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Veröffentlicht: 28/04/09 Aktualisiert: 01/02/10
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1. Kapitel 1

Traditionen begannen meist damit, das irgendeiner sie anfing und wenn man danach fragte, hieß es: Weil es schon immer so war.
Tradition eben.
Im Hause Devlin war es Sitte, jedes Weihnachten Besuch aus Übersee zu bekommen. Die Distanz zwischen der alten und der neuen Heimat war einfach zu groß, als das kleine Abstecher zur Familie möglich waren.
Zeitlich sowie finanziell.
Großmutter Grey seufzte erleichtert aber auch erschöpft auf, als sie aus dem Flieger stieg. Zehn Stunden machten sich nun mal bei einer alten Frau bemerkbar. Aber sie musste das nur noch zweimal hinter sich bringen.
Im Laufe des nächsten Jahres würde sie umziehen. Ihr Mann war seit fünf Jahren tot. Sie wollte ihre eigenen letzten Jahre nicht damit verbringen, allein und tausende Kilometer von ihrer Familie getrennt zu sein.
So tief sie in ihrem zu Hause verwurzelt war, und so sehr sie Japan liebte. Sie wollte auch gern zurück, zurück in das Land in dem sie geboren wurde.
Das Begrüßungskomitee fiel ziemlich spärlich aus.
Nur ihr Enkel Ian war gekommen um sie zu empfangen und abzuholen. Verschnupft rümpfte die alte Dame die Nase. Allerdings hinderte sie dies nicht daran, den jungen Mann herzlich zu begrüßen und prüfend zu mustern.
Ian schluckte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis seine Großmutter mit ihrem Verhör beginnen würde. Sie schien eine Art Radar zu besitzen, der bereits ausschlug, wenn sie einen nur kurz gesehen hatte.
Um das Gespräch zu umschiffen, das sowieso unausweichlich war, begann er ein Ablenkungsmanöver.
„Hattest du einen guten Flug?“
„Ja.“ Antwortete die alte Dame einsilbig, behielt ihren prüfenden Blick bei.
„Das ist schön. Ich nehme dein Gepäck.“ Hastig griff er nach den zwei Koffern und ächzte einen Moment. „Was hast du denn eingepackt?“
„Sei nicht so neugierig.“ Bekam er nur zur Antwort und anstatt, wie erwartet, ein sofortiges Kreuzverhör zu starten, begab sich Großmutter Grey zum Ausgang.
Verwundert folgte Ian ihr, würde allerdings nichts tun, das sie veranlassen sollte, dieser verflossenen Gelegenheit nachzukommen.
Er verstaute das Gepäck im Kofferraum, nahm hinter dem Steuer Platz. Eine gute halbe Stunde würden sie brauchen, bis nach Hause. Wahrscheinlich sogar länger. Ampeln, Fußgänger, Fahrschüler und den Schnee eingerechnet.
Ian wurde das Gefühl nicht los, der Spinne ins Netz gegangen zu sein, als er den Zündschlüssel drehte. Er schickte ein kurzes Stoßgebet zum Himmel. Gerade an Weihnachten wollte er nur seine Ruhe und nicht wie ein reife Zitrone ausgequetscht werden. Schon gar nicht nach dem was passiert war und er eigentlich den ganzen Familienkram ausfallen lassen wollte.
Denn am liebsten wäre er irgendwo allein, würde sich einsperren (oder die Außenwelt aussperren), Unmengen an ungesundem JunkFood in sich reinstopfen, es mit viel ungesünderer Cola nachspülen und im Selbstmitleid versinken.
Sie waren noch nicht ganz aus dem Parkhaus heraus, als seine Großmutter das Wort ergriff.
„Du siehst schrecklich aus.“
Sie sagte es mit solch einer ruhigen Stimme, als hätte sie eine Meldung über das Wetter gemacht.
Ian seufzte. Klappe die Erste.
„Danke, Grandma.“
„Hast du Beziehungsprobleme?“ fragte sie unschuldig, ohne auf den bissigen Unterton in der Stimme ihres Enkels einzugehen. Stattdessen kramte sie in ihrer Handtasche nach einem Hustenbonbon.
Ian knirschte mit den Zähnen.
„Ich würde nicht darüber reden wollen!?“ Der hoffnungsvolle Ton, den er in diesen Satz gelegt hatte, verhallte ungehört.
„Was habt ihr denn für Probleme? Der Sex?“
„Grandma!“
„Was ist?“ erneut traf Ian der unschuldige Augenaufschlag seiner Großmutter.
Ian seufzte erneut und entschied sich für die kurze Variante.
„Takui und ich sind viel zu verschieden. Wir passen nicht zusammen, darum haben wir uns getrennt.“ Jetzt war es raus und er hoffte, das dieser kleine SeelenStriptease reichte und seine Großmutter nicht weiter nachbohrte. Es war schmerzhaft genug es laut auszusprechen.
Die Art wie Grandma Grey Luft holte, ließ Ian allerdings schlimmes ahnen und sämtliche Hoffnungen, das die Sache damit erledigt war, über Bord schmeißen.
„Worin seid ihr denn so unterschiedlich?“
Die Art ihres Verhörs war simpel. Dennoch trafen ihre Frage genau den wunden Punkt den er treffen sollte.
„Grandma. Er ist Japaner und ich...“
„...Halbjapaner.“ unterbrach sie ihren Enkel ungeduldig.
„Nur zum Drittel, ich habe mehr amerikanische Gene!“ darauf bestand Ian, obwohl seine mandelförmigen Augen und der zierliche Knochenbau von seiner asiatischen Abstammung erzählten.
Sie wedelte mit der Hand: „Papalapapp. Dein Großvater war Amerikaner und ich Japaner. Aber wir sind trotzdem eine Familie geworden.“
„Ja,...aber Grandma. Ihr passt auch biologisch zusammen.“
„Du meinst, wir sind Heten.“
„Nun,...ja.“ Ian überraschte es immer wieder, mit welcher Offenheit und welchem Wortschatz seine Großmutter um sich warf.
„Ich werde dir mal eine Geschichte erzählen. Roll nicht mit den Augen!“ mahnte sie und zog die Stirn kurz in Falten. „Also, es war einmal an einem fernen Ort, da lebte ein kleiner Hase...“
„Och nein, bitte, nicht diese Geschichte. Ich bin doch nicht mehr fünf. Außerdem hat Mum sie mir schon vorgelesen, bis zum Erbrechen. Ich kenne sie schon und sie hat nicht das mindeste mit mir oder meinem Problem zu tun...autsch!“
Ian sah seine Großmutter anklagend an, die die Gunst der roten Ampel genutzt hatte, ihm einen Klaps auf den Hinterkopf zu geben.
„Elendiger vorlauter Bengel. Hör zu und unterbrich mich nicht!“ Sie konnte es nicht ausstehen, wenn man ihr ins Wort fiel und man ihr nicht zuhörte.
„Also...“ ein abermaliger mahnender strenger Blick wurde Ian zugeworfen, dann begann sie erneut zu erzählen.

~~~~~~~~~~~~~~

„Es war einmal, in einem fernen Land, ein kleiner Hase, der lebte in einem riesigen Palast. Dem größten und schönsten im Königreich. Aber der kleine Hase bewohnte nur eine schäbige Kammer unterhalb des Daches. Dort blieb er eingesperrt, weil der König ihn hasste, so sehr hasste das er ihm sein Leben schwer machen wollte, das der kleine Hase nur noch sterben wollte. Doch selbst das ließ der König nicht zu, weil er viel zu viel Freude darüber empfand, den kleinen Hasen zu quälen.
Eines Tages kam ihm der Vertraute des Königs zu Hilfe, er ermöglichte dem kleinen Hasen die Flucht.
So kam es das der kleine Hase zu einem geheimen Garten gelang, der von einer meterhohen Dornenhecke eingezäunt war. Hinter sich hörte er die Häscher des Königs bereits, also rannte er um den Garten herum, in der Hoffnung einen Eingang zu finden. Als seine Häscher bereits nur noch wenige Schritte von ihm entfernt waren, fand er eine kleine Mulde. Der Hase nahm all seinen Mut zusammen und grub das Erdloch weiter aus, aber nur soweit das er gerade so hindurch passte. Der kleine Hase schlüpfte unter der Dornenhecke hindurch und merkte, das er hier in Sicherheit war, denn seine Verfolger würde niemals durch den schmalen Tunnel passen.
Außer Atem und voller Panik verkroch sich der kleine Hase unter dem Busch, der vor ihm auftauchte. Die Stimmen seiner Verfolger erklangen wütend hinter ihm, doch sie gaben bald auf, da sie merkten, das sie nicht durch die dichte Dornenhecken kamen und es auch keinen Eingang gab.
Der kleine Hase blieb noch lange unter dem Busch, bis er sich sicher fühlte. Langsam kroch er aus seinem Versteck und mit großen Augen betrachtete er den Garten der sich vor ihm erstreckte.
Hinter der Dornenhecke lag eine Winterlandschaft. Der Schnee war blendend weiß und das wenige Grün der Tannen trugen schwer an ihrer Last. Ehrfurcht ergriff den kleinen Hasen, und Kälte. Er zitterte und fror erbärmlich. Nur langsam verließ er sein Versteck, wollte dieses unbekannte Land, das vielleicht seine Zuflucht sein würde, erkunden.
Irgendwann kam er an einer Höhle an. Sie wirkte einladend, warm und freundlich. Also betrat der kleine Hase den warmen Unterschlupf.
Müde und erschöpft schlief er ein.
Am nächsten Morgen, als er erwachte, erschreckte er sich furchtbar.
Ein mächtiger Löwe versperrte ihm den Ausgang. Er starrte ihn unfreundlich an.
„Was tust du hier? Weshalb dringst du ungefragt in meine Höhle ein? Verschwinde, oder ich fresse dich!“ grollte der Löwe, und der kleine Hase war zitternd zusammengesunken und wollte wirklich nur noch fliehen.
Als er die Höhle verlassen wollte, bemerkte der kleine Hase, das der Löwe verletzt war. Ein Dorn steckte in seiner Pfote und bereitete dem armen Löwen ein solche Qual, das aus dem einst freundlichen Tier, ein ungutes und missgünstiges geworden war.
Der kleine Hase allerdings hatte Mitleid.
Er nahm all seinen Mut zusammen, ließ sich von der schroffen Art des Löwen nicht abschrecken und zog ihm den Dorn aus der Pfote.
Erleichtert und auch verwundert bedankte sich der Löwe: Er ließ den kleinen Hasen in seiner Höhle wohnen.
Als der Hase sich eines Tages etwas Futter besorgen wollte, stieß er auf einen Falken, der ihn neugierig betrachtete. Erneut bekam er Angst, Angst gefressen zu werden oder schlimmer noch, das der Falke ein Diener des Königs war.
Doch der Falke lebte, genau wie der Löwe, in diesem Garten und verriet dem Hasen ein Geheimnis, da er wusste, das der Hase sich um den Löwen gekümmert hatte.
„Auf deinem Freund, dem Löwen, liegt ein Fluch. Eine böse Hexe verzauberte ihn in diese Gestalt.“
„Aber wie kann man diesen Fluch brechen?“ verlangte der kleine Hase zu wissen.
„Nur wahrer Liebe ist es vermocht, den Bann zu brechen.“
Darüber zerbrach sich der kleine Hase den Kopf. Er wollte dem Löwen nur zu gern helfen. Er mochte ihn und wollte nicht, das dieser unter diesem Fluch weiter leiden musste.
Die Tage vergingen und dem kleinen Hase wollte nichts einfallen. Auf seinen Streifzügen durch den geheimen Garten, begegnete er einer Katze. Sie haschte nach den frisch fallenden Schneeflocken. Belustigt sah der kleine Hase ihr dabei zu, bis sie ihn bemerkte.
„Magst du mitspielen?“ schnurrte der Kater, doch der kleine Hase schüttelte den Kopf.
„Kannst du mir helfen? Seit Tagen zerbreche ich mir den Kopf, wie ich meinem Freund helfen kann. Auf ihm liegt ein Fluch.“
Überlegend begann der Kater sich zu putzen.
„Du sprichst vom Löwen.“ Stellte er schnurrend fest. „Ich kenne den Fluch, auch wie man ihn lösen kann. Doch helfen kann ich dir nicht, kleiner Hase.“
Enttäuscht ließ der Hase den Kopf hängen.
„Aber eines kann ich dir sagen: Nicht alles, was wie Zauberei aussieht, ist auch welche. Häufig steckt viel weniger Magie dahinter.“
Verwundert sah der Hase dem Kater nach. Jetzt war er viel verwirrter als am Anfang. Warum sprach die Katze in Rätseln?
Gedankenversunken bemerkte der kleine Hase nicht, das sich ein Häscher des Königs; dem es irgendwie gelungen war, in den Garten einzudringen; anschlich. Voller Panik schrie und schlug der Hase aus, als der schwere Jutesack über ihn gestülpt wurde.
Ein schreckliches Brüllen drang an sein Ohr und ließ ihn verstummen. Der Jutesack fiel zu Boden und der Hase mit ihm. Schnell befreite er sich und sah wie der Löwe, den Gefolgsmann des Königs in die Flucht schlug.
„Du hast mich gerettet!“ rief der Hase erstaunt, doch erschrak, als er sah das der Löwe verletzt war.
Blut drang aus der Wunde an seiner Brust. Der Häscher hatte sich mit einem Messer gewehrt. Der kleine Hase zitterte vor Angst, denn der sonst so weiße Schnee färbte sich rot.
Aber er konnte nichts tun, nichts konnte den Löwen retten; der in den Schnee gesunken war.
Der kleine Hase aber, blieb bei ihm. Auch als es begann erneut zu schneien und die weißen Flocken sie beide fast gänzlich bedeckten, blieb der kleine Hase an der Seite des Löwen. Tränen netzten das Fell. Der kleine Hase war verzweifelt. Er wollte den Löwen nicht verlieren. Er war sein Freund. Er mochte ihn. Er liebte ihn.
Ein goldenes Licht umhüllte den Löwen, das sich der kleine Hase erschrak. Er sprang einen Satz zurück und sah zu, wie die Luft um den Löwen herum zu flirren begann. Tausend kleine Sterne explodierte und waren so hell, das der kleine Hase sich die Augen bedecken musste. Als er sie wieder öffnete, lag an der Stelle im Schnee kein Löwe mehr.
„Du hast mich erlöst.“
Der kleine Hase blinzelte. Ein wunderschöner Prinz war aus dem Löwen geworden.
Der Prinz nahm den kleinen Hasen auf die Arme.
„Ich danke dir. Nur du allein konntest mich erlösen. Bleib bei mir, kleiner Freund.“ Bat der Prinz und der kleine Hase nickte zustimmend.
Als der Prinz ihm daraufhin einen Kuss gab, verwandelte sich der kleine Hase in einen jungen Mann.
Verwundert betrachtete er sich selbst. „Aber ich war doch gar nicht verzaubert.“ Meinte der kleine Hase. Doch dann fiel ihm ein, was der Kater zu ihm gesagt hatte.
So lebte der Prinz mit seinem Liebsten auf ewig glücklich zusammen.

~~~~~~~~~~~~~~

Ian seufzte tief.
„Gut. SO kannte ich sie noch nicht. Aber Gott sei Dank hast du aus ihnen noch zwei Menschen gemacht. Alles andere wäre ziemlich abartig gewesen.“ Bemerkte er trocken.
Grandma Grey schnaufte.
„Weißt du Ian. Dafür das du mehr amerikanische Gene hast, kommen die deines Urgroßvaters aber mit ziemlicher Heftigkeit durch.“
„Wohl eher deine.“ Grinste Ian schelmisch und wich einer erneuten Kopfnussattacke aus.
„Trotzdem verstehe ich nicht wirklich, was du mir damit sagen willst.“ Doch, er verstand die Botschaft durchaus. Sie transportierte das, was jedes Märchen, jede Fabel oder Kindergeschichte tat: Unterschiede machten nichts. Gutes und Liebe siegten immer über Hass und Böses. Das ganze blabla. Seine Großmutter hatte dem ganzen nur einen homosexuellem Touch gegeben.
„Ich habe dir eben die wahre Geschichte erzählt...mehr oder minder.“
Ian zog die Brauen nach oben. „Die wahre Geschichte. Aha.“ Es klang nicht gerade danach, das er ihr glauben würde.
Die alte Dame seufzte tief.
„Was weißt du über diese Geschichte?“
„Es ist Mums altes Kinderbuch, und es war damals der Renner. Sprich, der Autor hat sich damit eine goldene Nase verdient.“
„Das stimmt zwar, ist aber auch nicht alles.“
„Grandma!“ seufzte Ian, der verärgert einen wohl suizidgefährdeten Passanten anhupte, weil dieser quer über die Straße rannte. „Was genau willst du mir vermitteln? Hör auf, immer nur Andeutungen zu machen.“
„Jaja. Lass mir doch meine Freude.“ Maulte die alte Dame.
Es herrschte einen Moment Schweigen im Wagen. Nur das leise dudeln der Weihnachtsmusik aus dem Radio und das Rascheln eines Bonbons das ausgepackt wurde, krochen als Geräusche durch das Innere des Autos.
„Ich habe nie darüber gesprochen, weil ich es für nicht gerade wichtig hielt.“ Begann sie schließlich.„Dieses Kinderbuch hat mein Onkel damals geschrieben.“ Sie betrachtete Ian aus dem Augenwinkel, aber der schien nicht sonderlich überschwänglich überrascht zu sein, um nicht zu sagen desinteressiert. Missmutig rümpfte sie die Nase.
„Deine Mutter war noch relativ jung, als mein Vater starb. Sie begriff damals noch nicht, was es damit auf sich hatte, das sie zwei Großväter hatte.“
Sie ließ den letzten Satz wirken und sah auf die Straße hinaus, bemerkte aber durchaus wie es in Ians Gehirn zu arbeiten begann. Zwei Großväter, die hatte er auch gehabt...
Langsam schlich sich erkennen in seine Hirnwindungen. Er starrte seine Großmutter an.
„Soll das heißen, das?“
Aufmerksam und fragend sah sie Ian an.
„Ist es so?“ hakte er ungeduldig nach.
„Was? Das meine Eltern schwul waren. Ja.“
Jetzt trat Ian doch auf die Bremse. Er hatte die nächste Parkgelegenheit wahrgenommen. Das musste er jetzt genauer wissen.
Grandma Grey konnte sich ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen. Ian dagegen wollte sie am liebsten schütteln.
„Jetzt lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen.“ Jammerte er.
„Wie du weißt bin ich hier, in Amerika, geboren worden, bin aber als Kind zurück nach Japan gekommen. Zu meinem Vater, nachdem meine Mutter gestorben war, als ich vier war. Zu dem Zeitpunkt lebte mein Vater allerdings bereits mit einem anderen Mann zusammen.“ Sie hob leicht die Schultern. „Ich bin damit aufgewachsen. Es war nicht immer leicht, aber für mich war es normal. Als Kai dann starb, folgte ihm mein Vater kurze Zeit später. Zum Andenken an ihre, doch relativ schwierige Beziehung, schrieb mein Onkel Yoshigawa dieses Kinderbuch.“
„Und weshalb ausgerechnet Löwe und Hase?“ fragte Ian irritiert nach.
„So genau weiß ich das ehrlich gesagt auch nicht. Aber ich erinnere mich daran, das ich als Kind immer zwei Plüschtiere hatte. Einen Hasen und einen Löwen.“
„Hm...“ Ian starrte nachdenklich auf sein Lenkrad. „Aber,...was hat das mit mir zu tun?“ Das verstand er noch immer nicht.
Aiko seufzte leise.
„Meine Eltern waren grundverschieden, in jeder Hinsicht die du dir vorstellen kannst. Sie waren wie Ying und Yang, aber sie haben sich geliebt und haben an ihrer Beziehung festgehalten. Egal wie schwierig es war. Was ich sagen will: Egal, welche Probleme ihr habt, wenn ihr euch liebt...“ Sie ließ den Satz unbeendet, musterte ihren Enkel kurz.
„Und jetzt fahr endlich los. Ich habe einen 10-Stunden Flug hinter mir und keine Lust hier im Auto zu übernachten und Heiligabend zu verpassen!“
Der ruppige Ton seiner Großmutter riss Ian aus seinen Gedanken. Auch wenn die Story überaus kitschig gewesen war. Sie hatte ihn zum nachdenken gebracht. Den Rest der Fahrt schwieg er, und Aiko ließ ihn auch in Ruhe.
In der Auffahrt angekommen, betrachtete die alte Dame das geschmückte Haus kopfschüttelnd.
„Stromverschwendung...“ brummte sie nur, auch wenn sie es insgeheim mehr als schön fand.
Sie warf einen kurzen Blick auf ihren Enkel und stieg aus. Die Koffer konnte er auch noch später reintragen. Sie betrat die Veranda und klopfte sich den Schnee von den Schuhen.
„Im Wagen da...“ sie deutete mit dem Daumen hinter sich „...sitzt jemand, der mit dir reden will.“ sprach sie den jungen Mann an, der frierend, mit roter Nase auf der Veranda saß.
Aiko klingelte Sturm und betrat dann einfach das Haus. „Bekomm ich jetzt endlich eine ordentliche Begrüßung?“ maulte sie sogleich.
Takui warf ihr nur einen verwunderten Blick zu, bevor er langsam auf den Wagen zulief und sich dann auf den Beifahrersitz niederließ.
Aktualisiert: 28/04/09
Veröffentlicht: 28/04/09
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waidgnom am 30/05/09 14:19
Wow,das ist wirklich einmal eine besondere Geschichte.Solche kluge Grossmutter sollte jeder haben. Sie ist zwar etwas bissig in ihrer Ausdrucksweise,aber das macht gerade den Charme der Geschichte aus.Die Hasengeschichte passte perfekt dazu.Und was lernt man aus der Story?! Manchmal haben auch die älteren Menschen Recht.*lach und mit den Augen zwinkern*
Kapitel 1
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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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