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Sommersonnenküsse

von Snoopy279 [Ab 12] [Reviews - 2] (Abgeschlossen)
Jan wohnt noch nicht so lange mit seinem aktuellen Mitbewohner zusammen. Da ist es ganz normal, dass man immer wieder neue Seiten an dem eweils anderen entdeckt. Timo schafft es allerdings, ihn mitten im Winter völlig zu überraschen... Eine Geschichte über Freundschaft, den Sommer - und natürlich auch mit einer gewissen Portion Liebe

Genres: Reale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Zucker
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine

Kapitel: 1     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

Wörter: 3912     Klicks: 1809
Veröffentlicht: 26/06/19 Aktualisiert: 26/06/19
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Anmerkungen zur Geschichte
Hallo ihr Süßen,

gerade hab ich völlig überrascht festgestellt, dass es ja noch gar nicht sooooo lang her ist, dass ich das letzte Mal was hochgeladen habe. Dieser OS ist schon Ende März, also noch davor entstanden, als ich Sehnsucht nach Sommer hatte (Ja, keine Ahnung warum, jetzt gerade wäre mir etwas weniger Sommer sehr recht)
Für mich stand aber sofort fest, dass ich erst ihn bei einem Wetter, wie es im Moment herrscht, hochladen werde - vielleicht versteht ihr ja, warum Smiley

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen! *stellt ausreichend Getränke und Wassermelone bereit, damit niemand beim Lesen kollabiert*
lg, Snoopy
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1. Der beste Mitbewohner der Welt

Skeptisch beäugte Jan seinen Mitbewohner.
„Timo, kannst du mir sagen, was du da machst?“
Mit leichter Verzögerung drehte Timo sich zu ihm um und blinzelte ihn an: „Ist doch logisch, ich lasse mich von der Sonne verwöhnen!“
Jan fand das ehrlich gesagt gar nicht so logisch. „Und deswegen sitzt du am Boden vor unserer geschlossenen Balkontür?“
„Ja, klar. Auf dem Balkon zu sitzen wäre natürlich besser, aber es ist ja Winter und eisig kalt draußen. Aber hier drinnen muss ich mich nicht ganz dick einpacken oder ständig bewegen, um nicht zu erfrieren, sondern kann im T-Shirt hier sitzen oder auch liegen und so tun, als wäre endlich wieder Sommer.“
Erst jetzt bemerkte Jan das große Regenbogen-Strandtuch, auf dem Timo saß und fragte sich fassungslos, wie er das zuvor nicht gesehen hatte. Andererseits war der Anblick von jemandem, der direkt vor der geschlossenen Balkontür regungslos im Schneidersitz saß, so ungewöhnlich, dass das vielleicht doch nachvollziehbar war.
„Du bist verrückt“, stellte er trocken fest und verließ das Wohnzimmer umgehend.

Als er fünf Minuten später wieder kam, lag Timo tatsächlich auf dem Handtuch, die Augen geschlossen. Irgendwie musste Jan zugegeben, dass dieser Anblick tatsächlich was sommerliches hatte, solange es ihm gelang, das Wohnzimmer auszublenden und sich ausschließlich auf Timo und sein Handtuch zu konzentrieren.
„Du hast da was vergessen“, sagte er.
„Nein, ich werde mich nicht zu deiner Belustigung eincremen“, konterte Timo sofort. „Die Scheibe filtert eh und jetzt im Winter ist die Sonne so schwach, da werd ich mich bestimmt nicht verbrennen.“

„Schade, das wäre lustig gewesen“, antwortete Jan. „Daran hab ich aber gar nicht gedacht. Entweder du machst jetzt die Augen auf oder du wirst spüren, was ich meine.“
Schon bei „spüren“ riss Timo panisch die Augen auf, nur um Sekunden später zu strahlen.
„Stimmt, das habe ich wirklich vergessen. Danke, du bist einfach der Allerbeste!“ Glücklich nahm er sein Eis entgegen und rutschte beiseite, sodass Jan sich auch auf das Handtuch setzen konnte. Zufrieden schleckten sie ihr Eis und genossen etwas Sommer mitten im Winter – mitten in Deutschland.

***

Irritiert schüttelte Jan den Kopf. Wo steckte Timo nur? Da dessen Schuhe im Flur standen, war er sich recht sicher, dass Timo da sein musste, aber er war in der kompletten Wohnung gewesen, ohne auch nur eine Spur von ihm zu entdecken.
Als sein Blick aus dem Fenster fiel, musste er über sich selbst lachen. Es war der erste sonnige, warme Frühlingstag in diesem Jahr. Da gab es doch nur einen Ort, wo Timo sein konnte: der Balkon! Weil er nur einen flüchtigen Blick ins Wohnzimmer geworfen hatte, ohne ganz reinzugehen, hatte er das jedoch nicht sehen können.

Wenig später konnte Jan seine Vermutung bestätigen: Timo saß auf einem Stuhl, hatte Ärmel und Hose hochgeschoben und sich komplett der Sonne zugewandt.
„Krieg ich dich heute dazu, dich einzucremen?“, fragte er lachend.
Zur Antwort zeigte Timo ihm nur einen Finger.
„Das hab ich mir schon gedacht“, sagte Jan, während er den zweiten Stuhl neben Timo schob und sich drauf setzte. „Heute bist du mit Eis holen dran.“
Seufzend erhob Timo sich. „Aber ich saß gerade so schön“, beschwerte er sich, kam allerdings kurz darauf mit zwei Eis wieder.

Schweigend saßen sie nebeneinander und genossen das Eis und das schöne Wetter.
„So langsam verstehe ich, warum du so süchtig danach bist“, durchbrach Jan irgendwann die Stille.
„Natürlich! Es ist eher ein Rätsel, warum du so lange dafür brauchst und nicht jeder Mensch süchtig danach ist“, konterte Timo gespielt ernst, konnte das jedoch nicht sehr lange aufrechterhalten.
Auch Jan brach in Lachen aus. „Stimmt, eigentlich sollte jeder Mensch sommersüchtig sein“, kicherte er.
Timo nickte, während er vor Lachen schon Tränen in den Augen stehen hatte. „Allerdings!“

***

„Ich frag nur noch eben Timo, ob er mitkommen will“, sagte Jan zu Tobi und Jessica, die nebenan in einer WG wohnten. Bei dem schönen Wetter war es offensichtlich, wo er seinen Mitbewohner finden würde. Auf dem Balkon blieb Jan dann trotzdem erst mal perplex stehen bei dem Anblick, der sich ihm bot. Timo hatte es wieder einmal geschafft, ihn zu überraschen.
„Sonnst du dich da gerade auf unserem Balkon?“
„Wonach sieht es denn sonst aus? Die Freibadsaison beginnt bald!“, antwortete Timo.
„Es ist erst Mitte April“, erwiderte Jan verwirrt.
„Es ist schon Mitte April und auch wenn es natürlich wetterabhängig ist, eröffnen die meisten Freibäder entweder Anfang oder Mitte Mai. Bis dahin will ich die Winterweiße losgeworden sein, dann krieg ich auch im Wasser nicht so schnell Sonnenbrand“, erklärte Timo ihm. „Einige Freibäder haben sogar schon längst geöffnet“, fügte er noch belehrend hinzu.

Jan öffnete den Mund und schloss ihn kurze Zeit später wieder. Er schüttelte seinen Kopf. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, eine Diskussion über die Freibadsaison mit Timo zu führen, die er am Ende vermutlich eh verlieren würde.
„Ähm, egal. Weshalb ich eigentlich hergekommen bin: Tobi, Jessica und einige Freunde wollen in den Park gehen, Frisbee oder Ball spielen, bist du dabei?“, brachte er seine Anwesenheit auf den Punkt.
Nachdenklich verzog Timo das Gesicht und wog offensichtlich Sonnen auf Balkon gegen Spielen im Park ab.
„Gehen wir danach dann ein Eis essen?“, fragte er hoffnungsvoll.
„Klar, meinetwegen gerne“, antwortete Jan sofort. „Solange das nicht deine Bikini-Figur ruiniert“, schob er dann neckend hinterher.
„Idiot!“ Kopfschüttelnd stand Timo auf. „Ich zieh mir nur schnell was über, dann können wir los.“
Zufrieden nickte Jan. Für einen Moment war er sich nämlich nicht sicher gewesen, ob Timo das machen würde oder einfach so mitkommen wollte.
Einen Satz konnte er sich dann allerdings doch nicht verkneifen: „Übrigens ist Winterweiße gar kein Wort!“

***

„Ich kann nicht fassen, dass ich wirklich mitgekommen bin“, murmelte Jan halblaut vor sich hin.
„Ach, stell dich nicht so an“, kam es direkt von Timo, der ihn natürlich doch gehört hatte.
„Das Wasser ist unter Garantie noch eisig!“, protestierte Jan.
„Du musst ja nicht ins Wasser, niemand zwingt dich. Wenn du willst, kannst du auch einfach nur auf deinem Handtuch liegen, ein Buch lesen, schlafen, mit irgendwelchen Mädels flirten...“
„Als ob bei den Temperaturen schon welche im Freibad wären“, widersprach Jan.
„Natürlich, die wollen doch auch schön braun werden. Und nicht jeder hat einen Balkon oder einen Garten zur Verfügung, deshalb liegen die dann im Freibad rum und machen einen großen Bogen ums Wasser“, behauptete Timo.
„Immer wieder unglaublich, wie wenig sexistisch und abwertend gegenüber Frauen die heutigen Kerle doch sind, nicht wahr?“, ertönte da eine weibliche Stimme hinter ihnen.
„Stimmt, da hast du absolut recht“, bestätigte die Freundin der ersten Sprecherin.

„Er hat angefangen“, verteidigte Timo sich sofort.
Fassungslos sah Jan ihn an. „Das ist jetzt nicht dein Ernst!“, explodierte er dann. „Ich mache seit Monaten bei deiner Sommersucht mit, unterstütze dich, wo es nur geht, bin verständnisvoll und komme heute sogar mit ins Freibad, obwohl das Wasser vermutlich noch fast gefroren ist und du hast nichts besseres zu tun, als mir bei der erstbesten Gelegenheit in den Rücken zu fallen?!“
Immerhin besaß Timo den Anstand, rot zu werden.
„Sorry, es war nicht so gemeint“, entschuldigte er sich. „Also beides nicht. Ich wollte bloß verhindern, dass Jan jetzt doch noch abhaut, weil ich froh bin, dass ich nicht alleine ins Freibad muss, das ist so doof. Früher ist meine große Schwester immer mitgekommen, die ist meistens noch länger im Wasser geblieben als ich. Von daher weiß ich, dass das grad Blödsinn war, was ich gesagt hab. Naja, und weil sie mich deswegen vermutlich direkt geohrfeigt hätte, hab ich alles auf dich geschoben. Das war ein reiner Reflex zum Selbstschutz.“

Ungläubig sahen ihn sowohl Jan als auch die beiden jungen Frauen an.
„Wär auf jeden Fall nicht unverdient gewesen, aber als Frauen sind wir nicht so gewalttätig wie die ganzen Kerle“, kommentierte die Zweite seine Aussage spöttisch. „Ich bin übrigens Svenja und das ist Tabea“, stellte sie sich und ihre Begleiterin vor.
Erleichtert strahlte Timo sie an, während Jan sich noch fragte, wie sich die Stimmung so schnell geändert hatte.
„Ich bin Timo und das ist Jan, der weltbeste Mitbewohner“, stellte Timo sie beide vor.
„Schleimer! Glaub ja nicht, dass das damit vergessen ist“, knurrte Jan halblaut. Doch ihm war völlig klar, dass Timo ihn mittlerweile gut genug kannte, um zu wissen, dass es sich soeben sehr wohl erledigt hatte.
„Wollen wir uns gleich treffen und zusammen einen Platz aussuchen?“, fragte Timo.
„Klar, klingt gut“, erwiderte Svenja direkt, während Tabea noch skeptisch aussah. „Komm schon, gib ihnen ne zweite Chance. Wenn sie die vermasseln, können wir uns immer noch einen anderen Platz suchen“, überredete Svenja sie. Seufzend gab Tabea nach und nickte. „Also gut, ausnahmsweise.“ Sie verabredeten, sich bei den Duschen wiederzutreffen und gingen in die Umkleiden.

„Siehst du, jetzt hast du zwei Frauen zur Auswahl, du musst nur eine davon überzeugen, dass sie bei dir bleibt, anstatt schwimmen zu gehen“, verkündete Timo stolz. „Dann muss ich mir keine Gedanken machen, ob du schon abgehauen bist und kann ganz in Ruhe schwimmen. Oder du kommst einfach mit uns mit.“
Kopfschüttelnd sah Jan ihn an. „Dir ist schon klar, dass du absolut verrückt bist, oder?“
Timo widersprach ihm. „Nein, das haben wir doch schon geklärt. Ich bin sonnensüchtig, aber nicht verrückt.“


Tatsächlich ließ Jan sich von den Dreien überreden, mit ins Wasser zu kommen und stellte fest, dass es gar nicht so eisig war, wie er befürchtet hatte. Natürlich war es zu frisch, um nur auf einer Stelle zu dümpeln, doch mit Wasserschlachten und Verfolgungsjagden war es leicht, nicht zu frieren. Und tatsächlich gab es sogar einen großen Vorteil: das Becken war so früh im Jahr noch halbwegs leer, sodass sie tatsächlich ziemlich ungestört rumalbern konnten. Im Sommer, zur Hauptsaison, wäre das undenkbar gewesen. Da musste man ja schon froh sein, nicht bei jeder Bewegung unfreiwilligen Körperkontakt zu haben.


Irgendwann waren sie jedoch alle erschöpft und hungrig, weshalb sie am Büdchen vorbei zu ihren Handtüchern gingen. Hungrig aßen Jan und die Mädels ihre Fritten mit Currywurst, nur Timo schleckte an einem Eis. Als sie aufgegessen hatten, holte Tabea ein Kartenspiel aus ihrer Tasche. „Habt ihr Lust?“
Svenja und Jan nickten, Timo reagierte dafür nicht einmal. Er hatte sich in der Zwischenzeit nochmal eingecremt und lag auf seinem Handtuch in der Sonne.
„Jetzt bist du rundum glücklich, du Sommersuchti, oder?“, erkundigte Jan sich amüsiert. Darauf nickte Timo, doch es wäre gar nicht notwendig gewesen, denn er strahlte pure Zufriedenheit aus. Grinsend wandte Jan sich lieber Svenja, Tabea und dem Kartenspiel zu. Mit Timo war im Moment eh nix anzufangen.

***

„Eeeeeeeeeeeeeeeeeendlich!“, rief Timo und rannte quer durch den Sand. Belustigt beobachtete Jan ihn und stellte fest, dass er wie ein kleines Kind seine Schuhe ausgezogen und alles fallen gelassen hatte, nur um ans Meer zu rennen. Es überraschte ihn jedoch nicht wirklich, denn Timo hatte die ganze Fahrt hierher gefühlt alle fünf Minuten gefragt, wann sie endlich da waren. Er überlegte kurz, die Sachen einfach liegen zu lassen, da Timo das Wichtigste, nämlich Portemonnaie und Handy, bei sich hatte und wahrscheinlich niemand den Rest klauen würde. Doch dann beschloss er, lieber seinem Titel „bester Mitbewohner der Welt“ Ehre zu machen und bückte sich, um Timos Kram aufzuheben.
Als er aufblickte, ließ er alles vor Schreck jedoch direkt wieder fallen. Timo lief nicht direkt, sondern leicht schräg zum Meer, auch wenn Jan keine Ahnung hatte, warum er diesen Umweg nahm. Leider achtete er nicht auf seine Umgebung, genauso wenig wie der Typ, der genau dasselbe aus einer anderen Richtung machte. Jan sah die Kollision kommen, aber er war zu weit weg, um sie noch irgendwie zu verhindern. Selbst wenn Timo seinen Ruf doch noch hören würde, würde er sich vermutlich nur zu ihm umdrehen und hatte dabei vermutlich noch zu viel Schwung, um stehenzubleiben.

Weil Jan es nicht ertragen konnte, dass auch in real und nicht nur in seiner Vorstellung zu sehen, guckte er kurz weg. Sekunden später sah er hin und erblickte ein Knäuel aus Timo und dem Unbekannten am Boden. So schnell es ging, sammelte Jan ihre Sachen auf und rannte zu den beiden hin. Dabei achtete er jedoch sorgfältig auf seine Umgebung, weil er das gleiche Schicksal vermeiden wollte. Deshalb fiel ihm auch auf, dass zeitgleich ein junge Frau auf die beiden zu rannte, die ähnlich bepackt wie er war.
Sie erreichte die beiden etwas vor ihm.
„Lukas, du Vollpfosten! Das hast du jetzt davon, dass du dich wie ein Fünfjähriger benimmst!“, schimpfte sie lauthals. Ein Teil von Jan bewunderte sie, dass sie das nach dem Laufen noch ohne Keuchen oder sonstige Anzeichen von Atemnot hinbekam. Laufen über Sand war nämlich echt ganz schön anstrengend, vor allem so voll bepackt! Dabei würde er schon sagen, dass er halbwegs sportlich war. Größtenteils war Jan jedoch damit beschäftigt, sich um Timo zu sorgen. Auch wenn sein Mitbewohner ganz schön anstrengend sein konnte mit seiner Sonnensucht, mochte Jan ihn wirklich gerne. Sonst kannte er niemanden, der mit ihm spontan einen Tag ans Meer fuhr, weil echtes Sommerfeeling natürlich nur am Strand möglich war.

„Timo, bist du okay?“, fragte er besorgt.
Unsicher sah Timo ihn an. „Glaub schon.“
Da die Begleiterin von Lukas, der ähnlich verwirrt wie Timo aussah, weiterhin damit beschäftigt war, Lukas anzuschreien, beschloss Jan, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Er stellte ihren Kram ab.
„So, dann fangen wir mal an, euch beide zu entwirren“, sagte er und half den beiden, sich voneinander zu trennen.
„Und, wem tut jetzt was weh?“
„Kopf“, sagten Lukas und Timo synchron und fassten sich an ihre Stirn.
„Das glaub ich. Übelkeit, Schwindel oder andere Anzeichen für eine Gehirnerschütterung?“, hakte Jan sofort nach. Lukas Begleiterin war mittlerweile dankenswerterweise verstummt. Jan machte sich jedoch nicht die Mühe, nach ihr zu schauen, schließlich war sie eindeutig unverletzt.
„Ne, nur Schock, glaub ich“, antwortete Timo.
„Ja, bei mir auch“, stimmte Lukas ihm zu.

„Okay, dann suchen wir uns erst mal einen Platz, würde ich vorschlagen, und wenn es dann schlimmer wird, meldet ihr euch, ja?“
Zweifaches Nicken antwortete Jan und die beiden rappelten sich vorsichtig hoch. Er wollte gerade loslaufen, da hielt Timo ihn zurück. „Warte, lass mich dir wenigstens ein bisschen was abnehmen“, sagte er.
„Es tut mir Leid, Bianca, es war keine Absicht. Ich hab mich einfach so sehr gefreut, dass Meer zu sehen“, entschuldigte Lukas sich währenddessen bei seiner Begleitung.
„Ich weiß. Aber ich hasse es einfach, wenn ich sehe, dass du Mist baust und ich nix dagegen tun kann“, erwiderte Bianca.
„Weiß ich doch. Du hast halt ein hartes Schicksal mit mir als kleinen Bruder.“
„Allerdings“, stimmte sie ihm zu, wuschelte anschließend jedoch liebevoll und mit einem Lachen durch seine Haare.

„Vielleicht sollte ich mich auch kurz vorstellen, ich bin Jan, Timos Mitbewohner“, mischte Jan sich ein.
„Ah, dann bist du noch nicht allzu Leid erprobt, oder?“, scherzte Bianca.
„Nein, bisher war Timo zwar immer mal wieder merkwürdig, aber so was hab ich noch nie erlebt“, bestätigte Jan ihre Theorie.
„Na, dann hoffe ich für dich, dass das auch so bleibt.“
„Ja, das hoffe ich auch.“

Schnell hatten sie sich für eine Stelle etwas weiter weg vom Meer entschieden und breiteten ihre Handtücher aus.
„Ihr habt Glück gehabt, dass ihr kurz vor dem Wasser zusammengekracht seid“, stellte Jan auf einmal fest.
„Wieso?“, fragte Timo irritiert nach.
„Wer weiß, wie gut dein Handy es überstanden hätte, auch mal baden zu gehen...“
„Oh, stimmt, daran hab ich noch gar nicht gedacht!“
Auch Lukas war bei der Bemerkung blass geworden, er hatte das offensichtlich ebenfalls noch nicht in Betracht gezogen.
„Wisst ihr was, ich glaube, auf den Schock haben wir uns alle eine Abkühlung verdient. Was haltet ihr von Eis?“, schlug Bianca in dem Moment vor und lenkte die zwei erfolgreich vom Was-wäre-wenn ab.

„Gute Idee“, waren sich alle drei Jungs einig.
„Dann bleibt ihr zwei hier, bewacht unsere Sachen und Jan kommt mit mir Eis holen“, beschloss Bianca resolut. Niemand widersprach ihr.
Der Eisstand war nicht allzu weit weg und sie hatten ein gutes Timing, sodass sie wenig später wieder zurück waren.
Schweigend saßen sie auf ihren Handtüchern und aßen das Eis.
Schon bevor sie mit ihrem Eis ganz fertig waren, wurden Timo und Lukas merklich unruhiger. Kaum dass sie aufgegessen hatten, sprangen sie nahezu synchron auf.
„Jetzt muss ich aber endlich ins Wasser“, sagte Lukas und Timo nickte zustimmend.
„Dann lasst alles bis auf die Badehosen hier und achtet dieses Mal darauf, wo ihr langlauft“, forderte Bianca in ihrem besten große-Schwester-Ton. Ohne Murren gehorchten die zwei, zogen Shirt und Shorts aus und liefen dann davon, glücklicherweise ohne weitere Zusammenstöße.

Jan beobachtete die beiden, wie sie wie kleine Jungs im Wasser rumtollten.
„Geh schon“, riss Bianca ihn aus seinen Gedanken.
Noch unschlüssig sah er sie an, doch sie nickte bestätigend. „Ich mag das Meer eh nicht so gerne, totes Wasser ohne Getier ist mir lieber. Der Ausflug war mein Geburtstagsgeschenk für Lukas. Zudem hab ich ein gutes Buch dabei, was ich schon ewig zu Ende lesen will. Also hau ab!“
Diesmal zögerte Jan nicht, sondern zog rasch seine Klamotten aus, lief los und stürzte sich zu Timo und Lukas in die Fluten.
Gemeinsam schwammen sie und alberten herum mit sich nass spritzen, gegenseitig untertauchen und Wellen springen. Jan fühlte sich bei letzterem zwanzig Jahre jünger, denn das hatte er zuletzt als kleines Kind mit seiner Mutter und seinen Geschwistern gemacht.
Doch gerade das machte es so lustig, dass sie als Mitte-zwanzig-Jährige wie Kindergartenkinder im Wasser herumhopsten.

Völlig ausgepowert gingen sie irgendwann zurück und ließen sich auf die Handtücher fallen.
Bianca schaute nur für eine Sekunde auf, gerade lange genug, um zu erkennen, dass sie keine Fremden waren, und vertiefte sich direkt wieder in ihr Buch.
Erst ein paar Minuten später durchbrach Lukas die Stille, wobei er immer noch leicht atemlos klang.
„Das ist wirklich ein absolut perfekter Sommertag, Strand, Meer, Sonne... nur vielleicht noch ein Eis und nicht unbedingt ein Zusammenstoß, ein anderes Kennenlernen wäre mir lieber gewesen.“
Nahezu schwärmerisch sah Timo ihn an, wobei seine Stimme einen etwas niedergeschlagenen Beiklang hatte, als er antwortete. „Jaa, geht mir ganz genauso.“ Dann fragte er scheinbar zusammenhangslos: „Und, wie heißt deine Freundin?“

Verwirrt sah Lukas ihn an. „Ich hab keine Freundin, wie kommst du denn darauf? Oder hast du vorhin nicht mitgekriegt, dass Bianca meine große Schwester ist?“, überlegte er laut, gab sich jedoch direkt selbst die Antwort: „Nein, dann hättest du ja nicht nach dem Namen gefragt.“
„Weil du einfach perfekt bist und den Sommer, die Sonne und alles, was damit zusammenhängt offensichtlich genauso liebst wie ich. Da musst du eindeutig hetero sein, denn so unverschämt viel Glück kann ich gar nicht haben“, erklärte Timo ernsthaft, als wäre es eine normale, logische Schlussfolgerung. Jan brachte das eher dazu, nochmal zu überlegen, ob ihm weitere Anzeichen für eine Gehirnerschütterung aufgefallen waren, doch eigentlich hatte Timo doch seit dem Eis wieder ganz normal gewirkt.
Lukas strahlte stattdessen noch mehr. Anstatt Timo zu antworten, küsste er ihn schlicht. Sofort vergrub Timo seine Hand in Lukas' Haaren und erwiderte den Kuss.

Gut, die konnte Jan jetzt wohl als Gesellschaft vergessen. Glücklicherweise legte Bianca in dem Moment ihr Buch beiseite. Sie war offensichtlich gerade fertig geworden.
„Wow, da hab ich eindeutig was verpasst“, stellte sie beim Anblick des knutschenden Pärchens fest.
„Nicht viel“, tröstete Jan sie. „Sie haben grad erst angefangen, nachdem Timo Lukas mit einer sehr absurden Logik unterstellt hatte, er müsse hetero sein.“
„Oh, ich seh schon, da haben sich zwei wirklich gesucht und gefunden“, seufzte Biana. „Aber nicht mit mir, ich bin raus als Babysitter, gerade wenn es jetzt zwei von der Sorte sind. Schließlich sollte man meinen, dass sie mit dreiundzwanzig – oder zumindest eindeutig über zwanzig – alt genug sind, alleine zurecht zu kommen, ohne Chaos zu verbreiten.“
„Das stimmt, wobei Timo normalerweise nicht zu solchen Unfällen neigt. Man könnte beinahe sagen, dass das Schicksal war“, versuchte Jan, sie zu beruhigen.


Irgendwann löste Timo sich kurz von Lukas. „Sommersonnenküsse sind eindeutig die besten“, stellte er zufrieden fest.
„Ja, definitiv“, bestätigte Lukas, bevor sie in einem erneuten Kuss versanken.
Spätestens in dem Moment war Jan sonnenklar, dass Timo demnächst mit Lukas zusammen die Sonne genießen würde, völlig egal ob auf dem Balkon, im Freibad oder doch wieder am Meer. Er hatte sich während der Knutscherei nämlich kurz mit Bianca unterhalten und erfahren, dass die zwei gar nicht so weit weg von ihnen wohnten. Vermutlich würden Timo und er nächsten Sommer schon nicht mehr zusammen wohnen. Aber das war okay, solange Timo ihn nicht vergaß und manchmal noch zum Mitsonnen oder ans-Meer-fahren einlud.

Plötzlich kam Jan ein weiterer, sehr verlockender Gedanke. Wenn Timo es schaffte, sich einen Kerl zu angeln, indem er volle Kanne mit diesem zusammenstieß, konnte er selbst dann vielleicht seine neue Freundin kennenlernen, indem er etwas sagte, was für sie nach Vorurteilen und Sexismus klang, ohne zu wissen, dass sie hinter ihm stand?
Anstatt stundenlang darüber nachzudenken und Für und Wider abzuwägen, beschloss er, einfach zu handeln und holte sein Handy aus der Tasche.
Schnell schrieb er: „Hey Svenja, hast du Lust, mal mit mir Schwimmen oder Eisessen zu gehen oder auch irgendetwas anderes zu unternehmen? lg, Jan“
Die Antwort kam, noch bevor er das Handy aus der Hand gelegt hatte.
„Ich dachte schon, du fragst nie, dabei bist du doch der Mann Zwinkernd Eisessen klingt gut.“
Lachend schrieb Jan zurück: „Na toll, und da dachte ich, ich hätte endlich mal eine emanzipierte und gleichberechtigte Frau kennengelernt, die im Zweifelsfall einfach selbst fragt Lächelnd Wollen wir die Diskussion morgen um 16h bei Bellissimo fortsetzen?“
„Gerne. Bis morgen, freu mich“, antwortete Svenja. Mit einem zufriedenen Grinsen legte Jan sein Handy beiseite. Die Antwort auf seine Frage war offensichtlich: Ja, wenn er damit leben konnte, dass sie ihn immer wieder mit dieser ersten Begegnung aufziehen würde. Aber da war er sicher, dass er das konnte, das hatte sie schließlich auch die letzten Male getan, wenn sie sich zu viert getroffen hatten!

ENDE
Aktualisiert: 26/06/19
Veröffentlicht: 26/06/19
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Witch23 am 26/06/19 21:43
Ein Interessanter Aufbau der Geschichte. Und eine echt mal andere Art Pärchen zu bilden.
Wobei ich nicht zu 100% verstehe warum du das jetzt hochladen musstest, außer wegen des Sommerlochs^^



Antwort der Autors Snoopy279 (26/06/19 21:46):
Nein, nicht wegen des Sommerlochs, sondern Timo zuliebe (und Lukas natürlich), weil heute (und die ganze Woche schon) so Sommertage sind, wie die zwei sie lieben.
Ja, ich hatte mal Lust auf was anderes und die Freundschaft, die zwischen Jan und Timo wächst, sollte im Fokus stehen (und ich konnte mir nicht verkneifen, die Titel ein wenig irreführend zu wählen.
Vielen Dank für dein Review und das Freischalten! Lächelnd
Der beste Mitbewohner der Welt
split am 28/06/19 07:44
Ui, eine süße Geschichte, die trotz ihres winterlichen Anfangs tatsächlich gut in den Sommer passt. Die Pärchenaufteilung fand ich am Ende doch überraschend, aber gut weil die typisch erwartete Konstellation wegen mangelnder Andeutungen dann auch wieder gezwungen gewirkt hätte.
Danke fürs Teilen.



Antwort der Autors Snoopy279 (28/06/19 22:42):
ja, ich fand immer vorhersehbar langweilig Lächelnd von daher schön, dass mir die Überraschung gelungen ist und dir die Geschichte gefallen hat.
Sehr gerne - und danke fürs Review!
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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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