Abschied für immer? von Saku_Ryu (Laufend)
Inhalt: Viele Träume gehen über die Zeit verloren aber Sebastians Traum bleibt ewig bestehen. Selbst als viel Sand durch seine Lebensuhr geronnen war.

UPDATE

Warnungen kommen mit der Zeit
Genres: Reale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Zucker
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine
Kapitel: 6
Veröffentlicht: 24/04/10
Aktualisiert: 22/09/12
Prolog
Noch heute spüre ich die Tropfen auf meiner Haut. Spüre die Kälte die mich durchzuckte, wie ein Blitz der an einem dunklen Gewittertag einschlägt. Und genau so ein dunkler Tag war dies auch für mich.
Mit einem Schlag verlor ich alles was mir bis dahin wichtig gewesen war. War wieder allein und verlassen von allen.
Heute kann ich nur zurück sehen und mit Erschrecken feststellen, dass ich es nicht rückgängig machen kann. Aber würde ich das? Viele Male habe ich darüber nachgedacht ob ich es anders machen würde, wenn ich es nochmal machen dürfte. Doch jedes Mal komme ich zu dem Entschluss, dass es so das Beste gewesen ist, auch wenn ich es gern anders haben würde. Aber so ist es nun mal und ich hab es so für mich entschieden.
Ich muss mit dem Schmerz und der Kälte in meinem Inneren leben und es wie immer versuchen zu verschließen damit ich offen für Neues sein kann. Doch ist das so einfach wenn man das verloren hat was einen hat leben lassen?
Kann man ohne sein Herz leben? Das fragen sich bestimmt viele. Ich kann dazu nur eines sagen.
Jein. Natürlich geht es rein physisch nicht, das dürfte jedem klar sein, aber wenn man jemandem sein Herz schenkt und es nur angenommen wird um es in Scherben zu zerbrechen, kann man es sehr wohl schaffen.
Jeder Schritt ist wie auf Scherben zu gehen. Jeder Atemzug ist als würde einem der Hals oder die Brust zugeschnürt werden. Jede Bewegung scheint einem sinnlos. Doch irgendwie leben wir weiter.
Gehen unseren Weg. Steigen über die Steine, die uns das Leben entgegenstellt.
Was soll man auch anderes machen? Jede erste Liebe, oder besser gesagt jede Liebe kann wehtun, so wie sie auch schön sein kann. Aber wir müssen uns darauf einlassen, damit wir überhaupt ihre Schönheit entdecken können.
Dennoch bleiben die Schmerzen auf ewig. Sie bilden einen Teil von uns wie viele kleine Stücke eines Puzzles, das wir mit der Zeit zusammensetzen - Das Puzzle unserer Selbst.

Ihr fragt euch jetzt sicherlich was muss ich durchgemacht haben, dass ich so etwas schreibe. Das ist ganz einfach. Ich war verliebt. Bis über beide Ohren. Hab überall nur noch rosa gesehen, wie man es manchmal so schön sagt. Aber dennoch habe ich es verheimlicht. Bis zu dem einen Tag. Wenn ich heute das Foto von dem letzten Tag unserer Freundschaft ansehe, könnte ich wieder losweinen. Einerseits vor Traurigkeit, das ist klar, aber andererseits auch vor Glück, dass ich eine solche Zeit mit erleben durfte.

Aber am besten ihr schaut selbst, was geschehen ist. Ich erzähl es euch gern. Erzähle euch meine Geschichte. Die Geschichte meiner großen Liebe, die ich nie vergessen werde.
Kennenlernen
Alles begann an einem heißem Sommertag, an dem ich neu in die Stadt zog. Damals war ich gerade mal zehn Jahre alt oder besser gesagt jung. Mein Vater hatte einen neuen Job gefunden und wir mussten umziehen. Damals war das für mich ein hartes Los gewesen, wie bestimmt für jedes andere Kind in meinem Alter auch. In diesem Alter sind noch alle Freundschaften wie eine Ehe. Man will sich niemals trennen und es ist Herzschmerz pur, wenn man es doch muss. Das geht euch bestimmt genauso, auch wenn ihr es euch nicht eingestehen wollt. Aber zurück zu mir. Damals war ich trotz des schönen Wetters tief traurig und saß in der Einfahrt unseres neuen Hauses und kickte den Fußball, den meine Freunde mir zum Abschied geschenkt hatten, gegen die Wand. Fühlte den Schmerz noch mehr als ohnehin schon. Dann plötzlich kam der Ball nicht mehr zurück und ich sah auf. Sah in zwei dunkle braune Augen die ein von Pflastern übersätes Gesicht schmückten. Dunkle Haare umspielten den Kopf, des Jungen der grinsend vor mir stand. Mit Verspätung stellte ich fest, dass er mich angesprochen haben musste, denn er schien eine Antwort zu erwarten. Weswegen ich mich dann doch erhob und mir den Ball zurückholte, den er unter seinen Arm geklemmt hatte.
„Ist etwas?“, fragte ich dann schroff, was wohl mehr an meiner Laune lag, statt an ihm. Schließlich kannte ich ihn nicht, weswegen ich ihn schlecht deswegen einschätzen konnte. Schließlich war ich noch nie ein Mensch von Vorurteilen. Doch auf meine Aussage grinste er nur noch mehr. Kam einen Schritt weiter auf mich zu und wuschelte mir durch die Haare. „Ich wollte lediglich wissen ob du Lust hast mit mir etwas auf den Platz zu gehen. Schließlich ist das Wetter Ideal für 'ne Runde Fußball. Und da du neu zu sein scheinst, ist es bestimmt toll wenn du gleich Anschluss findest. Mehr wollte ich gar nicht, aber da du nicht zu wollen scheinst, geh ich halt. Dachte halt nur zu zweit iss es besser, als allein.“, kam es dann von ihm und irgendwie fühlte ich mich dann doch irgendwie schuldig. Schließlich meinte er es ja wohl nur gut mit mir. Dennoch war ich etwas skeptisch, weswegen ich ihn zwar aufhielt, als er sich umdrehte, dann aber auch gleich ins Haus rannte um meine Eltern zu fragen ob ich etwas weggehen dürfte. Erzählte ihnen dabei auch gleich, das ich mit einem anderen Jungen Fußball spielen wollte. Schon damals waren meine Eltern für mich die größten, auch wenn wir umziehen mussten. Anfangs war ich ihnen schon bös gewesen, aber nicht lange, da es nun mal nichts daran zu rütteln gab.
Bei der nächsten Fuhr an Kartons sahen sie nach dem Jungen mit dem ich spielen wollte, oder besser gesagt sie wollten es. Doch war niemand mehr auf dem Hof und ich stand allein da. Seufzend kickte ich den Ball wieder gegen die Wand. Also war ich doch wieder allein und die einzige Chance die Ferien nicht ganz Allein zu verbringen, hatte ich eben versaut. Das konnte ja nur gut anfangen.

Abends fiel ich, von der Hitze erschöpft, ins Bett und wollte nur noch schlafen. In der Hoffnung, dass das Alles einfach nur ein böser Traum war.
Doch das war es nicht. Am nächsten wachte ich auf und fand mich in vier kahlen, jedoch gelb gestrichenen Wänden wieder. Dort wo ich gestern Abend eingeschlafen war. Also würde dieses Trauerspiel wohl weitergehen.
Missmutig trottete ich noch im Schlafanzug nach unten in die Küche. Das hieß, über ein zwischen Stockwerk, wo ich einmal kurz im Bad halt machte und dann weiter meines Weges ging.
Unten erwartete mich ein leerer Tisch mit einem Zettel darauf. Dort stand geschrieben, dass meine Eltern erst mit dem Frühstück auf mich warten wollte, aber als ich einfach nicht kam, hatten sie dennoch angefangen und seien danach noch mal in das alte Haus gefahren um dort noch einige Sachen zu holen. Falls ich den Tag über Hunger kriegen sollte, wäre ja Brot und Beilagen vorhanden.
Mit einem Seufzen kommentierte ich die Situation und machte mich auf den Weg zum Kühlschrank, nur um nach einem Blick, diesen gleich wieder zu schließen. Das konnte ja ein toller Tag werden. Ich war den ganzen Tag allein, ohne irgendwelche Freunde und meine Eltern waren auch weg. Also setzte ich mich in Bewegung und stapfte wieder hoch in mein Zimmer. Resignierend zog ich mir etwas an und schnappte mir meinen Ball, welchen ich in einem Netz aufbewahrte, damit er besser getragen werden konnte und verließ das Haus. Wenigstens war ich schon mit einem Schlüssel ausgestattet, dass ich wenigstens nicht den gesamten Tag daheim verbringen musste. Denn meine Konsolen waren alle noch in dem alten Haus. Hoffentlich brachten meine Eltern diese auch mit, wenn sie heute Abend nach Hause kommen würden.
Draußen packte ich meinen Ball aus und kickte ihn vor mir her, während ich die Hände tief in die Hosentaschen vergraben hatte und die Straße entlang lief. So konnte ich wenigstens die Gegend erkunden. Hatte das allein Sein also doch noch etwas Gutes. Wenn man es so sehen wollte. Für mich war es jedenfalls damals sterbenslangweilig. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, bis mir der Ball geklaut wurde.
Sofort blickte ich auf, da mein Blick bisher der Straße zugewandt war. Vor mir stand eine Truppe Jungs, die mindestens um die Hälfte größer waren als ich. Was sollte ich jetzt machen? War mein erster Gedanke. Schließlich wollte ich nicht mein Geschenk einfach so klauen lassen, aber würde ich gegen diese Truppe von Jungs allein überhaupt ankommen? Wohl kaum, aber den Ball wollte ich unbedingt wieder haben. Doch wie? Schließlich war ich gerade mal zehn und noch ziemlich klein für mein Alter.
Da hörte ich plötzlich wen hinter mir, doch so schnell konnte ich gar nicht gucken, da stand die Person, dessen Schritte das vermutlich gewesen waren, auch schon neben mir. Dabei handelte es sich um keinen Anderen als um den Jungen von gestern.
„Hey Jungs, lasst ihn in Ruhe. Er hat noch keine Ahnung. Kam wohl gestern erst hierher. Ich werde ihm schon noch sagen, was hier vor sich geht.“, hörte ich ihn nur sagen, woraufhin ihn die Jungs musterten und ihm den Ball zu warfen. „Das hoffen wir für dich. Sonst bist du das nächste Mal mit dran. Vergiss das nicht!“, waren die Worte des größten und muskulösesten der Truppe. Das viel mir jetzt erst auf. Wie muskelbepackt die waren. Da hätte ich erst Recht keine Chance gehabt. Na ja, diese nicht vorhandene Chance war von vornherein sehr gering gewesen. Aber das war ja jetzt egal. Die Kerle waren weg und der Junge neben mir stand immer noch da wie zuvor. Nur dass er meinen Ball in den Händen hielt. Erst jetzt realisierte ich, dass auch er größer war als ich, mindestens eineinhalb Köpfe größer als ich. Langsam drehte ich mich ihm zu und bedankte mich dafür, dass er mir geholfen hatte. Darauf erhielt ich wieder nur ein Grinsen und die Aussage, dass dies doch selbstverständlich sei. Schließlich könne er doch niemanden Neues ins offene Messer laufen lassen. Dann reichte er mir auch schon meinen Ball wieder, bevor er sich zum Weitergehen aufmachte. Ich schluckte bevor ich ihm dann die Hand reichte und meinen Kopf senkte um meine Scham zu bezeugen. Denn nun musste ich mich wirklich für mein Verhalten gestern entschuldigen. Wo er mir doch gerade so aus der Patsche geholfen hatte.
„Danke nochmals und Entschuldigung für gestern. Ich war gestern nur etwas sauer. Eigentlich wollte ich ja sogar dein Angebot annehmen, aber als ich wieder raus kam warst du schon weg.“, stammelte ich und umklammerte meinen Ball mit der freien Hand. Ich hoffte inständig dass er mir verzeihen könnte. Schließlich war es wirklich nicht meine Absicht gewesen.
Ich musste wohl ziemlich hoffnungslos ausgesehen haben, denn er begann loszulachen und wuschelte mir wieder durch die Haare. Nur um dann zu sagen, dass er mir gar nicht böse war, sondern mich eigentlich nur in Ruhe ankommen lassen wollte. Schließlich konnte er mich ja schlecht zwingen mit mir die Zeit zu verbringen.
Erstaunt blickte ich ihn an und war wirklich mehr als erleichtert, dass er nicht sauer gewesen zu sein schien. Vielleicht war er doch nicht ganz so übel und der Sommer nicht ganz so trostlos wie es auf den ersten Blick gewirkt hatte.
Man sollte immer zweimal hinsehen. Vielleicht entdeckt man Dinge die man zuvor nicht gesehen hatte. Denn so war es auch bei mir. Auf den ersten Blick war er für mich ein Idiot der mich auslachte, auf den zweiten wirkte er dann schon anders, aber nicht definierbar und nun auf den dritten Blick hatte ich das Gefühl dass wir vielleicht sogar Freunde werden könnten. Jedenfalls beschloss ich heute sein Angebot von gestern anzunehmen und mit ihm ein bisschen auf dem Platz zu kicken. Dabei erklärte er mir auch was es mit den Jungs auf sich hatte.
Das waren nämlich Typen aus der achten Klasse, die hier in der Gegend wohnten und gleich nach den Zehntklässlern die Ältesten waren. Da die Zehntklässler aber nicht wirklich mehr Interesse an kleinen Machenschaften hatten, hatten sich nun die Jungs dazu auserkoren ihre kleine Gang zu bilden und hier die kleinen Kinder zu schikanieren wenn sie gegen ihre Regen verstießen. Zum Glück hatte er mich gerettet. Sonst wäre ich jetzt bestimmt 'nen Kopf kürzer.

~*~


Ach ja ich rede immer nur mit Ich und Er. Ihr wollt bestimmt wissen wer wir sind. Mein Name ist … obwohl der Esel nennt sich immer zuerst, aber da ich keiner bin verrate ich euch erst seinen Namen. Der Name meines Retters lautet Ryan, Ryan Sour. Kein wirklich passender Nachname für ihn, wie ich finde, aber das könnt ihr später selber noch entscheiden. Und ich selbst heiße Sebastian, Sebastian Black. Mich nennen alle Basti oder Blacki. Je nachdem was ihnen gerade besser passt. Aber so sind Freunde nun mal. Und wo wir gerade beim Thema Freunde sind. Wir zwei sind seit damals so gut wie unzertrennlich geworden. Richtig gute Freunde würde ich mal sagen.
Geständnisse
Kapitel 2 - Geständnisse

Uns trennte Jahre lang nichts. Nichtmal der Schulwechsel der kurz nach meinem Umzug anstand. Schließlich mussten alle nach der vierten Klasse auf eine weiterführende Schule. Und wie beide schafften es zum Glück aufs Gymnasium. Dort schafften wir beide uns unseren Weg. Verbrachten soviel Zeit wie es ging miteinander. Nicht sollte unsere Freundschaft gefährden. Keine Frau, keine anderen Freunde. Zwar hatten wir zusammen eine große Clique, aber insgeheim gab es nur uns zwei. Wir waren manchmal wirklich wie Geschwister die nicht voneinander loskamen. Was wohl auch ein Grund war, dass wir mit elf schon Blutsbruderschaft schlossen. Ja das klingt jetzt lächerlich, aber für uns war es damals das Größte. Schließlich waren wir gerade mal elf. Da war das noch ganz hip. Heute lache ich auch über solche Dinge. Aber das ist mir wenigstens noch geblieben. Denn das kann mir keiner nehmen, egal was passiert.
Nun aber wieder zurück zum Thema.
Wir zwei waren wirklich unzertrennlich zumindest dachte ich das. Bis zu einem Tag der hätte nie passieren dürfen. Aber damit ihr das alles versteht muss ich euch vorher noch einiges erklären.

Wie gesagt wir waren unzertrennlich. Kannten uns beide in und auswendig. Wussten was der Andere dachte und brauchten so nicht viele Worte. Eine richtig tiefe Freundschaft halt. Zumindest bis zu einer gewissen Zeit. Wenn ich heute zurückdenke, kann ich nicht mal mehr sagen wann genau es angefangen hatte. Was genau mich zuerst fasziniert hatte. Aber wenn ich ganz arg zurück gehen würde, hätte ich gesagt seine Augen, die mir damals schon zuerst aufgefallen waren an ihm, noch bevor ich sein Gesicht sah. Das wäre zumindest etwas nennbares. Denn danach hab ich mir nicht wirklich einen Kopf um sein Aussehen gemacht. Aber ja seine Augen haben schon etwas faszinierendes. Irgendwie kann ich einfach nicht wegschauen wenn ich sie sehe. Dafür fesseln sie mich zu sehr. Wie ein Baum der seine Wurzeln in mich verankert hat. Genau, ein Baum trifft es sehr gut. Allein das Braun erinnert mich immer an einen starken Baum. Genauso stark wie er es immer war. Und ja er war wirklich stark. Im Gegensatz zu mir. Ich war eher hager. Aber das tat unserer Freundschaft keinen Abbruch. Er beschützte mich wenn etwas war, jedoch liegt hier die Betonung auf wenn. Denn eigentlich kam ich mit vielen Leuten gut klar. Aber dennoch half er mir wo er nur konnte. Mit seiner Stärke aber auch mit seiner Freundschaft zu mir. Und genau das war es alles wohl, was meine Gefühle irgendwann völlig in Schwanken brachte.
Ich konnte einfach nicht mehr unterscheiden was normale freundschaftliche Zuneigung war und was nicht. Gewollt hatte ich es nicht. Aber einmal festgestellt wollte der Gedanke einfach nicht mehr fortgehen. Jedes Mal wenn wir uns berührten oder uns meiner Meinung nach zu lang ansahen, geriet ich in einen Strudel, so dass ich nicht wusste was ich tun sollte. Einerseits wollte ich es einfach nur verdrängen. Schließlich war es doch nicht normal, dass man auf seinen besten Freund stand, aber irgendwie konnte ich den Gedanken auch nicht verdrängen. Also schleppte ich diese Gefühle eine Zeit lang mit mir herum und versuchte einfach zu agieren wie früher. Schließlich haben wir das sonst auch immer gekonnt. Zwar wurde es für mich in manchen Momenten wirklich schwierig zu agieren wie es früher war, weil ich einfach nicht mehr wusste wie es früher war. Jeder zu lange Blick oder jede noch zu lange Berührung, jedes noch so falsche Wort, jede Eifersucht auf ein Mädchen, das er sich mal wieder geschnappt hatte war schon nicht mehr wie früher. Wo war die Grenze zwischen Freundschaft und Liebe? Ich wusste es damals nicht und weiß es auch heute nicht. Aber ich glaube kaum, dass das einer weiß, oder dass es da überhaupt Grenzen gibt. Schließlich ist definiert jeder Liebe anders. Da gibt es beispielsweise die familiäre Liebe, dann die Liebe in einer Beziehung oder die Schwärmerei für jemanden. Aber wiederum andere behaupten, dass Freundschaft auch Liebe ist. Aber mit meinen siebzehn Jahren war ich damals völlig überfordert mit solchen Dingen. 'Wäre es doch eine Freundin gewesen in die ich mich verliebt habe.', das war einer meiner vielen Gedanken. Aber leider war es nicht so. Aber das was mir immer am meisten Angst machte war, dass er es herausfinden könnte. Dass er mich deswegen hassen könnte.

Diese Angst umschloss mich fast ein Jahr wie eine zweite Haut. Lies mich nicht los und schien auch niemals verschwinden zu wollen, bis ich etwas erfuhr, was alles veränderte. Einerseits traf es mich wie ein Schlag ins Gesicht. Eine Strafe für das was ich fühlte, aber andererseits war es genau das was ich brauchte um Abstand zu finden. Abstand zu alle dem. Dennoch würde ich wohl noch ein Jahr leiden müssen. Ein Jahr bis wir wieder umziehen würden. Ein Jahr bis ich woanders sein würde als er. Woanders mein Leben aufbauen würde. Fern von dir und meinen Gefühlen für dich. Erlösung und Leid zu gleich, aber das würde ich hinnehmen. Hinnehmen um zu hoffen dann irgendwann wieder normal dir gegenüber stehen zu können und wieder dein Freund zu sein. Ein richtiger Freund.

Als ich am nächsten Tag in der Schule ankam, war ich total übermüdet. Ich hatte die ganze Nacht überlegt wie ich es ihm sagen könnte. Wie ich ihm mitteilen sollte, dass sich in nicht mal mehr zehn Monaten unsere Wege trennen würden. Sollte ich es ihm überhaupt sagen? Ja ich hatte wirklich überlegt Ryan zu verschweigen, dass ich umziehen würde. Aber war das richtig? Ich weiß es nicht. Schließlich kann ich mich immer noch nicht entscheiden ob es gut oder schlecht ist. Den Kopf gesenkt schlurfte ich in die Schule. Erst drinnen erhob ich meinen Kopf. Hielt Ausschau nach dir. Wollte den richtigen Moment abpassen und dann sehen wie es laufen würde. In einem flüchtigen Gespräch den Satz loslassen „Ach ja, übrigens in zehn Monaten bin ich weg. War ne schöne Zeit, aber wir sehen uns bestimmt irgendwann wieder.“ Doch als ich ihn erspähte, war jedes Wort vergessen. Jede Idee auch nur etwas darüber zu sagen, hatte sich aus meinem Kopf geschlichen und eine gähnende Leere zurückgelassen. Eine Leere die mich handeln ließ wie ich handeln wollte.
Ich rannte auf ihn zu. Aber gerade als ich ihn in die Arme nehmen wollte, setzte mein Verstand doch noch ein. Mein Verstand der mir sagte, dass DORT garantiert eine Grenze war. Deswegen legte ich ihm nur freundschaftlich einen Arm um die Schulter und grinste ihn an. „Ey Alter wasn los?“, meinte ich und schüttelte ihn einmal kurz. „Irgend ne Laus über die Leber gelaufen?“, fragte ich nochmal nach, obwohl ich innerlich viele andere Sachen fragen wollte. Denn so geknickt wie er gerade aussah, konnte nichts gutes passiert sein.
Bitter lächelnd sah er mich an und meinte, dass wir später mit einander reden könnten. Hier und jetzt wollte er nicht gerade drüber reden. Aber auch später fand sich kein Moment, denn jedes Mal wenn ich mit ihm allein war, wich er mir aus oder wollte unbedingt über andere Dinge reden.
In mir machte sich immer mehr das Gefühl breit, dass er es erfahren haben konnte. Hatte ich mich nun doch irgendwie verraten? Hatte irgendwas doch alles herumgerissen und mein Leben zerstört? Ging er mir deswegen jetzt schon seit einer Woche aus dem Weg? Weil wenn er jedem Anderen ebenfalls aus dem Weg gehen würde, wäre es nicht ganz so merkwürdig, aber mit jedem Anderen hielt er sich noch auf, aber wenn ich dazu kam spielte er ganz besonders den coolen und schien irgendwie mehr auf Abstand zu gehen. Oder war das nur für mich so? Weil die Anderen waren auch ganz normal, zu mir und auch zu ihm. Was also war mit Ryan los?
Vermutlich hatte er es wirklich heraus gefunden und war nur so freundlich und erzählte es niemandem. Das musste es vermutlich sein. Das würde zumindest alles erklären. Also sollte ich wohl besser mich zurückziehen wenn es noch geht.

So hielt ich die nächsten zwei Tage einfach Abstand. Blieb für mich. Machte mich langsam damit bekannt wie es den Rest des Jahres gehen würde. Bereitete mich für zahlreiche Unis vor, wo ich Medizin studieren konnte. Denn das war mein großes Ziel. Menschen helfen zu können, wo ihnen niemand anderes mehr helfen konnte. Zwar hatte dies anfangs meinem Vater nicht gefallen, dass ich nicht wie er eine eher handwerkliche Tätig im Metall oder Holzbereich ausübte, aber irgendwann hatte ich ihn dann doch überzeugen können, dass es ja auch ein Handwerk sei Menschen helfen zu können. Und nun stand es für mich fest. Und da wir nach meinem Abschluss eh umziehen würden, müsste ich entweder allein wohnen oder dort bei ihnen studieren. Letzteres war die Beste Lösung. So würde ich auch den Abstand zu Ryan gewinnen den ich brauchte um wieder eine normale Freundschaft aufzubauen.
Ich weiß sie denken sich jetzt „Der wiederholt sich ja immer wieder. Aber damals herrschte ein großes Chaos im Kopf und es bestand aus immer den selben Sorgen und Gedanken.“
In eben diese war ich gerade vertieft, als mich jemand rüttelte. Doch zunächst sah ich nicht auf, da ich in einigen Katalogen über Unis blätterte. Als das Rütteln aber stärker wurde, sah ich dann doch auf und entdeckte nur noch braun. Dieses unsägliche Braun, was mich so faszinierte. Um ihnen mal deutlich zu machen wie deutlich mich das beeinflusst hatte. Ich habe bereits meine derzeitige Wohnung viel in Braun gehalten. Bis heute ist es noch meine Lieblingsfarbe. Aber pssst das ist unser Geheimnis.

Als ich damals aufsah und mich endlich von dem Braun befreien konnte, sah mich dieses Augenpaar total verzweifelt an. Ich wusste zunächst nicht wie ich das zuordnen sollte, bis mir doch die Frage über die Lippen kam: „Was ist denn los?“ So schnell konnte ich aber gar nicht reagieren, da hatte ich als Antwort auch schon die Hand meines Freundes am Handgelenk und wurde einfach mitgezogen. Einfach hinterher stolpern war gerade mehr meine Devise, als wirklich zu kapieren was da gerade vor mir ablief. Erst als wir ruckartig anhielten und er mich finster ansah, fühlte ich wirklich als würde mir langsam das Fragezeichen, was sich in meinem Kopf aufstellte, auf meiner Stirn hervor scheinen.
„Was sollte das die letzten Tage?“, wurde ich angemeckert und der Griff um mein Handgelenk verstärkte sich mehr und mehr. Ich biss die Zähne zusammen, während er weiter auf mich los meckerte was denn die letzten Tage los gewesen sei. Ob mit mir irgendetwas nicht in Ordnung sei, oder ob irgendetwas passiert sei. Nun war ich erst Recht verwirrt. War ich nicht derjenige der das Recht auf Fragen hatte? Hatte ich nicht tagelang nur eine Maske zugespielt bekommen die ich annehmen musste. Das meinte er doch jetzt nicht ernst oder? Nicht wirklich!
„Würdest du bitte mein Handgelenk loslassen?!“, gab ich nur im ebenso wütendem Ton zurück und ging einen Schritt zurück. Das hier musste doch irgendwie das Wunderland sein. So verquer wie dieser Moment gerade lief.
Doch Ryan lies nicht los und ich kam nicht weg. Also versuchte ich mich wegzuzerren. Aber das erwies sich schwieriger, als gedacht. Ich wusste ja, dass er stark war, aber ich dachte nicht, dass er diese Stärke auch mal gegen mich anwenden würde. Aber was solls', sollte er doch, wenn das hier ausgesprochen war, was los war, würde er mir vermutlich noch mehr wehtun. Körperlich, denn innerlich hatten die letzten Tage schon genug geschmerzt.
Ich holte tief Luft und sah ihm dann in die Augen. Wieder traf mich das Braun wie ein Schlag. Aber ich schluckte die auftauchenden Gefühle so gut es ging herunter und setzte an. „Du willst wissen warum ICH DIR aus dem Weg ging?“, fragte ich patzig und erhielt darauf hin nur ein Nicken, woraufhin ich nur lachen konnte. Das war echt absurd, aber so war es mit uns nun mal.
„Vielleicht würdest du mir vorher sagen, warum du mir die kalte Schulter gezeigt hast?“, äußerlich gab ich den coolen, doch im Inneren zitterte ich wie Espenlaub. Ich hatte Angst vor dem was er sagen könnte. Dass ich eine dreckige Schwuchtel sei und er nichts mehr mit mir zu tun haben wollte. Dass er von so einem Weib wie mir nichts mehr wissen wollte.
In diesem Moment lockerte sich auch de Griff um mein Handgelenk und er sah mich an. Aber ich konnte nur Verwirrung in seinem Gesicht lesen. Nichts als Verwirrung, die wohl von meinen Worten her rührten.
„Deswegen?“, fragte er mich und fasste mich an den Schultern. Dann vibrierte es auch schon in seinen Händen. Aber ich konnte es nicht zuordnen. Denn mein Kopf war auf den Boden gerichtet. Ich hatte zu große Angst vor seinem verachtenden Blick, den er mir entgegenbringen würde. Aber kurz darauf, wurde ich auch von meinem Irrglauben erlöst, in dem ich ein schallendes Gelächter vor mir hörte. Die Hände lagen dabei immer noch vibrierend auf meinen Schultern, während Ryan sich wohl köstlich amüsierte. Ab da war ich es, der verwirrt da stand und meinen Gegenüber musterte.
„Ryan?“, sprach ich ihn an und dieser versuchte sich zusammenzureißen, aber es dauerte doch noch eine Weile, bis er mich nur noch grinsend ansah. Dann schüttelte er den Kopf und erklärte: „Ich hatte doch diese Marleen zur Freundin, weißte noch? Und sie war mir wirklich wichtig, aber dann hat sie mit mir Schluss gemacht, obwohl ich sie eigentlich nach dem Abschluss mit einem Ring überraschen wollte, aber daraus wird’s wohl nichts mehr. Na ja das hat mir dann doch ein bisschen zugesetzt. Aber das wollte ich nicht gerade zeigen, auch nicht vor dir. Okay, anfangs wollte ich es dir sagen. Schließlich bist du mein bester Freund, aber irgendwie.... Es war einfach zu peinlich. Und die Jungs sollten es sowieso nicht wissen.“
Nun war ich irgendwie geschockt, aber mir fiel auch ein Stein vom Herzen. Also wusste er nicht was ich für ihn empfand. Also durfte ich die nächsten Monate doch sein Freund sein. An seiner Seite sein und mit ihm noch Spaß haben. Irgendwie war ich jetzt echt glücklich. Dies machte die letzten Tage der Furcht und Trauer locker wieder gut. Aber auch dieses Mal wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Doch dieses Mal war ich froh, weil wieso sollte ich mich in Tagträume verirren wenn ich die Realität haben konnte? Doch dort trafen mich wieder diese verwirrten Augen. Doch sahen sie mich nicht direkt an. Eher sahen sie na mir herab.
„Was ist das eigentlich?“, fragte er mich daraufhin und deutete auf meinen anderen Arm. Als ich seinem Blick folgte, musste ich schwer schlucken. Jetzt gab es kein Weg mehr zurück. Ich musste ihm erklären warum ich die Zeitschriften bei mir hatte.
„Also das... das sind Unizeitungen.“, antwortete ich etwas unbeholfen und erntete dafür nur ein Grummeln von ihm. „Das sehe ich selbst. Aber die sind nicht hier in der Nähe. Du musst doch wegen der Sache in den letzten Tagen nicht weggehen. Oder bist du so sauer auf mich, dass du gehen willst?“, diese Frage löste ein Kopfschütteln bei mir aus. Dabei musste ich schmunzeln. Manchmal konnte er wirklich blöde Fragen stellen.
„Nein, aber es gibt etwas das ich dir schon letztens sagen wollte, aber irgendwie mich nicht getraut habe. Besonders nicht, als es dann die letzten Tage so zwischen uns war. Es ist nämlich so, dass mein Vater zum Ende des Jahres versetzt wird. Mum und ich bleiben noch hier bis ich die Schule fertig habe, aber dann werden wir ihm hinter herziehen.“, so nun war es raus. Das was ich am zweit wenigsten sagen wollte. Das was mir im Herzen wehtat, es aber dennoch zusammenhielt wie ein richtiger Superkleber. Die Bruchstücke festigte die ich ansammelte.
„Und wieso? Wieso?!“, war seine einzige Reaktion. Kein anderes Wort verließ seine Lippen. Diese wohlgeformten Lippen. NEIN!! Aus Pfui!! Du führst hier ein Gespräch, da brauchst du nicht anzufangen zu schwärmen.
„Was wieso?“, doch da fing es an zu klingeln und ich wollte mich umdrehen, als er mich wieder am Handgelenk schnappte. Wieder dieser feste Griff. „Ich will das geklärt haben. Wieso hast du mir das nicht gesagt? Also echt. So was macht man schon unter Freunden.“, meinte er wütend und blickte mich eben so an.
So etwas machte man also nicht unter Freunden? Aha? Aber mir alles verschweigen das durfte man? Klar! Als ob er Fair gewesen wäre.
„Weil ich wusste dass es dir nicht passen würde. Immerhin wollten wir eigentlich beide auf dieselbe Uni gehen. Aber ich denke es ist besser wenn ich mit Mum und Dad mitziehe. Außerdem hat die Uni ein wirklich gutes medizinisches Angebot. Das kann ich mir nicht entgehen lassen. Außerdem sind wir doch Freunde. Wir sehen uns so oft wie es geht.“, erklärte ich mich dann und versuchte mich zu lösen. Doch sein Griff ließ mich immer noch nicht gehen. Er war zwar lockerer geworden, aber immer noch hielt er mich fest. Oder wollte ich vielleicht gar nicht gehen? Wollte ich diesen Moment mit ihm allein genießen?
Jedenfalls haben wir uns damals noch ein wenig länger unterhalten, nachdem er es akzeptiert hatte. Schließlich konnte er mich schlecht dazu zwingen hier zu bleiben. Obwohl... drei Worte hätten ausgereicht damit ich bei ihm geblieben wäre. Alles liegen gelassen hätte und hier geblieben wäre, aber diese Worte würde ich niemals hören. Nicht aus diesem Mund.
Wir schwänzten die nächsten beiden Stunden und redeten wieder ganz normal miteinander. Als wäre nichts gewesen. Tauschten die letzten Ereignisse aus, die uns begegnet waren in der Zeit allein und blödelten auch wieder rum.
Aber es hatte gut getan es los zu sein. Ein Geständnis kann manchmal einiges gutes hervorbringen.
So konnten wir die Zeit die wir noch hatten viel mehr genießen. Mit dem Wissen, dass wir uns bald trennen mussten, aber nicht für immer. Zumindest dachte ich das bis dahin.
Regen
Kapitel 3 – Regen

Es war ein strahlender Tag. Wir hatten uns beide an den Pool von Ryan gelegt und uns gesonnt. Die Sonne genossen und die leichten Wasserperlen auf unseren Körpern dahin dampften in der Sonne, aber dennoch eine kleine Abkühlung schafften.
Immer wieder erneuerten wir sie, in dem wir uns ins kühle Nass wagten und dort herumtollten. Es war wirklich ein herrlicher Tag. Der Wetterbericht sagte Sonne und glühende Hitze für die nächsten Tage an. Deshalb hatten wir auch nichts anderes die nächsten Tage vor, als diese letzten Tage zusammen so genießen wie es am Besten war. Sonnen, feiern und Faulenzen.
Das Abi hatten wir beide in der Tasche, genau wie ich die Zusage meiner Wunschuniversität bekommen habe. Meine Mutter hatte uns auch noch eine Woche gegönnt, bevor wir los wollten. Sie wusste wir schwer es für uns war uns nach so langer Zeit voneinander zu trennen. Deshalb hatte sie meinem betteln nach kurzer Zeit nachgegeben.

So lagen wir also am Pool und genossen das Wetter. Immer wieder schielte ich durch meine Sonnenbrille zu ihm herüber und bewunderte diesen Körper von einem Gott. Ja mittlerweile war ich ihm noch mehr verfallen, wenn man das überhaupt noch konnte. Doch immer wieder wenn ich mich ertappt fühlte tat ich so,als hätte ich die Augen geschlossen und würde einfach so daliegen.
Denn immer noch wahrte ich mein Geheimnis wie eine Waffe die niemals das Auge eines Menschen kreuzen dürfte. Weil sie so gefährlich war, dass es einfach nicht gut war, wenn es jemand wüsste, dass es sie gibt.

Ich weiß nicht wie lange wir so dalagen, aber irgendwann musste ich wohl wirklich eingedöst sein und wurde von kalten Wassertropfen geweckt. Sofort schaltete sich meine angefangene Müdigkeit ein und ich konnte nur vor mich her grummeln, dass Ryan aufhören solle mich nass zu machen.
Doch als ich meine Augen öffnete sah ich nur dunkler werden Wolken, aber keinen Ryan.
Und wieder tropfte es auf mich herab.
Wie war das nochmal mit dem Wetterbericht und seiner sicheren Zusage? Von wegen. Ich sah zu meiner Linken und erblickte Ryan der auch schon einige Tropfen abbekommen hatte, aber wohl fester zu schlafen schien als ich. Leise aufstehend, ging ich deshalb zu ihm herüber und betrachtete seinen Körper und sein Gesicht. Dabei wurde mir auch bewusst dass es in den unteren Gefilden auch begann wärmer zu werden. Langsam hockte ich mich neben die Liege und beugte mich über ihn. Betrachtete diese Lippen. Diese Lippen die ich schon immer berühren wollte. Wollte spüren wie sie sich anfühlen. Unter meinen Fingern. Meinen Lippen.
So weich. So herrlich weich fühlten sie sich an, als ich mit meinen Fingern die Kontur nach fuhr. So herrlich warm, als ich meine Lippen auf die seinen legte. So schön feucht durch die warmen Regentropfen die auf uns hernieder prasselten. Als dies war ein wundervoller Kuss. SO perfekt wie ich ihn mir nie hätte erträumen lassen. Wie lange hatte ich auf dieses Gefühl gewartet. Jahrelang hab ich mich nach ihnen gezerrt. Hab mich gequält. Doch nun spüre ich sie. Genieße sie. Streiche kurz mit meiner Zunge über sie. Zum Glück schläft er. Zum Glück habe ich einen Moment seiner Unaufmerksamkeit.
Meine Augen musterten dabei sein Gesicht. All dies was ich aus diesem Blickwinkel erkennen konnte. Zum Glück hatte er keine Sonnenbrille auf, wodurch mir seine schönen Augen versteckt geblieben wären. Ganz im Gegenteil ich hatte freien Blick auf dieses dunkle Braun. Auf meine Schokoladenkerne die ich so sehr liebte.
Halt! Stop!!! STOP!!!! Braun? Das kann nicht sein.Sofort erhob ich mich ruckartig und fiel dadurch auf mein Hinterteil. Geschockt sah ich in die ebenfalls von Schock geweiteten Augen.
„Ryan... das … das war nicht so wie du...“, doch weiter kam ich nicht, denn er drehte den Kopf weg und hielt mir die Hand gestreckt entgegen, wobei er mir mit dieser die Handfläche zeigte. Eine klare Geste, dass ich die Klappe halten sollte. Seine andere Hand befand sich an seinem Mund. Hielt diesen zu. Man sah ihm regelrecht den Ekel ins Gesicht geschrieben.
Langsam stehe ich auf. Bewege mich auf ihn zu, doch er rückt nur weg und versucht diesen Abstand beizubehalten. Dies verleitet mich dazu ebenfalls für Abstand zu sorgen in dem ich immer mehr nach hinten ging. Mehr in Richtung meiner Tasche. Dort sammelte ich meine Sachen zusammen und schulterte meine Tasche. Merkte erst jetzt dass ich einen Sonnenbrand hatte. Aber dies war nur meine kleinste Sorge. Denn dann hörte ich die Frage die ich niemals hören wollte. Nicht von ihm. Nicht in dieser Tonlage.
„Bist du schwul?“ Als ob er darauf noch eine Antwort brauchte. Aber nicht die Frage selbst stach wie ein Messer in meiner Brust. Nein, der Blick dabei. Als würde er etwas ungenießbares im Mund haben. Etwas was er nur allzu gern ausspucken würde.
Mein Blick reichte wohl schon, weswegen er seine Tasche nahm und alles aufs Handtuch schmiss und davon ging. Doch bevor er ganz aus meinem Blickfeld verschwinden konnte sagte er noch: „Verschwinde! Hau bloß ab von hier! Ich will dich nie wieder sehen.!“ Dann drehte er sich auch schon um und verschwand. Genau wie ich. Auch ich verschwand. Vom Grundstück. Aus der Straße. Aus dem Block. Sogar aus der Stadt. Dabei prägten sich alle Regentropfen auf meiner Haut ein, ließen mit ihrem brennenden Schmerz auf meinem Sonnenbrand Spuren zurück, die sich bis heute nicht aus meinem Kopf schleichen können. Meine erste große Liebe hatte ihr Ende genommen noch bevor es einen Anfang gab. Aber hätte es den überhaupt gegeben? Ich glaube nicht.


Zum Glück war es vorhergesehen gewesen, dass wir die Stadt verlassen. Weil ich wüsste nicht was ich getan hätte, wenn ich jetzt weiterhin ihm hätte gegenüber treten müssen.
Okay es war schwierig meiner Mutter erklären zu müssen wieso Ryan nicht zum Abschied gekommen war, aber eine kleine Lüge war halt nötig. Sie musste es noch nicht erfahren. Irgendwann würde sie es wissen aber nicht zu dem Zeitpunkt dachte ich mir.


Heute weiß sie es und ich bin froh drüber. Sie und mein Vater hatten es mit einem Schock aber dann mit anfangs schwierigen Zeit aufgenommen. Klar, wer hört schon gerne,dass sein Sohn schwul ist? Aber mittlerweile akzeptieren sie es auch ganz gut. Aber ich glaube sie sind doch ganz froh, dass ich bisher keinen Mann mit nach Hause gebracht habe. Obwohl meiner Mutter traue ich zu, dass sie ihn mit all der Liebe überschütten würde wie sie es für eine Schwiegertochter getan hätte. Wenn sie sich nur darauf einstellen könnte.

Mein derzeitiger Freund erklärte mir auch oft genug, dass er gern meine Familie mal kennen lernen würde. Aber war ich bereit dafür?
Klar wir waren jetzt seit drei Jahren zusammen und verstanden sowohl außerhalb als auch innerhalb des Bettes mehr als gut. Aber war dies alles schon Grund genug ihn meinen Eltern vorzustellen?
Im Endeffekt hatte ich dann natürlich doch nachgegeben. Hatte einem Essen zugesagt. Hatte meine Eltern natürlich brav um Erlaubnis gefragt, ob sie ihn sehen wollen. Und nach einem langen Gespräch in denen ich ihnen erklärte, dass er weder zu weiblich war oder sonst irgendein Klischee erfüllte, hatten sie dann zugesagt.

Und heute war es soweit. Und was war es für ein Wetter? Regen. Von allen Wettern im Sommer muss es heute Regnen. Aber was solls. Da musste ich durch.
So fuhr ich nach meinem Dienst im Krankenhaus zur Arbeit meines Freundes und wartete dort. Ich legte meine Hände ums Lenkrad und bettete darauf meinen Kopf. Mein Blick ging zu der Werbeagentur in der er arbeitete. Irgendwie war es schon lustig wie wir uns damals begegnet sind.

~Flashback~

Damals war es ziemlich windig gewesen. Normal für einen dunklen Herbsttag. Mein Wagen hatte zu dem einen Motorschaden, so dass ich einige Zeit auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen war. Doch an diesem Tag schien alles wie verhext zu sein. Erst erwischte ich nicht meinen Bus, dann verpasste ich die U-bahn. Dann sprang die Ampel auch immer auf Rot wenn ich gerade davor stand. Als wollte das Schicksal mich einfach nicht weiter lassen.
Und genau in dem Moment wo mich das alles total aufregte, rannte ich in einen Mann hinein und fegte ihn sprichwörtlich über den Haufen, samt seiner Unterlagen und Mappen die er wohl in der Hand gehabt haben musste.
Den ersten Moment der Verwunderung sah ich nur auf das Spektakel vor mir herab um dann wütend zu meckern, warum er mir denn im Weg rum laufen würde. Ob er denn keine Augen im Kopf hätte und so weiter. Doch statt mir wirklich wütend über meine grundlosen Beschimpfungen zu sein, lächelte er mich an, mit einem Lächeln das ich zu dem Zeitpunkt echt hasste. Noch dazu steckte er mir seine Visitenkarte in die Seitentasche meines Mantel und meinte er sei zwar noch nicht so bekannt, aber er hoffe das wir uns irgendwann wiedersehen würden. Dann klopfte er seinen Anorak aus und sammelte die Mappen ein, die er noch auf dem Boden hatte, um dann wieder weiterzugehen. Mich selbst hatte er völlig verblüfft dort stehen gelassen. Aber ich versuchte mich nicht allzu lang damit zu beschäftigen, denn ich wollte schließlich nach Hause. Dort entspannte ich erst einmal in meinem Sofa mit einer Tasse Tee und ein wenig Flimmerkiste. Es dauerte aber nicht lang bis ich wieder in meiner Traumwelt war und von IHM träumte. Viele meiner Beziehungen waren daran gescheitert, dass ich ihn einfach immer noch zu sehr liebte. Er wollte einfach nicht aus meinem Herzen verschwinden. Als hätte er einen Anker auf Lebenszeit ausgelassen. SO war ich ihm heute auch wieder verfallen und mein Körper reagierte sofort darauf, weswegen irgendwann meine Hand auch wieder in meine Hose glitt um dieses Gefühl zu besänftigen. Aber ich wusste, das würde nicht passieren. Aber für den Moment ging es mir wenigstens besser. Das war wichtig. Eine Langzeithilfe würde es wohl nie geben.
Aber als wäre mein ewiges Liebesleid nicht noch schlimm genug, lief ich dem Mann von gestern auch immer wieder über den Weg. Es war wirklich zum Haare raufen. Immer wieder strahlte er mich an. Immer wieder betonte er dabei wie gern er mich doch treffen wolle. Irgendwann war es sogar soweit, das er einen Teil meines Heimweges mich begleitete. Mir dabei von sich erzählte, von seinem Beruf. Von seinen Jobs die er bald an Land ziehen würde. Irgendwann wurde es ganz selbstverständlich, dass er bei mir war, wenn auch gezwungenermaßen. Dennoch war er der Einzige der redete. Ich war nur der stumme Teil dieses Duetts.

Als er dann wieder einen Abend neben mir herging, war er mal wieder nicht im Redefluss zu stoppen. Er gestikulierte wild und sprühte nur so über vor Mitteilungsfreude über seinen Alltag.
Mittlerweile hatte er sich endlich eine Schultertasche zu gelegt, damit er dort Mappen und Blätter hineinpacken konnte. Das war das Einzige was ich ihm gesagt hatte. Schließlich wolle er doch nicht wieder von irgendwelchen Männern umgerannt werden, denen er dann hinterherlaufen muss. Dabei ist er kurz ruhig gewesen und rot geworden, erzählte dann aber gleich weiter.
Heute Abend war wieder so ein Tag wo er redete und redete. Ich muss dazu sagen, dass er mir später gesagt hat, dass es aus reiner Nervosität heraus passiert ist, dass er mich so zu getextet hat. Eigentlich ist er eher der ruhige Typ wenn er sich wohlfühlt.

„Willst du mit mir ausgehen?“, fragte ich ihn irgendwann völlig aus dem Kontext gegriffen und ging ganz normal weiter. Er jedoch blieb stehen und starrte mich an, als hätte ich das Rad neu erfunden oder so. Völlig perplex holte er dann auf und versuchte Schritt zu halten.
„Klar! Klar! KLAR!“, er war richtig euphorisch damals gewesen. Unser Date verlief dafür genauso chaotisch wie unser Kennenlernen. Erstmal mussten wir ein Restaurant finden indem wir uns treffen konnten. Wir gingen fast alle Geschmäcker durch, bis wir erkannten, dass wir beide sehr gern italienische Gerichte mochten. So trafen wir uns bei seinem Lieblingsitaliener, was lustigerweise auch meiner war. Dort trafen wir uns dann auch öfters, denn durch seinen Job, konnte er sich glücklicherweise auch mal eher frei nehmen und den Rest der Arbeit daheim erledigen. Wir ergänzten uns somit erstklassig.

~Flashback Ende~

Durch ein Klopfen schreckte ich aus meiner eigenen Reise in die Vergangenheit auf und sah zu meiner Rechten. Mit einem Lächeln öffnete ich selbstverständlich die Tür von innen und ließ ihn einsteigen. Sofort küssten wir uns und sahen uns dann nochmal an. „Keine Sorge du wirst das schon überstehen. Meine Eltern sind ganz lieb und beißen werden sie dich auch nicht. Und wenn doch nähe ich dich wieder zusammen.“, grinste ich und lehnte mich in den Fahrersitz zurück.
„Das macht mir weniger Sorgen. Aber lass uns vorher nochmal bei mir zu Hause vorbei schauen. Ich bin Klitschnass, da ein gewisser Herr mein Klopfen einfach nicht gehört hat.“, meinte er mit seinem üblichen Lächeln und ließ mich etwas erstaunt aufschauen. „Wie lange standest du denn da?“, als ich mir dann aber seinen klitschnassen Mantel ansah konnte ich mir schon denken, dass er einiges länger gewartet hatte als ich erst gedacht hab. Michael erzählte mir dann, dass er da bestimmt schon so zehn Minuten in dem strömenden Regen gewartet hatte, mir aber verzeihen konnte, da er wusste, dass ich immer recht komisch wäre wenn es regnerisch ist.
Mit diesem stillen Abkommen über meine Psyche fuhren wir dann kurz zu ihm. Denn wir wohnten jeder jeweils noch in unserer eigenen Wohnung. Denn für ein Zusammenziehen war ich definitiv nicht bereit. Auch nach drei Jahren nicht. Immerhin gingen wir auch erst nach drei Jahren bei meinen Eltern essen. Für so was hatten wir schon lange gebraucht, oder besser ich, also würde einiges anderes noch länger warten müssen.

In seiner Wohnung angekommen setzte ich mich auf sein Sofa und betrachtete den Regen zunächst draußen, um dann doch wieder aufzustehen und ihm ins Bad zu folgen. Dort war er gerade dabei sich von sein er nassen Kleidung zu befreien. Langsam schlich ich mich an ihn heran und umarmte ihn von hinten.
„Tut mir leid. Ich wollte dich nicht draußen stehen lassen. Kann ich das irgendwie gut machen?“, dabei grinste ich ihn frech durch den Spiegel an, in den wir gerade blickten und knabberte an seiner Schulter. Er drehte sich in meiner Umarmung um und begann mich leidenschaftlich zu küssen. Grinste dann aber frech in den Kuss. „Heute Abend mein Guter. Heute Abend kannst du dich gern entschuldigen, aber jetzt will ich mich fertig machen. Immerhin wollen wir doch keinen schlechten Eindruck auf deine Eltern machen oder?“, dabei strich er leicht unter meinem Kinn her und küsste mich nochmal ganz sanft, bevor er sich aus meiner Umarmung wand und unter die Dusche sprang.
Kurz seufzend wand ich mich dann dem Spiegel zu und guckte ob noch alles richtig saß und lächelte dann zufrieden. Es passte wirklich alles. Wir verstanden und ergänzten uns perfekt. So sollte es laufen. Trotz des Regens ging es mir heute gut. Sehr gut sogar. Aber dass er es bemerkt hatte.... Jedoch, wieso auch nicht? Immerhin kannte er mich nun mittlerweile lang genug.
So in Gedanken vertieft merkte ich nicht wie er mich dieses Mal von hinten umarmte und meinen Nacken küsste. „Heute Abend verrätst du mir aber was heute den ganzen Tag durch dein hübsches Köpfchen vorgeht okay?“,meinte er leise in mein Ohr und biss leicht hinein.
Mit einem Nicken entzog ich mich ihm und verschwand dann aus dem Bad, bevor ich seine Einwände doch noch ignorieren würde und mich ihm an den Hals werfen würde.
So dauerte es dann aber auch nicht mehr lang bis er fertig angezogen und gepflegt war. Ich saß derweil auf dem Sofa und betrachtete den immer stärker werdenden Regen.
„Können wir mein Schatz?“, hörte ich nur seine tiefe Stimme mich fragen und stand wie in Trance auf. Regen war wirklich ein Wetter das gemischte Gefühle in mir auslöste. Trauer, Unbehagen, Einsamkeit, aber all das nimmt er mir meistens an solchen Tagen.Genau wie heute. Heute ist wieder einer dieser Tage, wo ich wirklich froh bin ihn zu haben.
Still gingen wir zum Wagen und setzten uns. Mit einem Lächeln auf den Lippen fuhr ich dann zu meinen Eltern. Wenigstens hatte ich ein großes Zeitfenster, da wir zum Abendessen bei ihnen verabredet waren. Da mein Dienst niemals zum Mittag gereicht hätte. So kamen wir wenigstens zeitig an durch unser kleines Problem mit dem Regen, dass meine Mutter noch nicht mal wirklich fertig mit dem Essen war.

Als ich an der Tür klingelte und meine Mutter uns öffnete strahlt sie uns an und bat uns herein. Michael, so höflich wie er war, hatte natürlich an Blumen für meine Mutter und einen guten Wein für meinen Vater gedacht. Somit machte er gleich schon mal einen guten Eindruck bei den Beiden. Noch dazu konnten sie sich jetzt von seiner Männlichkeit überzeugen. Weil ich kann mir schon vorstellen, dass sie anfangs gedacht haben, ich würde jetzt irgendwelche solche Männer in Frauenkleidung heranschleppen. Aber so was fand ich auch widerlich. Klar ich kannte solche Leute auch, aber selbst war ich nie so und würde sie nie als Partner bevorzugen.
Ich mochte es lieber Männlich, muskulös. Eben wie ein Mann war. Ich stand schließlich auf Männer, nicht auf Frauen.
Mein Vater konnte sich gut mit ihm über Geschäfte unterhalten und meine Mutter genoss es dass ihr mal jemand zusprach, dass das im Wohnzimmer nicht bloßes weiß war sondern creme. Sie hatten wirklich kein Problem mit ihm und merkten auch wie gern wir zusammen harmonierten. So war das Essen doch nicht so schlimm wie erwartet. Alle verstanden sich bestens, auch wenn mein Vater anfangs skeptisch zu sein schien. Aber auch das hatte sich mittlerweile dann gelegt. Er bot ihm sogar ein Bier an. Obwohl ich mich frage ob das nur ein Test war.
Wir blieben noch eine Weile, bevor wir uns dann auf den Weg machen mussten, damit wir nicht allzu spät nach Hause kommen würden. Ausnahmsweise hatte ich morgen Spätschicht, aber dennoch wollte ich den Schlaf den ich hatte auch mal nutzen. Außerdem stand da ja noch ein Versprechen von heute Nachmittag offen. Deswegen verabschiedeten wir uns mit de Zusage, bald wieder zusammen wiederzukommen, aus dem Haus meiner Eltern.

Im Wagen erntete ich für das Essen einen heftigen Kuss von dem ich erstmals einen Moment brauchte um mich zu erholen. Benebelt fuhr ich dann die Straße entlang. Mit einem Lächeln auf den Lippen. Immer wieder legte sich meine Hand auf sein Bein, wenn ich gerade nicht de Schaltknüppel brauchte. Mit voller Vorfreude auf den weiteren Verlauf des Abends küsste ich ihn während einer Rotpause an einer Ampel und versprach somit mehr, was auch gern aufgenommen wurde. Als ich meine Augen dann wieder der Ampel zu wand und immer noch rot sah, wollte ich mich wieder Michael zuwenden. Als sich bei mir alles versteifte. Alles in mir schrie sofort auf. Wollte raus rennen. Mich ihm an den Hals werfen, doch wurde ich von einem Hupkonzert aufgeweckt wurde. Auch Michael tippte mich langsam an. Denn wir hatten Grün,doch ich bekam kaum noch was mit. Fuhr einfach heim ohne weitere Worte von mir zu geben. Daheim legte ich Jacke und alles andere ab und ging erst mal zum Wohnzimmer. Ich musste sitzen. Zur Ruhe kommen.
Oft genug hatte ich mich getäuscht, aber dieses Mal konnte ich mich nicht getäuscht haben. Das war er ganz sicher. Ryan hatte dort an der Ampel gewartet. Wollte hinüber gehen. Aber bemerkt hatte er mich nicht. Es schien als wäre er gar nicht anwesend gewesen. Zum Glück, weil hätte er mich auch nur einen Moment angesehen....
Obwohl, nein. Ich hätte nichts getan. In meinem Kopf vielleicht, aber real nicht. Nach damals könnte ich ihm eh nicht mehr unter die Augen treten.
Dem Mann dem ich dieses unbehagende Gefühl beim Regen verdanke.
Dem Mann den ich immer noch seit 12 Jahren liebe.
Miteinander
Anmerkungen zum Kapitel:Eigentlich war das ein Teil eines ganzen Kapitels abe rich wollte keine 13 Seiten in einem Hochladen *g*
Dafür gibts aber beide Teile heute, damit ihr nicht allzulange warten müsst
Kapitel 4 – Miteinander

Im Endeffekt haben wir am Abend doch nicht miteinander geschlafen. Ich hab es auf den Schlafmangel aufgrund meiner Arbeit und den Regen geschoben. Zum Glück hatte er nach kurzer Zeit nachgegeben, so dass ich mich einfach nur in seine Arme gelegt hatte und so etwas beruhigt habe. Zwar nicht ganz, aber immerhin genug, dass ich nach einer Weile eingeschlafen bin.
Dennoch wachte ich am nächsten Morgen einem nassen Gesicht auf. Ich strich mir mit der Decke übers Gesicht und versuchte dann erst mal wach zu werden. Denn meine Träume hatten mich wieder ein mal nicht allein gelassen, sondern sind mir sogar hierher gefolgt.
Als ich mich dann aufmachen wollte ins Bad entdeckte auf dem Nachtisch auf meiner Seite des Bettes, einen Zettel.
Ja jeder hatte in dem Bett des anderen bereits einen Platz der ihm gehörte. Dies erwies sich als einfacher, als ständig irgendwas am nächsten Morgen zu suchen.

>>Guten Morgen Schatz.
Ich hoffe du hast nicht allzu schlecht geschlafen. Gern wäre ich bei dir geblieben und hätte dich wach getröstet, aber leider wartet ja ein wichtiger Kunde auf mich. Aber heute Abend nach deinem Dienst entführe ich dich zum Essen und dann können wir ja drüber reden wenn du magst. Schließlich sehe ich dich ungern weinen. Bis später mein Schatz und hab einen schönen Tag.

In Liebe Michael<<

Seufzend legte ich den Zettel wieder auf den Nachttisch. Mit den Händen fuhr ich mir durch die Haare. Was sollte ich ihm denn bitte sagen? Dass ich gestern meine erste und einzige Liebe gesehen habe und ihn nur aus dem Grund habe, weil es für mich schön und angenehm ist? Ich glaub das wäre nicht so gut. Aber ewig kann ich meine Stimmungsschwankungen beim Regen und so was nicht bei Seite schieben. Das macht doch niemand lange mit, auch wenn er es jetzt schon drei Jahre mitmacht. Irgendwann wird bestimmt auch diese Geduld ihr Ende haben.
Dennoch weiß ich, dass ich es dieses Mal wieder auf einen schlechten Traum schieben werde, an den ich mich nicht erinnern kann. Teils trifft es ja sogar zu, nur dass ich es immer wieder zu verdrängen versuche, es aber nicht schaffe.

Dem Morgen begegne ich mit einem starken Kaffee und einem Brötchen, um diese dann am Fenster zu genießen und auf den Fluss auf der Rückseite seines Hauses zu gucken. Diesen Anblick liebe ich einfach. Deswegen bin ich immer wieder froh wenn er seine romantische Ader sprießen lässt und uns draußen auf dem Balkon Frühstück zubereitet. Ich hab mit ihm wirklich das große Los gezogen, aber dennoch gibt es eigentlich nur einen den ich wirklich will, aber diesen werde ich nie kriegen. Leider....

Frisch gestärkt durch Frühstück und Dusche, mache ich mich dann auch schon auf den Weg zu meiner Arbeitsstelle. Auf dem Weg halte ich natürlich noch an meinem Stammbäcker, um mir mein Essen für später noch zu kaufen und mach mich dann endgültig los. Auf der Arbeit finde ich zum Glück immer wieder genügend Ablenkung, dass ich gar nicht an Ryan denken kann. Alles andere wäre auch unverantwortlich. Gegenüber den Kollegen, aber vor allem gegenüber den Patienten. Mal abgesehen davon, liebe ich diesen Beruf einfach zu sehr, als dass ich mich davon ablenken lassen könnte. In der Pause holte mich dann aber alles wieder ein, weswegen ich mich auch gleich von der Station verzog. Lieber schnappte ich etwas Luft. Vom langanhaltenden Regen roch sie besonders gut so dass ich mich mal fünf Minuten einfach an die Wand lehnen und die Augen schließen konnte. Doch rief dies wieder das Gesicht hervor, welches ich gestern gesehen hatte.
„Er sah ihm so verdammt ähnlich. Er muss es gewesen sein, aber bitte lass es ihn nicht sein. Oh bitte lass mich endlich loskommen. Nach all den Jahren.“, flehte ich innerlich vor mich hin. Versuchte mir einzureden, dass er es nicht sein konnte. Immerhin, was sollte er in dieser Stadt wollen?
Genau, hier gäbe es nichts was er auch nicht woanders haben konnte. Außerdem hatte ich mich bereits so oft vertan. Das habe ich bestimmt gestern auch wieder getan. Das Wetter hatte mich einfach nur wieder weich werden lassen.


Am Abend, als Michael vor dem Krankenhaus auf mich wartete versuchte ich weiterhin mir einzureden, dass es keinen Grund gab für ihn hier zu sein. Mittlerweile hatte es sogar Wurzeln gesetzt., so dass ich mich ganz aufs Essen mit Michael konzentrieren konnte. Meine volle Aufmerksamkeit war voll und ganz bei ihm, was wohl auch ein Grund war, dass er nicht nachfragte was heute Nacht und gestern Abend mit mir los gewesen ist. Obwohl ich glaub es fiel ihm auch schwer sich auf so etwas zu konzentrieren, wenn an seinem Bein mein Fuß immer wieder auf und ab fuhr. Zum Glück hatten wir eine stille Ecke gewählt, so konnte ich ihn mit meinen Füßen ein wenig verwöhnen, während ich mir genüsslich das Essen einverleibte. Er selbst schaffte es nicht ganz so sehr sich zu konzentrieren, weshalb er auch bald den Kellner rief und unser Essen einpacken ließ. Darüber war ich sehr froh, denn ich weiß nicht ob ich noch Eis in meinem Eisfach hatte und darauf wollte ich nun beim besten Willen nicht verzichten. Mal abgesehen davon, dass man dies daheim für viel interessantere Sachen nutzen konnte.

Im Wagen wurde ich gleich stürmisch geküsst. Mit einem Grinsen auf dem Lippen sah ich ihn an als er den Kuss kurz löste und mir dabei in die Augen sah. „DU mieser kleiner....“, grinste er und leckte mir über die Lippen, bevor er sich in den Sitz zurücklehnte und versuchte seine roten Wangen zu verstecken, in dem er sein Gesicht wegdrehte. Manchmal war er immer noch der scheue Mann den ich kennengelernt hatte. Und genau diese Momente liebte ich. Genau wie er mich den Rest des Abends.

So vergingen wieder einige Wochen, in denen nichts passierte. Michael und ich verbrachten viel Zeit miteinander wie immer und vergessen war schnell die Begegnung an der Ampel. Bis es natürlich nicht anders passieren konnte, als dass wir uns wiedersehen mussten. Bis dahin hatte ich völlig vergessen, dass er es gewesen sein konnte. Wie sonst auch.
Es war Wochenende und wir beide hatten frei. Ich war noch 'ne Runde morgens laufen gewesen, als Michael schlief und hatte auf einen Weg bei meinem Lieblingsbäcker halt gemacht. Er war ganz in meiner Nähe und hatte meiner Meinung nach die besten Bötchen der Umgebung.
So ging ich hinein und betätigte so die auf alt getrimmte Türklingel. Doch war ich nicht allein, wurde aber natürlich sofort mit einem höflichem Lächeln und einem „ Guten Morgen.“ begrüßt. So reihte ich mich ordentlich ein und holte erst mal die Luft nach die ich weniger zu mir genommen hatte beim laufen. Mir gefiel es wirklich sehr wenn ich morgens hier meine Runde vorbei machte und mir meine Lieblingsbrötchen holte. Dabei nahm ich heute natürlich auch extra zwei Käsebrötchen für Michael mit, denn er liebte diese Dinger abgöttisch. Manchmal bekamen sie dann eher Aufmerksamkeit als ich.
Mit einem Schmunzeln bestellte ich also unsere Lieblingsbrötchen, um dann auch zu bezahlen. Dann betätigte sich die Türklingel erneut und ich drehte mich mit meiner Tüte um und ging auf die Tür zu, nur damit ich dann kurz ins stocken kam dann sofort weiter ging oder eher hastete. 'Das kann nicht sein!', dachte ich damals und war sofort nach Hause gerannt.
Dort hatte ich erst die Brötchen in die Küche gelegt und bin dann unter die Dusche verschwunden. Versuchte mich mit eiskaltem Wasser zu beruhigen. Die Bilder aus meinem Kopf zu bringen. Irgendwann begann mein Körper zu zittern, doch konnte ich ihm nicht zuschreiben, ob es der Angst wegen war, oder ob es des Wassers wegen war. Dennoch verließ ich lieber die Dusche. Wickelte mich in ein Handtuch ein und rubbelte mich mit einem anderen trocken. Zog mir dann eine meiner Leinenhosen über und ging dann zurück in die Küche, um dort unser Frühstückstablett vorzubereiten. Dies bestand aus unseren Brötchen, Marmelade, Käse, Schinken und anderen Wurstbeilagen, sowie Quark und Nutella für mich. Dazu stellte ich noch Tee und Orangensaft. Fertig war unser kleines Frühstück.
Voll beladen ging ich ins Schlafzimmer. Zwar noch verfolgt von dem Gedanken von vorhin, aber diese versuchte ich zu vertreiben. Mich stattdessen auf das Wichtige zu konzentrieren. Nämlich meinen Schatz einfach heute Morgen nach Strich und Faden zu verwöhnen.
So stellte ich das Tablett erst mal auf dem Nachttisch von mir ab und krabbelte dann wieder ins Bett, um ihn dann mit zärtlichen Küssen zu wecken.
Liebevoll verteilte ich die erst auf seiner Schulter, arbeitete mich dann weiter nach oben, um dann wieder weiter nach unten vor zu gehen. Wiederholte das einige Male, bevor ich enttäuschtes Brummen hörte und dann im Nacken gepackt wurde und zu einem richtigen Kuss gezwungen wurde. Doch kam ich diesem Zwang natürlich gern entgegen.
„Guten Morgen mein Schmetterling.“,grinste er mich mit immer noch geschlossenen Augen an. „Schmetterling?“, erwiderte ich mit einem fragenden aber amüsierten Ton. Dafür erntete ich einen weiteren Kuss und er öffnete die Augen. Diese waren natürlich braun, weswegen ich einen Moment stockte. Kurz war ich wirklich bei einer anderen Person gewesen. Bei braunen statt blauen Augen. Schüttelte dann aber lächelnd den Kopf und beobachtete ihn, bevor ich meine Frage nochmals stellte.
Mit einem Kraulen in meinem Nacken sah er mich an und meinte dann: „Ja, Schmetterling. Bei den Küssen eben, fällt mir nichts anderes ein. Auch wenn ein Schmetterling bestimmt wärmer ist als du.“ Dabei zog er dann auch schon die Decke unter mir weg, wodurch ich kurz weg rollte und er dann samt Decke über mir lag. „Noch dazu war es vorher auch schon ganz schön kalt hier ohne dich.“, nun war es an ihm mich liebevoll zu küssen. Doch wanderte er hierbei tiefer als bis zur Schulter. Machte dabei lieber weiter bis zu meinem Bauchnabel und zurück. Nur um dann nach einigen Malen die Nase zu rümpfen als er vor meinem Gesicht war.
„Das sind aber keine Käsebrötchen oder?“, aus dem Augenwinkel sah er hin und grinste mich dann an. Doch so einfach ließ ich ihn nicht entkommen, weswegen ich meine Arme um seinen Nacken legte und in zu mir runter zog. Manchmal waren wir wirklich wie kleine Kinder. Aber das genossen wir dann ziemlich. Immerhin war das Leben ja ernst genug. Besonders als Schwuler war das Leben kein Zuckerschlecken.
„Hm, wenn du mich überzeugt dass du die Brötchen verdient hast, kriegst du sie auch.“, grinste ich frech und streckte ihm die Zunge heraus. Michael grinste darauf und rieb sich an meinem Becken.
„Sicher, dass der Beweis noch nötig ist?“
„Mhmm~aa... ich meine … J...ahh~ !!“
„Meinst du? Ich würde mich aber lieber durch das Brötchen stärken bevor ich dich vernasche.“, daraufhin wurde ich dann tatsächlich kurz rot und entließ ihn dann mit einem Grinsen. „Hm, aber nur wenn du mich fütterst. Ich bin nämlich ganz erschöpft vom jagen der Beute.“
Dafür erntete ich nur einen Kuss und er legte sich dann auf meine Seite des Bette und holte das Tablett zu uns ins Bett. Zunächst schmierte er mir ein normales Brötchen mit Nutella, um dies dann aber bei Seite zu legen und sich dann sein eigenes Brötchen fertig zu machen. Ließ mich somit ausharren. Und immer wieder wenn ich versuchte es mir einfach zu nehmen, bekam ich einen kleinen Klaps auf die Finger. „Hey, das ist mein Nutella Brötchen.“ meckerte ich eher im Spaß und versuchte es ihm wieder aus der Hand zu rauben wurde dann aber lieber zu einem Kuss heran gezogen. Seine Lippen schmeckten noch nach Nutella weswegen ich mir genüsslich über die Lippen leckte. „Hm wenn du so schmeckst ist mir das Frühstück gleich erst Recht egal.“, schnurrte ich ihm vor und leckte ihm über die Lippen. Ich nahm das Tablett und stelle es neben das Bett um auch gleich darauf von ihm an sich gezogen zu werden.
„Ich dachte du wolltest dich noch stärken. Dabei bist du doch schon ganz stark.“, neckte ich ihn und wurde dafür ausgekitzelt.
„Kleiner Frechdachs du.“, meinte er nur und begann dann seinen Fingern mit den Lippen zu folgen. Brachte mich so schon um den Wahnsinn, Er wusste einfach was ich mochte und nutzte dieses Wissen nur allzu gern aus um mich dann hinzuhalten. Und heute schien er das besondera gern zu tun, weswegen ich irgendwann darum bettelte, dass er mich erlöste.

Nachdem wir dann doch den Sport vorgezogen hatten frühstückten wir ausgiebig im Bett und kuschelten noch eine Runde, bevor wir uns dann doch irgendwann anzogen. Schließlich wollten wir heute noch ins Kino, doch vorher hatten wir noch einen Spaziergang im Park geplant. Ich weiß man kann es kaum glauben, aber das macht mir Spaß. Mit ihm bin ich manchmal um einiges ruhiger als ich es früher war. So saßen wir sogar irgendwann einfach auf der Bank und redeten etwas. Über das was wir noch die nächsten Tage tun könnten, bevor er dann Anfang nächster Woche auf eine einwöchige Tagung musste, die von einem Kunden arrangiert worden war und wo er nicht fehlen durfte. Ich freute mich dabei durchaus für ihn, aber irgendwie wollte ich ihn doch nicht weit weg wissen. Besonders nicht nach heute Morgen.
Als wir dann einige Zeit später vor dem Kino standen, war das dann aber alles vergessen und wir suchten uns gemeinsam einen Film aus. Einer bezahlte die Karten, der Andere die Getränke und die Chips. So machten wir das immer. Dann war es meist Fair verteilt.
Im Kinosaal konnte ich nicht umhin, ihn hier und da etwas zu berühren. Mir gefiel sein Körper einfach und das zeigte ich immer wieder nur all zu gern. Doch allzu weit ging ich im Kino nicht. Schließlich wollten wir den Film schauen. Was wir dann auch wirklich in Ruhe tat. Hin und wieder streichelten sich unsere Hände oder wir verschränkten diese miteinander.
Dies hielt bis nach dem Kino an und wir verließen das Kino auch so. Es tat gut jemanden zu haben, der kein Problem hatte, unsere Beziehung in der Öffentlichkeit zu zeigen. Immerhin hatte ich schon einige Kerle, die wirklich panische Angst haben es zu zeigen. Okay bei der heutigen Zeit kein Wunder, aber eben auch wegen der heutigen Zeit sollte man es doch zeigen können. Klar ich war anfangs auch nicht besser gewesen, aber mittlerweile hatte ich wirklich kein Problem mehr damit. Auf der Arbeit trete ich es nicht wirklich breit, aber sonst ist es mir herzlich egal was die Menschen um mich herum denken.
Nach dem Kino gehen wir noch etwas essen, bevor wir uns dann leider verabschieden. Denn ich muss am nächsten Morgen leider früh raus wegen dem Dienst im Krankenhaus und Michael kann glücklicherweise ausschlafen. Das ist halt der Nachteil daran in einem Krankenhaus zu arbeiten. Da beginnt der Dienst auch auf einem Sonntag. Besonders wenn irgendwelche Kollegen dann krank werden und man für sie einspringt.
Zum Abschied küsse ihn ihn nochmals und mache mich dann auf den Weg nach Hause. Ich steige in meinen Wagen und fahr nach Hause. Heute ist es wenigstens wieder klarer und die grauen Wolken werden von mittlerweile vom Sternenhimmel durchbrochen und ersetzen den Himmel den man hie r und da immer wieder über den Tag verteilt sehen konnte. Bestimmt würden wir die nächsten Tage wieder schönes Herbstwetter kriegen. Dann konnte man sich auch wieder raus wagen. Vielleicht würden wir ja auch noch ein paar Tage von diesem so angepriesenen goldenen Herbst bekommen, von dem alle so sehr schwärmten. Und ich insgeheim auch. Ich mochte es wenn alles in rot und braun Tönen leuchtete und strahlte. Das waren die Tage in denen ich Michael besonders oft in den Park entführte und einfach nur mit ihm spazieren wollte. Als ich so raus sah während der Autofahrt, entschied ich mich noch für einen kleinen Umweg und machte noch einen Schlenker in den abgelegenen Park. Dort stelle ich mein Auto ab und gehe noch ein wenig spazieren. Sehe hin und wieder Pärchen die hier vermutlich die letzten Momente ihres Dates ausklingen lassen. Ich selbst schlendere durch die Gegend und betrachte die Sterne am Himmel. Vielleicht hätte ich Michael noch mit hierher nehmen sollen, dann hätten wir das auch noch ein wenig zusammen genießen können. Aber nein vermutlich wären wir dann doch den Rest des Abends zusammengeblieben und das wollte ich vermeiden wenn ich Frühdienst habe und er ausschlafen kann.
So dreht ich hier allein meine Runden und fuhr dann auch nach Hause. Dort warf ich mich nach einer Dusche noch etwas vor den Fernseher und zappte durch die Kanäle und bleib an einer Doku hängen, doch hielt die Aufmerksamkeit leider nicht sehr lange, weswegen ich dann doch ins Bett ging und den Wecker stellte. Nach einiger Zeit holte mich dann auch der Schlaf ein und ich driftete ab ins Land der Träume. Doch wurde dies nach einiger Zeit das Land der Alpträume. Denn wieder träumte ich von Ryan. Von dem Tag am Pool. Von unseren restlichen Wochen in der Schule. Wie er mich gemieden hat. Die verachtenden Blicke. Er hatte es zwar niemanden erzählt, aber seine Blicke waren schlimmer als alle Taten und Sprüche anderer Leute. Natürlich fiel es auf, dass wir nicht miteinander redeten, aber niemand traute sich zu fragen.

Schweißgebadet wachte ich auf. Rang nach Luft. Strich mir durch die Haare und seufzte schwer. Nachdem ich mich dann etwas beruhigt hatte, ging mein Blick auf meinen Wecker.
> 04:24 < stand da in grünen Lettern und strahlte mich an. Seufzend strich ich mir mit der Hand über das Gesicht und ließ mich wieder nach hinten in die Kissen fallen. Wieso lies mich das nicht in Ruhe? Ich hatte in letzter Zeit doch auch meine Ruhe gehabt. Weder hab ich irgendwen gesehen, geschweige denn, hab ich irgendwas geträumt. Wieso jetzt auf einmal?
Murrend legte ich mich auf die Seite und grübelte nach. Wie es ihm wohl ging? Was er so machte? Ich meine wir hatten uns jetzt Jahre lang nicht gesehen. Ob es ihm gut ging? Vermutlich hatte er schon längst Frau und Kinder. Doch allein der Gedanke lies mein Herz verkrampfen. Nein ich wollte nicht an ihn denken. Ich sollte es nicht tun. Doch leider versuchte ich mir das seit 12 Jahren einzureden und irgendwie klappte es nie. Dafür liebte ich ihn immer noch. Auch wenn mir das unklar erschien. Es waren 12 Jahre vergangen. 12 verdammt lange Jahre in denen viel passiert war. Und mein Herz konnte dennoch nicht von ihm loslassen.
Müde blickte ich auf den Wecker, welcher nicht wirklich voran zu schreiten schien. Meine Arbeit begann doch erst in dreieinhalb Stunden. Seufzend stand ich auf und zog mich an. Packte mich etwas dicker ein und begab mich nach draußen. Das tat ich öfters wenn Ryan mich durch meine Träume aus dem Schlaf riss, in welchen ich dann nicht zurückkehren wollte aus Angst weiter von ihm zu träumen.
So spazierte ich auch diesen Morgen wieder durch die Gegend und seufzte dabei immer wieder. Es war zum verrückt werden. In diesen Momenten bereute ich es kein Raucher zu sein. Vielleicht würde so eine Beruhigungszigarette ja helfen. Aber nein ich weigerte mich auch nur eine Zigarette anzurühren. Für mich kam es nicht in Frage als Arzt zu rauchen. Tagtäglich predigte ich den Patienten „trinken sie weniger, rauchen sie weniger und das sollten sie auch reduzieren.“ Da konnte ich ja schlecht selbst rauchen. Dennoch in solchen Momenten der Verzweiflung, wünschte ich mir ich würde es tun. Irgendein Laster, was mich von meiner Verzweiflung ablenkte. Ich trank ja nicht mal wirklich viel. Aber vielleicht war es das. Vielleicht sollte ich mit ein paar Freunden mal wieder richtig einen trinken, wenn ich mal wieder frei hatte. Ich zog es zumindest erst mal in Erwägung. Vielleicht tat mir das wirklich sogar mal gut.
Seufzend stand ich von der Parkbank auf, auf die ich mit der Zeit gesetzt hatte und machte mich auf den Weg zu meiner Lieblingsbäckerei. Dort bestellte ich mir dann müde drein blickend einen extra starken Kaffee und nahm mir ein paar belegte Brötchen mit. Die Verkäuferin lächelte mich wie immer an und fragte mich, was mich denn so früh aus dem Bett getrieben hatte, während sie mir die Brötchen schmierte. Denn eigentlich hatte sie erst vor einer halben Stunde aufgemacht und somit noch in dem Bereich nichts fertig.
„Hm... schlecht geschlafen und konnte irgendwie nicht weiterschlafen. Da dachte ich mir ein Spaziergang am frühen morgen kann nicht schaden.“, lächelte ich dann doch noch, „Und ein Kaffee von Ihnen erweckt jede Lebensgeister in mir.“ Daraufhin lachte sie und packte mir alles ein. Den Kaffee, den ich bereits in den Händen hielt genoss ich in vollen Zügen und machte mich dann auch schon auf den Weg nach Hause. Dort beförderte ich den leeren Kaffeebecher in den Müll und die Brötchen auf den Tisch. Mich selbst beförderte ich unter die Dusche, wo ich mit heißem Wasser aufwärmte und dann Arbeitsfähig machte.
Danach ging ich in die Küche wo ich dann erst mal noch etwas aß. Die Uhr zeigte gerade mal, dass es kurz nach sechs war. Sprich ich hatte noch viel Zeit. Die ich damit verbrachte mir noch einen Kaffee zu machen und frühstückte. Auf der Arbeit würde ich wohl erst sehr spät dazu kommen. Dabei las ich noch etwas an meinem Laptop die Nachrichten und fragte mich wie es meinen Patienten wohl so ging. Als es dann endlich soweit war, dass ich los konnte, schütte ich mir den restlichen Kaffee in meinen Thermobecher.
Auf den Straßen war nicht wirklich etwas los. Klar es war ja auch Sonntag und für die meisten noch mitten in der Nacht. So kam ich recht schnell zum Krankenhaus durch und begab mich in die Umkleidekabine. Unterwegs trank ich noch von meinem Kaffee. Frisch umgezogen begab ich mich auf meine Station. Erst mal war die Schichtübergabe dran und dann ging es später in die Frühbesprechung mit dem Chef und Oberarzt. Sowie kurz darauf meine kleine Visite durch die Station. Am Sonntag kümmerte ich mich nur um die Akuten und das was die Schwestern mir nannten, was in der Nacht aufgefallen war.

So ging der Sonntag dann doch recht schnell rum und ich fuhr dennoch völlig geschafft in meine Wohnung zurück, wo ich mich dann nur noch ins Bett legte. Durch den Schlafmangel von heute morgen war ich nun wirklich entkräftet. Deshalb dauerte es auch nicht lang, bis ich einschlief. Dieses mal schien es sogar ein traumloser Schlaf zu sein, aus dem ich dennoch wieder herausgerissen wurde. Es klingelte an der Tür und ich versuchte es auch erst zu ignorieren, nur um dann beim dritten Mal doch aufzustehen und zur Wohnungstür zu schlurfen.
Ich ging an die Gegensprechanlage und brummte hinein: „Hmm~? Wer stört?“ Dabei konnte ich mir ein Gähnen nicht verkneifen. Mir kam daraufhin ein Lachen entgegen.: „Haben wir gerade gestört?“ Brummelnd lehnte ich mich an die Wand. „Anrufen vorher kennt ihr nicht oder?“, konterte ich nur und betätigte dann den Summer und legte das Telefon der Anlage auf. Ich hatte nichts gegen Besuch. Besonders nicht von meinen Freunden. Aber ich war auch müde, aber jetzt wo ich einmal wach war, konnte ich es auch bleiben. Sonst würde ich morgen wieder so früh wach werden und dann wieder den ganzen Morgen überlegen was ich machen sollte? Nein Danke.

„Hallo Basti.... Boah siehst du scheiße aus.“, kam es mir von meinem besten Freund entgegen. „Danke, du siehst auch gut aus.“, konterte ich nur und ging dann in die Küche vor. Die Anderen machten es sich derweil im Wohnzimmer bequem. Ich selbst kam mit ein paar Getränken nach und setzte mich dann zu Ihnen.
„Womit hab ich denn den überraschenden Weckdienst verdient?“, meinte ich noch ein wenig müde, grinste aber schon etwas mehr. Die anderen grinsten nur, weil sie wussten wie ich sein konnte, wenn man mich einfach so weckte. Doch war das für sie kein Hindernis mich dennoch zu wecken, denn sie wussten ebenfalls, dass ich niemandem von ihnen lange böse sein konnte, besonders wenn ich dann mal wach war.
„Dürfen wir denn nicht bei unserem Kumpel vorbei schauen? Oder musst du gleich zum Dienst?“, meinte dann einer aus der Runde. Ich schüttelte aber nur den Kopf. „Morgen früh erst wieder.“, ergänzte ich mein Kopfschütteln und hielt mich an mein Getränk.
„Also was wollt ihr wirklich hier?“, meinte ich dann nach einer Weile des Überlegens, weswegen sie wirklich hier waren. Mein bester Freund. Ja ich hatte wirklich wieder jemanden gefunden dem ich alles erzählen konnte. Alles. Auch das, was ich Michael nicht erzählen konnte. Eben dieser grinste mich an und meinte dann: „Eigentlich wollten dir fragen wann du dich mal wieder von deiner besseren Hälfte lösen kannst und etwas mit uns unternimmst.“ Die Rest der Truppe nickte nur zustimmend und grinste. „Wir haben ja nichts dagegen, dass du glücklich bist, aber die letzten Wochen bist du ein wenig vereinnahmt worden.“, kam es dann wieder von einem anderen Freund.
Ihre Idee lies mich auflachen. Dass sie die gleiche Idee gehabt haben wie ich lies mich einfach auflachen.
„Klar warum nicht. Ich hatte heute morgen den selben Gedanken. Ich muss diese Woche leider komplett im Frühdienst arbeiten, aber danach die Woche sollte es gehen. Montag und Dienstag habe ich frei genau wie das Wochenende. Da wird bestimmt was finden lassen.“, meinte ich zuversichtlich. Montag wollte ich Michael zum Bahnhof bringen, aber danach hätte ich auf jeden Fall Zeit.
So planten wir uns mal wieder einen ordentlichen Männerabend zu machen ohne die Freundinnen und Freunde. Das musste einfach mal wieder sein.
So machten wir für Freitag dann aus etwas zu unternehmen. Was genau würde sich dann noch ergeben. Je nach Wetterlage. Im spontanen Planen waren wir alle Spitzenmeister. Danach quatschten wir noch ein wenig, bevor mich die Anderen dann aber doch verließen. Ich selbst sah dann auch nochmal auf die Uhr und suchte dann ach meinem Handy bevor ich einfach Michael anrief, um einfach noch ein wenig mit ihm zu reden und seien Stimme nochmal zu hören.
Während wir so Telefonierten begann ich schon mal nebenbei mich umzuziehen und ging dann mit dem Handy ins Bett. Dort machte ich es mir richtig bequem und erzählte ihm dann von meinem Tag und natürlich auch von dem Plan für Freitag. Die Idee meiner Freunde ließ leicht lachen. Ja auch er wusste, dass wir in letzter Zeit viel aufeinander gehangen haben. Aber das brachte wohl die kommende Kälte mit sich, da wollte man nicht allein sein. Und ich ganz besonders nicht. Denn ich hatte heute morgen ja gemerkt, dass ich am besten nicht allein sein sollte. Kurz wieder in Gedanken vertieft, bekam ich nicht mit was Michael gesagt hatte und fragte nochmals nach. Doch er lachte nur und meinte ich solle man auf die Uhr sehen. Sofort tat ich das und entschuldigte mich auch gleich. Es war ein Uhr in der Nacht und Michael brauchte seinen Schlaf. Dies bestätigte er mit einem Gähnen. Wir verabschiedeten uns noch und wünschten uns eine angenehme Nacht, bevor wir dann auflegten. Ich selbst lag noch eine Weile wach, bevor mich dann doch der Schlaf einholte.
Freunde
Kapitel 5 – Freunde

Die nächsten Tage verbrachten ich und Michael noch zusammen. Schließlich wollten wir die Zeit nutzen, bevor er dann aufbrach zu dieser Tagung. Insbesondere weil es immer mehr gab, was anfiel und die Möglichkeit bestand, dass er vielleicht doch länger bleiben müsste. Aber das würde sich auf der Tagung zeigen. Leider.
So verging die Zeit recht schnell, wie immer wenn man etwas genoss. Deshalb kam auch der Freitag immer näher und wir entschieden und aufgrund des nun doch anhaltenden Wetters auszugehen. Einfach mal wieder zu feiern. Das hieß wir machten uns fertig und trafen uns an unserer Stammdisco und reihten uns in die Schlange ein. Wir freuten uns alle auf den Abend. Endlich mal wieder zusammen unterwegs. Die gesamte Clique.
Diese beinhaltete 4 Männer und 2 Frauen. Wir alle hatten uns mehr oder weniger im Studium kennengelernt, auch wenn wir verschiedene Zweige wählten, hatten wir immer Spaß zusammen. Studentenpartys halt. Ich konnte mir ein grinsen nicht verkneifen, wenn ich an damals zurückdachte. Aber schnell wurde ich von meinen Gedanken abgeschüttelt, denn als wir reinkamen wurde ich von einer Wucht an Eindrücken fast erschlagen.
Musik, Hitze, Vibrationen. All das was man hier erwartete. Und die Leidenschaft lag auch in der Luft. Hier traf sich alles was feiern und abschalten wollte. Egal ob Hetero oder Homo. Außer man hatte irgendwelche Phobien, dann war man hier eher kein gern gesehener Gast. Denn hier wollten die Leute nur ihren Spaß haben und das zählte.
Unser erster Weg führte uns an die Bar wo wir uns alle erst mal was hochprozentiges bestellten. Damit begaben wir uns in eine zum Glück noch freie Sitzecke und genossen dort unsere Cocktails. Ich selbst beobachtete dabei die tanzende Menge, während die anderen versuchten sich über die Musik hinweg zu unterhalten. Aber nach und nach minderte sich unsere Truppe. Zumindest der sitzende Teil. Der Rest begab sich auf die Tanzfläche und genoss die starken Beats die aus den Boxen drangen und ihre Körper in Bewegung brachten. Und einige von Ihnen blieben auch nicht lange alleine. Ja so war das Singleleben, man konnte sich amüsieren wie man wollte.
Nach einer Weile begab ich mich dann aber auch auf die Tanzfläche und lies mich von dem Rhythmus treiben. Ich schloss die Augen und bewegte mich ganz einfach zu dem was ich hörte. Irgendwann spürte ich dann wie sich ein Körper an meinem bewegte und ich ging anfangs auch drauf ein, aber als die Hände dann in Gefilde traten wo sie nichts zu suchen hatten, tanzte ich davon und versuchte wieder meinen Rhythmus für mich zu finden. Tanzen tat ich gern mit anderen, aber mehr auch nicht. Kein Fummeln oder ähnliches. Das war etwas was ich nicht wollte und auch nicht durchgehen lies. Da waren Michael und ich uns einig. Appetit holen, aber gegessen wird zu Hause.
Nach einer Weile begab ich mich dann von der Tanzfläche zur Bar und bestellte mir einen neuen Cocktail. Dabei spürte ich aber Blicke auf mir. Sofort drehte mich um, konnte aber niemanden direkt ausmachen, der mich betrachtete. Schob es dann aber einfach auf einen der Leute auf der Tanzfläche. Vermutlich sogar der, der vorhin nicht bekam, was er wollte.
Mit dem Drink setzte ich mich zu meinem besten Freund, der mittlerweile auch zurückgekehrt war. Wir grinsten uns beide an und widmete uns unseren Drinks.
„Wie läuft es so mit Micha?“, brüllte er mir über die Musik hinweg ins Ohr. Ich sah ihn an und lächelte. „Gut! Seit er meine Eltern kennengelernt hat, ist er auch etwas geduldiger was das Thema zusammenziehen angeht.“, brüllte ich zurück und war echt froh, dass Michael, da in letzter Zeit wirklich kein Wort drüber verloren hatte. Vielleicht war die Vorstellung bei meinen Eltern auch etwas was er gebraucht hatte. Eine Bestätigung meinerseits, dass mir ernst war mit ihm. Wer weiß. Aber ich war froh über die Situation im Moment. Wie es zwischen uns lief und wie es sich langsam Stück für Stück entwickelte. Sie sich Zeit nahmen.
„Willst du immer noch nicht?“, kam es dann wieder in mein Ohr gebrüllt und ich schüttelte nur den Kopf. Daraufhin schüttelte Chris den Kopf, aber leicht grinsend. Denn er kannte den Grund dafür nur zu gut. Statt weiter nach zu fragen, klopfte er mir dann aber ermutigen auf den Rücken. Auch wenn er mir hin und wieder versuchte Mut zu mehr zu machen versuchte, verstand er mich und akzeptierte meine Entscheidungen. Stand voll hinter mir.
Wir beide genossen unseren Drink, bevor wir uns dann wieder auf die Tanzfläche wagten und dort noch ein wenig uns dem Beat hingaben. Bald spürte ich wieder einen Körper an meinem, welcher sich passend zum Rhythmus an meinen schmiegte. Dieses Mal blieben die Finger auch nur dort wo sie bleiben sollten. Klar er reizte es immer wieder aus. Aber nicht zu sehr, denn die Finger bewegten sich immer an den Grenzen des Terrains meines Körper wo er noch gerade hin durfte.
Irgendwann löste ich mich dann doch von ihm und begab mich ohne eines Blickes auf ihn zu werfen zu unserer Sitzecke. Natürlich spürte ich nun wieder die Blicke auf mir, aber das war mir egal. Ich wollte die Gesichter nicht sehen. So konnte ich keinen Augen verfallen denen ich nicht verfallen sollte. Oft genug hatte ich mich dann den Rest des Abends in irgendwelchen wunderschönen braunen Augen verloren und nur durch Chris in mein eigenes heimisches Bett zurückgefunden.
Doch leider schien mein Tanzpartner dies abrupte Trennung nicht zugefallen, denn kurzerhand wurde ich an meinem Arm zurückgezogen und Lippen legten sich verführerisch auf meinen Hals. Liebkosten darüber, während eine tiefe Stimme in mein Ohr flüsterte: „Hier geblieben. Ich will noch ein wenig tanzen.“
Warum auch immer, aber ein Blitz durchzog meinen Körper und ich stand unter Strom. Meine Augen hatten sich geweitet und mein Körper war nicht mehr Herr der Lage. Einzig allein Chris half mir dieses mal nicht mich selbst zu verlieren. Dieses Mal war es aber anders gewesen. Nicht die Augen. Diese Stimme hatte mich bis ins Mark berührt. Doch mein Kumpel zog mich weg. Zurück zu unserer Sitzgruppe. Er musterte mich und sah dann zur Tanzfläche. „Ich hol uns was zu trinken und du bleibst jetzt hier.“, grinste er dann in mein Ohr. Ich selbst holte erst mal tief Luft, bevor ich zur Tanzfläche sah, doch konnte ich dort niemanden vernehmen, der dies in mir hätte auslösen können. Geschweige denn jemanden der seine Identität als mein Tanzpartner preisgab. Durch Blicke oder sonstiges. Somit seufzte ich und sah Richtung Bar, von der Chris, der eigentlich Christopher hieß, zurückkam. Grinsend nahm ich dann meinen Drink an und sah wieder zur Tanzfläche. „Da hast du wem aber ganz schön eingeheizt.“, hörte ich dann Chris an meinem Ohr rufen. Ich lachte nur und tat ganz Machohaft und bewegte meine Hand in einer dazu passenden Geste. „Ich bin ja auch klasse.“, grinste ich. Mein bester Freund lachte daraufhin und schüttelte nur den Kopf. „Der hat mich daraufhin richtig finster angesehen, als ich dich weggeschleppt habe.“, brüllte er erneut mir ins Ohr. Ich sah ihn kurz überrascht an, dann musste ich schmunzeln. Also enttäuscht kannte ich ja. Auch ein wenig beleidigt. Aber finster? Das war mir etwas neues. Aber darauf gab ich nicht viel. Stattdessen nutzte ich die Gelegenheit des Abends und genoss den Alkohol der mir durch die Venen floss und mich berauschte. Immer wieder begab ich mich auf die Tanzfläche, doch schien der Typ nicht wieder aufzukreuzen. Dafür aber andere, doch die schüttelte ich gekonnt wie immer ab.

Es war recht spät, oder besser sehr früh am Morgen, als wir den Club verließen. Wir verabschiedeten uns noch voneinander und gingen dann unsere Wege. Außer Christopher. Der kam mit mir mit. Wollte sich bei mir 'ne Mütze Schlaf holen und dann wollten wir noch ein wenig quatschen was im Club ja schlecht ging. So machten wir uns auf den Weg zu meiner Wohnung wo wir uns beide nur noch aus den Klamotten schälten und in mein Bett verkrochen. Ich stellte mir noch den Wecker, damit ich nicht all zu spät aufstand. Was mir einen fragenden Blick von meinem Freund einbrachte. „Ich hab nur keine Lust erst heute Abend aufzustehen, wo ich dich endlich mal wieder hier habe. Da will ich nachher auch mit dir quatschen können.“, grinste ich ihm entgegen. Er selbst grinste dann auch breit. „Wir können auch jetzt gern reden. Zum Beispiel darüber, dass du selbst schuld bist, wenn du dich so verausgabst mit Michael.“, konterte er dann und legte sich zurück in die Kissen. Denn während seiner Aussage, hatte er sich zu mir rüber gebeugt.
„Spinner. Deswegen darfst du ja heute auch in meinem Bettchen schlafen. Aus meinem Becherchen trinken und von meinem Tellerchen speisen.“, meinte ich und tat ganz ernst, nur um dann aber mit Chris zusammen loszulachen. Ja manchmal konnte ich noch recht albern sein. Und es tat mal wieder so zu blödeln. Es dauerte aber nicht lang bis wir beide unser Lachen mit einem Gähnen unterbrachen. Grinsend legten wir uns dann endlich hin und schliefen erst mal unseren Rausch aus.

In meinen Träumen kehrte aber die Stimme zurück, die mich im Club so deutlich angesprochen hatte. Kombiniert mit den Lippen die eine heiße Spur auf meinem Hals hinterließen. Hände sie sich verführerisch über meinen Körper tasteten. Gehorsam aber auch gegen die Regeln die ich immer aufsetzte. Es machte mich einfach an, das alles kombiniert zu spüren. Mein Körper stand erneut unter Strom und ich wusste nicht wie ich mich verhalten sollte. Denn trotz dieses Stroms war ich zu Eis erstarrt.
Doch genau wie mich Chris aus diesen Fängen befreit hatte, riss es mich aus dm Traum. Doch dieses Mal hatte mich mein Körper selbst gerettet, denn als ich neben mich sah, lag dieser noch seelenruhig in den Kissen. Das ziehen in meinen Lenden lies mich unter die Decke sehen und auf seufzen. Ohne weiteres ging ich ins Badezimmer und entledigte mich meinen restlichen Klamotten und lies zunächst kaltes Wasser über niederprasseln, bevor ich heiß duschte. Meinen Körper wieder aufwärme und versuchte wieder unter Kontrolle zu bringen. Zu versuchen zu verstehen, was das eben gewesen war.
Während ich mich abtrocknete und die Wäsche in den Wäschekorb schmiss hing ich meinen Gedanken nach und agierte ganz automatisch. Ging ins Schlafzimmer, suchte mir was zum abziehen raus und verließ dann dieses auch gleich wieder, nur um dann in die Küche zu gehen und dort zunächst Kaffee aufzusetzen. Dann bereitete ich ein klein wenig was zu. Denn wenn der Kaffeeduft im Schlafzimmer ankommen würde, würde auch Christopher aufstehen und garantiert Hunger kriegen. Und als hätte ich es nicht geahnt kam er dann auch schon gähnend um die Ecke und sah in die Küche. Ich schüttelte nur grinsend den Kopf. Wir kannten uns einfach zu lange und zu gut. Weswegen ich ihm auch schon Handtücher ins Bad gelegt hatte. Er hasste es ungewaschen zu Frühstücken. „Liegt bereits alles im Bad.“, meinte ich nur zu ihm und widmete mich dann wieder Frühstücksvorbereitungen. Oder eher Mittag, denn auf der Uhr schlug es bereits ein Uhr.
Alles auf den Tisch gestellt für uns beide, wusch ich gerade das gröbste ab, als Chris auch schon in die Küche zurückkehrte. Nun grinste er auch schon wieder. Das war eine Eigenschaft an ihm die ich mochte. Er war nahezu immer fröhlich, was einen wirklich aufbauen konnte. Ich wollte mich gerade zu ihm an den Tisch setzen, da klingelte das Telefon. Damit rechnend, dass es Michael war, der mich vermutlich schon heute bei sich haben wollte, ging ich fröhlich hin, nur um kurz darauf nicht mehr so zufrieden zu sein. Ein Kollege hatte angerufen und darum gebeten mit mir den Dienst zu tauschen. Natürlich handelte es sich hierbei um die Nachtschicht. Nach einigem hin und her überlegen und seinem Versprechen das nächste Mal auch für mich einzuspringen, gab ich dann aber nach. Brummelnd ging ich dann aber in die Küche zurück und setzte mich an den Tisch.
„So wie du aussiehst war es nicht Michael der angerufen hat.“, schlussfolgerte mein Gegenüber und ich schüttelte nur den Kopf. Nahm erst mal einen ordentlichen Schluck Kaffee bevor ich ihn dann ansah. „Nachtdienst. Heute.“, seufzte ich und begann mir etwas von dem Rührei auf den Teller zu tun. Aber statt Mitleid zu haben lachte er nur und schüttelte den Kopf. „Du kannst nicht anders oder? Du gibst immer nach. Wies machst du das?“, meinte er und füllte sich selbst etwas auf den Teller. „Ich weiß nicht, aber na ja was solls. So ist es halt. Aber das wird er mir büßen. Ich werde ihm so einen richtig schlimmen Tag aufs Auge drücken.“, lachte ich dann wieder und genoss meinen Kaffee. Es herrschte dann eine Weile Stille in der wir ruhig frühstückten, bevor das Eis dann wieder von Chris gebrochen wurde. „Na, wie läuft es nun mit euch beiden?“, die Frage lies mich aufsehen und lächeln. „Gut würde ich sagen. Außer dass er übermorgen für 'ne Woche wegfährt und wenn es schlimm läuft wird die verlängert.“, meinte ich nur und hoffte wirklich, dass nichts schief lief. „Hm und wie war das nun mit deinen Eltern? Du hast gestern gemeint ihr seid bei Ihnen gewesen?“, hakte er jetzt nochmal nach wo ich ihn auch wirklich verstehen konnte.
„Ja, und sie fanden ihn echt nett. Meine Mutter hat mich auch nochmal extra am nächsten Tag angerufen, um mir zu sagen, dass wir ruhig wieder kommen können.“
„Ah dann ist ja gut, also hat dein Vater ihn auch akzeptiert nehme ich an.“
„Ja, auch wenn er es echt noch mit Bier probiert hatte. Ich mein es gibt auch hetero Kerle die kein Bier trinken“, meinte ich kopfschüttelnd. Schließlich hatte Michael es ja doch getrunken, aber was wäre gewesen wenn nicht? Hätte er ihn dann nicht akzeptiert? Aber wer weiß es war nicht so gewesen. Alles war gut verlaufen und Michael hatte ihren Segen.
„E..de an ...sti. Erde an Basti.“, kam es dann von Chris, weil ich mal wieder meinen Gedanken nachgehangen bin „Nicht träumen. Erklär mir lieber warum du nun immer noch nicht mit ihm zusammenziehen willst. Ich mein gestern hab ich nicht genauer nachgefragt, war ja auch schwierig bei dem Lärmpegel. Aber ich mein. Ihr versteht euch prächtig. Eure Eltern akzeptieren es. Ich seid jetzt drei Jahre zusammen. Langsam wird es doch Zeit.“, Chris wusste ich mochte das Thema nicht, aber er wäre nicht mein bester Freund wenn er mich nicht drauf ansprechen würde. Klar er akzeptierte meine Meinung aber fragen tat er dennoch hin und wieder mal.
„Weil ich es nicht kann. Es hat schon so lange gebraucht, bis er meine Eltern kennengelernt. Außerdem weißt du ganz genau woran es liegt. Und die letzte Zeit macht es nicht besser. Ich sehe ihn immer noch überall. Vor einigen Wochen an einer Ampel. Dann letztens beim Bäcker. Und aus meinen Träumen will er auch nicht verschwinden. Ich kann Ryan einfach nicht vergessen und das weißt du ganz genau.“, meinte ich und war mit den letzten Worten wütender geworden. Aber eher auf mich selbst, weil ich so die Beziehung irgendwann auch kaputt machen würde.
„Dann mach Schluss!“, konterte Chris und sah mich eben so ernst an. Und irgendwie hatte ich es geahnt, dass das kommt. Denn es war jedes Mal sein Argument. Und wie jedes Mal auch erklärte ich ihm dass ich das nicht konnte. Dass ich Michael doch liebte. Und bekam dafür dann zu hören warum es so schwer war dann mit ihm zusammen zu ziehen.
Wir diskutierten wieder herum, bis Chris zu mir kam und mich einfach mal in den Arm nahm. Eigentlich war das nicht so mein Ding, aber dafür seines. Er meinte mal er müsste das hin und wieder tun, damit ich wüste, dass er mir nicht mehr böse sei. Seufzend tätschelte ich ihm den Rücken. „Schon okay. Ich weiß du meinst es gut, aber ich kann es einfach nicht.“, meinte ich dann und trank meinen Kaffee aus.
„Das ist mir bewusst ich hoffe einfach nur, dass du euer Glück damit nicht zerstörst, denn du wirkst wirklich glücklich mit ihm. Bei keinem anderen sah es vorher so aus wie mit euch jetzt.“, meinte er und sah dann auf die Uhr. „Und auch wenn es schön war dir mal wieder zu versuchen den Kopf zu waschen werde ich jetzt gehen. Hau du dich noch ein wenig aufs Ohr. Nicht, dass du heute Nacht weg pennst.“, meinte er und streckte sich nochmal ordentlich. Ich selbst stand dann auch auf. Würde mich wirklich gleich hinlegen. So ein paar Stunden zumindest. Aber vorher verabschiedete ich mich noch von Chris Wir machten für nächste Woche noch was aus. Den Tag würden wir noch sehen. Aber wir wollten uns auf jeden Fall wieder treffen. Es stimmte schon, dass ich in letzter Zeit alles andere irgendwie vernachlässigt hatte. Auf jeden Fall würde sich das wieder ändern müssen.
Doch jetzt erst mal räumte ich alles in der Küche auf und verzog mich dann gleich wieder ins Bett. Dort kuschelte ich mich in die Decke und stellte meinen Wecker um, damit ich noch rechtzeitig wach wurde. Ich hatte eher weniger Lust zum schlafen, aber es musste sein, das wenige von heute morgen würde garantiert nicht reichen.
So schlief ich wirklich irgendwann ein und war sogar mal traumlos. Irgendwann gegen späten Nachmittag stand ich auf machte mir noch einen Happen zu essen. Für die Arbeit würde ich unterwegs etwas kaufen. Für Michael musste ich zum Glück nichts großartiges packen. Das war der Vorteil, wenn man bei dem Anderen schon einiges an Kleidung bereitliegen hatte. Höchstens das kleine Päckchen was ihm ihm mitgeben wollte, schaffte es in die Tasche für morgen. Denn morgen früh werde ich garantiert nichts packen wollen. Und Nachmittags war ich bestimmt noch nicht lang genug auf für so was. Dann putzte ich mir noch die Zähne und machte mich dann auch schon auf zur Arbeit. Mit einem kleinen Umweg über den Supermarkt. Zum Glück aß ich nachts nicht viel und zur Not würde ich einfach mal lieb bei den Schwestern vorbei schauen. Die hatten immer was für mich über.
Aber dazu kam es zum Glück nicht. Mein Magen so wie der gesamte Nachtdienst war ruhig, weswegen ich dann gähnend am Morgen in die Umkleidekabine ging. Dort zog ich mich unter Gähnen um. Ich grüßte noch fix meine Kollegen und wünschte ihnen einen ruhigen Dienst. Dann machte ich mich auch schon auf zum Bäcker. Die Nacht über war ich oft mit meinen Gedanken bei Michael gewesen. Und ich dachte mir ich könnte ihn einfach mal mit einem Frühstück überraschen. Zwar wollten wir heute Nachmittag zusammen essen gehen und dann einen Film bei ihm zu Hause anschauen, aber irgendwie hatte ich genau jetzt Lust darauf ihn zu sehen. Lag wohl auch daran, dass Chris mich einfach aufgepeitscht hatte mit dem Thema, denn es hatte mich nachts einfach nicht in Ruhe gelassen.
Doch als ich vor dem Bäcker stand, überlegte ich eine Weile, bevor ich einfach zu Michael direkt fuhr. Schon lange waren wir nicht mehr auswärts zum Frühstück gewesen. Also fuhr ich direkt zu ihm und klingelte dort an der Tür. Versuchte ein Gähnen an sofort zu unterdrücken. Denn wenn er wüsste, dass ich direkt nach dem Nachtdienst hierhergekommen bin, würde er mir die Türe direkt vor der Nase zu machen und mich vorher noch nach Hause schicken. Von dem Nachtdienst konnte ich ihm einfach aufgrund der Plötzlichkeit und des Besuches von Chris einfach nichts mehr erzählen. Mal abgesehen davon, dass es ja eigentlich nicht mal wichtig gewesen war. Und so würde ich jetzt einfach nicht zeigen wie müde ich eigentlich war.
Als die Tür dann aufgemacht wurde, lächelte ich Michael an, welcher mich überrascht anblickte. „Hab ich irgendwas falsch verwechselt? Ich dachte wir treffen uns Nachmittags.“, meinte er sichtlich verwirrt. Doch ich lächelte ihn nur an und legte meine Arme um seinen Hals. „Nein, aber ich dachte warum frühstücken wir zwei nicht zusammen und gehen dafür in ein nettes Café?“, meinte ich und küsste ihn dann, „Oder hast du schon gefrühstückt?“ Das wäre natürlich jetzt mehr als doof. Doch glücklicherweise schüttelte er den Kopf und zog mich erst mal in die Wohnung hinein und küsste ihn dort richtig. „Ich war gerade dabei den Tisch zu decken, aber deine Idee klingt um vieles besser. Besonders wenn sie mit so einem überraschendem Besuch verknüpft ist.“, lächelte er in den Kuss und genoss diesen noch ein wenig, bevor er sich von mir löste und um ein paar Minute bat in denen er sich umziehen konnte. Natürlich folgte ich ihm dabei und setzte mich aufs Bett, von wo aus ihm ihm zusah. Gähnte dann in einem Moment wo er es nicht mitbekommen konnte. Nur um mich dann wieder zusammenzureißen.
„Dann haben wir also den ganzen Tag für uns?“, meinte er als er sich fertig angezogen umdrehte. Doch ich grinste nur auf, statt erst mal eine Antwort zu geben. Ich musterte ihn und gab dann meine Antwort: „Kommt drauf an, was ich dafür kriege.“ Mein Blick wirkte etwas herausfordern, da ich es liebte ihn ein wenig zu provozieren. Und es verfehlte seine Wirkung nicht. Lasziv grinsend kam er auf mich zu und beugte sich über mich. Seine Lippen schmusten erst über meine, bevor er mich dann ins Bett drückte und mich verführerisch küsste. Die Lippen wurden dabei mit jeder Sekunde fordernder bis er letztendlich abbrach. Seine Finger strichen aber immer noch über meine Seiten, während er mich frech ansah. „Genügt das?“, fragte er gegen mein Ohr und hauchte dort einen letzten Kuss auf. „Denn mehr gibt es erst später.“, flüsterte er und erhob sich von mir. Ich aber zog ihn noch zu einem letzten Kuss hinab, erhob mich dann aber mit ihm zusammen. „Kleiner Frechdachs.“, grinste Michael mich an und lachte. „Hm, aber das magst du so an mir, gib es ruhig zu.“, konterte ich was aber nur mit einem Grinsen und einem Kopfschütteln quittiert wurde. Aber ich wusste dass ich damit Recht hatte. Nur zu gut.


„Schön mal wieder auswärts zu frühstücken. Das war echt eine klasse Idee.“, lobte Michael mich und nahm sich dann ein Brötchen aus unserem Korb. „Ja ne? Ich bin klasse ich weiß.“; grinste ich und nahm mir ebenfalls ein Brötchen. „Ja ja du bist auch klasse mein Schatz.“, meinte er grinsend und schmierte sich sein Brötchen während ich vor mich hin grinste. Versuchend ein Gähnen zu unterdrücken. Wir unterhielten uns eine Weile über dies und das. Vor allem aber auch über die Planung wegen morgen. Dafür hatte ich mir extra frei genommen. Wir würden gemeinsam aufstehen, noch etwas frühstücken und dann würde ich ihn zum Bahnhof bringen. So sah unser Plan aus, auch wenn ich nicht wirklich Lust um halb acht aufzustehen an einem freien Tag, aber was solls. Für Michael tat ich das. So ein wenig in Gedanken vertieft, konnte ich dann ein Gähnen doch nicht unterdrücken. Tat dann aber so als wäre nichts. Schließlich war an einem Gähnen auf einem Sonntagmorgen noch schlimmes dran. Auch wenn es bei mir eindeutig an der nicht vorhanden Nacht oder besser an den wenigen Stunden Schlaf in dieser lag. Denn zum Glück war so wenig los, dass ich mich hin und wieder nochmal hinlegen konnte. Und es war ja auch nichts neues, dass ich mal nach einem Nachtdienst wach blieb, um mit Michael Zeit zu verbringen. Manchmal war das die einzige Möglichkeit, dass ich ihn überhaupt sah. Und heute wollte ich ihn einfach mehr sehen, als die geplanten paar Stunden. Das war doch völlig normal. Schließlich würde er bald weg sein.
„Sebastian! Hey!“, Michaels Rufe rissen mich aus meiner Gedankenwelt und ich sah ihn entschuldigend an. „Tut mir leid, ich war in Gedanken.“, hängte ich zu meinem Blick an, doch mein Freund musterte mich schon eingehend. Und dann kam die Frage die ich nicht wirklich hören wollte: „Sag wie viel hast du heute Nacht eigentlich geschlafen? Ganz ehrlich.“ „Genug.“, genug lächelte ich und versuchte der Antwort auszuweichen die er eigentlich haben wollte. Das aber schien er wohl zu bemerken. Er kannte mich einfach zu gut mittlerweile. Deswegen seufzte er nur und trank von seinem Kaffee und biss von seinem Brötchen ab. Okay er war nicht gut drauf. Aber das hätte ich mir auch denken können, wenn es raus kommt. “Wie oft hab ich dir gesagt, dass du mich nach der Nachtschicht nicht besuchen sollst, bevor du dich nicht ausgeschlafen hast? Und wieso hast du überhaupt eine gehabt? Ich dachte du hast das Wochenende frei. Musst du heute Abend etwa auch wieder los?“, meinte er und konzentrierte sich auf das Frühstück. Ich schüttelte dann aber mit dem Kopf und weil ich wusste, dass er das nicht hören konnte wählte ich doch die Worte: „Nein heute nicht, das hätte ich auch nicht gewollt. Ich bin nur gestern eingesprungen. Und was heute morgen angeht... ich musste einfach die Nacht über an dich denken und wollte dann zu dir.“ Danach wand auch ich mich schweigend meinem Frühstück. Ich klammerte mich an meine Kaffeetasse, welche mir etwas Halt gab. Ich mochte es nicht, wenn Michael sauer auf mich war, aber das heute morgen war einfach eine spontane Aktion gewesen. Aber es dauerte nicht lange bis ich dann etwas an der Hand spürte. Michael sah mich an und seufzte. „Jetzt schau doch nicht so. Da fühle ich mich ja schlecht bei. Dabei mach ich mir doch nur Sorgen um dich. Ich will nicht, dass du dich ruinierst. Du brauchst deinen Schlaf. Besonders nach der Nachtschicht. Wir frühstücken jetzt zu ende und dann gehen wir zu mir. Dort legst du dich hin und schläft dich aus.“, seine Worte waren liebevoll genau wie seien Stimme, doch wusste ich, dass er hierbei keinerlei Widerworte duldete Deswegen nickte ich nur stumm, was ihn dazu veranlasste sich über den Tisch zu mir zu beugen und mich zu küssen. „So und nun lächelst du wieder. Das steht dir nämlich wesentlich besser, als wenn du so traurig schaust.“, lächelte er mich an und leckte mir Marmelade aus dem Mundwinkel, was mich dann grinsen lies. Danach aßen wir aber wirklich weiter, wenn auch nicht mehr viel.
Zusammen spazierten wir dann zu seiner Wohnung zurück und das sogar ohne Umwege, so gern ich auch einen gemacht hätte, aber ich bezweifle stark, dass er den Vorschlag angenommen hätte. Stattdessen wurde ich bei ihm zu Hause sofort ins Schlafzimmer gedrängt von ihm zum ausziehen animiert und dann ins Bett geschickt. „Und hier kommst du erst raus, wenn du ausgeschlafen hast.“, meinte er und verließ dann das Schlafzimmer. Ich selbst saß im Bett und seufzte. Er wusste wusste wohl, dass ich ihn sonst zu mehr animiert hätte, wenn er hier geblieben wäre. Als ich dann im Bett lag überkam mich auch die vorhandene Müdigkeit und ich schlief schnell ein. Ich kuschelte mich in die Mitte des Bettes dabei und genoss Michaels Geruch in meiner Nase. Dies sorgte wohl auch dafür, dass ich von eben diesem und mir träumte. Von uns und unserer ersten Begegnung.


Leicht gähnend, streckte ich mich im Bett, bevor ich mich aus diesem erhob. Ich bewegte mich durch den Flur ins Wohnzimmer wo ich meinen Freund vermutete. Natürlich lag ich damit auch richtig. Leise ging ich auf ihn zu und umarmte ihn von hinten. „Bist du schon wieder am Arbeiten? Wie war das mit 'Ich arbeite nicht mehr wenn du bei mir bist.' ?“, grinste ich ihn an und drehte seinen Schreibtischstuhl zu mir hin und setzte mich auf seinen Schos. Bald auch schon spürte ich seine Arme um meinen Körper, was mich lächeln lies. „Du hast geschlafen mein Lieber. Außerdem solltest du noch gar nicht hier sein. Ich wollte das erledigt haben, bevor du kommst. Aber da war ja so ein frecher Kerl der mich abgelenkt hat.“, meinte er und kitzelte mich leicht am Rücken. Dabei drehte er sich etwas mit mir und klappte einfach den Laptop zu. „Und gut geschlafen?“, während er das fragte, nutzte er seine Finger aber jetzt lieber um mich zu streicheln. „Geht so. Schließlich war ich ja allein.“, murrte ich als Antwort nur um dann aber zu grinsen. Schließlich meinte ich das ja nicht ernst. Michael lachte aber darauf nur und meinte: „Wenn du das nächste mal dort drinnen liegst, dann bestimmt nicht allein. Versprochen.“ Lächelnd quittierte ich die Aussage und strich mit meinen Fingern durch seine Haare. „Das will ich aber schwer hoffen.“, grinste ich frech bevor ich ihn dann küsste. Doch wurde das auf Dauer hier unbequem, weswegen wir das Ganze aufs Sofa verschoben, wo wir es unter einer Decke gemütlich machten und uns noch ein wenig gegenseitig genossen. Einfach ein wenig die Nähe genießen und den anderen bei sich spüren.

Leider verging so aber die Zeit auch schneller. Wie immer wenn es am Schönsten war. So rappelten wir uns irgendwann auf und suchte mir ein wenig was ordentlicheres aus dem Schrank als das was ich heute morgen Angehabt habe. Damit wollte ich einfach nicht ausgehen. So begab ich mich wieder ins Schlafzimmer. Jeder von uns hatte bei dem anderen bereits einen kleinen Stapel an Kleidung. Für jeden Fall war was dabei. Ich zog mich fix um und ging dann zu Michael ins Wohnzimmer zurück, doch da war er nicht mehr. Stattdessen fand ich ihn im Badezimmer wo er sich nochmal kurz zurecht machte. Zumindest einmal kurz durch die Haare zu kämmen schien.
„Du siehst aber immer gut aus, das weißt du, oder?“, lachte ich und zog ihn zu einem Kuss heran.
„Dann lass uns mal los.“, meinte Michael auch nur noch und wir machten uns endlich auf den Weg. Zusammen spazierten wir zum Restaurant und hielten dabei ständig die Hand des Anderen. Ich liebte es mit ihm einfach wohin zu gehen. Zwar war das Restaurant ein Stück entfernt, aber so konnten wir die Zeit noch etwas genießen.
Im Restaurant war ich dieses Mal sogar brav und verführte ihn nicht allzu sehr. Stattdessen ließen wir es uns schmecken und prosteten uns mit dem Wein zu.
„Wenn ich zurück bin müssen wir dringend mal über Urlaub nachdenken glaube ich. Den brauche ich ganz dringen und du auch. So oft wie du in letzter Zeit Schichten tauscht oder einspringst. Da lässt sich bestimmt was machen, oder?“, fragte mich mein Freud, während wir unser Glas Wein vor dem Nachtisch genossen. „Hm, da hast du wohl Recht. Ich muss mal schauen. Schön wäre es auf jeden Fall. Wir waren schon lange nicht mehr zusammen weg.“, nickte ich und freute mich echt auf einen gemeinsamen Urlaub. Den hatten wir beide bitter nötig. Da hatte Michael schon Recht. Gerade ins träumen vertieft wo wir hinfahren könnten, wurde uns auch schon der Nachtisch gebracht. Dies lies Michael auflachen. „Na schon wieder am träumen?“, meinte er und schob sich einen Löffel mit der Schokoladenmousse in den Mund. Ich grinste und aß erst ein wenig bevor ich ihm antwortete. „Ich hab nur überlegt wo wir hinfahren könnten. Auf jeden Fall weit weg.“, meinte ich und freute mich immer mehr über die Idee.
Nachdem Essen machten wir uns auf den Heimweg. Einfach nur noch den Rest des Abends entspannt miteinander verbringen. Die Zweisamkeit genießen. Dies taten wir erst mal in dem wir uns ein heißes Bad einließen und dort zusammen ein Weilchen drin verbrachten um dann mit etwas vom Lieferservice auf dem Sofa zu liegen und dort einen Film zu schauen. Einfach einen bequemen Abend. Irgendwann schleppten wir uns dann aber nur noch ins Bett. Stellten wen Wecker und setzten das Kuscheln vom Sofa fort. Nur wurde es hier intensiver. Wir verwöhnten uns ein letztes Mal bevor er dann morgen abreisen würde. Ich genoss seine Lippen. Seine Hände. Seinen Körper. Nahm alles in mir auf und speicherte es.
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