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Wieso nur hatte ich mir Hoffnungen gemacht? Wieso hatte ich den Kampf nicht schon vor Monaten aufgegeben? Alle Kämpfe...
Dann hätte ich mir den Schmerz jetzt ersparen können... Mit einem Toten konnte man eben nicht konkurrieren, nicht wenn die Person um die man kämpfte, diesen Mann aus ganzem Herzen geliebt hatte.
Happy End!

Genres: Reale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Zucker
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine

Kapitel: 4     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

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Veröffentlicht: 02/03/11 Aktualisiert: 03/03/11
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Anmerkungen zur Geschichte
Meine zweite eigene Geschichte Smiley Ich hoffe sie gefällt euch, es geht um Krebs, Hoffnungslosigkeit und Liebe! Viel Spaß!
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1. Kämpfen? Wofür?

Wieso nur hatte ich mir Hoffnungen gemacht? Wieso hatte ich den Kampf nicht schon vor Monaten aufgegeben? Alle Kämpfe...
Dann hätte ich mir den Schmerz jetzt ersparen können... Mit einem Toten konnte man eben nicht konkurrieren, nicht wenn die Person um die man kämpfte, diesen Mann aus ganzem Herzen geliebt hatte.
Energisch hob ich meine Hand und wischte mir die Tränen aus den Augen, starrte verschwommen auf das Bild, welches den Grabstein von Jonah Ontario schmückte.

Jonah Ontario
*18.08.1988 – 07.01.2010
Möge deine Seele ihren Frieden finden und über uns wachen.
In Liebe
Kathrin und Thomas Ontario
und
Marc Johnson
Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollen. Aber nur das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.

Bei diesem Stein hatte sich jemand wirklich Mühe gegeben...warum auch nicht? Immerhin war dieser junge Mann äußerst beliebt gewesen. Alle hatten ihn gemocht, er hatte ein tolles Verhältnis zu seinen Eltern gehabt und er hatte einen Mann an seiner Seite der ihn liebte, Freunde.
Und ein betrunkener Autofahrer hatte sein wunderschönes Leben von einer Sekunde auf die nächste zerstört.
Warum hätten sie ihm nach seinem tragischen Tod auch nicht eine wunderschöne Grabstätte schaffen sollen?!
Einen kurzen Moment lang überlegte ich wie es sein würde sollte ich sterben. Wer würde um mich weinen? Wer würde mir einen Grabstein errichten lassen, an dem man ungestört trauern konnte und der so schön war, dass ich ihn lieben würde?
Meine Eltern? Nein, sie hassten mich, verwehrten mir sogar die Knochenmarkspende die mein Leben retten würde.
Der Mann den ich liebte? Nein, denn er liebte mich nicht, für ihn war ich nur eine Ablenkung um die düsteren Gedanken zu vertreiben.
Freunde? Vielleicht...soweit sie denn vorhanden waren. Mein bester Freund Svende, er würde um mich trauern, da war ich mir sicher. Er würde einen Stein aufstellen lassen, wenn er das Geld dafür hätte und mich regelmäßig besuchen.
Bevor ich weiter in diesen schwarzen Gedanken versinken konnte stand ich auf und drehte mich um, ging einfach. Lief durch den strömenden Regen über den verlassenen Friedhof und war froh um die kalten Tropfen, versteckten sie doch meine eigenen Tränen die unaufhaltsam über meine Wangen rannen.
Ich machte mir keine Hoffnungen, meinen Tod würden nicht sonderlich viele Leute betrauern und für mein Leben kämpfen schon gar nicht.
Nicht so wie Marc der damals alles getan hätte um Jonah am Leben zu erhalten, für ihn sogar eine Niere gespendet hätte. Oder wie seine Eltern die einen der begnadetsten Chirurgen der Welt hatten einfliegen lassen.
Wieso nur hatte ich mir von Kevin die Geschichte erzählen lassen?
Dann müsste ich mir jetzt nicht so viele Gedanken machen.
Aber es hatte mich neugierig gemacht, die Geheimniskrämerei, Marc's Launen, das Foto von dem Mann welches auf seinem Schreibtisch stand und um den sich alles zu drehen schien.
Natürlich hatte ich von Anfang an gemerkt, schon als ich Marc damals in diesem Club angesprochen hatte, dass er immer etwas distanziert war. Nähe wollte er nicht zulassen und egal wie oft wir miteinander geschlafen hatten, er hatte es mir nie erlaubt länger zu bleiben oder gar über Nacht. Nie hatten wir es in seinem Schlafzimmer getan und in die Nähe des riesigen Bettes, hatte er mich gar nicht gelassen.
Die eine Seite war immer fein säuberlich gemacht worden, so dass man denken konnte hier lebte noch jemand. Aber es war immer nur Marc gewesen...
Von Gefühlen hatten ich gar nicht erst anfangen dürfen, dann war Marc wirklich wütend geworden und hatte mich meistens raus geschmissen, so wie ich war. Wie beim letzten Mal, als ich ihm gesagt hatte ich würde ihn lieben.
Und aus Sorge hatte ich mich an einen Freund von ihm gewandt. Kevin. Er hatte ziemlich gezögert und war nicht gerade begeistert über meine Hartnäckigkeit gewesen, aber letzten Endes hatte er mir erzählt was passiert war.
Nichts genaues, nur ein grober Abriss. Offenbar hatte Marc Jonah schon auf der Uni kennen gelernt und die Beiden waren sofort ineinander verliebt gewesen, Liebe auf den ersten Blick eben. Die Beiden waren über zwei Jahre zusammen gewesen, hatten eines davon in derselben Wohnung gelebt und ihre Eltern hatten sich wunderbar verstanden.
Und dann war Jonah von einem Auto erfasst wurden, welches eine rote Ampel einfach überfuhr. Er war nicht sofort tot gewesen, hatte nur schwere Verletzungen und innere Blutungen erlitten. Ein Milzriss und der gequetschte Lungenflügel waren dann sein Tod gewesen. Die Atmung hatte versagt, er war ins Koma gefallen und nie wieder aufgewacht, denn nach drei Monaten hatte man nach seinem Hirntod auch die Maschinen abgeschaltet.
Marc hatte das nie überwunden, sich völlig zurückgezogen und erst nach einiger Zeit das erste Mal wieder mit Freunden weg gegangen. Offenbar hatte er über eine erneute Beziehung gar nicht nachgedacht, was ja auch verständlich nach seinem Verlust war. So war nach zwei Jahren Trauer aus einem fröhlichen 22-Jährigen ein verschlossener 24-jähriger Mann geworden.
Aber dann hatte er wohl beschlossen zumindest auf den Sex nicht zu verzichten und sich fast jeden Abend jemand neues gesucht.
Mich hatte er nicht gesucht. Ich hatte ihn gefunden, damals in diesem Club und schon da hatte ich es gewusst. Das war er!
Ich liebte diesen Mann...seit ich ihn das erste Mal gesehen hatte, seit er mich mit zu sich genommen hatte und wir auf seiner Couch miteinander schliefen. Ich hatte es ihm allerdings nie gesagt, hätte es vielleicht auch nicht tun sollen.

Aber die Ärzte hatten mir mitgeteilt, dass ich ohne die Spende nicht mehr lange zu leben hatte. Die Chemotherapie fiel weg, da sie schon zu viel Schaden angerichtet hatte und es schien als würde die Krankheit sich durch die Strahlen nur noch schneller durch meinen Körper fressen.
Ich hatte den Krebs einmal besiegt, damals war ich neun Jahre alt gewesen. Die Ärzte hatten es früh festgestellt und hatten mich medikamentös und mit Chemotherapie behandelt, nach über einem Jahr hatten sie Entwarnung gegeben und es hatte geheißen die Knochenmarkspende könnten wir uns sparen.
In all den Jahren war ich immer etwas zarter und kleiner gewesen, als die anderen Kinder. Aber es hatte mich nicht gestört, denn ich hatte all das getan, was jedes andere Kind auch hatte tun können.
Wir waren auf Bäume geklettert von denen wir nicht mehr herunter kamen, wir waren im Winter auf den zugefrorenen Seen gelaufen, obwohl wir genau wussten, dass sie nicht frei gegeben waren. Wir hatten der Nachbarskatze den Schwanz rasiert und die Zöpfe des Mädchens vor uns in die Tusche gedippt.
Meine Kindheit war unbeschwert und fröhlich gewesen, obwohl im Hintergrund immer die Gefahr schwebte, die Leukämie würde wieder kommen. Erst alle drei Monate, dann alles halbe Jahr hatte ich zu den Kontrollen gemusst. Immer waren meine Werte in Ordnung gewesen.
Aber im vorletzten Jahr...ich hatte es dem Arzt angesehen, schon wie er den Raum betreten hatte, dieser mitleidige Blick. Diesen Blick kannte ich, früher hatte ich ihn mehr als oft zu Gesicht bekommen.
Der Krebs war zurückgekehrt und zwar mit voller Wucht! Man hatte über eine erneute Chemotherapie nachgedacht, hatte sie sogar begonnen, aber nach jeder Sitzung ging es mir doppelt so schlecht wie vorher. Vor einem viertel Jahr hatten sie es aufgegeben, das war kurz vor meinem neunzehnten Geburtstag gewesen.
Man hatte beschlossen ich brauchte eine Spende, aber wer sollte spenden? Ich besaß eine seltene Blutgruppe und bis jetzt hatte sich niemand gefunden, außer meiner Mutter.
Aber sie und mein Vater hatten mir deutlich klar gemacht sie würden es nicht einsehen für mich diese Gefahr einzugehen. Sie waren nicht gewillt einer Schwuchtel wie mir, ein Mensch der ein abnormales Leben führte, zu helfen.
Zu der Zeit hatte ich beschlossen zu leben, einfach das tun was ich schon immer tun wollte. Einfach mal einen Fremden ansprechen der mir gefiel, auch auf die Gefahr hin dass er nicht schwul sein würde. Was hätte das schon bedeutet? Gar nichts.
Ich hatte mich spontan dazu entschlossen meinen Studiengang zu tauschen und die Professoren hatten dem unter den besonderen Zuständen sogar zugestimmt. So hatte ich von Jura, etwas das meine Eltern immer gewollt hatten in Psychologie gewechselt. Da ich das Studium erst angefangen hatte und gerade mal im zweiten Semester war, kein Problem.
Und sollte dieses Studium schief gehen…was sollte es? Ich hatte das getan, was ich immer hatte tun wollen, war wenigstens in den letzten Monaten glücklich gewesen.
Denn die Ärzte gaben meinem Leben noch eine Chance von 5 % sollte sich nicht innerhalb der nächsten anderthalb Jahre ein Spender finden, der auch bereit dazu war.
Ein Jahr hatte ich nun rum und es war ein glückliches Jahr gewesen, ich hatte Marc kennen gelernt, hatte Zeit mit ihm verbringen dürfen. Und auch wenn ich wusste das er mich nicht liebte, es wohl nie tun würde, ich war froh um die Zeit mit ihm, die schönen Tage und auch die traurigen. Auch wenn er mich nur hatte treffen wollen um mit mir zu schlafen...
Nie hatte er mehr zugelassen, aber eigentlich war ich doch froh drum. Mal angenommen er fühlte etwas für mich, konnte ich es ihm denn zu muten wieder mit jemandem zusammen zu sein dessen Leben quasi schon abgelaufen war?
Und das war es bei mir, meine Blutwerte waren wie ein Stempel, ein Verfallsdatum... eine Grenze die ich in kaum einem halben Jahr überschreiten würde.
Aber jetzt war es wohl vorbei... er hatte mich endgültig von sich geschoben. Als er herausgefunden hatte dass ich mich nach Jonah erkundigt hatte war er vollkommen ausgerastet.
Er hatte mich angeschrien, dass es mich nichts angehen würde und was mir einfallen würde ihm hinter her zu spionieren, nur weil ich der Meinung war ich würde ihn lieben. Offenbar war er der Meinung ich würde mir das nur einbilden, aber da irrte er sich.
Und ich hatte ihm doch nicht hinterher spionieren zu wollen, ich hatte mir Sorgen gemacht, hatte wissen wollen, was in seinem Leben passiert war, das er so unnahbar und kalt geworden war. Es hatte doch einen Grund dafür geben müssen und den hatte ich herausfinden wollen.
War ich damit wirklich zu weit gegangen?
War es zu viel, sich Sorgen um den Mann zu machen, den man mehr liebte als alles andere?
Es war egal, er wollte mich nicht, das hatte er mir mehr als klar gemacht. Egal was ich tun oder lassen würde, es würde ihn nicht interessieren.
Diesen Kampf hatte ich verloren…genauso wie ich den Kampf um mein Leben verlieren würde.
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen als mich jemand anrempelte und sich lautstark darüber beschwerte, dass ich nicht auf meinen Weg achtete.
„Pass auf Junge! Hör auf zu träumen und achte auf deine Füße!“, murrte er ungnädig und funkelte mich wütend an.
„Entschuldigen Sie bitte.“, meinte ich höflich und versuchte mich an einem verkrampften Lächeln, dann wandte ich mich einfach um und lief weiter.
Der Regen prasselte noch immer ungnädig vom Himmel herunter, als hätte der Himmel seine Schleusen geöffnet. Mittlerweile war ich bis auf die Knochen nass und spürte meine Füße kaum noch, aber ich hatte ja selbst Schuld wenn ich ohne Schirm los laufen musste.
Ohne dass ich es gemerkt hatte, war ich schon wieder mitten in der Innenstadt und nur noch ein paar Minuten von meiner Wohnung entfernt. Was bedeutete dass ich seit gut zwanzig Minuten einfach durch die Stadt lief und es kaum mitbekommen hatte.
Etwas aufmerksamer wich ich den anderen Passanten aus, kramte dann in meiner Jackentasche nach meinem Schlüssel und schloss die Tür zu dem großen Mehrfamilienhaus auf. Langsam und etwas außer Atem stieg ich die Treppen hoch, offenbar hatte die Kälte mich schon erwischt.
Als ich oben an kam war ich total aus der Puste, aber ich hatte immerhin vier Stockwerke hinter mir, denn leider wohnte ich ganz oben. Was hieß leider, die Aussicht war fantastisch und bis vor ein paar Monaten war ich ja auch noch top fit gewesen, ein Zustand der sich allerdings rasend schnell geändert hatte.
Schnell öffnete ich die Tür und betrat die Wohnung, die klitschnasse Jacke zog ich einfach aus und hängte sie über die Heizung, den Schlüssel schmiss ich auf den Schuhschrank und die Schuhe zog ich aus, stellte sie neben den Schrank auf die Matte um den Boden nicht vollkommen zu versauen.
Dann lief ich ins Badezimmer, welches direkt an den kleinen Flur angrenzte. Diese Wohnung war nicht viel, aber das Beste was ich mir von meinem kleinen Gehalt und dem Zuschuss von Oma leisten konnte. Es war eine einfache 2-Zimmer Wohnung mitten in Bremen. Ein kleiner Flur, an welchen Küche, Wohnzimmer und Badezimmer grenzten und jeweils mit Türen verbunden waren.
Im Wohnzimmer gab es einen kleinen Torbogen, der in das Schlafzimmer führte. Ich lebte schon seit meinem Auszug hier, damals war ich siebzehn geworden. Meine Oma, zu der ich ein tolles Verhältnis hatte, hatte mich kurzzeitig bei sich aufgenommen, aber eine wirkliche Lösung war das natürlich nicht gewesen.
Also hatte sie mir versprochen mir eine monatliche Summe zukommen zu lassen, mit der ich eine Wohnung finanzieren konnte. Und das hielt sie bis heute, eigentlich hatte ich vor gehabt ihr das Geld irgendwann zurück zu zahlen, auf Heller und Pfennig. Aber daraus wurde wohl nichts mehr…
Ich entledigte mich der nassen Klamotten und holte mir aus dem Wäschekorb eine neue Boxershorts, sowie eine helle Jeanshose und Socken. Die Tränen waren mittlerweile versiegt, aber wahrscheinlich hatte ich einfach keine mehr.
In den letzten zwei Jahren hatte ich einfach zu oft da gelegen und mit meinem Schicksal gehadert. Eigentlich war ich nie ein Mensch gewesen, der an das Schicksal und seine Begebenheiten glaubte, aber ich musste einsehen, dass man dem Tod nicht entkam, nicht wenn er schon vor langer Zeit seine kalten Hände nach einem ausgestreckt hatte.
Angst vor dem Tod hatte ich nicht, ich hatte mich zu oft mit dem Gedanken beschäftigt, schon als kleiner Junge. Aber ich hatte Angst davor alleine zu sterben.
Wer würde dabei sein? Niemand.
Meine Oma wusste es nicht einmal, ich hatte der alten Dame den Schock ersparen wollen, sie lebte doch mittlerweile in einem betreuten Wohnheim und war vergesslich, wenn ich nicht ab und zu anrief oder sie besuchen kam, hätte sie mich schon längst vergessen.
Und selbst dann passierte es immer häufiger, dass sie mich nicht erkannte. Demenz nannten die Ärzte das, ihr Kurzzeitgedächtnis war praktisch verschwunden und sie erinnerte sich eher an die Personen und Situationen aus ihrer Kindheit und Jugend. So hatte sie mich auch schon des Öfteren gefragt warum ihr Mann sie nicht besuchen kam, aber mein Opa war schon seit über zehn Jahren tot.
Nein, sie würde nicht dabei sein, sie wusste es nicht und so war es besser, vielleicht konnte sie mich langsam vergessen oder mich zumindest gesund in Erinnerung behalten.
Svende würde dabei sein, wenn er könnte, aber er tingelte im Moment mittellos irgendwo durch Südafrika. Er hatte sich da unten in eine Frau verliebt und hatte ihr folgen wollen, aber dann hatte sie ihn sitzen lassen, natürlich nicht ohne vorher sein Geld mitzunehmen, welches er sich mühsam erspart hatte.
Meine Eltern würden es nicht einmal wissen, denn nachdem sie mir die Spende verweigert hatte, war der Kontakt komplett abgebrochen und wahrscheinlich würden sie so oder so nicht an meiner Seite bleiben wollen.
Sie hatten mir nie verziehen, dass ich mich öffentlich als schwul geoutet hatte. Generell hatten sie mir allein die Tatsache schon mehr als übel genommen, es hatte immer wieder nur Streit gegeben und oft war ich abgehauen und bei Freunden unter gekommen.
Der große Riss zwischen mir und meinen Eltern hatte stattgefunden, als der Chef von meinem Vater ihn gekündigt hatte. Mit der Begründung er würde es in seiner bekannten Kanzlei nicht verantworten können, wenn jemand mit einem solchen familiären Hintergrund bei ihm arbeite.
Mein Vater war daraufhin total ausgerastet, hatte mir eine gescheuert und mir vorgeworfen ich würde sein Leben zerstören, ihn völlig blamieren und sollte aus ihrem Leben verschwinden.
Meine Mutter hatte nur hinter ihm gestanden und mich angesehen, als wäre ich Abschaum. Aber ein wirklich inniges Verhältnis hatten wir eh nie gehabt. Sie hatte mir unterschwellig immer vorgeworfen dass ich ihre Karriere beendet hatte und es war meine Schuld dass mein Vater sich an sie gefesselt fühlte.
Und obwohl Marisa van Stanton eine stolze Frau war, war sie einsam, denn hier besaß sie kaum Freunde, ihre ganze Familie lebte noch in Holland.
Als ich damals erfahren hatte, dass ich dort noch immer Verwandtschaft besaß hatte ich Hoffnung gehabt, dass irgendwer von ihnen würde spenden können. Aber diese Hoffnung hatte sich nach den Tests zerschlagen.
Und Marc… der wusste weder etwas von meiner Krankheit, noch von meinem restlichen Leben. Er wusste nicht, dass ich mit siebzehn von Zuhause raus geflogen war, er wusste nicht das ich mich mit Almosen und Arbeit bei einem Kurierdienst über Wasser hielt, er wusste nicht was ich studierte und er wusste nicht was ich mochte und was nicht.
Er sah in mir nur den Jungen, mit dem er ein wenig Spaß gehabt hatte und der sich dann zu weit in sein Leben gedrängt hatte. Und selbst wenn er wüsste wie krank ich bin, was hätte es geändert? Wahrscheinlich wäre er dann noch schneller weg gewesen.
Ich hatte Glück gehabt, dass diese Affäre auseinander gegangen war, bevor mein Körper völlig vom Krebs zerstört war.
In den vielen Krankenhäusern die ich schon besucht hatte, hatte ich Menschen mit Leukämie gesehen, kurz bevor sie starben. Blass, beinahe bleich, die Haut war grau und hatte jeglichen Glanz verloren. Die Haare waren dünn und brüchig und die Muskeln hatten sich fast vollständig zurück gebildet.
Ich wollte nicht das mich jemand so sah und schon gar nicht Marc. Die Chemo hatte mir damals schon genug zu gesetzt, diesen Zustand wollte ich nicht noch einmal mit einer Person teilen.
Dabei merkte ich doch schon wie es begann… ich wurde immer schwächer, die vier Stockwerke zu meiner Wohnung die ich früher mit Leichtigkeit genommen hatte, fielen mir von Tag zu Tag schwerer, selbst das Fahrradfahren für den Kurierdienst wurde immer mühsamer. Ich bekam kaum noch etwas runter, meine tägliche Nahrungsaufnahme bestand nur noch aus Wasser, Brot und ab und zu etwas Obst.
Dadurch hatte ich natürlich schon einige Kilo verloren, aber noch war es nicht so dramatisch, als das ich mich dafür erklären musste.
Nein, ich sollte aufhören mir Gedanken zu machen. Eigentlich hatte ich gedacht ich hätte schon längst mit dem Leben abgeschlossen, genau wie mit der Gewissheit meine letzten Tage und Stunden alleine zu verbringen.
Ich hatte es mir zu leicht gemacht, hatte gedacht ich könnte noch ein paar Monate unbeschwert und ohne Verpflichtungen leben, aber ich hatte nicht damit gerechnet mich zu verlieben. Es war doppelt so schwer dem Leben Lebwohl zu sagen, wenn hier jemand war der einen hielt. Auch wenn diese Person es selbst nicht wusste.
Müde hob ich den Blick und starrte in das blasse Gesicht, welches mich aus dem Spiegel heraus ansah. Zart, hohe Wangenknochen, große kobaltblaue Augen, hellblonde Haare, welche mir fast bis zu den Ohren reichten und sich leicht lockten.
Keine wirkliche Schönheit, aber wohl ausreichend um Marc ein paar Monate bei sich zu halten, zumindest hatte es keine Anzeichen dafür gegeben, dass er sich nebenbei noch mit anderen Männern traf.
Noch einmal schüttelte ich den Kopf und straffte meine Schultern, wollte die Gedanken vertreiben. Mit leisen Schritten ging ich durch die Tür und lief ins Wohnzimmer, auf dem Weg zum Sofa, drückte ich nebenbei auf den Knopf des Anrufbeantworters, als ich aus dem Augenwinkel die Lampe leuchten sah.
Die monotone Stimme spulte ihre übliche Ansage herunter, dann ertönte das Piepen und jemand begann zu sprechen. Eine Stimme die mich sofort still stehen ließ, mir einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Dr. Arnold Hansen, mein behandelnder Onkologe.
„Levi, hier ist Dr. Hansen, ich weiß nicht…ich weiß nicht wie ich es Ihnen sagen soll. Aber die letzte Blutprobe…es tut mir Leid, Levi. Meine Schätzung von noch einem halben Jahr war zu optimistisch. Sie müssen bitte sofort ins Krankenhaus kommen, wir müssen mit der medikamentösen Therapie weiter machen. Piiiiiep!“, endete die Bandaufnahme.
Es war also so weit. Der Countdown hatte begonnen, der Countdown der die Wochen meines Lebens zählte, ein Countdown der nicht aufgehalten werden konnte.
Mein Leben würde sein Ende finden…dann sollte ich wohl langsam anfangen meine Sachen zu packen.
Aktualisiert: 02/03/11
Veröffentlicht: 02/03/11
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anna1223 am 03/03/11 01:17
hi!
also ehrlich gesagt, bin ich ein wenig sauer! >:(
nicht nur, dass in der beschreibung was von happy end stand, welches ja offensichtlich nicht vorhanden ist, sondern zusätzlich musste ich feststellen, dass das ne extreme depri-geschichte OHNE zucker war! >:(
also wenn du schon angaben machst und warnungen gibst, dann bitte doch wenigstens die richtigen!!! Unentschlossen
es ist nämlich für den leser nicht gerade toll, wenn er sich erst auf ne süße kleine liebesgeschichte freut und dann am ende heulend vorm bildschirm sitzt und total deprimiert ist!!!

so...

ansonsten hab ich aber nichts auszusetzen.
denn die geschichte an sich war wirklich gut. ein angenehmer schreibstil und ein (zwar sehr trauriger, aber ) tiefgründiger inhalt. ich finde nur, dass man bei einem solchen inhalt vorher gewarnt werden sollte! Zwinkernd
dass mich die geschichte emotional so mitgenommen hat ist ja eigentlich auch nochmal ein lob für dich! Zwinkernd
wenn du das mit der richtigen kennzeichnung noch beherzigst, dann bin ich auf jeden fall gespannt auf mehr von dir (und dann vielleicht wirklich mit happy end?). Zwinkernd
lg. anna




Antwort der Autors mari00 (04/03/11 18:10):
Hey Smiley zum einen freut es mich natürlich das dir mein Schreibstil gefällt, irgendwie bleibe ich immer bei diesen
tiefgründigen Sachen hängen... Aber ich liebe es solche Sachen zu schreiben!
Bis wohin hast du denn gelesen? Also der Epilog beinhaltet in meinen Augen ein Happy End?! Kann es sein das du nicht
die ganze Geschichte erwischt hast? xD
lg
Kämpfen? Wofür?
lese71 am 03/03/11 12:00
Hey,
eine schöne, wenn auch sehr traugirge Geschichte.
Ich hoffe mal diese Geschichte ist noch nicht beendet.
Denn dann stimmen deine Angaben ja nicht.
Es gab kein Happy-End und sie war auch sehr traurig, also kein Zucker. Huch
Dein Art zu schreiben gefällt mir aber ansonsten sehr gut.



Antwort der Autors mari00 (04/03/11 18:11):
Danke erst mal für dein Review Smiley und dann gilt für dich das gleiche wie Anna! Entweder habe ich eine völlig falsche
Vorstellung von Happy End oder ihr habt den Epilog nicht gelesen?! o.O
Kämpfen? Wofür?
anna1223 am 23/04/11 20:31
hi!
ich hab rausgefunden, worin die diskrepanz bestand!!! Lächelnd
zu dem zeitpunkt, als "lese71" und ich das erste kapitel gelesen haben, hattest du die geschichte schon als "abgeschlossen" markiert, weshalb wir davon ausgegangen sind, dass das erste auch das letzte kapitel, und somit kein happy end vorhanden ist!
war also alles nur ein dummes missverständnis! Zwinkernd
ich werd jetzt erst mal noch den rest lesen und bin schon gespannt. Zwinkernd
lg. anna
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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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