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Antwort auf Deischys "Ein ganz normaler Tag" Challenge.
Ein ganz normaler Tag eben, mehr nicht.

Genres: Reale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Zucker
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine
Challenges: Ein ganz normaler Tag

Kapitel: 1     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

Wörter: 4764     Klicks: 9434
Veröffentlicht: 23/04/10 Aktualisiert: 23/04/10
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Anmerkungen zur Geschichte
Ich habe das hier während dem Unterricht geschrieben, man möge mir das fehlende Beta verzeihen.
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1. 1

Ein ganz normaler Tag

Felix erwachte war es noch dämmrig draußen, durch das gekippte Fenster drang der Gesang der Vögel in ihr Schlafzimmer genau wie die Kälte. Murrend kniff er die Augen zusammen und zog sich die Decke über den Kopf.
Sein Freund konnte nur bei offenem Fenster schlafen, war aber – mal wieder – nicht da.
Irgendetwas stimmte mit der Decke nicht. Jetzt war ihm zwar am Oberkörper warm, aber seine Füße froren.
Missmutig tastete er nach dem Wecker auf dem Nachttisch und lugte unter der Decke hervor auf das Leuchtzifferblatt.
6 Uhr, was für eine unchristliche Zeit um aufzustehen.

So gut es ging rollte er sich unter der völlig verdrehten Decke zusammen, hielt es aber nicht mehr lange in ihrem gemeinsamen Bett aus. Überall roch es nach Patrick und dem was sie gestern Abend getan hatten und machte es so nur noch unerträglicher hier alleine liegen zu bleiben.

So überwand er sich schließlich und hievte seinen Körper in eine aufrechte Position. Kaum war die Decke verschwunden begann er zu frösteln, was seiner Motivation schnell ins Bad zu kommen erheblich anhob.

Unter der warmen Dusche wurde er erst so richtig wach und während das warme Wasser über seinen Körper floss, hoffte er inständig das Patrick Kaffee aufgesetzt und ihm davon auch noch etwas übrig gelassen hatte.
Nach seinem Morgenritual saß er schließlich in der wesentlich besser temperierten Küche und schlürfte Kaffee. Natürlich war noch genügend übrig gewesen, auf seinen Freund konnte er sich zumindest in der Hinsicht verlassen. Immerhin, sie waren beide sozusagen Kaffeejunkies und konnten ohne das schwarze Gold nicht überleben.

Ein Blick in den Kalender ließ ihn feststellen das er heute erst um neun eine Vorlesung hatte und jetzt mit jeder Menge freier Zeit da stand in der er nichts mit sich anzufangen wusste.
Alibi halber blätterte er durch seine Unterlagen, doch nach lernen war ihm nicht zu mute. Um wenigstens etwas sinnvolles mit seiner Zeit anzufangen räumte er das Schmutzgeschirr in die Spülmaschine und machte danach Ordnung im Schlafzimmer.

Nach einer dreiviertel Stunde war er fertig.

Es war jetzt viertel nach sieben, Zeit für eine SMS an seinen Schatz.

Guten Morgen mein Held, hab dich heute früh vermisst. Wie lange hast du heute?

Patrick während der Arbeit zu schreiben war ein Glücksspiel. Mitunter bekam er seine Antwort erst kurz bevor sich sein Angebeteter wieder auf den Rückweg machte weil er vorher keine Zeit fand – oder sein Handy schlicht überhörte.

***

Sachtes Vibrieren in seiner Hosentasche lenkte Patricks Aufmerksamkeit von den jungen Männern vor sich ab denen er gerade eigentlich beibringen sollte wie man ein Klettergeschirr richtig anlegte. Mit einem schnellen Blick in die Runde prüfte er ob gerade jemand seine Hilfe benötigte ehe er sich von der Gruppe weg drehte und sein Handy aus der Hosentasche zog.

Ein leichtes Schmunzeln huschte über seine Lippen als er den Text las. Felix war kuschelsüchtig und die Tatsache dass er ihn heute Morgen mal wieder hatte alleine lassen müssen, würde er heute Abend zu spüren bekommen. Trotzdem liebte er sein Kuschelmonster über alles.

Mit einem kurzen Schulterblick vergewisserte er sich ob noch alle beschäftigt waren und er noch Zeit hatte eine kleine Antwort zu tippen.

***

Felix hatte sich entschlossen ein wenig Fern zu sehen, musste aber feststellen das um diese Uhrzeit kein einziges Programm irgendetwas halbwegs sehenswertes ausstrahlte. Das Klingeln seines Handy war wie eine Erlösung und voller Freude stellte er fest, dass es tatsächlich sein Schatz war der ihm geantwortet hatte.

Tut mir leid wegen heute Morgen, holen wir nach. Werd wie immer Schluss haben. Abholen?

Einziges Manko bei seinem Freund, während der Arbeit war er selbst in den Nachrichten an ihn so romantisch wie ein Stein – gar nicht. Nein, eher noch weniger romantisch als ein Stein, denn die richtigen Steine konnten durchaus eine romantische Stimmung erzeugen.
Ob er ihn abholen sollte?
Er hatte wie immer Schluss, dann wäre er so gegen halb sechs in der Stadt, bis um sechs ging seine eigene Schicht im Laden – perfekt.

Schnell hackte er die Antwort in die Tasten und ließ sich wieder auf die Couch fallen. Sein Tag war schon wieder ein Stück weit besser geworden.

***

Von der Antwort seines Freundes bekam Patrick nichts mehr mit. Er war nun vollends mit seiner Ausbildung beschäftigt und musste sich konzentrieren. Immerhin, ein Fehler konnte Menschenleben kosten und deswegen prüfte er jedes Geschirr, jeden Knoten und jeden Verschluss auf das aller Genaueste.

Die nächsten zwei Stunden vergingen wie im Flug.
Rein in die Sicherung.
Ins Seil einhaken.
Abseilen.
Seil freigeben.
Der Nächste.

Immer wieder die gleichen Sätze, immer wieder die gleichen Handgriffe und immer bedacht nicht zu sehr in Routine zu verfallen. Das hier waren alles Frischlinge die vom Abseilen so viel Ahnung hatten wie ein Goldfisch. Es war eine kleine Belohnung diese Ausbildung, weswegen sie aber nicht weniger genau und korrekt durchgeführt wurde.

Als es endlich vorbei war und die Ausrüstung wieder vorschriftsmäßig verbracht worden war gönnte er sich fünf Minuten Pause mit einer Tasse heißem Kaffee.
Er liebte seine Arbeit, die ihm Spaß machte, immer wieder neue Herausforderungen bereit hielt und in der er wirklich in einem Team arbeiten konnte. Trotzdem gab es da auch diese Routine und in letzter Zeit zehrte es an ihm. Es herrschte absolute Personalknappheit und sie waren nur noch drei, mitunter nur zwei um die Arbeit von fünf Personen zu erledigen.

Nachdenklich schlürfte er den heißen Kaffee.
Sogar Felix, der eigentlich sehr viel Verständnis dafür aufbrachte das die Arbeit seines Freundes mitunter fordernd war und eben nicht der alltägliche Bürojob fing langsam an sich zu beschweren. Er brauchte Urlaub. Dringend und sobald Frank von seinem Lehrgang zurück war würde er sich welchen nehmen. Am besten er füllte heute schon den Antrag aus, nicht das ihm jemand zuvor kommen konnte.

Die Tür ging auf und sein Vorgesetzter kam herein, ließ sich neben ihn auf die Couch, die hier im Aufenthaltsraum stand, fallen.

„Und alles klar? Haben sich die Jungs gut geschlagen?“

„Na ja, gut war, es ist keiner ertrunken, schlecht war, wir waren gar nicht schwimmen.“ Ein Standartspruch.
„Nein, im Ernst sie haben sich ganz gut angestellt, sind alle heil unten angekommen und haben gut mitgemacht.“ Er grinste und streckte die Beine aus.

„Gut. Und heute Abend schon was vor?“ Fragend blickte sein Chef Patrick an.

„Ja, muss meinen Schatz von der Arbeit abholen und danach wieder gut machen das ich die letzten Male in der Früh nicht da war, sonst gibt es Stress zu Hause.“ Er grinste schief.
Obwohl er seinen Chef mochte und wusste das er ein intelligenter und auch eigentlich sehr toleranter Mensch war, wagte er es nicht zu sagen das sein Schatz ein Mann war. Die Schwulenfeindlichkeit war hier doch höher als anderswo und um keinen Preis der Welt wollte er die gleiche Katastrophe erleben wie ein Ehemaliger von ihnen. Darum schwieg er.

„Oh, na da will ich nicht für verantwortlich sein. Sag deiner Lady einen schönen Gruß von mir.“

„Werd ich machen.“ Bloß das mit der Lady würde er wohl lieber weglassen, sonst kratzte Felix ihm noch die Augen aus – oder bestand darauf am nächsten Tag seinem Vorgesetzten die Augen auszukratzen. Stellte sich nur die Frage was schlimmer wäre...
Während er darüber sinnierte, kam ihm sein Handy wieder in den Sinn.
Suchend kramte er in seiner Tasche herum bis er es gefunden hatte.
„Wenn man vom Teufel spricht.“ flapste er seinem Chef zu und dieser fing leise an zu lachen.

Ja, komm mich abholen. Freue mich schon. Ich liebe dich. *kuss*
Ein kleines Schmunzeln huschte über seine Lippen als er die SMS las, Felix war einfach unverbesserlich.
Brav, wie bestimmt schon sehnsüchtig von seinem Schatz erwartet schrieb er ihm eine Antwort.

Ebenso. Sei artig und stell nichts dummes an. Bis heute Abend.

***

Felix saß gerade mitten in seiner Vorlesung als die SMS kam. In weiser Voraussicht hatte er das Handy stumm geschaltet und versteckt hinter den Ordner auf den Tisch gelegt.
Die Vorlesung über irgendeine längst vergangene Schlacht an irgendeinem unbedeutenden Ort, die nicht einmal entscheidend war für den Ausgang des Krieges wurde augenblicklich leichter zu ertragen.

Manchmal fragte er sich schon was ihn dazu gebracht hatte Militärgeschichte zu studieren, eigentlich müsste man meinen es wäre interessant, aber irgendwie war die anfängliche Glorie die er, wie viele seiner Kommilitonen, darin gesehen hatte schnell verblasst.

Nachdenklich kaute er auf seinem Stift herum während ihr Professor irgendetwas von Nachschub und Wagentrossen erzählte.
Nachschub.
Stellte sich die Frage was sie beide heute zu Abend essen würden. Patrick hatte zwar die Möglichkeit in die Kantine zu gehen aber er tat es nicht wenn es sich vermeiden ließ, nach seinen Aussagen war das Essen dort grauenhaft und nicht runter zu bringen.

Die Stunden krochen quälend langsam dahin und Felix war froh als er endlich das Unigelände verlassen konnte.
Wenigstens war es nicht weit zu seiner Arbeit und das Wetter war gut, so konnte er den Weg wenigstens genießen.

In dem kleinen Imbiss in dem er hier zur Aushilfe arbeitete war außer ihm und einer denkbar merkwürdigen Kollegin – ebenfalls Aushilfskraft niemand zu sehen. Wohin der Chef schon wieder verschwunden war wusste niemand.
Nachdem er seine Schürze angezogen und die Theke ein wenig abgewischt hatte wartete er. Viele Kunden gab es nicht und manchmal wunderte es ihn schon das sich der Laden mit immerhin insgesamt drei Aushilfen rentierte.
Aber es war nicht sein Bier.
Er wurde hier gut bezahlt und musste dafür relativ wenig arbeiten.

Einige Kunden kamen, darunter auch ein paar Stammgäste mit denen er ein kleines Pläuschchen hielt, ansonsten war nicht viel los. Er wartete darauf das es endlich halb sechs wurde, weil dann zum einen bald Schluss war und er zum anderen seinen Freund endlich wieder sehen würde.

Schmunzelnd musste er an ihre erste gemeinsame Zeit denken, wie meistens wenn er nichts zu tun hatte.
Es war gar nicht leicht gewesen an seinen sturen Schatz heran zu kommen, denn in manchen Dingen war er so klischeehaft männlich das es nicht mehr feierlich.
Zudem war er nicht der Typ der so etwas wie eine große romantische Ader besaß. Er lebte in einer Welt der Fakten. Rosa Herzen dienten keinem höheren Zweck, wozu sollten sie dann also auch gut sein?
Oh ja, es war nicht immer einfach gewesen, besonders mit Patricks Arbeit.
Aber irgendwie wie war es immer gegangen und es war immer besser geworden.

Und dann, ja dann waren sie endlich zusammengezogen. Besser gesagt er war bei seinem Freund eingezogen. Raus aus dem Studentenwohnheim mit unangebracht hoher Miete in die geräumige Wohnung seines Liebsten. Viel her gemacht hatte sie damals noch nicht, noch so ein Punkt der sie beide unterschied.
Patrick hatte ihm damals die Erlaubnis gegeben sich auszutoben und alles so herzurichten wie es ihm gefiel, nur vom Arbeitszimmer hatte er die Finger lassen müssen, da war Patrick hart geblieben.

Seine Kollegin riss ihn mit einem undefinierbaren Brummen, dem einzigen Laut den er jemals von ihr gehört hatte, aus den Gedanken. Offensichtlich hatte er wieder angefangen wie eine Idiot zu grinsen. Er zuckte nur mit den Schultern und gab sich weiter seinen Tagträumen hin.

***

Während Felix auf der Arbeit die Muse hatte zu träumen quälte sich Patrick die Laufstrecke entlang.
Quälend war es vor allem deshalb weil er nicht sein Tempo laufen konnte, sondern sich immer einbremsen musste. So machte Sport definitiv keinen Spaß.
Seufzend joggte er auf der Stelle bis auch der letzte der Gruppe sich endlich eingefunden.

„Das ist der letzte Anstieg. Los noch einmal Gas geben! Dann geht es ab zurück.“ Mit diesen Worten sprintete er so schnell es ging den Berghang hinauf, gefolgt von mehr oder weniger stöhnenden jungen Männern. Ein leicht verächtliches Schnauben entkam ihm, er konnte es einfach nicht verstehen wie manche sich so gehen lassen konnten wie er es hier erlebte. Nicht jeder konnte ein Supersportler sein, aber der Grad der Unfitness der sich ihm hier immer wieder offenbarte eignete sich gut dazu seine Wut zu wecken.
Das war nicht nur peinlich sondern auch ungesund!
Kopfschüttelnd lief er weiter.
Seine Oberschenkel zogen und in den Waden zwickte es.
Da ging noch mehr.
Auf die letzten gut hundert Meter steigerte er sein Tempo noch einmal ehe er oben auf der Kuppe locker im Kreis auslief und wieder auf seine Gruppe wartete. Der Letzte, ein recht dicklicher Kerl der ihn irgendwie an ein Schweinchen erinnerte kam auch endlich angekeucht. Sein Gesicht war hochrot und er atmete so laut wie eine alte Dampflock schnaufte.

Wunderbar, das konnte mal wieder ein Rückweg werden.

In langsamen Tempo trabte er den Berg hinunter und endlich gelang es allen an ihm dran zu bleiben. Patrick hatte das Gefühl rückwärts zu gehen, aber es hatte ja keinen Sinn die armen Kerle zu Tode zu schinden, immerhin würde ihr Tag noch etwas länger gehen als sein eigener.

Erfolgreich motivierte er sich selbst mit dem Gedanken an die heiße Dusche nachher und das er danach nur noch einen Unterricht würde halten müssen bis er nach Hause konnte.
Während er lief ließ er seine Gedanken treiben und so brachte er wenigstens den Rückweg einigermaßen entspannt hinter sich ohne noch ein einziges Mal laut werden zu müssen.
Endlich vor dem Gebäude angekommen ließ er die Jungs sich noch ein wenig dehnen, natürlich nur unter seiner Anleitung denn sonst würde es wohl doch noch einer schaffen sich selbst die Schulter auszurenken oder so.

Schon wollte er sie rein schicken sich zu duschen und wieder umzuziehen, als die Frage kam auf die er zum einen zwar irgendwie gewartet hatte, die es aber dennoch schaffte seinen Puls augenblicklich wieder nach oben zu treiben.

„Können wir noch eine Rauchen gehen?“
Für einen Augenblick waren sie alle ganz still. Erstaunlich, wenn es um so etwas ging hatte man immer ihre volle Aufmerksamkeit.

Patrick atmete tief durch. Er wollte eigentlich gar nicht schon wieder wütend werden, aber was dann kam setzte dem ganzen die Krone auf.

„Wir haben doch auch gut mitgehalten.“

Jetzt war es so weit im platzte der Kragen.
„Sie glauben Sie haben was?! Ich habe mich wohl verhört! Das war eine grauenhafte Vorstellung! Selbst meine Großmutter läuft schneller als Sie! Kommen Sie erst einmal mit sich selbst klar ehe Sie so dumme Fragen stellen!“ Wütend funkelte er die jungen Männer an.
„Sofort weg jetzt! Duschen und umziehen! Zeitansatz 30 Minuten!“
Kurz ließ er seinen Blick in die Runde schweifen.
„Was ist denn da los?! Sie könnten schon längst weg sein!“

Und dann rannten sie.
Sieh an, ging doch? Warum hatten sie das vorhin nur nicht gemacht?

Als auch der letzte von ihnen im Gebäude verschwunden war, ging auch Patrick nach drinnen.
Auf die Frage seines Vorgesetzten was da los gewesen war, zuckte er nur mit den Schultern.
„Das Übliche. Abkotzen und dann auch noch Belohnung wollen, da hab ich sie kurzfristig etwas mehr beschleunigt.“

„Die lernen's auch nie.“

Grinsend wollte Patrick seines Weges in Richtung Dusche weiter ziehen als er noch einmal aufgehalten wurde.
„Ach ja, den Unterricht müssen wir verschieben. Die müssen jetzt zum Tauschen, du kannst also ein bisschen eher Schluss machen. Damit kannst du bei deiner Lady bestimmt Boden wett machen.“

Ein freudiges Strahlen huschte über Patricks Gesicht.
„Danke! Okay, dann geh ich duschen und bin dann weg.“

„Alles klar, einen schönen Abend wünsch' ich dir noch.“

„Ebenso.“
Nach kurzem Händeschütteln trennten sich die beiden und Patrick bekam endlich seine ersehnte Dusche.

Eher Schluss war gut und insgeheim hatte er damit schon gerechnet, denn der Chef hatte heute Früh bei der Besprechung schon so etwas angedeutet.
Gut für ihn.
So hatte er jetzt mehr Zeit um unter diesem herrlich warmen Wasser zu stehen und er konnte sogar noch einkaufen gehen bevor er Felix abholte, denn dazu hatte sein Freund nach der Arbeit nie Lust.

Das mit dem Genießen relativierte sich aber recht schnell als die anderen kamen. Sie waren etwas länger unterwegs gewesen, was auch daran lag, dass sie nicht lauter solche Flachpiepen in ihren Gruppen gehabt hatten.

Der Lärmpegel stieg deutlich an und außerdem begannen wieder diese dämlichen Witze auf die er bestenfalls mit ablehnender Reserviertheit reagieren konnte.
Normalerweise waren sie ja ganz nett und er mochte die ganze Bagage, aber die ewigen dummen Schwulenwitze gingen ihm mitunter gewaltig gegen den Strich. Allerdings, er hatte es auch aufgegeben etwas dagegen zu sagen, das war als wollte man gegen den Sturm anschreien – schlichtweg sinnlos.

„Also macht's gut, ich bin dann weg.“ verabschiedete er sich in den Tumult hinein.

Zur Antwort bekam er irritierte Blicke.
„Was, wieso das denn?“ kam schließlich die Frage von Oli.

„Mein Unterricht fällt aus und el Chefe hat gesagt ich kann gehen damit ich zu Hause keine Ärger bekomme.“ Er zwinkerte ihnen.

„Ah so, dann mach's besser...und bleib schön artig.“

Belustigt schnaubend zog Patrick eine Augenbraue nach oben.
„Das sagt mir jemand der inzwischen drei Kinder hat und genauso alt ist wie ich...“

„Hey!“

„Ja, ja, also bis morgen.“
Mit einem letzten Winken verließ er die Dusche begleitet von den lautstarken Verabschiedungen der anderen.

***

Felix stöhnte.
Seine Kollegin war eigentlich ganz in Ordnung. Keine von den aufgetakelten Tussen und sie erledigte ihre Arbeit in der Regel gut und schnell, aber heute war entweder nicht ihr Tag oder sie wollte ihn ärgern.

Sie hatte im Kühlraum einen ganzen Stapel Paletten mit abgepacktem Fleisch umgeschmissen – und wer durfte es aufräumen? Er.
Das war so ungerecht! Okay, sie hatte wirklich nicht die Kraft die schweren Paletten alle zu stapeln und das musste man um sich in dem Kühlraum wenigstens noch umdrehen zu können.
Trotz der Kälte lief ihm der Schweiß die Stirn hinunter und er war froh als er endlich fertig war.

„Ich mach kurz Pause, muss mich auftauen.“ Mit diesen Worten ging er in den kleinen Hinterhof und setzte sich in die Sonne auf einen der Stühle.
Gleichzeitig frieren und schwitzen war wirklich nicht angenehm.
Den Kopf in den Nacken gelegt und die Augen geschlossen saß er da und genoss die Wärme. Am liebsten wäre er hier bis zum Ende seiner Schicht geblieben, aber das war natürlich nicht möglich.

Nach fünf Minuten bereitete er sich zumindest innerlich darauf vor wieder an die Arbeit zu gehen, als sich plötzlich zwei Hände über seine Augen leckten.
Mit einem erschreckten Schrei kam er in die Höhe und wirbelte herum. Was er sah war Patrick amüsiert über seine Reaktion leise vor sich hin lachte.

„Patrick!“ motzte er ihn an.
„Was fällt dir ein mich so zu erschrecken? Ich hätte einen Herzinfarkt bekommen können.“
Diese Aussage brachte den Schwarzhaarigen nur dazu noch lauter zu lachen.

„Entschuldige bitte, ich wusste nicht das du heute so empfindlich bist.“ In seiner Stimme schwang neckender Spott mit und Felix verschränkte die Arme vor der Brust.
„Gar nicht nett was du da gemacht hast, lass dir das gesagt sein. Wenn du Leute ärgern willst dann mach das bei DIR auf der Arbeit, nicht hier.“ Er verschränkte die Arme vor seiner Brust und sah Patrick abwartend an.

„Ach komm schon, ich wollte dich wirklich nicht erschrecken und schon gar nicht ärgern.“ Er legte den Kopf schief und fuhr sich durch seine kurz gestutzten Haare.
„Eigentlich hatte ich gedacht du freust dich mich schon eher zu sehen.“

„Blödmann.“ Mit diesem Wort trat er zu dem anderen und klaute sich einen kurzen Kuss von dessen Lippen.
„Das war meine Rache.“ Grinsend trat er wieder einen Schritt zurück.
Im Gegensatz zu ihm mochte es Patrick nicht in der Öffentlichkeit zu küssen oder sonstigen Arten von Zärtlichkeiten auszutauschen.

„Dann sind wir ja jetzt quitt.“
Felix nickte.

„Ich habe sogar noch eine gute Nachricht für dich, ich war schon einkaufen, wir können also gleich nach Hause wenn du Schluss hast.“

Erleichterung schimmerte in Felix Augen.
„Na Gott sei dank, ich bin nämlich total kaputt. Saskia hat die Paletten mit dem Fleisch umgeschmissen und ich musste sie alle aufstapeln. Hätte ich allerdings gewusst das du so früh kommst hätte ich damit gewartet.“ Er war seinem Liebsten einen schelmischen Blick zu.

„Gewartet damit ich es dann für dich machen kann nehme ich an.“
Darauf erntete Patrick nur einen unschuldigen Blick.
„Du solltest mehr Sport machen. Ich glaube wir werden ab jetzt ein bisschen öfter zusammen trainieren.“

„Bloß nicht, ich bin nicht so 'n Sportler wie du. Mir reicht es wenn ich dir immer zuschaue, sogar davon bin ich immer fix und fertig.“
Gerne wäre er noch bei Patrick geblieben, doch in dem Augenblick tauchte seine Kollegin auf und bedeutete ihm mit einem Kopfnicken, dass er wieder rein musste.
Seufzend ergab er sich in sein Schicksal und ließ Patrick nach einem gemurmelten 'bis gleich' im Hof zurück.

Die Tatsache Patrick draußen im Hof sitzen zu haben machte die Zeit bis Ende nicht gerade leichter für ihn und so war er recht froh als der Chef ihn endlich entließ und er den Imbiss hinter sich lassen konnte.

Schweigend gingen sie gemeinsam zu Patricks Auto und fuhren endlich nach Hause.
In der Wohnung musste sich Felix als erstes seiner miefenden Klamotten entledigen und jagte Patrick aus dem Bad der sich eigentlich ebenfalls ins Alltagskleidung hatte umziehen und noch einmal kurz waschen wollen.

Ohne jegliche Form von schlechtem Gewissen ließ Felix sich eine gute dreiviertel Stunde Zeit für seine Körperpflege, Patrick würde sich schon zu beschäftigen wissen.
Als er das Bad endlich wieder verließ roch es in der Wohnung nach Essen und wie ein Hund folgte Felix dieser Spur in die Küche.
Dort hatte sein Schatz seine Beschäftigung in Form des Abendessens gefunden und werkelte am Herd herum.
Schnurrend schmiegte sich der Blonde von hinten an seinen Schatz.
„Was gibt es denn Gutes?“ Er begann kleine Küsschen im Nacken seines Liebsten zu verteilen, was nicht ganz einfach war weil der nicht still hielt und außerdem größer war als er.

„Spaghetti und jetzt hör auf damit und deck den Tisch.“ Er befreite sich aus Felix Umarmung und schob ihn fort.
„Och menno, alleine aufwachen, den ganzen Tag alleine und dann auch noch zu Hause Kuschelentzug. Du bist so gemein.“

„Und du tu nicht so herum.“ Patrick schenkte ihm ein Lächeln.
„Ich hab Hunger und die Schmollen-Nummer zieht bei mir nicht wenn es ums Essen geht.“

Theatralisch stöhnend begann Felix den Tisch zu decken.
„Und was ist mit Nachtisch?“ Hoffnungsvoll blickte er zu seinem Freund.

„Naschkatze. Keine Angst, da hab ich mir schon was überlegt.“ Er wusste wie sehr Felix Nachtisch liebte. Wenigstens sah man es ihm nicht an, was auch teilweise an Patrick lag der ihn vorher doch zum Sport nötigte.

Ihr Essen fand wie immer schweigend statt.
Patrick war auch zu sehr mit Essen beschäftigt, als dass er hätte reden können und Felix wiederum beschäftigte sich damit seinen Freund beim Essen zu beobachten. Es war einfach nur faszinierend wie viel und in welcher Geschwindigkeit der Schwarzhaarige verdrücken konnte. Er aß wohl doppelt so viel wie Felix selbst, brauchte aber fast nur halb so lange wie er.

„Wenn ich eine Naschkatze bin, dann bist du ein Gierschlund. Irgendwann verschluckst du dich noch mal weil du nicht ordentlich kaust und so schnell ist.“ nahm Felix ihr Gespräch von vorhin wieder auf.

Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte Patrick zu seinem blonden Freund.
„Kauen? Spaghetti muss man kauen?“

Felix ließ seinen Kopf auf die Tischplatte knallen.
„Du hast echt nen Schuss weg.“ nuschelte er gegen das Tischtuch.

„Ja, stimmt.“ Patrick konnte ihm da nur beipflichten.

„Was habe ich nur getan um jemanden wie dich zu verdienen?“
Er linste Patrick unter seinem Pony hervor an.

„Keine Ahnung, vielleicht hast du in deinem früheren Leben die Welt gerettet, oder sonst eine große Tat vollbracht. Ansonsten könnte ich mir das auch nicht erklären.“

„Wir sind heute ja mal wieder gar nicht eingebildet, was?“ Er stützte den Kopf auf die Hände und betrachtete Patrick.
„Was ist denn nun mit den Nachtisch?“

„An etwas anderes kannst du wohl auch nicht denken, was?“ Grinsend erhob er sich und ging zum Kühlschrank. Es war zwar nur abgepacktes Zeug aus dem Kühlregal aber das spielte keine Rolle, Hauptsache es war süß. Wahrscheinlich hätte er Felix auch mit einer Schüssel Zucker zufrieden stellen können wenn er noch einen Klacks Schlagsahne drauf geben würde.

„Moment mal, wer ist es denn hier der immerzu Hunger hat und permanent am Futtern ist?“

„Ich habe halt einen höheren Grundumsatz, ich brauche das. Wenn ich nichts zu Essen bekomme kann man mich nicht gebrauchen, das ist beinahe so schlimm wie kein Kaffee in der Früh.“
Wie er es sich gedacht hatte reichte seinem Schatz der Schokopudding mit Vanillesauce auch wenn er nicht selbst gemacht war, aber dazu hatte er keine Zeit mehr gehabt.

Ebenso schweigend wie beim Essen räumten sie auch die Küche auf.

Als auch das letzte Glas in der Spülmaschine verschwunden war, wuselte Felix ganz eifrig davon, was ihm einen verwirrten Blick von seinem Freund einbrachte, doch er fragte nicht nach.

Patrick ließ sich im Wohnzimmer auf die Couch fallen. Eigentlich hatte er sich ja umziehen und waschen wollen, aber irgendwie hatte er gerade keinen Elan dazu.
Plötzlich ging das Licht aus.
Irritiert hob er den Kopf und entdeckte Felix in der Tür mit einer Kerze in der Hand. Das flackernde Licht warf einen goldenen Schein auf die helle Haut seines Liebsten und verlieh seinem Haar die Farbe von flüssigem Gold.
„Was soll denn das werden?“
Noch wurde er nicht so ganz schlau aus seinem Freund und dem was er nun wieder vorhaben mochte.

„Entspann dich und lass dich überraschen.“ Behutsam stellte er die Kerze auf dem Wohnzimmertisch ab und krabbelte zu seinem Freund auf die Couch.
Einen Augenblick verharrte er so auf allen Vieren, genoss es einfach nur in die Augen seines Liebsten zu schauen. Schließlich jedoch reichte ihm schauen nicht mehr aus und er beugte sich vor um ihn zu küssen.
Ihre Zungen verfielen in einen zärtlichen, aber nicht minder anregenden Tanz.

Vorsichtig ließ sich Felix auf Patricks Schoß nieder.
„Ich liebe dich.“ flüsterte er ihm zu und schmiegte sich an die kräftige Brust des Schwarzhaarigen.

Sanft schloss der ihn in seine Arme, drückte seinen Engel fest an sich und vergrub für einen Augenblick das Gesicht in dessen Halsbeuge. Hier musste er sich nicht verstecken, hier konnte er abschalten und sich gehen lassen, dies hier war sein Zufluchtsort und Felix war der Wächter der dafür sorgte, dass es auch immer so bleiben würde.
„Ich liebe dich auch, Engel.“

Ein Schnurren drängte sich aus Felix Kehle und er schmiegte sich dichter an Patrick.
Für den Moment verharrten sie so, bis sich Felix plötzlich von ihm löste, ein erwartungsvolles Schimmern in den grünen Augen.
„Was ist das denn, das da so hart gegen meinen Oberschenkel drückt?“ Lasziv bewegte er sich auf dem Schoß seines Liebsten.

Patrick zog eine Augenbraue nach oben.
„Das ist mein Taschenmesser. Mit deinem Rumgerutsche hast du mein ganzes Hosenbein verdreht. Du sitzt auf meiner Beintasche.“

Felix hätte am liebsten geschrien, aber er wusste das Patrick das nicht mit Absicht machte, er war einfach so.

„Dummkopf, ich meine das hier.“ Er legte seine Hand auf eine ganz bestimmte Stelle, was ihm Prompt mit einem verhaltenem Stöhnen belohnt wurde.

Auch in Patricks Augen wurde der Schleier der Lust immer deutlicher sichtbar, er stieß ein leises Knurren aus und drückte Felix dichter an sich.
Doch der wehrte sich.
„Nicht so stürmisch.“ flüsterte er in das Ohr seines Liebsten.
„Du weißt zwar, dass ich auf Uniformen stehe, aber jetzt...muss sie runter. Herr Oberfeldwebel.“

Und so geschah es dann auch...



Ende
Auftrag abgeschlossen.
Aktualisiert: 23/04/10
Veröffentlicht: 23/04/10
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Nika am 16/08/14 10:09
Ich weiß gar nicht, warum es hierzu keine Reviews gibt.
Viele der Beschreibungen gefallen mir sehr gut, sind spannend zu lesen, weil sie alltägliches interessant machen.

Das Ende enttäuscht mich etwas, aber das ist ja auch in Ordnung.
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jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

alyssia
14/12/20 07:20
Wir gehen in die zweite Runde meiner Weihnachtsgeschichte 'Kein Weihnachtszauber' einer Geschichte ohne Glitzer und Magie, denn was bleibt, wenn der Weihnachtszauber fehlt? Der Boden der Tatsachen

Witch23
19/11/20 14:34
damit wären er drei die etwas beigetragen haben bisher ^^

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