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Uni Alltag?!

von ChichiU [Ab 12] [Reviews - 6] (Abgeschlossen)
Veröffentlicht: 18/04/09 Aktualisiert: 14/08/12
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1. Kapitel 1

Suchend glitt der Blick von Tobias über die großen Bücherregale. Eigentlich wusste er nicht so richtig, was genau er suchte, nur dass es etwas über Fotografie sein sollte. Und dieses Thema schien sehr gut und sehr häufig beschrieben worden zu sein, wie er an diesem endlos scheinenden Bücherregal merkte.
Halbherzig zog er eines der flacheren Bücher heraus und schlug es auf. Doch statt seitenlanger Texte, erblickte er einen nackten Mann. Aufzischend schlug er es wieder zu und atmete tief durch. Das hatte er sich jetzt ganz sicher nur eingebildet. Die leicht muffige Luft in der Bibliothek war wohl doch zuviel für ihn. Vielleicht sollte er doch weniger lernen und mehr für seine Hausarbeit. Allerdings wollte er irgendwann auch mit seinem Studium fertig werden.
Also würde er sich nun weiter mit der Geschichte der Fotografie befassen müssen und nicht mit seinem Vergnügen, wie z.B. Fantasy Geschichten oder im Internet surfen. So schlug er das das Buch wieder auf. Aber nicht die erwartete Historie blickte ihn an, sondern ein nackter Mann an einem Strand. Und zwar ein äußerst attraktiver Mann. Wieder schlug Tobias das Buch zu und versuchte die verräterische Röte aus seinem Gesicht zu vertreiben. Entweder hatte er Halluzinationen oder aber in diesem Buch waren einige sehr heiße und erotische Bilder.
Tobias sah sich nach einem ruhigen Flecken um, damit er dieses Buch näher inspizieren konnte. Schließlich wollte er nun doch wissen, was hier vorging. Er entdeckte in einer Ecke einen gemütlich aussehenden Sessel und steuerte darauf zu. Sich hinsetzend begutachtete er erst einmal das Buch in seinen Händen genauer. Es handelte sich um ein Fotobuch von einem gewissen Michael Feigenblatt. Tobias kam dieser Name bekannt vor und ihm fiel auch gleich ein, woher er diesen Fotografen kannte. Er hatte ihn einmal auf einer Verleihung gesehen und war von dessen Fotos beeindruckt gewesen.
Es wunderte Tobias doch etwas, dass er ausgerechnet einen Bilderband mit Aktfotos in dieser Bibliothek gefunden hatte. Sonst gab es hier nie wirklich interessante Bücher, aber beschweren würde er sich über seinen Fund ganz sicher nicht. Noch einmal sah er sich verstohlen um, ob er auch wirklich alleine war. Einige Meter von ihm entfernt, lief ein junger Mann suchend zwischen den Regalen umher und schien ihn überhaupt nicht zu beachten. Das war Tobias natürlich sehr recht und so schlug er die erste Seite auf.
Sein Gesicht rötete sich von Seite zu Seite mehr. Er war so versunken in dem Buch, dass er gar nicht mehr auf seine Umgebung achtete. Und so merkte er auch nicht, dass er beobachtet wurde.
Doch als ein Schatten auf die Bilder fiel, der definitiv nicht ihm gehörte, zuckte er erschrocken zusammen. Ruckartig sah Tobias auf und blickte in moosgrüne Augen. Seine verräterische Röte wurde noch um einige Nuancen dunkler, als er schließlich seinen Blick losriss und stattdessen auf seine Füße starrte. Tobias wusste nicht, wie viel der Fremde von den Bildern gesehen hatte, aber sicherheitshalber schloss er hastig den Fotoband und hoffte einfach, dass er Glück hatte.
Dieser jedoch lächelte ihn an und meinte: „Ich wusste gar nicht, dass es in dieser verstaubten Bibliothek auch so etwas gibt.“ Dieser Kommentar reichte Tobias und er wünschte sich, dass irgendwo ein Loch aufgehen würde, in dem er sich verkriechen könnte. Doch sein Wunsch wurde leider nicht erhört. Um ihn herum waren nur die riesigen Regalreihen mit den vielen Büchern. Nun, dann würde Tobias sich wohl irgendwie rausreden müssen.
Der fremde junge Mann grinste ihn an und schien zu merken, in welcher Lage sich Tobias befand. Das half dem braunhaarigen Tobias natürlich nicht weiter.
„Gefallen dir die Bilder denn?“, fragte der Fremde.
Wenn Tobias gekonnt hätte, wäre er nun wahrscheinlich noch röter geworden. So nickte er nur kleinlaut und schielte weiter auf seine Schuhe.
„Hey, du brauchst dich doch nicht zu schämen. Mich freut das sehr, wenn jemandem meine Bilder gefallen.“
Tobias riss den Kopf hoch und starrte ihn überrascht an. Erst jetzt musterte er ihn genauer und dabei bemerkte er, dass der scheinbare Fremde, ihm tatsächlich bekannt war. Tobias wusste nicht, ob seine Augen ihm gerade einen Streich spielten oder ob das gerade wirklich passierte. So ganz glauben konnte er es jedenfalls noch nicht.
Vor ihm stand wirklich Michael Feigenblatt und grinste ihn an.
Tobias machte seinen Mund ein paar Mal auf und zu, unfähig seine Gedanken in Worte zu fassen. Michael lachte leise bei seinem Anblick und hockte sich schließlich vor ihm nieder. Interessiert sah er auf den Bildband in Tobias Händen.
„Also das hätte ich nicht gedacht, dass sie ausgerechnet den hier haben. Und dann auch noch da, wo er überhaupt nicht hingehört. Er würde besser in die Erwachsenenecke passen. Schließlich sind das Aktfotos.“ Michael grinste leicht.
Tobias Gesichtsfarbe hatte sich noch nicht normalisiert und er wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Also nickte er nur. Michael betrachtete ihn nachdenklich, während Tobias unter seinen Blicken sichtlich nervös wurde.

Schließlich fing Michael an zu reden: „Ich kenne noch gar nicht deinen Namen. Meinen kennst du ja schon.“
„Oh Entschuldigung! Ich heiße Tobias Schmidt.“, stellte er sich hastig vor.
Lächelnd betrachtete Michael ihn weiterhin und schien zu einem Entschluss zu kommen.
„Sag mal, hättest du nicht Lust dich von mir fotografieren zu lassen?“, fragte Michael beinahe unschuldig, ließ aber Tobias erst gar nicht Zeit zum Antworten, sondern redete sofort weiter. „Weißt du, ich suche neue Models und na ja, du würdest in mein Konzept sehr gut passen. Natürlich bekommst du auch Geld dafür und ich werde dich zu nichts zwingen, was du nicht willst. Normalerweise fotografiere ich immer Akt, aber man muss ja bei dir nichts sehen.“
Langsam ging ihm jedoch die Puste aus und so wartete er die Antwort von Tobias.

Dieser sah Michael geschockt an und wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Plötzlich fiel ihm ein, wie er sich aus dieser Situation vielleicht retten könnte.
„Ich sollte lieber weiter an meiner Hausarbeit schreiben.“, antwortete Tobias ausweichend. Damit wollte er aufstehen, wurde aber von dem Aktfotografen gehindert, der ihn bestimmend wieder in den Sessel drückte.
„Über was musst du denn deine Hausarbeit schreiben? Ich könnte dir ja vielleicht helfen.“
„Über … die Geschichte der Fotografie…“, stotterte Tobias und konnte seinen Blick nicht von den grünen Augen abwenden, die ihn zu fixieren schienen.
„Dabei kann ich dir doch helfen. Schließlich hab ich das mal gelernt. Und Bücher hab ich auch darüber.“, erklärte Michael ihm sanft.
Tobias sah ihn daraufhin wie ein gefangenes Kaninchen an. Er merkte, dass er eigentlich gar keine Chance hatte, doch kampflos aufgeben wollte er auch nicht.
„Wieso ausgerechnet ich?“
Michael aber kam nicht mehr zum Antworten, da die Bibliotheksleiterin sie beide sehr giftig ansah und sie wohl am liebsten rausgeschmissen hätte. Also beschlossen sie beide nun wieder leise flüsternd, ihre weitere Unterhaltung in einem Cafe fortzuführen.
Während Michael schon einmal vorging um seine Sachen aus den Schließfächern zu holen und dort auf Tobias zu warten, schaute Tobias auf den Bildband. Zögernd ging er damit zur Buchausleihe und lieh es sich schließlich aus.
Michael verkniff sich ein Grinsen, als er Tobias sah, wie er eilig auf die Schließfächer im Vorraum ging und seinen Rucksack rausholte. Schnell wurde der Bildband hinein gestopft und der Rucksack landete auf seinem Platz, Tobias’ Rücken.
Tobias sah misstrauisch zu Michael, der ein unschuldiges Gesicht machte und bereits den Knopf für den Aufzug gedrückt hatte. Dieser kam auch bald und so fuhren sie damit eine Etage tiefer, wo sich der Ausgang befand. Dort angekommen, traten sie in den Sonnenschein hinaus und liefen Richtung Innenstadt. Sie schlenderten gemächlich an den Geschäften vorbei und hielten nach einem gemütlichen Cafe Ausschau.
„Ist es denn so schlimm, dass ich dich gerne fotografieren möchte?“, fragte der Fotograf leise.
Der Angesprochene zuckte nur hilflos mit den Schultern, ehe er antwortete.
„Ich weiß nicht…“
„Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich zu nichts zwingen werde. Du kannst dich langsam daran gewöhnen.“
Tobias seufzte und fuhr sich durch sein braunes Haar bis es nach allen Seiten abstand. Michael kicherte leise.
„Hast du eigentlich Lust auf ein Eis?“, fragte Michael als sie vor einer Eisdiele stehen blieben, um ihn etwas abzulenken. Zustimmend nickte Tobias und ging mit aufleuchtenden Augen hinein, gefolgt von dem älteren Aktfotografen. Dieser amüsierte sich über Tobias Verhalten und grinste vor sich hin.
Sie suchten sich einen ruhigen Platz, wo sie ungestört sein würden. Sie machten es sich gemütlich und schauten sich die Karten an, bis der Kellner kam, um ihre Bestellungen aufzunehmen. Während sie auf ihr Eis warteten, schwiegen sie, jeder seinen eigenen Gedanken nachhängend.
Schließlich kam der Kellner mit ihrem Eis zurück. Nachdem er es vor ihnen abgestellt hatte, wünschte er ihnen noch einen guten Appetit und verschwand wieder. Während sie ihr Eis löffelten, seufzte Tobias hin und wieder.
„Ist alles ok?“, fragte Michael vorsichtig. Er griff langsam nach der freien Hand von Tobias und streichelte mit seinem Daumen über dessen Handrücken.
„Ich….“, begann Tobias und brach gleichzeitig wieder ab, nicht wissend wie er seine Gedanken und Gefühle in Worte fassen sollte. Er wusste ja noch nicht mal, was das Gefühlschaos in ihm bedeuten sollte.
„Komm doch einfach mal mit und schau es dir an.“
Bittend sah der Aktfotograf den Braunhaarigen an. Dieser gab seufzend auf und aß die Reste von seinem langsam schmelzenden Eis. Michael lächelte glücklich und zog seine Hand langsam wieder zurück, nachdem er gemerkt hatte, dass Tobias ihn unsicher ansah. Er wollte ihn schließlich nicht gleich wieder verschrecken.
Er winkte den Kellner zu ihnen ran, damit er schnell bezahlen konnte. Tobias kam nicht mal dazu zu protestieren, während Michael für sie beide zahlte. Kaum waren sie draußen, wollte Tobias ihm das Geld zurückgeben. Doch dieser wehrte entschieden ab. Michael weigerte sich strikt, das Geld anzunehmen.
„Aber ich kann doch nicht…“
„Doch du kannst!“, antwortete Michael fest und zog ihn mit sich.
Tobias kam gegen diese Entschlossenheit nicht an und ließ sich zur Straßenbahnhaltestelle ziehen. Sie hatten Glück und sprangen schnell in eine Straßenbahnlinie rein, die sie zu Michaels Wohnung bringen würde, wo es auch einen Raum zum fotografieren gab.

Nach einer viertel Stunde waren sie angekommen und liefen durch einige voll geparkte Nebenstraßen zu Michaels Wohnung. Neugierig sah Tobias sich um. Er staunte nicht schlecht über die gut gepflegten Mietshäuser in dieser Gegend. Nirgends bröckelte der Putz ab oder sah man Müll auf der Straße herum liegen. Hier konnte man sich sicherlich wohl fühlen. Michael blieb vor einem Haus mit blauem Anstrich stehen und kramte in einer Hosentasche nach dem Schlüssel.
Er zog ihn raus und öffnete die Haustür. Lächelnd bedeutete er Tobias ihm zu folgen und sie stiegen die Treppen in das zweite Stockwerk empor. Dort angekommen, schloss Michael die Wohnungstür auf.
„Komm ruhig rein. Ich beiße nicht.“, meinte der Aktfotograf beruhigend und streifte seine Schuhe ab. Zögernd ging Tobias hinein und schloss die Tür hinter sich. Danach zog er sich ebenfalls die Schuhe aus und sah sich dabei verstohlen um.
„Kommst du mit? Willst du vielleicht was trinken?“, fragte Michael.
Schüchtern nickte Tobias und folgte ihm ins Wohnzimmer.
„Setz dich doch! Hm… ich müsste Saft, Cola und Wasser da haben. Oder willst du einen Tee?“
„Ich würde gerne einen Saft haben, wenn es dir nichts ausmacht.“
Michael lächelte und verschwand um das gewünschte zu holen. Die zwei Gläser mit dem Saft stellte er vor ihnen auf den Tisch. Er setzte sich wieder gegenüber Tobias und sah ihn lächelnd an.

„Wieso fotografierst du eigentlich nur Männer?“, fragte Tobias plötzlich.
Michael machte ein nachdenkliches Gesicht, bevor er schließlich antwortete.
„Es gibt eigentlich sehr viel mehr Fotografen, die ausschließlich Frauen fotografieren. Ich wollte eigentlich immer etwas tun, was nicht so viele auf der Welt machen. Also habe ich mich entschlossen lieber Männer zu fotografieren.“
„Aber wieso ausgerechnet Aktfotos?“
Tobias musste zweimal hinsehen, um sicherzugehen, dass tatsächlich eine leichte Röte Michaels Gesicht überzogen hatte. Aber er bekam dennoch keine Antwort. Fragend sah er ihn an, während der ältere Aktfotograf sich verzweifelt eine Antwort überlegte.
„Nun, weil sie interessanter sein können, wenn sie gut gemacht wurden?“, fragte Michael mehr sich selbst als Tobias.
Diese Antwort hatte ihn wohl zufrieden gestellt. Und so beließ es auch der Ältere dabei. Tobias nippte weiterhin an seinem Orangensaft und sah nachdenklich aus. Auch Michael trank nun etwas von seinem Orangensaft und stand dann plötzlich auf Zuvor hatte er sein Glas vorsichtig auf dem Tisch abgestellt. Er ging zu Tobias und setzte sich neben ihm auf die Couch.
„Tobias? Was ist los?“, fragte er behutsam.
„Was… wieso?“ Hilflos sah Tobias ihn an, nicht fähig auszusprechen, was ihn beschäftigte.
„Frag einfach! Egal was!“
Zweifelnd sah Tobias den Älteren an. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, ob er ihn wirklich alles fragen konnte. Trotzdem versuchte er es.
„Ich verstehe einfach nicht, warum du ausgerechnet mich fotografieren willst. An mir ist doch nichts Besonderes.“
Leise lachte Michael.
„Das finde ich nicht. Aber lass das doch meine Sorge sein. Willst du dir mein kleines Fotostudio mal ansehen?“
Tobias nickte und so standen sie auf. Das Fotostudio sah eigentlich fast genauso aus, wie die normalen Fotostudios, in denen man z.B. Passfotos machen konnte. Nur gab es hier keinen der unbequemen Hocker, sondern einen gemütlich aussehenden Sessel und einige Stühle. Außerdem gab es viele Kameras.

„Hier mache ich meistens nur die Probeaufnahmen. Die richtigen Bilder mache ich dann woanders. Das wirst du sicherlich schon gemerkt haben.“
Tobias nickte, als er an den Bildband dachte und auch an einige andere Bilder, die er immer wieder mal gesehen hatte. Diese waren meistens an Stränden, Feldern oder in einer anderen Naturbelassenen Gegend aufgenommen. Sie gefielen Tobias, wenn er ehrlich war, sehr gut. Doch er konnte es sich nicht vorstellen, so etwas selber mal zu machen. Michael legte ihm beruhigend eine Hand auf einer seiner Schultern.
„Überleg es dir einfach mal. Ruf mich an, wenn du dich entschieden hast.“ Er ging zu einem Tisch, auf denen einige Fotoutensilien lagen und holte eine Visitenkarte, um sie Tobias zu geben. Lächelnd reichte er sie ihm. Tobias nahm sie und blickte kurz darauf, um sie danach in einer seiner Hosentaschen zu stecken.

„Ich geh dann mal.“, sagte Tobias nach einer Weile leise.
„Ruf mich an. Ich helf dir auch gerne bei deiner Hausarbeit, auch wenn du nicht fotografiert werden willst.“
Tobias nickte und ließ sich von Michael zur Tür bringen. Schnell zog er seine Schuhe an und schnappte sich seine Sachen. Sie verabschiedeten sich voneinander und Tobias lief die Treppe hinunter ohne sich noch einmal umzusehen.
Erst als er vor der Haustür stand sah er verstohlen zurück, doch die Haustür fiel in ihr Schloss und so stand er alleine draußen. Seufzend machte er sich auf den Weg zurück ins Studentenwohnheim.

Während Tobias nach Hause ging, saß Michael in seiner Wohnung verloren herum. Beide dachten über die vergangenen Stunden nach und kamen zu keinem Ergebnis. Stunden später fanden sie keinen rechten Schlaf und so arbeiteten beide an ihren Projekten. Tobias allerdings es gab bald wieder auf an seiner Hausarbeit zu schreiben, da er viel zu unruhig war, um einen klaren Gedanken zu fassen. Michael dagegen versuchte konzentriert, einige Bilder für ein Projekt zu ordnen.
Er bemerkte nur schnell, dass ihm noch Bilder fehlten und diese Bilder konnte er sich nur mit Tobias vorstellen. Er seufzte leise und beendete seine Arbeit, um nun doch vielleicht ein paar Stunden Schlaf zu finden. Zum Glück konnte er sich im Gegensatz zu Tobias seine Arbeitszeit einteilen. Tobias musste am nächsten Morgen wieder zur Uni, um sich einige Vorlesungen anzuhören oder aber zu Übungen zu gehen. Eben der ganz normale Tag eines Studierenden. Also würde er schlafen müssen, denn sonst würde er ganz sicher in einer Vorlesung einschlafen.
Besonders in seiner ersten, die gleich um 8 Uhr beginnen würde und die immer sehr einschläfernd war. Seufzend machte er das Licht seiner Schreibtischlampe aus und tapste im Dunkeln zu seinem Bett. Er stolperte über etwas und landete ziemlich unsanft auf dem Boden. Tobias stieß einen Schmerzenslaut aus und verfluchte seine Unordnung.
Ächzend stand er wieder auf und humpelte die letzten Schritte zu seinem Bett, um sich dort einfach fallen zu lassen. Er zog die Decke über sich und rollte sich zusammen. Schon wenig später war er im Land der Träume.

In den nächsten Tagen konnte Tobias sich einfach nicht aufraffen, Michael anzurufen. Immer wieder war er kurz davor, aber machte im letzten Moment einen Rückzieher. Er wusste selbst nicht, warum er das tat. Eigentlich war er sich ziemlich sicher, dass er absagen wollte. Aber etwas sagte ihm, dass er sich eben doch nicht so sicher war, wie er es eigentlich sein müsste. Und dieser Gemütszustand bereitete ihm Sorgen, denn schon bald musste er seine Hausarbeit fertig haben.
Und die Klausuren ließen auch nicht mehr lange auf sich warten. Er musste sehr viel lernen und das konnte er nicht, wenn er zu abgelenkt war. Der junge Student verzweifelte langsam. Wenn das so weiter ging, würde ihm das Studium über den Kopf wachsen und er wollte eigentlich fertig werden und einen guten Abschluss haben. Nur wie er das schaffen sollte, war ihm langsam aber sicher schleierhaft.
Immer wieder kam ihm der Gedanke, den Aktfotografen doch um Hilfe zu bitten. Denn schließlich hatte es dieser Tobias ja angeboten. Außerdem würde er über die Geschichte der Fotografie ganz sicher mehr wissen, als Tobias. Nur traute Tobias sich einfach nicht, ihn endlich anzurufen. Nachdem eine Woche vergangen war, riss er sich zusammen und ging zur Telefonzelle. Davor atmete er noch einmal tief ein und ging dann in das miefige Ding.
Er kramte die Visitenkarte aus seiner Hosentasche und begann, nachdem er einige Münzen eingeworfen hatte, zu wählen.
Ungeduldig wartete er, während aus dem Telefon ein regelmäßiges Tuten erklang. Einerseits wollte er, dass Michael endlich ran ging, andererseits hatte er Angst davor. Doch er wusste auch nicht, wenn Michael nicht ran ging, ob er jemals wieder den Mut aufbringen würde. So wartete er weiterhin und wurde belohnt.
Der Hörer wurde plötzlich abgenommen und eine gehetzte Stimme fragte: „Hallo?“
Tobias schluckte. Alles, was er sich zurecht gelegt hatte, war verschwunden.
„Hier ist Tobias“, brachte er deshalb mühsam raus.
Am anderen Ende der Leitung blieb es einen Moment still.
„Hallo Tobias! Schön das du anrufst.“, ertönte wieder die ruhige Stimme von Michael, der nun auf einmal vollkommen ruhig war.
„Hallo Michael…“, antwortete Tobias und wusste einfach nicht weiter. Auch zeigte ihm das Telefon an, dass sein Geld bald alle war. Im Stillen verfluchte er die Telekom.
Bevor das Schweigen zu unangenehm wurde, erklang wieder Michaels Stimme.
„Was ist denn, Tobias?“
„Ich…. Du … hattest… wolltest… mir doch bei meiner Hausarbeit helfen.“
Tobias könnte sich ohrfeigen. Das war ja nun das Blödeste, was er jemals raus gebracht hatte. Es klang doch wie eine Forderung, dabei sollte es eine Bitte sein.
„Ach stimmt ja! Wann hast du denn Zeit?“, fragte Michael und schien das gar nicht so wahrgenommen zu haben.
Tobias ging seinen Zeitplan kurz durch, bevor er antwortete.
„Ich denke, heute? Wenn du keine Zeit hast….“
„Das passt sehr gut!“, unterbrach ihn einfach Michael, „Kommst du zu mir?“
„Ok… In einer Stunde?“
„Ja, ist gut. Bis nachher dann!“
Tobias kam nicht mehr dazu sich zu verabschieden, da die Telekom der Meinung war, die Verbindung wegen Geldmangels unterbrechen zu müssen. Und so hielt er nur noch einen tuteten Hörer in der Hand. Langsam legte er auf und verließ Telefonzelle. Er atmete erst einmal tief durch, während er zu seinem Wohnheim zurückging.
Dort suchte er seine Sachen zusammen und zog sich schnell noch um. Verwundert stellte er fest, dass er heute mehr auf sein Äußeres achtete, als er es sonst tat. Tobias schnappte sich seine Sachen und ging aus seinem Zimmer raus, schloss hinter sich ab und lief zur Straßenbahnhaltestelle.
Während er mit der Straßenbahn fuhr, hing er seinen Gedanken nach. Vielleicht war das heute ein Fehler. Doch er hatte einfach keine Wahl. Die Universitätsbibliothek hatte einfach nichts Vernünftiges da. Und der Rest war ausgeliehen von Studenten, die diese Fachliteratur ebenso für ihre Hausarbeiten brauchte. Während er ausstieg und zu Michael ging, überlegte er, ob dieser ihn noch immer fotografieren wollte.
Er hatte Fotos von sich noch nie gemocht und so gab es auch nur sehr wenige von ihm. Ihn selber hatte dies noch nie gestört. Doch seine Eltern meinten in den regelmäßigen Abständen, dass er so nie Erinnerungsfotos haben würde.
Bevor er weiter denken konnte, stand er vor der Haustür, die zu Michaels Wohnung führte. Zögernd klingelte er. Es summte und Tobias drückte gegen die Haustür, die daraufhin nachgab und ihn einließ. Er stieg die Treppen empor bis er keuchend bei Michael angekommen war, der an den Türrahmen gelehnt, auf ihn wartete.
Michael lächelte und ließ ihn ein.
„So viele Stufen sind es doch gar nicht.“, zog Michael ihn auf.
Tobias erwiderte darauf nichts, sondern ließ sich, nachdem er sich von seinen Schuhen befreit hatte, auf der Couch im Wohnzimmer nieder. Sein Atem normalisierte sich schon bald wieder. Michael kam mit einem Tetrapack Orangensaft, zwei Gläsern und einigen Büchern wieder. Tobias sprang auf, um ihm etwas abzunehmen. Während sie alles auf dem Tisch verteilten, arbeiteten sie schon eifrig an Tobias Aufgabe.
Über das Fotografieren an sich redeten sie zu Tobias Erleichterung nicht mehr, nur eben über die Geschichte an sich. Nachdem sie einige Stunden fleißig gearbeitet hatten und die Arbeit so gut wie fertig war, ächzten beide und fielen zurück in ihre bequemen Sitzgelegenheiten.

Michael sah ihn nachdenklich an.
„Du lässt dich heute nicht von mir fotografieren?“
Der Aktfotograf setzte seinen besten Bettelblick auf und hoffte, dass er so doch noch Chancen hatte.
Tobias lachte auf.
„Du gibst echt nicht auf, oder?“
„Nein. Biiitte!“
Der Jüngere schnitt eine Grimasse und versuchte sich heraus zu winden.
„Ich bin überhaupt nicht fotogen.“
„Das kannst du mir überlassen.“
„Ich kann aber nicht.“
„Doch du kannst!“
Michael war unerbittlich und schlug sämtliche Argumente in den Wind, so dass Tobias sich am Ende schließlich geschlagen geben musste.

Anklagend sah Tobias den Fotografen an. Dieser grinste nur unbeeindruckt. Dann stand er auf, zog Tobias hoch und schließlich hinter sich her.
„Ich will aber nicht!“, jammerte Tobias.
Michael ignorierte dies geflissentlich und schob ihn schließlich vor sich her in das Zimmer, welches Tobias bereits kannte. Dort drückte er ihn in einen Sessel und machte sich daran einen Fotoapparat einsatzbereit zu machen. Tobias drückte sich in das weiche Polstermöbelstück und versuchte eine Fluchtmöglichkeit zu finden.
Michael drehte sich um und sah Tobias nachdenklich an. Er legte den Fotoapparat zur Seite und ging auf Tobias zu. Vor ihm hockte er sich hin und legte eine Hand auf Tobias’ Knie.
„Tobias, was ist los? Dir passiert doch nichts.“
Dieser sah ihn nur kläglich an. Michael seufzte und zog ihn zu sich runter in seine Arme. Tobias drückte sich nur zögernd an ihn.
„Was ist denn los, Tobias?“
Der Jüngere zuckte leicht mit den Schultern und wusste nicht, was er antworten sollte. Beruhigend streichelte Michael ihm über den Rücken. Der Student genoss diese Berührungen sehr, dennoch löste er sich von ihm.
„Ich mag einfach keine Fotos von mir.“, murmelte Tobias.
„Wieso denn? So schlecht siehst du doch gar nicht aus.“
Daraufhin wurde Tobias rot und schüttelte abwehrend den Kopf.
„Ich? Nein, bestimmt nicht!“ Entschieden schüttelte Tobias auf diese Behauptung seinen Kopf.
Michael drückte ihn auf den weichen Teppich, so dass er über ihm war und sah ihn frech grinsend an.
„Doch!“
Er piekste ihn leicht in die Seiten, so das Tobias auf quietschte. Das reichte dem Fotografen und schon begann er ihn durchzukitzeln.
„Niiihiiicht!“, lachte Tobias und versuchte sich unter ihm hervor zu winden. Doch Michael war stärker und schaffte es Tobias unten zu halten, in dem er sich einfach auf ihn setzte.
„Gnade, bitte!“, flehte Tobias und japste.
„Was bekomm ich denn dafür?“
Plötzlich waren sich ihre Gesichter nah und sie spürten ihrer beider Atem, der eine Gänsehaut verursachte. Tobias sah ihm verwirrt in die moosgrünen Augen. Michael dagegen schien mit sich zu kämpfen. Schließlich löste er sich von ihm und bewegte sich von ihm weg.

„Entschuldigung.“, flüsterte Michael und setze sich in einiger Entfernung zu ihm hin.
„Entschuldigung? Wofür?“
Verwirrt richtete Tobias sich auf und sah ihn mit großen Augen an.
„Ich wollte dich nicht erschrecken oder dir zu nahe treten.“
„Das hast du aber nicht!“, protestierte Tobias und rückte näher zu ihm. Erstaunt sah ihn Michael an.
„Nicht?“, fragte er ungläubig.
„Nein!“ Bekräftigend nickte Tobias.
„Das ist schön.“, flüsterte Michael mit aufleuchtenden Augen.
Tobais stand auf und setzte sich entschlossen in den Sessel. Nun sah ihn Michael verwirrt an.
„Was ist jetzt, Herr Fotograf? Wolltest du mich nicht unbedingt fotografieren?“
Grinsend stand Michael ebenfalls auf und stützte sich mit beiden Händen links und rechts auf den Sesselarmlehnen ab, bevor er sich zu ihm hinab beugte.
„Das heißt, Herr Aktfotograf. Und ja, ich will dich fotografieren!“, meinte er, bevor er ihn auf die Nasenspitze küsste.
Während Michael seine Kamera holte, saß Tobias vollkommen baff im Sessel und musste sich erst einmal fangen. Michael drehte sich nun wieder um und musste feststellen, dass Tobias mit diesem leichten Rotschimmer sehr niedlich aussah. Aber der Student schien sich wieder zu fassen.
„Machst du das mit jedem, den du fotografierst?“
„Nein.“, antwortete Michael grinsend, „Nur mit denen, die ich niedlich finde.“
Langsam wusste Tobias wirklich nicht mehr, was er denken oder fühlen sollte. Dazu verwirrte ihn dieser Fotograf zu sehr.
„Hast du damit ein Problem?“, erkundigte Michael sich, in der Hoffnung so mehr über Tobias zu erfahren.
„Nein. Dann müsste ich ja ein Problem mit mir haben.“, antwortete Tobias geistesabwesend.
Diese Antwort zauberte ein Strahlen auf Michaels Gesicht. Er ahnte, dass er mit diesem bescheuerten Grinsen auf dem Gesicht mehr als nur dämlich aussah. Aber er konnte es einfach nicht verhindern. Dafür freute er sich zu sehr über Tobias’ Antwort.
Tobias dagegen war zu dem Entschluss gekommen, einfach alles auf sich zukommen zu lassen. Michael war ihm schließlich sympathisch und er schien nicht der Typ zu sein, der gleich über ihn herfallen würde. Also sah er ihn aufmerksam an und ignorierte Michaels Grinsen einfach.
„Was muss ich denn machen?“, erkundigte er sich und holte so den Aktfotografen wieder in die Realität zurück.
„Hm? Ach so, du musst dich einfach nur ganz normal verhalten.“
„Aha!“, antwortete Tobias skeptisch.
, fragte er sich selbst.
Also setzte er sich probeweise bequem hin und wartete einfach ab. So konnte er gleich seinen neuen Grundsatz erproben.
„Nein, nicht so verspannt!“, rief Michael und lief zu ihm.
„Soll ich dich noch mal küssen oder entspannst du dich selber?“, fragte Michael ihn sanft, fast liebevoll.
, rief es in Tobias. Konsequent unterdrückte er dies und versuchte sich zu entspannen.
Michael ging ein Stück von ihm weg und fing an zu knipsen. Tobias musste in der nächsten Stunde immer wieder seine Position verändern, bis Michael schließlich zufrieden war und ihn erlöste. Aufseufzend stand Tobias auf und schaute ihn gequält an.
„War es so schlimm?“
„Du bist ein Sklaventreiber!“ Anklagend wurde Michael angesehen.
Tobias packte seine Sachen ein und wollte sich auf den Heimweg machen.
„Ich denke, den Rest schaffe ich auch alleine. Danke!“
Michael lächelte ihn an und wünschte ihm viel Glück.
„Ich will die Fotos sehen, wenn sie fertig sind.“, murmelte Tobias.
„Klar! Gib mir deine Nummer, dann ruf ich dich an.“
Tobias verzog das Gesicht.
„Geht nicht. Ich hab kein Telefon oder Handy. Bin auf die Telekom angewiesen, dass sie ihre Telefonhäuser weiter betreiben.“
„Oh. Ja dann, rufst du mich an? Oder soll ich bei dir vorbeikommen?“
Tobias überlegte kurz und schrieb ihm schließlich seine Adresse auf. Danach verabschiedeten sie sich. Tobias’ Heimweg verlief wieder einmal vollkommen unspektakulär. So kam er schnell im Studentenwohnheim an und schmiss seine Sachen einfach in eine Ecke. Er würde daran später arbeiten. Nun machte er sich erst einmal etwas zu essen und versuchte sein Chaos etwas zu beseitigen.

Einige Tage später war er froh, dass er seine Hausarbeit so schnell fertig hatte. Tobias hatte den Abgabetermin völlig vergessen und so konnte er sie noch fristgerecht bei seinem Professor abgeben. Vollkommen befreit lief er also über das Unigelände zwischen den backsteinroten Gebäuden zum Studentenwohnheim, in dem er wohnte. Jetzt hatte er noch zwei Monate Zeit, um sich auf die Klausuren vorzubereiten.
Doch jetzt schob er diesen Gedanken erst einmal weit von sich weg. Er wollte den heutigen Tag genießen. Die Sonne schien und nur wenige Wolken waren zu sehen. Tobias genoss dies sehr, ebenso wie die anderen Studenten, die in Grüppchen zusammenstanden oder auf den Bänken saßen.
Schließlich waren die Wintermonate lang genug gewesen und dieses Wetter war sehr willkommen. Tobias lief träge die Treppen hinauf zu seinem Zimmer und beschloss zu duschen. Er schnappte sich sein Duschzeug und zog sich schon einmal so weit aus, dass er eigentlich nur noch unter die Dusche springen musste. Ein Bademantel bedeckte den größten Teil seines Körpers, so dass er ohne Probleme in den Duschraum gehen konnte.
Einige Minuten später kam er erfrischt zurück und band sich in seinem Zimmer ein Handtuch um die Hüften. Hier brauchte er sich keine Sorgen zu machen, falls es runter rutschen würde. Den Bademantel schmiss er erst einmal auf den Boden. Den konnte er wegräumen, wenn er sich angezogen hatte. Also wühlte er in seinem Schrank rum.
Doch noch bevor er irgendetwas rausholen konnte, klopfte es an seiner Tür. Fluchend stand er da und ging zur Tür, um diese einen Spalt zu öffnen und dann hinaus zu schauen. Doch mit demjenigen, den er dort erblickte, hatte er nicht gerechnet.
„Michael! Was machst du denn hier?“, fragte Tobias und vergaß ganz, wie leicht bekleidet er hier stand. Dabei verrutschte sein Handtuch leicht.
„Eigentlich wollte ich dir nur die Fotos zeigen, aber ich glaube, ich warte lieber noch bis zu angezogen bist.“
„Ups… ähm ja… besser wäre das wohl. Warte einen Augenblick.“
Hastig rückte er sein Handtuch wieder zurecht und schloss eilig die Tür. Er lehnte sich gegen die Tür und versuchte sich erst einmal zu beruhigen, bevor er zum Schrank schoss und dort nach passablen Klamotten zu suchen, die er eilig anzog. Dann lief er wieder zur Tür, um diese endgültig zu öffnen und Michael einzulassen.
Sein Herz hatte sich mittlerweile wieder beruhigt, als Michael eintrat. Die leichte Unordentlichkeit übersah dieser großzügigerweise einfach mal. Bei ihm sah es schließlich an manchen Tagen genauso aus. Sie setzten sich auf Tobias Bett, da dieses einfach bequemer war, und schauten sich die Fotos an.
Tobias war erstaunt, wie anders er darauf aussah. Er sah irgendwie lebendiger aus und schien nicht so mürrisch zu sein, wie es sonst immer wieder aussah, wenn man ihn fotografierte. Doch diese Fotos waren anders. Beeindruckt gab er sie zurück.

„Siehst du. So schlimm wie du meinst, siehst du echt nicht aus.“
Triumphierend sah Michael zu Tobias. Dieser musste ihm dieses Mal Recht geben. Er konnte dies nun wirklich nicht abstreiten.
„Und jetzt willst du mich weiter fotografieren?“, fragte Tobias dennoch misstrauisch.
„Wer weiß.“, antwortete Michael geheimnisvoll, „Willst du den ganzen Tag hier hocken oder hast du Lust raus zu gehen?“
Tobias überlegte kurz und entschied sich dafür, dass das raus gehen eine bessere Alternative war. Wer wusste schon, ob er in den nächsten Tagen die Zeit dazu finden würde oder ob das Wetter wieder umschlug.
„Gehen wir raus!“
Michael lächelte wissend und so liefen sie schon bald durch einen Park mit Seen, auf denen Enten und Schwäne schwammen. Michael leitete ihn zu einer versteckten Stelle, an der sie vollkommen ungestört waren und auch genügend Sonne schien, so dass ihnen nicht kalt werden würde. Es roch nach frisch gemähtem Gras und überall zwitscherten Vögel.

Wie wohl in jedem Frühling liefen Pärchen durch den Park. Auch die Tiere suchten sich einen Partner. Tobias musste bei diesem Gedanken lächeln. Sollte das etwa heißen, dass er selber dies auch tat? Vorsichtig schielte er zu Michael hin und spürte Schmetterlinge in seinem Bauch. Diese hatte er bisher immer versucht zu ignorieren.
„Wollen wir hier bleiben?“, fragte plötzlich Michael und deutete auf eine Wiese, die in der Sonne lag. Auch waren in dieser Ecke des Parks kaum Menschen und sobald sie vom Weg abgingen, waren sie vollkommen ungestört. Zum Weg hin wuchsen einige Büsche und verhinderten neugierige Blicke. Die ganze Wiese war fast durch Büsche und Bäume abgeschirmt. Ein kleiner Bach plätscherte munter mitten durch die Wiese.
Tobias ließ sich auf dem Boden nieder und sah sich um.
„Es ist schön hier.“
Michael ließ sich neben ihm nieder und lächelte. Tobias sah ihn an und zog die Augenbrauen hoch.
„Wieso hab ich das Gefühl, dass du irgendetwas mit mir vorhast?“
„Keine Ahnung!“, antwortete Michael unschuldig.
Zu unschuldig, wie Tobias fand. Michael rutschte näher zu ihm und nahm vorsichtig seine Hand. Tobias zuckte leicht zusammen durch die plötzliche Berührung.
Der Fotograf zog ihn vorsichtig näher zu sich und sah ihm in blauen Augen. Tobias merkte, wie er den Atem anhielt und atmete langsam wieder aus und ein.
„Du willst mich schon wieder fotografieren?“, fragte Tobias leise.
„Nein, dass wollte ich eigentlich nicht.“, hauchte Michael.
„Und was willst du dann machen?“
Doch statt zu antworten, beugte Michael sich zu ihm und hauchte ihm sanft einen Kuss auf die Lippen. Tobias fühlte die weichen Lippen auf seinen und erwiderte vorsichtig diesen ersten schüchternen Kuss.
Die Zeit schien stillzustehen als sie sich wieder voneinander lösten. Michael legte sich der Länge nach in das Gras und zog Tobias mit sich, so dass dieser mit seinem Kopf auf dessen Brust zu liegen kam. Die Welt drehte sich weiter, während die beiden jungen Männer ruhig liegen blieben.

Michael sah auf Tobias’ braunen Wuschelkopf, welcher noch immer auf seiner Brust lag und bemerkte, wie Tobias etwas sagen wollte, doch sich nicht so recht traute.
„Was ist?“
„Ich… Wieso willst mich eigentlich… unbedingt … nackt fotografieren?“
Ein zartes Rot bedeckte Tobias Wangen und machte ihn damit gleich begehrenswerter für Michael.
„Weil ich dich einfach niedlich finde. Und außerdem hab ich ja schon einen kleinen Vorgeschmack bekommen.“
Tobias sah ihn leicht entsetzt an. Der Fotograf lachte leise.
„So schlimm?“
„Ich… könnte ja… wenn… hier … niemand…“, stotterte Tobias und versuchte einen vernünftigen Satz raus zu bringen.
Michael sah ihn überrascht an und zog ihn zu sich hoch.
„Meinst du das ernst? Oh und hier kommt eigentlich niemand hin. Diesen Platz scheinen nur wenige zu kennen und für viele ist das Wetter noch zu frisch.“, beruhigte Michael ihn und beglückwünschte sich im Stillen, dass er doch noch seine Kamera mitgenommen hatte.
Tobias nickte schüchtern und hoffte, dass er das Richtige getan hatte.
„Du brauchst keine Angst zu haben. Ich pass schon auf dich auf!“, flüsterte Michael und küsste ihn noch einmal, bevor sie aufstanden. Schnell hatte der Fotograf einen Platz gefunden, an dem sein Model sicherlich nicht frieren würde. Denn noch war es April und damit noch sehr frisch und er wollte ja nicht, dass Tobias sich erkältete.
Während sich Tobias immer schüchterner werdend, auszog, lächelte Michael und kam zu ihm, um ihn in die Arme zu schließen.
„Willst du wirklich?“
Tobias nickte einfach nur und genoss den warmen Körper an seinem. Endlich war Tobias soweit, nur noch mit seiner Boxershort bekleidet. Michael fing lächelnd an, die ersten Bilder zu knipsen. Immer sicherer werdend, posierte Tobias und bemerkte, dass es ihm tatsächlich Spaß machte. Nun, wer wusste schon, was die Zukunft noch alles für Überraschungen bereithielt.

Ende
Aktualisiert: 18/04/09
Veröffentlicht: 18/04/09
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Mahadevi am 26/04/09 17:09
total süß, aber ganz schön schüchtern der kleine ^^

Antwort des Autors ChichiU (01/05/09 17:24):
Danke dir!
Kapitel 1
waidgnom am 23/05/09 14:46
Wenn man diese Geschichte liest, versteht man sofort was Michael an Tobias so niedlich findet. Tobias ist ja sooo süss und schüchtern. Wenn man es schafft Tobias so auf ein Foto zu bannen ,ja das wäre toll.Dein Geschichte läßt sich sehr schön lesen.Bloß bei den Titel hättest du dich mehr anstrengen müssen.Der ist ziehmlich öde, wie ein Tao in der Uni. *grins*

Antwort des Autors ChichiU (25/05/09 14:30):
Ich bin im Titelvergeben leider nicht gut.^^" Aber dank dir.
Kapitel 1
Monsterli am 18/06/09 13:06
Also, ich mag den kleinen One-shot ja...irgendwie *lach* Aber mir ist was aufgefallen, und zwar: , rief es in Tobias. Konsequent unterdrückte er dies und versuchte sich zu entspannen...da fehlt was, und in einem Satz ein paar Zeilen davor, fehlt auch nochmal was oO

Antwort des Autors ChichiU (18/06/09 19:37):
oh. ich werd mal demnächst schauen. vielen dank
Kapitel 1
Angel am 20/07/09 21:44
Ähm kann es sein, dass du ein paar Sätze vergessen hast? Da heißt es einmal ", fragte er sich selbst." und davor war ein Punkt und kein Satz. Ein paar Zeilen weiter unten fehlt noch einmal etwas.

Antwort des Autors ChichiU (28/07/09 15:29):
ups. Nein, das muß ein Tippfehler gewesen sein. Vielen Dank! ich werd das mal in den nächsten Tagen durchschauen.
chi
Kapitel 1
martin1112 am 28/07/09 07:45
wunderbar beschrieben. dies zarte unsicherheut ebenso dieses schüchtern. man hat beim lesen immer ein zartes schmunzeln auf dem lippen.

liebe grüße martin
Kapitel 1
maia am 30/03/11 23:22
tobias unsicherheit und vor allem die tatsache, dass es ihm unendlich peinlich erscheint mit dem bildband erwischt worden zu sein hast du sehr gut rübergebracht...
das lag wahrscheinlich hauptsächlich daran, dass du die situation sehr gut geschildert hast...da hat es gereicht nur noch tobias gesichtsfarbe zu erwähnen uns schwupps- leidet man ein wenig mit tobias mit...
im mittelteil hast du dann zwei sätze vergessen, aber das ist auch schon anderen lesern aufgefallen;)
Kapitel 1
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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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