Tod im Sternenlicht von SoNo (Abgeschlossen)
Inhalt: Der Mars, weit in der Zukunft. Es ist die pure Hölle. Wer genug Geld hat, kann sich mit einer Passage von dort freikaufen.
Genres: Science Fiction, M/M (yaoi)
1. Warnung: Depri/Emo
2. Warnung: Keine
3. Warnung: Keine
Kapitel: 1
Veröffentlicht: 07/08/11
Aktualisiert: 07/08/11
Anmerkungen zur Geschichte:Eine Momentaufnahme.
Sehnsucht
Es ist kaum etwas zu sehen. Ein schwacher Wind bläst schmutzige Luft durch die kaputten Scheiben in das dunkle Zimmer. Es stinkt nach Schwefel, Unrat, Kadavern. Draußen lebt das Unglück.
Die Wolken hängen meistens tief und sind von der Stadt rot beleuchtet, sie sind kranke Flecken am Firmament, die sich immerzu langsam voran bewegen, wandern wie Krebsgeschwüre. Es regnet nicht, dafür ist es zu warm. Es regnet nie, denn es ist immer zu warm.
In den Straßen wird der Müll nur von dem vielen Staub überdeckt. Der Staub dringt überall hin, auch in die Häuser, Flure, Zimmer - sogar in die Betten, in die Kleidung. Man wird ihn niemals los und das schlimmste daran, der Staub überträgt den roten Tod, an dem man nach Wochen langem Leiden irgendwann verlassen krepiert, weil der Staub die Lungen zerfressen und verklebt hat.
Wenn der Wind stark weht, grassiert der roten Tod in heftigen Wellen. Man kann sich nur schützen, wenn man sein Gesicht immer bedeckt hält und so wenig Staub atmet, wie man vermag.
Und dafür muss man genug Geld besitzen - denn man muss seinen Gesichtsschutz regelmäßig erneuern.
Auch in dem Zimmer liegt auf allem Staub, denn einige der Fensterscheiben sind zerbrochen, und auch auf Laular.
Sein Blick geht aus dem Fenster hinüber zu den Hügeln, wo man in den Stollen arbeiten kann. Aus den Öffnungen dringt etwas Licht und beleuchtet die umliegende Leere. Niemand wohnt bei den Stollen, denn dort ist der Wind immer so stark, dass er an einem zerrt und in die Ohren drückt.

Laular ist fast noch ein Kind, gerade sechzehn, etwa einen Meter achtzig groß, schlaksig, seine Hände sind noch ein wenig zu groß für seine Proportionen. Sein Haar ist rückenlang, nachlässig geflochten und eigentlich dunkelbraun, aber durch den Staub fast rot. Seine Kleidung ist funktional, hat viele Taschen, denn alles, was er besitzt, trägt er bei sich, und unter dem vielen Dreck war sie wohl einmal rot. Um das Gesicht hat er eng einen Schal gewickelt. Dieser ist fast neu und man kann noch sehen, dass er mal grün-schwarz gestreift gewesen sein wird. Nur seine hellbraunen Augen sind zu erkennen und sie starren beinahe ewig zu den Hügeln.
Er wartet auf den richtigen Zeitpunkt. Sein Gefährte Ourin wollte bald da sein. Sie wollten sich hier treffen, in diesem Zimmer, in dem es nur das Bett gibt und den kaputten Wandschrank. Sie wollten hier schlafen, weil man drinnen etwas sicherer ist, und früh am Morgen nach Süden aufbrechen. Zum großen Raumhafen. Von dort kann man den Mars verlassen.
Sie wollten fort, sie hatten entbehrt und gehungert und gearbeitet, um genug Geld für eine Passage zusammen zu bekommen. Heute würde es reichen. Wenn Ourin heute aus den Stollen kam, hatten sie genug.

Plötzlich spürt er Wärme im Rücken und Arme umfangen ihn fest. Laular erwacht aus seiner Starre. Ourin blickt ihn über seine Schulter hinweg an und seine grünen Augen strahlen vor Freude – die untere Hälfte seines Gesichts bedeckt eine ehemals weiße Plastikmaske. Laular greift nach Ourins Händen und umfasst sie sanft, aber mit Nachdruck, er lehnt sich tiefer in die Umarmung und Erleichterung durchfährt ihn. Sie wissen nicht, was sie auf der anderen Seite des Transporters erwartet, aber es muss besser sein als diese Welt.
Es muss ein Ort sein, der einen nicht so auszehrt, nicht so an einem frisst und einen wertlos zurück lässt. Ein schöner Ort voller freundlicher Gesichter und Frieden.
Stille würde dort wohl sein, dort, wo das Sternenlicht wohnt.

Laular dreht sich um und umschlingt Ourin nun seinerseits, zusammen lassen sie sich auf das Bett rutschen und drücken ihre Gesichter aneinander, die Augen geschlossen, Körper an Körper, obwohl es so nur noch heißer wird, aber voller einsamen Verlangens.
Sie werden auch nicht mehr sprechen, es ist nicht mehr nötig.
Von draußen dringen die Alltagsgeräusche zu ihnen herein, belästigen ihr Zusammensein. Schreien, Knirschen, Hupen, Hämmern, Lärm. Noch sind sie nicht fort – noch sind sie hier, auf dem Mars, in ihrem bisherigen Leben. Es gibt Geräusche und Gestank und Hass und Leid.
Laular lässt seine Hand auf Ourins Brust wandern, um dessen Herzschlag zu erfühlen. Schlag um Schlag an seine Finger; so viel Nähe und Vertrautheit.

Und morgen werden sie in den Transporter steigen. Laular lächelt in seinen Schal hinein. Ourin und er – zusammen werden sie erfahren, was die Leute den Tod im Sternenlicht nennen.
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