L'amour, c'est bénédiction ou malédiction? (Ist Liebe Segen oder Fluch?) von Roxeanne (Laufend)
Inhalt: Lucien, gutaussehendes Model und Gegner der Liebe, trifft auf Jean, der ihm unerwartet den Kopf verdreht. Das hat Auswirkungen auf beide...

Nach dem Programmierunfall vom 01.02.2010, bei dem Teile des Headers und Inhaltsangabe verloren gegangen sind, stehen auch heute, 2 Jahre später, noch unzählige alte Geschichten mit der Fehlermeldung online, aus unbekannten Gründen von ihren Autoren verwaist. Die Mods haben beschlossen, dies nun nach und nach in Angriff zu nehmen und die Header zu restaurieren, um euch das Lesen zu vereinfachen. Diese Geschichte gilt hiermit als restauriert. In Fragen könnt ihr euch wie immer vertrauensvoll an uns wenden. Euer Mod-Team
Genres: Reale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Depri/Emo
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine
Kapitel: 3
Veröffentlicht: 20/08/09
Aktualisiert: 19/04/12
Prolog
Prolog
Sein ganzes Leben lang hatte Lucien es sich verboten, zu lieben. Schon als Kind hatte er gelernt, dass Liebe, so schön sie angeblich auch sein konnte, im Endeffekt nichts als Trauer und Unglück brachte. Da waren seine Eltern, die sich andauernd stritten; seine Mutter, weinend auf der zerschlissenen Couch im Wohnzimmer; seine Tante, schluchzend am Grab ihres Mannes; sein bester Freund, selbstmordgefährdet, nachdem das Mädchen seiner Träume ihn verlassen hatte. Und – natürlich - er selbst, der noch nie verstanden hatte, wie Menschen, die das erlebten, immer noch von der Liebe schwärmen und sie in höchsten Tönen loben konnten. Was hatte es für einen Sinn, zu lieben, wenn es doch immer, ausnahmslos, nur in Schmerz endete? Er hatte sich geschworen, dass ihm all dies nie passieren würde. Er hatte sich selbst das Versprechen abgenommen, diesem bösen, unheilbringenden Zauber nie zu verfallen, der die Menschen, jeden Einzelnen von ihnen, andauernd hereinlegte. Er hatte sich vorgenommen, besser, klüger und perfekter als alle anderen zu sein, so wie er schon immer besser, klüger und perfekter gewesen war. Lange Zeit hatte er das auch geschafft; hatte es geschafft, unbefleckt zu bleiben von diesem Fluch, den die Menschen immer noch Liebe nannten. Seine Schulzeit hatte er heil überstanden, schon allein deshalb, weil er die Hälfte seines Teenagerlebens damit verbracht hatte, zu erkennen, dass er dem weiblichen Geschlecht nicht ganz so zugetan war, wie er es sollte. Die andere Hälfte war dadurch in Anspruch genommen worden, dass er sich erst in dem neuen Milieu, in das er sich zwangsläufig hatte begeben müssen, zurechtfinden hatte müssen. Natürlich geriet er mehrmals in Versuchung, sich zu verlieben; doch dort, wo er sich jetzt befand, war es wesentlich leichter, den Fluch der Liebe von körperlichen Begegnungen zu trennen als in der Welt seiner Eltern. Dann, als seine Modelkarriere unerwartet startete, hatte er für nichts anderes mehr Zeit gehabt, als für kurze, zwar aufregende, aber lieblose Affären. So war es lange Zeit geblieben, und hätte von ihm aus auch bis in alle Ewigkeit so bleiben können. Oft war er als kalt und emotionslos bezeichnet worden, und hatte nie verstanden, wieso er dafür verantwortlich gemacht wurde, dass andere, vollkommen Fremde, nur wegen etwas Spaß von ihm verlangten, dass er von nun an an sie gebunden sein sollte. Er hatte es nie verstanden, er hatte auch nie akzeptiert, warum er überhaupt zulassen sollte, etwas über einen Menschen herauszufinden, mit dem er doch nur Spaß haben wollte, warum er einem Menschen, den er nur an Abenden in dunklen Bars und zwischen den weißen Laken eines Bettes zu Gesicht bekam, so etwas wie emotionale Wärme entgegenbringen sollte – schließlich hatte ihm auch nie jemand Wärme entgegengebracht, vor allem nicht die Menschen, von denen er es erwartet hatte. Er verstand nicht, warum er plötzlich verantwortlich gemacht wurde für den emotionalen Zustand eines Menschen, warum er mit den Problemen eines Menschen konfrontiert wurde, den er doch gar nicht kannte. Und mochten sie ihn noch so sehr als kalt und emotionslos bezeichnen – die Trauer, mit der andere täglich konfrontiert wurden, weil sie sich an so etwas zerbrechliches wie Liebe klammerten, hatte er noch nie erlebt.
Bis jetzt. Dann hatte sich plötzlich dieser Junge in sein Leben gedrängt – oder sollte er sagen, er, Lucien, hatte diesen Jungen dazu gezwungen, an seinem Leben teilzuhaben? Dieser Junge, der in ihm den Wunsch nach „mehr“ erweckte, dieses „mehr“, vor dem er schon immer geflohen war, das ihm immer schon Angst eingejagt hatte, und es noch immer tat, da es ihn zu einem normalen, liebenden, dummen Menschen machte. Er hatte versucht zu fliehen, bevor es zu spät war, doch dieses eine entscheidende Mal hatte er es nicht geschafft und schaffte es auch jetzt nicht, jetzt, wo er es am Nötigsten hatte. Sein ganzes Leben lang hatte er sich an sein Versprechen gehalten, hatte sich selbst an erste Stelle gestellt, und war glücklich damit gewesen.
Deshalb war er jetzt hier, an dem Ort, den er am meisten hasste, da er ihn mit Tod und Schmerz in Verbindung brachte, emotionalem wie körperlichen Schmerz. Und hier, an diesem Ort, lernte er zum ersten Mal, was es hieß, zu lieben. Er lernte zum ersten Mal, wie es war, zu leiden, ohne körperliche Schmerzen zu haben. Er sah Menschen um sich herum, und sah sie doch nicht; er ging durch hell erleuchtete, steril riechende Gänge und konnte sich nachher kaum daran erinnern. Er hörte jemanden neben sich reden, die Wörter konnten jedoch die unablässig in seinem Kopf kreisenden Sätze nicht unterbrechen. Er war von Menschen umgeben und fühlte sich doch allein, sonderbar ausgeschlossen, als wäre er durch eine Glaswand von den anderen getrennt. Er hoffte zu träumen, und wusste, dass er es doch nicht tat. Die Zeit schien stillzustehen und doch rasend schnell zu vergehen, er fühlte sich leer und doch voll von Schmerz und Angst. Er sah ein Gesicht und sah es doch nicht, sah nicht das, was er gewohnt war. Er hörte, wie ihn jemand anschrie, spürte einen Schlag ins Gesicht, spürte Blut aus seiner Nase strömen, warm und metallisch auf seinen Lippen; er schlug zurück, ohne nachzudenken, ohne sich nachher daran zu erinnern. Doch eines war ihm ganz bestimmt in Erinnerung geblieben: Ein lang gezogener, hoher, monotoner Ton, und ein Wort, ein Wort, das sich so fest in sein Hirn eingegraben hatte, dass es sich lange, lange Zeit, als schon alles überstanden war, nicht mehr entfernen ließ: „Herzstillstand.“
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