Alltagshelden von Snoopy279 (Abgeschlossen)
Inhalt: Markus ist Arzt und hat eine ganz besonders anstrengende Nachtschicht erwischt. Doch es gibt noch etwas, was in dieser Nacht anders ist.
Genres: Reale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Zucker
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine
Kapitel: 1
Veröffentlicht: 12/02/20
Aktualisiert: 12/02/20
Anmerkungen zur Geschichte:Hallo ihr Lieben!

In dieser Geschichte geht es um die Menschen, die unseren Alltag ein bisschen besser machen, egal, auf welche Art und Weise sie das tun. Ich hatte gestern tatsächlich einen Arzt als Alltagsheld, der mir endlich sagen konnte, was bei meinem linken Handgelenk los ist. Dafür hab ich mich auch (vielleicht ein wenig sehr überschwänglich) bedankt. Vielleicht ermutigt euch die Geschichte ja, einem der Helden eures Alltags zu sagen, wie sehr ihr ihm/ihr dankbar seid (falls ihr das nicht schon längst gemacht habt/immer wieder macht).

Inspiriert wurde ich übrigens durch die Geschichte "Nachtschicht" von DawiL Danger (zu finden auf fanfiktion.de) - vielleicht kennt ihr sie ja schon. Wenn nicht, schaut mal rein!

Jetzt viel Spaß beim Lesen.
lg, Snoopy
... und wie sie alle Hindernisse überwinden
Markus wusste wirklich nicht, zum wievielten Mal er sich gerade auf den Weg ins Dienstzimmer machte. Er wusste nur, dass er inständig hoffte, dass er dieses Mal nicht nur dort ankommen würde, sondern auch bleiben könnte. Dort ankommen hatte er schon ein oder zweimal geschafft, vielleicht sogar dreimal, er hatte bei dem ganzen Chaos den Überblick verloren. Doch jedes Mal hatte sich sein Piepser gemeldet, bevor er es auch nur durch die Tür geschafft hatte, geschweige denn im Bett lag.

So einen anstrengenden und stressigen Nachtdienst hatte er seit Ewigkeiten nicht mehr erlebt, nicht in diesem Ausmaß. Und das besonders gemeine war, dass er eigentlich heute Nacht frei gehabt hätte, aber für einen Kollegen hatte einspringen müssen und dementsprechend schon den ganzen Tag gearbeitet hatte. In der Regel stellte das auch kein großes Problem dar.
Natürlich war es eher selten so, dass er die komplette Nacht durchschlafen konnte, aber zumeist schaffte er wenigstens ein paar Stunden. Diese Nacht hatte er noch kein Auge zugetan, nicht mal für eine Minute. Ein Notfall hatte den anderen gejagt und die wenigen Pausen hatte er damit vergeudet, unnötig in Richtung des Dienstzimmer gehen, um das dort stehende Bett dann doch nicht nutzen zu können. Hätte er das geahnt, hätte er sich lieber einfach nur auf einen Stuhl hingesetzt und sich wenigstens dort etwas ausgeruht, doch es sah jedes Mal gut aus, so als wäre endlich Ruhe eingekehrt.

Selbstverständlich war es etwas völlig anderes, hier, in dem schmalen, eher unbequemen Bett zu schlafen als in seinem Bett Zuhause und Steffen, sein Partner, der sonst immer neben ihm lag, fehlte ihm in diesen Nächten ebenfalls. Doch es war deutlich besser als gar nicht zu schlafen, sondern stattdessen von einem Notfall zum nächsten zu hetzen.

So ähnlich wie er gerade würden sich Zombies wohl fühlen, wenn es sie gäbe. Zwischendurch hatte er Kaffee getrunken, um wach zu bleiben und bei der Versorgung von Notfällen schüttete sein Körper auch genügend Adrenalin aus, sofern es echte Notfälle waren, aber mittlerweile half auch das beides nicht mehr.

Das einzige, was ihm während all dem Stress etwas geholfen hatte, war sein Team gewesen. Diese Nacht hatten Claudia, Dorothee und Dietmar ebenfalls Dienst. Dietmar war schon seit Ewigkeiten Krankenpfleger, sehr erfahren und stets ein angenehmer Ruhepol. Claudia war deutlich jünger und lebhafter und lockerte die Stimmung oft mit einem Witz oder einem frechen Spruch auf und Doro konnte selbst mit den schwierigsten Patienten gut umgehen. Genau die Kombination, die in so einer stressigen Nacht nicht nur gut, sondern unabdingbar war. Wenn andere von der Pflege zuständig gewesen wären, hätte es vermutlich nicht annähernd so gut geklappt und er hätte längst selbst versorgt werden müssen, weil er zusammengebrochen wäre.


Endlich war die Tür des Dienstzimmers in Sichtweite. Eigentlich war es nicht weit von der Notaufnahme entfernt und unter normalen Umständen war die Strecke von weniger als fünf Minuten nicht der Rede wert. Heute jedoch kam sie Markus unendlich lang vor. Alle paar Sekunden schielte er misstrauisch auf seinen Piepser, weil er befürchtete, dass dieser jeden Moment losgehen würde. Doch er blieb still.
Zögerlich legte Markus seine Hand auf die Türklinke, in der Erwartung, dass spätestens dann seine Ruhe wieder vorbei wäre, es passierte jedoch nichts.

Als er die Tür öffnete, traute er seinen Augen nicht. Großartig, jetzt war er schon so übermüdet, dass er Halluzinationen hatte und sich einbildete, dass Steffen in dem Bett liegen und schlafen würde. Das verstärkte seine Sehnsucht nach seinem Partner und ihrem gemeinsamen Bett, dass noch mindestens drei Stunden entfernt war, ungemein.
Frustriert schloss Markus die Augen und legte die Hand darüber. Die Wärme war wohltuend für seine übermüdeten Augen. Nachdem er einige Male tief ein und ausgeatmet hatte, ließ er die Hand wieder sinken und öffnete seine Augen widerwillig. Am liebsten wäre er einfach an Ort und Stelle im Stehen eingeschlafen, doch er wusste, dass das auch nicht hilfreich war.

Das Bild vor seinen Augen veränderte sich nicht. Er sah immer noch Steffen in dem schmalen Bett liegen. Um genau zu sein, lag er gar nicht richtig darin, sondern es sah eher so aus, als hätte er darauf gesessen und wäre dann eingeschlafen. Vorsichtig näherte Markus sich ihm und berührte in sacht an der Schulter. „Steffen? Was machst du hier? Ist etwas passiert?“
Verwirrt blinzelte Steffen ihn an und schüttelte dann seinen Kopf. „So ein Mist, ich muss eingeschlafen sein!“
„Ja, bist du, aber was machst du überhaupt hier? Warum bist du nicht Zuhause im Bett und schläfst dort?“, hakte Markus nach.

Anstatt ihm zu antworten, kramte Steffen in einer mitgebrachten Tasche rum. Schließlich fand er, was er suchte und zündete die Kerzen auf dem Nachttisch an, die Markus noch gar nicht wahrgenommen hatte. Wo kamen die auf einmal her? Und was machten die Rosenblätter dort?
Als er wieder zu Steffen sah und diesen fragen wollte, was das alles zu bedeuten hatte, hatte der sich vor ihn gekniet.

„Mein Liebster, eigentlich wollte ich das nach einem schönen Essen zu Hause machen. Doch jedes Mal, wenn ich es mir vorgenommen und alles vorbereitet hatte, hat deine Arbeit mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jedes Mal habe ich es verschoben, doch dieses Mal hatte ich darauf keine Lust mehr. Deine Arbeit ist eben ein genauso fester Bestandteil deines Lebens, wie es unsere Beziehung ist, und daher passt es sogar ganz gut, dass ich jetzt hier vor dir Knie und nicht Zuhause.“

Er machte eine kurze Pause, allerdings war Markus viel zu beschäftigt mit dem Versuch zu verstehen, was hier vorging, als das er etwas hätte sagen können. Unter normalen Umständen hätte er vermutlich sofort begriffen, was Sache war, doch mit seiner akuten Übermüdung war es nicht drin.

„Du bist der großartigste Mensch, den ich kenne. Deine mitfühlende Art, dein Engagement für deinen Job und deine Patienten, die Aufmerksamkeit, die du mir trotz allem Stress auf der Arbeit immer schenkst, die Tatsache, dass ich immer ein Lächeln in deiner Stimme hören kann, wenn ich dich anrufe, egal wann und wie unpassend es gerade ist... Ich kann dir gar nicht sagen, was davon ich am meisten an dir liebe. Was ich dafür definitiv weiß ist dass ich dich liebe und mir keinen besseren Partner als dich vorstellen könnte, auch wenn ich deine Arbeit und vor allem deine Arbeitszeiten und Dienste oft genug verfluche. Der Rest der Welt sieht es vermutlich nicht, aber in meinen Augen bist du ein Held, für das, was du hier im Krankenhaus immer wieder leistest, mein Held. Und deshalb möchte ich meinen Kindheitstraum war machen, denn wie du weißt, habe ich mir immer gewünscht, einen eigenen Helden zu haben. Und so frage ich dich jetzt, hier und heute: Willst du mein Mann werden? Willst du mich heiraten?“

Mit offenem Mund starrte Markus ihn an, unsicher, ob das wirklich die Realität oder doch nur ein Traum war. Der Piepser, der in diesem Moment losging und den Moment brutal zerstörte, bewies ihm, dass es die Realität war. Reflexartig sah Markus nach, wer ihn anpiepste und aus welchem Grund. Erst dann wurde ihm klar, dass Steffen immer noch vor ihm kniete und ihn geduldig abwartend ansah.
„Ich muss los“, sagte Markus hilflos und hob erklärend den Piepser hoch.
Steffen nickte nur verständnisvoll.
Wie ferngesteuert drehte Markus sich um und öffnete die Tür. Er war schon einige Schritte auf dem Flur gegangen, als er realisierte, dass er nicht einmal geantwortet hatte. So viel Zeit musste selbst bei einem Notfall sein!

Er drehte sich erneut um und wollte zurückgehen, doch Steffen stand schon in der Tür, sah ihm versonnen nach.
„Ja, ich will!“, rief Markus ihm daraufhin so laut zu, wie er es sich mitten in der Nacht traute, bevor er hastig davon lief. Doch in der Sekunde, bevor er sich umwandte, hatte er das unglaubliche Strahlen, welches Steffens Gesicht erhellte, noch erkennen können.
Unglaublich, dass er so einen fantastischen Kerl erwischt hatte! Von wegen er selbst war der Held. Ganz im Gegenteil, er machte einfach nur seinen Job!

Aber Steffen, der war ein echter Held. Schließlich hatte er ständig Verständnis für ihn und seine Arbeit mit all den Nachteilen, die diese mit sich brachte, sogar noch dann, wenn er deshalb nicht dazu kam, ihm einen Antrag zu machen! Jeder andere hätte das als Zeichen gesehen und sich schleunigst aus dem Staub gemacht, froh, noch einmal davon gekommen zu sein, ohne ihn zu heiraten.
Ohne es selbst wahrzunehmen, strahlte Markus bei diesen Gedanken mindestens genauso wie Steffen, als er ihm seine Antwort mitgeteilt hatte. Erfreulicherweise fühlte er sich auch ein wenig fitter als vorher, und das auf eine deutlich angenehmere Art als durch einen stressbedingten Adrenalinrausch.

Sein Strahlen schimmert selbst dann noch durch, als er wieder in der Notaufnahme ankam, seine professionelle Miene aufsetzte und fragte, was genau anlag.
Dietmar umriss es mit knappen, präzisen Worten und fügte dann noch rasch ein „Und herzlichen Glückwunsch!“ an.
Verwirrt sah Markus ihn an. Das gehörte definitiv nicht zum üblichen Text dazu. „Ja, von mir auch!“, ergänzten Doro und Claudia beinahe synchron.
„Du siehst so aus, als hättest du es endlich ins Arztzimmer reingeschafft“, erklärte Doro, als Markus es offensichtlich immer noch nicht begriff, jedoch keine Zeit verschwendete, darüber nachzudenken, sondern sich lieber einen eigenen Eindruck vom Patienten verschaffte. Da kapierte er endlich, wozu sie ihm gratulierten.

„Ihr wusstet davon?“, fragte Markus überrascht nach, wobei das Strahlen sich kurzzeitig verstärkte, und schüttelte noch in der gleichen Sekunde den Kopf über seine eigene Frage. Natürlich musste mindestens einer von ihnen davon gewusst haben! Sonst wäre Steffen ja gar nicht in das Dienstzimmer gekommen, das von außen keine Türklinke, sondern nur einen festen Türknauf hatte, damit sich kein Patient oder ein sonstiger Unbefugter da rein verirrte. Ebenfalls etwas, was ihm in einem wacheren Zustand deutlich früher aufgefallen wäre.
Anstatt jedoch weiter darüber nachzudenken oder sich wenigstens noch für die Glückwünsche zu bedanken, widmete er sich wieder komplett seinem Job.

Natürlich blieb es dann auch nicht bei dem einen Patienten, sondern es folgten noch zwei weitere, aber deutlich harmlosere Fälle. Nun wirklich völlig fertig, bedankte Markus sich bei Doro, Dietmar und Claudia für ihre gute Unterstützung. Anschließend machte er sich zum gefühlten hundertsten Mal auf den Weg zum Dienstzimmer, wo er in dem Wissen, dass Steffen dort auf ihn wartete, noch sehnlicher hinwollte als zuvor, als eine Stimme seinen Namen rief. Entnervt drehte er sich um. Was war denn jetzt schon wieder?

„Ab nach Hause mit dir! Ich übernehm den Rest, bin heute früher da, weil ich noch ein paar Diktate abarbeiten wollte. Und herzlichen Glückwunsch euch beiden!“, sagte Sabine, eine seiner liebsten Kolleginnen, energisch.
Das zauberte Markus dann doch wieder ein Lächeln ins Gesicht, auch wenn es nur ein schwacher Abglanz des vorherigen Strahlen war. Dafür war er mittlerweile wirklich zu müde.
„Vielen Dank, du bist ein Engel!“ In dem Moment musste er wieder an Steffen denken, der ihn vorhin als Held bezeichnet hatte. Ja, vielleicht hatte sein Partner doch nicht ganz unrecht damit, vielleicht waren er und seine Kollegen auf ihre Art und Weise tatsächlich Helden des Alltags. Sie konnten zwar nicht alle retten, aber daran scheiterten ja selbst die ganz großen Superhelden. Ihm war zumindest keiner bekannt, der alle Leute vor allem hatte retten können.

Mit einem versonnenen Lächeln ging er zu seinem Spind, räumte seine Sachen weg und ging anschließend zum Dienstzimmer.
Steffen schlief wieder, aber dieses Mal hatte er sich richtig hingelegt. Als Markus ihn so da liegen sah, wobei Steffen seine Freude über ihre Verlobung selbst im Schlaf noch spürbar ausstrahlte, freute er sich noch mehr über diesen fantastischen Partner an seiner Seite. Jeder andere hätte sich vermutlich nach dem erfolgreichen Antrag auf den Weg zurück ins heimische Bett gemacht oder sich das mit der Hochzeit vielleicht sogar nochmal komplett überlegt.

Sanft rüttelte er Steffen wach. „Ich bin fertig, wir können nach Hause“, informierte Markus ihn.
„Wunderbar, dann kann ich dir ja jetzt deinen Ring auf den Finger stecken und es richtig offiziell machen“, nuschelte Steffen sofort, wenn auch noch verschlafen, und zückte das Kästchen, was er offenbar selbst im Schlaf nicht losgelassen hatte. Nachdem der Ring platziert war, bekam Markus noch einen Kuss. Dann griff Steffen sich die bereits wieder in der Tüte verstauten Sachen, die er mitgebracht hatte, und schob Markus in Richtung des Parkplatzes. Ja, vielleicht hatte Steffen recht, was seinen Job an ging – aber Markus' ganz persönlicher Held war sein zukünftiger Mann, der jetzt gerade sein Leben rettete, indem er ihn heil nach Hause fuhr!

ENDE
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