebracht. Es sieht aus wie ein Date und ich habe keine Ahnung, wie ich diesen Abend überstehen soll, ohne mich zu verraten.
„Stimmt was nicht?“ Der besorgte Klang von Gerrits Stimme reißt mich aus meiner Schreckstarre.
„Nein, alles okay. Ich bin nur überrascht, es sieht toll aus.“ Obwohl ich mich bemühe, meine Stimme normal klingen zu lassen, hört man deutlich, dass sie recht wackelig ist. Energisch schüttele ich meinen Kopf, um ihn wieder klar zu kriegen und mich zu sammeln, dann setzte ich mich zu Gerrit auf die Decke.
„Wirklich?“ Unsicher schaut Gerrit mich an. So kenne ich ihn gar nicht, normalerweise ist er recht selbstbewusst und lässt sich von nichts und niemandem einschüchtern.
„Ja, klar. Kann ich mit unter die Decke?“ Seit ich sitze und mich nicht mehr bewege, wird mir nämlich schrecklich kalt. So wie ich Gerrit kenne, hat er bewusst nur eine große Decke mitgenommen, damit wir die Körperwärme effektiv nutzen können.

„Natürlich.“ Bereitwillig rutscht er ein wenig zur Seite und hebt die Decke einladend an. Sofort wird es mir wieder wärmer. „Möchtest du auch einen Tee?“
„Nein danke, im Moment nicht.“ Schweigend sitzen wir einige Minuten da und ich genieße es einfach, Gerrit so nah bei mir zu spüren. Leider hält das nicht lange an, weil er anfängt, unruhig hin und her zu rutschen.
„Was ist denn los?“ Diesmal mache ich mir Sorgen. Dieses Verhalten ist wirklich total untypisch für ihn.
Nach weiteren Minuten der Stille platzt er auf einmal los: „Ich bin ein totaler Vollidiot, oder?“
„Wie kommst du denn darauf?“, frage ich ihn völlig entgeistert. „Du bist viel intelligenter als ich. Wenn hier einer der Vollidiot ist, dann bin ich der Dumme.“
„Du bist nicht dumm! Du weißt genau, dass das nicht stimmt und ich das nicht hören will!“ Wütend funkelt er mich an. Das stimmt, auf das Thema hat er schon immer sehr empfindlich reagiert und jeden anderen zurecht gepfiffen, der mich so beleidigt hat. Einmal hat er sich sogar mit einem meiner Mitschüler deswegen geprügelt, obwohl er ansonsten ein totaler Pazifist ist. Erstaunlicherweise hat er es geschafft, dem Mistkerl ordentlich eins auf die Nase zu geben. Wut kann wirklich ungeahnte Kräfte wecken. Danach hatte ich meine Ruhe und niemand hat mich mehr beschimpft oder dumm angemacht.

„Naja, aber du hast recht, Vollidiot ist das falsche Wort. Ich meinte eher“, er überlegt und sucht fieberhaft das richtige Wort, „ein absoluter Nerd, sozial völlig inkompetent.“
„Nein, natürlich nicht“, antworte ich direkt, zu schnell und zu heftig, um wirklich glaubwürdig zu sein. Entsprechend schenkt Gerrit mir auch nur einen ungläubigen Blick.
„Naja, okay, wenn man dein unglaublich großes Interesse für Astronomie nimmt, kann man den Nerd wohl nicht wegdiskutieren. Aber du bist nicht sozial inkompetent, dass ist völliger Schwachsinn!“
„Und wieso krieg ich es dann nicht mal hin, eine Liebeserklärung zu machen?“ Er ist offensichtlich völlig verzweifelt.
„Was? Wem wolltest du denn eine Liebeserklärung machen? Was genau ist passiert?“ Ich bin total geschockt, dass ich bis gerade eben nicht einmal wusste, dass es jemanden gibt, für den er sich interessiert.
„Siehst du, genau das meine ich!“ Zerrend und fluchend kämpft er mit der Decke, weil er aufstehen will. Verwirrt schaue ich ihm einfach zu, blinzele total oft und versuche herauszufinden, was hier gerade los ist. Auf einmal kommt mir endlich der erleuchtende Gedanke: „Was, wenn das hier nicht nur nach einem Date aussah, sondern eins sein sollte?“
Natürlich ist genau das der Moment, in dem Gerrit seinen Kampf gewonnen hat und losstiefelt.

„Warte! Nicht du bist sozial inkompetent, das bin ich!“ Panik steigt in mir hoch, dass er jetzt wegrennt und wir es nicht klären können.
Doch Gerrit dreht sich zu mir um und blafft mich zornig an: „Spar dir den Scheiß, als ob ich so eine offensichtliche Lüge nicht erkennen würde!“ Anschließend dreht er sich um und geht weiter.
Irgendwie habe ich es in der Zwischenzeit geschafft, ebenfalls aufzustehen, schaffe es aber noch nicht, ihm hinterher zu gehen. Meine Knie sind dafür viel zu weich und zittrig. „Das ist die Wahrheit! Schieb es meinetwegen auf Liebe macht blind oder blöd oder was auch immer.“
Immerhin schaffe ich es damit, seine Aufmerksamkeit wieder zurückzubekommen. Er bleibt stehen und kommt dann sogar ein kleines Stück zurück. „Was soll das heißen?“
„Das soll heißen, dass ich eben, als ich angekommen bin, noch gedacht habe, dass das wie ein Date aussieht. Aber ich war so überzeugt davon, dass das nicht sein kann, dass ich einfach nur versucht habe, mich nicht aus Versehen zu verquatschen und zu outen. Warum solltest du auch so einen Typen wie mich wollen?“ Gegen Ende wird meine Stimme immer leiser und ich blicke auf den Boden. Ich kann ihm gerade wirklich nicht in die Augen schauen.

„Okay, manchmal bist du vielleicht doch ein Vollidiot“, stellt Gerrit leise fest, doch es klingt eher wie als Kosename als wie eine Beleidigung. „Warum sollte ich dich nicht wollen? Du hörst mir stundenlang zu, selbst wenn du kein Wort verstehst, bist immer für mich da und gibst mir das Gefühl, der großartigste Mensch der Welt zu sein. Wie könnte ich dich da nicht wollen?“ Sein Daumen streichelt zart über meine Wange, wischt die Träne weg, von der ich auch nicht weiß, wo die jetzt herkommt. „Die Frage ist doch viel eher, was du mit mir willst?“
Da kann ich nicht mehr und breche in schallendes Gelächter aus. Irgendwie ist diese Situation total absurd. „Ich glaube, wir passen echt gut zusammen“, erkläre ich ihm meine Erheiterung, als ich mich wieder halbwegs beruhigt habe. „Jeder von uns denkt, er ist sozial inkompetent und für den anderen nicht gut genug.“
„Das stimmt.“ Gerrit muss ebenfalls grinsen, als er die Ironie der Situation erkennt. Anschließend küsst er mich und es ist der mit Abstand schönste und romantischste Kuss meines Lebens, auf einer Waldlichtung bei Vollmond.

Kurze Zeit später sitzen wir wieder unter der Decke. Dieses Mal sind wir nicht nur eng aneinander gekuschelt, sondern ich habe auch meinen Arm um meinen Freund gelegt. Es fühlt sich toll an, dieses vertraute Wort zu denken und zu wissen, dass es jetzt eine weitere Bedeutungsebene, nämlich Partner, dazubekommen hat.
„Seit wann? Beziehungsweise warum jetzt?“, frage ich Gerrit irgendwann, weil mich das nicht mehr loslässt.
„Naja, mir ist aufgefallen, dass du schon Ewigkeiten keine Beziehung mehr hattest, aber lieber etwas mit mir unternimmst, anstatt irgendetwas zu machen, wo es Chancen gibt, jemanden kennenzulernen. Gleichzeitig hattest du offensichtlich Sehnsucht nach einer Beziehung, weil du andere Paare so wehmütig angeschaut hast. Da habe ich ziemlich lange überlegt und bin immer wieder zur gleichen Schlussfolgerung gelangt: die einzig mögliche Erklärung war, dass du dich in mich verliebt hast“, erklärt Gerrit. „Und wie schon Sherlock Holmes sagte: Schließe das Unmögliche aus und das, was übrig bleibt, muss die Wahrheit sein.“
„Ein Glück, dass du so klug wie Sherlock bist, auch wenn mich das zum dummen, begriffsstutzigen Watson macht“, stelle ich zufrieden fest.
Gerrit setzt natürlich sofort zum Protest an, doch ich bringe ihn mit einem Kuss zum Schweigen.
Kurz sträubt er sich, lässt sich dann aber darauf ein.
„Glaub aber ja nicht, dass du damit jetzt immer durchkommst.“ Die Ermahnung kann er sich nicht verkneifen, doch ich lächle nur. Ich hätte nie gedacht, dass mein Wunsch in Erfüllung geht.
Vielleicht hat der erste Frühlingsvollmond ja wirklich magische Kräfte?

ENDE
Aktualisiert: 31/03/18
Veröffentlicht: 31/03/18
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Chiyuki am 31/03/18 11:16
Aww. Wie süß Smiley Klasse geschrieben, sehr gut gemacht!



Antwort der Autors Snoopy279 (01/04/18 20:31):
Schön, dass es dir gefallen hat Smiley Danke für dein Review und fürs Freischaltlesen
Wenn Träume wahr werden
Witch23 am 31/03/18 11:45
Eine echt süße kleine Geschichte.



Antwort der Autors Snoopy279 (01/04/18 20:34):
Freut mich Smiley Danke fürs Review
Wenn Träume wahr werden
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Witch23
20/11/22 01:51
jo ist nur etwas wenierg los hier als früher ^^°

split
04/11/22 19:22
Also wenn die Seite offline gewesen wäre, hättest du die Frage nicht schreiben können, glaub ich. Jetzt funktioniert jedenfalls alles, soweit ich sehen kann *lebenszeichen geb*

beerman
03/11/22 22:08
Seite off`?

Witch23
20/08/22 10:06
Hallo zusammen

gerdhh171
23/07/22 21:10
hallo jungs

Witch23
29/06/22 06:27
Hallo auch

split
23/06/22 14:41
Hallo, welcome back

minori
22/06/22 18:02
Wenn man nach 13 Jahren mal wieder vorbei schaut :) Heyho

Witch23
10/06/22 09:30
Tja, solange bxb existiert sollte das auch ^^

carrabas
09/06/22 21:23
Dieser alte Login funktioniert noch :O

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