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Veröffentlicht: 25/08/18 Aktualisiert: 25/08/18
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Anmerkungen zum Kapitel
Viel Spaß bei dieser kurzen Story Smiley
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1. -1- Rainy day

Sanft, aber dennoch fordernd trommelt der Regen gegen die Fensterscheibe, welche durch meinen warmen Atem beschlägt. Seufzend lehne ich meine Stirn gegen das kühle Glas und sehe auf die befahrene Straße, die sich unter mir erstreckt. Autos fahren über den nassen Asphalt, Menschen drängeln sich mit aufgespannten Schirmen aneinander vorbei, wollen rasch ins warme, trockene.

Von hier oben aus kann ich auf das Café an der nächsten Kreuzung blicken, kann erkennen, dass dieses relativ gut besucht ist. Um mich von meinen Gedanken, die mich innerlich zerfressen, abzulenken, stoße ich mich von der Glasscheibe ab und klettere von der Fensterbank, auf welcher ich zuvor mit angezogenen Knien gehockt habe.
Lustlos schlurfe ich durch den kleinen Flur und greife mechanisch nach meiner Jacke, die am Hacken hängt. Vor wenigen Wochen hing nicht nur meine dort, sondern auch seine. Fast jeden Tag hat er mich besucht, hat mich immer zum Lachen gebracht, auch wenn ich häufig nichts zu lachen gehabt hatte.

Er ist mir immer eine große Stütze gewesen, hat mir die schönen Dinge des Lebens gezeigt.
Hat mir gezeigt wie es ist unbeschwert zu sein und nichts auf das Gerede der anderen zu geben, sondern mir selbst treu zu sein. Dabei habe ich nie bemerkt wie es ihm geht. Wie es ihm wirklich geht und was er wirklich fühlt, was ihn tief im Inneren bewegt.
Nie bin ich auf ihn und seine Probleme eingegangen. Er wollte mich auch nie wirklich daran teilhaben lassen. Naiv, wie ich gewesen bin, habe ich nie etwas von seinen wahren Gefühlen zu mir mitbekommen. Habe seine indirekten Annährungsversuche nie verstanden, nie so interpretiert wie er es sich wahrscheinlich gewünscht hätte. Erst vor ein paar Wochen habe ich es herausgefunden…

Flashback

Wir sind zusammen unterwegs mit den Rädern, fahren unsere gewohnte Strecke zum See außerhalb der Stadt. Während ich ihm auf dem Schotterweg hinterher fahre, weht angenehmer Wind entgegen, zerzaust meine Haare und übermittelt mir das Gefühl von Freiheit.

Am See angekommen breiten wir unsere Handtücher auf der Wiese aus und amüsieren uns über die vor Freude quiekenden Kinder, welche mit Badesachen tapsend ins Wasser rennen.
Mein Blick wandert zurück zu ihm, der sich vor mir aufrichtet, während ich schon auf meinem Handtuch hocke. Er zieht sich sein weißes Shirt über den Kopf und entblößt dabei seine breite, definierte Brust mit dem flachen Bauch, von welchem ich nicht den Blick abwenden kann. Sein athletischer Körper ist schön anzusehen.

Obwohl ich ein Junge bin, finde ich ihn mehr als attraktiv, doch ich schiebe rasch diesen absurden Gedanken beiseite und ziehe mich ebenfalls bis zur Boxershort aus. Ignoriere dabei meine glühenden Wangen, in welche kochend heißes Blut strömen.
Eine Weile liegen wir nun schon auf den Handtüchern, starren gen Himmel und beobachten die Wolken, die über uns hinweg fliegen.

„Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?“, möchte er auf einmal von mir wissen, durchbricht die angenehme Stille, die zwischen uns geherrscht hat.

Perplex über diese ungewöhnliche Frage, ziehe ich die Stirn kraus und antworte: „Uhm…ja, ich denke, ich glaube daran.“

„Aber?“

Ich schmunzle über seine faszinierende Auffassungsgabe. Er weiß sofort, dass mich noch etwas beschäftigt, dass mir noch etwas auf dem Herzen liegt. „Aber ich denke, nur Menschen, die ein…uhm…sagen wir tugendhaftes Leben führen, verdienen ein Leben nach dem Tod.“

„Das mag schon sein, aber was zählt heutzutage noch zu einem tugendhaften Leben? Ich meine, wir leben nicht mehr in der Antike zu Aristoteles‘ Zeiten“, hält er dagegen, hat offenbar eine andere Meinung zu diesem Thema.

„Natürlich leben wir nicht mehr zu dieser Zeit, aber die Grundsätze, die Aristoteles vorgegeben hat, sind dennoch für den Lauf der Philosophie grundlegend gewesen. Selbst heute versuchen viele Menschen nach dessen Richtlinie zu leben aus Angst, dass sie nach ihrem Tode keine Gnade erwarten dürfen“, sage ich und stütze mich mit dem Ellenbogen auf, um ihn besser betrachten zu können.

Er hat seine mandelförmigen Augen, die sonst in einem eisigen Blau erstrahlen, geschlossen und genießt die Sonne auf seiner bleichen Haut. Das aschblonde Haar fällt ihm in Strähnen in die Stirn. Ich könnte ihn stundenlang so betrachten, doch da schlägt er die Augen auf und ich wende hastig den Blick ab. Ertappt färben sich meine Wangen und ich greife nach ein paar Grashalmen, die über den Rand meines Handtuches abstehen.

Als er nicht darauf antwortet, frage ich neugierig: „Wieso fragst du sowas eigentlich?“

„Mir kam das einfach so in den Sinn…“ Er zuckt die Schultern und schließt erneut seine Augen. Ein leichtes Grinsen liegt auf seinen roséfarbenen Lippen, er sieht geradezu friedlich aus.

Zufrieden lege ich mich wieder hin, denke über seine Frage nach. Ihm fallen häufig solche tiefgründigen, meist auch philosophischen Fragen ein, die er von mir gerne beantwortet haben möchte, obwohl ich mir sicher bin, dass ‚Google‘ ihm weitaus bessere Antworten geben könnte.
Während ich so da liege vergesse ich beinahe die Zeit, fühle mich in diesem Moment so leicht, so frei. Wie immer, wenn er bei mir ist.

Irgendwann mit der Zeit lullt mich die Wärme der Sonne ein und macht mich unglaublich schläfrig, sodass ich unbewusst die Augen schließe, mich seufzend an seinen warmen Körper schmiege und mich der plötzlichen Müdigkeit hingebe.
Erst als ich eine Hand auf meiner Wange, warmen Atem auf meinen Lippen spüren kann, schlage ich reflexartig die Augen auf und sehe in sein erschrockenes Gesicht. „W-w-was tust du da?“, will ich perplex stammelnd von ihm wissen und richte mich total verschlafen auf, als er sich eingeschüchtert von mir entfernt.

„Ich…also, hör zu, ich wollte es dir schon vor einiger Zeit sagen, doch ich hatte Angst, unsere Freundschaft damit zu gefährden. Aber ich habe mich in dich verliebt“, keucht er schwer atmend, ist sichtlich nervös. Er weicht ungehalten meinem Blick aus, kann mir nicht ins Gesicht sehen.

„Das geht nicht!“, entfährt es mir ungewollter Weise, ich will ihm nicht vor den Kopf stoßen, doch ich unsensibler Klotz, versage auf ganzer Linie.
Wie kann es sein, dass ich nie etwas mitbekommen habe?

Auf einmal wandelt sich sein unsicherer Blick, starrt mir nun wütend entgegen, steht ruckartig auf und meint ziemlich angepisst: „Man kann sich nun mal nicht aussuchen in wen man sich verliebt. Hättest du auch nur einmal richtig hingesehen, hättest du bemerkt, was ich für dich empfinde, du Arschloch!“ Mit diesen Worten steht er ruckartig auf, klaubt seine Sachen zusammen und schwingt sich auf sein Rad.

Wortlos hocke ich da, kann mich nicht rühren und sehe dabei zu, wie er sich nicht nur räumlich von mir entfernt. Sondern wie er sich auch mental von mir distanziert. Er hat mich einfach sitzen gelassen und mir keine Chance gegeben irgendwas darauf erwidern zu können.

Flashback Ende

Nun laufe ich durch den Regen, der auf mich einprasselt. Unaufhörlich, mit voller Wucht. Ich ziehe den Kragen meiner Jacke höher, zerre meine Kapuze tiefer ins Gesicht und beschleunige meinen Schritt. Laufe einfach, ohne auf die Straße zu sehen über diese, ignoriere die hupenden Autos und komme auf der anderen Straßenseite an.
Ich halte es in meiner Wohnung nicht mehr aus, alles erinnert mich an ihn. An Yesung, den Jungen, der sich mit seiner fröhlichen, liebevollen Art in mein Herz geschlichen hat. Das habe ich nun eingesehen, ich habe es schon immer irgendwie gewusst. Nur zu spät…meine Chance ist vorbei. Ich habe ihn verloren.

Schnaufend komme ich bei dem Kaffee an, öffne die Tür und vernehme das Läuten der Klingel, die schrillt, sobald man die Türe öffnet. Ich reibe mir die Hände, stelle mich an den Tresen und lasse meinen Blick durch das Kaffee gleiten, welches vom Kaffeearoma durchflutet ist und mich wohlig seufzen lässt. Ich genieße diesen Duft, begutachte die kleine Kuchentheke. Meine Wahl fällt auf einen Schokomuffin, welchen ich bestelle, sobald ich an der Reihe bin. Die süße Kassiererin, mit dem blonden Pferdeschwanz und den rosa Lippen, überreicht mir den Muffin und den schwarzen Kaffee. Sie lächelt mir ein letztes Mal zu, ehe ich mich herumdrehe und direkt in seine stechend blauen Augen starre.

„Yesung…“, krächze ich, lasse beinahe den Kaffeebecher aus meiner Hand gleiten.
Er erwidert meinen Blick kühl, will sich an mir vor zur Kasse drängen, doch ich greife nach seinem Arm, was ihn scharf die Luft einziehen lässt.

„Kyusung, lass gut sein“, nuschelt er mir genervt zu und will sich von mir losmachen, doch ich bleibe hartnäckig.

„Nein, ich lasse es nicht gut sein, du meldest dich seit Wochen nicht, ignorierst meine Anrufe und gibst mir nicht die Chance dir zu sagen, was ich zu sagen habe!“ Ich schüttle vehement den Kopf, will ihn nicht einfach gehen lassen. Ich mustere sein Gesicht, welches so wunderschön ist, dass es beinahe weh tut ihn anzusehen.

Sein Haar fällt ihm in nassen Strähnen ins Gesicht, seine blauen Augen mustern mich eingehend. „Was hast du schon groß dazu zu sagen? Wenn du mir sagen willst, dass du nicht mit einer Schwuchtel befreundet sein willst, dann erspare mir das bitte!“, faucht er mich an und schüchtert mich mit seinem stechenden Blick vollkommen ein.

Hinter uns wird die Schlange länger und ungeduldiges Seufzen ist zu vernehmen. „Geht das irgendwann auch mal weiter?“, ruft einer, was mich dazu veranlasst ihn aus der Schlange zu zerren, was er protestierend über sich ergehen lässt.

Ich zerre ihn nach draußen, raus in den Regen, der auf uns herab prasselt, uns nur noch mehr durchnässt. „Was soll das werd…“, fängt er an, doch ich unterbreche ihn, indem ich einen Schritt auf ihn zu gehe, die letzten Zentimeter zwischen uns überbrücke und meine Arme, samt Kaffee und Muffin hinter seinem Nacken verschränke. Währenddessen presse ich meine Lippen stürmisch auf seine.

Keuchend japst er nach Luft, ist total überrumpelt. Er erwidert erst nicht, ist vollkommen perplex, doch als ich meine Zunge sanft über seine Lippen streifen und sie in seinen Mund gleiten lasse, wandert seine Hand in mein nasses Haar und krallt sich darin fest.
In meiner Magengrube spielen die Schmetterlinge verrückt, flattern hin und her. Mein Körper ist vollgepumpt mit Adrenalin und stößt etliche Glücksgefühle aus. Der Kuss ist leidenschaftlich, beinahe verzweifelt, als könne Yesung nicht fassen, dass dies gerade tatsächlich geschieht.

Schwer atmend lehnt er seine Stirn gegen meine und haucht: „Was hat das zu bedeuten?“

„Hättest du auf meine Anrufe reagiert, hättest du gewusst, dass ich genauso für dich empfinde…du Arschloch!“ Neckisch zwinkere ich ihm zu und benutze dieselben Worte, die er mir vor Wochen an den Kopf geworfen hat.

Grinsend schüttelt er den Kopf und boxt mir gegen die Schulter. Doch keine Sekunde später, packt er mich am Kragen meiner durchnässten Jacke und küsst mich noch einmal intensiv, ehe er verkündet: „Jetzt will ich aber auch einen Muffin.“
Aktualisiert: 25/08/18
Veröffentlicht: 25/08/18
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Schlußanmerkungen zum Kapitel
-Ende-

Ich hoffe, es hat euch gefallen Lächelnd
HeisseZitrone am 27/08/18 21:20
Ach wie süß! :3 Erst war ich mir nicht sicher, ob ich die Geschichte schon kenne, aber ich glaube ich hab sie schon auf Wattpad gelesen Lächelnd Sie kam mir dann doch bekannt vor Grinsend Aber ich finde, man merkt, dass die Geschichte schon etwas älter ist - dein Schreibstil hat sich seitdem definitiv entwickelt Zwinkernd (Womit ich nicht sagen will, dass diese Geschichte schlecht ist, aber es ist immer interessant, wenn man so eine Entwicklung beobachten kann Smiley )
-1- Rainy day
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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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