Blind Date mal anders - RPG von split, alysander (Laufend)
Inhalt: Christian lässt sich von seinem Kumpel Andi ein Blind Date arrangieren. Als er pünktlich am Treffpunkt erscheint und eine hübsche junge Frau erwartet, muss er sich einer herben Überraschung stellen. Und das ist auch erst der Anfang einer neuen Freundschaft...
Genres: Reale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Keine
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine
Kapitel: 4
Veröffentlicht: 26/01/10
Aktualisiert: 25/04/12
Anmerkungen zur Geschichte:Diese Geschichte habe ich mit Alysander begonnen, damit wir uns schreibtechnisch kennen lernen können. Leider mussten wir auf Grund von Zeitproblemen etc. erst einmal abbrechen. Aber ich hab Alysanders Erlaubnis, allein weiter zu schreiben, was ich dann auch tun werde, sobald ich Zeit finde.
Kapitel 1
Zögernd stieg Christian an seiner Haltestelle aus und sah sich um. Er brauchte nur den vielen Familien mit Kleinkindern zu folgen, dann würde er sein Ziel nicht verfehlen können. Ein Blind Date in einem Tierpark. Was hatte Andi sich dabei nur gedacht? Es war ja nicht so, dass er Tiere nicht mochte, oder dass er zum ersten Mal auf ein Blind Date ging, aber trotzdem hätte es ja nicht so ausgefallen sein müssen. Wenn das schief lief, konnte sein Kumpel aber was erleben. Wobei es ja im Grunde tatsächlich mal was anderes war, als das übliche Eis in der überfüllten Einkaufpassage oder ein Kinobesuch. Wenigstens spielte Petrus mit und ließ die Sonne scheinen. Dann blieb nur noch zu hoffen, dass sein Date auch auftauchen und keine weitere Enttäuschung auf seiner eher kurzen Liste werden würde. Christian sprach sich noch einmal Mut zu und ging dann zum Südeingang des riesigen Geländes. Vor einem Übersichtsplan der ganzen Anlage, sollte der Treffpunkt sein.

Jesse war ein wenig nervös. Er hatte den Tierpark zwar als Treffpunkt ausgesucht, aber bisher wusste er von seinem Date nur, dass er Chris hieß und 26 Jahre alt war. Als er sich dem Eingang näherte, sah er auch bereits einen wirklich süßen Typen an der verabredeten Stelle stehen. Innerlich immer noch etwas nervös, trat er auf ihn zu. "Hi, bist du Chris? Ich bin Jesse", sagte er lächelnd, als er ihn erreicht hatte und reichte ihm freundlich die Hand.

Christian erwiderte den Händedruck automatisch, konnte den Anderen aber nur komplett sprachlos ansehen. Ein großes Fragezeichen war förmlich auf seinem Gesicht zu erkennen, während sein Blick langsam an dem jungen Mann auf und ab glitt. DAS war eindeutig keine hübsche junge Dame. Nachdem er den ersten Schock überwunden hatte, erwiderte er Jesses Begrüßung. "Hallo, ja, ich bin Chris... aber ich glaube, du verwechselst da etwas. Ich bin hier zwar verabredet, aber mit einer Frau." Christian war kein seltener Name und manchmal gab es schon seltsame Zufälle.

Jesse war ebenfalls sprachlos. "Bist du nicht Chris, 26 Jahre?", fragte er überrascht. "Ich dachte echt, dass du es bist. Denn dann wärest du meine Verabredung." Er lächelte verhalten und strich sich durch die schwarzen Haare. "Ich weiß schon, warum ich bisher keine Blind Dates hatte."

Christian seufzte und nickte. "Doch, der bin ich. So viele Jesses wird es ja wohl dann doch nicht geben." So viel zum Thema Zufälle. "Ich bring Andi um. Ich wette, das war mal wieder einer seiner idiotischen Witze. Und ich war so naiv, zu glaube, dass er mir tatsächlich mal helfen wollte." Entschuldigend sah er Jesse an. "Sorry, dass du da mit reingezogen wurdest."

Jesse zuckte mit den Schultern. "Na ja, ist schon schade, weil ich dich echt süß find und ich hatte schon gehofft, dass das Treffen nicht gleich ein Reinfall wird. Aber da du anscheinend auf Weibchen stehst, kann ich da nicht viel machen." Er grinste schief und sah Christian dann nachdenklich an. "Vielleicht wollen wir trotzdem was trinken und in den Tierpark? Ist geiles Wetter." Jesse war schließlich nie abgeneigt, neue Leute kennenzulernen.

"Klar, wieso nicht? Jetzt, wo wir einmal hier sind", erwiderte Christian. Wenn er das Ganze als einen ganz normalen Samstagnachmittagausflug sah, dann war das sicher kein Problem. Außerdem schien Jesse recht nett zu sein, da konnte es sicherlich nicht schaden, wenn sie sich vielleicht anfreundeten. "Außerdem können wir dann gleich gemeinsam Rachepläne gegen meinen Kumpel schmieden, was denkst du?" Christian grinste, während sie zur Kasse gingen und sich anstellten, um in den Park zu kommen.

Jesse lachte ausgelassen. "Ich bin dabei. Da freu ich mich auf einen süßen Schwulen und krieg nen süßen Hetero. Das schreit nach Rache." Er wuschelte sich durch seine eh schon wild abstehenden Haare und bezahlte mit Christian sein Ticket. "Na ja, besser als wenn du ein Mädchen gewesen wärst oder ich so eine aufgetakelte Schreckschraube."

"Stimmt, bei so nem Blind Date können die seltsamsten Gestalten auftauchen und da sprech ich aus Erfahrung." Das Kompliment hatte Christian durchaus registriert, doch er wollte darauf lieber nicht näher eingehen, auch wenn es ihm doch ein wenig schmeichelte. Betont aufmerksam musterte er den Lageplan, den sie an der Kasse zu den Eintrittskarten dazu bekommen hatten. "Also gut, wo soll‘s als erstes hingehen?"

"Ach echt? So miese Erfahrungen?", fragte Jesse neugierig und blickte ebenfalls auf die Karte. "Machen wir doch den Rundgang hier. Da kriegen wir ordentlich was zu sehen und ich mag die Raubtiere." Er grinste und freute sich schon auf die Gehege.

"Ich mag die Raubtiere auch. Also passt das doch." Sie schlugen die entsprechende Richtung ein und führten ihre Unterhaltung fort.

"Ich wollte das mit dem Blind Date mal probieren und werde gleich beim ersten als Scherz missbraucht." Jesse griff ihr Thema gleich wieder auf und seufzte leise.

"Sorry nochmal. Auch wenn Blind Dates einen schlechten Ruf haben, so kann das auch Spaß machen und es sind ja nicht nur Idioten unterwegs. Du solltest es ruhig wieder versuchen. Beim nächsten Mal klappt‘s bestimmt besser." Christian konnte sich nicht vorstellen, dass Jesse zu den Menschen gehörte, die sich schnell einschüchtern oder entmutigen ließen. Für ihn war das hoffentlich kein so großer Rückschlag und Christian selbst fand das auch nicht weiter schlimm. Schließlich verstanden sie sich soweit ganz gut.

"Ach mal sehen. Vielleicht schau ich auch einfach mal, ob mir nicht was in freier Wildbahn über den Weg läuft." Jesse lachte wieder und ließ sich die Laune nicht vermiesen. "Ich bin erst seit neun Monaten Single und hab es jetzt nicht so eilig damit. Auch wenn es zu zweit schöner ist. Und warum hast du dich auf das Blind Date eingelassen?"

"Andi meinte, ich solle mal raus. Nach meiner letzten Beziehung hab ich mich mehr mit meiner Arbeit als mit anderen Menschen beschäftigt. Das hat mir nicht wirklich gut getan." Christian zuckte mit den Schultern und musste zugeben, dass diese Ablenkung ganz gut funktionierte.

"Was arbeitest du denn?", wollte Jesse interessiert wissen und sah Chris an. "Bist du schon lange Solo? Sorry, ich bin furchtbar neugierig." Genüsslich streckte er sich der Sonne entgegen. Er liebte sie und fühlte sich so richtig wohl darin.

"Frag ruhig so viel du magst. Das stört mich nicht." Christians Blick schweifte kurz zu Jesse und er musste zugeben, dass dieser wirklich gut aussah. Dass der Jüngere schon längere Zeit Single war, lag bestimmt nicht an seinem Äußeren. "Ich studiere und arbeite nebenher in einer größeren Druckerei in der Satztechnik. Da ist immer viel zu tun und meistens kommt alles auf die letzte Sekunde. Da hat man wenig Zeit, um über anderes nachzudenken. Und was machst du?"

"Ich erstelle das, was du letztendlich druckst. Ich bin Grafiker und arbeite in einer kleinen Firma. Ich mache alles von Werbung bis Webdesign", gab Jesse bereitwillig Auskunft und musste ob des Zufalls schon wieder grinsen. "Ist ein sehr angenehmes Arbeiten, da ich auch sehr viel von Zuhause machen kann und nur selten in die Firma muss. Das gibt mir viel Freiheit."

"Klingt super, da hast du sicherlich auch flexible Arbeitszeiten, oder? So was hab ich mir auch schon überlegt, aber ich denke, mit meinen festen Zeiten, bin ich besser dran."

"Ja, ich kann mir meine Zeit selbst einteilen, solange ich die Aufträge fertig bekomme. Da ich gerne mal lange schlafe, kommt mir das sehr gelegen, zumal ich leidenschaftlich Skateboard fahre. So habe ich genug Zeit dafür."

Christian blieb unvermittelt an einem der umzäunten Freigehege stehen und deutete in den Schatten einiger Bäume. "Ich glaube, von den Raubtieren werden wir nicht viel zu sehen bekommen, wenn wir nicht gerade die Fütterungszeit erwischen. Die nutzen das schöne Wetter, um einfach nur faul rumzuliegen."

"Na ja, hat ja auch was für sich bei dem Wetter faul auf der Wiese zu liegen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen", grinste Jesse.

"Stimmt. In der Voliere wird da mehr los sein. Ich mag die exotischen Vögel dort." Christian war nicht das erste Mal hier. Er kannte die meisten Gehege schon, dennoch war es nicht langweilig, den Nachmittag hier zu verbringen. "Ich frag mich ja, wie Andi auf die Idee mit dem Tierpark gekommen ist", dachte er laut nach, während sie zum nächsten Gehege weiter gingen.

"Ehrlich gesagt war der Tierpark meine Idee. Ich mag‘s ganz gerne hier", gab Jesse zu und zuckte doch etwas verlegen mit den Schultern.

"Oje, Fettnäpfchen." Christian grinste und meinte dann ehrlich: "Aber eigentlich ist der Tierpark ne coole Idee, mal was anderes, das hab ich vorhin schon gedacht." Dann kam er auf etwas zurück, was Jesse schon zuvor erwähnt hatte. "Du fährst Skateboard? So richtig mit Tricks und allem?"

"Ja, so richtig mit Tricks und so. Ich fahre schon ein paar Jahre und nehme mein Board fast überall mit hin. Nur heute hab ich es lieber zu Hause gelassen." Sonst trennte Jesse sich nur ungern davon, aber letztendlich wäre es bei einem Date wohl eher hinderlich gewesen.

"Finde ich klasse. Dem typischen Skaterklischee entsprichst du jedenfalls nicht. Ich bin da leider nicht ganz so begabt. Das Einzige, was ich regelmäßig mache, ist Joggen." Sport war noch nie Christians bevorzugte Beschäftigung gewesen. Das gab er ehrlich zu.

"Na ja, ich hab irgendwie schon als kleiner Junge damit angefangen und nicht mehr aufgehört. Bin aber nicht so verrückt, wie viele und versuche mir bei irgendwelchen halsbrecherischen Tricks meine Knochen zu brechen. Allerdings bleiben Verletzungen trotzdem nicht immer aus. Das gehört einfach dazu." Jesse warf einen musternden Blick auf Christian, der in den engen Jeans und dem lockeren Shirt wirklich nicht schlecht aussah. "Allerdings scheint dir das Joggen recht gut zu bekommen, deinen Körper musst du jedenfalls nicht verstecken."

Diesmal konnte Christian das Kompliment nicht ignorieren. Er grinste verlegen, erwiderte es jedoch. "Ist bei dir aber auch nicht anders, soweit ich das beurteilen kann." Fieberhaft suchte er nach einem Weg, das Thema zu ändern. Er war es nicht gewohnt, dass Männer sich gegenseitig Komplimente machten. Das kannte er nur von der Arbeit, wo sowas aber selten ehrlich gemeint war und eher der eigenen Karriere diente. Doch an so etwas wollte er jetzt nicht denken. Also ließ Christian seinen Blick über die Umgebung gleiten und entdeckte an der nächsten Wegkreuzung ein Hinweisschild, welches zur Voliere deutete. "Ah, da geht‘s zu den Vögeln. Ist das okay für dich?"

Jesse fand die offensichtliche Verlegenheit süß, ging aber auf den Themenwechsel ein. "Ja klar. Find die auch ganz cool. Vor allem die Raubvögel."

"Mir gefallen eher die Exotischen mit den leuchtenden Gefiedern. Wobei die Raubvögel wirklich beeindruckend sind." Gemeinsam betraten sie die Voliere, wo ein schlängelnder Weg sie zwischen den Sträuchern, Bäumen und Wasserläufen hindurch führte. Zu Anfang sahen sie nur kleinere Tiere, da die Raubvögel in einem extra Teil untergebracht waren.

"Ja, die Exotischen haben auch was. Vor allem die Papageien", stimmte Jesse zu und sah sich neugierig um. "Bin ja froh, dass unser ‚Date‘ nicht ganz ausgefallen ist und ich so wenigstens noch jemanden habe, der den Tierpark auch mag."

"Find ich auch. Es ist blöd, wenn man sich den Nachmittag frei hält und dann schon nach den ersten fünf Minuten doch nichts aus den Plänen wird. Da ist es ganz angenehm, dass wir trotzdem gemeinsam etwas machen, was uns auch beide interessiert." Christian beobachtete die herumfliegenden Vögel und war froh, dass auch das Wetter mitspielte, denn es hatte den ganzen Tag nach Regen ausgesehen. Erst vor einer knappen Stunde war die Wolkendecke aufgerissen und verschwand langsam am Horizont, während das Blau mehr und mehr den Himmel zurückeroberte.

"Und wir müssen noch unsere Rache planen." Das hatte Jesse nicht vergessen und er musste bei dem Gedanken grinsen. "Womit könnten wir deinem Kumpel denn eins auswischen? Wäre er geschockt, wenn dir dein Date gefallen hätte?"

"Auf jeden Fall. Das würde ihn aus den Socken hauen." Christian lachte und stockte dann. Nachdenklich blieb er stehen. "Also wenn uns nichts anderes einfällt, dann ist das sicherlich eine gute Idee. Leider ist Andi sonst ziemlich hart im Nehmen. Den bringt so schnell nichts aus der Ruhe und was du vorgeschlagen hast, würde tatsächlich so ziemlich als einziges wirken, wenn auch nur kurz." Er zuckte mit den Schultern. "Leider macht Andi selbst keine Blind Dates, deshalb funktioniert Gleiches mit Gleichem vergelten wohl nicht."

"Hmm, du kennst ihn besser. Beim nächsten Treffen nimmst du mich mit und stellst mich als deinen Freund vor." Jesse zwinkerte ihm zu und meinte dann noch neckend: "Natürlich nur, wenn du dich traust, mit nem Kerl Händchen zuhalten."

"Da ist ja nichts dabei und um ihm eins auszuwischen, nehme ich das gerne in Kauf." Damit hatte Christian wirklich kein Problem, schließlich berührte er jeden Tag auf irgendeine Weise Menschen. Händchen halten war nichts anderes als jemandem die Hand geben. Nur dass man nicht gleich wieder los ließ.

"Cool, dann machen wir das. Ich gebe dir meine Nummer und du rufst mich an, wenn das Treffen steigt." Jesse freute sich darauf. Vielleicht konnten sie wirklich Freunde werden. Er fand Chris schließlich nett.

"Ja, ich kann sie gleich einspeichern." Christian fischte sein Handy aus seiner Hosentasche und gab die Nummer ein, bevor er es wieder wegsteckte.

"Auf was für Mädels stehst du denn so?", fragte Jesse dann, um noch mehr von Christian zu erfahren.

"Hm, das ist eine Frage, die ich noch nie gut beantworten konnte. Stell mir eine Frau vor und ich sag dir nach einigen Minuten, ob sie mir gefällt, aber so etwas Konkretes, wie ich mag brünett, braune Augen und schlank, kann ich dir nicht sagen." Schon nach seinen ersten Freundinnen und Abenteuern hatte er bemerkt, dass er da absolut flexibel war.

"Na ja, ich kann mit Frauen so gar nichts anfangen und weiß nicht, worauf man da schaut. Klar, Charakter und so sind wichtig. Aber damit mir ein Typ auffällt... ich mag keine Rothaarigen zum Beispiel, aber einen netten Body muss er haben. Und nen süßen Hintern natürlich", setzte Jesse noch augenzwinkernd nach.

"Das grenzt die Auswahl ja schon mal um ein paar Punkte ein." Doch solche genauen Vorstellungen hatte Christian einfach nicht. "Ich probiere gerne mal was Neues. Außerdem ist es blöd, wenn man zum Beispiel immer nur blonde Partner hat. Da wird man doch ständig an seine Ex erinnert, oder?" Da war es doch besser, wenn man sich auf verschiedene Typen einließ.

"So festgelegt bin ich da auch nicht. Keine Rothaarigen, aber ob blond, braun oder schwarz ist mir ansonsten egal." In dem Punkt hatte Jesse sich schon festgelegt. "Außerdem muss er Humor haben, ich lache gerne und das sollte mein Freund auch."

Das brachte Chris zum Lachen, denn irgendwie war Humor immer auf der Liste der Wunscheigenschaften des Partners. Egal, wen man da fragte. "Man sollte meinen, wenn man so flexibel ist, dass es nicht so schwer sein sollte, den passenden Menschen zu finden", gab er schließlich etwas frustriert zu bedenken.

"So viele Schwule gibt es nun auch nicht. Manchmal kann es recht schwer sein, überhaupt jemanden zu finden und wenn‘s dann noch passen soll, wird’s wirklich schwierig." Jesse zuckte mit den Schultern und tat das Thema ab.

Auch Christian schob den Gedanke beiseite. "Okay, lassen wir das Thema. Wo sollen wir als nächstes hin? Magst du vielleicht ein Eis oder Popcorn?" Chris wusste aus Erfahrung, dass beides hier sehr lecker war.

"Eis klingt klasse. Ich liebe Eis." Jesses Augen glitzerten aufgeregt.

"Na dann, auf zum nächsten Eisverkäufer." Chris hielt nach einem Stand Ausschau, während Jesses kindliche Freude ihn lächeln ließ. Jetzt hatte er auch gleich ein neues Gesprächsthema. "Was ist deine Lieblingssorte?"

"Vanille und Erdbeere, keine Frage." Bei dem Gedanke daran, leckte Jesse sich genießerisch über die Lippen. "Und deine?"

"Joghurt und Schokoschock, das mit den vielen Schokostücken", gab Chris zu. Kurz nur blieb sein Blick an Jesses feucht schimmernden Lippen hängen, dann besah er sich wieder die Gehege, an denen sie vorbei liefen. "Da vorne ist es." Er deutete den Weg entlang. Dort stand an der nächsten Wegkreuzung ein Eisverkäufer. Es waren nur wenige Leute dort.

"Schoko ist auch lecker", gab Jesse zu und lächelte Chris an. Sie mussten nicht lange warten, bis sie dran kamen. Er leckte zufrieden an seinem Eis und schloss genüsslich die Augen.

"Ich hab noch nie einen Erwachsenen gesehen, der sein Eis so genießt." Chris betrachtete Jesse fasziniert, schüttelte dann den Kopf und widmete sich seinem eigenen Eis, bevor es schmolz. Sie gingen weiter und beobachteten die Tiere, die größtenteils faul in ihren Gehegen und Behausungen herumlagen. "Die sind auch nicht gerade zu beneiden. Die sehen aus, als würden sie sich zu Tode langweilen", meinte Chris trocken. Das war ihm schon öfter aufgefallen, aber gesagt hatte er das noch nie.

Jesse lachte schallend und sah die trägen Tiere an. "Genau das Gleiche denke ich auch immer. Gib es zu, du liest Gedanken", meinte er neckend und grinste fröhlich.

"Nein, bestimmt nicht." Chris wies jede Schuld von sich und hob abwehrend die Hände. Er fand es wirklich toll, wie viel sie gemeinsam hatten, obwohl sie so unterschiedlich waren. Dass sie den Nachmittag zusammen verbracht hatten, bereute er kein bisschen und er freute sich auch schon sehr darauf, wenn sie sich für ihre Rache an Andi treffen würden. Wobei es dafür nun wirklich keinen Grund mehr gab. Sie hatten Spaß gehabt, dafür musste Chris Andi fast schon dankbar sein, aber es ging hier schließlich ums Prinzip.

Langsam ging der Nachmittag zu Ende und sie hatten fast alles gesehen. "Also, wann hättest du generell Zeit für ein Treffen?", wollte Chris direkt wissen, als sie sich dem Ausgang näherten.

"Eigentlich immer, weil ich mir meine Zeit zum Arbeiten frei einteilen kann. Wie wäre es aber mit Samstag? Da hat doch eigentlich jeder Zeit, oder?", fragte Jesse und strich sich wieder durch die Haare. Das war eine Angewohnheit, die er selbst kaum noch bemerkte.

"Okay, Samstag klingt gut. Ich werd was mit Andi ausmachen und mich dann bei dir melden." Chris war stehen geblieben, nachdem sie das Tor passiert hatten.

"Ich fand das ‚Blind Date‘ auf jeden Fall nett, auch wenn es anders war als gedacht." Jesse grinste. Er war froh, dass er gekommen war, sonst hätte er sicher etwas verpasst.

Chris sah Jesse offen an und nickte dann zustimmend. "Ja, ich fand es auch super und ich würde mich freuen, wenn‘s vielleicht auch mal so wieder klappt. Wir finden bestimmt auch noch andere Sachen, die wir gemeinsam unternehmen könnten." Er hatte fast schon vergessen, dass Jesse schwul war und so war dies ein rein freundschaftliches Angebot. Seine Gesellschaft hatte ihm sehr gefallen.

"Können wir gerne machen." Jesse freute sich über die Worte und war derselben Meinung. Sicherlich gab es mehr, das sie gemeinsam unternehmen konnten, wenn ein Besuch im Tierpark schon so angenehm verlaufen war. Er lächelte Chris nochmal an, verabschiedete sich und ging dann zur Bushaltestelle.

Chris verabschiedete sich ebenfalls. Er musste zu einer anderen Haltestelle als Jesse und er hatte sogar Glück, denn er brauchte nur wenige Minuten auf seinen Bus zu warten. Auf dem Weg nach Hause überlegte er, ob er Andi gleich anrufen sollte oder ihn lieber etwas zappeln ließ. Der wartete sicher schon auf einen empörten Anruf seinerseits. Chris entschied sich schließlich dafür noch bis zum nächsten Tag zu warten, falls sein Kumpel sich nicht von alleine melden sollte. Ein Treffen konnte er dann immer noch arrangieren. Nachdem er den Bus verlassen hatte, holte er sich bei einem nahegelegenen Imbiss noch etwas fürs Abendessen, danach würde er den Abend faul vor der Glotze verbringen. Endlich mal wieder ausspannen war auch keine schlechte Sache.

***
Kapitel 2
Am Freitag bekam Jesse dann den erwarteten Anruf von Chris. "Hey, na wie geht‘s?", meldete er sich und nutzte das Telefonat gleich als Pause von seiner Arbeit. "Steht das Treffen morgen?"

"Hey, ja, es steht." Chris hatte die ganze Woche viel zu tun gehabt und hatte kaum an das Treffen denken können, auch wenn er Jesse an sich nicht vergessen hatte. Andi hatte er nur mit einer kurzen Predigt abgespeist, als dieser nach dem Blind Date gefragt hatte. "Wir haben uns zum Mittagessen im Steakhouse verabredet. Ich weiß aber noch nicht so genau, wie wir es machen sollen. Willst du von Anfang an dabei sein oder lieber zufällig dazu stoßen?"

"Na, wir kommen Arm in Arm rein und schocken ihn zu Tode." Jesse grinste vor sich hin. "Du stellst mich als deinen Freund vor und dass wir uns mit dem Essen dafür bedanken wollten, dass er uns zusammen gebracht hat."

"Okay, das klingt nach einem Plan. Mit Andi hab ich mich für halb eins verabredet. Wann sollen wir uns treffen und vor allem wo?" Chris überlegte kurz, als ihm noch etwas anderes einfiel. "Das Steakhouse ist hoffentlich okay für dich. Ich weiß nicht mal, ob du Vegetarier oder sowas bist."

"Steakhouse ist ok. Ich bin zwar Vegetarier, aber die haben da auch leckere Salate und Gerichte ohne Fleisch", versicherte Jesse und stellte für sich fest, dass er Chris Art süß fand.

"War ja klar, dass ich genau das erwische, was am ungeeignetsten ist." Chris lachte leise und überlegte schon einmal, wie er das bei Jesse wieder gut machen konnte. "Also gut, was hältst du von zehn vor halb an der Haltestelle am Park. Dann ist es bis zum Steakhouse nicht weit und wir haben genügend Zeit."

"Klingt gut. Dann treffen wir uns da zehn vor halb. Und mach dir keine Gedanken wegen deiner Wahl. Das geht schon in Ordnung." Jesse notierte sich sicherheitshalber die Zeit, während er Chris beruhigte. "Ich ziehe mir auch was Hübsches für dich an", neckte er dann.

"Da bin ich ja mal gespannt." Und das war Chris wirklich. Er hoffte natürlich, dass Jesse nichts zu Ausgefallenes wählen würde. Was das betraf, konnte er den Mann leider gar nicht einschätzen. Andererseits, wenn sie Andi richtig schocken konnten, war ihm alles recht. So eine Racheaktion war bei seinem Kumpel schon lange überfällig, denn der leistete sich allzu gern mal solche Scherze. "Tja, also, da das geklärt ist, will ich mal nicht länger stören. Du hast sicher noch was vor."

"Ja, ich muss noch einiges wegarbeiten", gestand Jesse und verabschiedete sich dann doch recht schnell. Doch er freute sich bereits auf den nächsten Tag.

Chris verabschiedete sich ebenfalls und legte dann auf. Er hatte eigentlich gedacht, dass Jesse an einem Freitagabend noch durch die Clubs ziehen würde oder etwas in der Art, aber offensichtlich ging es dem jungen Mann genauso wie ihm selbst. Mit wenig Konzentration und viel Cola machte er sich wieder an die Hausarbeit, die er noch am Anfang der kommenden Woche abliefern musste.

***

Da es am Abend dann auch recht spät geworden war, verschlief Chris den halben Vormittag. So blieb ihm nur wenig Zeit, um noch einige Erledigungen zu schaffen und am Ende kam er nur gerade so pünktlich zum Treffpunkt an der Haltestelle. Mit seiner verwaschenen Jeans und dem dunkelblauen Shirt machte er dabei wie immer einen sportlichen Eindruck. Seine verwuschelten braunen Haare wirkten, als wäre er so aus dem Bett gefallen, obwohl er einiges an Zeit in sie investiert hatte.

Jesse hatte sich eine schwarze Cargohose angezogen, die sehr tief saß. Darüber trug er ein enges dunkles T-Shirt. Seine Haare sahen sehr nach Schlafzimmer aus, was aber gewollt war. "Hey...Schatz." Jesse begrüßte Chris und grinste breit.

"Hey, wow." Chris war fast schon ein wenig sprachlos, denn Jesse sah wirklich super aus. Das war nicht nur seine Meinung, wie er feststellte, als mehr als nur ein Augenpaar sich nach ihm umsah. "Du meine Güte. Ich glaube, ich muss richtig aufpassen, sonst bist du schneller weg, als ich gucken kann." Lachend schlug er Jesse zur Begrüßung auf die Schulter und schlug dann die Richtung ein, in die sie mussten.

Jesse bekam dank des Kompliments ein wenig Farbe auf die Wangen. "Das Gleiche kann ich zurück geben", meinte er dann und besah sich Chris genauer. "Wirklich schade, dass du hetero bist." Er zwinkerte ihm zu und grinste fröhlich. Vor dem Laden legte er einen Arm um Christians Hüfte. "Bereit Liebling?", fragte er dann und klimperte mit den Wimpern.

Chris war erst etwas überrascht, obwohl er mit der Geste hätte rechnen sollen, doch schnell entspannte er sich. Es war schließlich nicht unangenehm Jesse so nah bei sich zu haben, da dieser wirklich nicht schlecht roch. Im Gegenteil. Dessen frischherber Geruch ließ aus unerklärlichen Gründen eine Gänsehaut über seinen Rücken rieseln. Er legte ebenfalls einen Arm um Jesse und grinste dann breit. "Okay, lass uns die Show beginnen."

Sie betraten gemeinsam das Restaurant und Chris hielt auch sofort nach seinem Kumpel Ausschau. Der saß bereits an einem Tisch in einer ruhigen Ecke. Das Lokal war überraschend voll und so mussten sie erst an einigen anderen Gästen vorbei. Doch deren Blicke störten Chris gar nicht, er bemerkte sie kaum. Viel mehr interessierte ihn die Reaktion von Andi, der sie erst bemerkte, als sie bereits am Tisch ankamen. "Hey Alter, wie geht's?", begrüßte Chris ihn so wie immer.

Jesse konnte Chris dank ihrer Nähe zu einander ebenfalls riechen. Doch er verbot sich sofort jeden Gedanken daran. Er grinste innerlich als diesem Andi die Kinnlade auf den Tisch fiel. "Hey, ich bin Jesse."

Andi sah die beiden ungläubig an. "Ähh... hi...", stotterte er und zeigte dann auf sie beide. "Ihr beide... zusammen?"

Auch Chris musste sich stark zusammenreisen, als er Andis Gesicht sah. "Klar, deshalb hast du das Blind Date doch arrangiert." Langsam löste er sich von Jesse, damit sie sich setzen konnten. "Du hast keine Ahnung, wie überrascht ich war, als er plötzlich auftauchte. Aber da wir einmal da waren, haben wir den Nachmittag trotzdem zusammen verbracht. Tja, und dann hat‘s gefunkt." Mit leuchtenden Augen sah er zu Jesse und musste das nicht einmal allzu sehr spielen, denn er freute sich wirklich über die Bekanntschaft mit dem Jüngeren.

"Ihr wollt mich doch verarschen, oder?" Andi schien sich von seinem ersten Schock erholt zu haben und wirkte nun skeptisch. Offensichtlich glaubte er die Geschichte nicht ganz. Das war für Chris auch nicht verwunderlich, weil er bisher nie Augen für Männer gehabt hatte und sie kannten sich schon sehr lange.

Jesse war einen Moment von Christians intensivem Blick abgelenkt. Ihm wurde ganz anders davon und so musste er seine glänzenden Augen ebenfalls nicht spielen. Etwas verspätet wandte er sich an Andi. "Ich war auch überrascht, als ich hörte, dass Chris etwas ganz anderes erwartet hatte, aber zu meinem Glück war er doch nicht uninteressiert." Er beugte sich zu Chris und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen. Dabei musste er innerlich grinsen, weil Andi fast vom Stuhl fiel.

Auch Chris wäre beinahe umgekippt. Küssen gehörte nicht zu ihrer Vereinbarung und es hatte ihn wirklich geschockt, als er plötzlich Jesses Lippen spürte. Für einen Moment nur entglitten ihm die Gesichtszüge, wovon Andi aber anscheinend nichts mitbekam. "Lass uns bestellen. Ich bin am Verhungern", lenkte Chris vom Thema ab, um sich wieder richtig zu fangen. Jesses Lippen hatten sich unerwartet gut angefühlt und das musste er erst einmal verarbeiten.

Jesse sah Chris kurz entschuldigend an und setzte sich. Dann las er die Speisekarte. "Ich werde den Salatteller und das überbackene Gemüse nehmen." Er lächelte Chris an und fragte dann: "Und was nimmst du Liebling?"

"Ihr verarscht mich wirklich nicht?", warf Andi dazwischen. Anscheinend hatte der Kuss seine Zweifel verjagt.

"Nein, wir verarschen dich nicht. Das wäre doch etwas viel Aufwand, nicht?" Chris warf noch einmal einen Blick auf die Speisekarte, aber eigentlich wusste er schon, was er haben wollte. "Ich nehm das T-Bone Steak." Das mochte er am liebsten. Als auch Andi sich entschieden hatte, bestellten sie erst einmal.

Die Getränke kamen als erstes und Jesse trank einen großen Schluck von seiner Cola. Dann nahm er Chris Hand und drückte sie ein wenig. "Der Laden ist wirklich gemütlich, Schatz."

"Ja, das ist er und das Essen ist auch super. Deshalb kommen wir gerne her, stimmt‘s Andi?" Chris grinste seinen Kumpel an, während er unbewusst Jesses Händedruck erwiderte. Einerseits fühlte er sich langsam ein wenig von diesem bedrängt, denn Jesse spielte die Rolle des frisch Verliebten wirklich überzeugend, andererseits war er eine angenehme Gesellschaft und Chris wollte nach wie vor seinen Kumpel ärgern.

"Ja, die Steaks hier sind klasse. Da solltest du dich komplett durchprobieren." Andi war froh, dass sie sich über etwas unterhalten konnten, das nichts mit den beiden frisch Verliebten zu tun hatte. Er war noch immer skeptisch, aber so oder so, wollte er sicherlich nicht deren Süßholzgeraspel hören.

Jesse ging unterdessen nicht weiter und nahm seine Hand nach einer Weile zurück. "Wie kamst du eigentlich darauf, dass Chris doch nicht hetero ist? Ich finde das ja toll, dass du deinen besten Freund so gut kennst, dass du ihn in die richtige Richtung weist."

Andi kam sichtlich ins Stottern, als er versuchte, darauf eine Antwort zu finden. Schließlich blieb er bei einer recht vagen Erklärung. "Tja, wenn man sich so lange kennt... und Chris war mit den Frauen nie richtig glücklich, da war es den Versuch ja offensichtlich wert."

Chris musste sich ein Lachen verkneifen, denn so hatte er seinen Kumpel noch nie erlebt. Schnell nutzte er sein Colaglas, um das breite Grinsen in seinem Gesicht zu überspielen. "Dann muss ich dir richtig dankbar sein, für deine Weitsicht und dein Verständnis. Das hätte wohl nicht jeder gemacht."

Jesse konnte sich das Lachen auch kaum verkneifen. "Mensch, da hat Chris ja Glück, so einen tollen Freund zu haben, der nur an sein Wohlergehen denkt." Er lächelte zuckersüß und sah auf, als sein Salat kam. Er wartete aber noch, bis die anderen auch ihr Essen bekamen. Als Andi gerade trank, sah er ihn direkt an. "Bist du eigentlich auch schwul, weil du das so gut erkannt hast?" Diesmal grinste er offen, als Andi fast sein Getränk über den Tisch spuckte.

"Nein", protestierte Andi sofort, wurde dann aber etwas ruhiger. "Nein, das war wirklich bloß eine Idee. Ich hätte nicht gedacht, dass es funktioniert." Schnell lenkte er von sich ab. "Aber erzähl doch mal, was treibst du so, wenn du nicht gerade Blind Dates machst."

Chris sah ebenfalls zu Jesse, denn sicherlich gab es Dinge, die er ihm noch nicht erzählt hatte.

Jesse überlegte einen Moment und erzählte dann freiheraus, was ihm einfiel. "Ich bin Grafiker und arbeite meist freiberuflich von zuhause aus. Bis zu unserem Date war ich neun Monate Single. Ich bin Vegetarier und fahre leidenschaftlich gerne Skateboard. An Wettkämpfen nehme ich auch immer wieder teil und trainiere mehrmals die Woche."

"Vegetarier? Dann ist es kein Wunder, dass du das Steakhouse noch nicht kanntest. Chris liebt Fleisch", meinte Andi und schien alles andere gar nicht gehört zu haben.

Chris gab Andi recht. Er liebte Fleisch, aber wenn jemand es nicht mochte, war das für ihn sicherlich kein Grund, ihn nicht zu mögen. Es konnte schließlich jeder essen was er wollte und selbst wenn man am selben Tisch saß, war es doch kein Problem, verschiedene Dinge auf dem Teller zu haben.

"Na ja, dann kann er mehr davon essen, weil ich es ihm nicht wegfuttere." Jesse grinste und zwinkerte Chris zu. "Bin da kein Fanatiker, ich mag es einfach nicht und mampfe lieber mein Gemüse."

"Ist ja auch lecker, sowas", gestand Chris ein. Doch das war schnell vergessen, als die Bedienung endlich ihre Steaks brachte. Hungrig und mit großem Appetit verfielen sie in Schweigen und vertieften sich in ihr Essen. Gerade weil Chris die meiste Zeit von Fast Food und Dosenfutter lebte, genoss er die Besuche in einem Restaurant besonders. Langsam wurde die Stimmung zwischen ihnen lockerer und Chris tat es fast schon leid, dass sie Andi so verarscht hatten. Irgendwann würde er seinem Kumpel das falsche Spiel sicher auch verraten, ewig würde er schließlich nicht mit Jesse rumturteln können.

Jesse fand Andi nett und es fiel ihm leicht mit ihm zu reden. Immer wieder sah er zu Chris und seufzte innerlich, weil ihr Treffen hier nur ein Scherz war. Er fühlte sich alleine und hätte gerne wieder jemanden an seiner Seite. Chris war da eigentlich genau sein Typ.

Sie saßen noch eine ganze Weile da, genossen ihren Nachtisch und unterhielten sich. Doch schließlich musste Andi los, weil er noch einen Termin hatte. Das nahmen auch Chris und Jesse als Zeichen zum Aufbruch. Sie bezahlten und verließen dann gemeinsam das Restaurant. Andi musste in eine andere Richtung als sie beide und als er außer Sichtweite war, war es wohl auch an der Zeit, dass sie sich voneinander verabschiedeten. "Ich fand‘s cool, dass du mitgemacht hast. Danke."

Jesse strich sich durch die Haare und war ein wenig verlegen. "War kein Problem und ich hoffe, ich hab nicht übertrieben", sagte er unsicher. "Und was machst du heute noch?"

"Weiß noch nicht... mal schauen. Und du?" Chris plante nur selten weiter voraus, wenn es um seine Freizeit ging. Er unternahm gerne kurzfristig mit Freunden etwas, aber gerade für heute hatte er sich noch nichts überlegt.

"Ich glaub, ich werde heute Abend mal wieder in einen Club gehen. Ich gehe gerne ins ‚Rain‘. Das ist ein Club für Schwule." Meist tanzte Jesse dort nur, aber vielleicht würde er sich heute mal was fürs Bett suchen. Er machte das nur selten, aber im Moment fühlte er sich sehr danach.

"Ah ja... gute Idee... vielleicht sollte ich heute Abend auch mal wieder in einen Club... die Arbeit hat das eine Weile nicht zugelassen." Chris überlegte, ob er sich jetzt verabschieden sollte, doch stattdessen fiel ihm etwas anderes ein. "Schwimmst du eigentlich gerne?"

"Ab und zu gehe ich ganz gerne schwimmen, wenn es die Zeit zulässt", gab Jesse zu und sah Chris fragend an.

"Würde es die Zeit jetzt zulassen? Ich kenne da nen See, der auch nach den kühlen Tagen der letzten Woche noch recht angenehm ist und da ist auch nicht so viel los." Es war doch recht warm geworden über die Mittagszeit und Chris hatte nun selbst Lust, mal wieder schwimmen zu gehen. Aber alleine machte das nur halb so viel Spaß.

"Ich hab heute nichts vor. Müsste nur meine Schwimmsachen holen." Jesse freute sich riesig über das Angebot und wenn er so darüber nachdachte, dann war er eine Weile nicht gewesen. Wer wusste auch, wie lange das Wetter es noch zuließ.

"Ich müsste mein Zeug auch erst holen. Wenn du Lust hast, kann ich dich dann abholen. Mein Auto freut sich, wenn es mal benutzt wird und der See liegt etwas außerhalb." Kurz nur warf Chris einen Blick auf seine Uhr. In wenigen Minuten würde sein Bus kommen. "Ist es okay, wenn ich in etwa einer Stunde bei dir vorbeikomme?"

"Ja klar...meine Adresse ist hier drauf." Jesse gab ihm eine Visitenkarte und musste dann zu seinem Bus rennen, der gerade kam.
Zuhause packte er schnell seine Sachen und sah dann beim Umziehen noch einmal in den Spiegel. Es war kein Gramm Fett zu viel an seinem Körper und die leichte Bräunung ließ ihn zufrieden nicken. So konnte er sich auf jeden Fall in seiner Badehose sehen lassen. Dass es Chris wahrscheinlich gar nicht interessieren würde, ignorierte er gekonnt.

Chris konnte gar nicht so schnell gucken, wie Jesse weg war, doch er hatte nicht viel Zeit darüber nachzudenken. Als er im Bus saß, besah er sich die Visitenkarte näher. Sie war schlicht und direkt. Das gefiel ihm, denn so eine Visitenkarte sagte viel über den Besitzer aus.

In seiner Wohnung angekommen, packte er mit wenigen Griffen das Nötigste zusammen, zog schon einmal seine Shorts an und ging dann zu seinem Auto. Jesses Adresse lag doch ein ganzes Stück von ihm entfernt, doch sie war leicht zu finden. Da Chris nirgends einen Parkplatz fand, hielt er in einer Seitenstraße und klingelte Jesse an, damit der zu ihm kam.

Es dauerte auch nicht lange, bis Jesse auf seinem Skateboard angefahren kam. "So geht es schneller", lachte er frech. Dabei konnte man die Grübchen auf seinen Wangen erkennen, die Chris zuvor noch gar nicht aufgefallen waren. Das Skateboard und seine Tasche legte Jesse hinter die Sitze, dann ließ er sich wendig auf den Beifahrersitz sinken und schnallte sich an. "Dann mal los."

Chris fuhr auch sofort an und suchte sich die Straße, die am schnellsten aus der Stadt raus führte. Sie kamen in die weniger dicht bewohnten Vororte und ließen auch die bald hinter sich. Er bog von der Landstraße auf einen Feldweg ab und hielt schließlich an einem Weg, der in einen kleinen Wald führte. "Von hier müssen wir zu Fuß gehen. Dein Skateboard nutzt uns da aber wenig." Chris sah Jesse entschuldigend an. Er wusste, dass das alles etwas abgelegen aussah, aber wenn sie erst einmal ankamen, würde Jesse sehen, dass es sich lohnte.

"Kein Problem, in Notfällen benutze ich auch mal meine Füße zur Fortbewegung", scherzte Jesse. Er nahm seine Tasche und stieg dann aus. "Schön hier." Er mochte die Natur und hier außerhalb war er noch nie gewesen.

"Gut, komm, es ist nicht weit." Chris schob sich den Rucksack, in dem er etwas zu Essen und seine Badesachen untergebracht hatte, auf die Schulter und schloss den Wagen ab. Zwei weitere Fahrzeuge standen entlang des Weges, doch das konnten auch Hundebesitzer sein, denn hier kamen die Leute gerne zum Spazierengehen her.

Sie liefen den Forstweg entlang bis sie auf einen kleinen Trampelpfad abbogen, der auf einer Lichtung endete. Nur wenige Meter weiter war ein kleiner See mit recht steilem Ufer. "Die haben da vor Jahrzehnten irgendwas abgebaut, aber jetzt ist dieser Ort vollkommen vergessen. In dem Wasser gibt es auch keine Fische, weil er durchs Grund- und Regenwasser vollgelaufen ist und keinen Zufluss hat. Aber Frösche und alles andere gibt es, also ist das Wasser sauber."

Chris legte seine Decke recht nahe beim Wasser auf die wild gewachsene Wiese und begann auch sofort sich auszuziehen. Er freute sich richtig, endlich mal wieder hier zu schwimmen.

"Es ist wirklich klasse", stimmte Jesse zu und konnte sich einen kurzen Blick nicht verkneifen, als sich Chris auszog. Dann streifte er selbst seine Sachen ab und streckte sich wohlig. "Wollen wir uns gleich in die Fluten stürzen?"

Diese Bewegung erweckte Chris Aufmerksamkeit und er musste zugeben, dass Jesse eindeutig gutaussehend war. Dass er schon so lange Single war, konnte er gar nicht verstehen. Hatten die Männer in der schwulen Szene eine andere Einstellung was gutes Aussehen betraf? Schnell schob Chris die Gedanken beiseite. "Ja, gerne. Ich freu mich schon die ganze Fahrt über darauf. Aber sei vorsichtig, das Ufer ist etwas tückisch." Er grinste und suchte sich dann am Ufer eine geeignete Stelle, an der er ohne Probleme ins Wasser kam. Mit verzogener Miene tauchte er schnell unter, um ganz nass zu werden. Der See war doch etwas kühler, als er gedacht hatte.

Jesse wählte die Hardcoremethode und glitt sofort in das Wasser. Dabei quietschte er sehr unmännlich auf. "Boah...kalt", grinste er und strich durch das nasse Haar, das dadurch noch wilder abstand.

Chris ging es mit seinen Haaren ähnlich. Lachend spritzte er Jesse einen Schwall kaltes Wasser entgegen, bevor er wegtauchte und etwas Abstand zwischen sie brachte.

Jesse prustete und grinste dann kämpferisch. "Das bedeutet Krieg." Er kraulte hinter Chris her und spritzte ihn dann lachend voll. "Nimm das", lachte er und tauchte weg, um kein Angriffsziel zu bieten.

Chris ließ das jedoch nicht auf sich sitzen und setzte zu einer wilden Verfolgungsjagd an. Er spritzte Jesse vor sich immer wieder mit Wasser voll und wich aus, wenn der einmal zurück spritzte.

Jesse ging zum Angriff über. Er tauchte zu Chris und zog ihn unter Wasser. Dort grinste er ihn an und tauchte dann wieder auf. Allzu deutlich konnte er dabei spüren, wie sich ihre Körper berührten und ein wenig verlegen ging er auf Abstand. "Na, gibst du auf?"

"In deinen Träumen", erwiderte Chris hinterhältig grinsend und ging zum Gegenangriff über. Da er sich bei ihrem Körperkontakt gar nichts dachte, legte er die Arme fest um Jesses Oberkörper und zog ihn nun seinerseits mit sich unter Wasser. Als dieser jedoch zu sehr strampelte, ließ er ihn los, damit sie auftauchen konnten.

Jesse prustete und nur das kalte Wasser verhinderte eine peinliche Reaktion als er den festen Körper an sich spürte. "Na warte." Er begann wieder Chris vollzuspritzen und ließ ihm diesmal gar keine Zeit, sich zu wehren.

So blieb es nicht aus, dass Chris schließlich etwas davon schluckte und sich geschlagen gab. "Gnade, aufhören, ich ergebe mich", bat er prustend und hustend, während er versuchte, sich in Sicherheit zu bringen.

Jesse lachte und hörte auf. Er schwamm zu Chris und klopfte ihm leicht auf den Rücken. "Geht‘s wieder?", fragte er besorgt.

"Ja, war nicht so wild." Chris grinste und schlug leicht aufs Wasser, so dass Jesse noch einmal etwas abbekam. "Magst du ne Runde mit schwimmen? Ich will mich mal wieder so richtig bewegen."

"Klingt gut." Jesse strich seine Haare zurück und schwamm dann los. Er hatte es nicht eilig und er genoss es, sich mal wieder richtig im Wasser auszutoben.

Chris schwamm neben ihm und wechselte dabei immer wieder den Stil. Mal kraulte er ein wenig voraus, mal strampelte er träge auf dem Rücken liegend durch das Wasser. Sie waren vollkommen allein hier und das fand Chris großartig. Egal ob in Schwimmbädern oder an Badeseen, immer musste man auf andere Rücksicht nehmen. Doch hier konnte man sich vollkommen frei bewegen. Gleichzeitig genoss er Jesses Gesellschaft und dass er nicht vollkommen allein hier war, denn das konnte recht langweilig werden. "Was denkst du, soll ich dich öfter mit hierher nehmen?", fragte er schließlich unvermittelt.

"Klar, gerne. Ich bin gerne draußen und bewege mich." Jesse lächelte, bevor er ein wenig das Gesicht verzog. Schnell schwamm er zum Ufer und suchte in seiner Tasche nach seinem Asthmaspray. Nachdem er es ein paar Mal tief eingeatmet hatte, lächelte er wieder Chris an. "Normalerweise brauch ich es nicht, wenn ich mich bewege, aber ich war erst krank und da ist es ein wenig schlimmer", erklärte er bei dem leicht besorgten Blick.

"Oh, das wusste ich nicht. Du hättest was sagen sollen. Aber es wird eh langsam kalt hier drin, etwas aufwärmen schadet nicht." Chris kam ebenfalls aus dem Wasser und setzte sich auf seine Decke. In der Sonne war es gleich viel angenehmer. "Ist ziemlich blöd das, oder?" Er deutete auf den Inhalator und wusste nicht wirklich, was er dazu sagen sollte.

Jesse winkte ab. "Ach was...ich hab das schon so lange ich denken kann und ich mache trotzdem alles. Ich fahre Skateboard, gehe joggen und schwimmen." Er lächelte und wollte nicht, dass Chris sich sorgte. "Normalerweise reicht es morgens und abends zu inhalieren. Aber ich war wie gesagt erst krank." Dann wechselte er das Thema. "Ich finde den See hier richtig cool und würde mich freuen, häufiger herzukommen."

"Okay, cool." Verlegen ging Chris auf den Themenwechsel ein und wühlte kurz in seinem Rucksack, aus dem er zwei Flaschen Wasser hervor holte. Wahrscheinlich hatte Jesse selbst was dabei, trotzdem hatte er zusätzlich eine eingepackt. "Magst du? Hab auch Kekse mit, wenn du willst."

"Gerne. Hab total verpennt, was mitzunehmen." Jesse lächelte und nahm sich eine der Flaschen. "Erzählst du mir ein wenig über dich?"

"Hmm, gibt eigentlich kaum was über mich zu sagen." Nachdenklich nahm Chris einen großen Schluck von seinem Saft und zuckte mit den Schultern. "Ich bin hier aufgewachsen, hab zwei ältere Brüder, hab nach einer ersten Ausbildung und einiger Zeit arbeiten mit einem Studium begonnen und bin schon seit viel zu langer Zeit als Single unterwegs."

"Und was studierst du?" Jesse erinnerte sich vage, dass Chris im Druck arbeitete. "Kann mir gar nicht vorstellen, dass dir die Frauen nicht scharenweise hinterherlaufen?", meinte er dann noch lächelnd.

"Ich studiere Ingenieurwesen als Erweiterung meiner ersten Ausbildung. Mit dem Nebenjob verdien ich mir das Geld, um über die Runden zu kommen." Chris legte sich auf den Rücken und ließ sich die Sonne auf den Bauch scheinen, während er über Jesses letzte Bemerkung nachdachte. "Na ja, desinteressiert sind die Wenigsten, aber meine Ansprüche sind wohl etwas zu hoch. Es funktioniert nie wirklich." Er grinste Jesse an und gab das unterschwellige Kompliment dann zurück. "Du musst doch aber auch unzählige Verehrer haben."

"Hmm, das kenne ich. Na ja, Verehrer." Jesse seufzte. "Einen schwulen Mann zu finden ist manchmal schon nicht einfach. Aber einen der auch beziehungsfähig ist und dazu noch eine Beziehung will, ist noch schwerer. Meine letzte Beziehung ist wie gesagt neun Monate her und es fehlt mir. Ich meine nicht den Sex. Den kann ich ohne Probleme haben. Die Nähe und die Vertrautheit sind das Problem."

"Also ist das Klischee wahr? Es geht immer nur um Sex, aber keiner ist in der Lage eine Beziehung zu führen?" Die Frage interessierte Chris jetzt doch, aber was wichtiger war: "Ich weiß was du meinst. Sex ist bei unserem Aussehen nicht das Problem, aber die Nähe und das Vertrauen, findet man nicht bei einem One-Night-Stand."

"Nein. Höchstens teilweise. Schwule Männer gibt es nicht gerade wie Sand am Meer und einigen geht es wirklich nur um Sex. Oder sie führen Beziehungen, wollen aber nicht treu sein. Solche gibt es aber sicher auch bei Heteros." Jesse seufzte wieder. "Ich hab gerne Sex, keine Frage. Aber ich kuschel auch mal gerne oder einfach nur streicheln, küssen und reden." Er wurde leicht verlegen und zupfte am Etikett der Flasche, um sich abzulenken.

Darauf wusste Chris erst einmal nichts zu antworten. Er spürte deutlich, dass ihr Gespräch doch recht intim geworden war. So etwas mit einem fast Fremden zu besprechen war eigentlich nicht seine Art, doch andererseits hatte er nicht das Gefühl, dass Jesse ihm fremd war. Er fühlte sich vertraut an und das nicht weniger dadurch, dass sie beide ähnlich empfanden. "Ich schätze, dieses Problem gibt es überall. Ohne Ausnahme."

"Ja, glaub ich auch." Jesse lächelte und legte sich zurück. Er genoss die Sonne und fühlte sich wohl. "Es ist wirklich herrlich hier."

"Das ist es. Soweit ich weiß, ist das Baden hier eigentlich verboten. Deshalb und weil es so weit abgelegen ist, kommt kaum jemand hierher. Die meisten Spaziergänger kommen nicht durch die dichteren Stellen im Unterholz." Chris holte die angekündigte Packung Kekse auch noch aus seinem Rucksack, riss sie auf und legte sie zwischen sie auf die Decke. So konnten sie beide zugreifen und er nahm sich auch sofort eines.

Jesse lächelte. "Wow, also ein richtiges Geheimversteck. Hierher solltest du deine Freundin eigentlich mitnehmen. Ideal zum Knutschen und Fummeln." Er zwinkerte ihm frech zu und grinste.

"Ja, das wäre eine gute Idee, aber ich möchte nicht einfach jede mit hierher schleppen. Das bekomm ich auch anders." Chris knabberte geräuschvoll an seinem Keks und ließ sich auf den Rücken zurück sinken. Durch die Blätter der umstehenden Bäume schien die Sonne auf sie herab. Doch langsam kam ein Wind auf und die ersten kleinen Wölkchen warfen Schatten auf ihre Umgebung.

Jesse brummte leicht und sah in den Himmel. "Hmm, ich glaub, das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung." Er streckte sich wohlig, sah aber noch keinen Grund sich zu erheben. "Aber danke, dass du das hier mit mir teilst." Das Vertrauen bedeutete ihm wirklich etwas.

"Gern geschehen." Chris grinste breit und drehte sich doch wieder auf die Seite. Sein Blick blieb dabei an Jesses Profil hängen und er wusste, er bereute es nicht im Geringsten, ihn mit an diesen Ort genommen zu haben.

"Und, Lust heute Abend ein wenig zu tanzen?", fragte Jesse schließlich. "Ich tanz auch mit dir, wenn du kein Mädchen findest."

"Klar, wieso nicht? Ich hoffe, du hast Ausdauer, ich kann mich Stunden auf der Tanzfläche aufhalten. Aber soll... ich mit in diesen schwulen Club kommen, in den du gehen wolltest oder suchen wir uns was anderes?" Da Chris noch nichts anderes vorhatte, hatte er nichts dagegen, ein wenig auszugehen. Aber ob er gleich in eine Disko wollte, wo es von schwulen Männern nur so wimmelte, wusste er nicht. Obwohl eigentlich nichts dabei war, schalt er sich selbst.

"Dachte, wir suchen uns was Gemischtes. Gibt ja einige Läden wo man beides findet. Oder wir können auch in meinen Club gehen und ich versuche dich auf die dunkle Seite der Macht zu ziehen." Jesse lachte frech und überlegte schon einmal, aber das konnten sie später noch beschließen. "Keine Sorge, ich hab Ausdauer."

"Wir können ja beides machen. Wir touren einfach ein wenig. Warten wir‘s einfach mal ab." Sie würden sehen, wo sie am Ende landeten. Wenn sie jetzt Pläne machten, würden sie die später wahrscheinlich sowieso komplett über den Haufen werfen. "Um mich auf die dunkle Seite der Macht zu ziehen, musst du aber schon was zu bieten haben." Den Konter konnte Chris sich dann doch nicht verkneifen und warf ausgelassen mit einem Keks nach Jesse.

Jesse fing ihn lachend auf und erhob sich. "Soll ich mich ausziehen?", fragte er neckend und drehte sich einmal um sich selbst. "Schau, was die dunkle Seite zu bieten hat. Ich bin hübscher als Darth Vader."

"Also, das kann man ja so nicht sagen. Wer weiß schon, wer da wirklich unter der Maske steckt. Und war da im Film nicht so ein blonder Schönling, der dann am Ende in dem lustigen Kostüm steckte?" Chris ließ sich von Jesses Rumgehopse überhaupt nicht beeindrucken, sondern versuchte ihn noch weiter zu provozieren. Es machte zu sehr Spaß, als dass er merkte, in was für eine Richtung dies ging. Aus seiner Sicht alberte er einfach nur mit einem guten Freund herum.

Jesse ließ sich lachend neben Chris fallen und piekste ihn. "Bist du kitzelig?", dabei grinste er schon wieder frech.

"Das werde ich dir gerade auf die Nase binden." Chris große Augen und sein Zurückweichen sprachen jedoch Bände. Es war schon ewig niemand mehr auf die Idee gekommen, ihn durchzukitzeln, weshalb seine Schwachstellen ein wohlbehütetes Geheimnis waren. Trotzdem war es einfach diese zu finden, wenn er Jesse die Chance gab. Nur hatte er das nicht vor. "Wag es ja nicht." Ein Lachen konnte er sich bei der vagen Drohung aber nicht verkneifen.

"Ach, und was soll mich abhalten...?" Jesse kroch näher und griff zuerst in die Kniekehlen um zu testen ob Chris da kitzelig war.

Doch dort war der eher unempfindlich, trotzdem griff er nach Jesses Händen um sie abzuwehren. Er wich weiter zurück und saß schon bald nicht mehr auf seiner Decke sondern im bloßen Gras. "Meine fürchterliche Rache sollte dich davon abhalten, denn ich kenne keine Vergebung oder Gnade."

Jesse lachte herzhaft. "Mich schrecken solche Drohungen nicht ab." Wieder machte er sich auf die Suche nach kitzeligen Stellen. Dass sie nur mit Shorts bekleidet waren, machte es umso einfacher für ihn. Für Chris war das jedoch eher von Nachteil, denn so konnte er Jesses Angriffe viel deutlicher auf der Haut spüren. Als der seinen kitzeligen Stellen schließlich zu nahe kam, setzte Chris zur Gegenattacke an. "Na warte, du freche Kröte." Energisch schob er Jesses Hände von sich, drehte sich mit ihm und vergriff sich an seinen Rippen. Da waren die meisten Menschen empfindlich.

Jesse quietschte auf und lachte dann schallend los. Er war da furchtbar kitzelig und wand sich unter dem kräftigen Körper. "Gnade. Bitte." Er lachte, während ihm auch schon die ersten Tränen aus den Augenwinkeln liefen.

"Du bettelst um Gnade, wo du eben noch so große Töne gespuckt hast?", wollte Chris inquisitorisch wissen. Fies grinsend dachte er gar nicht daran, aufzuhören. Er hatte Jesse schließlich gewarnt.

"Ja ja. Bitte. Ich mach alles." Jesse schnappte nach Luft, denn langsam ging das Atmen schwerer.

Das bemerkte Chris auch. Da er es nicht übertreiben wollte, gönnte er Jesse eine Pause. Skeptisch sah er ihn dabei an. "Alles? Ich hab schon viele gesehen, denen diese Worte hinterher leid getan haben."

"Verspochen ist versprochen. Solange ich keine Frau küssen muss." Jesse verzog das Gesicht, hatte aber schon wieder Oberwasser.

"Ich werde darauf zurückkommen." Chris ließ sich ins Gras zurück fallen und blieb direkt neben Jesse liegen. Mittlerweile war es doch recht schwül geworden und ihr Rumtoben hatte ihn fertig gemacht. "Sollen wir noch mal ins Wasser?", fragte er aber trotzdem und blinzelte gegen das Licht der Sonne an. Sie wurde mittlerweile immer mal wieder für kurze Augenblicke von den heranziehenden Wolken verdeckt.

"Ja, können wir machen. Bevor es noch gewittert." Jesse stimmte zu, lief gleich ins Wasser und tauchte ein Stück.

So schnell war Chris dann doch nicht. Er folgte Jesse lieber langsamer und holte ihn erst nach einer Weile mit ein paar kräftigen Schwimmzügen ein. So konnten sie noch einmal ein paar Runden drehen.

Jesse schwamm gemütlich ein wenig und beruhigte sich auch wieder. Denn die Nähe zu Chris hatte ihm mehr zugesetzt, als gedacht.

Lange konnten sie das Wasser jedoch nicht mehr genießen, denn schlagartig frischte der Wind auf. Er verursachte kleine Wellen auf der Oberfläche des Sees und trieb nun immer mehr graue Wolken über den Himmel, der sich dadurch verdunkelte. "Ich glaube, wir sollten uns auf den Rückweg machen. Da kommt ne richtige Gewitterfront." Chris gefiel das gar nicht, aber wenn sie es bis zum Auto schafften, würden sie keine Probleme haben.

Jesse nickte, denn es wurde langsam echt kalt. Er schwamm mit Chris zum Ufer und befreite sich von den nassen Shorts. Schnell zog er sich trockene Klamotten an und half Chris dabei, ihre Sachen einzupacken.

Chris zog sich ebenfalls schnell um und warf dann noch einmal einen Blick zum Himmel. "Ich glaube, jetzt sollten wir sprinten... wer zuerst am Wagen ist." Er schwang sich seinen Rucksack über die Schulter und lief dann lachend los. Es war nicht schwer dem Weg zu folgen, den sie gekommen waren, aber gerade auf dem Pfad durchs Unterholz war rennen nur bedingt möglich.

"Hey, du schummelst." Jesse lachte ebenfalls und rannte ihm nach. Er konnte zwar mithalten, aber trotzdem holte er nicht mehr auf. "Das war unfair", meinte er keuchend, als sie am Auto ankamen.

"Ging doch nur darum, dass wir schnell da sind." Hastig schloss Chris auf. Die ersten schweren Tropfen fielen bereits und bevor sie nass wurden, flüchteten sie sich ins Wageninnere. Nur wenige Momente später, begann es richtig zu schütten. "Das war knapp. Solche Wetterumschwünge sind echt unberechenbar. Die beobachte ich lieber von zuhause aus."

Jesse nickte und schnallte sich an. "Ja, für Unwetter bin ich auch nicht so zu haben", gab er zu und lehnte sich zurück. "Schade nur, dass unser Ausflug so schnell vorbei war."

"Ja, schade, aber das können wir gerne irgendwann wieder machen. Der Sommer geht ja noch eine Weile." Chris schnallte sich ebenfalls an und startete den Motor, doch er fuhr nur sehr langsam den Feldweg entlang, da ihm der strömende Regen fast die ganze Sicht nahm und heftige Windböen am Wagen zerrten. Als er zur Straße kam, blieb er dann doch stehen und schaltete den Motor wieder aus. Er wollte lieber abwarten, bis es ein wenig nachlassen würde.
Kapitel 3
Anmerkungen zum Kapitel:So, dass ist erst einmal alles an Text, was ich soweit mit Alysander geschrieben habe. Habt ein wenig Geduld mit mir und gebt mir ein paar hilfreiche Tipss, dann schreib ich auf jeden Fall weiter.
Was ich bisher total vergessen habe zu sagen: Vielen Dank für die Beta an Jule... Deine Tipps waren sehr hilfreich *flausch*
Bis bald *winke*
"Wenigstens haben wir noch Vorräte." Jesse schnallte sich ab und setzte sich bequem hin. "Hmm. Was ist deine Lieblingsfarbe?"

"Ja, haben wir." Chris zog die Kekse wieder hervor und bot sie Jesse an, während er überlegte. "Lieblingsfarbe? Du stellst Fragen. Ich denke blau, Nacht- und Ultramarinblau. Und deine?"

"Ich denke, ich mag ganz dunkles Rot und freundliche Grüntöne sehr gerne. Ich hab auch noch mehr tolle Fragen, die mir gefallen. Was ist dein Lieblingsessen?"

"Dunkles Rot find ich auch nicht schlecht." Chris stellte seinen Sitz etwas zurück und machte es sich bequemer. "Nudeln, ich mag so ziemlich jede Art von Nudeln. Und natürlich Steaks. Ich wette, du magst Sushi, oder?" Er grinste Jesse breit an, denn die Frage war nicht ganz ernst gemeint.

"Ihh, nein, kein Sushi." Jesse lachte und schüttelte sich. "Ich liebe Nudeln und Pizza und Gemüseauflauf. Ich esse auch gerne Omelett und Käsespätzle." Bei dem Gedanken daran, knurrte sein Magen leise auf und er wurde verlegen.

"Oh, komplett daneben. Sag nicht, du hast schon wieder Hunger, wir waren doch erst Mittagessen." Chris lachte und warf einen kurzen Blick auf die Uhr am Armaturenbrett. Es war doch schon später, als er gedacht hatte.

"Erstens bin ich verfressen und zweitens verfressen. Es ist außerdem schon einige Stunden her seit dem Essen." Jesse vertraute seinem Bauch da voll und ganz.

"Na gut, du hast recht. Ich hab ja eigentlich auch schon wieder Appetit", gestand Chris und warf einen skeptischen Blick nach draußen. Langsam ließ der Regen nach und sie würden sicherlich bald weiter fahren können. "Was denkst du, soll ich dich dann zu Hause absetzen oder sollen wir noch mal was essen gehen? Du darfst aussuchen."

Jesse lächelte. "Lass uns zusammen was essen. Ich kenne da einen netten Laden, wo es leckere vegetarische Sachen gibt, aber auch Fleisch", schlug er vor und freute sich, noch Zeit mit Chris verbringen zu können.

"Okay, dann musst du mich lotsen. Warten wir noch ein paar Minuten, dann fahren wir weiter. Hast du noch mehr Fragen?", wollte Chris wissen.

"Wie alt warst du bei deinem ersten Kuss?", wollte Jesse auch sofort wissen.

Chris verzog die Augenbrauen nachdenklich. Sein erster Kuss? "Mit vierzehn so etwa. Wie peinlich, ich kann mich gar nicht mehr richtig dran erinnern. Dabei sagt man doch, dass man den ersten Kuss nie vergisst." Verlegen rieb er sich über den Nacken, bevor er die Frage zurückgab. "Und wann war das bei dir? Du kannst dich da sicherlich besser erinnern."

"Wie kommst du darauf?" Jesse lachte und musste dann auch erst überlegen. "Mein erster Kuss war mit 15, ein Mädchen und schon da war mir klar, dass ich wohl anders bin. Mein erster richtiger Kuss, der sich auch wirklich gut anfühlte, war mit 16, mein erster Freund."

"Dann hast du es ja zum Glück recht früh gemerkt, oder? Es gibt da wohl viele, die länger brauchen, hab ich gehört."

"Ja, schon. Endgültig war es mir wohl klar, als ich mit dem Mädchen das ich geküsst hatte, schlafen wollte und das ganz schief ging." Jesse erinnerte sich nur ungern daran.

"Oje, das war bestimmt nicht angenehm." Chris konnte sich vorstellen, wie peinlich die Situation gewesen sein musste. "Lass uns fahren, nicht dass du doch noch zum Fleischfresser wirst und mich anfällst." Der Regen hatte nun deutlich nachgelassen, also startete Chris den Motor wieder und lenkte den Wagen auf die Straße, die sie zurück in die Stadt bringen würde.

Jesse nickte zustimmend. "Du kannst dir nicht vorstellen, wie peinlich." Als sein Magen wieder knurrte, grinste er breit. "Keine Angst. Ich knabber auch nur."

"Das sagen sie am Anfang alle, aber ich bin so lecker, dass am Ende immer nichts von mir übrig ist", meinte Chris von sich überzeugt, konnte das Grinsen in seinem Gesicht dabei aber nicht verbergen. Sie waren einfach zu albern und er fand das wirklich angenehm.

"Preise dich nicht so an, sonst will ich ne Kostprobe." Jesse leckte sich über die Lippen und lachte dann ausgelassen.

"Oh nein, Hilfe, nicht fressen, ich schmecke scheußlich." Chris wich im Sitz ein wenig zur Seite, aber nur soweit, dass es ihn beim Fahren nicht beeinflusste. "Okay, jetzt musst du mir langsam sagen, wo ich lang soll. Ist es in der Nähe deiner Wohnung oder eine ganz andere Ecke?"

"Es ist zwei Straßen von meiner Wohnung weg." Jesse rückte an einer Ampel näher und schnappte spielerisch nach Chris. "Hmm, du riechst lecker." Dabei grinste er wie ein Raubtier.

"Okaaaay, jetzt machst du mir Angst." So langsam merkte Chris doch, in welche Richtung sie sich da bewegten. Es störte ihn zwar noch nicht, aber er wusste nicht, wie weit Jesse dieses Spiel treiben würde. "Ich denke, wir müssen dich jetzt ordentlich füttern und heute Abend suchen wir dir dann einen anständigen Mann, bevor du noch unschuldige Studenten frisst." Lachend fuhr er weiter, als die Ampel endlich wieder grün wurde.

"Du suchst mir einen Mann? Na da bin ich ja mal gespannt." Jesse lachte ebenfalls und ließ wieder mehr Platz zwischen ihnen, um Chris nicht zu bedrängen.

"Nee, du suchst und ich sag dir, ob du ihn fressen darfst oder ob du dir an dem den Magen verdirbst", stellte Chris seinen Plan gleich richtig. "Und für mich müssen wir auch was finden. Ich glaube, der Abend artet tatsächlich in Stress aus."

"Ach, wir finden schon einen hübschen Mann für dich."

"Davon war jetzt aber nicht die Rede. So schnell ziehst du mich nicht auf die dunkle Seite." Chris glaubte nicht, dass er am Abend wirklich etwas finden würde, aber es würde sicherlich lustig werden, wenn sie ein wenig rumalberten. So wie sie es schon den ganzen Tag getan hatten. "So, jetzt solltest du mir aber mal verraten, wie unser Ziel heißt, sonst fahr ich am Ende noch dran vorbei."

"Es ist da vorne der Laden mit den Bänken. Das mit der Regenbogenflagge." Hätte er erwähnen sollen, dass es ein schwuler Laden war? "Ich werd schon was Schnuckeliges für dich finden, Schätzchen."

"Oh Gott, was hab ich mir da nur angelacht. Ich sollte Andi noch einmal ausgiebig meine Meinung zum Thema Verkuppeln sagen." Mit einer wahren Leidensmiene suchte er sich den nächstbesten Parkplatz, sodass sie nur wenige Meter laufen mussten. Mittlerweile fielen nur noch vereinzelte Tropfen und der Himmel klarte bereits wieder auf. Die Temperatur war jedoch um wenige Grade gesunken, was die frische Luft gerade angenehm machte.

Jesse lachte ausgelassen und stieg aus. Die Sachen konnten sie nach dem Essen holen. Locker legte er einen Arm um Chris Schultern. "Ach Schätzchen, sei doch nicht so verkrampft", grinste er breit und zwinkerte Chris zu.

Der konnte sich wohl nur in sein Schicksal ergeben. "Ich Armer", bemitleidete Chris sich selbst, tat dabei aber nichts, um Jesse von sich zu schieben. Gemeinsam betraten sie das recht flippige Lokal.

Jesse knuffte ihn sanft. Kaum waren sie drin, wurde er auch schon von einer bunten Gestalt belagert. "Chris, das ist Stefan. Paradiesvogel, stockschwul und mein bester Freund." Zur Begrüßung gab er dem kleineren Mann mit den knallblauen Haaren einen Kuss auf die Wange.

"Schätzchen, wen bringst du denn da Schnuckliges mit?" Auch Chris bekam von Stefan ein Bussi auf die Wange gedrückt. "Lebt er am richtigen Ufer oder müssen wir ihn retten?"

Chris kannte solche bunten Vögel vom Studium, aber trotzdem fühlte er sich ein wenig überfahren. Sein Unbehagen sah man ihm wohl auch an, denn es war eine Sache, wenn Jesse ihm so nahe kam, aber eine ganz andere, wenn das ein Fremder tat. Da war es kein Wunder, dass er ein wenig genervt war. "Danke, ich muss nicht gerettet werden und ich wäre dir dankbar, wenn du das sein lassen könntest."

Jesse kannte die aufdringliche Art von Stefan und verstand, dass es Chris zu viel war. "Wir wollen nur in Ruhe was essen. Verjag ihn mir also nicht." Er sah Stefan mahnend an und führte Chris in eine Ecke, wo sie ihre Ruhe hatten. "Er übertreibt es manchmal ein wenig, tut mir leid."

"Schon gut, ist ja nicht deine Schuld. Er war nur ein wenig zu direkt und vor allem zu nah. Sonst lasse ich mich nicht so schnell aus der Ruhe bringen." Chris setzte sich und ließ seinen Blick umherschweifen. An sich gefiel es ihm hier.

"Er ist eigentlich ein ganz Lieber und nicht ganz so überdreht, wenn man alleine mit ihm ist." Jesse grinste und lachte dann. "Und auch wenn man es kaum glauben kann, aber er studiert Maschinenbau."

"Lass uns lieber gucken, dass wir etwas zu essen bekommen, nicht dass du trotzdem noch zum Raubtier wirst." Chris wollte sich nicht mehr über diesen Stefan unterhalten. Deshalb waren sie schließlich nicht hergekommen. "Kannst du mir was empfehlen?"

"Ich kann dir die Gemüsegrillpfanne mit dem Kräuterbrot empfehlen oder den Gartensalat. Meine fleischessenden Freunde mögen den Grillteller mit drei Sorten Fleisch und verschiedenen Beilagen sehr gerne." Jesse musste nicht einmal auf die Karte schauen, um zu wissen, was er wollte. Er aß schließlich oft genug hier. "Ich werde auf jeden Fall den Gartensalat nehmen und das Kräuterbrot mit Feta."

"Okay, dann versuch ich es mal mit der Gemüsegrillpfanne, Fleisch hatte ich heute schon genug." Sie gaben ihre Bestellung auf und während sie auf das Essen warteten, bekamen sie schon ihre Getränke. Sie unterhielten sich wieder ausgelassen und bald hatte Chris vergessen, wo sie waren. Es war nicht anders als in anderen Restaurants und das Essen war sogar sehr lecker.

Als sie schließlich fertig waren und bezahlt hatten, kam Chris wieder auf ihre Abendpläne zu sprechen. "Also, was denkst du? Wollen wir uns später noch treffen oder hast du schon genug von mir?", wollte er auf dem Weg zu seinem Wagen scherzhaft wissen. Sie hatten immerhin den ganzen Tag zusammen verbracht und er konnte sich vorstellen, dass der Abend genauso lustig werden würde, wie auch schon ihre bisher gemeinsam verbrachte Zeit.

"Nein, wir können gerne losziehen. Wir finden sicher einen Laden, in dem beides vertreten ist." Jesse fuhr sich nachdenklich durch die Haare und lächelte. "Ich würde sagen, wir treffen uns dann irgendwo. Ich möchte mich vorher noch duschen und umziehen."

"Ja, ich muss mich auch noch in Schale werfen. Ich ruf dich dann an wegen des Treffpunktes." Sie stiegen ein und Chris brachte Jesse nachhause, auch wenn er nur zwei Straßen weiter wohnte. Danach fuhr er zu seiner eigenen Wohnung, um sich ausgiebig zu duschen und noch etwas auszuspannen. Um durch die Clubs zu ziehen, war es jetzt schließlich noch zu früh.

Jesse duschte und legte sich noch für eine Weile hin. Danach machte er sich dann langsam für den Abend zurecht. Dabei zog er eine tiefsitzende Cargohose an und darüber ein hautenges Shirt, das seine Muskeln umschmeichelte. Seine Haare bekamen wie so oft ihren Schlafzimmerlook verpasst.

Als Chris sich fertig machte, zeigte die Uhr bereits kurz nach neun an. Sie hatten keine Zeit ausgemacht, aber da Jesse sich bisher noch nicht gemeldet hatte, ging er davon aus, dass er auch etwas länger brauchte. Mit einer gewissen Vorfreude auf den Abend schlüpfte er in eine enge tiefsitzende Jeans und ein weinrotes Shirt. Andi lästerte zwar immer, dass Chris mit dem Oberteil auffiel wie ein bunter Hund, aber darum ging es schließlich beim Weggehen. Neben Jesse würde man ihn sowieso kaum bemerken, dachte Chris für sich und griff nach seinem Telefon, um ihn anzurufen.

"Hi Chris", meldete sich Jesse ausgelassen, während er an einem Energiedrink nuckelte. "Und, aufgebretzelt und fertig für die Singlewelt?"

"Klar, und du?" Chris musste lachen, denn Jesse klang schon leicht überdreht und das bedeutete, dass der Abend so oder so recht interessant werden würde. "Also, wo sollen wir uns treffen? Ich denke mal, wir sollten etwas nehmen, wo wir beide zu Fuß oder mit dem Bus ganz gut hinkommen, denn selber fahren werde ich heute wohl nicht mehr."

"Ich bin aufgebretzelt und schon auf Zucker", lachte Jesse, während er schon in seine Schuhe schlüpfte. "Wie wäre es mit dem Black and White das liegt genau dazwischen und da dürften wir beide was ansprechendes finden." Er steckte seine Sachen ein und dachte auch an ein paar frische Kondome. Vielleicht würde er heute tatsächlich etwas Leckeres finden.

"Okay, das Black and White kenne ich. Das ist gut." Chris prüfte, ob er Schlüssel und Geld einstecken hatte, konnte aber noch nicht losgehen, weil er Jesse nicht vom Handy aus angerufen hatte. "Was heißt auf Zucker? Muss ich irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen ergreifen?", wollte er scherzhaft wissen.

"Ich hatte schon zwei Red Bull. Koffein- und Zuckerschub." Jesse lachte, verabschiedete sich kurz und legte dann auf, so hatte Chris keine Chance noch einen Spruch los zu werden, aber er befürchtete bereits schlimmes.

Kopfschüttelnd legte er das Telefon beiseite und verließ dann die Wohnung. Zu Fuß brauchte er fast eine viertel Stunde bis zu ihrem verabredeten Ziel, doch trotzdem ging es recht schnell. Da es Samstagabend war, würden die Meisten wohl erst später kommen. Es sah zumindest nicht so aus, als ob schon viel los wäre, obwohl der Club sonst gut besucht war.

Jesse kam kurz darauf und winkte Chris zu. "Hey. Wollen wir gleich rein?"

"Klar. So hibbelig wie du bist, solltest du wohl auch am besten gleich auf die Tanzfläche." Chris lachte und ließ sich von Jesse mitziehen. Seine fröhliche Stimmung war auf jeden Fall ansteckend. Als sie den Club betraten, ließ er gewohnheitsmäßig den Blick über die Menge schweifen, konnte aber nicht wirklich sagen, dass ihn etwas ansprach. Er würde wohl auch erst einmal eine Runde tanzen.

Jesse sah sich um und grinste Chris dann an. "Solange die Auswahl noch nicht so berauschend ist, musst du wohl mit mir vorlieb nehmen." Er wiegte seine Hüften im Takt der Musik und grinste Chris aufgedreht an.

Da konnte der schlecht nein sagen und so folgte er Jesse auf die Tanzfläche. Zwischen den anderen Clubbesuchern bewegten sie sich ausgelassen zur Musik und vorerst war die Suche nach einem Flirt für die Nacht vergessen. Doch irgendwann wurde Chris durstig und er hatte auch bei weitem nicht so viel Energie wie sein Begleiter. Also löste er sich aus der wogenden Masse und bahnte sich langsam einen Weg zur Bar, um sich einen Trink zu bestellen.

Jesse folgte Chris gleich, weil er was trinken wollte. Dabei checkte er mal ab, ob er nicht was Leckeres sah. "Was hältst du von dem Süßen an der Säule, der in der hautengen Jeans und mit den dunklen Haaren", fragte er Chris. Der Mann, auf den er deutete, sah zwar ein wenig nach Macho aus, aber Jesse fand ihn ganz gut aussehend.

Chris sah in die Richtung, in die Jesse zeigte und zog die Stirn in Falten. Er war zwar der Meinung, dass er die falsche Person für so eine Einschätzung war, aber schließlich ging es hier um den Spaß. Trotzdem war er von Jesses erstem Vorschlag nicht so angetan. "Na ja, aussehen tut der schon nicht schlecht, denke ich, aber der hat irgendwie keine sonderlich angenehme Ausstrahlung, selbst für nen One-Night. Vielleicht finden wir was Besseres für dich." Schulterzuckend zwinkerte er Jesse zu und bestellte dann erst einmal ihre Getränke. Noch war es recht einfach die Aufmerksamkeit der Barkeeper zu bekommen. Später am Abend würde das sicherlich schwieriger werden.

Jesse nahm sein Getränk entgegen und trank auch gleich einen großen Schluck. "Hast wohl recht. Ich hab ein verborgenes Talent. Verstecke ein riesen Arschloch in dem Laden hier und ich werde es zielsicher finden und mitnehmen." Er grinste schief und zuckte mit den Schultern.

"Gut, dann haben wir das Arschloch schon aussortiert und alles andere kann nur besser werden." Chris lachte ausgelassen und trank ebenfalls etwas, bevor er das Gespräch weiterführte. "Okay, dann mach mal den nächsten Vorschlag. Ich äußere dann meine fachmännische Meinung."

Jesse grinste und sah sich um. "Was hältst du von dem Riesen da. Der mit den süßen Grübchen. Ganz sicher jemand der nur Top spielt, aber ich lass mich gerne mal wieder flachlegen." Er lachte bei Chris Gesicht und schüttelte den Kopf. "Was? Ich weiß bei Frauen ist das anders, aber als Schwuler hab ich die Wahl, ob ich oben oder unten sein will und ich liege auch gerne mal unten."

"Zu viel Info." Theatralisch kniff Chris die Augen zusammen und hielt sich die Ohren zu. Doch dann folgte er wieder Jesses Blickrichtung. Der Mann sah zwar riesig aus, wirkte aber trotzdem irgendwie harmlos. Unsicher schüttelte Chris den Kopf. "Den können wir uns ja mal vormerken, was gibt‘s noch im Angebot?" Er versuchte ein Muster zu finden, in den Männern, die Jesse vorschlug, dann konnte er selbst vielleicht jemanden finden, der seinem Geschmack entsprach.

"Werd erwachsen. Ist doch nichts dabei." Jesse lachte und sah sich weiter um. "Der da mit dem roten Shirt." Der sah Chris recht ähnlich, aber das lag auch daran, dass Chris genau sein Typ war. Er fand es schade, dass sein Begleiter hetero war.

"Okay." So auf den ersten Blick konnte Chris nichts gegen den Mann sagen, doch er wollte seine Zustimmung trotzdem noch nicht geben. Auch wenn Jesse die wohl nicht unbedingt brauchte. Die Ähnlichkeit fiel ihm durchaus auf, doch er hatte schließlich ein Allerweltsgesicht, da war es für ihn normal, dass ihm andere ähnlich sahen. "Das waren bis jetzt alles komplett verschiedene Typen. Fällt dir noch einer auf? So ganz spontan?"

"Hmm, der am Ende der Bar", sagte Jesse leise an Chris Ohr. Dann sah er zu ihm hinüber und lächelte ihn leicht an.

Ein leichter Schauer rieselte Chris den Rücken hinunter, denn Jesses Atem hatte ihn gekitzelt. Er schüttelte den Kopf, um das Gefühl abzuschütteln und sprach dann schnell, bevor sein Begleiter die Geste noch falsch verstand. "Ja, nicht schlecht. Der scheint auch Interesse zu haben." Langsam trank er einen tiefen Schluck von seinem Bier und als Jesse nicht gleich ging, gab er ihm einen leichten Schubs gegen die Schulter. "Na los, versuch dein Glück."

"Ich will dich hier nicht einfach stehen lassen. Wir haben ja noch kein nettes Mädchen für dich gefunden." Jesse lächelte Chris an und sah zu dem Mann am Ende der Bar der ihn jetzt offen anlächelte.

"Lass mal, ich werd schon was finden. Am Ende schnappt dir noch wer den Typen weg und das kann ich nicht verantworten." Chris lachte und nickte nebenbei in Richtung Bar. "Wir können ja einfach beim nächsten Mal als erstes was für mich suchen." Er ließ seinen Blick wieder über die wogende Menge gleiten. Mittlerweile waren es mehr Menschen geworden, aber er wusste noch nicht einmal, wonach er Ausschau hielt. Das konnte also länger dauern.

"Ok, danke." Jesse lächelte und ging langsam zu dem Typen rüber und begann auch sofort zu flirten. "Hi, darf ich mich zu dir gesellen?"

Der Fremde verwickelte Jesse in ein Gespräch und Chris versuchte, die beiden nicht die ganze Zeit zu beobachten. Er leerte seine Flasche und ging wieder auf die Tanzfläche. Obwohl er eigentlich damit beschäftigt sein sollte, sich nach einem One-Night-Stand umzusehen, wanderte sein Blick immer wieder zur Bar. So bemerkte er, dass Jesse doch recht schnell mit dem Anderen verschwand.

Chris hatte das Gefühl, dass das heute nicht sein Abend war, denn jede Frau die sich ihm näherte, wies er am Ende doch ab, weil irgendwas nicht seinem Geschmack entsprach. Mal waren es die Haare, mal die Figur, mal das Auftreten. Dabei war er normalerweise nicht so wählerisch. Am Ende trank er noch ein weiteres Bier, unterhielt sich mit einem Bekannten, den er zufällig getroffen hatte und ging dann doch recht früh nachhause. Kurz dachte er an Jesse und hoffte, dass dessen Nacht erfolgreicher verlief.

***

In den darauffolgenden Wochen hielt Jesse regen Kontakt mit Chris, während er sich auch immer wieder mit dem Mann aus ihrer ersten gemeinsamen Clubnacht traf. Nach und nach stellte er fest, dass er mit ihm einiges gemeinsam hatte und so blieb es nicht aus, dass er sich langsam in ihn verliebte. Alles war perfekt und er schien endlich einmal Glück zu haben. Aber dieser Eindruck wurde jäh zerstört, als er seinen Freund mit einem Anderen erwischte. Er stellte ihn zur Rede und erfuhr Dinge, die er lieber nicht gewusst hätte. Wütend und enttäuscht machte er Schluss und ehe er wusste, was er tat, fand Jesse sich vor Chris Tür wieder und hatte bereits geklingelt.

Chris war recht müde als er die Tür öffnete, da er in den letzten Tagen wegen eines größeren Terminauftrags Überstunden geschoben hatte. Doch er musste nicht einmal richtig hinsehen, um zu wissen, dass da was im Busch war. "Hi, komm rein." Er trat beiseite und ließ Jesse in die Wohnung. Danach schloss er hinter ihm die Tür und rieb sich kurz über die Augen, um einigermaßen wach zu werden. Es war zwar erst gegen zehn an einem Freitagabend, aber heute war einfach nichts mehr mit ihm anzufangen. "Kann ich dir irgendwas anbieten?"

Jesse schüttelte den Kopf. "Ich hab Mark mit einem anderen beim Rummachen erwischt", sagte er leise und ließ den Kopf hängen, weil die Tränen schon wieder kamen. "Er sagte, er hat mich nur im Bett haben wollen." Er schniefte leise und rieb sich über die Nase.

"Oha, daher weht der Wind." Chris wusste nicht, ob er für so ein Gespräch wirklich der Richtige war, aber jetzt, wo Jesse einmal hier war, konnte er ihn nicht einfach wegschicken. "Komm mit, setzen wir uns." Er schob Jesse vor sich her zum Wohnzimmer und drückte ihn dort auf das Sofa. Dann holte er schnell zwei Bier aus dem Kühlschrank, öffnete sie und reichte eine der Flaschen an ihn weiter. Wo er gerade stand, holte er auch eine Packung Papiertaschentücher von seinem Schreibtisch und gab sie Jesse. "Also, jetzt noch mal von vorn. Was ist genau passiert?" Dass Jesse sich mit diesem Mark aus dem Club öfter getroffen hatte, hatte er in ihren Gesprächen schon erwähnt. Aber mehr hatte er dann auch nicht gesagt, weshalb Chris die Aufregung nun nicht ganz verstand.

"Ich hab mich oft mit ihm getroffen und wir haben uns gut verstanden. Er sagte, er will eine Beziehung mit mir. Ich hab wirklich angefangen, mich zu verlieben." Jesse erzählte stockend und putzte sich dazwischen immer wieder die Nase. "Ich meine, er wollte zwar immer oben liegen, aber das war ok. Ich wollte ihn heute überraschen und bin zu seiner Wohnung gegangen und vor der Tür hat er mit einem anderen rumgeknutscht. Wie sich rausstellte, war das sein Freund, der länger im Ausland gewesen war. Ihn stört es wohl nicht, wenn Mark dann fremdvögelt." Wütend warf er die Papiertücherpackung von sich und angelte sie dann doch wieder heran, um ein frisches heraus zu holen. "Ich war nur eine Urlaubsüberbrückung, ein Trostfick", schniefte er wieder.

Chris wusste wirklich nicht, was er darauf antworten sollte und versuchte Jesse schließlich mit einem schiefen Grinsen aufzuheitern. Er selbst hätte diesen Mark aber am liebsten eine rein gehauen, denn sein Freund verdiente es wirklich nicht, so ausgenutzt zu werden. "Scheint, als hätte es an diesem Abend im Club mehr als nur ein Arschloch gegeben. Tut mir leid." Kameradschaftlich klopfte er ihm auf die Schulter und wirkte selbst etwas hilflos.

Jesse lächelte schief zurück und trank einen großen Schluck Bier. "Ich sollte wohl doch hetero werden oder ins Kloster gehen. Bei Schwulen hab ich einfach den Arschlochmagneten."

"Ach, so ein Blödsinn. Ich wette, du würdest kein bisschen Spaß bei Frauen haben und ein Kloster soll saumäßig langweilig sein, also vergiss das gleich wieder." Chris setzte sich ein wenig bequemer hin, sodass er Jesse direkt ansehen konnte und sprach dann weiter. "Du musst nur ein wenig Geduld haben und dann wird das schon irgendwie. Du kannst doch nicht immer nur Pech haben. Versuch, nicht mehr an diesen Idioten zu denken, auch wenn‘s schwer ist. Er hat es nicht verdient, dass du wegen ihm auch nur eine Träne vergießt." Hinter vorgehaltener Hand versuchte Chris ein Gähnen zu verstecken, doch er konnte schlecht verbergen, dass er nach wie vor müde war. Er wollte seinen Gast aber auch nicht rausschmeißen, denn der brauchte offensichtlich etwas Ablenkung. "Magst du DVD gucken oder so?"

Jesse sah wie müde Chris war und schüttelte den Kopf. "Sorry, du siehst selbst fertig aus und ich heul dir die Ohren zu." Seufzend erhob er sich. "Ich sollte besser gehen. Tut mir leid wegen der Störung."

"Nein, bleib." Chris hielt ihn am Handgelenk und zog ihn wieder aufs Sofa. "Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich wäre nicht müde, aber du bist her gekommen, also bleib auch. Du kannst hier schlafen, wenn du magst. Morgen Früh ist sicherlich alles viel klarer und einfacher." Er nahm auch noch einmal einen Schluck von seinem Bier und strich dann wie nebenbei prüfend über das Polster auf dem er saß. "Allerdings hab ich es immer noch nicht geschafft ne Schlafcouch zu besorgen und die hier ist extrem unbequem. Wenn‘s für dich okay ist. Mein Bett ist recht groß und eine Seite momentan leer."

"Sollte eher dich fragen, ob es ein Problem ist, oder?", fragte Jesse leise zurück. "Ich meine, weil ich ein Kerl bin und schwul..." Er trank sein Bier aus und sah Chris hilflos an. "Danke, also wegen…"

"Du musst dich nicht bedanken und solange du nicht die Angewohnheit hast, im Liebeskummer jeden beliebigen Kerl zu bespringen, der dir über den Weg läuft, bin ich ja sicher. Oder sollte das eben eine Warnung sein?" Chris blickte einen Moment lang entsetzt und schüttelte dann grinsend den Kopf. Er wollte Jesse unbedingt aufheitern, denn dass der so niedergeschlagen war, passte einfach nicht zu ihm. "Du solltest vielleicht ins Bad gehen und dich ein wenig frisch machen. Ich werd derweilen etwas aufräumen. Oder willst du noch eine Weile hier sitzen bleiben?" Chris musste schon wieder gähnen, aber Jesse war sicherlich noch nicht so müde. Daran hatte er erst gar nicht gedacht.

"Nein, ich bespringe keine Kerle." Jesse lachte wieder, warnte Chris dann aber doch. "Aber ich fürchte manchmal kuschle ich. Bad und Bett klingt gut, ich fühle mich wie gerädert." Vielleicht würde es ihm nach ein wenig Schlaf wirklich besser gehen.

"Okay." Mit seiner Flasche in der Hand, stand Chris auf und ging schon mal in die Küche, um seine Sachen wegzuräumen. Dann wartete er in seinem Schlafzimmer bis Jesse fertig war und er selbst ins Bad konnte. Er brauchte nicht lange um sich frisch zu machen. Als er wieder in sein Schlafzimmer kam, zog sich Jesse gerade bis auf die Boxershorts aus.

"Danke, dass ich hier schlafen darf." Dann sah Jesse fragend auf das Bett. "Welche Seite bekomme ich denn?"

"Die, die unbenutzt aussieht." Chris deutete auf die Seite, die näher bei der Tür war und schaltete dann auch gleich das Nachtlicht ein, das in einem Sideboard über dem Bett eingebaut war. Danach löschte er das große Deckenlicht und schlüpfte auf seiner Seite unter die Decke. Es war schon wieder eine Weile her, dass er nicht allein in diesem Bett geschlafen hatte und er hatte auch schon andere Kumpels zu Besuch gehabt, die mal hier übernachtet hatten. Es war also wirklich nichts Besonderes.

Jesse kuschelte sich in die Kissen und atmete tief ein. Der Geruch von Chris war angenehm und beruhigte ihn ein wenig. "Schlaf gut", sagte er leise und schloss die Augen. Aber seine Gedanken waren immer noch bei Mark. Er konnte nicht vermeiden, dass wieder ein paar Tränen liefen.

Chris wünschte ebenfalls eine gute Nacht und löschte dann auch das Nachtlicht. Seine Müdigkeit reichte jedoch nicht aus, um gleich einzuschlafen, weshalb er Gelegenheit hatte, Jesses ungewohnte Präsenz deutlich wahrzunehmen. Er bemerkte dessen Tränen in der Dunkelheit nicht, wohl aber die Anspannung, die von dem anderen Körper ausging. "Hey, alles okay?", wollte Chris schließlich leise wissen und wusste doch nicht so recht, wie er mit seinem Freund umgehen sollte. "Ich würde dir ja ein Kuscheltier anbieten, aber der einzige Teddy, der hier mal rumgeschwirrt ist, wurde von meiner kleinen Nichte bei ihrem letzten Besuch konfisziert."

"Ja, alles ok", meinte Jesse mit belegter Stimme und musste bei Chris Kommentar zumindest grinsen. "Werd es auch ohne Teddy schaffen. Du bist müde, schlaf ruhig. Mir geht‘s gut", sagte er leise in die Dunkelheit

"Okay." Chris schloss seine Augen, doch irgendwas musste er doch tun können, damit es Jesse besser ging. Zögernd streckte er eine Hand in die Dunkelheit und tastete vorsichtig, bis er Jesses Schulter berührte. Leicht nur konnte er das Zittern spüren, das eindeutig nicht von Kälte herrührte. "Ich bin zwar nicht so haarig, aber ich geb wohl nen recht guten Teddyersatz, hat man mir mal gesagt", meinte Chris nachdem er trotz einiger Gegenstimmen in seinem Kopf, zu dem Entschluss gekommen war, dass es wohl okay war, wenn er Jesse diese Nähe anbot. Still wartete er ab, was der tun würde.

Jesse zögerte noch, aber schließlich rückte er ein wenig näher und drehte sich, bis er mit dem Rücken gegen seine Brust da lag. Es tat gut mal wieder so in den Armen gehalten zu werden.

Es dauerte einen Moment, doch dann hatte Chris sich an den Kontakt mit Jesse gewöhnt. An die Wärme, an den Geruch und auch an die ungewohnten Kanten des schlanken Körpers. Langsam strich er über Jesses Schulter und Oberarm und schlief dabei schließlich doch recht schnell ein.

Jesse kuschelte sich irgendwann in der Nacht richtig ein und schlief dann auch endlich tief und fest.

***
Kapitel 4
Anmerkungen zum Kapitel:Nach langer Zeit geht es endlich weiter, da ich jetzt aber ellein schreibe, sind die Kapitel auch nicht mehr ganz so lang... wollte euch nur nicht länger warten lassen Lächelnd
Als Chris erwachte, hörte er das Klappern von Geschirr und der Duft von Kaffee wehte ihm in die Nase. Neben ihm war das Bett leer. Müde rieb er sich über die Augen und warf einen Blick auf seinen Wecker. Es war kurz vor neun. Eigentlich könnte er noch liegen bleiben, immerhin war Samstag. Doch statt sich einfach umzudrehen und wieder tiefer in die Decke zu kuscheln, stand er auf und folgte den Geräuschen.

„Guten Morgen Chris, tut mir leid, ich wollte dich nicht wecken“, begrüßte Jesse ihn lächelnd, als Chris in die Küche kam. Er werkelte geschäftig am Herd.

„Guten Morgen, passt schon. Sind das Eierkuchen?“ Chris sah seinem Freund über die Schulter in die Pfanne und grinste. Das sah lecker aus.
„Ja, und die ersten sind gleich fertig. Also fix ins Bad, bevor sie kalt werden.“
„Bin schon weg, Chef.“ Mit einem Lachen verschwand Chris um sich frisch zu machen und sich zu erleichtern. Als er wieder in die Küche kam, stand auf dem Tisch ein Teller mit einem Eierkuchenberg, daneben tummelten sich Marmelade, Schokoladencreme, Honig und andere leckere Sachen. „Du verwöhnst mich ja richtig“, meinte Chris, während er sich setzte und sich schon mal am Kaffee bediente.

„Nachdem ich hier gestern so reingeplatzt bin, ist das das Mindeste.“ Jesse stellte den Herd aus und nahm ebenfalls Platz. Mit einem kurzen Blick nahm er dankbar wahr, dass Chris sich ein Shirt übergezogen hatte. Am Abend zuvor war er zu aufgewühlt gewesen, um es zu bemerken, doch heute Morgen, als er eng an Chris nackten Oberkörper gekuschelt aufgewacht war, hatte ihn das nicht kalt gelassen. Deshalb war er auch fluchtartig aufgestanden und hatte sich abgelenkt anstatt liegen zu bleiben, wie er es gern getan hätte.

„Schon gut, geht es dir denn etwas besser?“

„Ja, viel besser. Dem Arsch werd ich keine Träne nachheulen und das Wochenende lass ich mir von ihm auch nicht verderben.“

„Das ist die richtige Einstellung.“ Sie lachten gemeinsam und vertilgten nach und nach die Eierkuchen während sie belanglose Neuigkeiten austauschten. „Was sind denn jetzt deine Wochenendpläne? Hattest du irgendwas vor?“

„Hm, eigentlich schon, aber das hätte Mark beinhaltet, also bin ich im Moment noch am Überlegen.“ Jesse zuckte mit den Schultern und seufzte leise. So einfach würde das wohl doch nicht werden.

„Wenn das so ist, dann haben wir zwei heute Abend ein Date“, entgegnete Chris und biss seelenruhig in seinen zusammengerollten Eierkuchen. Marmelade tropfte ihm über die Hand, während Jesse ihn entgeistert ansah. „Was?“

„Wir waren ewig nicht zusammen weg und du schuldest mir noch eine Verkupplung.“ Chris grinste breit und leckte die Marmelade von seinem Handrücken. Nachdem Jesse mit Mark zusammen gekommen war, hatten sie zwar immer noch einiges gemeinsam unternommen und waren auch abends aus gewesen, aber so etwas wie am ersten Abend hatten sie nicht wiederholt.

„Oh, ja, natürlich.“ Von Chris Gesten abgelenkt, konnte Jesse sich nur halb auf dessen Worte konzentrieren. Ob sein Freund auch nur im Entferntesten eine Ahnung hatte, wie anregend das wirkte? Hastig sah er auf seinen Teller und rief sich zur Vernunft. Das fehlte ihm gerade noch, dass er nach dem Desaster mit Mark Gefühle für Chris entwickelte. „Also gut, dann werde ich mich mal langsam auf die Socken machen und wir treffen uns heute Abend.“

„Du willst schon gehen? Du kannst auch gerne noch bleiben.“

„Nein, das passt schon. Ich muss noch einiges erledigen und ich hab dich jetzt schon lange genug in Beschlag genommen.“ Jesse stellte sein benutztes Geschirr zusammen. Bevor er ging, würde er zumindest noch seine Spuren vom Kochen beseitigen.

„Du kannst mich immer in Beschlag nehmen. Dazu sind Freunde da.“ Chris lächelte und deutete dann nachlässig auf den gedeckten Tisch. „Lass das Zeug stehen. Es reicht schon, dass du gekocht und alles hergerichtet hast. Den Rest mach ich, sonst gewöhne ich mich noch dran und werde faul.“

Jesse wollte protestieren, ließ es aber bleiben und lachte stattdessen nur leise. „Okay, wenn du darauf bestehst.“ Er trank seinen Kaffee aus und stand auf, um seine Sachen zusammenzusuchen. Viel hatte er nicht dabei gehabt, als er am Vorabend hier hereingeplatzt war, doch trotzdem wollte er nichts vergessen.

„Dann telefonieren wir heute Abend und machen kurzfristig Zeit und Ort aus, oder?“, meinte Chris, der im Türrahmen zur Küche lehnte und Jesse dabei beobachtete, wie er in seine Schuhe schlüpfte.

„Klar, klingel einfach durch.“
„Mach ich, also dann, bis später.“
„Ja, bis dann, ciao.“ Jesse wank kurz und zog dann die Wohnungstür hinter sich ins Schloss. Er hatte eigentlich nicht wirklich viel zu tun, das war eine glatte Lüge gewesen, trotzdem ging er auf dem schnellsten Weg nachhause. Es würde sich sicher etwas finden, mit dem er sich beschäftigen und die Zeit tot schlagen konnte. Notfalls würde er einfach ein wenig vorarbeiten. Auf seinem Schreibtisch fanden sich genügend Aufträge.

Chris betrachtete einige Momente Gedankenversunken den gedeckten Tisch und machte sich dann ans Aufräumen. Es war wirklich schön gewesen, auf diese Art aufzuwachen. In netter Gesellschaft, mit einem leckeren Frühstück. Wie lange hatte er das schon nicht mehr gemacht? Es war auch angenehm gewesen, Jesse in den Armen zu halten. Mark war wirklich ein Idiot, schließlich konnte einem kaum etwas Besseres als Jesse passieren, davon war Chris überzeugt.
Von diesen Gedanken wurde er auf die eine oder andere Art den ganzen Tag verfolgt. Sowohl während er sich am Vormittag mit seinen Studienunterlagen beschäftigte, als auch während des Mittagessens mit einem Kommilitonen. Seine Vorfreude auf den Abend mit Jesse wurde immer größer, ohne dass er es verhindern konnte.

***

Nervös tigerte Jesse vor seinem Telefon auf und ab. Es war kurz nach sieben. Sollte er jetzt schon bei Chris anrufen oder noch warten? Er sollte sich wirklich nicht so verrückt machen. Sie wollten nur als Freunde etwas Spaß haben. Da war sonst nichts und da würde auch sonst nichts werden, denn Chris stand nicht auf Männer. Der bewusste Gedanke änderte nur dummerweise nichts daran, dass er schon den ganzen Tag immer wieder Chris‘ nackten Oberkörper vor Augen hatte und die Berührungen der vergangenen Nacht spürte. So wie auch jetzt. Wieso nur hatte sich das Bild so festgebrannt? Immerhin hatte er Chris nicht zum ersten Mal so gesehen. Aber ausgerechnet jetzt.
Jesse schüttelte den Kopf, es brachte wirklich nichts, sich mit solchen Gedanken verrückt zu machen. Energisch griff er nach dem Telefonhörer und wählte Chris‘ Nummer. Das Freizeichen erklang und bereits nach dem zweiten Tuten wurde abgenommen.

„Hallo“, meldete Chris sich fröhlich, er hatte Jesses Nummer erkannt.
„Hey, hier ist Jesse.“
„Hey, den Tag gut überstanden?“
„Ja, danke. Du auch?“
„Klar. Hast du dir schon überlegt, wo wir hingehen? Sollen wir wieder ins Black and White?“
„Ich würd lieber wo anders hingehen.“ Irgendwohin, wo wir nicht Gefahr laufen, Mark zu treffen, dachte Jesse für sich. „Lass dich von meiner Wahl einfach überraschen. Treffen wir uns vor der Cocktaillounge am Alten Markt?“
„Okay, dann lass ich mich überraschen. Alter Markt ist auch gut. Gegen Zehn?“
„Ja, gerne.“
„Alles klar. Also bis dann.“
„Bis dann.“ Jesse legte auf und seufzte. Jetzt musste er nur noch irgendwie die nächsten drei Stunden rumbringen. Kurzentschlossen ging er ins Wohnzimmer zu seinem DVD-Regal und besah sich die Auswahl. Da musste es doch etwas geben, was ihn von den Gedanken an Mark oder Chris ablenkte.

Chris hatte gerade aufgelegt, als es erneut klingelte. Andis Name erschien auf dem Display. Erst am vergangenen Wochenende war Chris dazu gekommen, ihm die Sache mit Jesse zu erklären. Andi war etwas angepisst gewesen, hatte es dann aber mit Humor genommen. Er hatte offenbar über kurz oder lang mit einer Racheaktion gerechnet.
„Hey Mann, was gibt’s?“
„Hey Alter, hast du heute schon was vor? Wir wollen um die Häuser ziehen. Kommst du mit?“
„Wir?“
„Karo, Sven, ein paar Leute aus dem Semester eben.“
„Ich bin schon mit Jesse verabredet, ich weiß nicht, vielleicht schließen wir uns euch später an.“

Am anderen Ende der Leitung herrschte einen Moment Schweigen, dann räusperte Andi sich. „Bist du sicher, dass da nichts zwischen euch läuft? Ihr hängt ja ziemlich viel zusammen.“
„Was ist das jetzt für ´ne bescheuerte Frage? Wir haben eben einiges gemeinsam und wir wollen nur in ´nen Club.“
„In welchen geht ihr denn?“
„Weiß noch nicht. Jesse überlegt sich was.“
„Okay, vielleicht sehen wir uns später. Meld dich einfach, wenn ihr Bock habt.“
„Klar, werd ich machen.“
„Ciao.“
„Bye.“

Verwirrt legte Chris auf und starrte das Telefon an. Was sollte das denn jetzt? So oft hatte er sich in letzter Zeit nun auch wieder nicht mit Jesse getroffen. Und selbst wenn, als Andi noch dachte, sie wären wirklich ein Paar, war er doch auch nicht so komisch gewesen. Ein wenig verstimmt ging er in die Küche, um sich etwas zu essen zu machen. Dabei ließ ihm das keine Ruhe. Es waren nicht einmal die Worte, die ihn so irritierten, sondern vielmehr die Art, wie Andi sie ausgesprochen hatte. Irgendwie genervt und als würde es ihm nicht passen. Stellte Andi plötzlich Besitzansprüche? Es war doch nicht das erste Mal, dass Chris sich häufiger mit anderen traf und etwas unternahm und Andi war mit seinen vielen Bekanntschaften selbst mehr als genug beschäftigt. Wirklich seltsam.

Letztendlich hielt Chris nichts mehr in seiner Wohnung. Nachdem er gegessen hatte, machte er sich fertig und lief in einem größeren Bogen zum Alten Markt. Als er dort ankam, war es gerade kurz nach neun und so beschloss er, sich die Wartezeit mit ein oder zwei Cocktails zu versüßen.

Als Jesse kurz vor zehn am verabredeten Treffpunkt an kam, war es in der Cocktaillounge recht voll. Er hatte eine SMS von Chris bekommen, sodass er wusste, dass sie sich an der Bar treffen würden. Zum x-ten Mal zupfte er sein dunkelblaues Shirt zu recht und schalt sich innerlich dabei einen Idioten. Er traf sich mit Chris, um ihm ein Date zu suchen, nicht, um selber eines mit ihm zu haben. War das denn so schwer in den Kopf zu bekommen?

Es war nicht schwierig Chris ausfindig zu machen. Er saß am Ende des Tresens, ein halbleeres Cocktailglas in der Hand, und unterhielt sich mit einer jungen Frau. Sie lachten beide und schienen sich super zu verstehen. Jesse seufzte. Wieso tat er sich das überhaupt an? Doch jetzt war er einmal hier, da würde er den Abend auch irgendwie überstehen.

Er setzte ein Lächeln auf und trat auf die beiden zu. „Hey, ich hoffe, du musstest nicht zu lange warten.“
„Hey Schatz, nein, ich war selbst viel zu früh.“ Chris zog ihn an sich und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen, was Jesse vollkommen aus dem Konzept brachte. Doch bevor er reagieren konnte, stand die junge Frau neben ihnen auf und nahm ihr Glas. „Wieso hast du nicht gleich gesagt, dass du vergeben bist.“ Sie schnaubte abfällig und rauschte ab.
„Was war das denn?“, wollte Jesse vollkommen perplex wissen. Dass Chris noch immer einen Arm um seine Hüfte geschlungen hatte, nahm er kaum wahr.
„Sie war mir unsympathisch. Du hast mich gerettet.“
„Achso… aber das ist ziemlich unfair.“
„Sie wird es verkraften.“
„Ich meinte eigentlich mich. Ich fühl mich benutzt.“ Jesse löste sich von Chris und ließ sich neben ihm auf dem freien Barhocker nieder.
„Oh, entschuldige. Daran hab ich nicht gedacht.“
„Was soll‘s. Wäre ja auch blöd gewesen, wenn du sie gleich aufgerissen hättest. Dann wäre ich heute Abend vollkommen überflüssig.“
„Eben. Also, hast du dir schon überlegt, wo wir hingehen?“
„Was hältst du vom ‚Culture‘?“
„Bist du dir sicher? Da werden wir kaum etwas für dich finden.“
„Macht nichts. Heute geht es ja auch darum, was für dich zu finden und ich hab erst einmal genug von den Männern.“
„Okay, dann lass uns starten.“

Chris trank seinen Cocktail aus, zahlte und verließ dann gemeinsam mit Jesse die Bar. Bis zu dem Club, den sie sich ausgesucht hatten, mussten sie ein Stück laufen, aber das machte beiden nichts aus.

„Okay, dann sag mal an, worauf du heute Abend so Lust hast.“ Jesse tat so, als würde er Block und Stift zücken und eifrig Notizen machen. Chris ging grinsend darauf ein. „Also, ich hätte gern was Dunkelhaariges, Sportliches, mit Witz und sie sollte nicht zu überdreht sein.“
„Ah, doch nur so geringe Ansprüche.“
„Ja, ich wollte es für den Anfang nicht zu schwer machen.“
„Nun gut. Da lässt sich sicher etwas finden. Sonstige Wünsche?“, wollte Jesse ernst wissen und tat so, als würde er seine Liste nachdenklich überfliegen.
„Nein, für den Anfang soll es das gewesen sein.“
„Okay, dann mal auf ins Getümmel.“

Sie kamen leicht am Türsteher vorbei und mischten sich im Innern unter die Gäste. Die Tanzfläche war bereits gut gefüllt, doch es würde sicher noch voller werden, denn der Club war beliebt.
„Schau mal, die da...“
„Lass uns erst einmal tanzen“, unterbrach Chris seinen Freund und zog ihn mit sich in die wogende Menge. Für den Moment wollte er einfach den Abend genießen und nicht an irgendwelche Frauen denken.

Jesse ließ sich verwirrt mitziehen und begann nach kurzem Zögern mit tanzen. Sie bewegten sich ausgelassen zwischen allen anderen und es gelang ihm, Mark tatsächlich zu vergessen. Wenn er mit Chris zusammen war, wurde alles andere einfach unwichtig.
Er wollte auch nicht darüber nachdenken, dass er sich da in Gefühle verrannte, die nicht gut waren, denn er hatte recht offensichtlich Gefühle für Chris. Ob der das bemerkt hatte?

Nachdem sie eine ganze Weile so getanzt hatten und schließlich eher ruhige Songs gespielt wurden, bahnten sie sich einen Weg zur Bar. Es gab nur noch einen freien Hocker. Chris schob Jesse darauf und stellte sich dann dicht neben ihn. „Was magst du trinken? Ich lad dich ein.“
„Solltest du das nicht zu deinem Date sagen?“, wollte Jesse wissen und konnte ein leichtes Ziehen in seinem Bauch spüren, das war nicht gut.
„Für den Moment bist du noch mein Date, also sag an“, entgegnete Chris grinsend, sich der Bedeutung seiner Worte offenbar gar nicht wirklich bewusst.
Jesse schluckte schwer und lächelte schwach. „Also gut, ein KiBa.“
„Okay.“ Chris wandte sich an den Barkeeper und gab die Bestellung auf. Als sie schließlich beide ihre Getränke in Händen hielten – Chris hatte eine Wodka-Cola genommen – deutete Jesse in einer weitschweifenden Geste über die Menge. „Dann fangen wir mal an.“
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