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Unter den Sternen

von Snoopy279 [Ab 12] [Reviews - 2] (Abgeschlossen)
Nachdem sie letztes Jahr noch davon verschont geblieben sind, fallen Max und Gerrits Pläne, die sie letztes Jahr Ostern geschmiedet haben, dieses Jahr Corona zum Opfer. Wie gehen wohl mit dieser Herausforderung um? Können sie dem ganzen auch etwas schönes abgewinnen? (Fortsetzung)

Genres: Reale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Zucker
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine

Kapitel: 1     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

Wörter: 3214     Klicks: 241
Veröffentlicht: 06/04/21 Aktualisiert: 06/04/21
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Anmerkungen zur Geschichte
Hallo ihr Süßen und noch frohe Ostern!

Ich hatte schon befürchtet, dass ich es dieses Jahr ausfallen lassen muss, aber dann hat Max sich doch noch bei mir gemeldet und der OS ist gerade noch rechtzeitig fertig geworden.
Auch wenn es eine Fortsetzung ist, denke ich, dass er auch eigenständig lesbar sein sollte, da Max die wichtigsten Ereignisse rekapituliert. Wer mehr von den beiden lesen mag oder ihre Beziehung besser verstehen will, sei auf Teil 1 Frühlingsgefühle, Teil 2 Der Vollmond, Ostern und andere Beziehungskomplikationen und Teil 3 Eine kleine Osterschnitzeljagd verwiesen.

Jetzt viel Spaß mit den beiden!
lg, Snoopy
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1. Frühlingsgefühle 4 - Ein gelungener (Jahres)Tag

Summend stehe ich in der Küche. Auch wenn sie natürlich nicht so aussieht wie die von meiner Mutter, finde ich meine Buttercremetorte wirklich gelungen – vor allem, wenn man bedenkt, dass es mein allererster Versuch ist. Liegt vielleicht daran, dass ich mir einerseits eine extrem detaillierte Anweisung von meiner Mutter eingefordert und andererseits die durch den Lockdown entstandene mehr Zeit Zuhause viel in Backen investiert habe. Als Landschaftsgärtner bin ich natürlich nicht im Homeoffice, sondern kann recht normal weiterarbeiten, aber Termine wie Treffen mit Freunden und ähnliches sind ja alle weggefallen. Anfangs hat Mama sich auch sehr gefreut, dass ich mich für ihr Rezept interessiere und es mir bereitwillig mitsamt Tipps und Hinweisen gegeben. Am Ende war sie durch meine fünfhundert Nachfragen aber eher genervt. Doch wenn ich mir das Ergebnis angucke, dann hat es sich gelohnt. Erstens gibt es Mamas Buttercremetorte zu Ostern, seit ich denken kann und dieses Jahr ist das erste, wo ich nicht Zuhause bin. Dabei hätte ich mich dieses Jahr endlich uneingeschränkt drauf gefreut – als frisch verheiratetes Ehepaar hätten wir die komplette Zeit gemeinsam verbracht, aufgeteilt auf Gerrits und meine Familie. Und zweitens - wenn wir schon unsere Hochzeit wegen der derzeitigen Beschränkungen verschieben mussten, will ich wenigstens eine passende Torte zu unserem „Jahrestag“ haben. Wenn Gerrit meine Gedanken hören könnte, würde er den Kopf schütteln. Schließlich ist heute erst der achtundzwanzigste März und nicht der einunddreißigste – aber dafür der erste Frühlingsvollmond, an dem wir vor drei Jahren zusammen gekommen sind. Und der ist eben variabel und nicht jedes Jahr am gleichen Tag. Aber da der Mond eine entscheidende Rolle gespielt hat, habe ich durchgesetzt, dass wir uns danach richten. Gerrit hat auch eher pro forma Beschwerde eingelegt, weil es eben mathematisch nicht korrekt ist. Als Astrophysiker findet er es nämlich durchaus reizvoll, dass der Mond für unsere Beziehung so eine zentrale Rolle spielt.

Nachdem ich ihm letztes Jahr Ostern den Antrag gemacht habe, haben wir lange diskutiert, wann wir heiraten wollen. Ursprünglich hatte ich ja an letztes Jahr gedacht, aber wir konnten uns nicht auf ein Datum einigen. Da es fast unmöglich ist, ein Standesamt zu finden, das auch sonntags Trauungen durchführt, haben wir uns dann für den Tag nach dem ersten Frühlingsvollmond dieses Jahr entschieden. Corona hat uns allerdings einen ziemlichen Strich durch die Rechnung gemacht – aber das konnte ja niemand ahnen! Zum Glück wurde es rechtzeitig absehbar, sodass wir alle Reservierungen ohne größere Schwierigkeiten stornieren konnten. Ehrlich gesagt glaube ich ja, dass Gerrit nicht besonders traurig ist. Ihm ist die Hochzeit nicht wichtig. Vor allem auf die ganzen Leute würde er am liebsten verzichten, dabei wären wir nicht einmal zwanzig Personen! Und dabei sind wir beide auch schon eingeschlossen.
Mir zuliebe ist er bereit dazu. Für ihn sind nur die Ringe und die steuerlichen Vorteile interessant. Schließlich signalisieren die Ringe jedem ganz klar, dass wir beide ein Paar sind. Ihm ist bewusst, dass es nicht automatisch dafür sorgt, dass niemand mehr Interesse an mir entwickelt. Gerrit kennt mich jedoch gut genug um zu wissen, dass der Ring mich davon abhält, das Interesse zu erwidern. Ehrlich gesagt brauche ich dafür keinen Ring, aber seine Unsicherheit sorgt dafür, dass er den letzten Zweifel ohne nicht komplett abschalten kann. Da wir allerdings beide Verlobungsringe tragen, ist die Hochzeit dafür gar nicht notwendig.

Obwohl ich es deutlich mehr bedaure, dass das alles jetzt nicht stattfindet, freue ich mich trotzdem auf heute Abend. Anstatt total aufgeregt und nervös zu sein, sodass ich gar keine Aufmerksamkeit für den Vollmond habe, werden wir unseren Jahrestag so traditionell wie möglich verbringen. Da wir nicht bei unseren Eltern sind, ist auch unsere Lichtung zu weit entfernt. Hier in der Gegend gibt es keine, die so schöne wäre, zumindest haben wir keine gefunden. Deshalb werden wir in unserer Wohnung picknicken. Im Wohnzimmer haben wir ein Fenster, das bis zum Boden geht. Es ist nicht wirklich eine Balkontür, weil davor einfach nur ein Gitter ist und nicht mal Platz, einen kleinen Blumentopf hinzustellen. Aber es reicht, um sich nach dem Picknick in Decken aneinander gekuschelt davor zu legen und einen unverstellten Blick auf die Sterne zu haben. Bis zu den nächsten Häusern ist nämlich genug Abstand und es sind auch keine Laternen dort. Tatsächlich war das einer der Gründe, warum wir uns für die Wohnung entschieden haben – Gerrit hat all diese Faktoren sofort im Blick gehabt.
Zudem hat Picknicken in der Wohnung auch Vorteile, auch wenn die Lichtung natürlich deutlich mehr Atmosphäre und Charme hat – die Torte könnte ich beispielsweise nur sehr schlecht dorthin transportieren! Außerdem können wir in der Wohnung jederzeit mehr Decken holen, wenn uns doch zu kalt wird – und mit der Matratze ist der Boden auch deutlich gemütlicher als der Waldboden.

Nachdem ich die Torte in den Kühlschrank gestellt und die Küche wieder aufgeräumt habe, sehe ich auf die Uhr. Es ist schon viertel vor sechs. Ich glaube, ich sollte Gerrit mal von seinem Schreibtisch weglotsen – schließlich wollte er sich um sämtliche Vorbereitungen außer dem Essen kümmern. Damit ich ihn mit der Torte überraschen kann, habe ich vorhin jedoch einige Fragen zu seiner Arbeit gestellt – wohlwissend, dass er mir erst begeistert darauf antwortet, zunehmend in einen Monolog verfällt, von dem ich kein Wort mehr verstehe und dann zu spannenden ungelösten Fragen kommt und arbeiten geht. Dabei sind Wochentage und Uhrzeiten unbedeutende Randbedingungen, die nur für Menschen mit einem konventionellen Job wichtig sind, wie beispielsweise mich. Wenn ich ihm einfach nur zuhören will, weil ich es nach all den Jahrzehnten immer noch liebe, mit wie viel Begeisterung er über Astrophysik spricht, frage ich ihm nach etwas, was nicht mit seiner Arbeit zu tun hat. Dann erzählt er mir Stunden, ohne in sein Arbeitszimmer zu verschwinden.

„Hey Einstein, hast du ein paar Antworten gefunden?“, frage ich Gerrit. Irritiert braucht er einen Moment, bis er sich zu mir dreht.
„Nenn mich nicht Einstein“, protestiert er verspätet. „Und es braucht einiges mehr, um auch nur Ansätze zu finden, das ist ein sehr komplexes Sachgebiet.“
„Ich weiß“, beschwichtige ich ihn und gebe ihm einen versöhnlichen Kuss. „Aber es sind schon fast sechs und das ist die schnellste Methode, deine Aufmerksamkeit zu erlangen“, erkläre ich anschließend.
„Oh! Warum hast du mir nicht früher Bescheid gegeben? Ich hätte dir helfen können!“ Ehrlich bestürzt sieht Gerrit mich an.
„Darf ich dir helfen?“, stelle ich eine Gegenfrage, statt zu antworten.
„Nein, ich mach das alleine“, sagt er sofort.
„Siehst du“, erwidere ich und schmunzle.
Seufzend steht Gerrit von seinem Stuhl auf und streckt sich erst mal. Dann zieht er mich in seine Arme und küsst mich.
Anschließend verharren wir einen Moment, Stirn an Stirn gelehnt.
„Weißt du eigentlich, wie sehr ich dich liebe?“, fragt er leise. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es auf dieser Welt noch einen zweiten Menschen gibt, der so verständnisvoll und tolerant ist.“
„Gut möglich. Andererseits denke ich, dass es selbstverständlich ist, wenn man jemand wirklich liebt – schließlich ist gerade deine Leidenschaft und dass du so sehr darin versinken kannst, etwas, was ich besonders an dir liebe“, gebe ich eben so leise zurück.
Und so sehr ich mich auf unsere Hochzeit freue – in Momenten wie diesen ist sie auch mir nicht wichtig, weil wir bereits so sehr verbunden sind und ich überdeutlich spüre, das Gerrit mich genauso sehr liebt wie ich ihn, selbst wenn er es nicht aussprechen würde.
Sanft löst Gerrit sich einige Zeit später von mir.
„Na, dann sollte ich mich mal an die Vorbereitungen machen, damit wir rechtzeitig für den Vollmond mit dem Essen fertig sind.“
Ich nicke nur und gehe zurück in die Küche. Auch wenn ich selbst kein Problem damit hätte, ausschließlich die Torte zu essen, weiß ich, dass Gerrit es bevorzugt, davor eine solide Grundlage zu haben. Entsprechend bereite ich Sandwichs mit verschiedenen Aufstrichen, Salat, Tomaten und Gurken zu. Dazu schneide ich ein paar Möhren auf und nutze die Aufstriche, bei denen es passt, einfach als Dip dafür.
Nachdem ich fertig bin, ziehe ich mir im Schlafzimmer etwas wärmeres an – eine dicke Jogginghose und einen bequemen, kuscheligen Hoodie. Bei den meisten Menschen wäre das wohl etwas, was bei einem Date ein absolutes no-go-Outfit wäre. Aber Gerrit gibt nicht viel auf Äußerlichkeiten. Dafür hat er die Heizung im Wohnzimmer schon mal runtergedreht, damit wir nicht unnötig heizen, wenn wir später das Fenster aufmachen und ich will nicht frieren.

Als ich mit dem Tablett, auf dem ich die Sandwichs und die Möhren mit Dip habe, ins Wohnzimmer komme, herrscht eine ziemlich romatische Atmosphäre. Gerrit hat die Matratze, die wir heute morgen bereits zusammen ins Wohnzimmer getragen haben, vor das Fenster geschoben und ein Meer von Kerzen darum arrangiert. Er wirft gerade einen letzten prüfenden Blick auf alles und nickt mir dann zufrieden zu.
„Perfektes Timing!“
Lächelnd nicke ich. „Nimmst du das Tablett? Dann kann ich die Getränke holen gehen.“
Sofort kommt Gerrit mir etwas entgegen. Rasch kehre ich in die Küche zurück und schnappe mir die Thermoskanne mit dem Tee sowie zwei Tassen und eine Wasserflasche. Nachher zur Torte wird es Kakao geben – den absoluten Schoko-Overkill – aber zu den Sandwichs fand ich das ein bisschen unpassend. Und auch wenn wir viel spazieren gehen und zumindest Gerrit so mehr Bewegung hat als sonst, backe ich in letzter Zeit eben auch deutlich mehr, sodass ich es mit den Kalorien nicht völlig übertreiben wollte.

Zurück im Wohnzimmer sitzt Gerrit schon auf der Matratze und hebt einladend die Decke, die er um seine Schultern gelegt hat an. Es ist wirklich schon etwas frisch hier drinnen, dabei ist das Fenster noch zu. Ich stelle alles neben der Matratze ab und kuschle mich zufrieden an Gerrit. Unter der Decke ist es angenehm warm. Natürlich ist es mit der Decke ein bisschen unpraktisch, zu essen – aber deshalb hab ich mich extra für Fingerfood entschieden. Und es hat ja niemand behauptet, dass Romantik praktisch wäre!
Aneinander geschmiegt, essen wir. Dabei sind wir sogar pünktlich, also kurz vor dem Mondaufgang, da wir gerade halb sieben haben.
„Sehr lecker – und sogar gesund“, lobt Gerrit.
„Freut mich“, antworte ich und muss mir ein verräterisches Grinsen verkneifen. Wenn er den Nachtisch sieht, wird er letzteres nicht mehr sagen!
Ansonsten sitzen wir recht still da, genießen es einfach, Zeit miteinander zu verbringen.

„Willst du das letzte Sandwich noch?“, will Gerrit irgendwann wissen.
„Nein, ich bin voll, iss du ruhig.“
„Ich bin ehrlich gesagt auch echt satt und hatte gehofft, dass du noch Hunger hast“, gibt er halb verlegen, halb amüsiert zu.
„Stimmt, das eine jetzt überlassen ist irgendwie auch doof“, sage ich, weil ich verstehe, was er meint.
„Halbe-halbe?“, fragen wir gleichzeitig und lachen. Da wir kein Messer da haben und auch keiner von uns gewillt ist, aufzustehen, beißen wir eben abwechselnd ab.
Danach sind wir beide wirklich bis zum Platzen vollgefuttert. Zum Glück haben wir noch eine gute Stunde, bis Vollmond ist – also noch ein bisschen Zeit, um zu verdauen, bevor wir uns an den Nachtisch machen.
Ich lasse mich nach hinten gleiten und ziehe Gerrit mit mir.
„Nach dem Essen sollst du ruhn?“, fragt er mich leicht spöttisch.
„Naja, nicht unbedingt. Aber auf tausend Schritte habe ich jetzt keine Lust, ich dachte an etwas gemütlichere Bewegung“, gebe ich mich geheimnisvoll. Allerdings kläre ich es direkt danach auf, indem ich Gerrit küsse. Willig lässt er sich darauf ein und erwidert meinen Kuss. Das hilft nicht nur, ein paar der soeben aufgenommenen Kalorien direkt wieder zu verbrennen, sondern hat auch den Vorteil, dass uns dabei richtig warm wird, schließlich schmiegen wir uns eng aneinander dabei.
Entsprechend liegt die Decke kurz darauf neben uns. Weil mein Arm droht einzuschlafen, drehe ich Gerrit auf seinen Rücken und lege mich auf ihn, ohne den Kuss zu unterbrechen. Auch das ist ein Vorteil der Wohnung – im Wald könnte ich das nicht machen, weil Gerrit dann die ganzen Unebenheiten in seinem Rücken spüren würde und der Boden auch insgesamt zu hart wäre.
Eine Weile später dreht Gerrit uns beide um, sodass er jetzt oben liegt. Wenn wir nicht auf den Vollmond warten würden, hätten wir beide jetzt sicherlich keine Klamotten mehr an und stattdessen wohl wieder die Decke über uns liegen. Doch die Angst, ihn zu verpassen, hält uns davon ab, weiterzugehen. Das hat auch etwas Schönes an sich, denn ich gewinne gerade eine Idee, wie es wohl gewesen wäre, wenn wir schon als Teenys zusammengekommen wären. Leider haben wir beide viel zu lange gebraucht, um zu realisieren, dass wir füreinander geschaffen sind. Doch so ein bisschen Teeny-Zeit nachzuholen, ist eine tolle Entschädigung dafür. Gleichzeitig ist es angenehm, nicht wie damals befürchten zu müssen, bei einer falschen Bewegung direkt zu kommen und sich die Hose zu versauen. Darauf hätte ich jetzt nämlich absolut keinen Bock.

Irgendwann lösen wir uns voneinander. „Wie spät ist es eigentlich?“, frage ich.
„Moment, ich guck nach. Wir haben auf jeden Fall noch genug Zeit, ich hab einen Alarm für zwanzig Uhr vierzig eingerichtet“, informiert Gerrit mich. Damit habe ich ehrlich gesagt gerechnet, sonst hätte ich zwischendurch schon mal nachgefragt.
„Viertel nach acht“, fährt er mit Blick auf die Uhr fort.
„Perfekt“, sage ich zufrieden und stehe auf. Verwundert beobachtet Gerrit mich, lässt mich jedoch ohne Anmerkungen gewähren. Ich nehme alles bis auf die Gläser, die Tassen und die Thermoskanne wieder mit in die Küche, halte mich jedoch nicht damit auf, das in die Spülmaschine zu räumen. Das können wir auch morgen noch machen.
Stattdessen schneide ich ein Stück Buttercremetorte ab und gebe es auf einen Teller. Dazu hole ich eine Kuchengabel raus und schnappe mir die zweite Thermoskanne mit dem Kakao. Es ist gar nicht so leicht, dass alles sicher ins Wohnzimmer zu transportieren – insbesondere, weil das Stück Kuchen tatsächlich ein Viertel der Torte ist. Aber ich hab keine Lust, gleich schon wieder aufstehen zu müssen und es ist für uns beide gedacht, nicht nur für mich.
Überrascht schaut Gerrit mich und die Torte an. „Wow, du hast sogar Nachtisch gemacht! Ist das das Rezept deiner Mutter?“
Ich nicke nur und gebe ihm den Teller. „Halt mal bitte.“ Dann stelle ich die Thermoskanne ab und öffne schon mal die Balkontür, schließlich sind nur noch etwas mehr als zwanzig Minuten. Anschließend setze ich mich vor Gerrit. „So, jetzt gib mir den Teller, rutsch hinter mich und leg die Decke um uns“, weise ich ihn an.
„Verstehe, ein wirklich guter Plan“, lobt Gerrit, während er genau das in die Tat umsetzt.
Er schließt mich mit der Decke in seine Arme, sodass nur meine Arme und unsere Köpfe aus dem Deckenberg rausschauen. Zufrieden gebe ich den ersten Bissen auf die Gabel und halte sie Gerrit hin.
„Mmhh, die ist fantastisch geworden! Wirklich genau wie bei deiner Mutter“, ruft er begeistert.
Neugierig nehme ich den zweiten Bissen. Ich hab zwar in der Küche die Creme schon probiert, aber mit den Törtenböden zusammen und vernünftig gekühlt schmeckt sie ja doch noch mal ganz anders.
„Uh, jaa, die ist echt gut geworden“, stelle ich erfreut fest.
Abwechselnd füttere ich uns beide mit der Torte, wobei ich oft zwei Bissen nehme und Gerrit nur einen bekommt. Er isst die Buttercreme auch sehr gerne, aber es gibt niemanden, der so viel davon isst wie ich! Wir haben gerade etwas mehr als die Hälfte verputzt, als ein Geräusch und eine leichte Bewegung an meiner Hüfte mich so erschrecken, dass ich beinahe den Teller umkippe. Im letzten Moment gelingt es mir zum Glück noch, ihn wieder zu stabilisieren und den Rest des Stücks zu retten.
„Sorry, das ist der Alarm. Ich stell noch mal auf Snooze, nicht dass wir vor lauter Torte den Vollmond verpassen“, sagt Gerrit.
„Ja, mach das. Diesmal bin ich ja vorgewarnt.“
Als der Wecker erneut klingelt, haben wir das Stück schon weitestgehend verputzt.
„Wir sollten auf jeden Fall rechtzeitig fertig werden“, stellt Gerrit zufrieden fest. Ich nicke nur, weil ich gerade den Mund voll habe.
Als der Teller leer ist, stelle ich ihn zur Seite. Gerrit schaut währenddessen auf sein Handy, um die Uhr im Blick zu behalten. Als wir wieder aneinander gekuschelt unter der Decke sitzen, beginnt er den Countdown. „Zehn, neun, …“ Ab „Acht“ steige ich ebenfalls mit ein und gemeinsam schauen wir auf den Mond. Ehrlich gesagt finde ich ja, dass sich in den paar Sekunden überhaupt nichts daran ändert, aber wenn Gerrit sagt, dass genau in jener Sekunde Vollmond ist, dann zweifle ich das nicht an. Er ist schließlich der Experte von uns beiden.
Nachdem wir den Vollmond gewürdigt haben, besiegeln wir unsere Beziehung noch einmal mit einem innigen, aber nicht begehrlichen Kuss.
Obwohl die Sonne vor etwa einer Stunde untergegangen ist, sind die Temperaturen draußen noch im unteren zweistelligen Bereich. Deshalb beschließen wir, noch ein wenig Mond und Sterne zu gucken.
„Lass uns hinlegen, das ist gemütlicher“, schlage ich vor.
„Aber dann sehen wir den Mond und die Sterne nicht so gut“, protestiert Gerrit.
„Doch, wenn wir uns mit dem Kopf zum Fenster legen, schon“, erkläre ich meine Idee.
„Oh, das ist wirklich eine gute Idee.“
Gesagt, getan. Es ist am Kopf zwar ein wenig kalt, aber zum Glück ist die Sicht weitestgehend klar, sodass uns der Blick auf den Nachthimmel dafür entschädigt.
Natürlich zeigt Gerrit mir das ein oder andere Sternbild und erzählt mir ihre Besonderheiten. Vermutlich hat er mir all das schon mehrfach erzählt, aber ich vergesse es immer wieder – und ich liebe es einfach, ihm zuzuhören. Wenn er dabei dieselbe Begeisterung an den Tag legen würde, würde ich mir von ihm auch das Telefonbuch vorlesen lassen. Vermutlich ist das mit ein Grund, warum ich mir die Dinge so schlecht merken kann – meine Konzentration auf den Inhalt ist nämlich auch ungefähr dieselbe!
Als es uns zu kalt wird, schließt Gerrit das Fenster wieder.
„Und, hat dir unser Tag gefallen?“, fragt er.
„Ich hätte mir keinen schöneren wünschen können“, antworte ich ernst. Schließlich hatten wir das beste von unserem ersten Date gemischt mit einigen neuen Annehmlichkeiten, die sich durch die neuen Rahmenbedingungen ergeben haben. Außerdem ist Gerrit da – das ist das allerwichtigste! So darf es jedes Jahr sein.

ENDE
Aktualisiert: 06/04/21
Veröffentlicht: 06/04/21
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Witch23 am 06/04/21 19:46
Schön wieder von ihnen zu lesen. Und auch schön das sie das beste aus der Situation gemacht haben.



Antwort der Autors Snoopy279 (10/04/21 10:08):
Freut mich, dass du dich über das "Wiederlesen" gefreut hast. Ja, die Realität ist herausfordernd genug - da muss das wenigstens in den Geschichten klappen!
Danke für dein Review und fürs Freischalten!
Frühlingsgefühle 4 - Ein gelungener (Jahres)Tag
Chiyuki am 18/04/21 13:04
Toll, jetzt hab ich Lust auf Buttercremetorte. Wann bringst du mir welche vorbei?



Antwort der Autors Snoopy279 (15/05/21 11:31):
Sorry, demnächst muss ich wirklich an Warnhinweise denken "Achtung Chi, in diesem Kapitel wird etwas gegessen, bitte nur lesen, wenn du ganz satt bist" Lächelnd
Ich fürchte nie, weil jede Buttercreme auf dem Weg von mir zu dir schlecht wird (oder zumindest ein Riesenhaufen Matsch)
Danke für dein Review Lächelnd
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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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