Schimmer der Weihnacht von jabba (Abgeschlossen)
Inhalt: Es schimmert weiter! Richard und Josi feiern den Weihnachtstag...
Genres: Weihnachten, M/M (yaoi)
1. Warnung: Keine
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine
Kapitel: 5
Veröffentlicht: 23/01/19
Aktualisiert: 24/09/19
Anmerkungen zur Geschichte:Advendskalendergeschichte von 2018
Der Zauber der Weihnacht
Der vierundzwanzigste Dezember begrüßte die Menschen mit traumhaften Bilderbuchwetter. In der Nacht hatte es sanft geschneit und die Welt war in fluffigen Schnee gehüllt. Nichts erinnerte mehr an den Matsch, der die vergangenen Tage die Bürgersteige und Straßen geflutet hatte. Nichts ließ darauf schließen, dass die letzten Wochen mehr ein Einheitsgrau denn einen Himmel besessen hatten. Die Sonne glitzerte aus einem blauen Himmel und brachte die Schneelandschaft zum Funkeln.
Richard lag auf dem Rücken auf seiner Matratze und schaute durch sein Dachfenster hinaus. Auch wenn die Scheibe zugeschneit worden war bewirkten Sonne und Schräglage, dass immer wieder Schneefetzen abrutschten und so Stück für Stück mehr vom strahlend blauen Himmel freilegten. Er beobachtete das Schauspiel und dachte an Samstag zurück. Josi hatte ihn mitgenommen, um einen Tannenbaum für seine Wohnung zu holen. Gemeinsam hatten sie das grüne Piekseding in Josis Wohnzimmer gebracht und er, Richard, hatte ihn sogar schmücken sollen. Es bestätigte ihn darin, dass er heute wirklich willkommen war und den Weihnachtsabend mit Josi verbringen sollte.

Richard kannte den vierundzwanzigsten Dezember nur als einen Tag, der höchst bedeutsam mit ausgewählten Geschäftspartner zelebriert wurde. Vorgetäuschte, halb-intime Einblicke in das Familienleben der Silberthals, um asugewählte Geschäftspartner persönlich zu binden. Man hielt sich an die Konventionen - die wichtigen Eckdaten der christlichen Religion und noch einiges weitere hatte ihre Großmutter allen eingebläut - und versuchte so wenig wie möglich in der Geschäftswelt aufzufallen. Und wenn, dann nur als zuverlässige, aber unerbittliche Partner. Vielleicht war dies der Verfolgung im zweiten Weltkrieg zu verschulden, dass sie ihre eigenen Feiertage immer schon beinahe heimlich gefeiert hatten. Richard hatte es nie hinterfragt. Ihm war es egal gewesen, ob er seine Sachen wegen Chanukka, Geburtstag, Weihnachten oder einfach, weil er lange genug genervt hatte, bekommen hatte.

Doch dieses Jahr war anders. Da war keine Familie, da war kein Empfang, kein Butler, der ihn vom Internat abholte... da war nur diese Leere und das Wissen, dass er keinen je wiedersehen würde. Aber dafür war da dieser verrückte Antiquar, der ihn eingeladen hatte. Der wollte mit ihm sogar in die Kirche! Richard hatte dem fragend-bettelnden Blick nichts abschlagen können und zugestimmt.
Und wie sie gestern auf dem Sofa bei Josi gesessen hatten, im weihnachtlich geschmückten Raum und tatsächlich nur geknutscht und ein bisschen keusch gefummelt hatten... mit sanften Klängen im Hintergrund, die Richard zwar entfernt an Weihnachtslieder erinnerten, aber wunderbar zur Stimmung beitrugen...
Sogar die aufgebackene Tiefkühl-Lasagne hatte nichts daran ändern können, dass Richard zu verstehen begann, warum die Christen den Abend vor den Weihnachtstagen den „Heiligen Abend“ nannten. Der Abend, der heute begann, sobald es dunkel wurde.

Richard schlug die Decke zurück und stand auf. Um zwei Uhr wollte Josi ihn abholen und dann zur kleinen Kirche in der Innenstadt gehen, in der die Handvoll Mönche, die in der Stadt noch waren, ihre Zeremonien machten. Dort sei es immer am schönsten, eben weil es keine Kinderveranstaltung war. Es war noch viel zu viel Zeit bis dahin, aber er wollte sich so schick machen, wie er konnte. Und vorher noch frühstücken. Als um genau zu sein, jetzt!

***

Nervös hibbelte Richard in seinem Zimmer von einem Bein aufs andere. Immer wieder schielte er auf sein Handy, aber die Sekunden schlichen vor sich hin. Noch drei Minuten bis Josi endlich da sein wollte. Richard hoffte, dass er für eine christliche Kirche angemessen gekleidet war. Er hatte seinen mageren Kleiderschrank auf den Kopf gestellt und sich schlussendlich für seine alte Schuluniform entschieden. Zu der besaß er sogar noch einen Kurzmantel. Alles andere war entweder zu leger oder nicht wintertauglich. Er bezweifelte, dass irgendjemand die Stickerei auf Weste und Mantel als Schulwappen würde identifizieren können.

Zwei Minuten.
Oder hatten sie ausgemacht, dass er, Richard, Josi unten entgegenkommen würde?
Richard fummelte wiederholt an seinem Handy herum und überflog die letzten Nachrichten.

Eine Minute.
Und warum zur Hölle war er so nervös? Das war weiß Gott nicht sein erstes Date, auch nicht mit Josi. Sein kärgliches Kämmerchen hatte Josi schon längst gesehen und dankenswerterweise nicht weiter kommentiert. Gefummelt hatten sie auch schon. Und sein Kindermädchen hatte ihn ganz früher auch mal mit in den Weihnachtsgottesdienst genommen.

Das Handy in seiner Hand dudelte und vor Schreck ließ Richard es beinahe fallen. „Komme!“, rief er ohne abzunehmen, verließ sein Zimmer, jagte die Treppen hinunter und verließ das Haus.
Auf dem Bürgersteig sah er sich um.

„Hier drüben bin ich.“ Josi kam mit winkenden Armen vom Bäckerei-Eingang um die Ecke auf den Hintereingang zu.
Die erhobenen Arme waren Einladung genug, um Josi in eine Umarmung mit ausgiebigem Begrüßungskuss zu ziehen.


Es hatte Josi einige (gerne verteilte) Küsse und unerwartet viel Überredung gekostet, Richard davon zu überzeugen, dass sie mit dem Bus in die Innenstadt hineinfahren würden. Doch auf den Kompromiss, dass sie den Rückweg laufen würden, ging Richard schließlich ein. Nun saßen sie in der Stefans-Kapelle auf einer harten Holzbank, eng aneinander gedrückt, weil sich viel zu viele Menschen in die Kirche quetschten. Josi mochte alles an Weihnachten. Von seinen Freunden belächelt und ausgelacht, ging er schon seit er ein Kind war liebend gern in den Weihnachtsgottesdienst und bereits seit damals verabscheute er die kindgerechte Version. Mehr durch Zufall hatte er vor vielen Jahren Mönche in ihren Kutten auf dem Markt einkaufen und dann zu jener Kapelle laufen gesehen. Und seitdem konnte ihn nichts davon abhalten, einmal im Jahr so zu tun, als wäre er nicht das Kind von atheistischen, materialistischen Eltern.

Die hölzerne Bank war zu hart und kalt außerdem saßen sie, nach Richard empfinden, zu eng gedrängt. Er hätte seine Jacke ausziehen sollen, um sie als Kissen zu verwenden, so wie viele der anderen um ihn herum es getan hatten. Der intensive Geruch von Weihrauch nahm Richard beinahe den Atem. Er war durchzogen mit der angenehmen, würzigen Frische von Tannengrün, was ihn etwas erträglicher machte. Josis Hand lag warm und unschuldig auf seinem Oberschenkel. Richard hatte seine Hand darübergelegt und ihre Finger leicht miteinander verflochten. In der anderen Hand hielt er eine Kerze mit Krause, die er am Eingang in die Hand gedrückt bekommen hatte.

Halb in Trance beobachtet er das Geschehen. Die Mönche standen vorne in mehreren Reihen rechts vom Altar. Dort stand ein Mönch, der sich einzig durch einen weißen anstelle eines dunkeln Stricks um die Hüfte von den anderen unterschied. Auf dem Altar standen zwei große weiße Kerzen und spendeten Licht. Ansonsten war die Kapelle absolut dunkel. Richards Lateinkenntnisse waren zu schlecht, als dass er folgen konnte. Doch in groben Zügen bekam er mit, dass es um die Geburt des Proopheten Jesus von Nazareth und das Polit-Geranke zwischen den Römer und den Hohepriestern ging. Er kannte die Geschichte. Es war interessant, sie mal aus einer anderen Perspektive erzählt zu bekommen. Zum ersten Mal verfluchte er sich dafür, dass er im Lateinunterricht immer so eine faule Socke gewesen war.
Richard beugte sich zu Josi und fragte ihn. Doch der schaute ihn mit entgeisterten Augen an. „Du verstehst Latein?“
Daraufhin begnügte Richard sich damit, den Bruchstücken zuzuhören. Immer wieder wurde der rezitierte Monolog von einer Gesängen des Mönchschors unterbrochen. Und manchmal machten auch alle Menschen in der Kapelle mit. Die paar echten Lieder kannte er sogar, aber zum Mitsingen konnte er sich nicht überwinden. Erleichtert stellte er fest, dass Josi neben ihm auch nur mitsummte. Ein bisschen wartete Richard schon darauf, dass das unverhältnismäßig überzogene Reagieren der damaligen Entscheidungsträger heraufbeschworen wurde, bei dem die bösen Juden das arme Jesulein... doch nein. Positiv überrascht lauschte Richard andächtig und schon wieder verfluchte er sich schon wieder dafür, beim Vokabeln lernen so geschludert zu haben.
Er brauchte eine Weile, um das Gefühl, dass ihn schleichend ergriff, benennen zu können: Verzauberung.

Gebannt von der Komplexität des Geschehens sowie der eigentümlichen und herzerwärmenden Stimmung in dem eiskalten Gemäuer merkte Richard nicht sofort, dass es um ihn herum immer heller wurde. Erst als die ältere Frau neben ihm ihn anstupste, realisierte er es. Sie hielt ihre leuchtende Kerze vorsichtig in seine Richtung. Verständnislos sah Richard in ihr erwartungsvolles Gesicht. „Wir geben das Licht weiter,“ flüsterte die Frau ihm zu.
„Oh.“ Richard nickte, als Zeichen, dass er verstanden hatte. Umständlich werkelte er an seiner Kerze herum, doch schließlich brannte sie hell und ruhig. Richard beobachtet das Flackern seines Flämmchens. Im Hintergrund stimmten die Mönche einen monotonen, aber seltsam passenden Singsang an.
Josi gewährte Richard ein paar Augenblicke, dann entzündete seine Kerze an Richards.


Das dezente Rascheln von Stoff und Scharren von Füßen signalisierte Richard, dass die Messe nun beendet war. Und das, obwohl der Mönchschor immer noch sang. Ungläubig blickte Richard nach vorne. Der halbe Trupp stand da noch und sang, doch jetzt waren es gregorianische Gesänge. Was für ein angenehmer Rausschmeißer! Ohne Eile schoben sich die Menschen durch die weit geöffnete Mitteltür. Langsam fädelten sich Josi und Richard in die Schlange ein. „Du verstehst, warum ich unbedingt hier hinwollte?“ Josi stand auf Tuchfühlung neben Richard und flüsterte ihm ins Ohr. „Hmm,“ brummte Richard. Er konnte sich an ihrer Umgebung einfach nicht satt sehen.
Sie waren am Tor angekommen. Im Kirchraum stand eine Metallschale, in der einige Kerzen lagen. Josi, direkt neben ihm, löschte nur die Flamme am Metallrand. Er knetete das flüssige und weiche Wachs um den Docht und schütze somit den schwarz-verbrannten Faden im Inneren der Kerze. Bis sie durch die Tür traten, war das Wachs erstarrt genug, dass Josi die Kerze in seine Jackentasche stecken konnte. Richard tat es ihm gleich.
Rechts und links standen je zwei Mönche außen neben den großen Flügeltüren. Sie gaben jedem zwei Sachen in die Hand und segneten ihn. Und schon stand auch Richard vor einem Mönch mit grauen Augen und freundlichem Gesicht. Abwehrend hob Richard die Hände. Bei aller Liebe, das Christenkreuz brauchte er nun wirklich nicht abbekommen. „Veitel Itzig*“, brummte Richard nur und versuchte mit Hilfe des Schiebens der Menschen sich unauffällig auf die Seite befördern zu lassen.
„Rede nicht so von dir, Junge.“ Der andere, eindeutig ältere Mönch legte ihm eine Hand an die Wange. „Wenn du das sagt, dann entgegne ich, dass mein Herr Jesus Christus auch einer war. Es freut mich, auch einmal einen Cousin im Glauben in unseren bescheidenen Hallen beherbergen zu dürfen.“ Der ältere Mönch nahm Richards Gesicht zwischen seine Hände und hauchte einen Kuss auf seine Stirn.
Richard spürte, wie sich das warme Gefühl in seiner Brust in der Kehle verfestigte und sein Blick zu verschwimmen drohte. Er würde doch jetzt nicht Anfangen zu Flennen! Doch nicht wegen so ein bisschen Weihnachten!

Ein trocken-runzeliger Daumen strich über seine Wange und verwischte die einsame Tränenspur. Der ältere Mönch zog ihn sanft, aber bestimmt in seine Arme. Nah genug, dass niemand merkte, wie eine zweite Träne in der ausladenden Kutte versickerte.
„Ich verrate nichts. Jetzt geh, wohin auch immer dein Weg dich führt. Und behalte diesem Moment für immer in deinem Herzen.“ Der Mönch tätschelt Richard leicht die Wange, dann schob er ihn zurück in den Menschenstrom. Der erste Mönch gab ihm noch einen großen Lebkuchen in Form einer Sternschnuppe sowie ein Trinkpäckchen mit Traubensaft.
Richard flüchtete beinahe auf den Bürgersteig und lehnte sich ans schwere Eisengitter, dass die Kapelle samt Grasstreifen umsäumte. Gemächlichen Schrittes kam wenig später auch Josi und stellte sich neben ihn. Umständlich verstaute er Sternschnuppe und Trinkpäckchen in der Jackentasche. Dann wandte er sich zu Richard. Er öffnete den Mund, sah in Richards Gesicht und hielt dann inne. Die Lippen wieder schließend, streckte Josi langsam eine Hand in Richards Richtung aus. Ebenso langsam griff Richard danach. Der sanfte Zug eines ausgestreckten Armes verschob Richards Schwerpunkt millimeterweise, aber unerbittlich, weg von dem Zaum und zurück auf seine Füße. Josi war dabei allerdings sensibel genug, um kein Wort zu sagen.
Schlußanmerkungen zum Kapitel:
Die Weihnachtsinvasion
Schweigend gingen Richard und Josi Hand in Hand in der Dämmerung durch die eigentümlich leeren Straßen. Josi ertappte sich dabei, wie er schlurfend den feinen Schnee aufwirbelte. Nach kurzem Nachdenken fiel ihm auf, dass niemand dabei war, der ihn deswegen schimpfen würde. Und daraufhin trat er eifrig auf den Schnee ein und veranstaltete ein Schneegestöber um seine Füße. Ein sehr großes Schneegestöber sogar. Es wurde zu einem Schneegestöber, das von vier Schuhen ausgelöst wurde!
Wie kleine Jungs stromerten sie über die verschneiten Bürgersteige und scheuchten den Schnee auf. Da war auch gar nicht schlimm, dass sie einander loslassen mussten, um das Gleichgewicht besser zu halten.

Von einem Autodach klaubte Josi einen Schneeball zusammen und grinste Richard schelmisch an.
„Wehe dir!“ Richard sammelte ebenfalls einen Schneeball von einer Gartenmauer ein.
Eine Motorhaube später war Josis Schneeball doppelt so groß. „Was ist?“, fragte er unschuldig und warf den Ball ein paar Mal hoch und fing ihn wieder auf. Er ging auf Richard zu, hob drohend den Schneeball...

... und setzte ihn auf einen Mauervorsprung hinter Richard. „Kann man noch nicht einmal einen Schneemann bauen?“ Er streckte Richard die Zunge raus, säuberte den Vorsprung von Schnee und formte daraus eine kleine Kugel. Diese patschte er auf seinen ersten Schneeball. Ein naher Buchsbaum verlor zwei Blätter und der kleine Schneemann bekam Augen.
Richard legte einen Arm um Josis Schulter und stützte sich schwer auf ihn. „Und was mach ich jetzt damit?“ Er wackelte mit seinem Schneeball verdächtig nahe an Josis Kragen.
„Auch nen Schneemann bauen?“, schlug Josi vor und schob den Arm von sich weg. Suchend sah er sich um. „Da ist doch ein schöner Eckpfosten.“ Er deutet einen Schritt neben sich.

Richard tat so, als müsse er überlegen. Als würde er ein sehr schweres Opfer bringen, löste er sich von Richard und platzierte seinen Schneeball auf vorgeschlagenem Ort. Ein Fahrradsattel verhalf ihm zu einem Schneekügelchen, dass er als Kopf oben aufsetzte.
„Sehr schick.“ Jetzt legte Josi den Arm um Richard und sich mit seinem Gewicht auf ihn. „Er ist so.... weiß.“
„Das ist Tarnfarbe, im Frühling trägt er grün“, gab Richard gewichtig Antwort.
„Aber warum muss er sich tarnen?“ Josi legte sein Kinn auf Richards Schulter und hängte noch mehr Gewicht auf ihn.
„Vielleicht, damit keiner etwas von der Invasion mitbekommt?“ Richard drehte sich zurück. „Schau mal, da ist noch einer“, er deutet auf Josis Schneemännchen.
Josi blinzelte übertrieben. „Zwei nennst du 'Invasion'?“
Richard schüttelte Josi ab und ging zwei Schritte weiter zu einem anderen parkenden Auto. Josi stolperte und rang mit dem Gleichgewicht. Er hatte nicht damit gerechnet, so plötzlich abgeschüttelt zu werden.
„Wer redet hier von zwei?“ Fein säuberlich fegte Richard mit den Händen den Schnee vom Dach zusammen und formte daraus zwei unterschiedlich große Schneekugeln. Diese platzierte er auf der Motorhaube, genau vor dem Blickfeld des Fahrers. „Ich sehe schon mal drei.“

Josi funkelte Richard belustigt an. Dann zerrte er Richard vom Auto weg und presste ihre Lippen aneinander. Willig machte Richard bei dem Kuss mit. Er stolperte und fiel rückwärts gegen das Auto. Verlockend war die Motorhaube ja schon! Nur leider war es nicht seine Motorhaube, sondern ein wildfremdes Allerweltsauto.
Bedauernd beendetet Richard ihr ausgiebiges Zungenspiel, als er keine Luft mehr bekam. Er brachte eine Handbreit Abstand zwischen sie und deutet auf den Mini-Schneemann. “Hey, pass mir auf Tertius auf! Er ist doch noch so jung.”
„Tertius? Echt jetzt?“, wollte Josi wissen. „Der hat nen Namen?“
„Natürlich haben die alle Decknamen. Und schau mal...“, Richard deutete auf das Auto, auf der andere Seite der Kreuzung „... ich meine, da wächst Quartus aus der Motorhaube.“
„Oh, ja, ich sehe ihn!“ Josi war mit schnellen Schritten über die Kreuzung und zum Auto gegangen. Gemeinsam fegten sie den Schnee auf von diesem Autodach und bauten einen Mini-Schneemann auf der Motorhaube vor dem Fahrer.

Der folgende Wagen war ein Bulli. „Das ist schön hoch.“
„Die haben von da oben bestimmt eine sehr gute Übersicht.“ Abschätzend gingen sie ein paar Runden um ihn herum.
„Ich kann dir ne Räuberleiter machen“, bot Josi an.
“Hmm”, brummte Richard zustimmend und fixierte die Räder des Bulli. „Ja doch, das müsste klappen.“ Testweise schob er seine Fußspitze zwischen Reifen und Radkasten, zog sich hoch und rutschte ab.
„Warte.“ Josi kam dicht neben ihn und gab ihm die angebotene Räuberleiter. Richard stütze sich auf Josis Schulter ab und stieg erst in Josis Hände und dann auf den Reifen. Balancierend löste Richard die Hände von Josis Schulter. Ja, so stand er gut. Mit ausladenden Armbewegungen schaufelte er sich Schnee vom Dach heran und formte einen weiteren Mini-Schneemann. Den setzte er an die Dachkante, sodass auch jeder ihn von unten sehen konnte. Dann hüpfte er zurück auf den schneebedeckten Asphalt. „Das klappt prima. Nächste Ecke!“, befahl er Josi.
„Aye aye, Sir!“ Josi salutierte und fing sich dafür einen Boxer in den Oberarm ein. „Aua!“ Theatralisch krümmte er sich und hielt sich die geboxte Stelle.

Richard war schon beim Vorderrad angekommen und sah zurück. „Wenn du auch nach vorne kommst, dann kann ich dafür sorgen, dass das aufhört weh zu tun“, lockte er.
„Echt, wie denn?“ Josi schlenderte hinüber. Sobald er in Griffweite war, zog Richard ihn am Kragen zu sich und plünderte seinen Mund mit einem harschen Kuss. Doch ehe dass Josi ihn wirklich intensivieren konnte, ließ Richard wieder von ihm ab. Er schlug Josi kumpelhaft auf die Schulter, zog mit einem Fußhaken Josis Bein so, dass er einen guten Tritt auf dessen Oberschenkel hatte und erklomm die luftige Höhe erneut. Überrumpelt klammerte Josi sich um Richards Taille und suchte nach seinem Gleichgewicht. „Aaahhhhaaaa, das könnte mir gefallen“, gurrte Richard von oben herab und verwuschelte Josis Haare zwischen dem Formen der beiden Kugeln. Josis Abwehren war nur halbherzig, hauptsächlich einfach weil es zur Situation gehörte da protestieren zu müssen. Und schon sprang Richard zurück auf den Boden. Josi strich über seinen Oberschenkel und fegte den zertretenen Schnee vom Stoff.

Einen Arm immer noch um Richard gelegt, gingen sie auf die Straße. Auf Autos aufpassen mussten sie nicht. Seit sie die Kapelle verlassen hatten, waren gerade mal vier Autos an ihnen vorbeigefahren. Und zwei davon hatte an der Kapelle Leute abgeholt.
Flugs hatte Richard auch über dem Fahrer ein Schneemännchen platziert. An der letzten Ecke kam auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Familie vorbei. Es war der obligatorische „Ihr geht jetzt Spazieren und wenn ihr zurückkommt, war das Christkind da“-Rundgang und dementsprechend langsam waren die Erwachsenen und hibbelig-lustlos die Kinder.
Das Mädchen bemerkte sie und zeigte mit dem Finger in ihrer Richtung. Josi hielt erst seine Zeigefinger vor die Lippen, dann zeigte er auf die paar sichtbaren Mini-Schneemänner und legte seinen Finger nochmals auf die Lippen. Die Kleine verstand und nickte mit wehenden Zöpfen. Versteckt vor ihren Eltern oder was auch immer kratzte sie nun auch Schnee von den Motorhauben und setzte ein Schneemännchen auf einen Briefkasten.
„Guck mal, wir sind ansteckend.“ Richard stand wieder auf der Erde und bekam von Josi den Schneemann auf der anderen Straßenseite gezeigt.
„Ich sag’s doch, Weihnachtsinvasion.“ Richard zog Josi an sich und Arm in Arm sahen sie die Straße hinab. „Unsere Quadriga droben wird schon ein Auge auf die Rekruten haben“, meinte Richard schließlich.

„Trotzdem ist Sieben immer noch keine Invasion“, merkte Josi an.
„Nööö...“, bekräftigte Richard. Sie schielten sich aus den Augenwinkeln an. Synchron verzogen sich ihre Lippen zu einem amüsierten Grinsen. Einige Augenblicke fixierten sie sich, beinahe, als würden sie auf ein geheimes Startsignal warten. Dieses kam auch in Form eines einzelnen Hundebellens irgendwo in der Ferne. Richard stürmte zum ersten Auto und machte sich über den Schnee der Motorhaube her, Josi rannte ein Auto weiter und tat es ihm gleich. Binnen kurzer Zeit waren alle parkenden Autos auf dieser Straßenseite mit Schneemännern verziert. Bei der schmalen Einbahnstraße, in die sie abbiegen mussten, teilten sie sich ohne Absprache die Straßenseiten auf. Langsam aber sicher wurde es wirklich eine Invasion der Schneemänner. „Richard? Hilfst du mir hier?“, rief Josi und deutet mit dem Kopf in eine Sackgasse, die vollgestopft mit Autos war.
Sie arbeiteten sich gemeinsam von Auto zu Auto durch. Beim „wer hat den größten“-Vergleich hatte der mit dem größeren Schneeball das Privileg, den Standort des Schneemanns auswählen zu dürfen.
An einem Wagen mit langer Motorhaube hielt Richard Josi zurück. Ein sanftes orange schimmerte durch die, im Vergleich zu den anderen Autos, dünne Schneedecke. „Wenn ich das richtig sehe, dann hat der hier Erschütterungssensoren. Die sind gut gegen Diebstahl, gehen aber auch bei jeder fetteren Katze los.“ Er kniff die Augen zusammen und umrundete den Wagen ein paar Mal. „Ich denk, wir können den fertigen Schneemann hier vorne auf die Spitze der Motorhaube setzten.“

Während Josi von einer Hecke Schnee aufsammelte, schlich Richard eine weitere Runde um den Wagen. Am Heck ging er in die Knie und schob vorsichtig mit dem Zeigefinger den Schnee von der Stelle, wo er einen Schriftzug vermutete. Er hatte richtig geraten und pfiff anerkennend. „Geile Kiste! Und echt geil zu fahren!“ Neugierig trat Josi neben Richard. Er sah nur ein schneebedecktes Auto, das wohl ein Zweisitzer sein musste. „Geil zu fahren?“, echote er perplex.
„Jepp, klebt in den Kurven total an der Straße fest. Brauchst gar nicht bremsen und kannst einfach weiter brettern.“ Beinahe liebevoll strich Richard noch etwas Schnee beiseite.
„Du bist so was schon mal gefahren?“ Skeptisch zog Josi die Augenbrauen hoch.
„Klar doch, denkst du, ich warte bis zum Führerschein bis ich anfange zu fahren? Ich muss mich jetzt nur nicht mehr mit nem Hechtsprung auf die Rückbank flüchten, wenn die Bullerei auftaucht.“

Wehmütig seufzte Richard auf. „Und was ist draus geworden? Ein Lieferwagen.“ Er nahm Josi den Mini-Schneemann aus der Hand. „Na komm, lass uns Triginta Septem auf einen Ehrenplatz stellen.“ Er umrundete ein weiteres Mal das Auto. Behutsam setze er die Schneekugeln auf die Motorhaube. „Und jetzt ganz schnell weg! Nicht dass der Besitzer uns durchs Fenster erspäht. Ich an seiner Stelle würde auch versuchen, Petrus zu verklagen wegen der scharfen Schneekristalle, wenn ich nur ein Schimmer im Lack finde, der anders ist.“ Richard schleifte Josi mit sich und zurück zur Einbahnstraße.

Mit großen Augen stolperte Josi neben Richard her. Petrus verklagen?!? Hat Richard sie noch alle? Naja, andererseits, das Bisschen, was man so vom Hörensagen mitbekam über die Kinder, deren Eltern ihnen ein paar Millionen im Jahr in den Rachen stopften... Josi begann zu ahnen, dass Richards Fall aus dem goldenen Schloss weit tiefer gewesen sein musste, als er anfangs vermutet hatte.

„Hey Josi, nicht träumen!“ Richard wedelte einige Autos weiter weg mit den Armen.
„Ich komm ja schon.“ Josi hechtete seine Straßenseite entlang und setzte einige Schneemänner zusammen. Als es dann auch noch in seiner Hosentasche zappelte, ließ er vor Schreck den eben neu geformten Kopf fallen. Hatte er so die Zeit vergessen? Hastig entsperrte er sein Handy.
Die Nachricht war prägnant wie kurz. 'Zeitplan steht noch?'
'Ja, sind in 30 min da', antwortete er.

Vier Autos später hatte er das Ende der Straße erreicht, wo Richard bereits auf ihn wartet mit einen etwas größeren Schneemann mit Kieselsteinaugen, einem Lebensbaummund und einem Tannenzweigbesen auf der Hand. „Das ist Quinquaginta Septem. Er ist zu unserem Schutz abkommandiert,“ erklärte Richard todernst.
Josi prustet los. Richard sah einfach zu komisch aus mit dem Schneemann in Arm, den er wie ein Schoßhündchen präsentierte.
„Hallo Quinka!“ Josi tätschelte dem Schneemann vorsichtig den kalten Kopf.
Von Menschen und Löwen
Ohne viele Worte gingen sie die Hauptstraße weiter entlang. Hier waren Bürgersteige und Straßen geräumt. Die wenigsten Autos standen schon lange genug, um genug Schnee auf sich liegen zu haben, um eine Fortführung der Invasion zu ermöglichen.
Nachdem sie einige Straßen weiter gegangen waren, blieb Richard auf einmal stehen. „Wohin gehen wir eigentlich? Zu dir geht’s doch da lang.“ Er deutete mit dem Daumen schräg hinter sich. „Ich dachte erst, du gehst einen Schleichweg, aber das kann nicht mehr sein.“
Josi grinste verschmitzt. „Nö, wir haben ein bisschen getrödelt. Und deshalb geht’s gleich zum Glühwein und dann erst zu mir.“
„Ah. Also keine Geschenke unter deinem Baum?“ Richard dachte an das kleine Päckchen, dass er in der Jackentasche hatte. Seit er zum Helfen beim Weihnachtsbaumkaufen verdonnert worden war, hatte er sich das Hirn zermartert, was er Josi denn schenken könnte.
„Die kleinen Sachen kommen schon unter den Baum, keine Sorge“, beruhigte ihn Josi. „Ich kann doch nicht verantworten, dass du ein falsches Bild von Weihnachten bekommst.“ Er knuffte Richard gegen den Oberarm. „Komm weiter.Wäre blöd, wenn wir sehr unpünktlich sind.“
„Und wann ist 'pünktlich'?“ Richard setzte sich neben Josi wieder in Bewegung.
„Kurz, nachdem das Christkindlein da war.“ Josis Augen funkelten vor lauter Vorfreude und er stapfte los. „Soll ich Quinka mal tragen?“
„Er heißt Quinquaginta Septem und ja, gerne. Er wird langsam kalt.“ Richard reichte den Schneemann weiter zu Josi.

„Was hast du vor, Josi?“ Richard erkannte, dass sie nur noch zwei Ecken von seiner Wohnung entfernt waren.
„Nichts?“, flötete Josi unschuldig. „Wir gehen zu dem besten Glühwein, den es gibt, hoffe ich zumindest.“ Er bog so ab, dass sie nicht mehr direkt auf das Hinterhaus der Bäckerei zuliefen, wo Richard sein Zimmerchen hatte. Stattdessen steuerten sie nach einer weiteren Ecke direkt die Bäckerei an.
Näherkommend wurde Richard irritiert langsamer. Irgendetwas stimmte an dem Bild nicht. Das Schaufenster war wie wie die ganze Zeit schon in den letzten paar Wochen mit Lichtergirlanden behangen und mit einigen Kekstellern sowie mit Stollen drapiert. Er hatte sie selbst alle paar Tage ausgewechselt.
Noch ein paar Schritte näher fiel ihm auf, dass der Verkaufsraum hell erleuchtet war. So als ob sie offen hätten. Aber Meister Katz hatte die Backstube doch von Heiligabend bis zum achtundzwanzigsten geschlossen!

Richards Schritte wurden langsamer. Der kleine Plattenweg durch Gras vom Bürgersteig zur Ladentür...
Vorne, so wie bei einer Einfahrt...
Da standen zwei Steinlöwen!
Und beide hatten eine breite rote Schleife um den Hals gebunden.
Richard erstarrte. Jahrelang hatte er die Löwen kaum beachtet. Sie waren halt da gewesen, wenn er durch die Auffahrt aufs Anwesen seiner Familie gefahren worden war...

Doch dann kam der Brand und sein Leben, seine Familie, alles was ihn ausgemacht hatte, war in Flammen aufgegangen. Als er die Löwen dann in den Lagerhallen von Josis Antiquitätenhandel gesehen hatte, war er viel zu wütend gewesen, um großartig über sie nachzudenken. Und dann hatte er sie erfolgreich verdrängt. Doch nun standen sie hier!

Gebannt stand Richard vor den Löwen und schaute sie im Wechsel an. Mehr nicht. Gerade so, hätte er Angst, die Löwen würden verschwinden, wenn er sich nur bewegen würde.
Josi setzte den Schneemann ins Gras und trat neben Richard. „Soweit ich weiß, flankieren die beiden immer eine Einfahrt, hinter der ein Silberthal wohnt.“
Im Zeitlupentempo ging Richard vor einem Löwen in die Knie und strich ihm hauchzart über die Mähne.

„Du darfst dein Geschenk ruhig auspacken“, erklang eine Männerstimme neben ihnen. Herr Katz war zu den jungen Männern vor seiner Bäckerei getreten. „Das lose Ende der Schleife nehmen und ziehen.“
Mechanisch folgte Richard der Anweisung.
„Der andere auch.“ Herr Katz beugte sich zu Richard hinunter und zeigte auf den zweiten Löwen.

Mit schwimmenden Augen sah Richard auf. „Wie... Ihr... Was...?“ Herr Katz ging ebenfalls in die Knie, legte den Arm um seinen Lehrling und half ihm hoch.
Ja, die meiste Zeit war sein Azubi ein arrogantes Arschloch, das sich damit abgefunden hatte, dass es sein Geld auf einmal selbst verdienen musste. Aber manchmal blitzte in ihm ein kleiner Junge auf, einsam und und von der Welt verlassen. Ganz wie ein ungeliebtes Kind, das viel zu lange nicht mehr in den Arm genommen worden war und immer nur die Schimpfe abbekommen hatte. „Schöne Weihnachten, Richard!“


Richards Augen huschten hinüber zu Josi und wieder zurück.
Josi kratzte sich verlegen am Kopf. „Naja, von Rechts wegen gehören die eh dir. Ich hab nur organisiert, dass du früh genug aus dem Haus warst und dass die heute hier hergebracht wurden.“
„Und die Schleifen hat meine Frau umgebunden. Sie fand, es wäre so weihnachtlicher.“
Richard schniefte verhalten.
„Kommt rein, Jungs. Ich denke, ein schöner heißer Becher Glühwein ist jetzt genau das Richtige.“ Herr Katz löste sich von Richard und wandte sich dem Lichtschein zu, der aus dem Laden strahlte.
„Ja, das klingt toll“, sagte Josi und folgte ihm.
In stiller Übereinkunft gewährten sie Richard ein paar Minuten für sich. Er würde schon hinterherkommen.


Dankbar betrat Josi die warme Stube. Er hatte es nicht bemerkt, doch nun spürte er, dass ihm während den Vorbereitungen zu Schneemanninvasion ziemlich kalt geworden war. Herr Katz führte ihn zu einem der Stehtische, auf dem eine große Thermoskanne und drei Tassen standen. Er füllte zwei Becher und schob einen davon zu Josi. Dieser klammerte seine kalten Hände ums Porzellan. Quinka hatte ihm gehörige Eiszapfenfinger verpasst. „Ging alles glatt?“, fragte Josi.
„Ja, pünktlich viertel nach zwei kam Herr Steinbeck mit dem Transporter an. Frin hat prima mit ihm gespielt und unermüdlich mit seiner Wackelraupe nach ihm geworfen.“ Herr Katz lächelte in Erinnerung daran, wie problemlos sein Söhnchen erlaubt hatte, dass der ältere Mann auf ihn aufgepasst hatte. „Herr Steinbeck hat mir auch das Päckchen von dir gegeben. Du weißt, dass das nicht nötig gewesen wäre?“ Er nahm einen Präsentations-Plätzchenteller aus dem Schaufenster und öffnete die Folie.
Josi bediente sich. „Ich weiß, aber Sie haben auch die Statuen vom Transporter schleifen und ausrichten müssen.“
Herr Katz kam um eine Antwort herum, da Richard türklingelnd hereingepoltert kam.
„Ihr seid doch verrückt!“, knallte er den beiden an Kopf. Auf seinen Wangen schimmerten Tränenspuren.
Herr Katz überging Richards Kommentar, füllte den letzten Glühweinbecher und drückt ihn ihm in die Hand.
„Nö, Sweety, das nennt sich Weihnachten“, konterte Josi und knusperte an einem Plätzchenkringel.

***

Es dauerte die halbe Tasse und eine leer geräuberte geplünderte Plätzchenschale, bis Josis Worte von Richards Ohr in sein Gehirn gewandert waren. „Wie... Weihnachten?“ Er schaute zwischen Josi und seinem Meister hin und her.
„Das, lieber Richard, das da ist Weihnachten. So, wie es seine sollte.“ Herr Katz lächelte seinen Lehrling sanft an und schenkte unaufgefordert Glühwein nach.
„Ich mein, von Rechts wegen gehören die sowieso dir. Also warum sollen die in unsere Lagerhalle rumstehen“, warf Josi so unbeteiligt wie möglich ein.
„Ja... nein... aber... ich meine...“, Richard fand keine Worte um seine Verwirrung und Überraschung auszudrücken.
Josi stellte seine Glühweintasse auf den Tisch, nahm Richard seine Tasse ab und stellte sie daneben. „Sag 'Danke Josi' und gib mir nen Kuss.“
Richard schluckte schwer und blinzelte eine weitere Träne weg. Dann zog er Josi an sich und küsste ihn. Er legte so viel Gefühl in diesen einen Kuss, wie er es nur vermochte. Und Josi verstand und vergaß, dass sie nicht alleine waren. Er lehnte sich Richard entgegen und trank wie ein Verdurstender den Kuss von Richards Lippen. Süß und herb, vermischt mit dem Aroma des Glühweins und einem bisschen Salz.

Josi hatte gedacht und gehofft, dass es Richard freuen würde, das Wenige seines Eigentums zurückzubekommen, das den Brand überstanden hatte und nun in ihren Lagerschuppen herumstand. Doch dass es ihn so berühren würde, hatte er nicht gedacht. Josi legte die Arme um Richard und zog ihn dicht an sich. Eine Hand fuhr zu Richards Nacken und kraulte ihn.
„Danke Josi. Danke für...“, hauchte Richard gegen Josis Lippen.
Josi legte Richard den Finger auf die Lippen und hinderte ihn am Weitersprechen. „Schhhh, einfach nur danke, das reicht!“
Richard nickte und löste sich leicht von Josi. Dicht an ihn geschmiegt blieb er dennoch Arm in Arm stehen. „Danke, Herr Katz.“
Herr Katz nickte und hantiert mit der Glühwein-Thermoskanne. In der schummerigen Beleuchtung war es nicht leicht auszumachen, aber er war ein bisschen rot um die Nase. Und er brauchte zu lange, um ihnen dreien nachzuschenken.
„Noch nie zwei Männer küssen gesehen?“ Richard fragte neckend, aber ohne das Sticheln oder Anklagen, was diesen Ausspruch sonst immer begleitete.
„Um ehrlich zu sein, nein.“ Jetzt, wo sie nur noch Arm in Arm standen, normalisierte sich die Farbe von Herrn Katz' Wangen wieder.


Einträchtig schlürften sie ihre Becher leer und knabberten dabei noch ein paar Plätzchen. Dann hielt es Richard nicht länger im Warmen und er ging zurück vor die Tür. Er kniete vor den anderen Löwen und knibbelte mit mit total übertriebener Piddelei die Schleifen des zweiten Löwen ab. Dann fuhr er mit der Hand über die detalliert ausgearbeitete Mähne. Es war nur Stein, es war albern, aber er musste seine Löwen einfach streicheln.
Dabei wurde er sinnierend betrachtet von den beiden Männern, die durch die Scheiben der Fassade hinausblickten. „Und was kosten die Löwen wirklich?“, fragte Herr Katz in die Stille hinein.
„Wir haben sie auf zweitausend das Stück geschätzt. Aber da es Hehlerware ist, ist sie unverkäuflich und muss eingelagert werden, bis die Polizei weiter entscheidet. Es sei denn, der rechtmäßige Besitzer meldet sich. Dann bekommt der sie sofort wieder. So gesehen war es nur eine Frage der Zeit, wann die wieder bei Richard stehen. Glück für ihn, dass es tatsächlich mal geklappt hat, die Verbindung zusammenzuführen von seiner Anzeige gegen Unbekannt und meine Meldung wegen Verdacht auf Hehlerei inklusive Anzeige gegen den Entrümpler, von dem wir die Löwen haben.“ Josi seufzte. „Ich will das Antiquariat in ein paar Jahren von Herrn Steinbeck übernehmen. Und da kann ich gar nichts brauchen, wo auch nur der Verdacht aufkommt, es wäre was nicht koscher.“
„Oh, ich verstehe.“ Herr Katz nickte und nippte an seiner leeren Tasse. „Ach schade, aber mehr hat mir meine Frau verboten. Sie will selbst noch ein Gläschen mit mir trinken. Eigentlich wollte sie auch dabei sein, aber Frin war unleidlich und wollte nichts anderes als auf Mamas Arm.“
„Frin?“ Josi schaute Herrn Katz an.
„Eigentlich Fridolin. Ich kann selber nicht sagen, wann und wie da Frin draus geworden ist.“ Herr Katz zuckte mit den Schultern.

Josi deutete auf Richard „Wenn man ihn so sieht, komm man gar nicht auf den Gedanken, dass manchmal auch ganz gut ein arrogantes Arschloch sein kann.“
Herr Katz verschluckte sich und begann zu husten. „Manchmal? Er kann ein Kotzbrocken sein. Total verzogen. Aber er hat nen guten Kern. Sag es ihm bloß nicht, aber das Beste, was ihm passieren konnte, ist , dass er aus seinem goldenen Käfig gefallen ist.“
„Ich werd mich hüten, ich häng an meinem Leben!“ Josi wiegelte ab. „Ja, das hab ich mir auch schon mal gedacht. Wissen Sie, was genau passiert ist? Viel redet er ja nicht...“
Bedauernd hob Herr Katz die Schultern. „Nein, auch nicht viel mehr als das, was sein Lebenslauf hergibt. Den Familienname bekommst du nicht gegoogelt. Richard hatte erwähnt, dass sie immer nur im Hintergrund als stille Teilhaber aufgetreten sind. Er war im Internat Salem, doch ich habe keinen Ahnung, warum und wieso er nach dem Brand in unserer Stadt im Jugendheim gelandet ist. Ich weiß nur, dass er es geschafft hat, ein flüssiges Erbe von einer halben Million innerhalb von vier Monaten auf den Kopf zu hauen. Und die fest angelegten Sachen muss wohl irgendein Verwalter seiner Familie in der turbulenten Zeit direkt nach dem Brand veruntreut haben.“
Jetzt war es Josi, der sich an seinem eigenen Atem verschluckte und hustete. Also doch ein Bonzensöhnchen!
„Wie auch immer, ich habe mir den Bengel die nächsten Jahre ans Bein gebunden. Und wehe, er macht keinen anständigen Meister.“ Herr Katz' Augen funkelten im Schein der Straßenlaterne am Bürgersteig. Er war ein Chef, der, trotz aller familiärer Freundlichkeit, genau wusste, was er von seinen Leuten wollte.
„Geh schon mal raus, ich mach den Laden zu.“
Klöße an tiefem kaltem Wasser
Den Weg zurück waren Josi und Richard zügig gelaufen. Keine Weihnachtsinvasion mehr, keine Ablenkungen. Und auch Schneemann Quinka hatten sie feierlich an das Söhnchen vom Meister übergeben. Der hatte sich wortlos, aber mit strahlend-glänzenden Augen bedankt. Die kurzfristige Wärme vom Glühwein war längst wieder verflogen, daher drängten sie sich nun erfreut in den warmen Flur. Jacke und Mantel fanden ihren Platz an der Garderobe und die schneetropfenden Schuhe ein Handtuch bei der Tür. Josi huschte vor Richard ins Wohnzimmer, um die Lichterkette vom Baum einzustecken. Richard folgte ihm gemächlich. Bei der Weihnachtspyramide lagen Streichhölzer, mit denen er die Kerzen auf dieser sowie auf der Fensterbank entzündete. Etwa zeitgleich leuchteten alle Lichter am Baum auf.

Josi krabbelte hinter dem Baum hervor. Sein Blick fiel auf Richard. „Wow, schick!“, rief er spontan aus. Sein Blick glitt von Kopf bis Fuß über Richard und wieder zurück. Jetzt beglückwünschte er sich zu seiner Entscheidung, heute Morgen eine schwarzglänzende Stoffhose und einen dunkelblau melierten Kaschmirpullover angezogen zu haben.
„Du aber auch!“ Richard trat zu Josi und reicht ihm die Hand. Sanft, aber bestimmt half er Josi auf. Sein Daumen streichelte leicht über die Knöchel von seiner Hand . „Du bist verrückt.“ Er zog Josi zu sich und lehnte seine Stirn auf dessen Schulter ab. „Ihr alle...“
Josi brauchte einen Moment um zu verstehen, wovon Richard sprach. „Die Löwen?“, vergewisserte er sich sicherheitshalber trotzdem.
Richard nickte und brachte damit Josis Schulter zum Wackeln.
Josi legte seinen freien Arm um Richards Taille und schloss so die Distanz zwischen ihnen. Vorsichtig hauchte er Küsschen auf den überdehnten Seitenmuskel von Richards Hals.

Richards Finger wanderten wie von selbst über Josis Seiten und zu dessen Hemdsaum. Ein bisschen knibbelten sie an dem Stoff herum, dann huschten sie vorwitzig unter das Hemd und fanden einen Weg unter das Shirt zur nackten Haut.
Kurz blieb die Hand brav auf Josis Rückgrat liegen, dann schob sie sich langsam auf der Haut entlang und weit in die Hose hinein.
Auch Josi konnte seine Hände nicht stillhalten. Er knöpfte Richards Jackett auf und schob seine freie Hand unter dessen Pullunder. Unter Hemdknöpfen und dünnem Stoff konnte er flache Bauchmuskeln ausmachen. Leicht streichelte er darüber. Die Hand direkt auf seinem Hintern erregte Josi und ließ in ihm den Wunsch aufkommen, heute mit Richard mehr als bislang zu machen. Bei ihrer Aktion beim Baumaufstellen waren sie zu viel sehr und viel zu dick eingepackt gewesen, als dass Josi viel von Richard hätte erkunden können.

„Wie lang kannst du heute bleiben?“, fragte Josi leise in Richards Haare.
„Solange du willst.“ Richard schnaubte in Josis Halsbeuge und er musste sich sehr beherrschen, ihn weder abzuschütteln noch zusammenzuzucken. Trotzdem hob Richard fragend den Kopf.
„Das hat gekitzelt!“, sagte Josi verlegen. Er löste seine Hand, die immer noch von Richard gehalten wurde und rieb sich die angepustete Stelle am Hals.
Richard konnte nicht anders; kaum dass Josi seine Hand weggenommen hatte, legte er seine Nase noch einmal an Josis Hals und schnaubte dagegen.
Josi quietschte ganz unmännlich auf. Richard musste lachen und legte dabei den Kopf in den Nacken. Er hob seine jetzt freie Hand, legte sie Josi in den Nacken und zog ihn noch näher an sich. Seine Augen suchten die von Josi und ihre Nasenspitzen berührten sich fast. Josi streckte das Kinn vor und schloss den Abstand zwischen ihren Lippen. Sanft legte er seine Lippen auf Richards, da stupste auch schon eine freche Zunge gegen seine und verlangte Einlass. Natürlich wurde dieser gewährt.

Obwohl er kaum Erfahrungen hatte, ließ Josi sich ganz auf den Kuss ein und ahmte instinktiv das nach, was Richard ihm vorgab. Nur diese verführerischen Lippen, diese freche Zunge, die seine eigene neckte, diese warm werdende Schneehand auf seinem nackten Hintern waren wichtig. Und natürlich auch der warme Körper, der sich der Länge nach an ihn schmiegte. Josi gab ein wohliges Stöhnen von sich. Mit seiner Hand wollte er den begehrenswerten Bauch erkunden, musste aber feststellen, dass ihm durch die Nähe und das Gewicht von Richards Körper seine Hand abknickte.
„Autsch!“ Josi löste sich von Richard und zog seine Hand zurück. Fragend runzelte Richard die Stirn. Dann sah er, das Josi seine Hand austestend in alle Richtungen bewegte.
„Abgeknickt?“ Er gab Josi frei.
„Hmhm“, brummte Josi. Daraufhin nahm Richard Josis Hand in seine Hände und setze ein Küsschen auf das Gelenk.
„Geht schon“, wiegelte Josi ab. „War nur...“
„... zu unangenehm, um es ignorieren zu können?“ Noch während Josi nach einer Beschreibung suchte, vervollständigte Richard den Satz.
„Hmhm“, brummte Josi erneut. Er hatte den Eindruck, dass er ganz alleine die beginnende romantische Stimmung verdorben hatte. Und das gefiel ihm nicht.

Unschlüssig legte er seine Hand wieder dort hin, von wo er sie soeben weggezogen hatte, doch jetzt auf die äußerste Stoffschicht, aufs Jackett.
Nun auf Josis Hände aufpassend, schloss Richard ihn in die Arme und umarmte seinen Freund. Bei allen anderen hatte ihn so ein Gehabe immer angenervt, aber Josi war einfach nur niedlich.
„Viele Beziehungen hattest du noch nicht, hm?“ Richard hauchte ein Küssen auf Josis Wange.
„Kommt drauf an, als was du 'schüchtern im Kino Händchen halten' oder 'Klammerblues tanzen, während der Rest so besoffen, ist dass er nicht bemerkt, dass du mit nem Junge tanzt' definierst“, gab Josi zu.

„Uh, und dann gleich ich.“ Richard schaute skeptisch auf Josi. „Ich bin gut darin, Beziehungstaumata zu hinterlassen. Hat man mir jedenfalls nachgesagt. Also überlege dir gut, wie nah du mich an dich ran lässt.“ Er grinste schief. Nicht dass er vorhatte, mit Josi zu spielen. Im Gegenteil, Richard hatte das Gefühl, dass es mit Josi anders werden könnte. Das Problem war nur, dass er sich selbst nicht traute.
Josi schluckte hart. Das war deutlich, aber zumindest ehrlich. „Hast du das den anderen auch gesagt?“, brachte er immerhin eine nüchterne Frage heraus.
Richard überlegte. „Ehrlich gesagt, nein. Die waren mir egal.“
Josi seufzte tief. Das machte es jetzt nicht gut, aber es beruhigte ihn trotzdem. „Mein Wasser ist also kalt, tief und....“
„Welches Wasser?“, wollte Richard wissen.
„Na das, in das ich mich selber schmeiße, weil ich mich nicht von deinen Warnungen abschrecken lasse“, erklärte sich Josi. „ Naja, immerhin bin ich jetzt vorgewarnt.“ Sonderlich begeistert klang er nicht.

Das hörte auch Richard und trotzdem war es besser als jede Reaktion, die er sich vorgestellt hatte. Er hätte mit einem Knie im Magen, einer Faust im Gesicht oder einem rüden Abschieben ins Treppenhaus gerechnet. Doch das alles blieb aus. Abwartend stand er da und ihm wollte einfach kein dummer oder vielleicht sogar gescheiter Spruch einfallen. Das einzige, was er wusste, war, dass er nicht gehen wollte, aber ohne zu Murren oder Klagen verschwinden würde, sollte Josi es sich doch noch anders überlegen.

„Ich würd halt gern rausfinden, wohin das mit uns führt“, gestand Richard.
Josi legte seinen Kopf auf Richards Schulter. Einige Atemzüge lang standen sie einfach nur beieinander, hielten sich in Armen und hingen ihren Gedanken nach.
„Lass uns Essen machen“ durchbrach Josi die Stille. „Drei Becher Glühwein auf nüchternen Magen sind nie sinnvoll.“
„Wenn du das sagst, dann wird das wohl stimmen.“ Richard nahm Josis Hand und verflocht ihre Finger ineinander. Hand in Hand gingen sie hinüber in die Küche.

***

Einträchtig standen sie in der kleinen WG-Küche nebeneinander. Richard rührte den Topf, im dem sich Dosenrotkohl aufwärmte. Nebenbei hütete er, als Meister des Grills, wie er sich selbst betitelt hatte, die in der Pfanne daneben brutzelnden Steaks. Josi hatte fertigen Kloßteig geformt und diesen in einen Topf mit Wasser gegeben. Sie mussten nur noch ziehen, während er hin und her wuselte, den Wohnzimmertisch essenstauglich machte und dann deckte. Geplant hatte er Glühwein zum Essen, doch ihm war immer noch sanft duselig von den Bechern bei Meister Katz. Also stellte er Cola und Saft bereit.
Der Tisch hatte was von einem Weihnachtsdinner. Noch während er umdekorierte, wurde Josi bewusst, dass es ja auch eines war! Er schüttelte über sich selbst den Kopf. Vielleicht sollte er seinen Glühwein erst morgen aufmachen, komische Gehirnverdrehungen hatte er schon zu genüge. Jetzt nur noch ein bisschen Musik. Doch Zeit zum Auswählen hatte Josi keine mehr, den Richard informierte ihn aus der Küche heraus, dass die Klöße in ihrem Topf nach oben kamen. Wenn Richard wirklich ein Grillmeister war, hatte er jetzt auch die Steaks fertig. Also gab es ungefiltert seine ewig lange Playliste „Weihnachten“.

Richard hatte nicht gelogen. Er wartete nur darauf, dass Josi ihm Teller gab, auf denen er seine Steaks anrichten konnte. Josi schmiss die Klöße hinterher und wartet dann, dass Richard endlich den Rotkohl dazu tat. „Richard? Träumst du?“
Erst danach sah er Richard an und blickte in dessen unzufriedenes Gesicht.
„Eh, Richard? Was ist?“ Josi hatte keine Ahnung, was Richard haben könnte.
„Nicht ist, nichts wichtiges“, beschwichtigte Richard. „Es ist nur... Gib mir bitte nochmal zwei Teller. Und habt ihr vielleicht Balsamico da?“
Irritiert und neugierig zugleich kam Josi der Bitte nach. Richard bettet die Steaks um und arrangierte den Kohl mit den Klößen drum herum. Zum Abschluss schnappte er sich noch eine Orange aus der Obstschale, halbierte sie, dekorierte den Tellerrand mit Orangenscheiben und spritzte ein paar Tropfen Balsamico dazu.
Jetzt war es an Josi zu gucken, allerdings mit erstaunt aufgerissenen Augen. Ein paar Handgriffe und Richard zauberte aus ihrem Essen eine Art Ein-Gang-Menü!
Doch erst als Richard Josi einen Teller reichte, sah er dessen Staunen. Verlegen zuckte Richard mit den Schultern. „Wenn man weiß, wie's auszusehen hat, ist es simpel nachmachen.“
„Ich seh schon, ich muss dich mal zu ner Studenten-WG-Party bei Pizzaservice und Faxe schleppen“, überspielte Josi seine diesbezügliche Unwissenheit.
„Ne ne, brauchst du nicht“, wiegelte Richard ab, dem bei der Aussage Böses schwante. „Weil wie man diese Teller jetzt stilecht an den Tisch bekommt, weiß ich auch nicht. Also mach dir keinen Kopf.“
„Ich schlag vor, jeder nimmt einen Teller und wir gehen einfach rüber?“ Josi blinzelte unschuldig mit beiden Augen.
Richard lachte lausbubenhaft auf. „Guter Plan!“


Nacheinander gingen sie ins Wohnzimmer und nahmen Platz. Minimal hoben sich Richards linke Augenbraue und Lid, doch Josi beobachtete ihn genau genug, um es zu bemerken, anders als eben. Es bedurfte noch ein paar Bestätigungen, doch Josi glaubte jetzt schon herausgefunden zu haben, dass dies ein kleines Anzeichen dafür war, dass etwas dem Herrn Silberthal sehr genehm war.
Josi schmunzelte. Na also, er konnte es doch! Vielleicht nicht beim Menü anrichten, aber generell. 'Oh man, jetzt versuche ich schon mit nem Lebensstiel zu konkurrieren, den ich eh nie erreichen kann und aus dem Richard längst rausgeflogen ist.' Josis Schmunzeln wurde schief und er rieb sich die Nasenspitze.
Darauf wurde auch Richard aufmerksam. „Ist was?“
„Nein nein“, meinte Josi. „Vielleicht ein bisschen viel Glühwein eben. Da werden die Gedanken komisch.“ Er griff nach der Safttüte und schenkte ihnen beiden ein.
„Peinlich komisch oder darf ich mitlachen?“ Auch Richard grinste nun.
„Vielleicht später mal. Aber jetzt, guten Appetit!“ Josi hatte Hunger und wollte nicht darauf warte, dass ihr Essen kalt wurde.
„Es 'zunderheyt!*“ „Guten Appetit!“
Sie grinsten ob der Synchronizität, nickten einander zu und machten sich über ihre Teller her. Die nächsten Minuten war nur leise Weihnachtsklänge zu hören, immer wieder unterbrochen durch das Geklapper von Besteck auf Porzellan.
Schlußanmerkungen zum Kapitel:
Sexy Märchenonkel
Sie hatten die Teller nur schnell in die Küche gebracht und saßen jetzt nebeneinander auf dem Sofa. Ihre Schultern und Oberarme berührten sich leicht. Jeder hatte ein Schälchen mit Zimteis in der Hand. Ab und an fand ein Löffel den Mund des anderen, ab und an fanden sich eissüße Lippen zu einem Kuss. Die Lichter des Baumes spiegelten sich in der Fensterscheibe und erweckten die Illusion eines weiteren Baumes in dem von Kerzen erleuchteten Raum. Hinter den Scheiben zogen einzelne dicke Flocke gen Boden und bedeckten auch das letzte Grau mit einer weißen Schicht.
„Fühlt sich gut an“, durchbrach Richard die Stille. „Ist Weihnachten immer so?“
„Das ist zumindest der Plan. Gibt natürlich zig Möglichkeiten, wo es schief gehen kann.“ Josi nickte und lehnte sich an Richard „Menschen machen Knatsch oder irgendwas fackelt ab oder aus nem Nichts entsteht ein Drama...“
„Das gibt's doch immer.“ Richard legte seinen Arm um Josi und beobachtete den Flockenflug.

„Von draus vom Walde komm ich her...“, begann Richard das alte Gedicht von Theodor Storm zu rezitieren.
Josi hörte ihm aufmerksam zu. Natürlich kannte er das Gedicht, aber er hätte es nicht aufsagen können. Es hatte was von einem Märchenonkel, wie Richard da so saß. Abgesehen von der Tatsache dass er viel zu jung dazu war. Bei der letzten bekannten Zeile kuschelte sich Josi näher und wollte das Ende mit einem Kuss abschließen...
… da machte Richard weiter! Erstaunt lauschte Josi, wie Richard in eine Art Dialog wechselte. Mit einem „...schlafet sanft, habt gute Nacht“*, endete Richard und Josi spürte einen süßen, lieben, harmlosen Kuss der Sorte 'Gute-Nacht' auf seiner Stirn.
„Zum Schlafen gehen ist es aber noch zu früh“, kommentierte Josi den Kuss.
„Ja. Und deswegen musst du mich auch aufstehen lassen. Ne Kleinigkeit habe ich nämlich auch für dich.“ Richard löste sich aus Josis Armen und erhob sich.

Zurück im Flur kramte er aus einer Manteltasche ein dünnes rechteckiges Päckchen. Aus der anderen Tasche zog er eine Löwenschleife und band sie schnell noch um das schlichte Packpapier. Er hatte die Nacht nach Josis Einladung grübelnd wachgelegen, weil er total überfordert war, eine Geschenk-Idee zu finden. Der erste 'Scheiß drauf, ist eh nicht mein Fest und leisten kann ich mir sowieso nichts'-Gedanke war so schnell im Nirvana verschwunden wie ein Augenzwinkern. Geblieben war die Gewissheit, dass er nicht mit leeren Händen dastehen wollte. Und jetzt war ein guter Moment um Josi sein Geschenk zu geben. Richard hoffte inbrünstig, dass er das Richtige ausgewählt hatte.
Er war sich noch nie so unsicher gewesen. Die teuerste Uhr aus dem Schaufenster zu greifen war immer einfach gewesen. Und komplett daneben hatte er mit solchen Geschenken nie gelegen. Aber sie waren auch nie persönlich gewesen. Ehrlich wäre gewesen, wenn er nichts geschenkt hätte. Josi hatte auch durchklingen lassen, dass er kein Geschenk erwartete, weil es ihm genug war, heute nicht alleine sein zu müssen. Aber verfickt noch eins, er WOLLTE Josi was schenken!

„Richard? Hast du dich verlaufen?“
Richard zuckte zusammen. Stand er wirklich schon so lange vor seinem Mantel herum, dass Josi nach ihm rufen musste? Er straffte seine Haltung und ging zu Josi zurück ins Wohnzimmer.
„Hier. Für dich!“ Mit lang ausgestrecktem Arm drückte er Josi das Päckchen in die Hand.
Josi sah Richard an, dass er verlegen war. Neugierig nahm er das Päckchen an sich. Erst drehte er es in alle Richtungen und begutachtete es von allen Seiten. Er versuchte zu raten, was darin verborgen sein könnte. Dass Richard vor ihm nervös auf seinen Fußballen auf und ab wippte, machte ihn schlussendlich auch hibbelig und er zerrte die Schleife runter. Der Klebefilm war kooperativ und löste sich auf leichtem Fingerdruck. Josi wickelte das Papier ab und sah auf die Rückseite eines Bilderrahmens. Er drehte es um. Als Bildersatz schaute er auf einen handgemalten Gutschein. „Reitstunden bis zum ersten gemeinsamen Tagesritt bei dem Vize-Juniormeister im Sprung von 2014“. Skizzen von springenden und trabenden Pferden umrahmten den Schriftzug.

Kaum das Josi zu Ende gelesen hatte, platzte es auch schon aus Richard heraus. „Jaaa, ich hab kein Pferd mehr. Und ich weiß auch nicht, wie ich an eins kommen soll. Aber irgendwie werde ich eines auftreiben. Und dann nehm ich dich mit!“
Josi war baff. Bei so einer Art Päckchen hatte er einen lieben, netten, nichtssagenden Gutschein erwartet, aber keinen Gutschein für Reitstunden. Und so wie Richard herumhibbelte, war es ihm todernst. Der würde einen Gaul aufgetrieben bekommen! Bestimmt schneller, als es Josi lieb war!
Josi wusste nicht, wie er reagieren sollte und drehte den Bilderrahmen verlegen in seinen Händen. So einen hatte er noch nie gesehen. Es war weder ein Kaufhaus-Rahmen noch einer von denen, die er im Laden unter die Finger bekam. Eine Szene von ihrem ersten gemeinsamen Ausflug über den Weihnachtsmarkt blitzte in Josis Hirn auf. Sie waren vor dem Holzspielzeug gelandet und Richard hatte die Ware abwertend kommentiert gehabt. Dort war es offensichtlich gewesen, doch was er jetzt in Händen hielt...

„Du hast den Rahmen selbst gemacht?“, vergewisserte sich Josi beeindruckt.
„Yoah.“ Richard zuckt unbestimmt mit den Schulten. „Hab nicht das Holz bekommen, das ich wollte. Aber so ging's auch. Der kann jetzt halt nicht so viel Gewicht halten, aber für n Stück Papier reicht's schon.“
Josi strich über den geschnitzten Rand. „Du hast ein Händchen für so was...“, setzte er an, doch da fiel Richard ihm schon ins Wort.
„Och neee, nicht du auch noch“, brummelte er.
„Auch? Wie 'auch'?“ Josi wurde hellhörig.
„Lass gut sein, ja? Bitte!“ Es war deutlich zu sehen, wie unangenehm es Richard war. Da Josi außer Neugierde keinen weiteren Grund aufweisen konnte, warum er nachbohren sollte, kam er Richards Bitte nach.

„Reitstunden?“, konzentrierte er seine Neugierde auf den anderen Teil seines Geschenks. „Ich weiß nicht, ich hab noch nie ein Pferd aus der Nähe gesehen. Und dann gleich drauf sitzen?“
Richard schloss die Distanz zwischen ihnen und legte seine Finger um die Hand von Josi, die immer noch den Rahmen hielt. „Wenn du noch nie geritten bist, kannst du doch auch nicht wissen, ob es dir gefällt.“
„Unleugbar logische Kombinationsgabe hast du da. Aber die sind doch groß! Und... weiß nicht...“ Josi wusste nicht, was er von seinem Geschenk halten sollte.
„Ich würde echt gern mal mit dir zusammen ausreiten.“ Richard schmiegte sich seitlich an Josi. „Und ich bring dir auch alles bei, was du dafür wissen musst. Einmal ausprobieren, ja?“

Ergeben seufzte Josi. War ja schon süß, was Richard da wollte. Hochtrabende Pläne schmieden, keine Ahnung haben, wie er sie umsetzen sollte und dennoch Versprechungen machen.
„Na gut, treib mir mal nen Gaul auf. Dann kraxel ich auch auf das Viech. Und du machst, dass ich nicht runter geschmissen oder getreten oder gebissen oder was auch immer werde.“
Richard lachte. „Und wie ich auf dich aufpassen werde! Kann doch nicht verantworten, dass du dir blaue Flecke am Hintern holst...“ Richard streichelte über Josis Kehrseite. „...oder gar ein Bein brichst.“ Die Hand wanderte über Josis Hüfte und Oberschenkel. „Dann muss ich ja genauso darunter leiden.“

Josi wand sich aus Richards Armen. Mit aufreizendem Hüftschwung ging er die paar Schritte zum Bäumchen und stellte den Bilderrahmen unter die Zweige. „Wie gut, dass die Löwen eh draußen bei dir stehen. Die hätten beim besten Willen nicht unter das Bäumchen gepasst.“
Richards Blick klebte auf Josis Hintern. Es war aber auch zu appetitlich, wie der herumwackelte. Wie magisch angezogen folgte er Josi und schmiegte sich von hinten an ihn. „Und was machen wir jetzt? Gibt es ein besonderes Prozedere, von dem ich wissen sollte?“
Josi dreht sich in seinen Armen um. „Nein, 'gemütlich den Abend ausklingen lassen' lautet der nicht weiter konkretisierte Plan.“
„Das klingt nach einem sehr guten Plan.“ Richard zupfte den Ausschnitt an Josis Rücken tiefer und knabberte an Josis Nacken.
Josi zog die Schultern hoch und den Kopf ein. Das kitzelte! „Für gegen Hunger haben wir noch Stollen. Oder Schnittchen, wenn wir den Kühlschrank bemühen.“ Er drehte sich in Richards Umarmung und schlang die Arme um Richards Hals. „Oder...“ Er hörte auf zu reden und zeigte Richard lieber, was er meinte, indem er ihn küsste.
„Hmmm. Das ist in der Tat eine gute Alternative!“ Richard zog Josi näher und drückte ihn an sich. Josi drängte sich ebenfalls gegen ihn. Erst mit Verzögerung verstand Richard, dass er sie zum Sofa dirigieren wollte, was zugegebenermaßen eine wirklich gute Idee war.

Sich gegenseitig behindernd stolperten sie auf das Sofa zu und fielen geradezu auf die Sprungfedern. Diese beschwerten sich quietschend. Josi tat es schulterzuckend mit dem Wort „Studentenbude“ ab. Richard interessierte es nur am Rande. Sie hatten keine Verpflichtungen, die auf sie warteten, keine Termine, die im Nacken drängelten, nur einander auf einem gemütlichen Sofa an einem lauschigen Abend.
In aller Ruhe spazierten Richards Finger über Josis Oberkörper. Kein Tannenbaum, der noch aufgestellt werden wollte, machte ihm den süßen Mann unter seinen Fingern streitig. Die Finger wanderten weiter und krabbelten unter den Saum von Josis Pullover.
Josi beobachtete ihn amüsiert und legte seinerseits eine Hand auf Richards Brust. Verträumt strich er über den Stoff und versuchte die Muskeln darunter zu erspüren. Eine süße, ruhige Unendlichkeit an Minuten streichelten sie einander. Nur die Kerzen knisterten hin und wieder und warfen dabei flackernde Schatten. Josis Herz wummerte gegen seinen Brustkorb, als er sich dazu entschied, Richard aus seinem Pullunder zu schälen. Ja, er wollte Richard berühren, überall. Egal was seine Nervosität dazu meinte. Mit bebenden Fingern knöpfte er das freigelegte Hemd auf.

Filmchen hatte er immerhin schon einige gesehen und ein paar Bücher einschlägiger Literatur standen auch hinter seinen Fachbüchern versteckt. Doch live und und in Farbe war das auf einmal ganz anders. Nicht wirklich wissend, was er jetzt machen sollte, setzte Josi einen Kuss auf Richards Schlüsselbein. Richard brummte zufrieden und Josi setzte einen zweiten Kuss hinterher. Er schmeckte einen Hauch von Richards Haut. Neugierig leckte er darüber , um mehr davon zu erhaschen. Ein leichter Schauder huschte durch Richard. Er räkelte sich genießerisch unter Josis Fingern und öffnete leicht seine Beine. Josi rutschte mit einem Bein dazwischen und ihre Beine verknoteten sich. Mit einer Hand strich Richard über Josis Rücken und schob sich unter den Hosenbund. „Was auch immer du noch vor hast, hör ja nicht auf damit.“
Josi lachte auf. „Ja, wenn ich das bloß wüsste.“
Auch Richard grinste. Er richtete sich leicht auf und griff mit der anderen Hand nach Josis Pullover. Josi stützte sich auf Richards Brust ab und half mit, den Pullover über seinen Kopf zu streifen. Unbeachtet fiel das Kleidungsstück zu den beiden anderen, die bereits vor dem Sofa lagen.

Richard wanderte mit den Fingerspitzen auf Josis Rücken spazieren. Er streckte den seinen Kopf und hauchte einen Kuss auf Josis Scheitel. Josi quittierte den Kuss mit einem weiteren Kuss auf Richards Schlüsselbein. Er schnupperte über Richards Brust, dann leckte er vorsichtig über die geküsste Stelle. Die Haut schmeckte leicht salzig und Josi erahnte das leichte Aroma der Rosmarin-Seife vom Weihnachtsmarktstand.
Das sanfte Brummen, das unter seine Lippen den Brustkorb erbeben ließ, bestätigte und ermutigte ihn. Halb küssend, halb leckend arbeitete sich Josi über Richards Oberkörper. Dann rutschte er an Richards Seite. Die freigewordenen Hand nutzte Josi, um unsichtbare Linien auf dessen Oberkörper zu zeichnen. Ein warmes Gefühl wuchs in seiner Brust und setzte langsam und unerbittlich seinen ganze Körper in Flammen.

Auch Richard war nicht untätig. Er kraulte Josi im Nacken und dirigierte ihn unmerklich über seine Brust. Dieses sanfte Necken und und Kosen machte ihn jetzt schon ganz wuschig. Und das, obwohl sie im Grunde noch ganz brav aufs Sofa gekuschelt lagen. Richard spürte, wie es sich zwischen seinen Beinen regte und vorwitzig gegen Josis Oberschenkel drückte. Er ruckelte mit der Hüfte und brachte Josi in eine bessere Lage. „Was machst du da?“, nuschelte Josi undeutlich.
„Na was wohl...“ Richard regte sich nochmal und jetzt kam auch Josis Glied in direkten Kontakt zu Richards Hüftknochen. „...ich eröffne ne zweite Spielwiese eine Etage tiefer.“

"Gute Idee", nuschelte Josi gegen Richards Bauchdecke. Er drängte sich an Richard. Dessen Hüftknochen war wirklich in perfekter Höhe zu seinem Glied. Unwillkürlich begann Josi, sich leicht an Richard zu reiben. Mit Händen und Mund erkundete er weiterhin Richards Oberkörper. Dessen ganz eigener Geruch stieg Josi zu Kopf. Berauscht wimmerte er leicht, als Richards Finger weiter an seinem Rückgrat entlang wanderten und ihn an sich pressten.
"Du bleibst doch heute, ja?" vergewisserte er sich nochmal. Was auch immer sie vor dem Essen ausgemacht hatten, Josi hatte es hier und jetzt vergessen und brauchte die Gewissheit, um weiterzumachen.
"Ja", bestätigte Richard. "Und ich habe ganz viele Ideen, was wir machen könnten." Er schob seine Finger unter Josis Hosenbund und knetet dessen Pobacken. Das führte dazu, dass Josi versehentlich fester als geplant knabberte und nicht mehr so verspielt wie zuvor.
"AU!", beschwerte Richard sich.

"Tschulligung", nuschelte Josi und leckte besänftigend über die malträtierte Haut.
"Schon gut." Richard räkelte sich erneut unter Josis kosender Zunge. Wirklich Platz hatte er auf dem Sofa nicht. Und irgendwie rutschte ihm Josi vom Sofa runter, er musste immer mehr Kraft in den Arm geben, mit dem er eigentlich an Josis Po fummeln wollte. Kurzentschlossen legte er sein freies Bein über die Rückenlehne. Josi folgte dem freiwerdenden Platz und rutschte nun gänzlich zwischen Richards Beine. Er robbt über Richard und setzte seine Knabbertour am Hals fort. Solange, bis es Richard reichte und der ihn zu einem langen Kuss zu sich hoch zog. Ihre Erregungen schoben sich aneinander. Und Josis unausgesprochenen Hoffnung schob sich aus dem Hintergrund nach vorne. Es war ihm ein wenig peinlich, aber mehr als Knutschen und Fummeln hatte er noch nie mit einem Kerl gemacht. Im Grunde genommen noch überhaupt nie. Es war die Hoffnung auf mehr, die ihm einen weiteren Grund gegeben hatte, Richard zum heutigen Festtag einzuladen.

„Du Richard“, fing er zwischen zwei Küssen an. „Wollen wir rüber gehen? Bei mir ist mehr Platz als hier auf dem Sofa.“ Er hatte nämlich gemerkt, dass Richard ihn ganz elegant davor bewahrt hatte, unschön vom Sofa abzurutschen.
Richard brummte zustimmend gegen seine Lippen. Entgegen seiner Aussage zog er Josi jedoch nur noch fester an sich und presste ihre Unterleiber aneinander. Er keuchte auf und schlang seine Beine um Josi. Mit einer sanften, unerbittlichen Drehung ließ er sie beide vom Sofa purzeln. In Zeitlupe rutschten sie gemeinsam gen Boden.
„Ich hasse es, vernünftig zu sein.“ Richard löste sich widerstrebend von Josi. Gemeinsam kämpften sie sich auf die Beine. Dass sie dabei die Finger nicht voneinander lassen konnten, machte die Sache nicht leichter.

Dennoch fanden sie den Weg in Josis Zimmer und fielen erleichtert auf die Matratze.
Josi nahm all seinen Mut zusammen und fuhr Richards Bauchdecke entlang bis zu dessen Hosenbund. Den Knopf zu öffnen forderte seine ganze verbliebene Aufmerksamkeit und Fingerspitzengefühl. Doch der Reißverschluss war gnädig und legte schnell Richards Härte frei. Richard half mit und hob seine Hüften, sodass Josi seine Hose leicht hinunter und ausziehen konnte. Dann streckte Richard die Hand nach der Hose aus und wühlte in den Taschen herum. Josi errötete, als er bemerkte was Richard zum Vorschein brachte. Und gleichzeitig schrie ein kleines Stimmchen in ihm ganz laut 'Ja, ja, ja!'.
Ohne große Beachtung legte Richard die kleine Tube und das Kondom neben sich aufs Kopfkissen. Mit einer schnellen Drehung brachte er Josi unter sich und machte sich an dessen Hose zu schaffen.
Schließlich lagen sie nackt nebeneinander, dicht an dicht. Sie spürten jeden Muskel des anderen. Richard suchte Josis Blick. „Ab jetzt wird’s neu für dich. Hab ich recht?“
Josi zögerte. Ja, er war noch Jungfrau und es war ihm peinlich. Und das, obwohl er der Ältere von ihnen beiden war!

Doch Richard ließ ihm keine Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Er machte diesen Weihnachtsabend zu einem wunderbaren und einzigartigen Geschenk für Josi, während draußen der Schnee weiter in luftigen Flocken fiel und alles in ein märchenhaftes Weihnachtswunderland verwandelte.
Schlußanmerkungen zum Kapitel:
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