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Anton ist sechs Jahre alt und seine Eltern wollen, dass er von seinem besten Freund Abschied nimmt.

Genres: Paranormale Welt, M/M (yaoi)
1. Warnung: Keine
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine

Kapitel: 2     Gelesen: Nicht möglich
Inhaltsverzeichnis

Wörter: 6493     Klicks: 14007
Veröffentlicht: 16/07/11 Aktualisiert: 18/07/11
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Anmerkungen zur Geschichte
In Kapitel eins ist Antons Beziehung zu Jonathan rein platonisch. Warungen treffen erst auf das folgende Kapitel zu, wenn Anton volljährig ist.
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1. Ich sehe dich in meinen Träumen

Warm. Mir ist warm und ich öffne blinzelnd die Augen. Ein leichter Wind lässt die Blätter in der Baumkrone über uns rascheln. Ein Vogel zwitschert. Ein Stück über mir sehe ich Jonathans Gesicht. Er hat den Kopf nach hinten an die graue Rinde des alten Baumes gelegt und tut so, als ob er schläft. Aber er ist wach. Seine Mundwinkel zucken gelegentlich und das verrät ihn. Ich sitze auf seinem Schoß, seinem Bauch zugewendet und spüre seine Oberschenkel gegen meinen Rücken. An jene habe ich mich angelehnt, um ihn zu beobachten.

Jonathan ist groß, aber er hat feine Gesichtszüge. Seine Augenbrauen sind braun und rund. Manchmal fahre ich sie mit meinen Fingern nach, wenn er mir erlaubt so auf ihm zu sitzen. Sommersprossen tanzen auf seinen Wangen. Punkte von Sonnenlicht fallen durch das Blätterdach auf sein langes Haar und lassen es stellenweise rötlich glänzen. Ich weiß nicht, wie alt er ist, das habe ich ihn nie gefragt, er wirkt allerdings ein wenig jünger als Mama und Papa. Aber er hat keinen Bart. Ich bemühe mich ruhig zu sitzen, denn solange ich mich nicht bewege, tut er es auch nicht. Bei unserem Spiel verliert derjenige, der zuerst zuckt. Meistens gewinnt Jonathan, aber nur weil er behauptet, dass lächeln nicht als eine Bewegung zählt. Blinzeln und atmen zum Glück auch nicht.

Es fällt mir schwer, so still zu sitzen. Ich möchte lieber im Geäst des Baumes herum klettern oder fangen spielen. Vielleicht wird Jonathan nachher mit mir Steine sammeln. Steine für unsere Ameisenstadt, in der die Ameisen das Volk sind und ein Marienkäfer – ich habe einen glatten Stein dafür angemalt, weil wir keinen Marienkäfer finden konnten – ist ihr König. Oder er geht mit mir wieder zum Bach auf der anderen Seite des Weizenfeldes, wo wir angefangen haben einen Staudamm zu bauen. Wenn ich das Spiel gewinne, dann darf ich auf Jonathans Schultern reiten. Wenn ich verliere, darf er sich etwas ekeliges aussuchen. Beim letzten Mal musste ich die schleimigen Steine wegschleppen, die wir für unseren Damm nicht gebrauchen konnten.

Der Wind ist sehr warm und er riecht nach Sommer. Nach dem gelben Weizenfeld. Ich habe meine Finger in den Saum meines T-Shirts gewickelt, um mich nicht verleiten zu lassen, mit einer von Jonathans langen, braunen Strähnen zu spielen. Das mache ich immer, wenn mir langweilig ist. Und das ist mir jetzt definitiv. Aber ich will gewinnen.
Meine Nase kribbelt. Oh nein. Ich darf nicht niesen und halte die Luft an. Aber das werde ich nicht ewig durchhalten. Gleich wird mir schlecht werden. Das passiert ständig, wenn ich die Luft anhalte. Jonathans Mundwinkel zucken wieder und er öffnet ein Auge. Dann beginnt er nachsichtig zu lächeln und tippt mir mit seinem Zeigefinger auf die Nasenspitze. „Ich gebe ja schon auf, Anton“, sagt er sanft, „Okay? Du hast gewonnen.“

Zitternd atme ich tief ein und grinse dann über das ganze Gesicht. Ich möchte aufstehen und stütze mich an seiner Brust ab, aber er hält mich fest. „Bleib noch ein bisschen sitzen“, sagt er leise und drückt mich wieder herunter. Gegen seine Kraft kann ich mich nicht wehren. Er hat so viel mehr davon. „Warum denn? Mir ist so langweilig“, quengle ich und kämme mit meinen Fingern durch seine Haare. Sie fallen ihm bis zur Hüfte herunter. Und sie sind viel weicher als meine. Jonathan umfasst meine Finger ganz vorsichtig und sie wirken winzig gegen seine. Denn meine Hand bedeckt gerade seine Handfläche, wenn wir sie gegeneinander legen. „Ich möchte mit dir über etwas wichtiges sprechen, Anton“, antwortet er und küsst eine meiner Fingerspitzen. Das kitzelt. Ich werde rot und frage mich, warum Erwachsene immer so peinliche Dinge tun müssen.

Misstrauisch ziehe ich meine Augenbrauen zusammen. „Es ist wegen dem, was Papa gestern gesagt hat, oder?“, frage ich und versuche meine Hand aus seinem Griff zu ziehen. Wieder lächelt Jonathan und lässt mich los. Irgendwie wirkt er traurig. Das gefällt mir nicht. Das Thema ist doof. Ich verschränke meine Arme vor der Brust und schmolle. „Aber dein Vater hat recht“, sagt er sachte und hebt mahnend seinen Zeigefinger. Das tut er eigentlich nie. „Du wirst in einer Woche eingeschult, Anton, und es gibt nichts, was du dagegen tun kannst. Es wird Zeit, dass du richtige Freunde findest.“ Das ist gemein. Warum schlägt sich mein bester Freund auf die Seite meiner blöden Eltern? „Aber du bist mein Freund!“, sage ich fest und werfe mich gegen ihn, versuche ihn zu umfassen. Es gelingt mir jedoch nicht, meine Arme sind zu kurz. Ich komme nicht einmal mit den Fingerspitzen aneinander. Jonathan lässt mich. „Natürlich, Anton. Aber sie werden dich damit aufziehen, wenn du ihnen von mir erzählst“, flüstert er und legt sein Kinn auf meinen Kopf.

Ich fühle mich elend. Aber ich will nicht weinen und kneife die Augen zusammen. „Ich werde niemandem etwas sagen“, presse ich hervor. Jonathans Brust hebt und senkt sich gleichmäßig. „Ich weiß. Aber du musst auch deine Eltern verstehen. Erwachsene haben keine unsichtbaren Freunde, Anton. Sie vergessen, dass sie als Kinder selber welche hatten. Und weil sie vergessen, macht es sie auch nicht traurig. Es tut nicht weh, Anton. Du wirst neue Freunde finden, die mit dir lachen und weinen. Die für dich da sind, wenn du sie brauchst“, erklärt Jonathan und legt seine Arme um mich. Ich schwitze, weil mir so warm ist, aber ich werde ihn nicht bitten loszulassen. „In ein paar Wochen wirst du dich nicht einmal mehr an mich erinnern. Du musst nicht weinen. Du wirst niemals ganz alleine sein.“ Er streicht mir die Tränen weg, die gegen meinen Willen aus meinen Augen kullern.

„Ich werde dich nicht vergessen, Jonathan“, sage ich fest. „Das schwöre ich.“ Jonathan lacht und seine Brust vibriert dabei unter meiner Wange. „Ach, Anton. Darüber kannst du nicht bestimmen. Es passiert einfach so. Aber glaub mir, es tut nicht weh.“ Ich schüttele meinen Kopf und schluchze laut. Ich drücke mich von ihm, um ihm ins Gesicht zu sehen. Durch meine Tränen sehe ich es leider nur verschwommen, das macht mich noch ärgerlicher. „Und wenn es doch weh tut? Immer? Was soll ich dann machen? Jonathan?“, krächze ich böse und trommele mit meinen Fäusten gegen seine Brust.
Er lässt es eine Weile zu, bis ich aufgebe und mich zurück lehne, wieder gegen seine Oberschenkel. Wütend reibe ich mir über die Augen. Ich will nicht heulen.

Jonathan sieht mich an und streicht mir dann leicht über den Kopf. „Solange du dich an meinen Namen erinnerst, ist es für dich möglich, mich wiederzusehen. Du musst ihn nur laut aussprechen, wenn du mich wirklich brauchst. Ich werde dir ein Versprechen geben, Anton. Ich verspreche, dass ich immer auf dich aufpasse, hörst du? Du wirst niemals ganz alleine sein. Aber dafür musst du mir auch etwas versprechen.“ Sein Blick ist ernst. Ich hebe fragend meine Augenbrauen und lege den Kopf schief. Ich bin misstrauisch. „Du musst dich ernsthaft bemühen, echte Freunde zu finden.“

Ich springe nun doch auf und gehe ein paar Schritte weg. Stampfe mit den Füßen auf den trockenen Erdboden. Dann gehe ich zu ihm zurück. Er ist ebenfalls aufgestanden und lächelt auf mich herunter. „Okay“, sage ich schwach und greife nach seiner Hand. Ich möchte es nicht wirklich versprechen. Aber ich kann es Jonathan sowieso nicht abschlagen. Das kann ich nie.
Solange ich denken kann, ist er für mich da gewesen und hat auf mich aufgepasst.

Ich versuche zu lachen und ziehe an seiner Hand. „Lass uns zum Bach gehen“, sage ich und schaue ihn immerzu an. Jonathan ist so groß, dass ich ihm gerade bis zur Hüfte reiche, aber er zieht mich nie damit auf, dass ich noch klein bin. Ich bin immerhin schon sechs. Eines Tages werde ich groß genug sein, um ihm im Stehen in die Augen sehen zu können, das habe ich mir fest vorgenommen.
Denn ich werde ihn nicht vergessen. Niemand wird jemals Jonathan ersetzen können.

Auch wenn Papa sagt, dass unsichtbare Freunde nicht echt sind, ich glaube ihm nicht. Während wir mitten durch das Weizenfeld laufen, trampele ich die reifen Ähren einfach nieder. Hinter mir bildet sich ein kleiner Pfad, an dem man genau sehen kann, wo ich lang gegangen bin. Jonathan ist echt. Ich kann ihn doch sehen und fühlen. Außerdem riecht sein Haar nach Mohnblumen. Er hält meine Hand fest und ich kann seine warmen Finger spüren. Ängstlich sehe ich ihn an. Wenn er sich durch die Ähren bewegt, schiebt er sie mit den Hüften beiseite, doch die Lücke die dabei entsteht, schließt sich hinter ihm wieder. Als wäre nur der Wind hindurchgegangen. Es gibt nur eine Spur durch den Weizen. Meine.
Ich bin stehen geblieben und starre darauf. Meine Lippen sind ganz trocken und ich lecke darüber. „Warum kann nur ich dich sehen?“, frage ich, ganz leise.

Plötzlich werde ich hochgehoben und die Welt dreht sich schnell. Über uns ist der Himmel, tiefblau und nur die Sonne steht hell darin. Jonathan hat mich unter den Achseln gepackt und wirbelt mich im Kreis herum, dann setzt er mich auf seine Schultern und ich kann die Welt von weiter oben betrachten. Ich umfasse seinen Kopf, weil sich immer noch alles dreht. Eigentlich mag ich es gerne, wenn Jonathan das macht. Aber heute nicht. Ich lege mein Gesicht auf sein Haar und rieche die Mohnblumen, während er anfängt weiter Richtung Bach zu gehen. „Weißt du, Anton“, sagt Jonathan dann leise und hält meine Knie mit seinen Händen fest. „Jedes Kind hat einen Freund, den nur es allein sehen kann. Manche länger als andere. Viele vergessen schon weit früher als du, zum Beispiel weil sie jeden Tag in den Kindergarten gehen. Andere weil sie Geschwister haben, mit denen sie spielen können.“ Ich höre ihm zu und sehe dabei auf das Feld, das schwankend an mir vorüber zieht.

Der Kindergarten. Da bin ich auch eine Zeit lang hingegangen. Aber es hat mir dort nicht gefallen. Die anderen Kinder haben mich viel geärgert, auch wegen Jonathan, und sie haben mich nicht mitspielen lassen. Sie haben mir die Zunge rausgestreckt und sind weggelaufen. Ich habe so viel geweint, dass meine Mama mich dann abgeholt hat und ich irgendwann nicht mehr dorthin musste. Aber sie hat sehr traurig geschaut, an dem Tag. Von da an durfte ich wieder alleine Zuhause oder im Garten spielen. Sie konnte ja nicht sehen, dass Jonathan immer dabei war. Ich seufze. „Was bist du eigentlich?“, frage ich und jetzt ist es scheinbar an Jonathan zu seufzen. „Dein Freund“, antwortet er schlicht.
„Und was warst du, bevor du mein Freund wurdest?“, frage ich weiter.

„Ich war allein.“

„Erzähl mir, wie du mein Freund geworden bist.“

In der Ferne kann ich den kleinen Wasserlauf erkennen. Die Sonne glitzert darauf. Auf dem Feld dahinter stehen grüne Apfelbäume.

„Deine Mama hat dich in einem Kinderwagen zu dem Ort geschoben, an dem ich gewohnt habe. Sie hat dort eine Freundin besucht und du warst noch ein Baby. Gerade ein paar Wochen alt. Während sie sich mit ihrer Freundin unterhalten hat, bin ich an deinen Kinderwagen getreten, weil ich neugierig war. Was würde das für ein stilles Kind sein? Schläft es? Ist es hübsch? Ein Junge oder ein Mädchen? Das habe ich mich gefragt. Aber du hast nicht geschlafen, du hast mich angesehen, ganz still. Du warst ein hübsches Baby und so friedlich. Also habe ich das Mobile, das über dir hing bewegt, und als du darauf reagiert hast, wusste ich, ich möchte dein Freund sein und bin mit euch nach Hause gegangen.“

„Was war das für ein Ort?“

Jonathan bleibt plötzlich stehen, sein Blick geht geradeaus. „Es war der Spielplatz. Ganz in der Nähe von eurem Haus. Wir waren auch schon dort, erinnerst du dich?“

„Der neben dem Friedhof?“

„Ja.“

Ich wundere mich ein bisschen. „Warum hast du auf dem Spielplatz gewohnt?“

„Habe ich nicht, Anton. Sondern auf dem Friedhof.“

Das verstehe ich jetzt gar nicht. „Aber warum? Ist das nicht ein einsamer Ort?“

Jonathan senkt den Kopf und starrt scheinbar auf den Boden vor sich. Mit einer Hand fährt er durch die Ähren. „Es ist einsam dort, ja“, sagt er dann leise. Ich glaube er weint, aber sehen kann ich es nicht. „Du weißt, was der Tod ist, oder? Anton?“

Ich streichel ihm über den Kopf. „Das ist, wenn jemand so fest einschläft, dass niemand ihn wecken kann. Wenn man alt ist. Dann begräbt man ihn auf dem Friedhof und seine Seele wandert zum lieben Gott im Himmel. Das hast du mir doch erklärt“, antworte ich und betrachte seinen Hinterkopf. Das helle Sonnenlicht lässt sein Haar rot leuchten, obwohl es eigentlich braun ist. Jonathan erklärt mir alles auf eine Weise, die ich verstehen kann.

„Manchmal, Anton, sterben Menschen schon wenn sie jung sind. Sogar Kinder können sterben. Und weißt du, ganz selten, da stirbt man ohne Grund und jemand anderes ist Schuld.“

„Wie nennt man das?“

„Totschlag. Oder Mord, wenn der andere es mit Absicht macht.“

„Aber warum sollte ein Mensch jemand anderen töten?“

„Das weiß ich nicht. Aus Wut vielleicht. Oder weil er ihn so sehr liebt, dass er Angst hat, ihn zu verlieren. Die Angst vor dem Verlust ist dann größer als die Angst vor dem Tod. Aber, Anton, man kann auch sich selber töten. Das nennt man Selbstmord und man sagt dann: jemand hat sich das Leben genommen.“

„Hm“, mache ich und sehe in den weiten Himmel hinauf. „Warum tut jemand so etwas?“

„Aus Angst oder Verzweiflung. Einige Menschen werden sehr, sehr krank, obwohl sie jung sind und sie fürchten sich vor den Schmerzen, die die Krankheit mit sich bringt. So sehr, dass sie lieber früher sterben möchten.“

„Kommen sie denn dann trotzdem in den Himmel?“

Eine Weile sagt Jonathan nichts und als er dann spricht, klingt seine Stimme, als hätte er einen Frosch im Hals. „Nein, Anton. Gott möchte nicht, dass ein Mensch sich das Leben nimmt. Es macht ihn traurig, denn er kann es ihnen nicht gestatten, in den Himmel zu kommen.“

„Was passiert mit diesen Seelen dann, wenn sie nicht in den Himmel kommen? Kommen sie in die Hölle?“

Jonathan schüttelt den Kopf. „Nein, das kommt darauf an, wie gut der Mensch in seinem Leben war. Ein böser Mensch kommt immer in die Hölle. Aber einer, der nicht böse war... Der sich zum Beispiel aus Angst das Leben genommen hat, der bekommt von Gott ein Angebot. Weil Gott jeden Menschen liebt, gibt er ihm eine zweite Chance. Er sagt zu ihm, wenn er wirklich bereut, wird er seine Seele rein waschen von der Schuld, die er auf sich geladen hat. Er darf noch einmal leben und kehrt auf die Erde zurück, um einen Freund zu finden. Wenn es einen Menschen gibt, es muss nur ein einziger sein, der sich am Ende seines Lebens an ihn erinnert, wird er auch erlöst.“

Ich spüre, wie Jonathan sich wieder in Bewegung setzt. Er geht weiter auf den Bach zu. Ich runzle die Stirn und denke darüber nach, was er gesagt hat.

„Aber wenn er noch einmal lebt, ist das doch kein Problem, oder?“

Jonathan antwortet nicht, bis wir den Bach erreicht haben. Dort hebt er mich herunter und setzt sich neben mich an die Böschung. Ich umfasse seine Finger mit meinen Händen.

„Nur ein Kind kann ihn sehen. Die Augen der erwachsenen Leute sind blind für ihn. Weil sie nur das sehen, was sie verstehen können. Und weil sie aufhören zu glauben, dass es Freundschaft wirklich gibt. Wenn man älter wird, lernt man, dass es viele böse Dinge auf der Welt gibt, und man verliert das kindliche Vertrauen in andere Menschen. Damit verschwindet immer auch die letzte Erinnerung an den unsichtbaren Freund, den man als Kind hatte. Dein Papa lügt nicht, wenn er dir sagt, dass es mich nicht gibt. Er glaubt das wirklich. Deshalb darfst du ihm nicht böse sein, Anton“, erklärt er sanft und lächelt mich an. Aber es sieht anders aus, als früher. Ernster. Zurückhaltender.

„Das heißt, du warst früher ein Mensch, so wie ich? Und du hattest auch einen unsichtbaren Freund?“

„Ja. Aber ich habe seinen Namen vergessen, irgendwann. Ich habe kaum Erinnerungen an die Zeit, als ich noch ein Mensch war.“
Er reibt mir mit der freien Hand über die Wange.

„Warum bleibst du dann nicht bei mir? Ich will nicht, dass du weggehst. Ich will dich nicht vergessen.“

„Das werde ich doch auch, Anton. Ich gehe nicht weg. Ich werde bei dir bleiben, solange du lebst, weil ich dich gern habe.“ Er tippt mir wieder mit dem Zeigefinger auf die Nase. Dann lässt er die Hand in seinen Schoß fallen. „Aber ich kann dich nicht hindern.“

„Woran?“

„Erwachsen zu werden.“

„Aber wenn ich das nicht möchte? Jonathan? Wenn ich nicht groß werden will?“

„Es wird passieren. Früher oder später. Du wirst nicht von mir sprechen dürfen. Die anderen würden über dich lachen. Du wirst lernen und neue Freunde finden und keine Zeit mehr haben, die du mit mir verbringen kannst. Dein Körper wird wachsen und mit ihm dein Wissen über die Welt. Du wirst einsehen, dass es kindisch war, einen unsichtbaren Freund zu haben und irgendwann wirst du dich einfach nicht mehr erinnern, dass es mich gibt. Du wirst es nicht einmal merken. Deshalb brauchst du auch keine Angst davor zu haben, Anton.“

Ich beiße die Zähne zusammen und starre auf seine Hand hinunter, die ich immer noch festhalte. Dann sehe ich wieder hoch zu seinem Gesicht und begegne seinem forschenden Blick. Ich mag seine Sommersprossen. Das lange Haar. Sein Lächeln.
Ich mag es, wenn er mir Geschichten erzählt von fernen Ländern, in denen die wundersamsten Menschen und Tiere leben. Dass ich ihm immer alles erzählen kann und er einfach nur zuhört.
Jonathan ist der tollste Mensch auf dieser Welt und ich schwöre mir, ich werde ihn nicht vergessen.
Aktualisiert: 16/07/11
Veröffentlicht: 16/07/11
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Snoopy279
16/05/21 18:14
gerne natürlich auch die, die Fanfiktion lesen/Fanfiktionschreiber einfach unterstützen wollen

Snoopy279
16/05/21 18:14
alle, die auch Fanfiktion schreiben, bitte bei der Petition mitmachen, damit das auch in Zukunft möglich bleibt!
http://chng.it/WnwVCzxGff


jabba
21/01/21 22:32
Knuddel! Knuddel! Alle ganz doll knuddel! Heute ist Weltknuddeltag! Knuddel! Knuddel!

Witch23
01/01/21 02:37
*Pfeif Zisch* Gutes neues Jahr wünsche ich euch allen

split
01/01/21 00:01
Frohes Neues *krach baller lärm*

split
24/12/20 23:24
Frohe Weihnachten

Niemue
24/12/20 12:29
Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage, einen guten Rutsch und viel Gesundheit im Neuen Jahr! :*

Witch23
24/12/20 11:02
Wünsche ich euch auch. Vor allem habt schöne Feiertage.

Yavia
24/12/20 10:48
Frohe Weihnachten euch allen!

Witch23
20/12/20 12:51
Einen schönen vierten Advent euch allen und hoffentlich bald wieder etwas entspanntere Tage

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